Teaches from Peaches

Von Götz Egloff

Peaches Does Herself. Electro Rock Opera, Berlin, 2010

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Merrill „Peaches“ Nisker, kanadische Ikone des Electroclash mit Wohnsitz in Berlin, liefert mit der 2014 erschienenen DVD „Peaches Does Herself“ den um einige Ergänzungen erweiterten Mitschnitt ihrer Electro Rock Opera, die unter dem gleichnamigen Titel 2010 im Berliner Hebbel am Ufer zu sehen war. Was mehr als Performance denn als Konzert beginnt, entwickelt sich im Lauf des Abends zu einem veritablen Punk/Pop/Rock-Konzert des Minimalen, das nicht nur stimmlich manchmal an die frühe Pat Benatar erinnert, sondern vor allem roh und unpoliert daherkommt und den ausgehenden Punk-Crossover um 1980 wieder aufleben lässt. Auch Prince in seiner Controversy-Ära lässt grüßen. Programmierte Industrial-Sounds wechseln sich ab mit den ultra-minimalen Rock-Fetzen von Sweet Machine, die als Peaches´ Haus-Band fungieren dürfen. Modale Grooves, vor denen Peaches singt, rappt oder sonstige Statements abgibt, führen das Publikum spielerisch durch die Geschichte ihrer postmodernen Selbstwerdung, also Peaches according to Peaches. „Teaches from Peaches“ weiterlesen

70 Jahre Hamburger Kammerspiele: Der geheimnisvolle Talisman der Prinzipalin

(Dieser Artikel ist 1997 im Hamburger Abendblatt erschienen, passt nun als Erinnerung in das Jubiläumsjahr und erinnert an Ida Ehre)

Von Johanna Renate Wöhlke
Auf den Spuren eines zerlumpten Püppchens – und einer seltsamen Münze…

Carlheinz Hollmann mit dem Talilsman von Ida Ehre
Carlheinz Hollmann mit dem Talilsman von Ida Ehre

Geschichten ergeben Geschichten. In einer alten Geschichte steckt eine neue verborgen wie in den russischen Matrjoschka-Puppen immer noch eine Puppe mehr steckt, bis man zum Kern vorgedrungen ist und in einer kontinuierlichen Reihe alle von der größten bis zur kleinsten vor sich aufgereiht hat.
Daran muss ich denken, als ich Carlheinz Hollmann und seine Frau Gerti in Luhmühlen besuche. Außerdem geht es an diesem Nachmittag tatsächlich um eine Puppe: den Talisman von Ida Ehre, der ehemaligen Prinzipalin der Hamburger Kammerspiele. Nach ihrem Tod 1989 gelangte die Puppe als Geschenk der Tochter von Ida Ehre, Ruth Müller—Eisler, zusammen mit einer Meißener Vase und einem Half-Dollar Stück in den Besitz der Hollmanns. Einmal neugierig geworden, fragte ich mich, welche Geschichte wohl hinter diesem kleinen, zerlumpten Püppchen stecken möge. „70 Jahre Hamburger Kammerspiele: Der geheimnisvolle Talisman der Prinzipalin“ weiterlesen

„ Trick 347“ oder „Der mutigste Junge der Welt“

Von Uta Buhr

Von einem der auszog, seine Angst zu überwinden. „ Trick 347“ oder „Der mutigste Junge der Welt“ handelt von einem Elfjährigen, der das Abenteuer Zirkus für sich entdeckt.

Das Buch
Das Buch

Hand aufs Herz. lieber Leser, gehören Sie nicht auch zu jenen Menschen, die sich in ihrer Kindheit nichts sehnlicher wünschten, als zum Zirkus zu gehen, um als Trapezkünstler oder Löwenbändiger zu brillieren? Wer von uns träumte nicht von der unendlichen Freiheit des fahrenden Volkes, das sich nur kurz an einem Ort aufhält, seine Kunststücke einem staunenden Publikum präsentiert und bei Nacht und Nebel in ferne Länder zu neuen Abenteuern aufbricht? Besonders reizvoll schien uns der Gedanke, nicht an einem langweiligen „Paukinstitut“ bei Mathematik, Aufsätzen und lateinischer Grammatik unser junges Leben zu fristen. Selbst die mahnenden Worte der Eltern, uns keinen Illusionen über das entbehrungsreiche Nomadenleben der Zirkusleute im Wohnwagen hinzugeben, fruchteten da nicht.

Und genau hier beginnt die aufregende Geschichte des „„ Trick 347“ oder „Der mutigste Junge der Welt““ weiterlesen

70 Jahre Hamburger Kammerspiele

Von Hans-Peter Kurr
Ungewöhnlicher Festakt an der Hartungstraße
Ein Chronist – noch zehn Jahre älter – durchstöbert seine Erinnerungskiste

Hamburger Kammerspiele
Hamburger Kammerspiele

Aus dem Dunst, der über dem zerbombten Deutschland nahezu flächendeckend waberte nach Ende des 2. Weltkrieges , taucht folgende Erinnerung auf : Es waren, durch die Initiative meines Vaters -meine erstenTheaterbesuche nach der Kindermärchenzeit :
13 Jahre erst hatte ich auf diesem „Schulungsplaneten Erde“ zugebracht, als ich am Staatstheater Braunschweig „Hamlet“ und an der Hamburger Hartungstrasse Wolfgang Liebeneiners Inszenierung des Heimkehrer-Stückes „Draussen vor der Tür“ als Wiederaufnahme der Uraufführung aus dem Jahr 1947 sah, das die Neu-Begründerin der Kammerspiele, Ida Ehre, entdeckt und für die Hauptrolle des Beckmann den hochbegabten Hans Quest engagiert hatte. Hans Quest, der im Theater und später in TV- und Filmproduktionen bedeutende Rollen spielte, bis ihn im Alter Probleme des Textlernenes heimsuchten und er darunter dergestalt litt, das er einmal in einem Studio des Hessischen Rundfunks, allwo er in der Inszenierung des Frankfurter Schauspieldirektors Heinrich Koch,dessen Assistent ich nach Schulzeit und Studium geworden war, aus einem Wutanfall gegen sich selber einen Stuhl durch das riesige Atelier schleuderte. Derselbe Hans Quest, der Jahre später mein geliebter Schauspiellehrer wurde, „70 Jahre Hamburger Kammerspiele“ weiterlesen

Silvesternachlese im Wartezimmer

erschienen im Hamburger Abendblatt

eine Glosse vom Johanna R. Wöhlke

Finger weg von den Fleischgabeln!
In der Ecke des Wartezimmers sitzt eine bedauernswerte Frau. Beide Hände sind fingerweise bandagiert, das Gesicht weist einige rote Flecken auf und ihr Gemütszustand scheint verheerend. „Ein frohes neues Jahr…“, ach, das hätte ich nicht sagen sollen. Die Frau schreckt zusammen, weint fürchterlich. Was hat sie nur?
Ich setze mich zu ihr und erfahre ihre Leidensgeschichte: Wie in jedem Jahr waren zu diesem Silvester wieder Freunde gekommen, um in gemütlicher Runde miteinander Fleischfondue zu „Silvesternachlese im Wartezimmer“ weiterlesen

Preußen spielte nur die zweite Geige

erschienen in der PAZ

Von Dr. Manuel Ruoff
Beim Wiener Kongress vor 200 Jahren musste Staatskanzler Karl August von Hardenberg etliche Kröten schlucken
Am 12. Oktober 1815 ratifizierte Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg mit seiner Unterschrift die Ergebnisse des Wiener Kongresses für Preußen. Dessen Ergebnisse haben sich rückwirkend als ein Schritt in Richtung der kleindeutschen Lösung der deutschen Frage unter Preußens Führung erwiesen. Dieses ist umso bemerkenswerter, als die damals noch kleinste der fünf europäischen Großmächte auf dem Kongress mehr Objekt denn Subjekt, eher Amboss als Hammer gewesen war.

Das lag zum einen daran, dass die Verhandlungsführer Preußens, der Staatskanzler und sein König Friedrich Wilhelm III., ihren Pendants aufseiten der anderen Großmächte, dem britischen „Preußen spielte nur die zweite Geige“ weiterlesen

Flüchtlingskrise – „Trojanisches Pferd“ von Kanzlerin Angela Merkel ?

Von Immo H. Wernicke

Internationaler Beifall für Kanzlerin Merkels Willkommenskultur

Zur „Flüchtlingskrisendebatte“ im Allianzforum anläßlich „World Health Summit“ im Oktober in Berlin

"Trojanisches Pferd"
„Trojanisches Pferd“

Im September 2015 erntete die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer Willkommensgeste gegenüber den „Flüchtlingen“ in Ungarn weltweit den Beifall der internationalen Medien und vieler NGOs, wie „Pro Asyl“. Die unerwartete deutsche Willkommenspolitik wurde vor allem vom UNHCR (United Nations‘ High Commissioner of Refugees) und von der zeitgleich tagenden „General Assembly oft he United Nations“ in New York begrüßt (Grafik 1). Auf dem „World Health Summit“ im Oktober in Berlin zur Prävention von Krankheiten, Unterernährung und Hunger als Ursachen für Bürgerkriege und Flucht dankten Studenten aus Syrien, begleitet von anhaltendem Beifall, für die großzügige Aufnahme ihrer Landsleute in Deutschland. Infolge ihres gewachsenen internationalen Ansehens wurde die Kanzlerin bereits für den Friedensnobelpreis „gehandelt“.
Die unkontrollierte Flüchtlingsaufnahme könnte sich indes als „Trojanisches Pferd“ (Foto) für die Kanzlerin erweisen. Seitens der nicht konsultierten „Flüchtlingskrise – „Trojanisches Pferd“ von Kanzlerin Angela Merkel ?“ weiterlesen

Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr 2016 unseren Lesern!

Weihnachtslichter
Weihnachtslichter

Wieder ist Weihnachten. Wieder ist ein Jahr vergangen, das uns alle durch seine Höhen und Tiefen mitgenommen hat – ob wir wollten oder nicht. Einigen von uns mag es so ergangen sein, dass es besonders viel davon gezeigt hat, was das Leben ausmachen kann: Krankheit und Genesung, Trennung und Neuanfang, Stillstand und Entwicklung, Hast und Ruhe, Sehnsucht und Erfüllung, Misserfolg und Erfolg.
Das ist ja eigentlich wie immer – und doch in jedem Jahr und in jedem Leben immer wieder neu. Wie schön, wenn uns die Zeit dann unseren Zielen und Träumen näherbringt, wenn wir sie denn noch haben! Wer mit dem zu leben in der Lage ist, was das Unvermeidliche genannt werden kann, dem ist sicherlich auch Glück beschieden – trotz alledem! Trotz alledem, was Medien jeder Art immer wieder an Grausamkeiten zu berichten haben. „Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr 2016 unseren Lesern!“ weiterlesen

Weihnachten in den 50er Jahren

Erinnerungen von Lilo Hoffmann

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Weihnachten in den 50er Jahren. Statt Playstation, Lerncomputer, Fernlenkauto, Star Wars-Figuren, Mountain-Bike, Tablet und Smartphone, das sich heute schon Erstklässler wünschen, lagen damals Holzeisenbahnen, selbstgeschnitzte Krämerläden, Brummkreisel, gebastelte Flugzeuge und Puppen aus Zelluloid unter dem Weihnachtsbaum.
Der traditionelle bunte Teller bot vor allem Äpfel, Nüsse, Pfefferkuchen, Dominosteine und Spekulatius. Elektrische Lichterketten kannte man noch nicht. Die Kerzen am Weihnachtsbaum, der Zweig für Zweig mit silberfarbenem Lametta geschmückt wurde, waren aus Wachs. Und auf dem Ofen lagen Orangenschalen, damit es weihnachtlich duftete.
Foto: Lilo Hoffmann sen.

Himmelblauer November

Von Hans-Peter Kurr
Burkhard Jahn legt einen aufregenden Gedichtband vor

Burkhard Jahn
Burkhard Jahn

Der Schauspieler und Regisseur Burkhard Jahn, gleichermassen künstlerisch wie privat in der Schweiz und in Deutschland beheimatet – seit Jahrzehnten auf Bühnen und in TV-Studios, gehört zum Kreis derjenigen bekannten Menschendarsteller, denen nie in ihrer Laufbahn berufliche „Eingleisigkeit“ genügte und die immer auch in anderen Ausdrucksmöglichkeiten zuhause waren: Wie andere malen, andere komponieren, siedelte Jahn stets in der dritten Gruppe, der der Schreibenden. In diesem Herbst erschien ein Gedichtband unter dem Titel „Himmelblauer November“. Das Bemerkenswerte daran ist nicht, weil nicht besonders verwunderlich, dass seine gedichteten Skizzen zum Teil innerhalb seiner hauptberuflichen Szenerie spielen, sondern vielmehr, dass sie sich, stilistisch wie inhaltlich, zwischen Lyrik und Kabarett bewegen. „Himmelblauer November“ weiterlesen