„Weißt du eigentlich, dass ich ein Filmstar bin?“

Guy Stern, Foto: privat

Meine Begegnungen mit einem Ritchie Boy extraordinaire
Guy Stern habe ich nur zweimal persönlich getroffen und beide Male mit seiner Frau Susanna. 2013 war es in Detroit und 2018 in Frankfurt/Main. Von ihm gehört hatte ich schon vorher. Mehr mit ihm zu tun bekam ich erst durch die Vorstandsarbeit des P. E. N.-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland (früher Deutscher Exil-P. E. N.). Guy gehörte dem Vorstand schon längere Zeit an, als ich 2017 dazukam. Seit 2018 ist er unser Präsident.

Das Treffen in Frankfurt ergab sich, als er den Ovid-Preis, den er im Jahr zuvor erhalten hatte, an die neue Preisträgerin Herta Müller überreichte. In Detroit hatte ich mich selbst bei ihm eingeladen. Ich wollte ihn kennenlernen, und in Michigan habe ich seit 2012 ein Domizil. Wir verbrachten einen halben Tag zusammen, und aus dem Treffen sind mir zwei Dinge in besonderer Erinnerung geblieben.

Als er mich durch das Holocaust-Museum in Detroit führte, dessen Direktor er einst gewesen war, zog ein Exponat meine besondere Aufmerksamkeit auf sich. Der „Hannoversche Bahnhof“ mit einem alten Eisenbahnwaggon, in dem man zur Nazizeit die Juden in die Vernichtungslager transportiert hatte. Von Hamburg aus, meiner Heimatstadt, die gerade einen neuen Stadtteil, die HafenCity, entwickelte. Hier lag der frühere „Hannoversche Bahnhof“. Alle Parteien in Hamburg wollten dort einen Gedenkort einrichten. Uns – ich war in jener Zeit Mitglied in der Deputation der Kulturbehörde – war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, dass es eine ähnliche Gedenkstätte bereits in Detroit gab. Nach meinem Treffen mit Guy informierte ich meine Kollegen und stellte auch den Kontakt zwischen den zuständigen Personen in Hamburg und Detroit her.

Guy Stern (r.) und Gino Leineweber, Foto: privat

Außerdem werde ich nicht vergessen, wie mich Guy mit einem spitzbübischen Lächeln fragte: „Weißt du eigentlich, dass ich ein Filmstar bin?“ Ich wusste es nicht, war sehr erstaunt und erfuhr, dass es einen Film von 2004 mit dem Titel The Ritchie Boys gibt, in dem er mitgewirkt hatte. Er schenkte mir zum Abschied eine DVD davon, auf deren Cover neben anderen auch er als „Ritchie Boy“ abgebildet ist.

Der Titel trägt den Namen einer Einheit amerikanischer Soldaten im II. Weltkrieg, die im Camp Ritchie in Maryland ausgebildet wurden. Darunter viele deutsche Juden, die in die USA geflüchtet waren. Ihre Aufgabe war es, ihre Kenntnisse der deutschen Sprache und Kultur im Kampf gegen die Nazis zu nutzen, und sie wurden nach der Invasion als Geheimwaffe vor allem für Verhöre von Gefangenen an der Front und zur Spionageabwehr in Europa eingesetzt. Guy Stern war einer von ihnen.

Er war auch einer von drei „Ritchie Boys“, die in der bekannten CBS-Sendung „60 Minutes“ am 9. Mai 2021 zu Wort kamen und in der sie und ihre frühere Einheit für die Effektivität ihrer Arbeit gerühmt wurden: Sie hätten Leben gerettet und man müsse sie als Helden bezeichnen, hieß es.

Guy zu sehen und ihm zuzuhören ist immer eine Bereicherung, wie mir aus den Treffen und vielen Internet-Meetings vertraut ist. Bei CBS wirkte er trotz seiner 99 Jahre mit seiner freundlichen und offenen Art fast jugendlich. Die Sendung führte mich in einen Teil seiner Vergangenheit, der sehr bedeutend für ihn gewesen war. Und wieder sind es zwei Dinge, an die ich seither zurückdenke.

Seinen Eltern war aus finanziellen Gründen nur möglich, eine Person in die USA ausreisen zu lassen, und sie entschieden sich für den ältesten Sohn. Günther, wie er damals noch hieß. Er hat danach weder sie noch seine Geschwister und Großeltern je wiedergesehen. Seine Antwort auf die Frage, was er vom Abschied von seinen Eltern in Erinnerung behalten habe, hat mich gefühlsmäßig stark berührt. Sie bestand aus einem Wort: Taschentücher!

Guy Stern, Foto: Susanna Piontek

Vergessen werde ich auch nicht, was er dabei empfindet, als einziger der Familie überlebt zu haben. Dazu sagte er: „Wenn du gerettet wurdest, sagte ich mir, musst du zeigen, dass du dessen würdig bist. Und das war die treibende Kraft in meinem Berufsleben.“

Im Film The Ritchie Boys gibt es eine Szene, in der Guy mit seinem alten Kameraden Fred Howard im Fond eines Autos sitzt, auf dem Weg zum früheren Camp Ritchie. Während Guy schon glaubt, die Gegend zu erkennen, sagt Fred, das könne auch Texas sein. Sie kabbeln sich ein wenig, bis Fred sagt: „Imagine. You see already the Blue Mountains. –  Guy, you are the best.“

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

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(Dieser Artikel erschien zuerst in „Von der Exilerfahrung zur Exilforschung: Zum Jahrhundertleben eines transatlantischen Brückenbauers. Festschrift zu Ehren von Guy Stern“ von Frederick A. Lubich (Herausgeber), Marlen Eckl (Herausgeber), 738 Seiten, Deutsch, Englisch, Französisch, 48 Euro, Verlag Königshausen u. Neumann, Januar 2022

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Die Königin Elizabeth II. ist tot, es lebe der neue König Charles III.

Besuch der Königin mit ihrem Mann Prinz Philip im Jahre 1965 in Salem.
Von rechts nach links: Friederike Prinzessin von Hannover, Marie Prinzessin von Hannover, Ernst August Prinz von Hannover, Prinz Philip, Kraft Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, Königin Elizabeth II., Ludwig Prinz von Baden, Theodora Markgräfin von Baden (Philips Schwester) und Max Prinz von Baden. Foto: privat

Als Prinzessin Elizabeth am 21. April 1926 in London das Licht der Welt erblickte, konnten Ihre Eltern, Herzog Albert von York und Elizabeth Bowes-Lyon, nicht ahnen, dass Ihre Tochter einmal als Königin Elizabeth II. den britischen Thron für 70 Jahre besteigen sollte.

Der Herzog von York war als zweitgeborener Sohn von König George V.  nicht für die Thronfolge vorgesehen. Zunächst bestieg Alberts älterer Bruder als König Edward VIII. am 20. Januar 1936 den Thron in London. Er ging später als Herzog von Windsor in die Geschichte ein, denn seine Ehe mit der umstrittenen Wallis Simpson führte zu seiner Abdankung. Seine Regierung dauerte knapp ein Jahr, bis er seinem jüngeren  Bruder  Albert den Thron am 11. Dezember 1936 überließ. Dieser übernahm als König George VI. die britische Krone bis zu seinem Tod im Jahre 1952.

Elizabeths Krönung

Elizabeths Krönung wurde am 2. Juni 1953 glanzvoll begangen, die auch in Deutschland bei vielen Menschen unvergessen blieb. Das Ereignis wurde in Farbe gefilmt, aber in Schwarz-Weiß von der BBC im Fernsehen live übertragen. Millionen von Menschen verfolgten die Krönung am Fernseher. Das königliche Spektakel gehörte zu den ersten Liveübertragungen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Königin  Elizabeth II. und Prinz Philip besuchten Deutschland erstmals am 18. Mai 1965 für elf Tage. Auf dem Flughafen Köln-Bonn wurde die Königin mit 21 Salutschüssen begrüßt und das königliche Paar legte während seines Aufenthalts mehr als 3000 Kilometer zurück.  In der Bundesrepublik wollten hunderttausende Menschen die junge schöne Königin sehen. Der königliche Besuch stand zwanzig Jahre nach dem Krieg ganz im Zeichen der Versöhnung. Dieser Staatsbesuch der überaus populären Monarchin ließ alte Vorbehalte abbauen und neue Verbindungen festigen.

Abends am Schwarz-Weiß-Fernseher

Für mich persönlich blieb dieser königliche Besuch aus England unvergesslich. Als Vierjähriger durfte ich im Beisein meiner Geschwister ausnahmsweise abends am Schwarz-Weiß-Fernseher den Besuch des königlichen Paares verfolgen. Dabei erfuhr ich, dass die vielen Polizei-Motorräder, die die Limousine mit den königlichen Staatsgästen eskortierten, als „Weiße Mäuse“ bezeichnet wurden, ein Kuriosum, das mich noch heute belustigt.

Neben dem wohl bedeutendsten Besuch der Königin von 1965  folgten noch drei weitere 1992, 2004 und zuletzt 2015. Der Berlinbesuch von 1978 ist dabei nicht eingeschlossen, da unsere heutige Hauptstadt damals noch unter einer Vormachtstellung der Siegermächte stand und Berlin staatsrechtlich nicht zur Bundesrepublik gehörte. Alle Besuche aus England förderten langfristig die bilateralen Beziehungen und machten Elizabeth II. zu einer der populärsten Persönlichkeit für uns Deutsche.

Regierungszeit geprägt von Staatsbesuchen

Die 70-jährige Regierungszeit von Königin Elisabeth II. war vor allem geprägt von Staatsbesuchen. Die Königin fungierte als Gastgeberin, wenn ausländische Staatsoberhäupter offiziell Großbritannien besuchten. Daneben absolvierte sie mit ihrem Mann Prinz Philip unzählige offizielle Auslandsbesuche und trat selber als Staatsgast auf. Von ihren vielfältigen Verpflichtungen beim Commonwealth einmal abgesehen, stand die Monarchin auch britischen Organisationen und Verbänden vor, wo sie Ämter und Funktionen innehatte. Daneben musste die Monarchin täglich Staatsakten lesen und sich einmal wöchentlich mit dem Premierminister treffen, der sie über seine Regierungsarbeit unterrichtete. Die Königin hatte faktisch keine Macht. Ihre Aufgabe war es, Großbritannien in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu repräsentieren. Und diese Aufgabe absolvierte sie ihr ganzes Leben lang mit Bravour!

Bis heute hat noch kein weibliches Staatsoberhaupt länger als die britische Königin regiert. Aber die drei folgenden Monarchen regierten länger: König Sobhuza II. von Eswatini (heute Swasiland) ist mit einer Amtszeit von über 82 Jahren das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Geschichte; gerechnet ab der Unabhängigkeit von Großbritannien 1968 waren es knapp 14 Jahre. König Ludwig XIV., (1638-1715 ) war von 1643 bis zu seinem Tod 72 Jahre König von Frankreich und Navarra. Johann II. (1840-1929), genannt der Gute, war vom 12. November 1858 bis zu seinem Tod 71 Jahre Fürst von Liechtenstein.

Dagegen verpasste Bhumibol (1927- 2016) nur um wenige Monate die lange Regierungszeit von  Königin Elizabeth. Er war vom 9. Juni 1946 bis zu seinem Tod 70 Jahre und 127 Tage König von Thailand. Die britische Königin hingegen regierte Großbritannien 70 Jahre und 214 Tage.

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Preußischen Allgemeinen Zeitung.

Markus Lanz und Arved Fuchs beim HORIZONTA-Festival in der Hamburger Laeiszhalle.

Horizonta Festival. Veranstalter: Amap e. V..

Ein kulturelles Happening zum Schutz des brasilianischen Regenwalds.

Am Samstag, dem 15. Oktober präsentiert die Naturschutzorganisation AMAP e. V. das HORIZONTA-Festival Hamburg im großen Saal der Laeiszhalle mit dem Unterwasserfotografen TOBIAS FRIEDRICH, dem Polarforscher ARVED FUCHS sowie dem Star-Moderator MARKUS LANZ.
Drei Live-Reportagen mit jeweils zwei Stunden spannungsgeladener und live erzählter Abenteuergeschichten, begleitet von packenden Fotografien und Filmsequenzen auf Großleinwand mit Musik.

Programm am Sa. 15.10.22 in der Hamburger Laeiszhalle:
11 Uhr – Tobias Friedrich: Below Surface – Leben im Ozean
15 Uhr – Arved Fuchs: Ocean Change – Die Arktis – eine Welt im Wandel
19 Uhr – Markus Lanz: Grönland – meine Reisen ans Ende der Welt

Tickets unter: www.horizonta-amap.de
und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Veranstalter ist die gemeinnützige Naturschutzorganisation AMAP e. V.
Das Festival wird ehrenamtlich veranstaltet und sämtliche Erlöse der HORIZONTA fließen in die Wald- und Klimaschutzprojekte des Veranstalters AMAP e. V. (Almada Mata Atlântica Project).
Mehr unter:
https://horizonta-amap.de/
www.amap-brazil.org

„Great Expectations“ by Charles Dickens. The New Premiere at The English Theatre of Hamburg

„What a beauty you are, Estella.“ Photo: Stefan Kock

As a child I was infatuated with the books by Charles Dickens.
I always gave my mother a hard time when she wanted me to go to sleep. “David Copperfield” was a particularly good read which I secretly enjoyed when mum had left my room after kissing me good night. Later when my brother borrowed me “Great Expectations”, Dickens’s thirteenth novel, I was first shaken with horror while reading Pip’s encounter with Magwitch on the graveyard in rural Kent. The convict who assailed Pip had just escaped from a ship bound for Australia, Britain’s gruesome penal colony. The book proved a real page turner which I did not close before having read the last line.

As to be expected, the British made a film of this wonderful novel in the mid-fortieth of the last century, featuring stars such as Alec Guiness und Jean Simmons. However, when it came to Hamburg under the title “Geheimnisvolle Erbschaft” (Mysterious Inheritance) I was denied access to the cinema. They told me that I was far too young for such murderous stuff. Years later when I saw this black and white movie I was absolutely thrilled by the performance of the late actors.

What a surprise when I heard that the English Theatre of Hamburg intended to adapt “Great Expectations” for the stage. A brilliant idea indeed. However, it was hard for me to imagine that anyone could make a play of this intricate story. Having attended the premiere, I agree that it is possible, provided an experienced stage director like Paul Glaser is in charge.

Want to know more about this stage experiment? Here we go.
„Come on, Pip, you may kiss my hand.“ Photo: Stefan Kock

Eight-year-old Philip, nicknamed Pip, is growing up in a poor family. Orphaned at an early age, he is at the mercy of his quarrelsome older sister who is married to the good-natured blacksmith Joe Gargery. Joe loves the boy and makes up with his tenderness for Mrs. Joe’s tyranny. While visiting his family’s graves on the churchyard one day before Christmas, Pit encounters a convict named Magwitch who urges him to bring him food and a file. Otherwise he would kill the boy. In spite of Pip’s help, Magwitch and Compeyson, his partner in crime and a supposed gentleman who is now his embittered enemy, are soon caught by the police.

An invitation

One day Pip is requested to see Miss Havisham at Satis House. Many years ago that lady became gaga when jilted by her fiancé on her wedding day. Now she lives in her run-down residence with her adopted daughter Estella, still wearing her wedding dress. The old spinster never forgot what her former lover had done to her. Now she is seeking revenge by teaching Estella to torment men with her beauty. While Pip is beguiled by her and instantaneously falls in love with Estella, she treats him with utmost coldness making him feel that he, the poor boy from the smithy, does not belong to her class.

From rags to riches
„Look, my dear boy, all this is mine.“ Photo: Stefan Kock

Several years later a lawyer named Jaggers arrives from London and informs Pip that a person who wants to stay anonymous has left him a nice sum of money. Pip is sure that Miss Havisham is his benefactor who does not dissuade him of his notion. Once in London, Pip is taught to be a gentleman by Mr. Pocket and his son Herbert.
The wealth does not do any good to Pip. He becomes an intolerable snob who is ashamed of his humble birth and looks down on his stepfather Joe who cared for him so tenderly when he was a child.

Shocking news

When Magwitch comes illegally to England confessing that he let Pip the money to thank him for his help years ago, he is caught again by the police while he is trying with the aid of Pip and Herbert to flee on a boat to the Continent. During his flight he gets injured and dies in jail. Shortly before his death Pip informs Magwitch that he is Estella’s father, her mother being Mr. Jaggers’ housekeeper. Following Estella’s birth Jaggers arranged the infant’s adoption by the childless Miss Havishaw. At the same time another secret is unveiled: It was Compeyson who once jilted Miss Havishaw before leaving England for good.

Easy come, easy go

After the death of Magwitch Pip is penniless. He and his friend Herbert had been living beyond their means for many years. As a result of their extravagance they are now completely broke. They decide to go abroad and try their luck elsewhere.

Satis House on fire
„You are making me cry, Estella.“ Photo: Stefan Kock

Pip pays a last visit to Satis House. He learns that Estella, now widowed, was unhappily married to the reckless Bentley Drummle whom Pip once met in London and utterly disliked from the very first moment. Miss Havinshaw expresses her deep regret for having talked Estella into the marriage with that awful man. While talking she comes too near to the fire-place in her living-room so that her dress catches fire. A shocking scene with a blazing fire on the stage. Miss Havinshaw dies a few days later.
When Pip meets Estella after all these years he finds her softer and friendlier than in the past. They shake hands and separate without any hard feelings. Curtain.

Charles Dickens and his Work
„No use, Pip, trying to hide under the table.“ Photo: Stefan Kock

No doubt, Pip was Dickens’s alter ego. Like his hero he grew up in poverty and had to leave school at the age of twelve. His heavily indebted father was being incarcerated for years, and his family paid him regular visits in jail. Unlike Pip Charles was not so lucky to inherit a fortune. He had to work his way up without any help from others. He was what we nowadays call a self-made man. When he was given the chance to work as a journalist he developed his literary gift. Later he became one of Britain’s most famous authors writing one novel after the other. Just think of literary blockbusters such as “Oliver Twist”, “David Copperfield”, “A Christmas Carol in Prose” and “A Tale of two Cities.” In spite of Dickens’s 19th century language, his books are still extremely good reads. The characters are vivid and the settings well written. Just have a look at the nightly scene on the graveyard that makes your blood freeze… Since his work appeared as serialized novels in magazines, a good many people, also from the less privileged classes, were given access to the world of literature. Dickens was a notorious moralist who never got tired of criticizing the false morals of the Victorian society. The great writer of immortal books died at the age of 58. You will find his grave in Poet’s Corner at Westminster Abbey along with other literary geniuses.

The staff
„Don’t worry, you are safe on the boat.“ Photo: Stefan Kock

Seven “multitasking” thespians are at work. Each of them – except Pit (Theo Watt)- are to be seen in several roles. While Michelle Todd plays Miss Havisham, Hubble and Mr. Wemmick – altogether three parts – respect! Jonny Magnanti playing Joe Gargery slips in no time from a worker’s clothes into Magwitche’s rags. Dominic Charman is as convincing in the part of bitchy Mrs. Joe as in the role of the posh Herbert Pocket. What’s more, all of them also move the sparse furniture on the stage when the scene demands a couple of chairs or a sofa. During the works an unseen narrator ( Gordon Griffin) keeps the audience on track about the progress of the events. A brilliant idea.
Ten points out of ten for all those involved in this fantastic performance. Thank you all very much for the inspiring evening.

Final performance of “Great Expectations” on October 29, 2022.
Tickets under phone number: 040-227 70 89 or online under: www.englishtheatre.de

Next premiere: “Romance in D,” comedy by James Sherman, on November 10, 2022

„Great Expectations“ (Große Erwartungen) von Charles Dickens. Die neue Premiere am English Theatre of Hamburg

„Wie schön Du bist, Estella.“ Foto: Stefan Kock

Ein literarischer Blockbuster als Theaterstück!
Ist es überhaupt möglich, diesen komplexen Stoff für die Bühne einzurichten? Die Antwort lautet ja, vorausgesetzt ein genialischer Regisseur wie Paul Glaser nimmt sich dieser Herausforderung an. Aber davon später mehr.

Reminiszenzen

Dieser Wälzer aus der Feder von Charles Dickens wurde mit Starbesetzung – u. a. Alec Guinness und Jean Simmons – in England verfilmt und kam Ende der vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts unter dem Titel „Geheimnisvolle Erbschaft“ in die deutschen Kinos. Zu meinem Leidwesen war ich noch zu jung für den Thriller. Mir wurde der Zutritt in den „Kintopp“, wie man damals sagte, verwehrt. Doch mein älterer Bruder genoss das Privileg, diesen großartigen Film sehen zu dürfen. Er schlich sich abends heimlich in mein Zimmer und erzählte mir die spannende Geschichte vom Waisen Pip und seinem Wohltäter. Von der gruseligen Szene auf dem Friedhof bekam ich Albträume.

Das wundersame Abenteuer des kleinen Pip

Der achtjährige Waisenknabe Pip, Taufname Philip, wächst bei seiner herrschsüchtigen Schwester, einer wahren Megäre, und ihrem Ehemann, dem gutherzigen Schmied Joe Gargery, in ärmlichen Verhältnissen auf. Als er kurz vor Heiligabend das Grab seiner Eltern auf dem Dorffriedhof besucht, wird er von einem Mann mit einer eisernen Fußfessel überfallen, der von ihm Essen und eine Feile verlangt. Andernfalls würde er Pip die Kehle durchschneiden. Der Junge bringt dem gerade von einem Sträflingsschiff entflohenen Verbrecher Magwitch das Gewünschte und vergisst nicht, auch noch eine Flasche Brandy „mitgehen“ zu lassen. Trotz aller Vorsicht wird der Sträfling von der örtlichen Polizei gefasst und auf ein Schiff verbracht, das am kommenden Tag nach Australien, die einstige britische Strafkolonie, auslaufen soll.

„Pip, Du darfst meine Hand küssen.“ Foto: Stefan Kock

Große Ehre wird Pip zuteil, als er ins Satis House eingeladen wird, das der seltsamen Miss Havisham gehört. Diese wurde vor vielen Jahren von ihrem Bräutigam am Tag ihrer Trauung sitzen gelassen. Seitdem trägt sie noch immer Brautkleid und Schleier und hegt eine krankhafte Abneigung gegen alle Männer. Zu ihrem Haushalt gehört ihr Mündel, die schöne Estella, der Pip als Spielkamerad dienen soll. Obwohl das junge Mädchen sich Pip gegenüber herablassend benimmt und ihn jeden Augenblick spüren lässt, dass er nicht ihrer gesellschaftlichen Klasse angehört, verliebt der Junge sich unsterblich in sie.

Pip, der Glückspilz

Vier Jahre vergehen, in denen Pip Joe in der Schmiede zur Hand geht. Da geschieht ein Wunder. Ein aus der Hauptstadt London angereister Anwalt namens Jagger informiert Pip, dass ihm ein großes Erbe vermacht wurde. Vorab erhält er schon einmal 500 Pfund, einen Betrag, der zu jener Zeit ein Vermögen darstellte. Für die Zukunft wird ihm eine beträchtliche jährlich auszuzahlende Summe in Aussicht gestellt. Der Anwalt betont, dass Pips Wohltäter auf jeden Fall anonym bleiben wolle. Zudem bestehe er darauf, dass Pip sich von einem Tutor zum Gentleman erziehen lasse. Nichts leichter als das. Pip stimmt zu und begibt sich in die professionellen Hände von Mathew Pocket, mit dessen Sohn Herbert er spontan Freundschaft schließt.

Leben wie ein Gentleman

Obgleich Pip von seinem Anwalt geraten wird, vorsichtig mit seinem Vermögen umzugehen, lockt London mit allzu vielen Versuchungen, denen der Gentleman in spe nicht widerstehen kann. Schnell lebt er über seine Verhältnisse. Freund Herbert teilt seinen aufwendigen Lebensstil und gerät ebenfalls in finanzielle Turbulenzen.

Ein Geheimnis wird enthüllt
„Sieh nur mein Junge, all dies gehört mir.“ Foto: Stefan Kock

Eines Tages erscheint der Sträfling Magwitch überraschend in Pips Londoner Residenz. Er hält sich illegal in der Stadt auf und fürchtet, von der Polizei festgenommen zu werden. Pip erfährt zu seinem
Erstaunen, dass nicht, wie angenommen, Miss Havisham seine Wohltäterin ist, sondern er Magwitch seinen Reichtum verdankt. Dieser hatte in Australien viel Geld verdient und fühlte sich Pip für dessen seinerzeitige Hilfe zu Dank verpflichtet. Ferner stellt sich heraus, dass ein Verbrecher namens Compeyson, der ehemalige Komplize von Magwitch, jener Mann ist, der die verwirrte Herrin von Satis House einst sitzen ließ. Da Compeyson Magwitch bedroht, beschließen Pit und sein Freund Herbert, Magwitch auf dem schnellsten Wege zur Flucht aus England zu verhelfen, bevor die Polizei ihm auf die Spur kommen kann. Doch der Versuch misslingt und Magwitch wird verhaftet. Von Stund‘ an versiegt Pips Geldquelle. Er steht plötzlich mit leeren Händen da. Regelmäßig besucht er den bei seinem Fluchtversuch schwer verletzten Magwitch im Gefängnis. Von seinem ehemaligen Tutor erfährt Pip, dass Magwitch Estellas Vater ist. Diese ging aus einer kurzen Beziehung zwischen Magwitch und Mr. Jaggers‘ Haushälterin hervor. Der Dienstherr sorgte dafür, dass Miss Havinsham Estella adoptierte. Kurz vor seinem Tod erfährt Magwitch noch durch Pip von der Existenz seiner Tochter Estella.

Schicksalsschläge
„Estella, Du bringst mich zum Weinen.“ Foto: Stefan Kock

Aber nicht nur finanzielle Sorgen plagen Pip. Zu seinem Entsetzen erfährt er, dass Estella in der Zwischenzeit den brutalen Bentley Drummle heiratete. Diesen rücksichtslosen Kerl hatte Pip während der gemeinsamen Tutorials bei Mr. Pocket kennengelernt. Pip kann es nicht verwinden, dass Estella Drummle erhörte und ihn verschmähte. Miss Havisham geht sein Kummer sehr nahe. Sie gesteht, dass es ihr sehr leidtue, Estella zu dieser Ehe geraten zu haben. Sie kommt bei ihrer Beichte dem Kamin im Salon so nahe, dass ihr Brautkleid Feuer fängt. Die schweren Verbrennungen raffen sie wenig später dahin. Steckt hinter ihrem schrecklichen Ende vielleicht eine heimliche Botschaft Dickens‘, die besagt, dass Hochmut stets vor dem Fall kommt?

Freunde in der Not

Die dramatischen Ereignisse sind nicht spurlos an Pip vorüber gegangen. Als er ernsthaft erkrankt, eilt der treue Joe nach London und pflegt ihn gesund. Während seiner Rekonvaleszenz erkennt Pip, dass er Joe mit seinem Snobismus tief gekränkt hat. Der Schmied, ist zwar ein einfacher Mann, hat aber das Herz am rechten Fleck und ist stets zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Auch die einst so hochmütige Estella musste unter Schmerzen ihre Lektion lernen und feststellen, dass Reichtum und gesellschaftlicher Status nur Fassade und vergänglich sind. Die wahren Werte, die das Leben ausmachen, sind Liebe und Güte gegenüber den Mitmenschen.

„Es hat keinen Zweck, Pip, Dich unter dem Tisch zu verstecken.“ Foto: Stefan Kock

Die Ehe mit ihrem brutalen Mann hat die junge Frau gezeichnet. Als Pip sie in Satis House besucht, das sie von der verblichenen Miss Havisham geerbt hat, findet er sie sanfter und freundlicher vor als seinerzeit. Sie bedauert, Pip früher so herablassend behandelt zu haben und bittet ihn um Vergebung. Beide scheiden als Freunde.
Soweit die Wiedergabe des von zahlreichen Brüchen gezeichneten Lebensweges, den Pit zurücklegen muss, bevor das verschüchterte Kind zum reifen Mann wird. Elegant hat Regisseur Paul Glaser sämtliche Handlungsstränge miteinander verwoben und aus der Romanvorlage ein spannendes Melodram gezaubert, welches Charles Dickens sicherlich gefallen hätte.

Es ist offenkundig, dass sich hinter der Figur des Pip das alter ego des berühmten britischen Autors verbirgt. Denn auch er stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Als Heranwachsender wurde er genau wie Pip von boshaften Menschen herumgestoßen und gedemütigt. Wir können davon ausgehen, dass es für die zänkische Mrs. Joe, den pompösen Mr. Pumblechook, die hochmütige Estella und das übrige Romanpersonal entsprechende Vorbilder in seinem Leben gab.
Als Jugendlicher machte Dickens leidvolle Erfahrungen mit Gefängnissen. Sein hoch verschuldeter Vater saß mehrmals ein und wurde im Knast regelmäßig von seiner Familie besucht. Dass Dickens sich aus eigener Kraft im sittenstrengen viktorianischen England aus der Misere herausarbeitete, war allein sein Verdienst. Anders als Pip beglückte ihn kein Wohltäter mit einer heimlichen Erbschaft. Dickens war ein notorischer Moralist, eingezwängt in ein dem damaligen Zeitgeist geschuldetes starres Korsett aus Prüderie und Bigotterie. Daher verwundert es nicht, dass er seinen Helden nach einer langen, aus seiner Sicht unverdienten Glücksphase tief abstürzen lässt. Hochmut und Verachtung gegen den herzensguten Ziehvater Joe sowie seine Verwandlung in einen gefühllosen Snob auf Kosten eines kriminellen Wohltäters sind charakterliche Defizite, die bestraft werden müssen. Doch Ende gut, alles gut: Am Schluss erleben wir einen geläuterten Pip, der, nachdem ihn der alles verzeihende Joe wieder aufgepäppelt hat, sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt.

„Keine Sorge, Du bist sicher auf diesem Boot.“ Foto: Stefan Kock

In „Great Expectations“ agieren sieben Schauspieler auf der Bühne, von denen jeder bis auf Pip (Theo Watt) gleich mehrere Rollen übernimmt. Da mutiert Miss Havishaw (MichelleTodd), die gerade noch ziellos im Brautkleid herumirrte, zum gestrengen Londoner Anwaltsgehilfen Mr. Wemmick mit Brille und Schnurrbart. Aus der zänkischen dürren Mrs. Joe (Dominic Charman) wird der Dandy Herbert Pocket mit dem leicht näselnden Akzent der britischen Upper Classes. Und Joe, der liebenswürdige Schmied und Ziehvater von Pip, (Jonny Magnanti) schlüpft nahtlos in die Rolle des bedrohlichen Sträflings Magwitch. Die übrigen Rollen sind ebenfalls glänzend besetzt. Doch damit nicht genug. Die Mimen dienen zudem als Kulissen- und Möbelschieber, wenn die Bühne für die nächste Szene umgebaut werden muss. Nennt man das nicht auf Neudeutsch Multitasking? Großes Lob auch dem Erzähler (Gordon Griffin), der während der Umbauten dem Publikum den Fortgang der Handlung aus dem Off nahebringt. Ein glänzender Einfall der Regie.

Während der erste Teil des Stücks nach der gruseligen Szene auf dem Friedhof eher ruhig und gemächlich dahinplätschert, spielen sich nach der Pause hochdramatische Szenen ab. Es blitzt und donnert über der Themse, auf der sich ein Fluchtboot vorsichtig durch die Nacht bewegt. Das Drama erreicht seinen Höhepunkt, als Miss Havisham samt Brautkleid in Flammen aufgeht, als sie ihrem Kamin zu nahekommt. Zuschauer mit schwachen Nerven seien gewarnt!
Bleibt nur noch zu sagen: Ein wunderbarer inspirierender Theaterabend. Chapeau!

„Great Expectations“ läuft bis einschließlich 29. Oktober 2022.
Tickets unter: 040-227 70 89 oder online unter: www.englishtheatre.de

Nächste Premiere: „Romance in D“
Komödie von James Sherman, am 10. November 2022

Das wird Fräulein Leni – in den Südsteirischen Weinbergen

Blick vom neuen Fräulein Leni über die Weinberge der Südsteiermark (c) Marija Kanizaj (Fräulein Leni)

Ein Hotel? Wohl eher ein Sehnsuchtsort mit ganz viel Seele.

In den Südsteirischen Weinbergen rührt sich was. Genau gesagt auf einem traumhaft schönen Hügel hoch über Gamlitz. Fräulein Leni wird ein Kleinod zum Abschalten, Loslassen, Eintauchen und Abtauchen. Kenner werden aufhorchen, wenn sie hören, wer die Gastgeberin an diesem erlesenen Plätzchen ist: Carmen Schott. Viele haben sie im „Vincent“ an der Südsteirischen Weinstraße kennen und schätzen gelernt. Was Carmen in die Hand nimmt, steckt voll Liebe und Sorgfalt. So wird auch Fräulein Leni von einer ganz besonderen Atmosphäre, Qualität und Individualität beseelt werden. Im Februar 2023 geht es los. Demnächst ist www.fraeulein-leni.com mit allen Informationen online.

Fräulein Leni hat sich einen der herrlichsten Plätze der Südsteiermark ausgesucht, einen Standort zum Verlieben. An dem weiten Blick über die Weinberge kann man sich nicht satt sehen. So herrlich grün, so viel Natur, so viel Ruhe. 23 Zimmer werden mit viel Geschmack und Liebe zum Detail eingerichtet. Naturstein, Samt, Leinen, Alt- und Lärchenholz schaffen Räume, in denen man sich gern aufhält und rundum wohlfühlt. Wellness bekommt im privat anmutenden, exklusiven Ambiente mit Pool, Sauna, Dampfbad und Fitness mit modernsten Geräten große Wertschätzung. Ein heller Seminarbereich mit Panorama-Blick wird Teil des Fräulein Leni sein.

Fräulein Leni ist etwas ganz Besonderes. Ein Gefühl und ein großes Stück gutes Leben. Mit einem Langschläfer-Frühstück bis 11 Uhr starten Gäste in einen herzerfrischenden Tag. Die Genüsse der Region kommen an den Tisch: gern outdoor in der Morgensonne oder gemütlich indoor zum Munter-Werden. Carmen überlässt nichts dem Zufall. Kaffee- und Teekultur auf höchstem Niveau ist Teil des steirischen Gourmet-Frühstück. Jede Tasse Kaffee wird frisch zubereitet, aus der Siebträger- oder French Press. Fräulein Leni kommt nur beste Qualität ins Haus. In der Lounge, Bar und im Gasthaus schmecken köstliche Genüsse und feine Weine aus der Südsteiermark, aus Österreich und Drinks „von Welt“.

Sich verwöhnen lassen, ist eine der schönsten „Nebensachen“ der Welt. Fräulein Leni erfüllt vom Abholservice am Parkplatz über den Kofferservice bis zum Online-Check-in und höchsten technischen Standards in den Zimmern den Gästen jeden Wunsch. Es gibt wohl kaum einen besseren Platz, um bei Yoga und Meditationen Körper und Geist in Balance zu bringen, als „Kranach 3“. Fräulein Leni wird auch diesbezüglich viel zu bieten haben.

Carmen Schott bringt die Philosophie von Fräulein Leni auf den Punkt: „Das wird ein Ort der Ruhe und Freundschaft, der Beständigkeit und Wertschätzung. Die Liebe liegt im Detail, die Aufmerksamkeit liegt bei unseren Gästen.“ Fräulein Leni wird ein Refugium, in das man immer wieder gern zurückkehren wird. Um sich einfach wohlzufühlen. Aber jetzt lassen wir Fräulein Leni einmal entstehen. Der Frühling kann nicht schnell genug kommen.

Fräulein Leni GmbH
Gastgeberin: Carmen Schott
A 8462 Gamlitz, Kranach 3
Tel.: +43/(0)3453/20 800-0
E-Mail: carmen.schott@frl-leni.com
www.fraeulein-leni.com

Große Jubiläumsausstellung mit 72 Werken

(c) Barbara Nelle

Das Berenberg-Gossler-Haus feiert sein 25-jähriges Bestehen mit einer großen Gemeinschaftsausstellung. Künstler und Künstlerinnen aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Berlin und Dänemark zeigen ihre Arbeiten.

 

Freiherr John von Berenberg-Gossler war als Stifter des Gebäudes auch Namensgeber des Bürgerhauses Niendorf. Von Anfang an war das schöne, denkmalgeschützte Haus mit dem gemütlichen Ambiente ein Ort der Kunst und Kultur, und in dieser Tradition wird es seit 1997 geführt. So startete im Jahr 2002 die Reihe „TonArt“ zur Förderung der Stadtteilkultur auch auf dem Gebiet der klassischen Musik in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater, gepaart mit der Förderung junger aufstrebender Künstler. Am 14.10.22 wird das 70. Konzert der Reihe – ein Liederabend mit Seungwoo Simon Yang – erklingen.

(c) Hanna Malzahn

Ebenfalls traditionell sind die Kunstausstellungen im Berenberg-Gossler-Haus, die seit 2018 von der Künstlerin Hanna Malzahn kuratiert werden. Für die aktuelle Jubiläumsausstellung hat sie 72 Arbeiten von Künstlern ausgewählt, die in den vergangenen 25 Jahren bereits Ausstellungen im Haus gezeigt haben. So ist eine vielfältige und breite Auswahl entstanden, wie die Kuratorin sagt: „Zweiundsiebzig Handschriften, Botschaften, Stile und Positionen finden sich zu einer großen Retrospektive von 1997 bis 2022 zusammen.“

(c) Peter Bangert

Im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit sehen die Besucher Arbeiten in Öl, Ei-Tempera, Gouache, Aquarell und Tusche. Die verschiedenen Interpretationen zeigen eine enorme Vielfalt und Virtuosität in Form von Stillleben, Landschaften, Porträts, experimentellen und digitalen Arbeiten sowie eine beeindruckende Bandbreite der Zeichnungen, Radierungen und Werke der Fotokünstler. Zu dieser Ausstellung „25 Jahre Kunst im Berenberg-Gossler-Haus“ ist ein Katalog erschienen.

Zu sehen ist jedoch nicht, wie groß das Engagement des ehrenamtlichen Teams hinter den Kulissen ist. So helfen Hanna Malzahn und ihre Kollegen beim Hängen, Rahmen oder bei der Anbringung stabiler Halterungen an Leinwände. Hinter den Kulissen führen der Vorsitzende Reno Malzahn und das Team des Bürgerhauses immerhin einen aus annähernd 600 Mitgliedern bestehenden Verein, und das mit Bravour. Neben Ausstellungen und Konzerten erwartet die Gäste auch ein vielseitiges Kursprogramm. Als Gast bei der Vernissage kommt man sich vor wie ein Teil einer großen Familie, in die man fröhlich aufgenommen wird. Wenn Fachkompetenz, Engagement und Zugewandtheit so zusammenkommen wie im Berenberg-Gossler-Haus, braucht man sich um das Gelingen künftiger Projekte nicht zu sorgen.

Gedenken an Rosemarie Fiedler-Winter

Dr. Rosemarie Fiedler-Winter

Heute wäre unsere geschätzte Kollegin Rosemarie Fiedler-Winter, eins der langjährigsten Mitglieder der Auswärtigen Presse, 100 Jahre alt geworden. Ihre Verdienste um die DAP sind auch heute nicht vergessen.

Aus Anlass ihres 100. Geburtstags möchten wir Sie gern auf zwei Artikel hinweisen:

Im Jahr 2005 erhielt Rosemarie Fiedler-Winter das Bundesverdienstkreuz, worüber unser Kollege Dr. László Kova hier im Online-Magazin berichtete:
https://die-auswaertige-presse.de/2005/05/bundesverdienstkreuz-fur-rosemarie-fiedler-winter/

Bitte lesen Sie hier ferner einen Beitrag von Ginny G. von Bülow zum Abschied:
https://die-auswaertige-presse.de/2012/11/worte-zum-abschied-fur-unser-mitglied-rosemarie-fiedler-winter/

Gespräch und Lesung: Der Star Irène Némirovsky

Kalligraphie zum Buch „Ida, Der Rausch des Weins“ / (c) Ralf Plenz, Input Verlag

„Ida“ ist der Star, seit Jahrzehnten die erfolgreichste Revuetänzerin in Paris. Doch wie lange kann sie sich noch die Konkurrenz vom Leibe halten? 
In der zweiten Erzählung dieses Buchs aus der Reihe „Perlen der Literatur“, „Im Rausch des Weins“, erlebt -Hjalmar, der bäuerliche Milizsoldat, in einer einsamen Villa mit Aïno, der schüchternen, hochmütigen  Bürgerfrau, den Beginn einer erotisch-zärtlichen Nacht. Die Situation, wirklichkeitsnah und behutsam erzählt, ergreift uns Leser, wir möchten den Verliebten Glück wünschen.
Die französischsprachige Autorin Irène Némirovsky aus Kiew verstarb 1942 im KZ. Ihr bekanntester Roman „Suite française“ wurde erst in den späten 1990er Jahren entdeckt.
Das Original von Irène Némirovskys „Films parlés“ von 1934, aus dem diese beiden Erzählungen stammen, entdeckte Ralf Plenz nach längerer Suche in Antiquariaten. Cordula Scheel übersetzte beide Texte einfühlsam neu und schrieb das Vorwort.

Cordula Scheel
Foto: privat

Geboren 1935 waren erste Lebensstationen Cordula Scheels Mecklenburg, Stettin und die Uckermark. Als Flüchtlingskind 1945 Schleswig Holstein, später Hamburg bis zum Abitur. Es folgten ab Mitte der fünfziger Jahre ein Jura- und Sprachenstudium im Ausland, in Tübingen und Hamburg mit Abschluss des ersten juristischen Staatsexamens. Gemeinsam mit ihrem Mann schloss sich eine langjährige selbständige Tätigkeit mit Schwerpunkten im See- und Transportrecht an.
Cordula Scheel hat sechs Lyrikbände veröffentlicht. 2019 erhielt sie den Lyrikpreis der Hamburger Autorenvereinigung. Sie ist Ehrenmitglied der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren (IGdA) und des Istituto Italiano, Hamburg.

 

Ralf Plenz
Foto: Privat

Ralf Plenz,
Jahrgang 1955. Studium Medienpädagogik in Bonn, Umzug nach Hamburg 1979. Danach acht Jahre Gründer und Leiter einer Druckerei in Ottensen, dann 12 Jahre Berater und Referent für die Verlagsbranche. Anschließend hat er 20 Jahre als Oberstudienrat im Medienbereich an einer Hamburger Berufsschule gelehrt. Er ist Verleger des Input-Verlags und gibt die Buchreihe „Perlen der Literatur“ heraus.

 

 

Zu der Buchreihe: https://input-verlag.de/category/input-verlag/ 

Die DAP berichtete bereits über die Buchreihe: https://die-auswaertige-presse.de/2021/09/eine-perlenkette-fuers-buecherregal/

Lesung und Gespräch mit Cordula Scheel und Ralf Plenz

am 6. September 2022 um 19 Uhr
Ort: Teehaus in den Großen Wallanlagen, neben der Rollschuh- und Eisbahn, schräg gegenüber der Handwerkskammer.
Erreichbar über U-Bahn St. Pauli (U3, oder Bus 16, Fußweg 10 Minuten) oder mit Bus 112 bis „Handwerkskammer“ (Fußweg 3 Minuten).
Eintritt: Abendkasse 6 Euro. Wenn Sie eine Reservierung wünschen: unter Angabe der -Veranstaltungsnummer ST4555 -direkt bei der AWO: per Mail an
sabine.witt@awo-hamburg.de oder telefonisch unter 040-414 023 786 und 0176-14140086.
Abendkasse 6 Euro, gilt auch für Mitglieder der Hamburger Autorenvereinigung.

Download der Einladung: 06_09_2022_Lesung_Irene_Nemirovsky

Ein großer Kolorist

Rudi Kargus im Atelier, Foto: Carsten Dammann, Hamburg

Am 15. August 2022 wurde der Kunstmaler Rudi Kargus 70 Jahre alt. Er hatte zuvor einige Jahre als Torwart u. a. beim HSV in der Bundesliga gespielt.  Zu der Zeit hat Gino Leineweber ihn kennengelernt und ist seither eng mit ihm befreundet. Hier erinnert er sich an die Anfänge des heute bedeutenden Malers.

Erst war ich ein Fan vom HSV, dann von Rudi Kargus. Vom HSV bin ich das nicht mehr, weil ich mich insgesamt vom Fußball abgewendet habe, von Rudi allerdings auch nicht mehr.

Schriftsteller Gino Leineweber (li.) und Maler Rudi Kargus im August 1997 /Foto: privat

Aber von ihm habe ich mich nicht abgewendet. Im Gegenteil. Mit ihm verbindet mich jetzt eine mehr als 40 Jahre währende Freundschaft. Was uns auch verbindet, und das ist sicherlich Teil davon, ist, dass wir beide unsere Berufe gewechselt haben oder besser ausgedrückt, unseren Berufungen nachgegangen sind. In diesem Bereich haben wir intensiv unsere jeweiligen ersten Schritten als Maler bzw. Schriftsteller begleitet. Ich kenne jedes seiner ersten Bilder, er jedes von mir am Anfang geschriebene Wort. Seine Bilder waren in den Anfängen ziemlich gegenständlich und wirkten großartig. Im Laufe der Zeit änderte sich aber sein Malstil, um es einmal umfassend auszudrücken, doch die Bilder blieben und sind bis auf den heutigen Tag immer noch großartig. Selbstverständlich gefällt mir nicht jedes seiner Bilder gleich gut. Aber das erwartet ein Künstler auch nicht. Er weiß, dass das, was er kreiert, sein Ausdruck für die Inspiration  zu seinem künstlerischen Werk ist. Ob diese Vorstellung und Darbietung den Betrachter genauso erreicht oder teils eigene Eindrücke hervorruft, kann man nicht wissen. ‚Lyrics‘ entstehen im Ohr des Betrachters, soll Freddie Mercury gesagt haben, wobei er die Texte seiner Songs meinte. Bei Bildern ist es offensichtlich das Auge.

Rudi Kargus: Roots 6 / Foto: Carsten Dammann, Hamburg

Rudi Kargus‘ Bilder waren aber schon am Anfang für mich beeindruckend, was auch und besonders für sein erstes gilt. Wir waren mit einem weiteren Freund auf Fuerteventura. Eines Tages kam Rudi mit der Ankündigung, er habe sich zu einem Malkurs angemeldet. Ich war verblüfft und fragte: „Warum hast du das denn gemacht?“
Seine Antwort hatte ich nicht erwartet: „Das wollte ich immer schon mal machen – malen!“

Der andere Freund begleitete ihn in die Malschule. Ich nicht. Ich wollte Schriftsteller werden. Als er mir sein erstes Bild zeigte, war ich, wie ich bereits erwähnte, beeindruckt. Es war, wenn ich richtig erinnere, das Aquarell einer Agave in einem Garten. Was aber war es, das mich so beeindruckt hat?

Dem Bild wird man wohl handwerklichen Dilettantismus angemerkt haben, was ich als Ungeschulter allerdings nicht sah. Für mich war es etwas, das mir, salopp gesagt, das Gefühl vermittelte: das hat was. Aber was das war, wurde mir erst sehr viel später klar. Es waren die Farben. Welche Farben man nimmt, wie man sie mischt und mit anderen zusammenführt ist sicherlich nur bedingt handwerklich. Das ist etwas, was darüber hinausgeht, etwas, was man als Künstler braucht und nicht erlernen kann. Das ist Talent.

Rudi Kargus: Sphinx / Foto: Carsten Dammann, Hamburg

Vor einigen Jahren ging ich allein zu einer Gemeinschaftsausstellung, in der auch Rudi ausgestellt hatte. Als ich einen der Räume betrat, wusste ich von weitem: Da sind seine Bilder. Er hat sich, nach seinen Anfängen auf Fuerteventura, umfangreich ausbilden lassen. Und er hat seinen Stil gefunden. Er malt heute teilweise auf „riesigen“ Leinwänden und alles in Öl. Wenn man ihn beim Malen beobachtet, ist das eher ein Hantieren und Herumfuhrwerken auf der Leinwand als das, was man sich gemeinhin als Malen vorstellt. Im Ergebnis immer noch beeindruckend sind die Farbzusammenstellungen seiner Bilder.

Vincent van Gogh wusste nicht, dass er es sein würde, den er in einem Brief mit den Worten ankündigte, die Welt warte auf einen großen Koloristen.
Rudi Kargus ist auch ein großer Kolorist. Die Welt hat womöglich nicht auf ihn gewartet, aber ich schon.

(Dieser Artikel wurde mit freundlicher Unterstützung des Kunsthauses Stade aus der dortigen Ausstellung von Rudi Kargus bebildert.)