Herr Fiek und die Wutwurzel

Zum Lyrikband „Global ins Affental“ von Rüdiger Stüwe

Buchcover

Mit einem gewissen Herrn Fiek, dessen Namen auf Ansage der Mutter in die Länge zu ziehen war – die Kinder gehorchten in diesem Fall aufs Wort – (Aufs Wort, S. 11) beginnt der Gedichtband des Lyrikers Rüdiger Stüwe aus Schleswig-Holstein. Und daran, dass die Kinder in diesem Fall gehorchten, ist sogleich zu erkennen, dass sie ansonsten eher aufmüpfig waren. Die Aufmüpfigkeit hat der Schriftsteller sich bewahrt und in seine meist kurzen, immer prägnanten Verse verstrickt. Mit wachem Verstand, scharfem Blick und einer Portion Ironie – die manchmal ins Tragische geht – betrachtet Rüdiger Stüwe sein Umfeld mit den weniger oder mehr bekannten Zeitgenossen.  Er widmet sich dem (eigenen) Älterwerden oder, nennen wir es ruhig beim Namen, dem Verfall mit tragikomischer Note: „Noch immer / sehe ich mich / hoch zu Ross / Windmühlenflügel // bekämpfend doch / meine Figur / ähnelt schon lange / Sancho Pansa.“ (Gravierende Veränderung, S. 18).

Fünf Kapitel umfasst der Gedichtband, dessen Bandbreite von freien Gedichten über Lautgedichte im Stile Jandls bis zu Kinderversen – nicht nur für Kinder – reicht. Er versammelt Aphorismen, Haiku und Limericks. Diese Formen verbindet Rüdiger Stüwe auch mit Themen des aktuellen Zeitgeschehens und bezieht Position zu von ihm empfundenen Missständen regional und global. Das stumme Paar, das jeweils zum eigenen Smartphone redselig wird und damit das Kaffeegartenpublikum erfreut (Moderne Kommunikation, S. 70); das Trumpeltier, von es dem unverblümt heißt: „ (…) Mit alternativen Fakten / bringst du den all so Beknackten / sicher nicht zu Fall. (…)“(Trumpeltier, S. 72) bis hin zum Nachbarn, der mit seinem im Wind schellenden Klangspiel die Nachbarschaft in den Wahnsinn treibt (Gegenlärm, S. 68) – Rüdiger Stüwe nimmt all das wahr und lenkt die Leseraufmerksamkeit auf diese kleinen oder auch größeren Momente und Situationen, mit denen wir alle zu tun haben und die uns angehen, ob wir wollen oder nicht.

Ich würde ihn als Realpoet bezeichnen: Rüdiger Stüwe sagt, was ist, er nimmt kein Blatt vor den Mund, er verzichtet auf Schnörkel und Brimborium, seine Sprache ist eingängig und eloquent. Oftmals habe ich gegrinst, manchmal blieb mir das Grinsen auch weg. Und wann dem Lyriker die Wutwurzel schnurzel ist, das möge der geneigte Leser selbst herausfinden (Wutwurzel schnurzel, S. 84).

Rüdiger Stüwe: Global ins Affental, Donat Verlag, Bremen 2018

Biografie: Geboren in der Kalten Heimat, vor den Russen geflohen mit Mutter und Bruder; verschlagen ins idyllische Heidedörfchen Schneverdingen, wo die Häuser noch nummeriert waren und die Leute sehr fromm, jedenfalls war die Kirche immer voll; das färbte nicht sehr ab, nach krummer Schullaufbahn und anschließender Flucht ins Schülerheim (in Hermannsburg) Industriekaufmann gelernt (Hanomag Hannover); eigentliche Lehre auf dem Fußballplatz und im Jugendwohnheim der Arbeiterwohlfahrt Hannover; nach der Desertation als kaufmännischer Angestellter ins Lehrfach (Deutsch und Geschichte) ging es mit der Firma bergab, zur Zeit ist sie in japanischer Hand (Kommatsu); Lehrerlaufbahn, die letzten 18 Jahre an einer Gesamtschule, überzeugter Anhänger einer gemeinsamen Schule für alle Schüler bis zum 10. Schuljahr; heute als Schriftsteller lebend in Ellerbek, Mitglied im deutschen Schriftstellerverband (VS), im Literaturzentrum e.V. Hamburg, in der Hamburger Autorenvereinigung und im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt.

Homepage: http://ruediger-stuewe.de

 

Ein Buch mit vielen Zimmern

Zum Lyrikband „Bodenkunde“ von André Schinkel

Buchcover

Es gibt Bücher, die ich nicht mehr aus der Hand legen möchte. Denn sie zu lesen ist, als öffneten sich neue Räume, die entdeckt, betrachtet und bewohnt werden wollen; die lebendig werden durch den neuen Bewohner, der sich in ihnen bewegt. So ein Buch ist „Bodenkunde“ des Lyrikers André Schinkel aus Halle. Seine Gedichte erschließen sich nicht schnell, sie fordern Beschäftigung, auch mehrfache, sie verlangen ihren Lesern etwas ab. Und wer sich darauf einlässt, dem öffnet sich der Sprach- und Bildkosmos des Schriftstellers Schinkel in einer Weise, die einen verändert. Ja, diese Gedichte können etwas verändern im eigenen Weltbild, sie lassen einen neuen, anderen Blick zu – beispielsweise auf Sepien, jene Tintenfische, die man womöglich überhaupt noch nie betrachtet haben mag. Im gleichnamigen Zyklus verwendet, bringt mich die Lektüre der Gedichte zunächst in die Recherche nach dem Meeresgetier, und auch wenn das nicht wichtig ist, zeigt es die sorgfältige Wahl der Metapher: In der Homöopathie wird die Substanz Sepia u. a., wenn der Kranke „eine gewisse emotionale Distanziertheit und Kühle“[1] zeigt, und auch bei Frauenleiden. Es ist nicht wichtig, um diesen starken Zyklus zu verstehen, aber es zu wissen, verleiht ihm noch mehr Tiefe als er ohnehin schon mitbringt. Heute noch Liebesgedichte schreiben, über unglückliche Lieben zumal – ein Wagnis, dünnes Eis. So vieles schon tausendfach gesagt, kaum eine Metapher, die nicht bereits irgendwo verwendet wurde. Aber bei André Schinkel ist alles neu, dicht, „rastlos und atemlos“[2], düster verzaubert durch das Sepienthema und dabei so anerlebbar, nachfühlbar, verstörend schön: „(…) Das ist es, was ich von dir behalte: das Leuchten der / Sepien-Sprossen im Rausch, im bebenden Quirlen solch / Endloser Schwärme in der Brackschicht des Wassers; (…)“[3]

Lesen, immer wieder, leise und laut, nur diese sieben Gedichte des Sepien-Zyklus, und von ihnen umgeben, umschlossen sein, sich in der dichten Sprache bewegen und merken, wie sich einige Verse von selbst ins Gedächtnis einbrennen und sich allein rezitieren. Damit habe ich das Buch begonnen, nachdem ich André Schinkel im März 2018 in Leipzig daraus lesen hörte. Fast genau ein Jahr später habe ich natürlich das Buch mehrmals durchgelesen, all die thematisch unterschiedlichen und breit gefächerten Gedichte, die seinen archäologischen Hintergrund ebenso widerspiegeln wie seine weiteren Tätigkeiten, vieles verbirgt sich zwischen und hinter den Zeilen. Dieses Buch werde ich nie „durchhaben“, glücklicherweise, denn diese Gedichte bleiben ein Raum, der sich für mich geöffnet hat und den ich jederzeit wieder aufsuchen kann. Seine Opulenz, die Sperrigkeit der lyrischen Komposition, die dafür sorgt, dass man sich an manchen Gedichten durchaus ein bisschen abarbeiten muss, hier und dort ein Wort nachzuschlagen hat und überlegen darf, wie dieses und jenes Poem sich in der Beziehung zum Autor und dann zum Leser stellt – das sind für mich die Freuden der Lyrik. Zwischendurch finden sich an konkrete Poesie angelehnte sowie dem Tanka-Maß entsprechende Gedichte, die einen Kontrapunkt oder vielleicht eher einen weiteren Raum hinter dem Raum bilden, in jedem Fall aber die poetische Bandbreite abbilden.

[1] www.homöopathie-online.info
[2] SEPIA, II, S. 18
[3] SEPIA, VII, S. 23

André Schinkel wurde 1972 in Eilenburg geboren, er wuchs in Bad Düben und im Bitterfelder Raum auf. 1988 bis 1991 erlernte er den Beruf eines Rinderzüchters mit Abitur. Er studierte ein Jahr Umweltschutztechnik und danach an der halleschen Universität Germanistik und Archäologie, 2001 erwarb er den Grad eines Magister artium. Seit 2005 arbeitet Schinkel als freier Autor, Lektor, Übersetzer, Herausgeber und Redakteur – so leitet er die Redaktion der Literaturzeitschrift oda – Ort der Augen und ist Redaktionsmitglied der Marginalien. Texte von André Schinkel wurden in siebzehn Sprachen übersetzt, er nahm an Autorentreffen und Poesiefestivals in Italien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Belgien, Bulgarien, Armenien, Bergkarabach teil und wurde als Stadtschreiber in Halle, Ranis und Jena tätig. Seit vielen Jahren arbeitet André Schinkel als Autorenpate, Dozent und Workshop-Leiter an Schulen und in der Erwachsenenbildung. Seine Arbeit wurde wiederholt mit Preisen und Stipendien geehrt, so u. a. mit dem Georg-Kaiser-Förderpreis, dem Joachim-Ringelnatz-Förderpreis, dem Walter-Bauer-Preis und dem Harald-Gerlach-Stipendium des Landes Thüringen. Seit 2016 gibt er die Edition Muschelkalk im Wartburg-Verlag Weimar heraus. Schinkel ist Mitglied des PEN, der Akademie der Künste Sachsen-Anhalt und der Sächsischen Akademie der Künste. Er lebt in Halle (Saale) und ist Vater zweier Töchter.

 

„Mit Hamburg im Herzen die Welt bereisen“ … (frei nach Gorch Fock)

… lautet die Einladung und das Motto des Schriftstellers Wolf-Ulrich Cropp

Buchcover „Jenseits der Westwelt“

 Auf heißen Pfaden folgen wir dem Autor und leidenschaftlichen Reisenden in die spannende Welt der Ferne. Cropp liest, erzählt und stellt seine beiden neuesten Bücher vor: „Im Schatten des Löwen“ (DuMont) und „Jenseits der Westwelt“ (Kadera).

Seine Geschichten von unterwegs berichten von besonderen Orten, interessanten Menschen, erstaunlichen Begegnungen  und grandiosen Landschaften. Sie machen nachdenklich, sind poetisch und lassen mitfühlen.

Buchcover „Im Schatten des Löwen“

„Seit ich lesen kann, faszinieren mich Völker und Ereignisse in fremden unwirtlichen Lebensräumen, dazu die Entdecker und Forscher, die aufbrachen, Menschen und Kulturen in den Urlandschaften zu erkunden. – Durch meine Reisen entstand allmählich ein Kaleidoskop erstaunlicher Erlebnisse und Begebenheiten, von denen ich einige erzählen möchte“, so der Autor. „Der Tod lauert in der Sofaecke. Auch in einer technisierten, von Computern überwachten Welt braucht der Mensch das Gefühl von unentdeckten Horizonten, das Geheimnis unbewohnter Gebiete. Er braucht Orte, die gefährlich und mystisch erscheinen. Orte, die das Abenteuer ahnen lassen!“

Musikalisch untermalt die Lesung Maria Ishola von der Gruppe Tubaba mit afrikanischen Djembé-Rhythmen.

„Auf heißen Pfaden“: Wolf-Ulrich Cropp berichtet, liest und stellt seine beiden neuesten Bücher vor.
Donnerstag, 11. April 2019, 19 Uhr
Bethanien-Höfe Eppendorf, Martinistr. 41-49
Karten: 12 €, Gäste der Hamburger Autorenvereinigung: 9 €, Mitglieder der Hamburger Autorenvereinigung: frei

Armut, Sonne und Geschichte

Albert Camus´ “Der erste Mensch“ im Altonaer Theater

Joachim Król, Foto: Stefan Nimmesgern

Was verbindet die bundesweite Initiative zur Alphabetisierung und Grundbildung (AlphaDekade) mit dem Text eines Literaturnobelpreisträgers? Warum begleitet AlphaDekade den Schauspieler Joachim Król auf einer Tournee? Nachdem Król im Altonaer Theater aus Albert Camus´ unvollendet gebliebenen Roman „Der erste Mensch“ gelesen hat, sind diese Fragen beantwortet.

„Der erste Mensch“, Camus´ intimster und persönlichster Text, erzählt die Geschichte seiner Kindheit. Einer vaterlosen Kindheit – Lucien Camus fällt 1914, ein Jahr nach der Geburt seines Sohnes, im 1.Weltkrieg – im Armenviertel von Algier. In einer Wohnung, die nur das Allernotwendigste enthält und in der meist brütende Hitze herrscht. Camus´ Familie besteht aus einem gutmütigen, halbdebilen Onkel, einer dominanten Großmutter, deren bevorzugtes Erziehungsmittel der Ochsenziemer ist, von dem sie häufig Gebrauch macht, und seiner fast tauben, sanften Mutter. Einer Analphabetin, deren Wortschatz keine 500 Wörter umfasst und die dem Kind als abgewandte, schweigende Figur am Fenster in Erinnerung bleibt. Eine Kommunikation mit ihr ist beinahe unmöglich. Der kleine Junge liebt diese sanfte, abwesende Mutter und sehnt sich nach ihrem viel zu seltenen Lächeln.

Und doch ist es auch eine Kindheit wie im Paradies. Geradezu hymnisch schreibt Camus immer wieder von der Schönheit des Lichts, vom Schwimmen im Meer, von der Sonne, von Freundschaft und der Abwesenheit falschen Überflusses, von seiner Freude am Dasein unter dem heißen afrikanischen Himmel. „Das Elend hinderte mich daran zu glauben, dass alles unter der Sonne und in der Geschichte gut sei; die Sonne lehrte mich, dass die Geschichte nicht alles ist.“

Das Wunder der Bildung

Diesen Satz hätte Camus so nie formulieren können, nie wäre er zu Papier gebracht worden, hätte es nicht einen Lehrer gegeben, der sich seiner annahm. Louis Germain gelang es, die strenge Großmutter davon abzubringen, den 10-Jährigen als Hilfsarbeiter zu verdingen, damit er etwas zum Familieneinkommen beitrage. Unentgeltlich half Germain seinem Schützling bei der Vorbereitung zur Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium, unterstützte und ermutigte ihn.

Als der Schauspieler Joachim Król diese für Camus´ Entwicklung so wichtige Passage das erste Mal las, hat er an seine eigene Biografie gedacht: „Ich war ein Bergarbeitersohn in den sechziger Jahren im Ruhrgebiet. Und genau wie bei Camus kam eines Tages ein Lehrer zu uns und bat meinen Vater zum Gespräch. Was zum Ergebnis hatte, dass meine Eltern mich aufs Gymnasium gehen ließen. Das müssen Sie sich mal vorstellen: Nach Feierabend ist dieser engagierte Lehrer zum Hausbesuch gekommen und hat wesentliche Weichen für mein Leben gestellt.“

Der junge Camus erlebt den von Louis Germain erkämpften Eintritt in die höhere Schule zunächst als Verlust. Die Welt der Bildung und des Bürgertums ist ihm fremd. Wenn Klassenkameraden von Koffern voller alter Briefe, Kleider und Spielsachen auf den Dachböden der elterlichen Häuser, von Fotoalben und ihrer Familiengeschichte erzählen, bleibt er stumm. Armut, so begreift er, hat keine Zeit. Wer Tag für Tag ums materielle Überleben kämpft, beschäftigt sich nicht mit Vergangenheit oder Zukunft, weiß nichts von Politik und fernem Weltgeschehen. Wer in eine solche Familie hineingeboren wird, ist wie „der erste Mensch“. Ein Mensch ohne Wurzeln, ohne Geschichte, ohne Vergangenheit, nirgendwo zuhause.

Camus´ Lehrer wiederum sind irritiert von seinem familären Hintergrund. Ein Haushalt ohne Bücher oder Zeitschriften, Erziehungsberechtigte, die keine Unterschrift leisten können – was für das Kind selbstverständlich und normal ist, löst bei ihnen Befremden aus. Unübersehbar jedoch ist das Talent und der Lernwille, ja, die Lerngier und Lesewut ihres scheuen neuen Schülers.

Camus Text, er selbst hat ihn als sein Hauptwerk bezeichnet, blieb unvollendet. Nach seinem Autounfall im Januar 1960 fand man neben dem tödlich Verletzten eine schwarze Ledermappe; darin das handgeschriebene Manuskript mit Anmerkungen und Verbesserungen. Und der Widmung an seine Mutter: „Dir, die Du dieses Buch nie wirst lesen können.“

Kopfkino, das unter die Haut geht

Joachim Król erzählt die bewegende Kindheitsgeschichte unterstützt von fünf Solisten des l’orchestre du soleil. Die vom Komponisten Christoph Dengelmann eigens für seinen Vortrag komponierten Melodien greifen Elemente algerisch-französischer Pop- und Volksmusik auf. Sie begleiten, interpretieren und unterstützen die Rezitation.

Den Zuhörern, Król selbst wäre es am liebsten, wenn „die Leute von einem Kopfkino“ sprechen würden, geht die Aufführung unter die Haut.

Und so erfüllt sich hoffentlich der Wunsch von AlphaDekade, die Aufführung möge Theaterbesucher für das Thema Alphabetisierung sensibilisieren. Wie notwendig dies ist, zeigt die Tatsache, dass jeder siebente Erwachsene in Deutschland ein funktionaler Analphabet ist und zwar einzelne Wörter und Sätze lesen, nicht aber zusammenhängende – auch kürzere – Texte verstehen kann.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek erklärte zum Auftakt der Tournee: „Die Familie, der Kollege, die Lehrerin des Kindes oder die Betreuungsperson im Jobcenter – sie alle können, wie Louis Germain, Mutmacher sein, wenn sie eindeutige Anzeichen erkennen, Betroffene ansprechen und an die richtige Stelle weiterleiten.“

Nicht aus jedem Kind kann ein Nobelpreisträger werden, aber von der Teilhabe an zahlreichen Bereichen des öffentlichen Leben sollte niemand auf Grund mangelnder Lese- und Schreibkenntnis ausgeschlossen bleiben. Wir brauchen viele Louis Germains. Könnten wir selbst einer sein?

Roman mit Spielort Hamburg

Eine Frau lässt sich nicht unterkriegen

DAP-Mitglied Lilo Hoffmann hat einen Roman geschrieben, der kürzlich im Verlag „Tinte & Feder“ erschienen ist. Titel: Das Glück ist selten pünktlich.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht die Psychotherapeutin Julia, die ohne Vorwarnung von ihrem Mann Steffen wegen einer anderen Frau verlassen wird. Plötzlich steht sie vor den Ruinen ihres Familienlebens. Aber eine Pause gibt es nicht für Julia – die Patienten brauchen sie, Geld muss verdient werden und ihre pubertierende Tochter Lena findet ganz eigene Wege, um mit der neuen Situation umzugehen.
In all dem Gefühlschaos merkt Julia bald, dass so eine Trennung durchaus gewisse Vorzüge hat, und sie beschließt, ihre neu gewonnene Freiheit zu genießen: mit Nachbar Hannes, der überraschend gut tanzen kann, bei einem Glas Whiskey, im Sportstudio… und mit dem charmanten Sascha. Die Frage ist nur: Was will Julia wirklich? Und mit wem?
Übrigens, die Geschichte spielt unter anderem in den Hamburger Stadtteilen Blankenese, Altona, Othmarschen und Eppendorf. Der Roman ist auf Bestellung erhältlich in allen Buchhandlungen sowie im Internet.

Handfester Lyrikpreis für Autorinnen statt Fake-Feminismus

von Maren Schönfeld

Geht es wirklich voran mit der Gleichberechtigung? Feminismus oder der so genannte „neue Feminismus“ ist angesagt und das hat sich bis zur Werbeindustrie herumgesprochen. „Femvertising“ ist das neue Schlagwort, das aus Feminismus und Advertising gebildet wurde und die Vermarktung des Feminismus für kommerzielle Zwecke bezeichnet. Entschieden haben das Vorstände, die immer noch ganz überwiegend aus Männern bestehen. Ob das den Frauen außer ein wenig Medienwirksamkeit irgendetwas bringt, bleibt fraglich.

Und wie sieht es in der Kultur aus? Was die Auszeichnungen von Lyrikerinnen angeht, so befinden wir uns immer noch gefühlt in der Steinzeit. Frauen sind deutlich unterrepräsentiert. Dagegen geht das Literaturportal Fixpoetry nun aktiv an und hat den Gertrud Kolmar Preis ausgeschrieben: „Handfester Lyrikpreis für Autorinnen statt Fake-Feminismus“ weiterlesen

Neues aus der großen weiten Welt

von Maren Schönfeld

Buchcover Schatten des Löwen

Der Weltenbummler und Autor Wolf-Ulrich Cropp hat gerade zwei neue spannende Bücher veröffentlicht, deren Lektüre wir sehr gern empfehlen möchten:

Die Bücher sind im Dumont Verlag und im Kadera Verlag erschienen.

 

„Bonum bono – dem Guten das Gute“: Ein grandioser Auftakt

Zur Premiere „Aus großer Zeit“ am Altonaer Theater am 22. September 2018

von Maren Schönfeld

Aus großer Zeit (c) 11 G2 Baraniak

Die Romane „Aus großer Zeit“ und „Schöne Aussicht“ haben zusammen 988 Seiten sind die ersten beiden Teile der neunbändigen „Chronik des deutschen Bürgertums“ von Walter Kempowski. Sie reichen von der Kaiserzeit über die Zwanzigerjahre bis zu den Anfängen den Hitlerreichs.
Insofern kann man es durchaus als ambitioniert bezeichnen, aus diesen Romanen ein einziges Theaterstück zu machen, so viel Stoff in zweieinhalb Stunden abzuhandeln. Wenn man die Romane gelesen hat, fragt man sich, ob das Vorhaben überhaupt gelingen kann. Wenn man das Stück gesehen hat, weiß man: Es kann nicht nur gelingen, es ist gelungen.  Neun Schauspieler verkörpern dabei mehr als 27 Figuren – und das überzeugend und mitreißend. Als Kulisse hängt eine vollgepackte Kleiderstange am hinteren Bühnenrand. Die Schauspieler ziehen eine andere Jacke an, setzen einen Hut auf – und schon sind sie jemand anders. Alternativ gehen sie kurz von der Bühne und kommen als ein anderer Charakter zurück. Diesen ungewöhnlichen Wechsel hat man als Zuschauer schnell kapiert, und er stört nicht im Geringsten. Ganz im Gegenteil: Diese Art des Spiels ist eine sehr gute Möglichkeit, die Bandbreite des Einzelnen zu erleben. Jede und jeder überzeugt in allen Rollen.

„„Bonum bono – dem Guten das Gute“: Ein grandioser Auftakt“ weiterlesen

Kein schöner Land in dieser Zeit?

Zur Premiere von „Tadellöser & Wolff“ am Altonaer Theater am 23. September 2018

von Lena Boßmann

Tadellöser und Wolff (c) G2 Baraniak

,,Kein schöner Land in dieser Zeit“ singt die Familie Kempowski im Chor und läutet das Stück ein. Unter ihnen natürlich auch Walter Kempowski, der sich nun aus der Formation löst und in seine Funktion als Erzähler schlüpft. Die am Vortag vorgestellte Dramaturgie wird damit fortgeführt, auch heute spielt das neunköpfige Ensemble sehr viele Rollen. Besser hätte man die Stimmung des Stückes nicht zusammenfassen können. Ein fröhliches, dennoch durch Nostalgie belastetes Lied, das die Familie in ihrer Zurückgezogenheit, ihrem gemeinsamen Versuch, nach Biedermeier-Art die Normalität in totalitären Zeiten zu bewahren, portraitiert. Durch Walter als Erzähler und Handelnden, wird der autobiografische Charakter des Werkes treffend widergespiegelt.

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Passiert. Notiert. Bedacht. Gelacht.

Alltagsgeschichten von nebenan und unterwegs

von Lilo Hoffmann

Rainer Neumann schrieb Hymnen an den Alltag. Covergestaltung: Rudolf Wernitz

Der Reisebürokaufmann Rainer Neumann, der von Berufs wegen in seinem Leben ständig in der Welt unterwegs war, hat auf humorvolle Art und Weise besondere Erlebnisse, die unterhaltsam oder auch skurril waren, aufgeschrieben und ein Buch mit dem Titel „Passiert. Notiert. Bedacht. Gelacht.“ veröffentlicht.

Da der Autor in Hamburg lebt, kommt in dem Band auch die Heimat nicht zu kurz. So berichtet er unter anderem von Menschen, die er  an Alster und Elbe, in Barmbek und in St. Georg traf. Besonders gern erinnert sich Rainer Neumann an seine Begegnung mit Siegfried Lenz.  Mit ihm trank er einst in Othmarschen den ersten Aquavit seines Lebens und diskutierte mit dem bekannten Schriftsteller über so manches literarische Werk.

Rainer Neumanns Buch trägt den Untertitel „Alltagsgeschichten von nebenan und unterwegs“. Dazu meint der Autor: „Wer aufmerksam ist, kann Ungewöhnliches überall entdecken.“

Die zu Papier gebrachten Beobachtungen sind im Kadera-Verlag erschienen und können in allen Buchhandlungen bestellt werden.