Eine Psychoanalyse des Mädchens

Buchcover

Rezension zu Inge Seiffge-Krenke: Die Psychoanalyse des Mädchens.
Klett-Cotta, Stuttgart, 2017, Neuauflage 2019

Die Autorin, langgediente Psychoanalytikerin und Lehrstuhlinhaberin für Entwicklungspsychologie an der Mainzer Universität, legt einen reichen Band zur weiblichen Psyche vor. Nach der Altersentwicklung unterteilt, werden unter Einbeziehung aktueller Forschungsliteratur die phasenspezifischen Besonderheiten vom frühesten Kindes- bis ins Erwachsenenalter dargelegt und ausführlich die familiendynamischen Implikationen wie auch speziell die Eigenheiten der Mutter-Tochter-Beziehung erörtert.

Problembereiche weiblicher Entwicklung bis ins Erwachsenenalter

Dem über 400 Seiten starken Werk merkt man die langjährige praktische und forscherische Erfahrung an, und nicht nur Kollegen und Kolleginnen, die auch Kinder behandeln, auch interessierten Laien, die die sehr spezifischen Problembereiche weiblicher Entwicklung bis hinein ins Erwachsenenalter nachvollziehen möchten, kann dieser Band empfohlen werden.

Erfreulich ist dabei einerseits der Bezug auf die zur Zeit aus der Mode gekommene Triebtheorie, die auch notwendig ist, um dem Trend zur Auflösung der Psyche in bloße Beziehungsaspekte entgegenzuwirken. Dennoch ist die Beziehungsdimension des Psychischen in den Ausführungen der Autorin immer vorhanden, so wie auch die somatischen Aspekte von Weiblichkeit stets beleuchtet werden. So beschreibt Seiffge-Krenke eindrucksvoll die Eigenarten von Prä-Adoleszenz und Adoleszenz; der gar nicht so selten auftretende Fall von Unterbauchbeschwerden im Jugendalter führt beispielsweise häufig zum Drängen von Müttern auf operativ-technische Intervention bei ihren Töchtern. Hier gibt der Band klaren Einblick in die psychosomatische Gemengelage und die Familiendynamik.

Es dominieren hier nicht Säuglingsforschung oder akademische Psychologie, sondern konsequent psychodynamische Konzepte. Wiederum muss angemerkt werden, dass zwar ein beträchtlicher, doch eben nur ein Teil der Psychoanalyse des Mädchens vertreten ist, die schon in Frankreich an einigen Stellen anders beschrieben wird. So beklagt die Autorin die ex-negativo-Definition des Weiblichen durch viele klassische Triebtheoretiker – was nicht automatisch heißt, dass das Mädchen mehr als der Junge ein Mängelwesen ist; ein Fehlschluss, dem nicht wenige Analytiker unterliegen. Die Negation bezieht hier aus dem Negierten ihre Kraft; es gibt dazu verschiedenste Überlegungen und gelungene Richtigstellungen (vgl. Fellmann & Redolfi 2017). Zudem ist aus der Praxis gut bekannt, wie weibliches Empfinden sich im Körperlichen konstellieren kann und dass die Bedeutung des Phallus nicht bloßer Theorie-Fetisch ist. Selbst der Phallus, der Penis plus die psychische Vorstellung von Mangel, ist aber ohne eine gute Portion Strukturalismus nicht zu verstehen.

Die psychosexuelle Entwicklung des Mädchens wird in diesem Band jedoch in vielen Facetten behandelt, die zu einem breiten Bild führen und auch ins Detail gehen. So findet auch die Rehabilitierung der Urethra als psychosexuelles Organ ihren Platz. Wiederum bleibt die gesellschaftliche Dimension etwas unterrepräsentiert, so zum Beispiel wenn es um die Frage nach der Konzeption eines Ich geht, das mit gesellschaftlichen und anderen Strebungen konfrontiert wird, die im Individuationsprozess aufeinanderprallen. Man könnte fragen: wo ist das je, wo das moi? Kategorien, die nicht nur bei Ärzten des Seelendunkels auftauchen, sondern etwa auch im gut beleumundeten symbolischen Interaktionismus eines George Herbert Mead.

Manche neuen und alten Problemstellungen wie die der repressiven Entsublimierung (vgl. Kroll 2018; Pfaller 2009) müssten einer Integration zugeführt werden, anstatt, wie es der Band an manchen Stellen tut, die durchaus fragwürdige Möglichkeit menschlicher Vollständigkeit zu suggerieren. So wie wir uns alle vorstellen können, was mit Identität gemeint ist, so schwierig, ja vermutlich unmöglich ist dieses Konzept, und nur vor pragmatischem Hintergrund ist es halbwegs nützlich. Personale Identität, die, wenn überhaupt, eben einmal im Sinne eines Selbst in adaptiver Bewegung zwischen den Polen Totalität und Diffusion (Straub 2017) zu verstehen ist, trifft nicht nur auf Deprivation, sondern auch auf Verwerfungen der lebensweltlichen strukturellen Ordnung, die Depravation genannt werden dürfen.

Wo ist das Irrationale?

Als ergänzende Fragestellung bleibt ebenso offen, wo eigentlich das Irrationale, das Widersinnige ist, das sowohl in, aber auch außerhalb des methodologischen Individualismus zu finden ist und auch in der Praxis erscheint. Gewiss fühlen wir uns einer rational-empirischen Taxonomie verpflichtet, doch auch die therapeutische Praxis wird mit den Verwerfungen der Postmoderne konfrontiert. Und so bleibt das psychoanalytische Mindestziel der  Ablösung infantiler Bindungen (Stuttgarter Gruppe 1995) ähnlich unterbetont wie die Diagnostik der Auflösung struktureller Ordnung, die eine Neubestimmung der Subjektposition verlangt, die zwischen Weltlosigkeit und Welthaltigkeit pendelt, aber keinen Anspruch auf irgendeine Legitimation stellt. So stellt die Dezentrierung des Subjekts womöglich nicht die Lösung, sondern das Problem dar (vgl. Egloff 2015).

Vielseitige Zugänge zu weiblichem Erleben

Zudem gibt es Performanz-Aspekte, die auf Trieb-Objektbeziehungs-Konstellationen hinweisen, in denen der psychoanalytische Akt (Schmid 2001; Egloff 2012)  Transformationen herbeiführt oder anstößt. Daher ist dieses Konzept von enormer Bedeutung auch für Behandler, die nicht genuin analytisch arbeiten. In Ansätzen zur Performanz ist dies in Seiffge-Krenkes Band vorhanden. Die große Stärke liegt aber eher in den Grundlegungen weiblicher Sozialisation und Persönlichkeitsbildung sowie den vielseitigen Zugängen zu weiblichem Erleben auf leiblich-seelischer Ebene, und dies sehr gut lesbar. Historische und literarische Fall-Vignetten geben dem Band dazu eine leichte Note und bieten eine fundierte Psychologie und Psychopathologie des Weiblichen in Form einer engagierten Bestandsaufnahme der klinischen psychoanalytisch-entwicklungspsychologischen Praxis. Dennoch läuft es darauf hinaus, dass manche Konzeptionen des Psychischen neu durchdacht werden müssen. Im Grunde hat die Psychologie gleichermaßen mehr Biologie und mehr Soziologie nötig.

 

Literaturhinweise:
  1. Egloff G (2012). Objektbeziehung und Performanz – zur relationalen Dynamik der Libido. In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, Jg. 61, 7, S. 497-511.
  2. Egloff G (2015). Integrative Psychoanalyse. In: Janus L, Kurth W, Reiss H, Egloff G (Hg.). Verantwortung für unsere Gefühle. Mattes, Heidelberg, S. 301-333.
  3. Fellmann F, Redolfi E (2017). Aspects of Sex Differences: Social Intelligence vs. Creative Intelligence. In: Advances in Anthropology, Jg. 7, 4, S. 298-317.
  4. Kroll A (2018). Aktuelle Perspektiven zu Sozialisation und Kindheit (Rezension zu Egloff G  (ed.), Child-Rearing: Practices, Attitudes and Cultural Differences, New York, 2017). In: Deutsches Ärzteblatt PP, Jg. 16, 7, S. 332.
  5. Pfaller R (2009). Die Sublimierung und die Schweinerei. In: Psyche, Jg. 63, 7, S. 621-650.
  6. Schmid M (2001). Der psychoanalytische Akt. In: Gondek HD, Hofmann R, Lohmann HM (Hg.). Jacques Lacan – Wege zu seinem Werk. Klett-Cotta, Stuttgart, S. 49-73.
  7. Straub J (2017). Personale Identität. Vortrag, 31. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP), Der Wandel der Identitätsstrukturen und Beziehungen im Laufe der Geschichte, Heidelberg, 17. März 2017.
  8. Stuttgarter Gruppe (1995). WSPO analytische Psychotherapie, Kinder und Jugendliche.
  9. Psychoanalytisches Lehr- und Forschungsinstitut „Stuttgarter Gruppe“, März 1995.

Auszüge aus dieser Rezension sind erschienen im Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie, Gablitz/AT, 2018; 19 (1), 45 und in gyn – Praktische Gynäkologie, Hamburg, 2019; 24 (4), 339-340

Berglust und 360-Grad-Alpenkino im Wanderhotel Gassner

Eine Familie unterwegs

Wanderer haben 365 Tage reine Natur und ein 360-Grad-Alpenkino vor sich, wenn sie bei Sonja und Hans-Peter Gassner in Neukirchen am Großvenediger einchecken. Fünf Wanderhotel-Bergkristalle und die Lage im Nationalpark Hohe Tauern sind ein Urlaubsversprechen für Naturliebhaber.

Für Bergwanderer, Gipfelstürmer und Naturgenießer hat das Wanderhotel Gassner**** die ideale Ausgangslage für ihren Berglust-Urlaub. Liegt doch der Nationalpark Hohe Tauern vor der Haustüre – mit seinem 360-Grad-Alpenkino. Im größten Schutzgebiet der Alpen kann man 266 Dreitausender, 342 Gletscher und fast 1.000 Bergseen anpeilen. Das Wanderhotel Gassner als Mitglied der best alpine Wanderhotels“ wurde für sein großes Naturerlebnisangebot mit fünf Bergkristallen ausgezeichnet. Von Juni bis Oktober werden von den beiden geprüften Wanderführern des Hotels wöchentlich fünf bis sieben geführte Naturabenteuer angeboten. Auch der Hausherr Hans-Peter Gassner lässt sich eine wöchentliche Naturexpedition mit den Gästen in die Nationalparktäler nicht entgehen. Er begleitet sie auf Tauerngipfel, zu den Krimmler Wasserfällen oder zur hoteleigenen Jagdhütte im Obersulzbachtal. Die Wanderjause kommt vom Frühstücksbuffet, Rucksack, Wanderkarte und Wanderstöcke gibt es kostenlos zum Ausleihen. Alle Infos zu Touren auf die eigene Faust, Hütten und Wetter findet man in der kostenlosen Touren-App „Erlebnis Nationalpark“.

Gut ausgerüstet für den täglichen Gipfelsieg

Nach dem Bergerlebnis tut die Entspannung im nun 1.000 m2 großen Wellnessbereich gut. Ab dem Sommer 2020 verlockt das neue Crystal Garten-Spa zum Wellnessgenuss im Freien. Rund um den wunderschön angelegten Naturpool lässt man sich auf den Holz-Liegeflächen und Entspannungsbetten nieder. Richtig heiß wird es in der Panorama-Außensauna, die mit Schwitzstube, Salzgrotte, Eisbrunnen, Infrarotliegen, Ruheraum und Sonnen-Panoramaterrasse alles bietet, was es zum Auflockern nach einer Bergwanderung braucht. Noch ein paar Runden im Crystal SPA-Farblichthallenbad, ein Latschen-Aufguss in der Saunawelt, eine Massage mit Arnikaöl oder ein Körperpeeling und man ist wieder zur Tat bereit. Die kleinen Energiebündel zieht es inzwischen auf den neuen Naturspielplatz mit Nestschaukel, Hängebrücke, Kletterturm und Niederseilgarten. Ist Energienachschub gefragt, lässt man sich im neuen Restaurantbereich des Wanderhotel Gassner nieder. Küchenchef Hans-Peter Gassner setzt bei seinem „kulinarischen Gipfel“ auf eine bodenständig-innovative Küche sowie Produkte aus der hauseigenen Landwirtschaft, der eigenen Jagd und aus dem Bio-Kräutergarten. www.hotel-gassner.at

Expedition Wandern – Almsommer- und Bauernherbstpauschale (07.06.–10.10.20)
Leistungen:
7 Ü inkl. Genusspension, 5-7 geführte Wanderungen (Mo.–Fr.), Wander-Verleihservice mit Rucksack, Wanderstöcken, tägl. Wanderjause vom Frühstücksbuffet, Wanderkarte der Region mit Tourenbeschreibungen, Nationalpark Sommercard (gratis Bergbahnen, Wandertaxis, Bus/Zug, Eintritte in Museen, Großglockner, Gerlosalpenstraße etc.) – Preis p. P.: ab 749 Euro

WANDERHOTEL GASSNER****
Hotel Gassner GmbH & Co KG
Hadergasse 167
5741 Neukirchen a. Gr./Ven.

 


 

Hilfe für Autoren, Journalisten und andere Kulturschaffende

Der Schriftstellerverband VS in verdi hat unter dem Motto „Solidarität in Zeiten von COVID-19“ eine Handreichung für selbstständige und freie Kulturschaffende veröffentlicht, um deren Honorar- und Verdienstausfälle zu dokumentieren und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie diese abgefangen werden könnten. Außerdem gibt es Empfehlungen für die Betroffenen hinsichtlich Künstlersozialkasse u.a. sowie für die öffentliche Hand und die Verwertungsgesellschaften, wie diese den Betroffenen helfen könnten. Die VG Wort hat allerdings eine vorgezogene Ausschüttung der jährlichen Tantiemen aus personellen Gründen in einem Rundschreiben an die Registrierten abgelehnt. Die Ausschüttung wird zum gewohnten Zeitpunkt Mitte des Jahres erfolgen.

Alle Betroffenen können sich an der Datensammlung beteiligen, egal ob sie Mitglied im VS sind oder nicht. Hier ist die Handreichung im originalen Wortlaut zu finden:

Handreichung VS in verdi, Link

 

Hilfsmaßnahmen für Hamburgs Kultur und Kreativwirtschaft

Anlässlich der COVID 19-Pandemie haben die Bundesländer diverse Hilfsmaßnahmen aufgelegt, um die Honorarausfälle der Kreativen und Kulturschaffenden abzumildern. So können z. B. in Hamburg Selbstständige und Freiberufler Grundsicherung beantragen.

 

Mehr über das am 20. März 20 beschlossene Maßnahmenpaket des Senats finden Sie hier:

https://www.hamburg.de/bkm/13729684/hilfsmassnahmen-fuer-kultur-und-kreativwirtschaft/

Wandern wie die Bergsteigerlegenden im Südtiroler Ahrntal

Mountainbikertour

Mit seinen 80 Dreitausendern zieht das Südtiroler Ahrntal Bergsteiger und Alpinisten in seinen Bann. Wer möchte nicht einmal in den Fußspuren von der Bergsteiger-Legende Hans Kammerlander oder dem Jung-Alpinisten Simon Gietl einen Dreitausender erklimmen?

Wandern ist viel mehr als nur körperliche Aktivität: Es ist ein Aus-sich-heraus-, aber auch In-sich-Gehen, es erweitert die Bewegungsfreiheit und den Horizont. Das ursprüngliche Ahrntal ist eines der schönsten Wandergebiete in Südtirol. Stehen doch ringsum 80 Dreitausender der Zillertaler Alpen, der Hohen Tauern und des Naturparks Rieserferner-Ahrn Spalier. Die Wanderwege ziehen sich von 860 bis hinauf auf 3.499 Meter Höhe. Nicht oft findet man Alpentäler mit so vielseitigen Wandermöglichkeiten, von der einfachen Familienwanderung samt Kinderwagen bis zur knackigen Gletschertour mit Steigeisen. Genusswanderer schweben mit den Kabinenbahnen den Speikboden oder den Klausberg hinauf, in ein weites Almwandergebiet auf rund 1.600 Metern. Ein unvergessliches Naturspektakel ist der Sonnenaufgang am Speikboden. In den frühen Morgenstunden geht es mit der Kabinenbahn und dem Sessellift Sonnklar hinauf auf 2.400 m. Wenn die ersten Sonnenstrahlen die atemberaubende Ahrntaler Bergwelt berühren, trifft das auch die „stillen Beobachter“ mitten ins Herz. Anschließend wartet ein herzhaftes Bergfrühstück in der Sonnklarhütte auf die Frühaufsteher.

Fünf Dreitausender mit Hans Kammerlander

Unzählige Gipfeltouren, sechs aussichtsreiche Höhenwege, alpine Seenwanderungen und fordernde Mehrtages-Trekkingtouren: Wanderer schärfen ihr Profil im Naturpark Rieserferner-Ahrn und in den angrenzenden österreichischen Schutzgebieten, dem Nationalpark Hohe Tauern sowie dem Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen. Ein Tipp für Konditionsbergsteiger ist die Gipfeltour auf den Rieserferner (10./11.07.20) mit dem bekannten Extrembergsteiger aus dem Arhntal, Hans Kammerlander. Bei dieser anspruchsvollen, zweitägigen Bergtour werden fünf Dreitausender erobert, übernachtet wird auf der Rieserfernerhütte (2.790 m). Kammerlanders Horizont reicht von Südtirol bis in den Himalaya. Der junge Südtiroler Profi-Bergsteiger und Bergführer Simon Gietl hat sich mit Erstbegehungen und Touren in den Dolomiten einen Namen gemacht, aber auch mit Expeditionen in Patagonien, Grönland, Indien oder China.

Schwarzensteinhütte: Der Leuchtturm Südtirols

Sieben Schutzhütten sind über das ausgedehnte Wegenetz in den Ahrntaler Bergen erreichbar, darunter auch die neu gebaute Schwarzensteinhütte unter dem Gipfel des gleichnamigen Dreitausenders. Das kristallförmige Haus ist ein architektonisches Highlight in den Bergen. Der komplette Holzbau ist mit einem Kupferblech verkleidet und liefert von allen Seiten faszinierende Eindrücke. Das Hüttenleben lässt sich bei einem entspannten Abendessen und einem guten Gläschen Südtiroler Wein genießen. Vor dem Gipfelmeer des Naturparks Rieserferner-Ahrn, der Zillertaler Alpen, der Hohen Tauern und sogar der Marmolada ein unvergleichlicher Genuss. Voller landschaftlicher und kulinarischer Höhepunkte ist der sechstägige Zillertaler-Alpen-Trek mit fünf Hüttenübernachtungen von Luttach im Ahrntal bis Wiesen im Pfitschertal. Dort sollte man unbedingt eine originale Südtiroler Brettljause genießen, zu der ein würziger Graukäse ebenso gehört wie Speck und Schüttelbrot. Bis heute wird der Kuhmilchkäse in den Ahrntaler Almhütten und Bauernhöfen in Handarbeit gekäst. Nach zehn Wochen Reifezeit in einem finsteren Keller ist er fertig zur Verkostung. Ständig steigender Beliebtheit erfreut sich auch der Krimmler-Tauern-Trek, der auf alten Hirten- und Saumpfaden vom hinteren Ahrntal über den Krimmler Tauern nach Salzburg führt. Jedes Jahr lädt ein Salzburger Verein zum Alpine Peace Crossing (26/27.06.20) – einem „bewegenden“ Zeichen der Solidarität mit den nach dem 2. Weltkrieg heimatlos gewordenen Juden aus Osteuropa, die hier über die Grenze ans Mittelmeer und nach Palästina gelangten. www.ahrntal.com

Tourismusverein AHRNTAL
Tourismusverein AHRNTAL
Ahrner Straße 22
39030 Luttach/Ahrntal

Die dritte Halbzeit war blutig

Foto: AnnRos auf Pixabay

Fußballspiel als Vorspiel zum Krieg – Massenimmigration führte vor 51 Jahren zum sogenannten Fußball- oder 100-Stunden-Krieg

 

Der sogenannte Fußballkrieg wird auch „100-Stunden-Krieg“ genannt, da die Kampfhandlungen nur rund 100 Stunden, nämlich vom 14. bis zum 18. Juli 1969, dauerten. Im Verhältnis zur Kürze ist die Zahl der Opfer mit 2100 Toten und 6000 Verwundeten hoch. Andere Quellen sprechen sogar von 6000 Toten, 15000 Verletzten und 50000 Ausgebombten.

Ungeachtet seiner Bezeichnung liegt die Ursache für den Fußballkrieg zwischen El Salvador und Honduras nicht in der schönsten Nebensache der Welt, sondern in einer Massenwanderung von 300000 Armutsflüchtlingen von El Salvador nach Honduras, die im Zielland der Migration nicht als kulturelle Bereicherung betrachtet wurde.

Mehr noch als heute war vor fünf Jahrzehnten das mittelamerikanische El Salvador ungleich stärker besiedelt als dessen Nachbarstaat Honduras. Während in El Salvador rund 2,5 Millionen Menschen auf rund 21000 Quadratkilometern lebten, teilten sich in Honduras nur 1,9 Millionen Einwohner etwa 112000 Quadratkilometer. Zu diesem Ungleichgewicht kam eine Großgrundbesitzer-freundliche Politik des salvadorianischen Präsidenten General Fidel Sánchez Hernández. Das Ergebnis war eine Massenmigration von 300000 Armutsflüchtlingen von El Salvador nach Honduras.

Dampf aus dem Kessel

Über diese war die Regierung in San Salvador nicht unglücklich, nahm sie im eigenen Land doch Dampf aus dem Kessel. Dafür sorgte sie für sozialen Unmut in Honduras. Dort plante die Regierung eine Agrarreform, die zu einem Interessensausgleich zwischen den Großgrundbesitzern und den Kleinbauern des Landes auf Kosten der Einwanderer führen sollte. Am 30. April 1969 forderte Honduras’ Regierung die Immigranten auf, innerhalb der nächsten 30 Tage in ihre Heimat zurückzukehren. Ab Mitte des Jahres verschaffte die paramilitärische Gruppe „Macha Brava“ dieser Aufforderung der Regierung Nachdruck mit Angriffen auf die Einwanderer.

In dieser angespannten Lage kam der Fußball ins Spiel. Bei den Qualifikationsspielen zur Fußballweltmeisterschaft 1970 in Mexiko trafen vor 50 Jahren El Salvador und Honduras im Halbfinale aufeinander. Entsprechend dem Reglement gab es ein Hin- und ein Rückspiel sowie im Falle eines anschließenden Patts ein entscheidendes drittes Spiel in einem dritten Land.

Das erste Spiel fand am 8. Juni 1969 in Honduras statt. Die Gastgeber gewannen mit 1:0. Wie emotional aufgeladen das Duell war, zeigt die Tatsache, dass sich eine 18-jährige Generalstochter aus El Salvador nach der Niederlage der Mannschaft ihres Landes mit der Pistole ihres Vaters erschoss. Die Fans in Honduras hatten in der Nacht vor dem Spiel vor dem Hotel der Gäste aus El Salvador gelärmt, sodass zumindest in El Salvador sich die Interpretation breitmachte, Übermüdung der eigenen Mannschaft sei für deren Niederlage verantwortlich gewesen.

Eine Woche später kam es in El Salvador im doppelten Sinne zur Revanche. Nun ließen die Fußballanhänger aus El Salvador die Gäste aus Honduras kaum schlafen, und in der Tat gewann diesmal El Salvador, und zwar mit 3:0. Da die Tordifferenz laut Reglement keine Rolle spielte, herrschte also ein Patt und ein Spiel in einem dritten Land muss­te die Entscheidung bringen. Am 26. Juni 1969 traten die beiden Mannschaften in Mexiko-Stadt an, und zwar im Aztekenstadion, in dem im Folgejahr das berühmte, legendäre „Jahrhundertspiel“ Bundesrepublik gegen Italien stattfand. Wie beim Jahrhundertspiel herrschte auch beim Spiel El Salvador gegen Honduras nach der regulären Spielzeit Gleichstand. Der Fußballkrimi ging in die Verlängerung. Die Entscheidung brachte schließlich das 3:2 des Salvadorianers Mauricio „Pipo“ Rodríguez in der 101. Minute. El Salvador war im Finale der Qualifikation, Honduras ausgeschieden.

Wie schon nach dem zweiten kam es auch nach diesem dritten Spiel zu schweren Ausschreitungen und Auseinandersetzungen zwischen den Fans der Kontrahenten. Menschen verloren dabei ihr Leben.

Völkermord und Folter

In der Folge verschlechterte sich der ohnehin schon schwierige Stand der salvadorianischen Einwanderer in Honduras. Die Regierung in San Salvador reagierte hierauf scharf. Einerseits gehörte es zu ihren Aufgaben, auch die Interessen von Bürgern im Ausland zu vertreten. Andererseits hatte sie kein Interesse daran, dass sich durch die Rückwanderung eigener Armutsflüchtlinge im großen Stil die soziale Lage im eigenen Land verschärfte. In El Salvador wurden dem Nachbarn im Zusammenhang mit der Behandlung der emigrierten Landsleute Völkermord, Folter, Kastrationen und Vergewaltigungen vorgeworfen. Zwei Tage nach dem Spiel wurden die diplomatischen Beziehungen abgebrochen.

Am 14. Juli 1969 überfiel El Salvador Honduras. Ohne vorherige Kriegserklärung ließ Sánchez Hernández den Flughafen von Honduras’ Hauptstadt Tegucigalpa durch alte Weltkriegsmaschinen und Cessnas bombardieren. Honduras schlug zurück. Die Luftstreitkräfte der beiden Entwick­lungsländer waren von alten Weltkriegsmaschinen geprägt, und so kam es in diesem Krieg noch einmal zu Luftkämpfen zwischen Propellermaschinen, den letzten im längst angebrochenen Zeitalter des Düsenflugs.

Dem Luftschlag folgte zu Lande ein Vorrücken salvadorianischer Truppen. Diesem Vormarsch hatte Honduras kaum etwas entgegenzusetzen. Nachdem die Sal­va­do­ria­ner etwa 70 Kilometer tief ins Feindesland einmarschiert waren, forderten die Vereinten Nationen, vor allem aber die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), eine politische Lösung. Im Angesicht von Sanktionsdrohungen sah sich die salvadorianische Seite gezwungen, ihren Vormarsch abzubrechen und die Kampfhandlungen einzustellen. El Salvador wurde von der OAS als Aggressor eingestuft und aufgefordert, seine Truppen hinter die Grenze zurück­ziehen. Am 29. Juli stimmte die salvadorianische Regierung nolens volens zu. Am 4. August verließen die letzten Invasoren Honduras.

Seine Kernforderung, ein Bleiberecht seiner Migranten in Honduras, konnte San Salvador nicht durchsetzen. Honduras konnte also die Ausweisung der Einwanderer fortführen.

Handfeste wirtschaftliche Nachteile

Nicht nur, dass der militärisch erfolgreiche Aggressor sein Kriegsziel verfehlte, der Krieg brachte ihm abgesehen von den Kriegsopfern auch noch handfeste wirtschaftliche Nachteile. Honduras behinderte fortan den Export seines Nachbarn über eigenes Gebiet und zog sich aus dem Zentralamerikanischen gemeinsamen Markt (MCCA) zurück, was diesen vorläufig bedeutungslos machte. Das traf El Salvador nicht unerheblich. Zum einen ist dieser Staat relativ klein, dicht besiedelt und stark industrialisiert, was zu einer entsprechenden Abhängigkeit von grenzüberschreitendem Handel führt. Zum anderen liegt Honduras nicht nur zwischen El Salvador und dem Atlantik, sondern auch zwischen El Salvador und den MCCA-Partnerstaaten Nicaragua und Costa Rica.

Mehr noch als diese Handelshemmnisse trug jedoch die durch den Fußballkrieg nicht gestoppte Rückführung von 300000 Armutsflüchtlingen zur Verschärfung der sozialen und wirtschaftlichen Lage in El Salvador bei, die schließlich zum elfjährigen Bürgerkrieg führte. 1980 begann dieser Bürgerkrieg. Ebenfalls 1980 wurde der Fußballkrieg mit einem Friedensvertrag endlich auch formal beendet.

SUPERNOVA – Holiday on Ice

HOLIDAY ON ICE/Rico Ploeg, Roy Kuis

Standing Ovations für neue Show SUPERNOVA in Hamburg – ACADEMY Nachwuchstalent Carolina Raabe betritt die große Showbühne 

Hamburg – HOLIDAY ON ICE eröffnete am 6.2.2020 in der Barclaycard Arena mit einer emotionsgeladenen und spektakulären Premiere die Eisfläche für die neue Show SUPERNOVA – A journey to the stars. Ihre Showpremiere feierte auch Carolina Raabe – als ausgewähltes Nachwuchstalent der HOLIDAY ON ICE Academy hatte die 13-Jährige ihren große Auftritt auf der Eisshowbühne und begeistere das Hamburger Publikum. Am 08.02.2020 erwartete die Zuschauer zudem ein weiteres Highlight, als die Gaststars Sarah Lombardi und Joti Polizoakis in der Show um 16:30 Uhr live auf dem Eis zu erleben waren. Außerdem feierten die Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot am 09.02. um 13:00 Uhr ihr Comeback auf dem Eis in der Barclaycard Arena. Sie zeigten dort ihre gefeierte, hochemotionale Olympiakür sowie ihre eigens für HOLIDAY ON ICE kreierte Performance.

SUPERNOVA – spektakuläres Live-Entertainment auf und über dem Eis
HOLIDAY ON ICE/Chris Moylan

„SUPERNOVA ist eine Hommage an die eisige Polarwelt sowie das Universum mit all seinen Sternen, die wir mit berauschenden Bühnenbildern, innovativster Technik und atemberaubenden Choreografien zelebrieren. Wir lassen wir es in der Show wirklich schneien und entführen unser Publikum in eine ferne Galaxie“, beschreibt Robin Cousins, Creative Director der Produktion, einige effektvolle Details der Show.

Mit bezauberndem Eistanz und beeindruckend prachtvollen Kostümen erzählt die Show die Geschichte eines Liebespaares, dass inmitten einer winterlichen Feier durch einen gigantischen Schneesturm hinaus in die Unendlichkeit des Kosmos getragen wird. Dort beginnt für die beiden ein fantastisches Abenteuer jenseits von Raum und Zeit zu wahrhaft überwältigenden Orten der Galaxie und zu seinen exotischen Bewohnern. Zuletzt gelangen sie – durch eine galaktische Explosion, eine Supernova – wieder auf die Erde und zurück auf das Fest in der verschneiten Eiswelt. Dort zelebrieren sie ihre Liebe vor einer atemberaubenden Kulisse in einem unvergesslichen Finale, umgeben von farbenprächtigen Polarlichtern.

HOLIDAY ON ICE / Rico Ploeg

Mit SUPERNOVA schöpft HOLIDAY ON ICE alle Dimensionen der Eisbühne vollends aus. Die Show entführt seine Gäste in zwei völlig unterschiedliche Welten und überrascht mit spektakulären neuen Show-Elementen, die es nie zuvor bei HOLIDAY ON ICE gegeben hat. Auf die Zuschauer warten unter anderem eine 3D-LED-Wall aus individuell bespielbaren Cubes, eine bewegliche Plattform für Special Acts, rasante Geschwindigkeiten in der gesamten Arena sowie fliegende Elemente und Skater. Neben den hochklassigen technischen Ansprüchen und Eiskunstlauf auf Weltklasseniveau besticht SUPERNOVA mit groß inszenierten, verspielten sowie überraschenden Kostümwelten von Stardesigner Stefano Canulli (unter anderem bekannt durch seine Designs für den Friedrichstadtpalast, Cirque du Soleil, Valentino und Thierry Mugler). „SUPERNOVA repräsentiert unseren höchsten Anspruch an modernstes Live-Entertainment on Ice. Mit dieser neuen Produktion bleibt HOLIDAY ON ICE der eigenen Anforderung treu, Showerlebnisse immer wieder neu zu erfinden, Grenzen aufzubrechen und sich selbst jedes Jahr herauszufordern“, so Producer und CEO Peter O’Keeffe.

Der Vorverkauf für Hamburg für 2021 ist gestartet

Alle Eiskunstlauf-Liebhaber, HOLIDAY ON ICE Begeisterte und jeder, der neugierig geworden ist, können sich jetzt noch einen der begehrten Plätze sichern. Das Hamburger Publikum darf sich zudem bereits auf die kommende Saison 2020/2021 freuen, denn vom 11. bis zum 14.02.2021 kommt HOLIDAY ON ICE mit einer neuen Show zurück in die Barclaycard Arena – der Vorverkauf ist ab sofort eröffnet.

Tickets und Infos zur Show: www.holidayonice.de

Ticket-Hotline: 01805-4414
(€ 0,14/Min. aus dem dt. Festnetz, mobil max. € 0,42/Min)

Tickets für HOLIDAY ON ICE sind ab 24,90 €* erhältlich. Für Kinder ab 19,90 €*.

*Alle angezeigten Preise verstehen sich inkl. der gesetzl. MwSt., Systemgebühr und VVK-Gebühr; zzgl. Spielstätten- und ÖPNV-Gebühr sowie Buchungsgebühr von max. € 2,00 je Ticket und Versandkosten.

Über HOI Productions Germany GmbH

Mit mehr als 330 Millionen Besuchern ist HOLIDAY ON ICE die meistbesuchte Eisshow der Welt. Seit der ersten Vorstellung im Dezember 1943 hat sich der Publikumsmagnet von einer kleinen Hotelproduktion in den USA zu einem global agierenden Eis-Enter…

Besuchen Sie unseren Newsroom »

„Apologia“ von Alexi Kaye Campbell – das neue Stück am English Theatre of Hamburg

Sieh dir mal das Foto aus meinen Jugendtagen an

Ruhe vor dem Sturm. Die Art, wie Kristin Miller rastlos in ihrer gemütlichen Wohnküche hin her läuft, Papiere sortiert, für Sekunden auf einem Stuhl Platz nimmt und gedankenverloren ins Leere starrt, lässt nichts Gutes erahnen. Zu ihrem heutigen Geburtstag hat die renommierte Kulturhistorikerin ihre beiden Söhne nebst Freundinnen in ihr Landhaus irgendwo in der englischen Provinz eingeladen. In Kürze sollen Kristins Memoiren unter dem Titel „Apologia“ erscheinen. Ein Grund mehr, auch Hugh, den alten Freund und Kampfgenossen zur Feier zu bitten, mit dem sie Erinnerungen an zahlreiche Demonstrationen in den wild bewegten Sechziger- und Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts verbinden. Als erster erscheint Sohn Peter mit seiner amerikanischen Freundin Trudi. Die Fröhlichkeit der jungen Frau mit dem blonden Wuschelkopf konterkariert Peters nur mühsam unterdrückte Aggressivität. Widerwillig ist er der Einladung seiner Mutter gefolgt. Nur selten bekam er sie zu Gesicht, seit sie ihn und seinen Bruder Simon aus Karrieregründen beim Kindsvater „ausgelagert“ hatte. Sinnt der sich sträflich vernachlässigt fühlende Sohn auf Rache an seiner egoistischen Mutter? Tief im Inneren brodelnde Konflikte sind der Stoff, aus dem die griechischen Tragödien der Antike gewoben wurden. Doch gemach, um Mord und Totschlag geht es hier nicht. Der moderne Mensch hat viel subtilere Methoden entwickelt.

Die Katastrophe naht mit Claire, der Freundin Simons, die der Feministin und Gerechtigkeitsfanatikerin Kristin (grandios Julia Righton, die ihre Rolle bis ins Mark verinnerlicht) von vornherein suspekt, wenn nicht gar abstoßend erscheint. Die junge attraktive Frau ist Schauspielerin und nimmt neben seriösen Rollen wie die der Nora in Ibsens gleichnamigem Drama auch Angebote in Sitcoms und anderen seichten TV-Serien an. Ein absoluter Horror für Kristin. Fehlte nur noch, dass diese Person in ihrem 700 Pfund teuren Schickimickifetzen in Pornos mitwirkte. Dieser „Beruf“ entspricht ebenso wenig Kristins antikapitalistischen Vorstellungen wie die Tätigkeit Peters in der äußerst lukrativen Welt der Finanzen. Beide sind „Nehmer“, wie Kristin diese Spezies von Mensch verächtlich nennt. Sie selbst sieht sich als „Geber“, die nach ihrer Meinung bessere Hälfte der Menschheit. Simon, der jüngere Sohn, welcher bislang in jedem Job versagt hat, ist ihrem Herzen viel näher. Wo bleibt er nur, denkt Kristin, bevor sie sich einem anderen Problem zuwendet – der tiefen Religiosität Trudis, die Peter sogar dazu bewegen konnte, an Bibelstunden teilzunehmen. Ein Schock folgt auf den nächsten, und das an ihrem Geburtstag. Kristin ist es nicht gewohnt, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Und so teilt sie erbarmungslos aus und lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass ihre Meinung die einzig richtige ist. Peter wendet sich frustriert an Trudi und bezeichnet seine Mutter als einen Albtraum – im englischen Original: „She is a bloody nightmare!“ Ein Anruf für den immer noch abwesenden Simon, den Kristin annimmt, bringt die Situation auf den Siedepunkt: Der Anrufer freut sich auf ein bevorstehendes erotisches Abenteuer mit Claire. Da haben wir es, frohlockt Kristin, dieses Flittchen betrügt meinen Lieblingssohn und empfindet keinerlei Scham. Dreimal pfui!

Beruhigt euch. Es besteht kein Grund zur Aufregung

Während dieser Tragikomödie rund um den Familientisch, an dem reichlich Champagner fließt und die Zungen der Protagonisten löst, sitzt Freund Hugh in einem Sessel abseits des Geschehens. Er ist der Gegenpol des aufgeregten Dialogs, ein Mann abgeklärten sokratischen Denkens.Warum nur mischt er sich nicht ein mit den Worten eines weisen römischen Anonymus: „Si tacuisses, philosophus mansisses.“ Wahrscheinlich würde dieses Diktum Kristin noch mehr in Rage bringen, denkt Hugh vermutlich und hängt weiter seinen Gedanken nach.

Kristin und Peter scheinen sich doch gut zu verstehen

Doch wer hätte gedacht, dass Kristin auch mütterlicher Gefühle fähig ist. In der Nacht, die dem Sturm im Familienkreis folgt, kümmert sie sich hingebungsvoll um Simon, der sich bei einem Sturz verletzt hat, und verbindet seine Wunden. Zwischen beiden scheint großes Einverständnis zu herrschen. Leise und zärtlich unterhalten sie sich miteinander, bis der Morgen graut, Simon klammheimlich verschwindet und die anderen Geburtstagsgäste am Frühstückstisch erscheinen. Inzwischen haben alle einen Blick in Kristins Memoiren geworfen und fragen sich konsterniert, wieso sie in der Retrospektive auf ihr bewegtes Leben ihre beiden Söhne mit keinem Wort erwähnt. Peter und Trudi versteigen sich sogar zu der Frage, warum zum Teufel sie denn überhaupt Kinder in die Welt gesetzt habe. Kristin scheint dies indes vollkommen kalt zu lassen. Sie betont, dass der Titel ihrer Memoiren „Apologia“ keineswegs zu verwechseln sei mit „Apology“ – also mit einer Entschuldigung für etwaige Verfehlungen, die ihr wohl mancher unterstellen möchte, sondern dem griechischen Apología (auf der letzten Silbe zu betonen) entspricht: Es handelt sich um eine „formale Verteidigung eines Standpunktes, den Bezug auf eine Position oder Handlung.“

Was keineswegs einer Entschuldigung gleich kommt. Somit sind aus Kristins Sicht alle anderslautenden Meinungen ausgeräumt. Ein Gast nach dem anderen verlässt das Haus. Als die liebenswürdige Trudi Kristin umarmt und ihr rät, sich selbst zu verzeihen, bricht die selbstgerechte, angeblich so starke Frau vor Verzweiflung schreiend zusammen. Kann es sein, dass sie am Ende doch noch zur Einsicht gelangt ist, nicht das Maß aller Dinge zu sein und selbst manches in ihrem Leben falsch gemacht zu haben?

Fazit: Ein ganz starkes Stück aus der Feder des griechisch-amerikanischen Autors Alexi Kaye Campbell, das dem Zuschauer unter die Haut geht, getragen von einem großartigen Ensemble talentierter Schauspieler, die unter der Regie von Paul Glaser brillierten. Während Annelise Bianchini die hübsche, freundlich-naive Trudi gab, spielte Michelle Fahrenheim den Serienstar Claire. Luke Jenkins übernahm gleich zwei Rollen, die von Peter und Simon. Michael Garland glänzte im Part des „Philosophen“ Hugh. Ein großer Abend, für den sich das Publikum mit anhaltendem Applaus bedankte,

„Apologia“ hat sich als großer Hit auf den Bühnen von London und New York erwiesen. Der 1966 in Athen geborene Autor – Sohn einer britischen Mutter und eines griechischen Vaters – ging als junger Mann nach Amerika und spielte später in England Theater. Sein bisheriges Werk umfasst u.a. „Poirot“, „Bracken Moor” und “Touch of Frost.”

(Fotos: Stefan Kock)

“Apologia” läuft bis einschließlich 11. April 2020

Tickets unter der Telefonnumer 040-227 70 89 oder online unter www.englishtheatre.de

Nächste Premiere: „Outside Mullingar“, Komödie von John Patrick Shanley,
am 25. April 2020

         

“Apologia” by Alexi Kaye Campbell – The New Play at the English Theatre of Hamburg

Take a look at this old photo of me

What a stirring play, written by the American author Alexi Kaye Campbell, born to a British mother and a Greek father, who in “Apolgia” describes a disastrous family reunion in a cosy cottage in the English countryside. Kristin Miller, a renowned art historian in her sixties, is expecting some guests to celebrate her birthday. Although her two sons whom she has not seen for a long time are expected to join the rest of the party, Kristin (excellent and very passionate – Julia Righton) seems to be in a depressed mood. Who will be the first one of her guests to wish her a very happy birthday and many happy returns? Before we go on, let us take a look at Kristin’s biography.

Keep cool. No need to get excited

As an eminent and successful art historian, who at the same time is a fanatic feminist and anti-capitalist, Kristin never saw fulfilment in family life and motherhood. In spite of her belief in total independence she gave birth to two boys – Peter and Simon – whom she abandoned when they were very young and left them with their father. As a young woman she followed her politics and vocation, storming Parisian barricades and moving to Florence to live a life according to her own taste. Now after having left her wild years behind her, she has come to terms and written her biography without mentioning her sons with a single word. What a scandal! An over-ambitioned selfish woman has the cheek to concentrate only on herself and ignore her offspring without the slightest remorse.

After all Kristin and Peter seem to be on good terms

Peter and his pretty American girlfriend Trudi (Annelise Bianchini – sweet and charming) are the first ones to arrive at Kristin’s party. While Peter is very reserved toward his mother who for him is a “bloody nightmare”, the young woman greets Kristin very warmly and hands her a most precious present. It is an African tribal mask which Kristin being a connoisseur of artefacts from other cultures accepts enthusiastically. When Claire (Michelle Fahrenheim – a mixture of naivety and shrewdness) Simon’s fiancée, arrives, Kristin can barely hide her disapproval of the extravagant young woman who calls herself an “actress” although she mostly appears in sitcoms and other soap operas. Good lord, that girl in her 700 pound designer dress is indeed not Kristin’s cup of tea. In a way she also despises Peter, the capitalist, who makes a lot of money in the City of London. In Kristin’s opinion both are “takers” and not “givers”, the latter ones being those who benefit society. In addition, she is disturbed when she hears that Peter attends bible lessons with Trudi who is a devoted Christian. As a life-long confirmed atheist, she is unable to understand other people’s religious beliefs. By the way, where is Simon, Kristin’s favourite son who failed to keep a job and recently suffered a mental breakdown? When by accident Kristin picks up Claire’s mobile and learns that the caller is waiting for Claire to spend the night with her, she becomes furious. Now it becomes clear that that girl is a bitch cheating on her son. Really – it could always be worse. The only thing that seems to keep the party together are bottles of Champaign that are lavishly consumed by the guests, While the mood in the kitchen is heated, only Hugh (Michael Garland – sophisticated) , an old friend of Kristin’s and comrade in the olden golden revolutionary days, keeps his calm. Sitting comfortably in a corner of the room, he observes the whole scene and seems amused about the exited dialogue. He sympathises with her sons and understands their resentment toward her. On the other hand he is loyal to Kristin but does not share her aggressive attitude. Why doesn’t he tell her to remain silent according to the wise Latin dictum: Si tacuisses, philosophus mansisses. When asked about her book, Kristin insists that the title “Apologia” is not be confounded with apology. There is obviously nothing she feels sorry for. She explains that the Greek word apologia stands for a formal written defence of one’s opinions or conduct. No further comment needed.

When Kristin’s guests depart the next day after breakfast the smoke of the night before has cleared and everybody seems to be quite at ease. Only Kristin looks extremely distressed und unhappy.

We do congratulate the five excellent actors on stage and director Paul Glaser for this overwhelming performance. An extra praise goes to Luke Jenkins who mastered two extremely different parts, that of Peter, the tough businessman, and his brother, the loser Simon. Many thanks to all of you.

“Apologia” is an extremely disturbing play, a political and family drama set in the rural environment of the English countryside. It still is a great box-office success in the Anglophone countries, particularly in Britain and the United States of America. The critics are full of praise for Campbell’s “Apologia”, a play which followed his much acclaimed award-winning debut “The Pride.” An admirer of the author writes: “As the follow-up to Alexi Kaye Campbell’s ‘The Pride’ comes this play about the conflicting demands of fame and family. A disastrous family reunion is the occasion for a sharp and perceptive look at what has happened to the children of ‘60s’ idealists.” And a London critic comments:” ‘Apologia’ frames that argument in feminist terms, pitting the gains made by women like Kristin against the loss of traditional families. Both her sons begrudge their absentee mother, who lost custody of them to their father , and Simon, in particular, is held back by events of the past. That the point only lands late on, however, means the play suddenly opens up like a clearing sky.”

While in most countries “Apologia” is seen as a drama or even a tragedy, an Italian critic talks of the play as a comedy. There is just no accounting for different mentalities…

(Photos: Stefan Kock)

“Final performance of “Apologia” on April 11, 2020

Tickets under phone number 040 – 227 70 89, online booking under www.englishtheatre.de

Next premiere: “Outside Mulligar”, a comedy by John Patrick Shanley,
on April 25,2020

Re:Präsentationen – Black History Month Hamburg 2020

Am 22. und 29. Februar finden  zwei begleitende Veranstaltungen zu der Ausstellung statt. Foto: BHM Hamburg & Lemia Monét Bodden.

Die Ausstellung „Re:Präsentationen“, organisiert vom Hamburger Team des Black History Month, die noch bis zum 24. Februar 2020 im Altonaer Museum zu sehen ist, möchte die Geschichte und Gegenwart von Schwarzen Menschen in Hamburg hervorheben und zeigen, dass Schwarze Menschen in Deutschland eine historische und einflussreiche Präsenz haben.
Frei zugänglich für alle Interessierten, beabsichtigt die Ausstellung, Schwarzen Menschen in Deutschland  Gelegenheit zu geben, sich selbst zu repräsentieren und sich in ihrer Einzigartigkeit als Künstlerinnen und Künstler, Aktivistinnen und Aktivisten sowie als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu zeigen.

Begleitende Veranstaltungen zu der Ausstellung:
SCHWARZRUND „BISKAYA“
Autorinnenlesung
Sa, 22.02.2020, 15 bis 17 Uhr

„WER WIR SEIN WOLLTEN“
Dokumentation, 65 min, Filmvorführung und Gespräch
Sa, 29.02.2020, 15 bis 17 Uhr
Der Eintritt für alle Veranstaltungen ist frei.