
Im Rahmen der 9. Triennale der Photographie Hamburg werden in elf Museen und Ausstellungshäusern 279 fotografisch künstlerische Arbeiten präsentiert. Der Titel des internationalen Fotofestivals lautet:
„Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other“ und trägt die Botschaft in sich, „The greatest thing you’ll ever learn is just to love and be loved in return.“ Die wichtigste Sache, die du je lernen wirst, ist einfach zu lieben und wieder geliebt zu werden. Das ist eine Zeile aus dem Song Nature Boy von Eden Ahbez, interpretiert von Nat King Cole 1948, einer der Lieblingssongs des britischen Kurators und Autors, Mark Sealy, dem künstlerischen Leiter dieser 9. Phototriennale. Es geht um die Anerkennung des Anderen und um die Überbrückung sozialer und kultureller Unterschiede, „um Raum der gegenseitigen Umarmung, der Fürsorge und des Respekts“ (Mark Sealy).
Die fotografisch dokumentarische Kraft der Bilder von Franki Raffles, gezeigt im Museum der Arbeit, rückt das Nachdenken über Gerechtigkeit, Verantwortung und Menschlichkeit gegenüber Frauen in diesem Sinne in den Fokus.
Franki Raffles: Photography, Activism, Campaign Work
Die englische Fotografin Franki Raffles (1955-1994) widmete sich nach ihrem Studium der Philosophie an der University of St. Andrews der sozialdokumentarischen Fotografie. Dort engagierte sie sich in der Frauenbewegung und bestritt in den 1980er Jahren ihren Lebensunterhalt als freiberufliche Fotografin. Ihre Arbeiten bestehen aus 40.000 Bildern, sie dokumentieren Szenen aus den Lebens- und Arbeitsrealitäten von Frauen in Schottland, Osteuropa und Asien. Zehn Bildserien weisen auf soziale und geschlechtsspezifische Ungleichheiten hin, unterstützen den Kampf gegen männliche Gewalt gegenüber Frauen und Kindern, beschäftigen sich mit Themen wie Flucht und Migration und richten die Aufmerksamkeit auf Menschen mit Behinderungen. Die frühen Arbeiten geben tiefe Einblicke in den Arbeitsalltag von Frauen in der Landwirtschaft, der Fischverarbeitung, in der Schuhfabrikation, in der Textilverarbeitung und Wäscherei, im Handwerk und in der industriellen Produktion. Aber auch Bilder von der Ausübung frauenuntypischer Berufe finden ihren Platz, so die Fotografien einer Zugführerin und einer Schweißerin.

In zahlreichen Projekten und Arbeitsaufträgen von gemeinnützigen und kommunalen Organisationen geht es der Künstlerin um Rollenzuweisungen und hierarchische Strukturen in Betrieben und Institutionen. Viele Arbeiten beschäftigen sich mit den Lebensumständen der meisten Frauen über die Erwerbsarbeit hinaus. Franki Raffles fotografierte nicht nur, sie interviewte die arbeitenden Frauen an ihren Arbeitsplätzen in Hotels, Fabriken, Büros, Krankenhäusern und Läden. Sie porträtierte Frauen in Frauenhäusern und sprach mit Rentnerinnen. Franki Raffles besuchte verschiedene Nachbarschaften und Wohnsiedlungen in Schottland. Die Bezahlbarkeit der Mieten, der Zustand der Wohnungen, Feuchtigkeit, Überbelegung, Sicherheit, eher nicht vorhandene Kinderbetreuung sowie die schwierige Vereinbarkeit von Erwerbs- und Care-Arbeit waren die Anliegen der Mieterinnen und Mieter. Die Gespräche bestätigten ihre feministischen und marxistischen Überzeugungen. Ihre Arbeit, die Dokumentation der Arbeitsbedingungen von Frauen, wurde zu einem Aufruf, Rollenzuweisungen zu reflektieren, gesellschaftliche Polarisierungen zu hinterfragen und zu einem Appell zur globalen Solidarität. Franki Raffles war eine Aktivistin mit der Kamera, so sah und verstand sie sich auch selbst.
Sie reiste 1989 in die damalige Sowjetunion, um auszuloten, wie sich die politische Ideologie des Kommunismus auf die soziale und gesellschaftliche Lebensqualität von Frauen auswirkte. Gleichermaßen arbeitete sie in China, Simbabwe, in der Karibik, Israel und Palästina. In einem unvollendeten Buchprojekt, dem frühen Tod der Künstlerin geschuldet, kommen sowjetisch-jüdische Migrantinnen, die nach der Auflösung der USSR nach Israel ausgewandert sind, zu Wort. Die direkten Zitate auf Texttafeln über ihre persönlichen Erfahrungen sind sehr berührend. Sie zeugen von zerstörten Hoffnungen und großen Enttäuschungen. Sie erzählen von Machtlosigkeit, Altersdiskriminierung, Heimweh, Fremdheit, Einsamkeit und Schmerz sowie Identitätskrisen als Jüdinnen, als Russinnen und als Frauen.

Überall auf der Welt, über alle Grenzen hinweg, unabhängig von politischen Systemen und geografischen Entfernungen geht es im Werk der Fotokünstlerin Franki Raffles um die ökonomische Abhängigkeit und soziale Benachteiligung von Frauen. Neben den zehn Bildserien zeigt das Museum der Arbeit in dieser erstmals in Deutschland gezeigten Einzelausstellung umfangreiches Archivmaterial, ein Film mit Interviews sowie Pressereaktionen zur Kampagne „Zero Tolerance“ von 1992.
Die Arbeiten von Franki Raffles sind hochaktuell. Ihre Fragestellungen und Forderungen, ihr Appell an feministische Solidarität, an Verantwortung und Menschlichkeit haben nach wie vor eine große Relevanz.
Die 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 läuft noch bis zum 22. September 2026.
Die Ausstellung „Franki Raffles: Photography, Activism, Campaign Work“ läuft noch bis zum 6. September im Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 22305 Hamburg.



Gleich zu Beginn des Rundgangs wird man von einem sehr farbenfrohen Medley aus Werbespots, Haushaltstipps und Musikclips empfangen. Serien à la ‚Denver-Clan‘ oder Samstagabend-Shows wie ‚Wetten, dass…?‘ wurden die neuen Renner in der damals noch überschaubaren Menge der Fernsehsender. Und wie war das noch mit den Menschenmengen vor den Kaufhaustüren kurz vor dem Sturm auf die Grabbeltische beim Schlussverkauf? Der erste Macintosh-Computer, noch riesengroß und raumgreifend, kam auf den Markt und mit ihm die Bildung zweier Lager, die bis heute bestehen: Apple-User versus Windows-Nutzer.
Im Jahre 1920 weilt der damals fast 37-jährige Franz Kafka von April bis Ende Juni in der Kurstadt Meran, um näheres über seine Tuberkulose zu erfahren. In dieser Zeit beginnt der Schriftsteller auch einen Briefaustausch mit der beinah 24-jährigen Milena Jesenská, seiner Übersetzerin und Geliebten. Eine kleine Sonderausstellung gibt es dazu seit dem 29. Mai 2020 in einigen restaurierten Räumen des Touriseums im schönen Schloss Trauthmannsdorf, bekannt wegen seiner wunderbaren Gärten.
Dessen Aufenthalt in Meran ist schon durch seine Korrespondenz belegbar. In einem Brief an Milena Jesenká vermerkt Kafka aus Meran-Untermais, wo er offenbar in der Pension Ottoburg logierte, Folgendes: “Liebe Frau Milena, von Prag schrieb ich Ihnen einen Zettel und dann von Meran. Antwort bekam ich keine.” Ein weiterer Brief des Schriftstellers an Milena Jessenská bekundet in seiner Frage am Ende vielleicht sogar etwas Sehnsucht: “Ist es schön bei Ihnen zuhause?” Und wieder deutet Kafka daraufhin, dass er in Meran-Untermais, Pension Ottoburg wohnt. Mehr über seine Eindrücke in Meran erzählt der Schriftsteller ausdrücklich in einem Absatz eines anderen Briefes: ”Ich lebe hier recht gut, mehr Sorgfalt könnte der sterbliche Leib kaum ertragen, der Balkon meines Zimmers ist in einen Garten eingesenkt, umwachsen, überwachsen von blühenden Sträuchern (merkwürdig ist die Vegetation hier, bei einem Wetter, bei dem in Prag fast die Pfützen gefrieren, öffnen sich vor meinem Balkon langsam die Blüten), dabei voll der Sonne ausgesetzt (oder allerdings den tiefbewölkten Himmel, wie seit fast einer Woche schon), Eidechsen und Vögel, ungleiche Paare, besuchen mich: Ich würde Ihnen Meran so sehr gönnen, Sie schrieben letzthin einmal vom Nicht-atmen-können, Bild und Sinn sind darin sehr nah und beides mag hier ein wenig leichter werden.” In den nächsten “Briefen an Milena” steht über Meran dann nichts Genaueres mehr. Das Verhältnis zwischen Franz Kafka und Milena Jessenská soll auch etwas schwierig gewesen sein.
Die ganze Ausstellung, die eigentlich der Geschichte sowie touristischen Entwicklung der Stadt Meran und Südtirols gewidmet ist, hat im Grunde genommen über den Aufenthalt Franz Kafkas in der in Südtirol sogenannten Passerstadt (die Passer ist der Fluss, der aus dem Passeiertal kommt und auch Meran durchfließt, deshalb nennt man Meran die Passerstadt) außer dem Dutzend Briefe, vielleicht ein paar mehr, sonst wenig anzubieten. Es gibt nur noch einige historische Fotos, auf denen zum Beispiel auch die inzwischen nicht mehr existierende Pension Ottoburg abgebildet ist.











