„The Beauty of the Father“ by Nilo Cruz just premiered at The English Theatre of Hamburg

Let’s fly away on our magic carpet!

Spanish guitar music welcomes the spectators of this family drama set in a lush Mediterranean landscape with flowers and palm trees, the deep blue sea on a far horizon. In mid-February we find ourselves in the little town of Salobrena near Granada. Although the studio of Spanish painter Emiliano (Joseph Rye) is bathed in sunshine, he seems to be in a gloomy mood. No wonder. He is about to paint a picture of the murder of Federico Garcia Lorca, his favourite poet who was shot by a Nationalist firing squad in early 1936 during the Spanish Civil War. Lorca, the famous author of plays such as “Yerma” and “The House of Bernada Alba”, died at the young age of 38. Sketches of Lorca’s execution cover the walls of the studio and make the audience shiver. Lorca has become Emiliano’s alter ego to whom he talks and asks for advice while working on his painting. It goes without saying that Lorca is only visible and audible to Emiliano. Lorca becomes more and more part of the family and serves as counsellor to the painter, a discreet witness whom he can trust not to reveal his former life in the United States.

Dancing and singing on a sunny afternoon. Olé!

The suicide of his American wife is Emiliano’s well kept secret. When his spouse found out about his bisexuality, she took her life, leaving him alone with his young daughter Marina. Emiliano was so shocked by his wife’s death that he fled to Spain where he started a completely new life in a ménage à trois with Paquita, a beautiful Spanish woman, and Karim, a young Moroccan who shares the bed with Emiliano. Paquita, the good-natured woman, married Karim in order to enable him to stay legally in the country. She plans to divorce him when he has been given his citizen papers by the Spanish authorities. After that step she hopes to marry Emiliano whom she loves. For the time being the three of them live happily together until Marina announces her arrival in Spain. Everything is fine until the very moment when Marina, who has fallen in love with Karim, finds out that the young Maghrebinan is her father’s lover. She is out of her mind and accuses Emiliano of having killed her mother. The whole family is on the edge of their nerves. The only two people who keep their calm are – of course – the invisible Lorca and cheerful Paquita who tries to handle the heated situation in a most charming manner. However, she does not succeed. Emiliano who does not accept the relationship between Karim and his daughter wants the young man out of his house and view immediately. Karim is enraged. He tears Emiliano’s sketches and paintings from the walls and hurls them all over the place. Then he disappears with a rifle in his hand. Two gunshots ring out. Fortunately he misses the painter who reappears unhurt in the house. Lorca is shocked. The shots remind him of his execution by Franco’s soldiers over sixty years ago. “Am I dead?” asks the painter. “No, the boy missed,” Lorca replies. The end of the plot will not be revealed here. Please find out yourselves, dear spectators, whether or not the family, including Karim, is reconciled after all this trouble.

The American press is full of praise for Pulitzer Prize Winner Nilo Cruz and his oeuvre. One critic wrote: “Cruz is a writer of ideas, who fills the stage with a kind of lush dramatic literature, unifying character with thought and action in time and space.” After having seen a performance of “The Beauty of the Father”, another New York critic wrote: “Richly poetic language adds to Cruz’ family drama.”

The audience thanked the actors and director Clifford Dean for this performance with a standing ovation. Dean is always in search of outstanding plays that are completely unknown to German theatre goers. So is Nilo Cruz, the young playwright whose plays deserve to become part of the repertoire of German stages. The passionate performance of five actors made the evening a great success. Holly Smith, whom the “aficionaos” of the English Theatre have already seen in a couple of dramas and comedies, played the role of her life as Paquita, the joyful singing and dancing embodiment of a Mediterranean female. Just captivating!

Photos: Stefan Kock

Final performance of “The Beauty of the Father” on April 13, 2019

Tickets under phone number 040 – 227 80 89, online booking under www.englishtheatre.de

Next premiere: “Moonlight and Magnolias”, a comedy by Ron Hutchinson, on April 25, 2019

„The Beauty of the Father“ – das neue Stück am English Theatre of Hamburg

Lass‘ uns entfliehen auf unserem magischen Teppich!

Spanische Gitarrenmusik erfüllt den Saal, bevor sich der Vorhang hebt. Das Atelier des Malers Emiliano (Joseph Rye) rückt ins Blickfeld. Im Hintergrund leuchtet ein tiefblaues, von den gleißenden Strahlen der Sonne angestrahltes Meer. Mediterrane Lebensfreude im winterlichen Hamburg! Doch halt. Die mit Skizzen eines erschossenen Menschen bedeckten Wände des Hauses spiegeln keinerlei Fröhlichkeit wider. Der Künstler ist besessen vom Tod des großen spanischen Dichters und Theaterautoren Federico Garcia Lorca, der 1936 während des spanischen Bürgerkrieges von Francos Schergen hingerichtet wurde. Emiliano schickt sich gerade an, den Tod des von ihm verehrten Poeten in einem Gemälde festzuhalten. Lorca ist das nur dem Maler sichtbare Alter Ego Emilianos, der – stets mit einem makellos weißen Anzug bekleidet – mehr und mehr in die schwierigen familiären Verhältnisse des Malers hineingezogen wird.

Tanzen und singen an einem sonnigen Nachmittag. Olé!

Das Familiendrama nahm bereits vor Jahren seinen Lauf, als Emilianos Ehefrau sich das Leben nahm, nachdem sie von der Bisexualität ihres Mannes erfuhr. Er verließ daraufhin fluchtartig die Vereinigten Staaten und siedelte sich im andalusischen Städtchen Salobrena in der Nähe von Granada an. Die minderjährige Tochter Marina ließ er allein in Amerika zurück. Inzwischen hat Emiliano sich in seiner neuen Heimat ganz nach seinem Gusto eingerichtet. Er lebt in einer Ménage-à-trois mit der temperamentvollen Paquita (hinreißend gespielt von Holly Smith, die mit ihrem drolligen „Spanglish“ das Publikum verzaubert) und einem jungen gutaussehenden Marokkaner namens Karim (Theo Bougouneau) zusammen. Soweit so gut ? Mitnichten. Denn mit der überraschenden Ankunft Marinas (Jess Pritchard) wird Emiliano sich seiner Lebenslüge nolens volens bewusst. Seine Tochter beginnt, unangenehme Fragen zu stellen, und entlarvt ihn als Eskapisten, der sich allen Problemen durch seine Flucht feige entzogen hat. Zunächst läuft alles dank des heiteren Wesens der Spanierin Paquita gut, die alle Unstimmigkeiten mit leichter Hand vom Tisch wischt. Als die junge Frau sich allerdings in Karim verliebt, ist die südliche Idylle nachhaltig gestört, zumal Marina erfährt, dass der junge Marokkaner das Bett ihres Vaters teilt. Die Folge sind lautstarke Auftritte Emilios, der in den Versuchen, seine Handlungsweise zu rechtfertigen, von Mal zu Mal hilfloser wirkt. In diesem Aufruhr der Gefühle bewahrt nur einer die Ruhe. Federico Garcia Lorca (Alex Warner) erweist sich mit seinen weisen Ratschlägen aus dem Jenseits als Fels in der Brandung. Als Emiliano Karim auffordert, sein Haus zu verlassen und dieser Marina bittet, mit ihm fortzugehen, kommt es zu einem Showdown zwischen den beiden Männern. In seiner Wut reißt Karim Emilianos Skizzen von den Wänden, wirft sie auf den Boden und verlässt mit Emilianos Gewehr das Haus. Man hört Schüsse. Doch Karim trifft den Maler nicht. Lorca begleitet diesen Vorgang mit einem lakonischen „Der Junge hat nicht getroffen.“ Karim kehrt auf die Terrasse zurück. Verzeihen Emiliano und der Rest der Familie Karim seinen mörderischen Angriff auf den Hausherrn? Das Ende wird wie üblich nicht verraten. Das muss der geneigte Zuschauer selbst herausfinden. Bleibt zum Schluss der Vorstellung nur noch ein Bert Brecht zugeschriebenes Zitat: Und so sehen wir betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen. Langanhaltender Beifall des Publikums für das Stück und ein großartiges Ensemble unter der Regie von Clifford Dean. Für die Musik und hinreißenden Tanzeinlagen zeichnet Paul Glaser verantwortlich.

Es gehört zu den Eigenheiten des English Theatre, neben bekannten und beliebten Sujets immer wieder Stücke von Autoren ins Programm zu nehmen, die einem breiten Publikum in Deutschland völlig unbekannt sind. Ein großes Dankeschön dafür geht an Direktor Clifford Dean. Denn er entdeckte Nilo Cruz, den 1960 auf Kuba geborenen Theaterautor, der mit seiner Familie im Alter von zehn Jahren in die USA emigrierte und in „Miami’s Little Havanna“ eine neue Heimat fand. In Amerika bereits durch Stücke wie „Anna and the Tropics“, „Exquisite Agony“ usw., berühmter Autor, der an verschiedenen amerikanischen Universitäten als Lehrer im Fach Drama bekannt ist, wartet noch auf seine „Erweckung“ in deutschen Landen. „The Beauty of the Father“ ist der erste Schritt in diese Richtung. Mit dem Titel wissen wenige etwas anzufangen. Um welche Schönheit geht es hier? Diese Frage mag sich jeder selbst beantworten, der dieses zeitgenössische Familiendrama gesehen hat. Die in diesem Stück behandelten Probleme sind uns Europäern ebenfalls nicht fremd. Nachdem im Deutschen Bundestag unlängst die Ehe für alle verabschiedet wurde, ist praktisch alles im familiären Umfeld zulässig. Auch die „Ménage-à-trois“ ist uns seit Langem geläufig. Auch dass noch ein Familienmitglied mit Migrationshintergrund wie der Marokkaner Karim hinzukommt, stellt kein Novum dar. Aus derartigen Familienkonstellationen entstehen zwangsläufig Konflikte, wie sie auch in „The Beauty of the Father“ zur Sprache kommen. Als Integrationsfigur fungiert hier Federico Garcia Lorca, der aus dem Nichts auf der Bühne erscheint und, obgleich schon ein Menschenalter tot, dem Familienoberhaupt Emiliano in dessen Fantasie bei der Bewältigung der Probleme hilfreich zur Seite steht. Garcia Lorca galt als eine der größten Hoffnungen der spanischen Literatur gleichermaßen als Poet und Stückeschreiber. In jungen Jahren, gerade einmal im Alter von 38 Jahren, wurde er durch seinen gewaltsamen Tod aus seinem vielseitigen Schaffen gerissen. Die Trauer über seinen viel zu frühen Tod veranlasste Nilo Cruz, ihm als Alter Ego seines Protagonisten Emiliano neues Leben einzuhauchen. Was dem Autor grandios gelungen ist.

„The Beauty of the Father“ läuft bis einschließlich 13. April 2019

Tickets unter der Telefonnummer 040-227 70 89 oder online unter www.english-theatre.de

Nächste Premiere von „Moonlight and Magnolias“, Komödie von Ron Hutchinson, am 25. April 2019

Armut, Sonne und Geschichte

Albert Camus´ “Der erste Mensch“ im Altonaer Theater

Joachim Król, Foto: Stefan Nimmesgern

Was verbindet die bundesweite Initiative zur Alphabetisierung und Grundbildung (AlphaDekade) mit dem Text eines Literaturnobelpreisträgers? Warum begleitet AlphaDekade den Schauspieler Joachim Król auf einer Tournee? Nachdem Król im Altonaer Theater aus Albert Camus´ unvollendet gebliebenen Roman „Der erste Mensch“ gelesen hat, sind diese Fragen beantwortet.

„Der erste Mensch“, Camus´ intimster und persönlichster Text, erzählt die Geschichte seiner Kindheit. Einer vaterlosen Kindheit – Lucien Camus fällt 1914, ein Jahr nach der Geburt seines Sohnes, im 1.Weltkrieg – im Armenviertel von Algier. In einer Wohnung, die nur das Allernotwendigste enthält und in der meist brütende Hitze herrscht. Camus´ Familie besteht aus einem gutmütigen, halbdebilen Onkel, einer dominanten Großmutter, deren bevorzugtes Erziehungsmittel der Ochsenziemer ist, von dem sie häufig Gebrauch macht, und seiner fast tauben, sanften Mutter. Einer Analphabetin, deren Wortschatz keine 500 Wörter umfasst und die dem Kind als abgewandte, schweigende Figur am Fenster in Erinnerung bleibt. Eine Kommunikation mit ihr ist beinahe unmöglich. Der kleine Junge liebt diese sanfte, abwesende Mutter und sehnt sich nach ihrem viel zu seltenen Lächeln.

Und doch ist es auch eine Kindheit wie im Paradies. Geradezu hymnisch schreibt Camus immer wieder von der Schönheit des Lichts, vom Schwimmen im Meer, von der Sonne, von Freundschaft und der Abwesenheit falschen Überflusses, von seiner Freude am Dasein unter dem heißen afrikanischen Himmel. „Das Elend hinderte mich daran zu glauben, dass alles unter der Sonne und in der Geschichte gut sei; die Sonne lehrte mich, dass die Geschichte nicht alles ist.“

Das Wunder der Bildung

Diesen Satz hätte Camus so nie formulieren können, nie wäre er zu Papier gebracht worden, hätte es nicht einen Lehrer gegeben, der sich seiner annahm. Louis Germain gelang es, die strenge Großmutter davon abzubringen, den 10-Jährigen als Hilfsarbeiter zu verdingen, damit er etwas zum Familieneinkommen beitrage. Unentgeltlich half Germain seinem Schützling bei der Vorbereitung zur Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium, unterstützte und ermutigte ihn.

Als der Schauspieler Joachim Król diese für Camus´ Entwicklung so wichtige Passage das erste Mal las, hat er an seine eigene Biografie gedacht: „Ich war ein Bergarbeitersohn in den sechziger Jahren im Ruhrgebiet. Und genau wie bei Camus kam eines Tages ein Lehrer zu uns und bat meinen Vater zum Gespräch. Was zum Ergebnis hatte, dass meine Eltern mich aufs Gymnasium gehen ließen. Das müssen Sie sich mal vorstellen: Nach Feierabend ist dieser engagierte Lehrer zum Hausbesuch gekommen und hat wesentliche Weichen für mein Leben gestellt.“

Der junge Camus erlebt den von Louis Germain erkämpften Eintritt in die höhere Schule zunächst als Verlust. Die Welt der Bildung und des Bürgertums ist ihm fremd. Wenn Klassenkameraden von Koffern voller alter Briefe, Kleider und Spielsachen auf den Dachböden der elterlichen Häuser, von Fotoalben und ihrer Familiengeschichte erzählen, bleibt er stumm. Armut, so begreift er, hat keine Zeit. Wer Tag für Tag ums materielle Überleben kämpft, beschäftigt sich nicht mit Vergangenheit oder Zukunft, weiß nichts von Politik und fernem Weltgeschehen. Wer in eine solche Familie hineingeboren wird, ist wie „der erste Mensch“. Ein Mensch ohne Wurzeln, ohne Geschichte, ohne Vergangenheit, nirgendwo zuhause.

Camus´ Lehrer wiederum sind irritiert von seinem familären Hintergrund. Ein Haushalt ohne Bücher oder Zeitschriften, Erziehungsberechtigte, die keine Unterschrift leisten können – was für das Kind selbstverständlich und normal ist, löst bei ihnen Befremden aus. Unübersehbar jedoch ist das Talent und der Lernwille, ja, die Lerngier und Lesewut ihres scheuen neuen Schülers.

Camus Text, er selbst hat ihn als sein Hauptwerk bezeichnet, blieb unvollendet. Nach seinem Autounfall im Januar 1960 fand man neben dem tödlich Verletzten eine schwarze Ledermappe; darin das handgeschriebene Manuskript mit Anmerkungen und Verbesserungen. Und der Widmung an seine Mutter: „Dir, die Du dieses Buch nie wirst lesen können.“

Kopfkino, das unter die Haut geht

Joachim Król erzählt die bewegende Kindheitsgeschichte unterstützt von fünf Solisten des l’orchestre du soleil. Die vom Komponisten Christoph Dengelmann eigens für seinen Vortrag komponierten Melodien greifen Elemente algerisch-französischer Pop- und Volksmusik auf. Sie begleiten, interpretieren und unterstützen die Rezitation.

Den Zuhörern, Król selbst wäre es am liebsten, wenn „die Leute von einem Kopfkino“ sprechen würden, geht die Aufführung unter die Haut.

Und so erfüllt sich hoffentlich der Wunsch von AlphaDekade, die Aufführung möge Theaterbesucher für das Thema Alphabetisierung sensibilisieren. Wie notwendig dies ist, zeigt die Tatsache, dass jeder siebente Erwachsene in Deutschland ein funktionaler Analphabet ist und zwar einzelne Wörter und Sätze lesen, nicht aber zusammenhängende – auch kürzere – Texte verstehen kann.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek erklärte zum Auftakt der Tournee: „Die Familie, der Kollege, die Lehrerin des Kindes oder die Betreuungsperson im Jobcenter – sie alle können, wie Louis Germain, Mutmacher sein, wenn sie eindeutige Anzeichen erkennen, Betroffene ansprechen und an die richtige Stelle weiterleiten.“

Nicht aus jedem Kind kann ein Nobelpreisträger werden, aber von der Teilhabe an zahlreichen Bereichen des öffentlichen Leben sollte niemand auf Grund mangelnder Lese- und Schreibkenntnis ausgeschlossen bleiben. Wir brauchen viele Louis Germains. Könnten wir selbst einer sein?

„Here lies Jeremy Troy“ by Jack Sharkey – the New Play at the English Theatre of Hamburg

What to do on a grey November evening in Hamburg? You can either have an early night in bed, prepare yourself a nice hot cup of tea or

By Uta Buhr
Photos: Stefan Kock

Darling, I’ll be back in a couple of hours to prepare our dinner

What to do on a grey November evening in Hamburg? You can either have an early night in bed, prepare yourself a nice hot cup of tea or – much better – buy a ticket for the English Theatre of Hamburg und rejoice in the farce “Here lies Jeremy Troy”, written by Jack Sharkey as early as 1965. Although this hilarious comedy is an “old hat”, so to speak, it has not lost any of its charm since it premiered on Broadway some fifty years ago. What do you think when you hear or read the title “Here lies Jeremy Troy?” In fact, English is a tricky language, since to lie has to meanings. You may either lie on your sofa or lie to your wife or boss. The latter meaning is to be dishonest to somebody. The spectator will soon find out which meaning applies to Jeremy Troy, the “hero” of this play.

Hi daddy, I’m in real good company

We meet Jeremy and Kathryn Troy – a well-heeled couple (James Walmsley and Debbie Radcliffe in top form) – in their cosy apartment in West Rutherford, New Jersey, just a few miles away from New York City. Jeremy, a lawyer who is up for a partnership, has invited his big boss for dinner tonight. Kathryn leaves the house to do her shoppings and Jeremy is left alone with his ideas how to convince his boss to make him a partner in his law firm. The setting seems so be perfect until an old school chum of Jeremy’s turns up out of the blue. Charles “Charly” Bickle (funny as usual Stephen Chance), a notorious sponger, turns up at the Troy’s doorstep and blackmails Jeremy into putting him up this night. Charly discovers that Jeremy’s law degree is a fraud. Charly is getting his way – and what a cheek – even hires a “model” by phoning an agency in the city. Tina Winslow (sweet and naïve Isobel Wood) is a real eye-catcher in her canary-yellow outfit revealing pretty long legs. When Kathryn unexpectedly comes home, she is shocked to see this young woman in her home whom she suspects to be Jeremy’s lover. She leaves the apartment “for good” as she shouts and disappears. Poor Jeremy is in real trouble. Who on earth is going to cook the dinner and entertain his boss Sven Ivorsen? Jeremy has a brilliant idea. Why not make attractive Tina with her charming Southern drawl his wife for this night’s reception? Tina consents, and the party can start. Sven Ivorsen (Alan Booty at any time good for waves of laughter), a powerful man with a loud voice, turns up dressed formally in a tuxedo and is deeply impressed by Jeremy’s charming replacement spouse. Even Tina’s inedible food does not spoil the dinner party. The four of them – Jeremy, Tina, Charly and boss Ivorsen – are in high spirits drinking wine and making jokes just to the moment when Kathryn appears on the scene. Jeremy as an experienced liar presents his real wife to Ivorsen as Ingeborg, Princess of Rumania, although Ivorsen has his doubts that this is a genuine Romanian name. The chaos created by the host and his classmate Charly culminates in Jeremy’s confession that he never passed his exam as a lawyer at any university. He admits that he wanted to impress his beloved Kathryn by presenting a title that he never deserved. Kathryn forgives her husband on the spot. But what about the reaction of boss Sven Ivorsen when learning the truth about his partner-to-be Jeremy Troy? Dear spectator, come and enjoy this wonderful screwball comedy that will give you an answer to this             question. After all, Sven Ivorsen, a cunning lawyer himself, has the last word: “Honesty is the best policy”, he preaches to the audience who thanks the performers with a long lasting applause.

Good Lord, what a terrible mess!

Although “Here lies Jeremy Troy” was already written in 1965 and premiered the same year on Broadway, it has not lost its relevance to the presence. In our daily life we meet people – not least in politics – who are masters of glossing over their true situation, including their curriculum vitae. Mostly without any consequences. “Orbis terrarum vult decipi”, the wise Romans already knew human nature all too well. Nothing has changed yet. We repeat this dictum in good English: Halas, the world will be deceived.

The American author Jack Sharkey who was born in Chicago in 1931 and died 1992, began his career as a writer at the early age of ten years. He wrote altogether 83 plays – mostly comedies, but also thrillers such as “Murder House” – and became one of America’s foremost playwrights. “Here lies Jeremy Troy” was his hit number one which proved an applauding success on Broadway. One of his critics wrote enthusiastically “A hilarious farce, sexy but nice, a comedy with witty dialogue. One just can’t help laughing throughout the play.” And another one added: “Jack Sharkey has a hit on his hand.”

Final performance of “Here lies Jeremy Troy” on February 2, 2019

Tickets under phone number 040 – 227 80 89, online booking under www.englishtheatre.de 

Next premiere: “Beauty of the Father” bv Nino Cruz, on February 14, 2019

Premiere am English Theatre: „Here lies Jeremy Troy“ von Jack Sharkey

Von Uta Buhr
Fotos: Stefan Kock

Liebling, ich bin rechtzeitig zurück zu unserem Dinner

Wenn der Winter naht, die Tage kürzer werden und graue Nebel über der Alster wabern, ist es Zeit für eine Komödie auf der Bühne des Theaters an der Mundsburg. In diesem Jahr hat Direktor Bob Rumpf aus einem reichen Angebot ein besonders witziges, temporeiches Konservationsstück ausgewählt, das man durchaus mit den früher am Broadway und in Hollywood so beliebten Screwball Comedies vergleichen kann. Dabei spielt es keine Rolle, dass der amerikanische Erfolgsautor Jack Sharkey dieses Lustspiel bereits im Jahre 1965 schrieb. Denn jene im Stück aufgespießten menschlichen Schwächen wie Eifersucht, Betrug und Verrat sowie alle daraus resultierenden Irrungen und Wirrungen sind heute so aktuell wie eh und je.

Jack Sharkey, geboren 1931 in Chicago und gestorben 1992, begann seine schriftstellerische Karriere bereits im zarten Alter von zehn Jahren und brachte es im Laufe seines Lebens auf 83 Theaterstücke, darunter auch Mystery Plays und Thriller. Früh übt sich, wer ein Meister der Sprache werden will. Mit dem etwas verwirrenden Titel des hier besprochenen Stückes „Here lies Jeremy Troy“ legt Sharkey den ersten Fallstrick. Denn ins Deutsche übersetzt kann dies sowohl „Hier liegt Jeremy Troy“ als auch „Hier lügt Jeremy Troy“ heißen. Wer gut aufpasst, findet schnell heraus, um welche semantische Variante es sich hier handelt.

Hallo Paps, ich bin in echt cooler Gesellschaft

Das Stück beginnt etwas behäbig in einer schicken, im Stil der sechziger Jahre eingerichteten Wohnung in New Jersey im Weichbild New Yorks. Das Ehepaar Jeremy und Kathryn Troy erwartet Jeremys Boss Sven Ivorsen zum Abendessen. Dieser will Jeremy, das beste Pferd im Stall seiner New Yorker Anwaltskanzlei, bei dieser Gelegenheit anbieten, sein Teilhaber zu werden. Soweit so gut. Oder? Alles wäre perfekt, wenn die Sache nicht einen klitzekleinen Schönheitsfehler hätte. Jeremy hat nie ein juristisches Staatsexamen abgelegt, was ihn zum Anwalt qualifiziert. In dürren Worten: Er hat seine Umgebung jahrelang belogen. Also „hier lügt Jeremy Troy.“ Damit ist die Bedeutung des Titels klar. Auch Ehefrau Kathryn, die Jeremy mit seinem Titel beeindrucken wollte, ahnt nichts von seinem Betrug. Aber die Nemesis, die griechische Göttin der Rache und der ausgleichenden Gerechtigkeit, naht in der Person des alten Freundes Charles „Charly“ Bickle (skurril Stephen Chance). Dieser Schnorrer aus alten Studententagen. der sich mit allen denkbaren Tricks über Wasser hält, versucht sich wenig erfolgreich als Kunstmaler und ist darauf aus, sich bei den Troys einzunisten. Als Druckmittel dient ihm sein Wissen um Jeremys Lüge bezüglich seines juristischen Universitätsabschlusses. Damit sind alle Voraussetzungen für eine turbulente Komödie mit einer endlosen Reihe von Missverständnissen und Verwechslungen geschaffen, zumal Charly auch noch die Chuzpe besitzt, sich durch eine Modelagentur eine junge attraktive Dame ins Haus der Troys zu bestellen. Tina Winslow, das „Model“ mit den endlos langen Beinen, betritt in einem kanariengelben figurbetonten Kleid die Szene. Dass sie in dem singenden Tonfall der Südstaatler parliert, macht sie für die anwesenden Herren umso reizvoller. Wenig begeistert zeigt sich allerdings Ehefrau Kathryn, die empört das Haus verlässt, weil sie Tina (Isobel Wood zum Anbeißen hübsch und zauberhaft naiv) für die Geliebte ihres Mannes hält. Was tun, wenn die Hausfrau den Boss des Ehemanns nicht empfangen kann? Dem gewieften Jeremy fällt gleich die Lösung ein. Tina muss einspringen und die Aufgaben Kathryns für diesen Abend übernehmen. Über ihre eher begrenzten Kochkünste sehen alle Beteiligten, einschließlich Boss Sven Ivorsen, gern hinweg. Zwischenruf: Alan Booty als schwergewichtiger Anwalt im Smoking, der mit seinem homerischen Lachen die Gesellschaft aufmischt, ist einfach herrlich! Aber weiter im Text. Als Kathryn Troy (Debbie Radcliffe sehr professionell als Sturm und Wetter erprobte Ehefrau) mitten in die gemütliche Dinnerrunde platzt, die hier auch noch gegenüber Ivorsen als Ingeborg, Prinzessin von Rumänien gehandelt wird und dabei gute Miene zum bösen Spiel macht, wird es eng für Jeremy. Da hat er sich mit seinem „bestman“ Charly doch in der Tat ein trojanisches Pferd ins Haus geholt, aus dessen Bauch die schöne Tina entstiegen ist. Aha, der Autor wollte wohl mit dem Nachnamen Troy – zu deutsch Troja – sein Publikum noch zusätzlich auf’s Glatteis führen. Nun helfen alle Lügen nicht mehr. Jeremy muss beichten. Verzeiht ihm Kathryn, sieht Boss Ivorsen ihm den Betrug nach und macht ihn trotzdem zum Partner? Hier muss die Rezensentin wieder das Publikum bitten, dies selbst herauszufinden. Denn der Schluss eines Stückes – ob Komödie oder Thriller – darf nicht verraten werden. Nur soviel: Es wird noch richtig turbulent, als Jeremy Troy (James Walmsley in Hochform) sich unter dem Druck der Verhältnisse als Hochstapler outet. Das Schlusswort von Sven Ivorsen wollen wir dem geneigten Publikum nicht vorenthalten. „Ehrlich währt am längsten“, spricht der selbst mit allen Wassern gewaschene Staranwalt. Und damit ist alles gesagt.

Gütiger Gott, welch ein Chaos!

Noch ein paar Takte zum Autor Jack Sharkey: Obwohl dieser außerordentlich talentierte Schreiber eine schier endlose Reihe von erfolgreichen Stücken – u.a. „Take a Number, Darling“, „The Murder Room“ und „Rich is Better” verfasst hat, steht wenig über ihn im Internet. Wahrscheinlich ist es der gleichlautende Name, den er mit dem US-Boxweltmeister 1932/33 im Schwergewicht teilt. Jener Sportler litauischer Herkunft nimmt noch heute viel Raum im world-wide-web ein. Boxer schlägt Literaten. Allerdings hier nur im übertragenen Sinne.

„Here lies Jeremy Troy“ läuft bis einschließlich 2. Februar 2019

Tickets unter der Telefonnummer 040 – 227 70 89 oder online unter www.english-theatre.de

Nächste Premiere: „Beauty of the Father“ , Schauspiel von Nino Cruz, am 14. Februar 2019

„Bonum bono – dem Guten das Gute“: Ein grandioser Auftakt

Zur Premiere „Aus großer Zeit“ am Altonaer Theater am 22. September 2018

von Maren Schönfeld

Aus großer Zeit (c) 11 G2 Baraniak

Die Romane „Aus großer Zeit“ und „Schöne Aussicht“ haben zusammen 988 Seiten sind die ersten beiden Teile der neunbändigen „Chronik des deutschen Bürgertums“ von Walter Kempowski. Sie reichen von der Kaiserzeit über die Zwanzigerjahre bis zu den Anfängen den Hitlerreichs.
Insofern kann man es durchaus als ambitioniert bezeichnen, aus diesen Romanen ein einziges Theaterstück zu machen, so viel Stoff in zweieinhalb Stunden abzuhandeln. Wenn man die Romane gelesen hat, fragt man sich, ob das Vorhaben überhaupt gelingen kann. Wenn man das Stück gesehen hat, weiß man: Es kann nicht nur gelingen, es ist gelungen.  Neun Schauspieler verkörpern dabei mehr als 27 Figuren – und das überzeugend und mitreißend. Als Kulisse hängt eine vollgepackte Kleiderstange am hinteren Bühnenrand. Die Schauspieler ziehen eine andere Jacke an, setzen einen Hut auf – und schon sind sie jemand anders. Alternativ gehen sie kurz von der Bühne und kommen als ein anderer Charakter zurück. Diesen ungewöhnlichen Wechsel hat man als Zuschauer schnell kapiert, und er stört nicht im Geringsten. Ganz im Gegenteil: Diese Art des Spiels ist eine sehr gute Möglichkeit, die Bandbreite des Einzelnen zu erleben. Jede und jeder überzeugt in allen Rollen.

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Kein schöner Land in dieser Zeit?

Zur Premiere von „Tadellöser & Wolff“ am Altonaer Theater am 23. September 2018

von Lena Boßmann

Tadellöser und Wolff (c) G2 Baraniak

,,Kein schöner Land in dieser Zeit“ singt die Familie Kempowski im Chor und läutet das Stück ein. Unter ihnen natürlich auch Walter Kempowski, der sich nun aus der Formation löst und in seine Funktion als Erzähler schlüpft. Die am Vortag vorgestellte Dramaturgie wird damit fortgeführt, auch heute spielt das neunköpfige Ensemble sehr viele Rollen. Besser hätte man die Stimmung des Stückes nicht zusammenfassen können. Ein fröhliches, dennoch durch Nostalgie belastetes Lied, das die Familie in ihrer Zurückgezogenheit, ihrem gemeinsamen Versuch, nach Biedermeier-Art die Normalität in totalitären Zeiten zu bewahren, portraitiert. Durch Walter als Erzähler und Handelnden, wird der autobiografische Charakter des Werkes treffend widergespiegelt.

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„Death Knell“ by James Cawood – the New Play at the English Theatre of Hamburg

By Uta Buhr
Photos: Stefan Kock

Don’t move, or I’ll shoot you!

Dear reader, have you ever spent a few days and nights in the Scottish highlands? If so, you will certainly remember the fascinating view of high mountains and numerous lochs that form the landscape of that country in the northern part of Britain. Just buy a ticket for the latest play at the English Theatre of Hamburg for a thrilling “déjà vu” that will send chills down your spine. Are you ready for the story told by James Cawood who loves the austere charm of the highlands that inspires him to write ingenious plays of murder and intrigue. Just remember “Stone Cold Murder”, also written by James Cawood and premiered at the TET in September 2013. Here we go.

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„Death Knell“ – das neue Stück am English Theatre of Hamburg ist eine europäische Premiere

Von Uta Buhr
Fotos: Stefan Kock

Der Titel des neuen Thrillers des britischen Autors James Cawood ist Programm. Wem läuft bei „Death Knell“ – zu deutsch Totenglocke – nicht ein kalter Schauer über den Rücken. Ein Effekt, der durchaus beabsichtigt ist.

Nicht bewegen oder ich schieße!

Das Stück auf der Mundsburger Bühne beginnt so, wie man sich ein Schauermärchen in den schottischen Highlands vorstellt. Eine bedrohliche Atmosphäre liegt über dem stilvollen Intérieur einer alten Jagdhütte inmitten wogender Baumkronen. Donner rollen, Blitze zucken, und die Vorhänge an den französischen Fenstern blähen sich im Sturm. Über diesem Szenario wabert eine düstere dissonante Musik, die nichts Gutes verheißt. Der bröckelnde Charme dieses Hauses weitab jeglicher Zivilisation aber ist genau das, was Henry Roth gesucht und schließlich gefunden hat. Dieser eitle Zyniker mittleren Alters (glänzend dargestellt von Charlie Buckland) schrieb einst erfolgreiche Thriller für das Theater und war ein gefragter Autor im Londoner Westend. Doch wann feierte er eigentlich seinen letzten großen Triumph vor einem begeisterten Publikum?

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“I Love You, You’re Perfect, Now Change – The New Play at the English Theatre of Hamburg

by Uta Buhr
Photos by Stefan Kock

Hey folks, listen to the wise words of Dr. William Masters

Ladies and Gentlemen, welcome to a hilarious Off-Broadway show, featuring four highly gifted actors! The best thing: in order to enjoy this outstanding comedy, you do not even have to fly to New York. Just buy ticket and make yourselves comfortable in one of the seats at the English Theatre of Hamburg. After the much talked about classic “The Picture of Dorian Gray” now a musical! Why not? The “regulars” – meaning those who have been loyal to the Mundsburg stage for many, many years – like diversity in the theatre’s choice: start with a drama, go on with a musical or a comedy and end up with a thriller.

By doing so, you attract people who like to go to plays.

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