Das leise Versiegen – Anmerkungen zu Libido und Fruchtbarkeit

Hispanic teen girl with medicine pill
Foto: Götz Egloff

Da helfen auch Tabletten nicht… oder doch? – Bringen wir Endokrinologie und Psychosomatik im Sinne einer bio-psycho-sozialen Medizin, die gesellschaftliche Entwicklungen miteinbezieht, zusammen, so gelangen wir rasch zu Einsichten, die durchaus gegenläufig zu vielen weit verbreiteten Annahmen sein dürften. Sowohl klinisch Beobachtbares als auch Alltagserscheinungen in deren Verhältnis zu den aktuell geführten gesellschaftlichen Debatten liefern Anschauungsmaterial, das der Interpretation würdig ist. Ohne hier durchaus bedeutsame individuelle psychische Verfasstheiten zu beleuchten, werden also im Folgenden verschiedene Befunde kursorisch erfasst und in gesellschaftlichen Kontext gesetzt.

In ihrem Fachartikel zur ‚Kontrazeption bei Jugendlichen‘ formulierte Cosima Brucker von der Uni Ulm noch im Jahr 2002 die Problematik von Teenager-Schwangerschaften, die damals schon im Rückgang begriffen waren und noch sind. In ihrem Bezug auf Studiendaten von 1980 und 1998 wurde vor allem zuviel Spontaneität im sexuellen Verhalten als problematisch eingeschätzt. Über 20 Jahre und nichts weniger als eine Medienrevolution später, muss Christian Dadak (2025) vor allem in den westlichen europäischen Ländern nicht nur einen immer drastischeren Geburtenrückgang feststellen; wir haben es bei jugendlichen Frauen hinsichtlich Sexualität und Kontrazeption gar mit einer komplizierten, vielschichtigen Gemengelage zu tun, in der einiges nicht nur auf eine Abnahme der Häufigkeit von Geschlechtsverkehr hinweist, sondern auf einen Libidorückgang selbst. Dies wäre eine hochproblematische Entwicklung, die von einer der renommiertesten Sexualforscherinnen Nachkriegsdeutschlands, Sophinette Becker, bereits 2013 kritisch in Aussicht gestellt wurde (Becker 2013; vgl. Egloff 2023). Von einer Problematik der Spontaneität hin zur Problematik des Libidorückgangs könnte man wohl sprechen.

Die Luxemburger Gynäkologin Danielle Choucroun (2024) publiziert hierzu über die zunehmende Ablehnung von Kontrazeption und stellt gleichzeitig im Frankreich des Jahres 2022 die höchste Schwangerschaftsabbruchrate seit etwa 30 Jahren fest. Die paradoxe Erscheinung, dass gerade in westlichen Gesellschaften die Geburtenrate sinkt – die niedrigste Anzahl an europäischen Geburten weist Malta auf (Calleja-Agius u. Attard 2024) – und gleichzeitig die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche bei rückgehender Kontrazeption steigt, muss man erst einmal verdauen: Choucroun beschreibt, wie in Luxemburg im Jahr 2023 die Abbrüche rapide anstiegen, also in genau jenem Jahr, in dem alle Kontrazeptionsmittel zum ersten mal kostenfrei zur Verfügung standen; im Jahr der staatlichen finanziellen Übernahme verdoppelte sich gar deren Anzahl. Auf Luxemburg als “champion of contraception in Europe” hinzuweisen lässt sich die Autorin dennoch nicht nehmen und fragt sich, ob kostenfrei nun noch nicht genug sei. Diese beliebte hyperrationale Perspektive verkennt – neben einem möglicherweise als solchem wahrgenommenen staatlichen Signal, keine Geburten seien Geburten vorzuziehen – mindestens manche derzeitigen gesellschaftlichen Beschaffenheiten. In diesen gehen Gedankenlosigkeit und Anspruchshaltung gar nicht so selten eine unheilige Allianz ein, gewiss nicht nur bei jungen Frauen. Dabei führt Choucroun im Abschnitt über die Hypermoderne gute Beobachtungen an, kann sie aber nicht recht nutzen. Dass totale Verwöhnung mindestens so schädlich ist wie totale Versagung, scheint jedenfalls noch nicht überall durchgedrungen zu sein. Die Hormondosis der ´Morning-after-Pille´ beträgt ein Vielfaches der täglichen Antibabypille und wird im ´Notfall´ doch recht bedenkenlos konsumiert. Dass die Autorin daher die Pillenmüdigkeit beklagt, ist nachvollziehbar, muss aber in einen Gesamtkontext eingebettet werden.

Endokrinologie und Psychosomatik 

Brasilien ist seit jeher ein westliches Land, in dem nur wenige Frauen die Pille mögen (vgl. Egloff 2011a, b). In Italien verhält es sich ähnlich: mit nur etwa 20 Prozent Anwenderinnen in der weiblichen Bevölkerung ist die italienische Pillenquote eine der niedrigsten in Europa, und insgesamt etwa 40 Prozent wenden keine oder nur halbherzig kontrazeptive Maßnahmen an (Farris u. Bastianelli 2025). Nun könnte es sein, dass auch in Deutschland der in Brasilien und Italien oft ins Feld geführte spürbare Libidoverlust im Rahmen der Pilleneinnahme gerade junge Frauen von dieser abhält – und wenn das Verlangen dann durchbricht, sie die ´Pille danach´ als notwendiges Übel akzeptieren lässt. Aus psychotherapeutischen Praxen ist dies gelegentlich zu vernehmen. Die tägliche Hormondosis nicht zu vergessen kann heute für manche junge Frau ein echtes Problem darstellen, und transdermales Hormonpflaster oder Monatsring werden nach wie vor selten verwendet. Näher allerdings scheint zu liegen, dass in Brasilien und Italien mit manchen Rationalisierungsschüben kälterer Länder und Kulturen nur ungern mitgegangen wird. Was für junge Frauen in südlichen Ländern bei einer fraglos beobachtbaren Appetenz- und Libidosteigerung nach Absetzen der Pille (Egloff 2012) nachvollziehbar erscheint, kann auch bedeuten, dass diese eine mögliche Schwangerschaft nicht unbedingt als Katastrophe verstehen; vielleicht ist die ´Empfänglichkeit´ für Empfängnis ausgeprägter als in nördlichen Ländern. Dennoch sinkt auch im europäischen Süden die Geburtenrate.

So wie erhebliche Libidostörungen bei vielerlei pharmakotherapeutischer Medikation (Keck 2019) eher die Regel als die Ausnahme darstellen, werden nun kontrazeptive Maßnahmen auch in Deutschland zunehmend als Bremse oder Belastung wahrgenommen. Dass nach langjähriger Pilleneinnahme Schwierigkeiten auftreten können, schwanger zu werden, hat sich zum Teil herumgesprochen; die sogenannte Lutealphasenunterstützung mittels Progesteron scheint auch bei natürlich geplanter Schwangerschaft mittlerweile immer nötiger zu werden, wie auf dem Kongress der Preis School für Perinatologie, Neonatologie und Reproduktionsmedizin zu hören war (Bruer 2023). Ob dieser Faktor bei jungen deutschen Frauen tatsächlich eine Rolle spielt, bleibt fraglich. Junge Frauen, pillenmüde oder als unzuverlässige Pillen-Anwenderinnen, könnten von strukturierter Beratung profitieren – in Italien wechselt etwa die Hälfte nach eingehender Beratung ihre Kontrazeptionsmethode (Farris u. Bastianelli 2025) –, ohne dass dies natürlich die Geburtenrate steigern würde.

Kultur und Biochemie

Irgendwann nach der Jahrtausendwende tauchten in gesellschaftlichen Debatten zunehmend Begriffe wie ‚Toxische Männlichkeit‘ auf, die nicht etwa die naheliegenden Vergiftungsängste durch das Männliche (Priskil 2024) thematisieren, sondern meist poststrukturalistisch verwendet werden. Poststrukturalistisch bedeutet sprachtheoretisch und zeichentheoretisch, und letztlich machttheoretisch. Manche dieser Ansätze lassen sich auf vieles sinnvoll anwenden, auf Körper und Geschlecht aber am wenigsten. Wer Körper und Geschlecht nur poststrukturalistisch – quasi ohne Körper – denken mag, dem sei hier Ralph Frenkens Kapitel “Venus-Phallus” (2023) anempfohlen, das körperlich-leibliche Aspekte leicht sichtbar macht: Körper sind real, und Psyche ist eng mit dem Körper verbunden, gar in Wechselwirkung eingeschrieben. Doch ein ‚Körper, nein danke!‘ ist heute wieder gar nicht so selten zu bemerken, auch ohne dass es immer ausgesprochen würde.

Betrachten wir die Nanowelt der Mitochondrien in der Reproduktion, wird klar, dass im biologischen Befruchtungsvorgang biochemische Prozesse stattfinden, die psychosomatisch fundiert sind. So konnte z.B. nachgewiesen werden, dass molekularer oxidativer Stress männliche Spermien beim Prozess der Kapazitation und damit die Akrosom-Reaktion im Rahmen der Befruchtung stören kann, was deren Beweglichkeit betrifft, sodass auch bei ausreichender Spermienzahl keine Befruchtung stattfindet (Franjic 2023). Die Biologin Darja Wagner sieht in ihrem Artikel “Männliche Fruchtbarkeit in Gefahr?” (2025) die männliche Fertilität gar in exorbitantem Rückgang begriffen, wofür manches spricht. Was sie in Zusammenhang mit einer Überexpression des Spike-Proteins im Rahmen der CoVid19-Pandemie formuliert, könnte sogar weitgehendere Zusammenhänge haben.

Die Spermienqualität gehe in Westeuropa, Nord- und Südamerika, China und Indien zurück, formuliert Wagner vielleicht etwas zu global, denn: wo nicht gemessen wird, können keine Befunde vorliegen. Und es wird nicht überall gemessen. Warum geht sie überhaupt zurück? Die üblichen Verdächtigen wie Ernährung, Plastik und manche Stoffe dürften gewiss eine Rolle spielen, es müssten aber auch andere Zusammenhänge eröffnet werden. Denn insgesamt schaut es in afrikanischen und arabischen Regionen deutlich anders aus, sodass von einer Schwerpunkt-Problematik überwiegend westlicher und westlich gepägter Industrieländer gesprochen werden muss. Als mögliche Faktoren müssten auch psychogeographische einbezogen werden; im Rahmen von Mentalität ist eine ausgeprägte Kinderfreundlichkeit im Süd-Nord-Gefälle überdeutlich.

Im engeren biochemischen Rahmen sind bei oxidativem Stress nicht nur eine zu geringe, sondern auch die exzessive Zufuhr von Antioxidantien ungünstige Faktoren, die die Spermien-Kapazitation behindern oder stören (Henkel 2024). Zudem können bei eigentlich gesunden Spermien neben der Motilität auch andere Faktoren als Problematiken auftreten, die im Ergebnis als Sterilität bezeichnet werden können (Franjic 2023). Die Eiweiß-Verbindung L-Carnitin, vertreten durch rotes Fleisch und insbesondere Hammel und Lamm (Henkel 2024), ist dagegen ein protektiver Faktor. Regionen wie Nordafrika und Vorderasien sind hier klar im Vorteil. Von den Ländern auf mit Europa vergleichbaren Breitengraden ist es die Mongolei, die, auf dem Breitengrad Österreichs, eine hohe Geburtenrate aufweist – wenn auch ganz andere soziokulturelle Bedingungen vorliegen. Dennoch: traditionellere Gesellschaften haben kulturell manche Probleme weniger, weil sie sich genealogischer, d.h. sich stärker in historischen Linien sehen (Egloff 2023; vgl. Nassar 2023). Aber auch in Island, wo Hammel und Lamm ebenso eine gewisse Rolle spielen, gibt es eine immerhin recht stabile mittlere Geburtenrate. Ganz entgegengesetzt, auf den Philippinen, ist sie recht hoch. Gemeinsam haben die genannten Länder wiederum, dass Vegetarismus dort keine Rolle spielt. Dieser ist für männliche Fertilitätsförderung wenig geeignet, da fast kein L-Carnitin zugeführt wird (Henkel 2024). Liegt hier gar ein übersehener Schlüssel zu niedrigen Geburtenraten?

Man kann nicht wissen, ob soziokulturelle Bedingungen den psychosomatischen Beschaffenheiten vorausgehen oder andersherum. Ein Sowohl-als-auch ist wahrscheinllich. Was man wissen kann ist, dass auch biologische und kulturelle Faktoren in Wechselwirkung stehen und neben den sozialen eine gewichtige Rolle spielen, die oft ausgeblendet wird. Ein Mehr an oft verwirrenden Informationen schafft zudem nicht unbedingt mehr Aufklärung, sondern dient oft der weiteren Rationalisierung der Lebenswelt, was existentielle Verunsicherung schafft. Die globalisierte Welt zeugt vom Aufschaukeln von Informationsüberflüssen. Nehmen wir gesellschaftlich also einen eher genealogischen als biographischen Standpunkt ein (Egloff 2020), ist davon auszugehen, dass traditionellere Gesellschaften bei der Reproduktion im Vorteil sind, was natürlich zu Lasten von Freiheiten, aber eben auch zu Lasten westlicher Anomietendenzen geht. Daher findet sich in westlichen Ländern nun ein immer stärker werdendes Bedürfnis nach kultureller Verankerung. Die derzeitig gängigen poststrukturalistischen Konzepte gerade in diesem Bereich stehen dem zum Teil entgegen und befördern eher die existentielle Verunsicherung. Oft werden sie recht unbedacht verwendet und auf alles und jedes angewendet. Weder Körper noch Kultur spielen darin die ihnen zustehende Rolle, und sie werden einem meist unbestimmt genutzten Universalismus untergeordnet.

Mentalität und Debatten

Derzeitige poststrukturalistische Stoßrichtung findet sich auch im Spiegel-Artikel “Männer sind mir fremd geworden” von Nina Sternburg (2025). Ihr Lamento umfasst viele der heutigen Chiffren westlicher Millennials, von denen nicht wenige mit einem Ausmaß an Privilegien aufwuchsen, das Seinesgleichen sucht. Wenn die Autorin das ganze Repertoire der Begrifflichkeiten auspackt und in Deutschland Gewalt allerorten entdeckt, fragt man sich unwillkürlich, ob sie wohl vom Tocqueville-Effekt gehört hat. In ihren Ausführungen erfolgt zunächst nicht nur keine Selbstreflektion, keine historische Einordnung, keine Anerkennung historischer Bedingtheiten, sondern eher schon einiges an Verkennung. So rekurriert die Autorin auf irgendeinen Instagram-Post, postuliert Riss, Zäsur und manches andere. Aber immerhin, dann setzt Selbstreflektion ein: ihre 50-jährige Mutter, die ein Bekannter “nackig” sehen möchte, lässt die Autorin aufhorchen: ihre Mutter sei von Männern nicht entfremdet, sondern lediglich befremdet. Ist das etwa Erwachsenwerden?

Die Kunst, auch ein ungeschicktes Kompliment als solches zu erkennen, scheint auf dem Rückzug. Auch hier kommt es zudem auf Mentalität und Kulturkreis an: nicht nur ´Anmache´, sondern auch Reaktion können schon in Italien und Schweden sehr unterschiedlich sein (vgl. Egloff 2025). Vielleicht war die Mutter der Autorin ungeachtet der Plumpheit ein bisschen stolz auf die Nachfrage; auch das taucht in psychotherapeutischen Praxen manches Mal auf. Wir alle sind eben auch: Körper. Die Entkörperlichung, die auch Becker (2013) in Poststrukturalismus-Konzepten moniert, hat nämlich bereits einige Arbeit geleistet. Wo sie Einzug hält, befinden wir uns, psychoanalytisch gesprochen, auf dem regressiven Weg von der Endlust zur Vorlust, einer zwar dauerhaften, aber nur quasi-libidinösen Erregungskurve, die nie ihr Ziel, nie ihr Objekt, nie Befriedigung findet.

Das leise Versiegen von Libido und Fruchtbarkeit beginnt wohl dann, wenn Männer Frauen zu ähnlich werden. Dann werden sie entweder noch immer als zu fremd empfunden oder aber gar nicht mehr als Männer erlebt. Die Psychoanalytikerin Simone Reissner (2025) findet bei manchen jungen Pornographiekonsumenten gar das Verharren in der Kleinkind-Position, die man evolutionsbiologisch auch als Omega-Position bezeichnen kann. Aus dieser schaut man den Erwachsenen bei eher unverständlichen als ‚unanständigen‘ Sachen zu – mit denen zu tun hat man ohnehin nichts. Die Alpha-Position hingegen, für Männer zur Zeit schwer in Verruf, ist in Debatten nicht gefragt; wer weiß, ob diese durch Alpha-Frauen gefüllt werden kann (Paglia 2014).

So liegt der Gedanke nahe, dass es eine gesellschaftliche Bewegung gibt, weg von: mit Pille weniger Lust, aber keine Kinder – das ‚alte‘ deutsche Modell – und: ohne Pille mehr Lust und mehr Kinder – das ‚alte‘ südliche Modell, hin zu: keine Pille, keine Lust, und auch keine Kinder. Wird dies das ’neu‘ global-westliche Modell? Dagegen existieren nennenswerte Initiativen eigentlich nur in wenigen südlichen Ländern wie Griechenland, Serbien, Italien, Spanien oder Malta, die die Brisanz der Thematik als hoch einschätzen und: die Kinder und – die fremden – Männer mögen.

Literaturhinweise

Becker, Sophinette (2013). Bisexuelle Omnipotenz als “Leitkultur”? Sexuelle Verhältnisse im gesellschaftlichen Wandel. Psychoanalyse im Widerspruch 25(49):7-25

Brucker, Cosima (2002). Kontrazeption bei Jugendlichen. Gynäkologische Endokrinologie 1:11-17

Bruer, Christian (2023). Kongressbericht Preis School April 2023: Stimulationsprotokolle, Chancen und Risiken bei älteren Patientinnen – und vom Benefit der Lutealphasenunterstützung. J Reproduktionsmed Endokrinol 20(4):174-175

Calleja-Agius, Jean u. Attard, Maria (2024). Will science alone save your fertility? Int J Prenat Life Sci 16(4):1-5

Choucroun, Danielle (2024). Refusal of medical contraception in a hypermodern age: does sexuality want to emancipate itself from science? Europ Gynecol Obstetr 6(2):50-53

Dadak, Christian (2025). Kontrazeption bei Jugendlichen. päd – Prakt Pädiatr 31(2):158-160

Egloff, Götz (2025). Weibliche Psychosomatik in der “postödipalen” Gesellschaft. gyn – Prakt Gynäkol 30(3):242-250

Egloff, Götz (2023). Psyche zwischen Libido und Medien: vom verlorenen zum virtuellen Objekt. gyn – Prakt Gynäkol 28(1):58-68

Egloff, Götz (2020). Time and Psyche. In: Egloff G, Djordjevic D (eds.). Pre- and Postnatal Psychology and Medicine. Nova Science, New York, 269-295

Egloff, Götz (2012). Der Monatsring als Alternative? Paracelsus 12(6):14-15

Egloff, Götz (2011a). Ist weniger mehr? Der Langzyklus als Therapeutikum. gyne 32(8):8-10

Egloff, Götz (2011b). Neues vom Langzyklus. Gynäkologische Endokrinologie 9(2):132

Farris, Manuela u. Bastianelli, Carlo (2025). Unmet needs of contraception in Italy and the role of transdermal contraception. Gynecol Reproduct Endocrinol Metabol 6(1):1-5

Franjic, Sinisa (2023). Sperm are very small male sex cells. J Androl Gynaecol 11(1):1-4

Frenken, Ralph (2023). Venus-Phallus: psychologische Anmerkungen zu den sexuell doppeldeutigen Figurinen des Paläolithikums. In: Stubbe H, Frenken R (Hg.). Paläopsychologie – Erleben, Verhalten und künstlerische Gestaltungen des prähistorischen Menschen. Pabst, Lengerich, 157-206

Henkel, Ralf (2024). Role of mitochondria and redox state in sperm and oocyte health. Gynecol Reproduct Endocrinol Metabol 5(1):27-33

Keck, Christoph (2019). Endokrine Aspekte bei Libidostörungen. gynäkologie + geburtshilfe 24(4):22-27

Nassar, Anwar (2023). Newsletter, American University of  Beirut, Medical Center. OB/GYN Wire 43(1):1-7

Paglia, Camille (2014). Alpha. Playboy (US), May 2014, A-Z Special Edition, A

Priskil, Peter (2024). ´Toxische Männlichkeit´. System ubw – Zschr klass Psychoanalyse 42(1):96-102

Reissner, Simone (2025). Unbewusste Motive bei Pornographiekonsumenten. System ubw – Zschr klass Psychoanalyse 43(1/2):95-102

Sternburg, Nina (2025). Männer sind mir fremd geworden. Der Spiegel 9, 55 (22.2.2025)

Wagner, Darja (2025). Männliche Fruchtbarkeit in Gefahr? Paracelsus 25(3):48-53

 

„Germanischer Bärenhund“ –  Porträt einer außergewöhnlichen Hunderasse

Als Hof-, Hirten- und Jagdhunde setzten die Germanen robuste, ausdauernde und wachsame Hunde, sogenannte Germanische Bärenhunde, ein. Diese mussten in einer harten, lebensfeindlichen Umwelt überleben und ihre Sippe verteidigen.

Im Laufe der Zeit verlor sich die Spur dieser Hunde. In den 1980er Jahren entwickelten sich aus einem Fehlwurf zwischen Bernhardiner und weißem Hirtenhund Welpen, die dem alten Germanischen Bärenhund nahekamen. 1994 wurde der moderne Germanische Bärenhund schließlich vom Deutschen Rassehunde Club anerkannt. Jörg Krämer schildert die Geschichte der Geburt dieser Hunderasse, illustriert die historischen Details mit kleinen Geschichten und Anekdoten sowie Bildern und gibt Ratschläge zu Haltung und Erziehung der kinderlieben, gutmütigen, charakterfesten Vierbeiner, die sich gut als Familienhund eignen.

Passt der Germanische Bärenhund in die Familie?

Ob die positiven Charaktereigenschaften voll zur Entfaltung kommen, hängt jedoch entscheidend von der richtigen und artgerechten Haltung ab. So ist das Buch eine wertvolle Informationsquelle, damit die Liebhaber dieser Rasse vor der Anschaffung eines solchen Hundes hinreichend überprüfen können, ob sie dem Tier und seinen Ansprüchen überhaupt gerecht werden können. Rüden können immerhin ein Gewicht bis 85 kg und eine Widerristhöhe von 85 cm erreichen, Hündinnen bis zu 70 kg bei einer Höhe bis zu 80 cm. Im Schnitt erreichen die Tiere ein Alter von zehn bis zwölf Jahren. Neben den häuslichen Gegebenheiten geht der Autor umfassend auf verschiedene Themen ein, wie z.B. die wichtigsten Grundregeln zur Ernährung und Gesundheit, empfohlene Impfungen und Wurmkuren, die kleine Hausapotheke, die Eingewöhnung und Erziehung des Welpen, Steuer und Versicherungen, was es vor dem Kauf eines Bärenhundes alles zu beachten gibt und wie man den passenden Züchter finden kann. Ein Erfahrungsbericht zum Leben mit dem Germanischen Bärenhund, Begegnungen mit Artgenossen auf Spaziergängen, mit dem Hund auf Reisen und schließlich die Begleitung des treuen Weggefährten auf seinem letzten Weg, runden das Buch ab und geben ihm eine sehr persönliche Note. Die Tipps sind alltagstauglich und auch mögliche Probleme, die sich ergeben können, werden angesprochen. Der Text ist sehr gut geschrieben und die informativen Bilder sind sehr ansprechend. Für diejenigen, die ernsthaft mit dem Gedanken spielen sich einen Germanischen Bärenhund anzuschaffen, ist das Buch ein nützliche Entscheidungshilfe vor dem Kauf. Wer sich bereits für einen Bärenhund entschieden hat, findet hier wertvolle Informationen und Tipps zum Leben mit dem sanften Riesen.

Jörg Krämer: Germanischer Bärenhund
Herausgeber: ‎ novum pro
Taschenbuch: ‎ 124 Seiten
ISBN-10: ‎ 3990266969
ISBN-13: ‎ 978-3990266960
Abmessungen: ‎ 13.49 x 0.76 x 21.49 cm
Preis: 17, 40 Euro

 

 

Website des Autors: https://www.ruhrpottstory.com/

Der lange Weg der Germanischen Bärenhunde

Der Germanische Bärenhund ist eine – nicht von der FCI anerkannte – Hunderasse aus Deutschland. Als gutmütiger Riese erfreut er sich einer stetig wachsenden Anhängerschaft. Seine Sanftmut und seine Zuverlässigkeit machen ihn besonders für Familien geeignet.

Der Erstzüchter der Rasse hat eine interessante Geschichte um die Germanischen Bärenhunde kreiert; über die Wiedergeburt einer alten Rasse der Germanen. Fakt ist, dass der moderne Germanische Bärenhund eine neue Rasse darstellt, die sich seit den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts entwickelt hat. Diese Geschichte hat dazu geführt, dass der Germanische Bärenhund, wie auch sein Erstzüchter, häufig und oft aufs Übelste angefeindet wurde. Leider geht dabei unter, welche wundervolle Rasse sich hier entwickelt hat.

Mitte der Siebzigerjahre kam es bei einem Züchter in Brandenburg zu einem Fehlwurf. Die Welpen, darunter Wuschel, der Urvater der heutigen Germanischen Bärenhunde, erinnerten den Züchter an die alten germanischen Hunde. In einem Interview erzählt der Erstzüchter bewegt, wie die ersten modernen Germanischen Bärenhunde geboren wurden: „1975 wurde ‚Wuschel’, der Vorläufer der Bärenhunde, geboren. Entstanden aus einem Fehlwurf zwischen weißem Hirtenhund und Bernhardiner. Zu diesem Zeitpunkt fuhr ich noch LKW und mein Zwingername lautete ‚von Damnarz’. ‚Wuschel’ weilte von 1975 bis 1989 auf dieser Erde. Eine Woche nach seinem Tod gebar meine Bernhardinerhündin ‚Krümel’ den ersten Wurf Germanischer Bärenhunde. An diesem Tag tobte ein schweres Gewitter. Als am Himmel ein wunderschöner Regenbogen erschien, wurden fünf zauberhafte Welpen geboren. Am 19.07.1989 gab es den historischen, ersten Eintrag Germanischer Bärenhunde im Zuchtbuch. Die Welpen hießen: Balu, Troll, Jilly, Gila und Maja.“

Von da ab begann er konsequent mit der Züchtung „Germanischer Bärenhunde“. So führte der Weg des Bärenhundes in unsere Zeit. Der Erstzüchter vollendete die Zuchtlinie der Bärenhunde, sodass sie 1994 vom DRC e.V. als eigenständige Rasse anerkannt wurde. Doch noch hat der Germanische Bärenhund seinen langen Weg nicht beendet; eine Anerkennung der FCI wurde bisher nicht beantragt. Einträge im Internetlexikon Wikipedia werden konsequent gelöscht, obwohl der Germanische Bärenhund durch die Rasseanerkennung des DRC e.V. die Relevanzkriteren des Lexikons vollkommen erfüllt.

Ein sanfter Riese

Der Germanische Bärenhund ist ein sanfter Riese. Er kann bis zu 85 Zentimeter groß und 85 Kilogramm schwer werden. Er ist kräftig gebaut, seine Fellfarbe ist variantenreich; nur rein weißes und rein schwarzes Fell ist nicht erwünscht. Er ist wachsam und beschützt seine Familie. Dabei beobachtet er aufmerksam die Umgebung und bellt nur wenig. Bei Gefahr stellt er sich schützend vor seine Familie. Trotz seiner Größe möchte auch der moderne Germanische Bärenhund viel Bewegung haben. Da wir uns nicht mehr auf der Völkerwanderung befinden, kann er diese heute durch Spaziergänge, Joggen und Schwimmen bekommen. Eine Stadtwohnung ohne Auslauf wird ihm nicht gefallen. Der heutige Bärenhund ist ausgesprochen kinderlieb. Er ist, unter Beachtung des Schutztriebs, gut zu erziehen, und sein liebevolles Wesen macht ihn zum idealen Begleiter für Familien. Seine Sturheit scheint er allerdings in die heutige Zeit gerettet zu haben. Eine liebevolle und konsequente Erziehung sollte daher auch für diesen gutmütigen und friedfertigen Riesen selbstverständlich sein.

Der lange Weg der Germanischen Bärenhunde ist noch nicht zu Ende. Drei Vereine für Germanische Bärenhund haben sich inzwischen zusammengefunden. Ihr Ziel ist es mittelfristig die Rasseanerkennung der sanften Riesen durch den FCI zu erreichen. Wenn das gelungen ist, sind die Germanischen Bärenhunde endgültig in unserer Zeit ankommen.

Zahlen, Daten & Fakten

Herkunftsland: Deutschland, Lebenserwartung: Etwa 12 Jahre, Gewicht Rüden: 50-85 kg, Gewicht Hündin: 35-70 kg, Größe Rüden: 70-85 cm, Größe Hündin: 65-80 cm.

Verwendung: Der Germanische Bärenhund ist als Lagerschutzhund deklariert. Er besitzt alle Eigenschaften, um leicht zu einem liebevollen Familienhund erzogen zu werden.

Klassifikation, Zuchtstandard & Rassestandard: Da der Germanische Bärenhund noch nicht FCI anerkannt ist gilt folgender Vergleich: Klassifikation IKU/ gleichzusetzen mit FCI: Gruppe 2 Pinscher und Schnauzer, Molosser und Schweizer Sennenhunden Sektion 2,2 Moloser, Berghunde ohne Arbeitsprüfung. Der Rassestandard kann auf der Homepage des Erstzüchters oder des Buchautors eingesehen werden. Der Charakter & das Wesen: Der Germanische Bärenhund ist als Lagerschutzhund deklariert, somit ist er Wächter und Behüter seines „Rudels“- der Familie und dessen Umfeld. Mit Kindern geht er sehr umsichtig um. Er ist sehr wachsam, aber kein Kläffer. Sein Schutztrieb ist eher defensiv; bei Gefahr schiebt er sich zwischen seine Familie und der Bedrohung. Er sollte liebevoll, aber konsequent erzogen werden. Aufgrund seiner Größe sollte man Kinder nicht alleine mit ihm spielen lassen. Als Trampel mit knapp 80 Kilo wirft er alles um, was zu leicht ist. Der Germanische Bärenhund mag Spaziergänge, leichtes Jogging und Schwimmen. Er kann aber auch durchaus stundenlang faulenzen.

Der Jagdtrieb: Hier gehen die Erfahrungen sehr auseinander. Während viele Bärenhunde gar nicht wissen, was sie mit einem Reh vor ihnen machen sollen, scheinen einige einen durchaus ausgeprägten Jagdinstinkt zu besitzen.

Optik und Fell: Der Germanische Bärenhund ist mit seiner eindrucksvollen Größe eine majestätische Erscheinung. Seine Gestalt ist wohlproportioniert. Der massige Knochenbau und die gute Bemuskelung gibt seinen kraftvollen Bewegungen eine vollendete Harmonie. Sein friedlicher und aufmerksamer Gesichtsausdruck rundet sein Erscheinungsbild ab. Als Fellvarianten gibt es Stock-Haar, mittellanges und langes Fell. Es ist dicht und geschmeidig mit Unterwolle. Die unterschiedlichsten Farben sind erlaubt, nur rein weißes und rein schwarzes Fell sind nicht erwünscht. Ebensowenig mehr als 30 Prozent Weiß im Rückenbereich.

Pflege und Haltung: Der Germanische Bärenhund ist pflegeleicht und genügsam. Ausgedehnte Spaziergänge und leichtes Joggen tun ihm gut. Auch ist er eine absolute Wasserratte. Am liebsten liegt er aber auf einem Beobachtungsposten und überwacht sein Revier. Seine Ernährung ist problemlos. Ob Trockenfutter oder Barf ist dabei eine Glaubensfrage. Aufgrund seiner Größe ist eine kleine Stadtwohnung für ihn ungeeignet. Ein großes, umzäuntes Grundstück ist für ihn ideal. Bärenhunde benötigen eine liebevolle, doch konsequente Erziehung. Auch eine Extraportion Geduld ist von Nöten. Sie scheinen bei Kommandos immer zuerst zu überlegen, ob ihr Mensch es auch ernst meint. Doch ist bei ihrer Größe Gehorsam unbedingt erforderlich, da nicht jeder Besitzer das nötige Gegengewicht zu seinem Hund aufbringt. Erfreulicherweise neigen die Bären nicht zur Dominanz.

Anfälligkeiten & häufige Krankheiten: Es gibt noch nicht genug empirische Daten, um diese Frage seriös zu beantworten. Es scheint so, dass die Germanischen Bärenhunde weniger anfällig für HD sind. Krebserkrankungen scheinen in der Häufigkeit denen anderer Rassen zu entsprechen. Herzprobleme kommen nur selten vor.

Häufige Fragen: Welche Rassen sind im Germanischen Bärenhund eingezüchtet? Der GBH ist aus Bernhardiner und einem weißen Hirtenhund entstanden (es wurde weder Kuvasz, Kangal, Kaukase, Leonberger oder Neufundländer eingezüchtet). Nach dem heutigen Zuchtstandard darf nur noch Bärenhund mit Bärenhund verpaart werden.

Wie alt können Bärenhunde werden? Bärenhunde haben für große Rassen eine hohe Lebenserwartung. Der Durchschnitt liegt bei 10 bis 12 Jahren.

Sind Bärenhunde kinderlieb? Ja, Kinder sind ein Teil seines „Rudels“, das er verteidigt und bewacht. Auch Freunde und Spielgefährten zählen dazu.

Sabbern Bärenhunde viel? Germanische Bärenhunde sabbern nur sehr wenig.

Ansprechpartner:

Erstzüchterverein Germanischer Bärenhunde
Freunde Germanischer Bärenhunde e.V.
Verein zur Anerkennung Germanischer Bärenhunde e.V.


Jörg Krämer: Germanischer Bärenhund, Porträt einer außergewöhnlichen Hunderasse, novum pro 2012

 

 

 

 

 

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