Philosoph an der Wirtschaftsspitze

Vor 20 Jahren wurde Alfred Herrhausen, der Chef der Deutschen Bank, ermordet
Von  Manuel Ruoff
Für viele Bundesbürger war es vor 20 Jahren ein Schock. Im Jubel über den Fall der Mauer und die nachfolgenden Erfolge der friedlichen Revolution auf der anderen Seite des Eisernen Vorhanges schien sie auf einmal der Schatten des Deutschen Herbstes des vorausgegangenen Jahrzehnts eingeholt zu haben. Während der Sozialismus im Osten unblutig zusammenbrach, schien er im eigenen Staat noch einmal sein schreckliches Antlitz zu zeigen. Vor 20 Jahren, am 30. Dezember 1989, fiel Alfred Herrhausen einem Bombenattentat zum Opfer. Es beraubte die Bundesrepublik eines ihrer mächtigsten und visionärsten Bürger.
Alfred Herrhausens Vater war als Vermessungsingenieure der Ruhrgas AG ein Mann aus dem Volke. Doch bereits die Nationalsozialisten erkannten die außerordentlichen Fähigkeiten des am 30. Januar 1930 in Essen geborenen Preußen. So besuchte er unter anderem die Reichsschule Feldafing der NSDAP.
Gerne hätte Herrhausen nach der Schulzeit Philosophie studiert. Das erklärt auch die im Vergleich zu Bankern wie beispielsweise seinen aktuellen Nachfolger Josef Ackermann bemerkenswerte Tiefe und Ethik. Sie spiegelt sich in seiner Grabinschrift: „Wir müssen das, was wir denken, auch sagen. Wir müssen das, was wir sagen, auch tun. Wir müssen das, was wir tun, dann auch sein.“ Die Nachkriegszeit war jedoch keine gute Zeit für brotlose Kunst. Nolens volens studierte Herrhausen statt Philosophie Betriebswirtschaftslehre. „Philosoph an der Wirtschaftsspitze“ weiterlesen

Als die Sowjets Finnland überfielen

Unprovoziert und ohne Kriegserklärung entfesselte die UdSSR vor 60 Jahren den Winterkrieg

Von Manuel Ruoff
Die Sowjetunion nutzte den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, um im Windschatten der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den anderen europäischen Großmächten ihr Territorium auf Kosten ihrer kleineren Nachbarn zu vergrößern. Zu den Opfern dieser Politik gehörte Finnland.

Im deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23. August 1939 hatten die Deutschen Finnland den Sowjets überlassen. Die Sowjetunion konnte nun, ohne deutsche Unterstützung für Finnland fürchten zu müssen, ihren skandinavischen Nachbarn unter Druck setzen. Sie betrachtete es als nicht zumutbar, dass in 50 Kilometer Entfernung von ihrer zweitwichtigsten Stadt Leningrad das kapitalistische Ausland begann. In bilateralen Verhandlungen forderte sie deshalb von Finnland den Südteil der befestigten Karelischen Landenge abzutreten und sich dafür mit anderem karelischen Gebiet entschädigen zu lassen. Des weiteren forderten die Sowjets die Verpachtung der Halbinsel Hanko und die Überlassung diverser Inseln im Finnischen Meerbusen sowie den finnischen, westlichen Teil der Fischerhalbinsel an der Küste des Nördlichen Eismeeres. „Als die Sowjets Finnland überfielen“ weiterlesen

Seinem Tod folgten die »Säuberungen«

Von Manuel Ruoff
KirowBeim Bolschewisten Sergei Mironowitsch Kirow ist es im Grunde ähnlich wie beim Erzherzog Franz Ferdinand: Es ist weniger ihr Leben als ihr gewaltsamer Tod, der ihr Bild in den Geschichtsbüchern bestimmt. Beiden Morden folgte eine Katastrophe, ohne dass sie die eigentliche Ursache gewesen wären. Im Falle des Österreichers war es der Erste Weltkrieg, im Falle des Russen Stalins „Große Säuberung“ mit ihren Moskauer Schauprozessen, in denen es formal auch um die Aufklärung des Mordes an Kirow im Jahre 1934 ging.
Ähnlich wie beim Reichstagsbrand tauchte auch hier der Verdacht auf, dass derjenige, der das Verbrechen zur Abrechnung mit seinen Gegnern instrumentalisierte, auch der Täter sei. Der Verdacht erhielt in diesem Fall zusätzliche Nahrung durch Kirows große Popularität. So erhielt Kirow bei der Wahl des Zentralkomitees auf dem 17. Parteitag der Bolschewiki vom 26. Januar bis 10. Februar 1934 nur drei Gegenstimmen, hingegen Stalin 292.
Es wird wohl ewig im Dunkeln bleiben, was Leonid Nikolajew dazu bewogen hat, vor 75 Jahren, am 1. Dezember 1934, Kirow vor dessen Büro im Smolny, dem Sitz der Leningrader KP, abzupassen und mit mehreren Schüssen niederzustrecken. Nikolajew wurde noch am Tatort festgenommen, von Stalin persönlich verhört, zum Tode verurteilt und 28 Tage nach seinem Opfer selber erschossen.

Bettina Katalin

Lebensgeschichten – Theatergeschichten.

Die junge Autorin im Gespräch
Von Johanna Renate Wöhlke

Wer von uns möchte das vorhersehbare Leben leben? Bettina Katalin, 32 Jahre junge Autorin aus Berlin, die erst seit vier Jahren in Hamburg lebt, ist sich da für sich selbst sicher: „Das Spannende ist das Unvorhersehbare, das sich Entwickelnde, die Neugier auf das, was geschehen wird!“

Diese Einstellung zum Leben hat sich für sie in einem großen Erfolg verkörpert: Ihr erstes Theaterstück, die Tragikomödie „Knut und Will“, ist im „Hamburger Sprechwerk“ im Sommer 2009 uraufgeführt worden –  ein Erfolg, der so nicht vorhersehbar war, genauso wie Geschichten nicht vorhersehbar sind. Sie werden begonnen und nehmen ihren Lauf. Schriftsteller wissen das. Auch Bettina Katalin hat keine anderen Erfahrungen gemacht: „Die Geschichte kommt beim Schreiben, sie entfaltet sich. Die Charaktere erschaffen sich aus sich selbst heraus.“

So war es bei „Knut und Will“, so ist es auch bei ihrem zweiten Stück gewesen: „Der Tod des Monsieur Molière“, ein Schauspiel in zwölf Bildern auf der Basis von Anekdoten über diesen berühmten französischen Meister der Komödie. Ein drittes Stück ist gerade dabei zu entstehen „es schwebt noch“, wie die Autorin sagt. „Bettina Katalin“ weiterlesen

„Radieschen & co. Rummel auf dem Biohof“

Eine phantastische Geschichte um Kinder, Kühe, Kirmes und ein Karussell

Von Johanna Renate Wöhlke

Susanne LütjeSusanne Lütje ist Autorin von Kinderbüchern, Jugendbüchern, Drehbüchern und Theaterstücken. Ihr Heim ist ein Haus mit Garten auf dem Land in Schleswig-Holstein, der Blick unverstellt auf Wald und Felder.

Die Freude am Schreiben von Kinderbüchern rührt wahrscheinlich daher, dass sie selbst drei Kinder hat. Wenn die zusammen mit ihren Freunden „herumwuseln“, dann dürfte die Quelle der Inspiration nicht so schnell versiegen, Inspiration auch für „Radieschen & Co.“, erschienen bei Fischer-Schatzinsel, in diesem Jahr mit dem Band 1 „Rummel auf dem Bauernhof“ Ende August und im Februar 2010 mit dem Band 2 „Wirbel auf dem Wochenmarkt“. Die Illustrationen dazu schuf Marina Rachner. „„Radieschen & co. Rummel auf dem Biohof““ weiterlesen

„Artolino“ – Kunst im Internet

Wirtschaftskammer Österreich fördert Projekt junger Gründer

Von Johanna Renate Wöhlke
„Deine Kunst ist alles, was zählt!“ Dieser Satz ist Honig in den Ohren aller Künstler! Allerdings machen sie immer wieder die Erfahrung, dass alles andere mehr zählt als ihre Kunst. Was tun? Künstler brauchen Liebhaber ihrer Kunst, Künstler brauchen Käufer ihrer Kunst, Künstler brauchen Förderer.
Christof Dürnle und Christian Kohlmayer
Im Zeitalter der die Welt umfassenden digitalen Möglichkeiten sind das nicht mehr nur die etablierten Galerien. Es sind auch Internetportale, die weltweit Kunst anbieten, einem weltweiten Publikum zugänglich machen und so für die Künstler eine Plattform schaffen.

Sie gehören zu den jungen Gründern: Christof Dürnle (links) und Christian Kohlmayer

Wie es gehen kann, beweist zur Zeit gerade ein junges Team aus Österreich, das mit seinem Portal  „artolino.com“ ans Netz gegangen ist. Mitgründer Christof Dürnle hat zur Geschichte von Artolino eine Geschichte zu erzählen, denn die Idee entstand – wie so manchmal im Leben – zufällig: „Jeder von uns war im Zuge der Wohnraumbeschaffung auf der Suche nach Bildern und bildender Kunst für die eigenen vier Wände. Es stellte sich aber bald heraus, dass es keine zentrale Anlaufstelle für unser Anliegen gab. Wir hatten nur wenige Möglichkeiten, uns ein Unikat, ein Bild nach unseren individuellen Wünschen zu finden.“ „„Artolino“ – Kunst im Internet“ weiterlesen

Der Herr des Eises

Von Manuel Ruoff

Carl_Linde_1872Der am 11. Juni 1842 im oberfränkischen Berndorf geborene Pastorensohn Carl von Linde kam während seiner Gymnasialzeit in Kempten erstmals mit der Technik in Berührung. Die großen Dampfmaschinen und Turbinen der dortigen Aktien-Baumwollspinnerei faszinierten ihn so sehr, dass er nach dem Abitur am renommierten Polytechnikum in Zürich ein Studium aufnahm – das er aber nicht abschloss. Weil er sich beim Rektor allzu sehr für seines Erachtens zu Unrecht disziplinierte Kommilitonen einsetzte, wurde er nämlich der Hochschule verwiesen. Der Studienabbrecher wider Willen fand schließlich eine Stelle in einer Münchner Lokomotivfabrik. In der Zeitung hatte er gelesen, dass diese errichtet werden sollte, und seine Bewerbung um die Leitung des Konstruktionsbüros hatte Erfolg. Linde reizte jedoch die Freiheit von Forschung und Lehre, und als er von der bevorstehenden Gründung eines Polytechnikums in München, der heutigen Technischen Universität, erfuhr, bewarb er sich um den dortigen Lehrstuhl für theoretische Maschinenlehre. 1868 wurde das Polytechnikum gegründet und Linde deren außerordentlicher, 1872 dann ordentlicher Professor.
Linde war nicht nur ein großer Forscher und Erfinder, sondern besaß auch die Gabe, Marktlücken zu erkennen und diese mit ausgereiften, marktfähigen Entwicklungen zu füllen. Sein Spezialgebiet wurden Kältemaschinen. „Der Herr des Eises“ weiterlesen

Traumhotel am Gardasee Italien, mit viiieeel Seele!

Von Monika Landsky
Das Grandhotel „Gardone“ am Gardasee. Ein Hotel welches noch familiengeführt wird. Nämlich vom Besitzer Dott Franco Mizzaro. Das merkt man überall. Es fängt an der Rezeption an, nur freundliche und sehr hilfsbereite Damen.Die Zimmer sind stilvoll eingerichtet, die Betten haben fabelhafte Matratzen und es ist alles super sauber! Im Hause überall wunderschöne gepflegte Pflanzen und Blumen und der Garten!! Ein Blumen und Pflanzenmeer. Das Hotel liegt direkt am See. Nur durch die hoteleigene 300 m lange Promenade getrennt. Das Frühstück ist  eine kleine Sensation und lässt wirklich keine Wünsche offen. Es ist auf Buffetbasis, aber man wird unglaublich aufmerksam von den sehr gepflegt angezogenen Kellner bedient, was Kaffee, Tee und Eier betrifft. Sie helfen auch am Buffet, wenn man Fragen oder Wünsche hat. „Traumhotel am Gardasee Italien, mit viiieeel Seele!“ weiterlesen

Lulu goes Lacan – der Spiegel als Spiegel des Spiegels

Kommentar zu   „Der Griff ins Höschen. Lulu – Calixto Bieito entmythisiert die femme fatale.“
von Astrid Biesemeier
zur Inszenierung von „Lulu“ von Frank Wedekind, Regie: Calixto Bieito, am Nationaltheater Mannheim, Okt. 2009,   in: www.nachtkritik.de vom 13.10.2009.

Von Götz Egloff
Wo Es war, soll Ich werden“, sagt Sigmund Freud. „Wo Ich war, soll Es werden“, sagt Jacques Lacan. Was ist dieses Es, dieses dunkle Unbekannte? Es ist das Unheimliche, Verborgene, doch Gutgehütete im Menschen, das lebenslang in ihm wirkt und – Astrid Biesemeier deutet es an – überlebensnotwendig ist. „Lulu goes Lacan – der Spiegel als Spiegel des Spiegels“ weiterlesen

Deutsche Auswanderer auf dem 5. Kontinent

Foto-Ausstellung von Eibe Maleen Krebs in der Ballinstadt

Von Hans- Peter Kurr, Fotos: Eibe Maleen Krebs

 Eibe Maleen Krebs
Mit einer bemerkenswerten Sonderausstellung macht das Hamburger Auswanderer-Museum Ballinstadt gegenwärtig von sich reden : Bis zum 15. Januar 2010 zeigt die Fotografin und Filmemacherin Eibe Maleen Krebs auf der Veddel ihre australischen Motive, die das Leben deutscher und deutschsprachig-russischer Auswanderer Fritz Rappold wanderte vor 40 Jahren von Bayern nach Australien  ausaus den 50er und 60er Jahre des vorigen

Jahrhunderts via Hamburg zum Thema haben und den Betrachter mit einfühlsamer Ausprägung mitnehmen auf eine Reise in den 5. Kontinent, die die Hamburger Fotografin auf Motivsuche für ihre beeindruckenden Fotos vorgenommen hat ebenso wie für die kongeniale Schöpfung eines Dokumentarfilmes unter dem Titel „Looking forward, looking back“ (Frei übersetzt als „Blick nach vorn und Blick zurück“), der bereits im „Deutsche Auswanderer auf dem 5. Kontinent“ weiterlesen