„Weißt du eigentlich, dass ich ein Filmstar bin?“

Guy Stern, Foto: privat

Meine Begegnungen mit einem Ritchie Boy extraordinaire
Guy Stern habe ich nur zweimal persönlich getroffen und beide Male mit seiner Frau Susanna. 2013 war es in Detroit und 2018 in Frankfurt/Main. Von ihm gehört hatte ich schon vorher. Mehr mit ihm zu tun bekam ich erst durch die Vorstandsarbeit des P. E. N.-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland (früher Deutscher Exil-P. E. N.). Guy gehörte dem Vorstand schon längere Zeit an, als ich 2017 dazukam. Seit 2018 ist er unser Präsident.

Das Treffen in Frankfurt ergab sich, als er den Ovid-Preis, den er im Jahr zuvor erhalten hatte, an die neue Preisträgerin Herta Müller überreichte. In Detroit hatte ich mich selbst bei ihm eingeladen. Ich wollte ihn kennenlernen, und in Michigan habe ich seit 2012 ein Domizil. Wir verbrachten einen halben Tag zusammen, und aus dem Treffen sind mir zwei Dinge in besonderer Erinnerung geblieben.

Als er mich durch das Holocaust-Museum in Detroit führte, dessen Direktor er einst gewesen war, zog ein Exponat meine besondere Aufmerksamkeit auf sich. Der „Hannoversche Bahnhof“ mit einem alten Eisenbahnwaggon, in dem man zur Nazizeit die Juden in die Vernichtungslager transportiert hatte. Von Hamburg aus, meiner Heimatstadt, die gerade einen neuen Stadtteil, die HafenCity, entwickelte. Hier lag der frühere „Hannoversche Bahnhof“. Alle Parteien in Hamburg wollten dort einen Gedenkort einrichten. Uns – ich war in jener Zeit Mitglied in der Deputation der Kulturbehörde – war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, dass es eine ähnliche Gedenkstätte bereits in Detroit gab. Nach meinem Treffen mit Guy informierte ich meine Kollegen und stellte auch den Kontakt zwischen den zuständigen Personen in Hamburg und Detroit her.

Guy Stern (r.) und Gino Leineweber, Foto: privat

Außerdem werde ich nicht vergessen, wie mich Guy mit einem spitzbübischen Lächeln fragte: „Weißt du eigentlich, dass ich ein Filmstar bin?“ Ich wusste es nicht, war sehr erstaunt und erfuhr, dass es einen Film von 2004 mit dem Titel The Ritchie Boys gibt, in dem er mitgewirkt hatte. Er schenkte mir zum Abschied eine DVD davon, auf deren Cover neben anderen auch er als „Ritchie Boy“ abgebildet ist.

Der Titel trägt den Namen einer Einheit amerikanischer Soldaten im II. Weltkrieg, die im Camp Ritchie in Maryland ausgebildet wurden. Darunter viele deutsche Juden, die in die USA geflüchtet waren. Ihre Aufgabe war es, ihre Kenntnisse der deutschen Sprache und Kultur im Kampf gegen die Nazis zu nutzen, und sie wurden nach der Invasion als Geheimwaffe vor allem für Verhöre von Gefangenen an der Front und zur Spionageabwehr in Europa eingesetzt. Guy Stern war einer von ihnen.

Er war auch einer von drei „Ritchie Boys“, die in der bekannten CBS-Sendung „60 Minutes“ am 9. Mai 2021 zu Wort kamen und in der sie und ihre frühere Einheit für die Effektivität ihrer Arbeit gerühmt wurden: Sie hätten Leben gerettet und man müsse sie als Helden bezeichnen, hieß es.

Guy zu sehen und ihm zuzuhören ist immer eine Bereicherung, wie mir aus den Treffen und vielen Internet-Meetings vertraut ist. Bei CBS wirkte er trotz seiner 99 Jahre mit seiner freundlichen und offenen Art fast jugendlich. Die Sendung führte mich in einen Teil seiner Vergangenheit, der sehr bedeutend für ihn gewesen war. Und wieder sind es zwei Dinge, an die ich seither zurückdenke.

Seinen Eltern war aus finanziellen Gründen nur möglich, eine Person in die USA ausreisen zu lassen, und sie entschieden sich für den ältesten Sohn. Günther, wie er damals noch hieß. Er hat danach weder sie noch seine Geschwister und Großeltern je wiedergesehen. Seine Antwort auf die Frage, was er vom Abschied von seinen Eltern in Erinnerung behalten habe, hat mich gefühlsmäßig stark berührt. Sie bestand aus einem Wort: Taschentücher!

Guy Stern, Foto: Susanna Piontek

Vergessen werde ich auch nicht, was er dabei empfindet, als einziger der Familie überlebt zu haben. Dazu sagte er: „Wenn du gerettet wurdest, sagte ich mir, musst du zeigen, dass du dessen würdig bist. Und das war die treibende Kraft in meinem Berufsleben.“

Im Film The Ritchie Boys gibt es eine Szene, in der Guy mit seinem alten Kameraden Fred Howard im Fond eines Autos sitzt, auf dem Weg zum früheren Camp Ritchie. Während Guy schon glaubt, die Gegend zu erkennen, sagt Fred, das könne auch Texas sein. Sie kabbeln sich ein wenig, bis Fred sagt: „Imagine. You see already the Blue Mountains. –  Guy, you are the best.“

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

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(Dieser Artikel erschien zuerst in „Von der Exilerfahrung zur Exilforschung: Zum Jahrhundertleben eines transatlantischen Brückenbauers. Festschrift zu Ehren von Guy Stern“ von Frederick A. Lubich (Herausgeber), Marlen Eckl (Herausgeber), 738 Seiten, Deutsch, Englisch, Französisch, 48 Euro, Verlag Königshausen u. Neumann, Januar 2022

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Die Königin Elizabeth II. ist tot, es lebe der neue König Charles III.

Besuch der Königin mit ihrem Mann Prinz Philip im Jahre 1965 in Salem.
Von rechts nach links: Friederike Prinzessin von Hannover, Marie Prinzessin von Hannover, Ernst August Prinz von Hannover, Prinz Philip, Kraft Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, Königin Elizabeth II., Ludwig Prinz von Baden, Theodora Markgräfin von Baden (Philips Schwester) und Max Prinz von Baden. Foto: privat

Als Prinzessin Elizabeth am 21. April 1926 in London das Licht der Welt erblickte, konnten Ihre Eltern, Herzog Albert von York und Elizabeth Bowes-Lyon, nicht ahnen, dass Ihre Tochter einmal als Königin Elizabeth II. den britischen Thron für 70 Jahre besteigen sollte.

Der Herzog von York war als zweitgeborener Sohn von König George V.  nicht für die Thronfolge vorgesehen. Zunächst bestieg Alberts älterer Bruder als König Edward VIII. am 20. Januar 1936 den Thron in London. Er ging später als Herzog von Windsor in die Geschichte ein, denn seine Ehe mit der umstrittenen Wallis Simpson führte zu seiner Abdankung. Seine Regierung dauerte knapp ein Jahr, bis er seinem jüngeren  Bruder  Albert den Thron am 11. Dezember 1936 überließ. Dieser übernahm als König George VI. die britische Krone bis zu seinem Tod im Jahre 1952.

Elizabeths Krönung

Elizabeths Krönung wurde am 2. Juni 1953 glanzvoll begangen, die auch in Deutschland bei vielen Menschen unvergessen blieb. Das Ereignis wurde in Farbe gefilmt, aber in Schwarz-Weiß von der BBC im Fernsehen live übertragen. Millionen von Menschen verfolgten die Krönung am Fernseher. Das königliche Spektakel gehörte zu den ersten Liveübertragungen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Königin  Elizabeth II. und Prinz Philip besuchten Deutschland erstmals am 18. Mai 1965 für elf Tage. Auf dem Flughafen Köln-Bonn wurde die Königin mit 21 Salutschüssen begrüßt und das königliche Paar legte während seines Aufenthalts mehr als 3000 Kilometer zurück.  In der Bundesrepublik wollten hunderttausende Menschen die junge schöne Königin sehen. Der königliche Besuch stand zwanzig Jahre nach dem Krieg ganz im Zeichen der Versöhnung. Dieser Staatsbesuch der überaus populären Monarchin ließ alte Vorbehalte abbauen und neue Verbindungen festigen.

Abends am Schwarz-Weiß-Fernseher

Für mich persönlich blieb dieser königliche Besuch aus England unvergesslich. Als Vierjähriger durfte ich im Beisein meiner Geschwister ausnahmsweise abends am Schwarz-Weiß-Fernseher den Besuch des königlichen Paares verfolgen. Dabei erfuhr ich, dass die vielen Polizei-Motorräder, die die Limousine mit den königlichen Staatsgästen eskortierten, als „Weiße Mäuse“ bezeichnet wurden, ein Kuriosum, das mich noch heute belustigt.

Neben dem wohl bedeutendsten Besuch der Königin von 1965  folgten noch drei weitere 1992, 2004 und zuletzt 2015. Der Berlinbesuch von 1978 ist dabei nicht eingeschlossen, da unsere heutige Hauptstadt damals noch unter einer Vormachtstellung der Siegermächte stand und Berlin staatsrechtlich nicht zur Bundesrepublik gehörte. Alle Besuche aus England förderten langfristig die bilateralen Beziehungen und machten Elizabeth II. zu einer der populärsten Persönlichkeit für uns Deutsche.

Regierungszeit geprägt von Staatsbesuchen

Die 70-jährige Regierungszeit von Königin Elisabeth II. war vor allem geprägt von Staatsbesuchen. Die Königin fungierte als Gastgeberin, wenn ausländische Staatsoberhäupter offiziell Großbritannien besuchten. Daneben absolvierte sie mit ihrem Mann Prinz Philip unzählige offizielle Auslandsbesuche und trat selber als Staatsgast auf. Von ihren vielfältigen Verpflichtungen beim Commonwealth einmal abgesehen, stand die Monarchin auch britischen Organisationen und Verbänden vor, wo sie Ämter und Funktionen innehatte. Daneben musste die Monarchin täglich Staatsakten lesen und sich einmal wöchentlich mit dem Premierminister treffen, der sie über seine Regierungsarbeit unterrichtete. Die Königin hatte faktisch keine Macht. Ihre Aufgabe war es, Großbritannien in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu repräsentieren. Und diese Aufgabe absolvierte sie ihr ganzes Leben lang mit Bravour!

Bis heute hat noch kein weibliches Staatsoberhaupt länger als die britische Königin regiert. Aber die drei folgenden Monarchen regierten länger: König Sobhuza II. von Eswatini (heute Swasiland) ist mit einer Amtszeit von über 82 Jahren das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Geschichte; gerechnet ab der Unabhängigkeit von Großbritannien 1968 waren es knapp 14 Jahre. König Ludwig XIV., (1638-1715 ) war von 1643 bis zu seinem Tod 72 Jahre König von Frankreich und Navarra. Johann II. (1840-1929), genannt der Gute, war vom 12. November 1858 bis zu seinem Tod 71 Jahre Fürst von Liechtenstein.

Dagegen verpasste Bhumibol (1927- 2016) nur um wenige Monate die lange Regierungszeit von  Königin Elizabeth. Er war vom 9. Juni 1946 bis zu seinem Tod 70 Jahre und 127 Tage König von Thailand. Die britische Königin hingegen regierte Großbritannien 70 Jahre und 214 Tage.

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Preußischen Allgemeinen Zeitung.

„Outside Mullingar“ by John Patrick Shanley – the new play at The English Theatre of Hamburg

Do you care for another cup of tea?

After the breath-taking parody “The 39 Steps”, which ran until the end of January, the English Theatre of Hamburg now presents the much acclaimed bitter-sweet comedy “Outside Mullingar.” According to an American critic this heart-warming play is John Patrick Shanley’s best work since “ Doubt.” It is up to you, dear spectator, to agree or disagree with this statement of a real theatre aficionado after you have seen the play directed by Clifford Dean.

A place in rural Ireland

Mullingar is not a fictional place but the capital of County Westmeath which is part of the Irish Midlands region. It features an impressive cathedral and some other monuments that are worth being visited. We suppose that John Patrick Shanley once came along and fell in love with the lush green landscape and rolling hills which inspired him to set his romantic play in the rural region outside Mullingar.

Rosemary Muldoon and Anthony Reilly grew up on two neighbouring farms. As early as at the age of six vivacious Rosemary fell in love with Anthony who was too shy to see Rosie’s deep affection for him. Anthony’s heart once broke when his great love Fiona left him for another man. Being extremely self-conscious he feared another disappointment and dared not open his heart to another woman.

Forty years later both are still living on their family farms – practically door to door – instead of together in the same house. When a feud over a strip of land breaks out between the Reillys and the Muldoons, the chances for a late fairy tale end for Rosie and Anthony seem to tend towards zero. Will both eventually find a way for a happy future?

Characters
Tony, be sweet and gentle for a change.

Let us briefly introduce the four characters of the play to you: Tony Reilly, the 75 year old big boss and authoritarian father of Anthony does not think much of his over-sensitive son. He is keen on keeping his farm in the family after his death. Tony, a real farmer, has a strange sense of humour and could not care less about other people’s feelings.

Anthony Reilly, Tony’s offspring, is already 42, but still lives on his father’s farm. Unlike Tony, he is not particularly interested in raising cattle and sheep.

This is my last cigarette. I swear…

Rosemary Muldoon is an attractive headstrong woman who has been working on her parents’ farm since early childhood. Now, as an “old maid” at the age of 36 she is still waiting for Anthony to declare his love to her.

Aoife Muldoon, Rosemary’s mother, is a strong pragmatic woman. Recently widowed at the age of 70, her main drive is to secure her daughter’s future. Her whole adult life she and her husband Chris Muldoon have lived next door to the Reillys.

Tony, Anthony and the American nephew

In the first act we meet Tony and Anthony in the Reilly’s cozy yet a bit untidy kitchen when Aoife Muldoon arrives with daughter Rosemary on her heels. She is the spitting image of the old Queen Victoria, clad in black silk and walking with a cane. She has just returned from her husband’s funeral and now enjoys a cup of tea with Tony an Anthony. Tony being absolutely destitute of tact, states that a wife who has lost her husband will follow soon: “You’ll be dead in a year.” Anthony who is shocked by his father’s harsh words quickly intervenes: ”She will not.” But Aoife who is obviously cut from the same cloth as Tony affirms coolly that Tony is right and she will be dead in a year. “In half a year.” Tony must always have the last word. But Aoife has not come to Tony’s house to waist her time on trivia. Being a practical woman, she wants to know whether Tony will hand over his farm to Anthony after his demise as she intends to sign over the Muldoon’s farm to Rosemary. But Tony has not made up his mind yet and argues that Anthony is not a real Reilly but takes more after his mother’s side of the family, the Kellys. In his opinion he is not the right man for the job on the farm since he does not really love the land and the work on it. Tony prefers to sign over his farm to an American nephew rather than leave it to his son. However, he is not entitled to sell the land. Chris Muldoon’s will in which he handed over the plot of land to his daughter Rosemary blocks a sale. For that reason, Tony does not have a say in the matter. It is solely a matter between Rosemary and Anthony.

As time goes by

Years later when Aoife and Tony have long passed away, we are invited into Rosemary’s pretty drawing-room where she receives Anthony. She is now in her mid-thirties, more attractive than ever and still waiting for Anthony to declare his love to her. The odds are good. But will Anthony overcome his shyness and make the first step. Wait and see. The end of the play will surprise you.

Dad, I always tried to be a good son.

Conclusion: This “farmers’ tale” is as amusing as dramatic. A love story in which a man and a woman have to wait half their lives to find each other. We all know the truism that it is never too late to fall in love. While old stubborn Tony Reilly hindered the relationship between Rosemary and his son, Aoife always thought Anthony to be the perfect match for her daughter. As a very pragmatic person she considered two farms united better than a single one. What a clever woman whose ambitious plans proved right in the end.

Dear spectator, look forward to meeting Nora Connolly as witty, snappish Aoife Muldoon, Seamus Newham playing sly, feisty Tony Reilly, pretty red-haired Catherine Deevy in the role of vivacious headstrong Rosemary Muldoon and last but not least Brian Tynan as shy, introverted Anthony Reilly. A great performance with four Irish actors speaking their native idiom.

No accounting for taste

While Charles Isherwood for the New York Times praised John Patrick Shanley’s lyrical writing, Fintan O’Toole of the Irish Times wrote that for him “Outside Mullingar” was “mystifyingly awful” and “beyond the edge of awfulness.” The critic of “The Guardian” joined him in describing the play as an “overwrought comic romance.” What about the irresistible charm of the play, dear critics? It seems that both of you had a bad day when typing your reviews. After all – there’s no accounting for taste.

Final performance of “Outside Mullingar” on April 9, 2022. Tickets under phone number 040 – 227 70 89 or online under www.englishtheatre.de

Next premiere: “Don’t misunderstand me”, comedy by Patrick Cargill, on April 21, 2022

(Photos: Stefan Kock)

 

„Outside Mullingar“ von John Patrick Shanley – die neue Premiere am English Theatre of Hamburg

Möchte einer noch Tee?

Nach den temporeichen „39 Stufen“, die bis in den Januar liefen und das Publikum wochenlang in atemloser Spannung hielten, hat das Theater an der Mundsburg mit seinem neuen Stück eine gemächlichere Gangart eingeschlagen. „Outside Mullingar“ ist Clifford Deans neueste Regiearbeit an der Mundsburg. In dieser mit viel Sprachwitz und schwarzem Humor gewürzten bitter-süßen Komödie geht es um den Streit zweier in den irischen Midlands verwurzelter Familien um ein Stück Land. Eine an sich alltägliche Geschichte, die ihren Charme den dickköpfigen Protagonisten dieser Saga verdankt.

Das alte Lied: Keine der beiden Parteien ist willens, auch nur einen Millimeter auf die andere zuzugehen. Während die Alten miteinander im Clinch liegen, gleicht der Nachwuchs den beiden Königskindern, die nicht zu einander finden können, um sich ihre gegenseitige Liebe zu gestehen. Zum besseren Verständnis der Handlung stellen wir zunächst die vier Personen vor, die das geneigte Publikum zwei Stunden unterhalten.

Familienaufstellung
Tony, sei doch zur Abwechslung mal freundlich.

Da ist zunächst Tony Reilly, ein ebenso listiger wie temperamentvoller Mann von 75 Jahren, der seine Farm nach seinem Ableben unbedingt auch weiter im Familienbesitz wissen will. Tony irritiert seine Mitmenschen zuweilen mit seinem etwas abartigen Sinn für Humor.

Anthony Reilly, Tonys Sohn, ist aus ganz anderem Holz geschnitzt als sein Vater. Im Alter von 42 lebt der scheue Sonderling immer noch auf dem väterlichen Hof. Die Leidenschaft seines Vaters für die Vieh- und Schafzucht teilt er zum Leidwesen Tonys nicht. Anthony trauert immer noch seiner alten Liebe Fiona nach, die ihn einst verließ und die er nicht vergessen kann. Diese lange zurückliegende Kränkung hat seinen Blick dermaßen getrübt, dass er Rosemarys Avancen gar nicht bemerkt.

Der Gegenpart wird angeführt von Aoife Muldoon. Diese praktisch veranlagte 70jährige Matrone möchte ihrer Tochter eine gute Zukunft sichern. Aoife ist die Witwe Chris Muldoons, des gerade verblichenen langjährigen Nachbarn der Reillys.

Dies ist meine letzte Zigarette. Ehrenwort.

Bleibt noch die 36jährige Rosemary Muldoon, Aoifes eigensinnige Tochter. Sie ist seit ihrem sechsten Lebensjahr heimlich in Anthony verliebt und wartet hartnäckig darauf, dass der endlich ihre Gefühle erwidert.

Trennende Zäune und Streitigkeiten

Anthony Reilly und Rosemary Muldoony kennen sich seit frühester Kindheit. Beide trennen nicht nur Zäune, sondern immer wieder aufkeimende Streitigkeiten zwischen ihren Familien. Sie haben in ihrem Leben niemals die grüne Insel verlassen. Beide scheinen auf der heimatlichen Scholle festgewachsen zu sein. Hier auf dem Land reiht sich ein ereignisloser Tag an den anderen wie Perlen auf einer Schnur. Auf den ersten Blick scheint es, als wäre Rosemary gar nicht an dem Nachbarssohn interessiert. Doch im Stillen wartet sie seit einer gefühlten Ewigkeit darauf, dass Anthony sie endlich wahrnimmt und sich zu ihr bekennt. Rosemarys Mutter Aoife, die sonst das Gras wachsen hört, ist der Meinung, ihre Tochter mache sich nicht nur nichts aus Anthony, sondern lehne ihn schlichtweg ab, weil er sie in Kindertagen einmal sehr heftig „geschubst“ hatte.

Bewegung kommt in das tägliche Allerlei der beiden Familien, als Anthonys Vater andeutet, seinen Besitz einem entfernten Verwandten in Amerika zu überschreiben, da sein weltfremder Sprössling wenig Interesse an der Farm bekunde. Daraufhin bringt Rosemary sich in Stellung. Sie will dies um jeden Preis verhindern. Kann ihr mutiges Eintreten für Anthony sich am Ende als der Schlüssel zu beider Glück erweisen? Warten wir es ab.

Ein Ire kommt selten allein

Es ist ein Vergnügen, die vier Darsteller auf der Bühne agieren zu sehen. Alle sind waschechte Iren und sprechen in dem ihnen eigenen Idiom. Der Zuschauer muss schon die Ohren spitzen, um alle Feinheiten der zum Teil skurrilen Dialoge mitzubekommen.

Papa, ich wollte immer ein guter Sohn sein.

Während Aoife Muldoony (sensationell Nora Connolly), deren Habitus lebhaft an die alte Queen Victoria erinnert, zwar Tacheles redet, sich aber strikt an die Regeln des Anstands hält, lässt Tony Reilly (knorrig Seamus Newham) seinem Zynismus oft freien Lauf, ohne Rücksicht auf die Gefühle der anderen. Rosemary spielt die zupackende Tochter aus bäuerlicher Familie, die keine Scheu hat, Schaufel und Mistgabel anzufassen. Sie wird von Catherine Deevy verkörpert. Die lebhafte Aktrice mit der flammend roten Mähne erinnert an ihre Landsmännin Maureen O’Hara, die in den vierziger und fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Hollywood Furore machte. Sympathisch kommt Brian Tyman rüber, der den etwas verklemmten Anthony Reilly überzeugend darstellt.

Kritiker sind selten einer Meinung

Eine Reihe von Kritikern hat „Outside Mullingar“ euphorisch als eine Art Synthese aus „Doubt“ (Zweifel) und „Moonstruck“ (Mondsüchtig) beschrieben. Hier gehen die Meinungen allerdings weit auseinander. Während die New York Times schwärmt, dies sei John Patrick Shanleys bestes Theaterstück, verreißt der Rezensent der Irish Times dieses Werk mit den Worten „absolut grauenvoll. Eher noch darunter.“

Fest steht, dass sämtliche Werke des 1950 in der Bronx geborenen amerikanischen Autors mit unverkennbar irischen Wurzeln im Handumdrehen zu internationalen Erfolgen wurden. Auch Hollywood riss sich um die Rechte und verfilmte sowohl „Doubt“ und „Moonstruck“ als auch „Outside Mullingar“ mit Starbesetzung. Man denke nur an Meryl Streeps grandiose schauspielerische Leistung in „Doubt.“

Das Schlusswort überlassen wir dem großen George Bernhard Shaw, der einmal sinngemäß meinte, ohne die genialen irischen Autoren tauge die englische Literatur bestenfalls die Hälfte. Wenn diese Aussage auch stark übertrieben ist, müssen wir einräumen, dass JBS nicht ganz unrecht hat. Denn waren nicht auch Jonathan Swift, Oscar Wilde, James Joyce, William Butler und Brendan Behan Iren, die die englischsprachige Literatur bis auf den heutigen Tag bereichern?

„Outside Mullingar“ läuft bis einschließlich 9. April 2022. Tickets unter der Telefonnummer 040 – 227 70 89 oder online unter www.englishtheatre.de

Nächste Premiere: „Don’t missunderstand me“, Komödie von Patrick Cargill, am 21. April 2022

(Fotos: Stefan Kock)

Herz schlägt Krieg: Eine Familiengeschichte aus erster Hand

Hilde Niggetiet Foto: privat

Im ersten Teil seiner zweibändigen Familiensaga führt Jörg Krämer seine Leser in die Welt des Bergbaus im Ruhrgebiet im Jahr 1865. Der Bergmann Johannes Biel und seine Frau Wilhelmine leben in sehr einfachen Verhältnissen und mit harter Arbeit. Acht Kinder ziehen sie liebevoll groß und freuen sich an den kleinen Dingen.

Jörg Krämer erzählt die Geschichte handlungsorientiert und direkt, man ist sofort in das Geschehen eingebunden. Faszinierend ist der Einblick in eine untergegangene Welt ohne Handy, Fernsehen und Multimedia, dafür mit Arbeit bis über die eigenen körperlichen und seelischen Grenzen hinweg. Da sitzt die Frau zu Hause und bangt, weil der Bergmann nicht zur gewohnten Zeit erscheint. Heute würde man eben anrufen. Kinder werden nicht zur Schule gefahren, sondern müssen weite Wege zu Fuß zurücklegen. Jüngere Geschwister tragen die Kleidung der älteren auf.

Foto: Pavlofox/Pixabay

Die Geschichte spielt in der Zeitspanne von 1865 bis 2001, auf knapp über 600 Buchseiten in zwei Bänden („Im Schatten von Schlägel und Eisen“ und „Herz schlägt Krieg“, beide im net-Verlag erschienen). Sie konzentriert sich in der Erzählweise vor allem auf den chronologischen Ablauf und die Personen. Bedingt durch die große Familie kommen viele verschiedene Personen vor, was teilweise etwas verwirrend ist. Im zweiten Teil ist am Ende ein Personenverzeichnis eingefügt, das einige Orientierung bietet.

Eigenhändige Aufzeichnungen der Großmutter

Hat Jörg Krämer den ersten Teil in Autorenperspektive als Roman geschrieben, so tritt der Autor im zweiten Teil ganz hinter der Erzählstimme Hilde Niggetiets – seiner Großmutter – zurück. Die Erzählung wechselt in die Ich-Perspektive und einen Tagebuchstil. Das bringt einige Sprünge im Erzählfluss mit sich, die nicht literarisch bearbeitet wurden; womöglich, um den authentischen Bericht der Protagonistin nicht zu verfälschen. Nun hat es durchaus etwas für sich, einen Menschen des Jahrgangs 1910 in seiner eigenen Sprache erzählen zu lassen. Die Ich-Form berührt direkt, vor allem in den schweren Phasen der Armut und des Krieges, und die aus anderen Zeitzeugenberichten bekannten Motive wie Kinderlandverschickung und Hamstertouren werden durch die eigenen Erlebnisse sehr lebendig. Durch Hilde Niggetiets eher sachlich-zurückhaltenden Stil sind einige Szenen besonders verstärkt, wenn sie beispielsweise berichtet, wie ihrer Tochter Edith nach der Zangengeburt des ersten Kindes die Beine zusammengebunden wurden, damit die Nähte nicht rissen.

Mit Blick auf das Positive
Foto: Congerdesign/Pixabay

Berührend ist auch, wie die Erzählerin sich bemüht, möglichst viel Positives zu berichten. Immer wieder kommentiert sie ihre Ausführungen selbst in dem Sinne, dass sie dem Schweren nicht zu viel Raum geben möchte. Eine Haltung, die mich an meine Großeltern (Jahrgang 1920) erinnert. Und wie konnte diese Generation auch anders überleben als durch Verdrängung? Meine Großmutter sagte in schweren Zeiten immer, man solle sich nur Schönes ansehen. Und so ist auch in der Familie des Autors Jörg Krämer der Blick eher auf das Schöne als auf das Schlimme gerichtet, und das bei Schicksalsschlägen, die mir beim Lesen manchmal den Atem verschlagen haben. Irgendwie muss es weitergehen, so ist das Motto, und es geht auch weiter, irgendwie. Männer schuften in der Zeche und leisten sich vielleicht ein bescheidenes Hobby wie die Taubenzucht, Frauen schuften zu Hause, zu Anfang von Krämers Geschichte ohne Waschmaschine und mit Wasser auf dem Kohleherd. In jeder freien Minuten scheinen die Frauen der Familie feinste Handarbeiten herzustellen, denn Schönheit war ihnen durchaus wichtig, und da sie nichts kaufen konnten, stickten, häkelten, nähten und strickten sie eben alles selbst und freuten sich daran. Der Einblick in diese Welt, auch in die Fertigkeiten der Menschen, in das Bemühen um Frieden und liebevolles Miteinander, ist sehr anrührend. Manches Wort, wie z. B. „Gabelarbeit“ (eine Häkeltechnik), musste ich nachschlagen. Nicht nur eine untergegangene Welt, auch untergegangene Worte finden sich in Jörg Krämers Familiensaga.

Gleichwohl birgt die tagebuchartige Erzählweise die Gefahr, dass man als Leser mit einigen Sprüngen zwischen Personen nicht mehr nachkommt. Auch wenn es noch schwieriger gewesen wäre, als es vermutlich ohnehin schon war, so einen langen Zeitraum in zwei Büchern unterzubringen, habe ich teilweise im ersten Teil ein Verweilen bei einzelnen Personen vermisst. Im zweiten Teil wäre es vielleicht einen Versuch wert gewesen, behutsam in den Tagebuchstil einzugreifen und ihn mit romanhaften Verbindungen zu ergänzen; allerdings ist es verständlich, wenn der Autor dies aus Gründen der Authentizität unterlassen hat.

Spannung aus vergangenen Zeiten
Foto: Uki_71/Pixabay

Wie auch immer: Eine spannend erzählte Geschichte ist es allemal, man wird als Leser etwas daraus mitnehmen, sei es die eine oder andere Information, wie man „damals“ und speziell in der Bergbau-Welt – die es wohl bald gar nicht mehr geben wird – gelebt hat; sei es ein Einblick in das Seelenleben einer Generation, die sich mit existenziellen Fragen tagtäglich buchstäblich abarbeiten musste und das Wohl der Familie über alles stellte, was mir beim Betrachten unserer heutigen Gesellschaft durchaus den einen oder anderen Denkimpuls gibt. Jörg Krämer hat ein Zeitzeugendokument geschaffen und dabei seiner Großmutter eine Stimme verliehen. Sie beschreibt an einer Stelle, dass es ihm als Oberschüler an Ehrgeiz gemangelt hätte (S. 239, „Herz schlägt Krieg“). Das muss sich später allerdings gründlich geändert haben, denn ohne Ehrgeiz ist so eine Recherche und Romanarbeit kaum zu bewerkstelligen.

 

Über den Autor:
Jörg Krämer Foto: privat

Jörg Krämer, Autor und Taekwondoin, wurde 1966 in Witten geboren, wo er gemeinsam mit seiner Familie lebt. Die Liebe zum Schreiben entdeckte er durch seinen Hund Odin, über dessen Rasse Germanischer Bärenhund er bereits ein Buch schrieb. Oft spielt in seinen Geschichten ein Germanischer Bärenhund mit.

Jörg Krämers Seite in unserem Online-Magazin

 

Die Familiensaga entstand in der Zeit von 2013 bis 2017 und basiert auf handschriftlichen Aufzeichnungen der Hauptfigur Hilde Niggetiet sowie deren Aufnahmen auf Kassette. Dabei war es Jörg Krämer wichtig, den authentischen Originaltext für die Nachwelt zu erhalten.

 

Knüppelfreitag: Schlacht am Zaailand vor 70 Jahren

Foto: Piet van de Wiel/Pixabay

Am sogenannten Knüppelfreitag (Kneppelfreed), dem 16. November 1951, fand die sogenannte Schlacht am Zaailand statt. „Zaailand“ ist der inoffizielle Name eines Marktplatzes in Leeuwarden (Ljouwert). Und Leeuwarden ist der Verwaltungssitz der niederländischen Provinz Friesland (Fryslân).

Zur Schlacht am Zaailand wäre es nicht gekommen, wenn nicht an jenem Freitag in dem an den Marktplatz grenzenden Gerichtsgebäude ein Prozess gegen Fedde Schurer stattgefunden hätte. Der friesische Journalist, Schriftsteller und Politiker musste sich wegen Beleidigung eines Richters verantworten. Er hatte in einem friesischsprachigen Leitartikel der Tageszeitung „Heerenvense Koerier“, deren Chefredakteur er war, Mijnheer Wolthers’ Amtsführung als „kindisch und schikanös“ kritisiert. Er hatte seine Gründe. Wolthers war wiederholt als friesenfeindlich aufgefallen. Einmal hatte er einen Milchmann verurteilt, weil dieser Ware nur auf Friesisch ausgezeichnet hatte. Ein andermal machte er es einem wegen eines Verkehrsdelikts vor dem Kadi stehenden Tierarzt unmöglich, sich auf Friesisch zu verteidigen.

Als zusätzliche Schikane wurde es empfunden, dass für die Gerichtsverhandlung ein kleiner Saal gewählt wurde mit der fadenscheinigen Begründung, Heizöl sparen zu wollen. So sammelten sich Schurers zahlreiche Sympathisanten, die im Gerichtssaal keinen Platz bekommen hatten, vor dem Gerichtsgebäude und skandierten öffentlich: „Wir wollen Schurer sehen!“ Da gerade Markt war, der Platz entsprechend belebt und auch die Presse an dem Sprachenstreit großes Interesse zeigte, wuchs die Menge vor dem Gerichtsgebäude schnell an.

Die zuständige Staatsanwaltschaft hatte damit nicht gerechnet und zeigte Nerven. Sie ließ den Platz von der Polizei mit Gewalt räumen. Knüppel kamen dabei ebenso zum Einsatz wie Wasserschläuche. Zusätzliches Öl goss die Staatsanwaltschaft ins Feuer, indem sie anschließend auf ein anonymes Protestpamphlet mit einer nächtlichen Razzia reagierte, in deren Verlauf Minderjährige aus ihren Betten gezerrt wurden.

Das löste eine Welle der Solidarität aus, nicht nur in Friesland. Die Obrigkeit sah sich gezwungen, zurückzurudern, die Regierung Schadensbegrenzung zu üben. So wurden den Friesen in den Niederlanden Zugeständnisse gemacht, die ohne den Knüppelfreitag möglicherweise nie oder erst später gemacht worden wären.

Manifest der deutschsprachigen Ikigai-Lyrik

Laotse, chin. Philosoph
Foto: Gontran Peer

Unsere Gegenwart ist die Zeit der geistig-seelischen Wende, für jeden von uns daher auch lebensentscheidend. Die Spiritualität findet im Alltag und im Leben jedes einzelnen Menschen jene Aufmerksamkeit, die diese Welt ins Positive verändern wird.

Das wahre Leben kennt nur Gegenwart, Harmonie, Licht, Liebe, Glückseligkeit, Wahrheit und Unschuld. Das wissen wir Menschen – egal, wo wir uns auf diesem Planeten befinden. Wir Menschen haben all das sogar in unseren Seelen gespeichert, wollen es allerdings nicht immer oder nur teilweise wahrnehmen und wahrhaben und vor allem nicht in die Tat umsetzen.

Deshalb sollte es wieder zur prioritären Aufgabe aller Kunstbereiche werden, Hilfe zu leisten und die Menschen auf die spirituellen Werte des Lebens hinzuweisen. Demzufolge spricht sich jetzt der Urheber dieses Manifests ganz klar für das Ikigai als Ziel eines kollektiven Glücks aus.

Eine japanische Lebensphilosophie

Das Ikigai ist eine japanische Lebensphilosophie, und Ziel des Autors dieses Manifests ist es, auch für die deutschsprachige Lyrik den japanischen Namen IKIGAI zu übernehmen.

Ikigai ist ein japanisches Wort und bedeutet auf Deutsch so viel wie Lebenssinn, Freude oder Wert des Lebens. “Iki” bedeutet Leben und “gai” Wert. Ikigai ist auch bewusste Wahrnehmung sowie Selbstfindung und Selbstverwirklichung jenes Wesens, das man selbst ist.

Im Wort Ikigai ist schon alles enthalten, wonach der Mensch streben und auch suchen sollte: das eigene und das kollektive Glück.

Die Suche nach dem Ikigai ist ein Prozess innerhalb einer Vielfalt von Existenzen.

Die Ikigai Lebensphilosophie will sich jetzt ganz sicher nicht zufällig im deutschen Sprachraum verbreiten, sondern aus der bereits genannten spirituellen Notwendigkeit des einundzwanzigsten Jahrhunderts heraus.

Das Ikigai will sich als literarische, aber noch mehr als spirituelle Strömung der japa- nischen Kurzlyrik in deutscher Sprache durchsetzen. Es ist deshalb also nicht nur eine lyrische Gattung oder Form, sondern eine Lebenseinstellung, ein Lebensweg und ein Lebensauftrag, welche sich einiger japanischen Kurzlyrikformen und Kurzlyrikgattungen bedienen.

Das Ikigai bezieht sich vor allem auf die japanischen Lyrikformen und Gattungen wie Haiku, Senryu, Haibun, Haiga und Tanka, die im deutschen Sprachraum seit dem zwanzigsten Jahrhundert – sei es in japanischer Sprache als Original, als auch in deutscher Sprache als Übersetzung oder als Neuschaffung – in Erscheinung treten.

Ikigai ist nichts Geringeres als das allumfassende essenzielle Thema, um welches sich das ganze Leben dreht.

Ikigai ist also ein Sammelbegriff. Alle in diesem literarischen Manifest genannten japanischen Lyrikgattungen und Formen in deutscher Sprache dienen dem Ziel des kollektiven Glücks und werden hier deshalb als Ikigai bezeichnet.

Alles ist und hat Ikigai

Der Verfasser des Manifests will sogar von der grundlegenden Erkenntnis ausgehen: Alles ist und hat Ikigai, und jeder ist und hat Ikigai.

Die deutschsprachige Ikigai Kurzlyrik nach japanischem Vorbild will nach dem Wert des Lebens, also nach dem kollektiven Glück suchen und in diesem Zusammenhang und Kontext an die japanische literarische Blütezeit in der Edo-Periode anknüpfen.

Religionen, Philosophien und Denkweisen wie Shintoismus, Taoismus, Konfuzismus, Buddhismus und vor allem Zen-Buddhismus sollen das deutschsprachige Ikigai unterstützen.

Die deutschsprachigen lyrischen Ikigai Dichtungen nach japanischem Vorbild sind einerseits ausgesprochen der japanischen Tradition verpflichtet, andererseits aber auch der japanischen Moderne.

Da für jeden Ikigai-Dichter der Ausgangspunkt seiner Lyrik seine gegenwärtig geistig-seelische Ebene ist und das Ikigai sein sich gesetztes Ziel, darf die deutsch-sprachige Ikigai Dichtung nicht als spirituell vollkommenes Werk verstanden werden.

Der Frosch ist in Japan ein Glücksbringer.
Foto: Gontran Peer

Dem Ikigai-Dichter muss es darum gehen, dass die Natur, die Umwelt sowie die Mitmenschen an seinem Alltag sowie an seinem inneren Leben vollkommen teilhaben können – um zu erreichen, dass er in einem immer umfassenderen Bewusstseinzustand die Freiheit des Geistes, also das Glück schrittweise für sich findet und es dann anderen Menschen weitergeben kann.

Der verantwortungsvolle Auftrag sowie die besondere, große Aufgabe des Ikigai-Dichters besteht darin, seine Leser sowie Zuhörer durch seine Lyrik schrittweise zum geistig-seelischen Glück zu verhelfen.

Das ist die Gegenwart, das ist die Wende. Es lebe hoch die Gegenwart – und hoch lebe die Wende!

Ebenda im einundzwanzigsten Jahr des einundzwanzigsten Jahrhunderts

Wallis, Herzogin von Windsor: Sie kostete ihren Ehemann die Krone

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wallis_Simpson_-1936.JPG

Vor 125 Jahren wurde die Gattin des britischen Königs Eduard VIII., eines Onkels Königin Elisabeths II., geboren
Nach mehr als sieben Jahrzehnten endete vor wenigen Wochen die Ehe der britischen Königin Elisabeth II. durch den viel betrauerten Tod Prinz Philips. Der Duke of Edinburgh wurde mit allen Ehren, die angesichts von Corona medizinisch vertretbar erschienen, beigesetzt. Dabei war Elisabeths Wahl anfänglich nicht unumstritten gewesen. Philip hatte kein Vermögen, war im Ausland geboren, und seine Schwestern waren mit deutschen Adligen, darunter ein SS-Oberführer, verheiratet. In dieser Situation soll Elisabeth gedroht haben, dass sie es notfalls wie ihr Onkel Eduard machen würde. Der hatte für die Liebe auf die Krone verzichtet, die Liebe zu Wallis Simpson.

Aus bescheidenen Verhältnissen

Wie Philip kam auch Bessie Wallis Warfield, so der Mädchenname, aus vergleichsweise bescheidenen Verhältnissen und außerhalb des Empires zur Welt. Vor 125 Jahren, am 19. Juni 1896, wurde die US-Amerikanerin in Blue Ridge Summit im Bundesstaat Pennsylvania geboren. Schon wenige Monate nach ihrer Geburt starb der Vater, und das Einzelkind war mit seiner Mutter auf die Unterstützung wohlhabender Verwandter angewiesen.

Wie bei Camilla Parker Bowles und Prinz Charles wurde auch bei Wallis und Eduard die Beziehung dadurch verkompliziert, dass die Frauen zum einen bürgerlich und zum anderen geschieden waren, Wallis sogar zwei Mal. 1920 heiratete sie zum ersten Mal, den Leutnant des Marinefliegerkorps Earl Winfried Spencer. Die Ehe mit dem Alkoholiker wurde 1925 geschieden. Sie begann eine Affäre mit dem verheirateten Teilhaber der Maklerfirma Baltic Exchange in London, Ernest Aldrich Simpson, die 1928 in eine zweite Ehe mündete.

1936 wurde zum Schicksalsjahr

1931 lernte sie den damaligen Prince of Wales Eduard kennen. Die beiden kamen sich näher. 1936 wurde für beide zum Schicksalsjahr. Im Januar wurde Eduard in der Nachfolge seines verstorbenen Vaters Georg V. König von Großbritannien. Im Oktober wurde Wallis’ zweite Ehe geschieden. Und im November teilte Eduard VIII. seinem Premier mit, dass er Wallis zu heiraten plane. Dieser Plan stieß in Politik, Kirche und Medien jedoch auf derart viel Kritik und Widerstand, dass der König sich vor die Wahl gestellt sah zwischen Wallis und dem Thron. Er entschied sich für Wallis. Insofern kostete Wallis ihn die Krone. Eine andere Frage ist, ob sie ihn auch die Krone gekostet hätte, wenn Eduard so wenig deutsch- und italienfreundlich gewesen wäre wie sein jüngerer Bruder und Nachfolger Georg VI.

Durch Eduards Abdankung vom 10. Dezember 1936 wurde aus ihm der Herzog of Windsor und durch seine Eheschließung vom 3. Juni 1937 aus Wallis die Duchess of Windsor. Zum Zeitpunkt der Eheschließung waren die beiden bereits im französischen Exil.

Die beiden waren zwar jetzt zusammen, aber ihr weiteres Leben wirkt geprägt durch eine Sinnkrise. Sie führten ein luxuriöses Leben, fanden aber anscheinend keinen Ruhepunkt, keine neue Heimat. Ihnen fehlte augenscheinlich eine sinnstiftende Aufgabe. Die Ehe blieb kinderlos, und auch beruflich fand das Paar nichts Erfüllendes. Zerbrochen ist die Beziehung daran jedoch nicht. Die Ehe endete durch den Tod Eduards am 28. Mai 1972 in Paris. Knapp eineinhalb Jahrzehnte darauf, am 24. April 1986, starb auch die Herzogin von Windsor in der französischen Hauptstadt.

Dieser Artikel erschien bereits in der PAZ Preußische Allgemeine Zeitung.

Corona, Cofefe oder guten Morgen Bruno Gröning

Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht
Bild: Reimer Boy Eilers

#Staywoke. Corona ist genauso wie Cofefe. Experten versuchen sich an Erklärungen, doch wir Alltagsmenschen schütteln erst einmal den Kopf und fragen uns einfach: Wie konnte das geschehen? Will man Corona verstehen, ist es durchaus hilfreich, sich Cofefe anzuschauen. Beide waren bis vor kurzem völlig unbekannt, dann erschienen sie am Horizont unserer Wahrnehmung und warteten nicht lange. Sie verbreiteten sich mit viralem Tempo über den Planeten.

Corona kam aus Wuhan zu uns, genauer, vom dortigen Wildtier-Großmarkt, Cofefe entwich dem Weißen Haus. Corona ist ein Lebewesen, Cofefe seine Parallele im Wortreich, es ist ein Wortwesen. Genauer gesagt, ist Cofefe eine Mutation des Wortes Covfefe – von Donald Trump, am 31. Mai 2017, um sechs Minuten nach Mitternacht mit einem Tweet in die Welt gesetzt. Er twitterte: „Despite the constant negative press covfefe.“ Trotz der ständig negativen Presse Covfefe.

Als ich jünger war, hörten wir den Song: „Am 30. Mai ist der Weltuntergang, wir leben nicht mehr lang, wir leben nicht mehr lang …“ Nun ja, mit dem 31. sind wir noch einmal haarscharf davongekommen, sieben Minuten trennten uns vom ominösen Vortag, aber alles ist in der Pandemie mit allem verknüpft, natürlich ist nicht nur der Tag, sondern auch die Uhrzeit für die Geburt von Covfefe von Belang, um Mitternacht, wenn der Schadenszauber seine Flügel breitet und die bösen Wünsche fliegen. Coronas Geburt liegt leider noch ein wenig im Ungefähren, doch ich würde drauf wetten, dass sie an einem der Weihnachtstage des Jahres 2019 „um Mitternacht“ geschah.

Wundern sollte sich niemand über die Parallelen im Wort- und Virenreich. Die Variante Cofefe ist eine Optimierung unter rein virologischen und pandemischen Aspekten. Die Mutation hat sich dem Menschen angepasst, sie geht glatter über die Zunge und hilft damit ihrer Verbreitung. Als Internet Meme verteilten sich beide Varianten augenblicks im digitalen Universum.

Bleiben wir noch einen Moment bei der Geburt. Sie ist etwas sehr anderes als die Verbreitung. Zuschlagen kann das Virus an jeden Ort und in den unterschiedlichsten Situationen. Wir alle sind das Zielobjekt viraler Attacken, in diesem Text künftig Ziviatt genannt. Doch die Geburt des Virus verlangt nach sehr besonderen Umständen. Nötig ist ein ungesundes wuseliges Treibhausklima voller divergentem menschlichen Verhalten, das in Endlosschleifen und auf engstem Raum um sich selber kreist und auf keine guten Ratschläge hört. Mit anderen Worten, es ist ein soziales Rührwerk, das als perfekter Brutreaktor fungiert. Ob Wildtiermarkt in Wuhan oder Weißes Haus unter Trump, aus virologischer Sicht konstatiert das aufgeschreckte Ziviatt: Passt schon! Wie rührend ist das denn? Fuck …

Fledermäuse und Schuppentiere

Apropos chinesischer Wildtiermarkt, da haben wir uns also einen großen Grabbeltisch mit Shopping zwischen Fledermäusen und Schuppentieren vorzustellen. Es heißt von berufener Seite, dass Artensterben, Umweltverschmutzung und Klimawandel das Virus begünstigen, wenn es im Begriff steht, vom Tier auf den Menschen überzuspringen. Im Weißen Haus sind das alles in den letzten Jahren Gähnthemen gewesen: entweder es gibt sie nicht oder nicht so wichtig. Vielleicht ist Cofefe also einfach ein Gruß von einem Viren-Hotspot zum anderen. Hi, Wuhan! Hau rein! Cofefe! Mir gefällt diese Erklärung.

Nun könnte ein allzu kluger Kopf oder sagen wir gleich, ein Schlaumeier, einwenden: Wie kann das angehen, wenn zwischen Cofefe und Wuhan zwei Jahre liegen? Aber das ist Old School, zu jeder Pandemie gehören alternative Fakten, und ich hege die Vorstellung, dass beide lange voneinander ahnten, Wuhan und das Weiße Haus. Manchmal brauchen Grüße so lange, um anzukommen, dann werden sie umso mehr geschätzt. Cofefe!

Natürlich wird der Betreiber eines sozialen Rührwerks, dem ein Virus entfleucht ist, das niemals zugeben. Hat man jemals von einem Beteiligten an einer Wirtshausschlägerei gehört, der gesagt hätte: Hallo, ich war’s! Ich habe angefangen. Die ganzen ausgeschlagenen Zähne nehme ich auf meine Kappe … Das wäre wohl ein Wunder. In Wuhan wurde der Arzt, der als erster auf Corona hingewiesen hatte, von den Behörden schikaniert. Als ob Shakespeare seine Hand im Spiel gehabt hätte, ist er am Ende sogar an dem Virus gestorben. Wir wollen ihn nicht vergessen, sondern ihn im Abspann nennen, Li Wenliang wurde nur 34 Jahre alt.

Den chinesischen Autoritäten hat das Leugnen wenig genützt. Wuhan wurde zur Geisterstadt. Auf den Intensivstationen brachen Ärzte vor Erschöpfung zusammen. Die ganze Welt mühte sich, ihre Grenzen vor dem Unheil aus Wuhan zu schließen.

Virenpate Donald Trump verfolgte eine andere Strategie. Er leugnete zwar nicht die Existenz von Cofefe, das wäre angesichts der massenhaften Retweets auch schlecht gegangen, aber er deutete seine Natur um und sprach von einem durchaus normalen Wort. Kein Keimling also – und basta! Ein Wort ohne Risiken und Nebenwirkungen. Mit dieser Botschaft schickte er seinen Pressesprecher ins Getümmel. Die Stimme des Weißen Hauses, Sean Spicer, sagte am Tag nach dem Tweet bei einem Journalistenbriefing: „Der Präsident und ein kleiner Personenkreis wissen ganz genau, was er gemeint hat.“

Mein Versuch, Cofefe zu deuten, ist nur einer unter vielen. Und da bin ich keineswegs traurig drum, im Gegenteil, die Welt der Viren ist bunt, wenngleich nicht immer zur Freude des menschliches Auges. Eine Unzahl von Ziviatten hat sich mittlerweile ihre eigenen Gedanken gemacht, viele haben ihren Weg ins Urban Dictionary gefunden. Für mich ist es also der Gruß rüber nach Wuhan. Beliebt im Netz sind auch folgende Auslegungen des Memes:

Der Versuch, klug rüberzukommen, wenn du nicht weißt, was Sache ist

Beispiel: Ich habe dem Robert-Koch-Institut grundlegende Fehler nachgewiesen, alles Cofefe.
Die Welt mit Tippfehlern ablenken, während man ihr gehörig eins auswischt.
Beispiel: Das Pariser Klimaabkommen ist heiße Luft. Wir bauen zehn neue Kohlekraftwerke. Cofefe!
Der Versuch, den Antichrist und seine Helfershelfer anzurufen.
Beispiel: Ich bin die Stimme der Bewegung. Fort mit der Lügenpresse! Pandemie? Bullshit. Ich kann es richten. Cofefe!

Was lernt der Ziviatt noch von Cofefe? Eine der förderlichsten Umweltbedingungen für seine Verbreitung liegt im sturen, uneinsichtigen, besserwisserischen und testosterongetränkten Verhalten seines Trägers. Insofern kann das Wortvirus seinem Geschick nicht genug danken, dass es auf den Potus Trump traf. (Potus hört sich irgendwie wie ein neuer Virus an, meint aber nur President of the United States.) Wäre Cofefe stattdessen einem Tweet von Joe Biden entfleucht, und der neue Präsident hätte gegrinst und gesagt: „Sorry, hab mich vertippt.“ – das Wortvirus wäre augenblicks wieder aus dieser Welt verschwunden. Trump dagegen, großmäulig wie ein Megaphon und unfähig, auch nur den kleinsten Fehler einzugestehen, war der ideale Superspreader.

Reisen wir mit den Viren von Wuhan übers Weiße Haus nach Deutschland. Die Corona-Pandemie, sagt die Kanzlerin, ist die größte Herausforderung für unsere Gesellschaft seit dem Zweiten Weltkrieg. Angela Merkel ist eine kluge Frau, und deshalb tun wir gut daran, uns in diese Epoche zu begeben und zu gucken, ob sie uns etwas zur Erhellung unserer Zeiten zu sagen hat. Was hat die Verheerung der Gesellschaft nach 1945 in den Köpfen ihrer Menschen bewirkt? Es muss nicht immer Pest und Mittelalter sein, auf die wir als Mahnung panisch und pandemisch schauen.

Wenn die Realität keinen Sinn mehr macht, flüchtet man aus ihr. Auf Dauer ist das womöglich unklug, doch über kurze Frist leuchtet es durchaus ein. Die hellsichtige – Hellseherin? – Hannah Arendt beschrieb den Urlaub von der Wirklichkeit, den sich viele Deutsche nach dem verlorenen Krieg nahmen, sie hatten einfach keinen Bock mehr darauf, „zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden“. Wer wollte schon dem Schrecken, den die Deutschen angerichtet hatten, und dem Elend, das dann folgte, unverblümt ins Auge sehen? Nö, man hatte nichts gewusst, und schuld war man schon gar nicht.

Da hatte parallel zu Wirtschaftswunderzeiten eher der Wunderheiler Bruno Gröning Konjunktur. Seine Diagnose: „Jedes Wohnhaus ist ein Krankenhaus.“

Hexenverfolgung und Marienerscheinungen

Und damit hatte er vermutlich recht, jenseits der Spekulation auf einen großen Markt für seine Kunst. Oder hatte der Nationalsozialismus etwa nicht die Seelen der Deutschen zerstört? Die amerikanische Historikerin Monica Black von der University of Tennessee, die zu Bruno Gröning geforscht hat, berichtet, dass die Zahl der Hexenverfolgungen und Marienerscheinungen im Nachkriegsdeutschland rasant anstieg. Da füllte der deutsche Medicus des Supranaturalen, des Übernatürlichen, eine schmerzliche Lücke. Bruno Gröning konnte einen göttlichen „Heilfluss“, den er als Alternative zum herrschenden Elend versprach, in Richtung Seelenkur lenken. Seinen unübersehbaren Kropf verstand er selbst als „Schwellung durch ebendiese Kraft“. Der Heilfluss strömt bis heute. Immer noch besteht der Bruno-Gröning-Freundeskreis und rührt im Heilenden. Cofefe!

Wenn die Situation in einem Land allzu brenzlig wird, ist es quasi zwangsläufig, auf die Frage nach den Fakten ein übel riechendes Häuflein zu setzen und sich erfreulicheren Fantasien zuzuwenden. Ein berühmter Vorgänger und geistiger Ziehvater des Trumpschen Pressesprechers Sean Spicer war Comical Ali, wie ihn die Weltgemeinschaft taufte. Spicers Kollege befand sich seinerzeit, es war 2003, in Diensten von Saddam Hussein. Als die amerikanischen Truppen bei der Invasion des Iraks unmittelbar vor der Hauptstadt standen, erklärte der Informationsminister Mohammed Saif al-Sahaf aka Comical Ali: „Bagdad ist sicher. Die Ungläubigen begehen zu Hunderten Selbstmord vor den Toren der Stadt.“ Sehr komisch, aber oho!

Und nun von dem Ausflug in die Weltpolitik wieder zu uns nach Hause. Das Ziviatt ist durch zwei Eigenschaften gekennzeichnet: seine Verwundbarkeit und seine Angst. Beides ist natürlich miteinander verschränkt und führt über die schlechte Laune und schlechtes Benehmen in die Depression. Was kann der Mensch tun, um sich besser zu fühlen? Verdammt, dieses Virus ist so was von Cofefe! Ich respektiere das. Der Reiche hat objektive Möglichkeiten, nehmen wir als kulturelles Paradigma nur das florentinische Dekameron. Wer Ressourcen hat, kann sich isolieren, ohne groß auf Annehmlichkeiten zu verzichten. Er kann sich dabei sogar gut unterhalten.

Das schlechtbemittelte Ziviatt wird in das Reich der Wünsche und der Magie ausweichen. Entweder spielen wir die Gefahr des Virus herunter oder wir erhöhen auf spirituelle Weise unsere Unverwundbarkeit, am besten wirkt eine Kombination von beidem. Und bloß keine Maske tragen! Denn damit konstatiert das Ziviatt nur in aller Öffentlichkeit das Gegenteil. Der Maskenträger symbolisiert nichts als Stress und eigene Verwundbarkeit. Man wird ihn für krank und gefährlich halten. Das macht aggressiv, das Ziviatt möchte im Angesicht der Maske spucken wie ein Lama.

#Staywoke. Was lernen wir daraus? Das Ziviatt tröstet sich mit einer gesicherten Erkenntnis. Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Comical Ali daher. Cofefe!

 

 

THE ENGLISH THEATRE SUMMER FESTIVAL

Poster (c) ETH

The English Theatre of Hamburg is finally opening again and invites its guests to its most inspiring SUMMER FESTIVAL.
Please read the message:

Dear guests,
we are finally opening again! And not only that – we are more than happy to announce the first ever THE ENGLISH THEATRE SUMMER FESTIVAL, It will be held between the 2nd of June to the 14th of August. After that our scheduled new season in September will commence.

50 Shades of Fairytales poster c) ETH

The programme for our Summer Festival is packed with exciting performances covering everything from plays to galas and special professional impro shows! Ticket sales already started on June 14. Subscribers can redeem their existing subscription vouchers for the Summer Festival. Please do so via phone, by mail, in person at the box office or online. Our box office already opened on June 14 and will be open daily from Mondays to Fridays from 10:00 to 14:00. It also opens Tuesdays and Sundays from 15:30 to 19:30. We are looking forward to seeing you again very soon.

Tickets under phone number 040 – 227 70 89, online www.englishtheatre. de

The Summer Festival programme is very rich and diversified. Just have a look and make your choice.

The Summer Festival programme
FLOY (photo by Svea Ingwersen)

While “The Barbra Streisand Songbook” starring Suzanne Dowaliby will be performed on July 17 and 18, “Me, Myself and Janis Joplin” starring Floy is scheduled for July 20 to July 25. Two one-woman-shows starring two well-known actresses will convince you of their exceptional talent in the parts of Streisand and Joplin. Also don’t miss

English Lovers” and enjoy finest high quality impro theatre at its best on August 3 to August 8. And come to see “HAP”, world premiere of BAFTA awarded playwright John Foster, from 27 July to 1 August. Here’s a brief summery of the plot: Meet Hap. Despite all attempts to be a miserablist she can’t ever be unhappy. Unhappy, at being happy, she visits Doctor Marples seeking a cure. Doctor Marples, herself desperate for joy doesn’t know how to be happy. This hilarious and quirky comedy about our modern obsession with the pursuit of happiness, shows two very different , city-slicker women on either end of the slippery therapist’s couch. Despite the ongoing monotony of Brexit, Corona and takeaways-for-one. Hap and her doctor find, to their surprise giggles and romance in the most unlikely places – the therapist’s couch.

We are sure that you will greatly enjoy this comedy, directed by Paul Glaser, and leave the theatre in high spirits.

Sorry, but we have to pester you with the compulsory safety rules.

  • As before the closure, we are only allowed to receive a limited number of people.
  • We are allowed to sell tickets in the “chessboard system”, which means that we always leave one seat free between an occupied seat.
  • Masks are still compulsory. This time also at the square.
  • Our bar is now open again. Our guests are allowed to consume their drinks on their seats.
  • An official negative coronatest is also compulsory (not older than 48 hours). You can also have it done directly next to the box office, at the official testing point. The colleagues at the pharmacy are happy to offer us this service. The test should be carried out by 19:00 at the latest. You can book an appointment under the link below or scan the QR code on the left.
    Time Travel (c) ETH

    Anyway, have a good time, enjoy the performances at the ETH and the fine weather.

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