»Leider wieder nur ein Mädchen«

Die erste Autofahrerin der Welt, die vor 75 Jahren gestorbene Bertha Benz, und ihr Mann Carl ergänzten sich geradezu kongenial
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„Leider wieder nur ein Mädchen.“ Es heißt, Karl Friedrich Ringer habe diese Worte in die Familienbibel geschrieben, als seine Ehefrau Auguste Friederike mit Cäcilie Bertha, genannt Bertha, am 3. Mai 1849 in Pforzheim zum dritten Mal statt eines Stammhalters ein Kind zur Welt brachte, bei dem zum großen Glück ein kleines Stück fehlte. Es heißt ferner, Bertha Ringer habe diese fünf Worte im zarten Alter von zehn Jahren gelesen. Trotzdem hatte sie wie viele Töchter ein sehr inniges Verhältnis zu ihrem Vater und wollte ihm möglicherweise deshalb ein guter Sohn sein. Möglicherweise wollte auch der Vater aus ihr einen guten Sohn machen.

Fakt ist – und da hören die Spekulationen auf –, dass Bertha Ringer Fähigkeiten und Interessen besaß, die traditionell eher als männlich gelten. So interessierten sie Technik und Naturwissenschaft. Ihr Vater, ein Zimmermeister, liebte sie, obwohl sie „nur ein Mädchen“ war, war durch Immobiliengeschäfte zu Wohlstand gekommen und gönnte ihr eine für damalige Verhältnisse gute Schulbildung.

Mittellos, aber gutaussehend

Angesichts ihres für ein Mädchen in der damaligen Zeit bemerkenswerten Interessenschwerpunktes verwundert es nicht, dass sie sich in einen Ingenieur verliebte – der zudem auch noch gut aussah und gern tanzte. Bei einer Ausfahrt des Vereins „Eintracht“ lernte sie am 27. Juni 1869 Carl Benz kennen. Benz war zwar mittellos, aber sie ließ sich von seiner Begeisterung für die Idee, einen motorgetriebenen Straßenwagen zu erfinden, anstecken.

Abermals zeigte sich bei Bertha Ringer eine Eigenschaft, die traditionell eher als männlich gilt: Willenskraft. Sie wollte diesen Mann zum Ehemann. Seine Mittellosigkeit schreckte sie nicht ab. Sie brachte ihren Vater dazu, ihr bereits vor der 1872 erfolgten Eheschließung ihre Mitgift und ihren Erbanteil zur Verfügung zu stellen. Sie investierte das Geld in die Realisierung des Traums des fünf Jahre Älteren, der zu ihrem gemeinsamen wurde. Bertha Ringer brachte jedoch nicht nur Geld ihres Vaters, sondern auch Sparsamkeit in das Unternehmen ein und Geschäftstüchtigkeit, abermals eine Fähigkeit, die traditionell eher Männern zugetraut wird.

Mit finanzieller wie auch technischer Hilfe seiner Ehefrau gelang Carl Benz schließlich der technische Durchbruch, die ersehnte Erfindung eines selbstfahrenden Kraftwagens. 1886 erhielt Carl Benz ein Patent auf seinen Motorwagen. Die Produktion für den Markt konnte beginnen. Drei Jahre zuvor hatte er bereits mit zwei Teilhabern die Firma „Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik in Mannheim“ gegründet.

Das Auto war da, aber was fehlte, waren Kunden. Ausfahrten auf öffentlichen Straßen und Wegen, welche die Öffentlichkeit mit den Autos konfrontiert und ihr die Leistungsfähigkeit der neuen Erfindung vor Augen geführt hätten, waren verboten. Die Obrigkeit verhielt sich hier sehr restriktiv und wenig innovationsfreundlich.

Die erste Überlandfahrt

In dieser Situation schrieb Bertha Benz mit etwas Verbotenem Geschichte. Sie war eine gut aussehende Frau, ein scheinbar hilfloses Weib. Und Polizisten waren Männer. Bertha hatte da größere Chancen als ihr Gatte, dass sich die Vertreter der Obrigkeit im Zweifelsfall als nachsichtige Kavaliere und Gentlemen erweisen würden. So war sie es, die sich über die restriktiven Vorgaben der Obrigkeit für die Erprobung des Automobils hinwegsetzte und die erste Überlandfahrt unternahm – angeblich ohne das Wissen ihres Mannes.

Am frühen Morgen eines der ersten Tage im August des Dreikai­serjahres 1888 verließ Bertha Benz mit ihren 13 und 15 Jahre alten Söhnen Eugen und Richard auf beziehungsweise in einem Exemplar des ersten für den Verkauf produzierten Benz-Automobils, des Benz Patent-Motorwagens Nummer 3, das heimische Mannheim. Das Ziel war die in Pforzheim wohnende Mutter. Auch hier zeigte Bertha Benz wieder Willensstärke und technischen Verstand. Wenn Kühlwasser nachgefüllt werden musste, holte sie es aus Dorfbrunnen, Bahnwärterhäusern, Wirtshäusern oder einem Wassergraben. Als in Wiesbach der Treibstoff ausging, kaufte sie Leichtbenzin für die Kleiderreinigung in einer Apotheke. Als eine Benzinleitung verstopft war, machte sie diese mit ihrer Hutnadel wieder frei. Als die Zündung wegen Kurzschlusses streikte, funktionierte sie ihr Strumpfband zum Isolierband um. Und als die Bremsen schwächelten, ließ sie die Bremsbacken von einem Schuster mit Leder beschlagen. Nach 106 Kilometern Fahrt war am Abend des Tages das Ziel erreicht. Drei Tage später ging es über eine andere Route wieder zurück. Der Benz hatte den Praxis­test bestanden.

Wenn die Werbewirkung der Ausfahrt auch nicht überschätzt werden sollte, so setzte sich das Automobil doch durch. Vor allem Bertha Benz war es vergönnt, den Erfolg noch mitzuerleben, aber auch Carl. Er starb 1929, sie erreichte ein geradezu biblisches Alter. Vor 75 Jahren, zwei Tage nach ihrem 95. Geburtstag, an dem sie noch zur Ehrensenatorin der Technischen Hochschule Karlsruhe ernannt worden war, starb sie in Ladenburg, dem Sitz des 1906 von ihrem Mann Carl und ihrem Sohn Eugen gegründeten Automobilherstellers und -zulieferers „C. Benz Söhne“.

Man nannte ihn »Mr. Jaguar«

erschienen in der PAZ

Von Dr. Manuel Ruoff

Ein kultivierter V12 klingt wie Musik.

Und wie ein Autohersteller sollte auch ein Dirigent Sinn für Ästhetik und Freude am Schönen haben. Vielleicht ist das das verbindende Element zwischen Vater und Sohn Lyons. Der am 4. September 1901 in Black­pool geborene Dirigenten- und Musikersohn William Lyons brachte eher durchschnittliche Noten nach Hause und seine beruflichen Anfänge zeugen nicht gerade von Zielstrebigkeit. Im Motorradsport war er jedoch mit seiner Harley Davidson erfolgreich und nach Erreichen der Volljährigkeit gründete er mit dem acht Jahre älteren William Walmsley und der Unterstützung der beiden Väter die Swallow Sidecar Company, um Motorradbeiwagen her­zu­stellen. Später kamen Autokarosserien hinzu. „Man nannte ihn »Mr. Jaguar«“ weiterlesen

Eine sportliche Interpretation des VW »Käfer«

erschienen in der PAZ

Von Dr. Manuel Ruoff

Vor 50 Jahren stellte Porsche seinen 911er vor – Die Luftkühlung wurde 1997 aufgegeben, aber wenigstens der Heckmotor blieb

Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte, und die vierte verkommt vollends.“ Dieses berühmte Zitat Otto von Bis­marcks trifft für Ferdinand Porsche, seinen einzigen Sohn Ferry und dessen ältesten Sohn Ferdinand Alexander weniger zu. Vielmehr haben alle drei über Jahrzehnte gebaute Ikonen der Automobilgeschichte geschaffen. Allerdings basieren alle drei Modelle auf dem Konzept des Großvaters Ferdinand: eine Schräghecklimousine mit luftgekühltem Boxermotor im Heck, der die hinteren Räder antreibt. „Eine sportliche Interpretation des VW »Käfer«“ weiterlesen

Romantik pur – Mit dem Nostalgiebus die Romantische Straße erkunden

Dieser Artikel erschien bereits im Magazin „Sehnsucht Deutschland“ in der Ausgabe 2/12, in „Schleswig-Holstein am Sonntag“ am 7. Oktober 2012 und in der PAZ am 4. Mai 2013

Von Uta Buhr

Mit dem Nostalgiebus über die Romantische Straße

Die Romantische Straße ist die älteste und weltweit bekannteste deutsche Ferienstraße. Sie verläuft auf einer Gesamtlänge von 350 Kilometern zwischen Würzburg und Füssen, von den Weinlagen Mainfrankens bis zu den Königsschlössern am Fuße der bayerischen Alpen. Die Reise führt vorbei an stolzen Reichsstädten, prächtigen fürstlichen Residenzen,  herrlichen Kirchen und Meisterwerken des Barock.

Da lacht das Herz! Ein strahlend blauer Himmel wölbt sich über Würzburg.  Weinberge, soweit das Auge reicht. „Bereits Goethe schätzte unseren Rebensaft“,  erklärt Stadtführer Florian. Die barocke Pracht dieser heiteren Stadt an den Gestaden des Mains liebte er hingegen nicht. Der Olympier zog den Klassizismus vor. Sei’s drum. Seit den frühen Morgenstunden sind Touristen aus aller Welt auf den Beinen, um die prächtige Residenz zu besichtigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg „Romantik pur – Mit dem Nostalgiebus die Romantische Straße erkunden“ weiterlesen

Wie die Westdeutschen wieder auf die Räder kamen

erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung

Von Dr. Manuel Ruoff

Die Ausstellung »WirtschaftsWunderWagen« spiegelt nicht nur mit Autos den ökonomischen Wiederaufstieg von 1945 bis 1963 wider

WirtschaftsWunderWagen“ ist der Titel und auch das Thema der neuesten Sonderausstellung im Hamburger Automuseum „Prototyp“. Man merkt der Ausstellung an, dass sie mit Simon Braker von einem studierten Historiker, der auch Kunstgeschichte gehört hat, gemacht wurde und nicht etwa von einem Ingenieur. So stehen weniger Design und Technik im Vordergrund als der Zeitgeist sowie die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des deutschen „Wirtschaftswunders“ in der Nachkriegszeit. Bilder des international bekannten deutschen Fotografen Josef Heinrich Darchinger, Leihgaben des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, führen in das private und politische Leben der Westdeutschen jener Zeit ein. Daneben gibt es auch eine größere Zahl dreidimensionale Exponate, wie man sie damals in den Haushalten von Otto Normalverbraucher vorfinden konnte. Aber auch eine Jukebox und der „Wie die Westdeutschen wieder auf die Räder kamen“ weiterlesen

Erst denken, dann lenken

Von Renato Diekmann

Ressourcen schützen

WWF und Bridgestone kooperieren für eine grüne Umwelt

Wer permanent sein Grundkapital angreift, muss mit immer weniger Rendite rechnen. Jeder solide Kaufmann lernt das und setzt deshalb alles in Bewegung, um sein Kapital zu sichern und den Zinsertrag zu mehren. Wenn es jedoch um unser wichtigstes Kapital, die Existenz unseres Planeten geht, nehmen das viele offensichtlich nicht so genau – und verschwenden wertvolle Ressourcen, obwohl jeder weiß, dass diese nicht so rasant nachwachsen wie das Unkraut im Garten. Lange Zeit haben wir uns darüber entweder gar keine oder viel zu wenig Gedanken gemacht. Gedankenlosigkeit, Gewinnstreben und Profitdenken beherrschen unser Geschäft mehr, als der Erhalt und Schutz einer intakten Umwelt. Diese Einstellung muss sich jetzt ändern.

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Der „Vater“ des Michelin-Männchens

Von Dr. Manuel Ruoff

Vor 80 Jahren starb mit André Michelin, einer der beiden Gründer des gleichnamigen französischen Reifenkonzerns

Nicht nur Auto- und Zweiradfahrern ist „Michelin“ ein Begriff. Schließlich ist der französische Reifenhersteller mit seinen rund 100000 Mitarbeitern ein ganz großer in der Branche, nach Bridgestone sogar der größte. Gegründet wurde er von dem am 16. Januar 1853 geborenen Franzosen André Michelin und dessen sechs Jahre jüngerem Bruder Édouard. Am 28. Mai 1889 riefen die beiden in der Hauptstadt der französischen Region Auvergne, Clermont-Ferrand, die Gesellschaft Michelin et Cie ins Leben. Sinn und Zweck des Unternehmens war die Herstellung von Kautschukprodukten.

Zwei Jahre später hatte in Clermont-Ferrand ein Radfahrer einen Reifenschaden. Er fuhr einen an die Felgen geklebten englischen Luftreifen und wusste nicht, wie er den reparieren sollte. So ging er zur Michelin-Fabrik, die schon damals für ihre Kautschukprodukte bekannt war. Edouard Michelin nahm selbst die Reparatur des Reifens vor. Sie dauerte drei Stunden, noch einmal sechs Stunden dauerte das Trocknen. Michelin machte eine Probefahrt und entdeckte den unglaublichen Komfort des Luftreifens. Das war der Initialfunke für die Entwicklung des heutigen Weltunternehmens. „Der „Vater“ des Michelin-Männchens“ weiterlesen

Techno Classica: alte Autos, alte Motorräder, alte Nutzfahrzeuge

Von Ludger Garte

Was macht die Fasziniation dieser Gefährte, die teilweise aus dem vorletzten Jahrhunderts stammen, aus? Nach einer Erhebung des Allensbach Institutes haben 15 Mio MitbürgerInnen eine positive Einstellung zu diesen Young- und Oldtimern. Eine unglaublich hohe Zahl gemessen an der Gesamteinwohnerschaft dieses Landes. 4,3 Millionen interessieren sich „ganz besonders“ für dieses Thema – eine gesteigerte positive Affinität, wie der international bewanderte Horst Brüning, Präsident der FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens) in seinen Ausführungen auf der Pressekonferenz plastisch darstellte. Diese fand statt zum Auftakt der „TECHNO CLASSICA“ in Essen, der nach eigenen Angaben weltgrößten Messe zum Thema Oldtimer. „Techno Classica: alte Autos, alte Motorräder, alte Nutzfahrzeuge“ weiterlesen

BMW Group auf der Überholspur

Von Renato Diekmann

Maßgeschneiderte Autos

Die neue BMW 5er Limousine - das Lieblingsauto der ADAC-Leser

Dass sich BMW-Fahrer immer wieder für einen BMW entscheiden, liegt auf der Hand. Die Premium-Fahrzeuge sind technisch auf dem neuesten Stand, qualitativ hochwertig verarbeitet,  inzwischen allesamt mit umweltfreundlichen Triebwerken ausgerüstet, dynamisch-elegant gestylt, emotional ansprechend und vor allem begehrt. Damit treffen die neuen Modelle offensichtlich den Geschmack und die Wünsche der Kunden. Die neue BMW 5er Limousine beispielsweise wurde in Deutschland von den Lesern der ADAC-Zeitung zum Lieblingsauto der Deutschen gekürt. Und der Touring hat gerade den iF Product Design Award in Gold erhalten – die höchste Auszeichnung des International Forum Design in Hannover. Auch international ist die neue 5er Reihe ein voller Erfolg und Marktführer in ihrem Segment (und gefällt vielen besser als die größere 7er Reihe).

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Rückkehr der vier Ringe. DKW F89 P – erster Nachkriegs-Personenwagen der Auto Union

Von Dr. Manuel Ruoff

Mittlerweile zählen die Autos mit den vier ineinander verschlungenen Ringen zum Prämiumsegment der deutschen Autobranche. Heute stehen die vier Ringe für Audi. Ursprünglich jedoch stand für diese Marke nur einer der Ringe. Die drei anderen symbolisierten DKW, Horch und Wanderer. Die vier zusammen bildeten ab 1931 die Auto Union und die vier Ringe deren Logo.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der sächsische Automobilkonzern von den Sowjets liquidiert. Ein Teil des Humankapitals, darunter der Vorstandsvorsitzende der Auto Union Richard Bruhn, wollte sich damit jedoch nicht abfinden. Er floh in den Westen und versuchte einen Neuanfang in der vergleichsweise wenig zerstörten Garnisonsstadt Ingolstadt, in der ehemalige Wehrmachtskasernen einer neuen, zivilen Nutzung harrten. „Rückkehr der vier Ringe. DKW F89 P – erster Nachkriegs-Personenwagen der Auto Union“ weiterlesen