Biopsychologische Forschung: Neuerscheinung

Buchcover

Sara Palermo & Rosalba Morese (eds.). Behavioral Neuroscience. InTech Publ., London, 2019

Der von den Turiner Neurowissenschaftlerinnen Sara Palermo und Rosalba Morese herausgegebene englischsprachige Band „Behavioral Neuroscience“ widmet sich aktueller Forschung auf den verschiedenen Anwendungsfeldern der Biopsychologie. Seit der Begriff der Neuroplastizität Konjunktur hat, sind präfrontaler Cortex (Denken), Amygdala (Fühlen) und Nucleus accumbens (Belohnung) in der akademischen Öffentlichkeit gängig geworden; den enormen Fortschritten der Hirnforschung der letzten Jahre wird in diesem Band Rechnung getragen. Dies gilt auch für das Cerebellum, das – als Kleinhirn bekannt – für Sensomotorik, aber auch Sprache und Emotion zuständig ist und hier im Zusammenhang mit dem Syndrom Autismus beleuchtet wird.

Neben vorgeburtlichen, nachgeburtlichen und sozialen Grundlagen bio-psycho-sozialer menschlicher Entwicklung werden von den internationalen Autoren ebenso das Lernen in der Grundschule und die Neuroplastizität in der Therapie psychischer Störungen behandelt sowie jene von Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen. Ein ausführliches Kapitel der Neurowissenschaftlerin Valentina Ignatova (Universität Sofia) widmet sich den noch wenig erforschten Zusammenhängen des Darmmikrobioms mit psychischen Störungen, eine Thematik, die just die aktuelle Ausgabe der deutschsprachigen Zeitschrift „Nervenheilkunde“ (Schattauer, Stuttgart) aufnimmt. Außerdem behandelt das Grundlagenkapitel des an der Technological University of Compiègne lehrenden Technikphilosophen John Stewart, gewissermaßen an der Schnittstelle von Mensch und Maschine, die Neurophänomenologie von Erleben und Handeln. Wie menschliche Systeme Handlung bewirken und/oder Gleichgewicht herzustellen vermögen, zeigt sich mittels Konzepten von Enaction und Autopoiese, Konzepte, die mit den Namen Francesco Varela und Humberto Maturana verbunden sind.

Der zum Ende letzten Jahres erschienene konzise und dicht gedrängte Band eignet sich für Fachleute und interessierte Laien mit solidem biologisch-medizinischem Vorwissen. Für jene Leserschaft bietet er einen spannenden Einblick in die internationale Biopsychologie, in der insbesondere spanische und italienische Forscher und Forscherinnen stark vertreten sind.

Sara Palermo & Rosalba Morese (eds.). Behavioral Neuroscience. InTech Publ., London, 2019, 162 S., 95 Euro

Die weiblich-mütterliche und die kindheitliche Dimension im individuellen Leben …

Bild. Pixabay

… und im Laufe der Menschheitsgeschichte

Matriarchatsforschung, Psychohistorie und Pränatale Psychologie: eine Begegnung

Pressemitteilung zur 33. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) vom Fr., 5. bis So., 7. April 2019 in Heidelberg

Die Psychohistorie kann heute die Dynamik und die Grundlinien der Mentalitätsentwicklung im Laufe der Geschichte beschreiben, weil sie die Geschichte der Kindheit als eigenständige geschichtliche Kraft mit einbezieht. Insofern ein typisches Muster im Verhalten Erwachsener einer Gesellschaft darin besteht, das in der Kindheit Erfahrene in ihrem Leben zu reinszenieren, sind die Sozialisationsbedingungen der Kinder eine Wurzel des gesellschaftlichen Geschehens.

Unabhängig hiervon hat die Matriarchatsforschung den historischen Blick um die Wahrnehmung der Wirklichkeit der matrifokalen Kulturen in der Jungsteinzeit von ca. 11000 bis ca. 3000 v. Chr. erweitert, die den dann kulturbestimmenden patriarchalen Kulturen vorangehen. Eine besondere Dynamik in der individuellen und kollektiven Entwicklung entsteht nun daraus, dass die biografisch ursprünglichsten vorsprachlichen Erfahrungen vor, während und nach der Geburt infolge der „physiologischen Frühgeburtlichkeit“ des Menschen lebenslang in einer Art Hintergrundfilm virulent bleiben und als Kern des Unbewussten magische und mythische Erlebensweisen prägen, die sowohl das Erleben des Kindes wie auch die Mentalitäten der frühen Menschheitskulturen bestimmen. Dies ist das Forschungsgebiet der Pränatalen Psychologie, die eine bedeutsame Ergänzung zu der in der nachgeburtlichen Zeit ansetzenden Entwicklungspsychologie darstellt. Die kollektiv-psychologische Bedeutung dieser Zusammenhänge ist bisher nur ansatzweise erschlossen.

Im Gefolge der immer noch fortwirkenden patriarchalen Grundorientierung in unseren Gesellschaften werden die durch die weiblich-mütterliche und die kindheitliche Dimension bestimmten Wirklichkeitsbereiche nur marginal wahrgenommen. Auch haben sie sich erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zu eigenständigen Wissenschaftsbereichen der Psychohistorie, der Matriarchatsforschung und der Pränatalen Psychologie entwickelt. Doch sind diese Bereiche bisher zu wenig aufeinander bezogen. Die Tagung hat das Ziel, eine Begegnung und einen konstruktiven Austausch zwischen diesen Wissenschaftsfeldern herzustellen, um ihre beträchtlichen Potenziale im öffentlichen Bewusstsein zu vergegenwärtigen. Das soll auch eine Ressource für den Diskurs um die heutige weibliche Identitätsentwicklung sein, mit dem die Tagung beginnt und ausklingt.

33. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) vom Fr., 5. bis So., 7. April 2019 in Heidelberg

Die weiblich-mütterliche und die kindheitliche Dimension im individuellen Leben und im Laufe der Menschheitsgeschichte

Tagungsort:
Abt. Medizinische Psychologie, Uniklinik Heidelberg
Bergheimer Str. 20, 69115 Heidelberg

Information, Organisation und Anmeldung:
Dr. Axel Bischoff
Friedhofweg 8
69118 Heidelberg
Tel.: 06221-8927-29, Fax: -30
info@psychohistorie.de
www.psychohistorie.de

Zertifizierung:
12 Fortbildungspunkte durch die Ärztekammer Baden-Württemberg

für die Veranstalter: Götz Egloff, Ludwig Janus

Wandern und Wellness – die „Gasteiner-Kombi“ für gesunde Sommertage

Heilstollenzug

Drei äußerst wohltuende Urlaubskomponenten – exklusive Wellness, gesunde Therme und entspannendes Wandern – verbindet das IMPULS HOTEL TIROL****s in Bad Hofgastein. Das innovative Wohlfühlhaus ist umgeben von 350 Kilometer markierten Wanderwegen. Gesäumt von bunten Almblumen, kristallklaren Bergseen und den Gipfeln der Gasteiner Bergwelt, führen diese von familienfreundlich-leicht bis hochalpin durch die unberührte Natur. Gemütliche Almhütten warten mit Schmankerln aus der Region auf die Wanderer. Spannende Ziele wie Europas höchstgelegene Hängebrücke begeistern Bergfreunde ebenso wie unvergessliche Erlebniswanderungen. Schnell stellt sich in der frischen Bergluft ein Gefühl von grenzenloser Freiheit, Ruhe und Harmonie ein. Im IMPULS HOTEL TIROL sind naturbegeisterte Gäste bestens beraten. „Wandern und Wellness – die „Gasteiner-Kombi“ für gesunde Sommertage“ weiterlesen

Mental Health Intervention in Pregnancy

by Götz Egloff

Early Mental Health Intervention in Pregnancy: Three Approaches in Germany

pregnant woman with backache and medicine
pregnant woman with backache and medicine

Pills are not key to everything. Psychic trauma in pregnancy is best avoided by early non-pharmaceutical intervention. Although some progress has been accomplished, mothers-to-be and their offspring still seem to lack structured interventions that can prepare them for parenthood and childhood respectively. Recently, in Germany different yet similar interventional programs for mothers-to-be and their partners were developed. These programs more or less focus on bonding, relational issues and educational practices in parents-to-be. In the following survey an outline of three major programs in Germany is given so that the approaches´ objectives become accountable. Much of the knowledge available from prenatal psychology and medicine may be of relevance for secondary school education. Prenatal and perinatal educational tasks especially for teenagers in school can be derived from the programs depicted.

First of all, a quick retrospect of history is to recall the modes of infant health evaluation in time: in Philippe Ariès´ birth vignette (Ariès & Duby 1999) on Héroard and Ludwig XIII, who was born to Maria von „Mental Health Intervention in Pregnancy“ weiterlesen

Sind Stilettos ein Problem?

von Götz Egloff
Rezension zu Sarah Dangendorf: Kleine Mädchen und High Heels. Über die visuelle Sexualisierung frühadoleszenter Mädchen. Transcript Verlag, Bielefeld, 2012.

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Zunächst eine Vorwegnahme zum Thema: zu lesen in einem Artikel von Claudia Wallner mit dem Titel “Alles Cool!“ – Weiblichkeitsvorstellungen und Lebensperspektiven von Mädchen, erschienen im BZgA Forum Sexualaufklärung und Familienplanung, 3/2012, S. 14-18, der politisch-inhaltlich im Großen und Ganzen vertretbar ist, aber dennoch hin und wieder in sagenhaft unreflektierte Klischees verfällt, lässt die Autorin verlauten, weibliche Gleichberechtigung sei mehr Lebensgefühl als Realität, was zumindest etwas überzogen wirkt. Wenn Wallner dann weitergeht, wirkt die feministische Adaptation der marxistischen Klassenlehre gezwungen und unrealistisch; auffällig oft betont die Autorin gar Alpha-Mädchen, die hip, frech und selbstbestimmt seien, und gibt damit zu verstehen, dass sich im Vergleich zu früher eben doch eine Menge geändert hat. Was sich nicht geändert hat, sind hingegen die Phänomene von Marginalisierung und Viktimisierung, die jedoch recht unabhängig von Geschlechtern stattfinden und eher die „Sind Stilettos ein Problem?“ weiterlesen

Otto Rank Revisited

Von Götz Egloff

Zur Wiederentdeckung Otto Ranks für die Psychoanalyse

Otto Rank

Vor 15 Jahren fand die Tagung der Internationalen Studiengemeinschaft für Prä- und Perinatale Psychologie und Medizin (ISPPM) und der Deutschen Otto Rank Gesellschaft (DORG) in Heidelberg statt.

In diesem Jahr jährt sich die Otto-Rank-Tagung, die vom 1. bis 2.11.1997 in Heidelberg stattfand, zum 15. Mal. Sie stellt eine Art Wendepunkt der Reflektion auf Grundkonzepte psychoanalytischen Denkens dar, an dem Überlegungen und Ergebnisse der internationalen Rank-Forschung zusammengetragen und zugespitzt wurden. Vielfältige, teilweise konträre Positionen und Ansätze wurden ausgetauscht, Entwicklungslinien des psychoanalytischen Denkens herausgearbeitet und in den historischen Kontext eingebettet. „Otto Rank Revisited“ weiterlesen

40 Jahre Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg

 Von Johanna R. Wöhlke

Professor Michael Brzoska, Egon Bahr, Dorothee Stapelfeldt
Michael Brzoska, Egon Bahr, Dorothee Stapelfeldt

Frieden war das Thema, denn der Jubilar hieß Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik ( IFSH) an der Universität Hamburg – bestehend seit 40 Jahren.

„Wenn wir den ewigen Frieden miteinander definieren wollten, ginge das schnell an einem Nachmittag zu bewältigen. Allerdings, je näher wir der Wirklichkeit kommen, umso schwieriger wird es!“ Als Egon Bahr – Architekt der historischen Ostverträge –  diese Worte auf dem Podium sprach, hatten Ehrengäste und Publikum der Jubiläumsfeier in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg schon einiges an Reden gehört und verarbeitet. „40 Jahre Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg“ weiterlesen

Zur Notwendigkeit gelingender Beziehungen

Vorankündigung zur 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) vom 25.-27.03.2011 in Berlin

von Götz Egloff

Welche gesellschaftlichen Bedingungen und historischen Entwicklungen ermöglichen oder verhindern das In-Beziehung-Treten von Menschen? Die 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) möchte unter dem Titel „Wurzeln und Barrieren von Bezogenheit“ in größtmöglicher interdisziplinärer Weise Beiträge zu dieser Fragestellung zusammenführen, ist doch das Gelingen von Beziehungen die Grundvoraussetzung für ein menschlich-konstruktives Miteinander. „Zur Notwendigkeit gelingender Beziehungen“ weiterlesen