Vor 55 Jahren sank das Segelschulschiff „PAMIR“

 Von Michael Buschow

 Erinnerung an eine Tragödie zur See

Die Pamir

Am 21.September 1957 versank das frachttragende Segelschulschiff „PAMIR“ ungefähr 600 Seemeilen westlich der Azoren im Zentrum des Hurrikans „Carrie“ in den Fluten des Atlantiks. 80 Mann der Besatzung fanden dabei den Tod, nur 6 überlebten.

Bis heute reißen die Diskussionen über die möglichen Ursachen des tragischen Untergangs nicht ab und ich will mich an dieser Stelle auch nicht daran beteiligen. Erinnern wir uns vielmehr an die vielen ums Leben gekommenen Seeleute, unter denen neben den altbefahrenen Männern der Stammbesatzung, wie zum Beispiel dem erfahrenen Kapitän Diebitsch so viele junge, hoffnungsvolle Menschen waren. Continue reading „Vor 55 Jahren sank das Segelschulschiff „PAMIR““

Pulnitz und seine Lebkuchen

Von Hartmuth Seitz

Wenn Kuchen zum Erlebnis wird.

Alles in Form

Zimt, Nelken, Anis – ein Duft wie in der Weihnachtsbäckerei liegt über dem kleinen sächsischen Städtchen  Pulsnitz. Und das Anfang September. Und nicht in einem Supermarkt. Es duftet nach Mandeln,, Orangeat und Zitronat. NACH Marmelade; Konfitüre und Schokolade. Pfefferkuchenduft! Ansonsten wird die Nase nur mit diesen Aromen verwöhnt, wenn man eine Tüte Pfefferkuchengewürz öffnet.

Seit 1558 soll das so gehen. Seit dieser Zeit wird bester, lange gelagerter Honig- und/oder Sirupteig, mit beigegebenen Gewürzen, die im Mittelalter unter dem Begriff „Peffer“ zusammengefasst wurden, zu Lebkuchen verbacken.

Acht Werkstätten und eine Lebkuchen GmBH sorgen dafür, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Jede Lebküchlerei hat eigene Continue reading „Pulnitz und seine Lebkuchen“

Emanuel Jahreis – The Piano Killer

Von Hartmuth Seitz

Ein Mann, ein Piano und sein Publikum

Voller Temperament: Er ist der „Pianokiller“

Da steht er am Flügel, lächelt, setzt sich und läßt die Tasten sprechen. Demzufolge wäre er in der Kategorie Schnellredner gut aufgehoben. Der Boogie, der Barrelhouse-Man Boogie, spricht für sich – und Emanuel Jahreis spricht für den Boogie – und den Barrelhouse Man. Das waren noch Zeiten, damals, als in den Bars, die man Barrelhouse nannte. Gute Zeiten. „Let the good times roll.“

Welch ein fulminanter Einstieg. „Der ist richtig gut, den haben wir schon mal erlebt,“ raunt mir mein Nachbar zu.“ Es stellt sich heraus, dass er die 70 schon überschritten hat. Man merkt es ihm und seiner Frau nicht an. Schon mit den ersten Takten zucken die Finger, wippen die Füße mit. Continue reading „Emanuel Jahreis – The Piano Killer“

Hinreißende Albee-Premiere im „Polittbüro“

Das Spiel der Entmenschlichung

Von Hans-Peter Kurr

Wer hat nun Angst?

Bis zum Ende der fünfziger Jahre gab es in USA bei allen von den sogenannten „Angels“ (Das war der Nickname für Produzenten und Investoren) für wichtig erachteten Stücken mit  m ö g l i c h e n  Erfolgschancen – ob Schauspiel, ob Musical – eine umumstössliche Regel: Die des Try-outs, also der Test-Aufführungen in, gemessen am Broadway New Yorks, unbedeutenden kleineren Theatern. Erst ,als deren Direktoren bereits die Idee des großen Geldes, das zuweilen mit „Kunst-commercials“ hereinzuholen ist, auch dort umzusetzen begannen, fing die eigentliche Geschichte des „Off-off-Broadway“ an, einer noch weiteren Verlagerung dieser performances unter nahezu tourneegleichen Bedingungen. Continue reading „Hinreißende Albee-Premiere im „Polittbüro““

„Reasons to be Pretty“ by Neil Labute

by Uta Buhr

The new Play at the English Theatre of Hamburg

Furious

Name one human being that does not want to be beautiful or at least good looking! But how does one describe beauty, and how important is it in everyday life? Neil Labute’s play “Reasons to be Pretty” – by the way the first one to be staged on Broadway – is all about physical attraction and how people deal with it. The plot centres around four young working class friends and lovers who become increasingly dissatisfied with their dull lives and each other. “Reasons to be Pretty” is the last – and weakest – installment of a trilogy that focuses on modern man’s obsession with physical Continue reading „„Reasons to be Pretty“ by Neil Labute“

„Reasons to be Pretty“ oder “Lieber schön” von Neil Labute

Von Uta Buhr

Das neue Stück am English Theatre of Hamburg

Dramatisch

Soviel vorweg: Das stärkste Stück von Neil Labute, einem der  erfolgreichsten zeitgenössischen Stückeschreiber Amerikas, ist „Reasons to be Pretty“ nicht.

Viele Besucher des English Theatre werden sich bestimmt noch an die fulminante Aufführung von „This is how it goes“ vor einigen Jahren erinnern,  das   die brennenden sozialen Probleme der USA im Zusammenleben von Schwarz und Weiß in den Fokus rückt. Dennoch, keiner sollte das neue Stück versäumen, in dem dramatische und komödiantische Szenen wie in einem Kaleidoskop aufgemischt werden. Continue reading „„Reasons to be Pretty“ oder “Lieber schön” von Neil Labute“

Ruth Geede – die älteste noch schreibende Journalistin der Welt

Hommage an Ruth Geede, eine Grande Dame des Journalismus

Von Uta Buhr

Ruth Geede

Wie porträtiert man eine Legende? Es gibt leichtere Aufgaben für einen Journalisten. Dennoch soll hier der Versuch unternommen werden, dem Geheimnis der wortschöpferischen Kraft einer der großen Persönlichkeiten des deutschen Journalismus auf die Spur zu kommen. Die Rede ist von Ruth Geede – mit bürgerlichem Namen Ruth Vollmer-Rupprecht –  die trotz ihres biblischen Alters von sechsundneunzig Jahren noch jeden Tag mit einer nicht versiegenden geistigen Frische schreibt, recherchiert und fabuliert, als sei dies ganz selbstverständlich. Continue reading „Ruth Geede – die älteste noch schreibende Journalistin der Welt“

„Elektra“ im Malersaal der Schauspielhauses Hamburg

Von Hans-Peter Kurr

 Elektra – verdichtet, Junges Schauspielhaus: Uraufführung von Nino Haratischwili

Angelina Häntsch

Agamemnons, des Siegers der Schlacht vor Troja, Tochter Elektra ist nicht nur eine zentrale Figur der antiken Mythologie und steht als solche im Mittelpunkt von Dramen der zwei größten Theaterdichter des griechischen Altertums, Sophokles und Euripides, sondern beschäftigte Schreiber und Komponisten quer durch die Zeiten der Menschheitsgeschichte. So inspirierte sie zum Beispiel den Amerikaner Eugene O’Neill, den Franzosen Jean Giraudoux, die Deutschen Gerhart Hauptmann, und Richard Strauss oder den Griechen Theodorakis, um nur einige aus der Perlenkette der Grossen zu nennen, denen sich  nunmehr die in Hamburg lebende, georgische Autorin Nino Haratischwili auf beachtlichem Niveau angeschlossen hat:

 

Im Malersaal des Schauspielhauses wurde ihre „Elektra“ in Klaus Schumachers intelligenter Inszenierung uraufgeführt. Die junge Regisseurin und Theaterschreiberin erzählt die an sich – nicht nur Humanisten – sattsam bekannte Geschichte auf ungewöhnliche Weise und wirkt geschickt der heute häufig anzutreffenden Marotte entgegen, klassische Stoffe zu „modernisieren“…..mithilfe äusserer Mittel. Nein, Haratischwili erzielt ihre besondere Wirkung für uns Heutige dramaturgisch: Continue reading „„Elektra“ im Malersaal der Schauspielhauses Hamburg“

Neues vom Dauerzustand

Von Hans-Peter Kurr

Pollesch-Uraufführung zur Spielzeiteröffnung des Deutschen Schauspielhauses

( von links) Sophie Rois, Margit Carstensen und Christine Groß

Wenn René Pollesch sich am Ende des kurzen Uraufführungs-Abends seines aktuellen Stückes „Neues vom Dauerzustand“ mit dem Ensemble vor dem Premierenpublikum verbeugt (, weil er das eigene Werk auch selber inszeniert hat!), fällt ihm die Brille von der Nase.

Die Folge: Er sieht nichts mehr!

Er klaubt sie vom Boden, setzt sie wieder auf die Nase und verbeugt sich nur noch halb und steif. Die Folge: Lacher im Publikum! Continue reading „Neues vom Dauerzustand“

Ein toller kleistischer „Krug“ in der neueröffneten „Burg“

 Von Hans-Peter Kurr

 Rasante Gerichts-comedy

Das Ensemble

Niemand wird je gezählt haben, wie häufig Heinrich von Kleists „Zerbrochener Krug“ seit seiner Entstehung in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts inszeniert und aufgeführt worden ist. Kaum ein namhafter Regisseur, der diese wundervolle klassische Komödie nicht inszeniert,  kein bedeutender Schauspieler, der den Dorfrichter mit dem beziehungsreichen Namen Adam nicht gespielt hätte.

Der Versuch des glatzköpfigen, offenbar sexsüchtigen einsamen Mannes, sich –wie in den Zeiten des Paradieses, dem er entstammt – wieder mit seiner Eva zu vereinigen, ist eine seit Beginn der Menschheitsgeschichte ebenso legitime wie zumeist unerfüllte Continue reading „Ein toller kleistischer „Krug“ in der neueröffneten „Burg““

Ein Zeichen familiärer Kontinuität

erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung

Von Dr. Manuel Ruoff

Siegfried Taday wollte in Passenheim die eigene Goldene Konfirmation mit der Taufe seiner Enkel verbinden.

Goldene Konfirmation in Ostpreußen

Wenige heute in der Bundesrepublik lebende Ostpreußen können ein Konfirmationsjubiläum in ihrer ostpreußischen Heimatkirche feiern. Umso seltener ist es, wenn sie diese Feier mit der Taufe ihrer Enkelschar verbinden können. Dem Reiseunternehmer Siegfried Taday schien ein derartiges Zeichen familiärer Kontinuität über Generationenwechsel hinweg vergönnt zu sein. In der evangelisch-lutherischen Kirche von Passenheim, der laut ihrem Pastor Witold Twardzik ältesten von ganz Masuren, sollte in ein und demselben Continue reading „Ein Zeichen familiärer Kontinuität“

Hannelore Greve Literaturpreis für Gerhard Henschel

Von Johanna R. Wöhlke

Aktuelle Meldung:

Die Preisübergabe

Heute ist im Literaturhaus Hamburg der „Hannelore Greve Literaturpreis“ an den Schriftsteller Gerhard Henschel verliehen worden. Die Hamburger Mäzenin Hannelore Greve stiftet diesen Preis, dotiert mit 25 ooo Euro, im Rhythmus von zwei Jahren in Zusammenarbeit mit der Hamburger Autorenvereinigung. Bei der Preisübergabe: (von links) Gino Leineweber ( Vorsitzender der Hamburger Autorenvereinigung), Kultursenatorin Frau Professor Barbara Kisseler, Hannelore Greve sowie Gerhard Henschel. Continue reading „Hannelore Greve Literaturpreis für Gerhard Henschel“

Streifzüge durch Hamburg

Neues literarisches Kleinod von Christian Polscher soeben erschienen

Von Hans-Peter Kurr

Hefte mit Schuber

Der hohe Wert seiner journalistisch-schriftstellerischen Arbeit liegt darin, dass der Hamburger Autor Christian Polscher (67) zwar engagierter Freimaurer ist, aber diesen Tatbestand nicht mit einem Ausschliesslichkeitsanspruch verbindet. In seinem soeben erschienenen Werk mit dem Titel Streifzüge durch Hamburg – Auf den Spuren bekannter Freimaurer vermeidet er dies ebenso penibel wie wohltuend, wenn er in neun einzelnen Heften seine Spaziergänge durch die Hansestadt an Punkten freimaurerischer Geschichte festmacht. Mit seinen Wegbeschreibungen durch die Elb-Metropole, in der im 18. Jahrhundert die erste Continue reading „Streifzüge durch Hamburg“

Lyrisch in den Herbst

Von Johanna R. Wöhlke

Lyrisch in den Herbst

Lyrisch in den Herbst? Das ist in diesem Fall keine Frage, sondern ein Angebot, den Sommer heiter und besinnlich ausklingen zu lassen. Drei Künstler aus Hamburg wollen ihre Zuhörer auf diese besondere Unterhaltungsreise mitnehmen und mit ihrem Können verzaubern: Theodor Fröhlich, Elvira Kartseva und Alexander Paperny. Continue reading „Lyrisch in den Herbst“

Die letzte Fanfare

erschienen im Theatermagazin „Godot“

Von Hans-Peter Kurr

Ein Pfund Fleisch

Das Deut­sche Schau­spiel­haus Hamburg unter der Inte­rims­lei­tung von Jack F. Kurfess und Florian Vogel ist dankens­wer­ter­weise wieder dort ange­kommen, wo es vor Jahr­zehnten – während der Ära Hans Lietzaus, Oscar Fritz Schuhs und Ivan Nagels – schon einmal war: auf dem Feld des künst­le­ri­schen Expe­ri­ments. Und nun heißt es auch so: „Spiel­feld“ ist die offi­zi­elle Bezeich­nung der bis zum Beginn der Inten­danz Karin Beiers im riesigen Zuschau­er­raum instal­lierten Bühne auf Zeit, wo sich ohne Vorhang, ohne Schnür­boden, ohne Unter­ma­schi­nerie in der bis zum Februar 2013 verkürzten Spiel­zeit das voll­ziehen soll, was wir schlichtweg Kunst nennen. Die gesamte, Continue reading „Die letzte Fanfare“

Hauptstadtflair und »Weiße Nächte«

erschienen in der Preupischen Allgemeinen Zeitung

Von Manuela Rosenthal-Kappi

St. Petersburg profitiert von der Anziehungskraft der Zarenschlösser auf Touristen − Moskau ist eine mondäne Weltstadt

Die ehemalige Zarenstadt von ihrer schönsten Seite, wie Millionen Touristen sie sehen: Fontänenkaskaden von Peterhof

Moskau und St. Petersburg, die beiden Hauptstädte Russlands, könnten gegensätzlicher nicht sein. Seit der „Wende“ haben beide Metropolen ihr Antlitz stark verändert. Ein Blick hinter die Kulissen der Tourismus-Zauberwelt zeigt jedoch, dass das Leben im einstigen Sowjetreich trotz des neu erreichten Wohlstands immer noch eine tägliche Herausforderung ist und Widersprüchliches zutage bringt.

Moskau ist ein großes Dorf und St. Petersburg die eigentliche Hauptstadt Russlands. Diese lange geltende Einschätzung hält einer Betrachtung der heutigen Metropolen nicht mehr stand: Während St. Petersburg mehr denn je von der Continue reading „Hauptstadtflair und »Weiße Nächte«“

Mythos Bernsteinzimmer

erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung

Von Manuela Rosenthal-Kappi

Das Bernsteinzimmer

Ein Besuch des legendären Bernsteinzimmers darf wohl bei keiner St.-Petersburg-Reise fehlen. Aufgrund des großen Andrangs kommt man allerdings nur kurz in den Genuss, das „achte Weltwunder“ zu betrachten. Es empfiehlt sich der Besuch in einer Gruppe. Individualreisende können eine der günstigen Exkursionen von „Lentours“ buchen, die vor dem berühmten Kaufhaus „Gostinnyj Dwor“ auf dem Newskij Prospekt verkauft werden. Continue reading „Mythos Bernsteinzimmer“

Der Marinemaler Professor Christopher Rave

Von Michael Buschow

„Wanderer zwischen den Welten“

Rave in seinem Hamburger Atelier um 1924

Umrankt von hohen Lorbeerhecken sitzt er da, ein aufgeschlagenes Buch auf dem Schoß, den Hut auf dem Kopf und eine Hand auf einen Stock gestützt. Fast meint man, der Mann ruhe sich nur ein wenig von einer mühseligen, weiten Reise aus. Tritt man näher an die Bronze-Plastik heran, erkennt man, fast durch die Zweige verborgen einen Seeadler auf der  Schulter des Rastenden sitzen.

Nicht weit von Kapelle 4 auf dem stillen Friedhof  in Hamburg-Ohlsdorf  hat ein ungewöhnlicher Mann einst seine letzte Ruhestätte gefunden: Der Hamburger Marinemaler, Expeditionsteilnehmer, Kameramann und Autor Christopher Rave. Continue reading „Der Marinemaler Professor Christopher Rave“