„Was du nicht empfunden hast, kannst du nicht ausdrücken“

Von Lilo Hoffmann

Gespräch mit Dokumentarfilmer Trevor Peters

Trevor Peters
Trevor Peters

„Mein Leben ist anders verlaufen als zunächst geplant. Und ich bin froh darüber“, erklärt der Dokumentarfilmer Trevor Peters, der mal wieder in Hamburg ist, um im Filmhaus einen Workshop zu leiten. Ich erinnere mich an ein Seminar mit Trevor Peters, an dem ich vor vielen Jahren teilnahm. Nun sitzen wir in der Filmhauskneipe im Hamburger Stadtteil Ottensen bei einem Milchkaffee und ich habe endlich Gelegenheit, mehr über den vielseitigen Autor und Regisseur zu erfahren.
„Am Anfang studierte ich in Neuseeland Philosophie“, berichtet Trevor Peters. „Dort hatte ich sogar eine Dozentenstelle. Alles schien vorgezeichnet, doch dann sah ich einen Dokumentarfilm, der mir sehr gefallen hat. Ich verließ die Universität und arbeitete für das Fernsehen, das damals in Neuseeland völlig neu war.“
Trevor Peters war weiterhin von Dokumentarfilmen fasziniert: „Ich entdeckte, dass man durch eine andere Sichtweise auf ein Thema, eine neue Welt Continue reading „„Was du nicht empfunden hast, kannst du nicht ausdrücken““

Für eine neue Geburtskultur

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Hebammen, Eltern und Experten vereint für vernünftige RahmenbedingungenDie gesetzlichen Krankenkassen verhandeln zur Zeit mit den Hebammen-Verbänden; die Wahl des Geburtsortes soll zur Disposition stehen. Ebenso sollen z.B. Vorgespräche von Hebammen mit Schwangeren nicht ausreichend finanziert werden; einiges mehr soll reglementiert werden. Viele Hausgeburten würden so aus dem gesetzlichen Leistungsspektrum herausfallen und zu privaten Leistungen umdefiniert werden. Noch will der Gesetzgeber einerseits eine flächendeckende Hebammen-Versorgung gewährleisten und das Selbstbestimmungsrecht von Schwangeren schützen; andererseits weiß man nur allzu gut, wie rasch politische Positionen heutzutage kippen.

Wie der Verein „HappyBirthday – Gemeinsam für eine selbstbestimmte Geburtskultur e.V.“ nach einem ersten deutschlandweiten Netzwerktreffen am 11.April 2015 in Kassel zusammenfasst, ist die anhaltende Verschlechterung der Rahmenbedingungen in Schwangerenbetreuung und Geburtshilfe in Deutschland alarmierend. Gravierende Fehlentwicklungen gefährdeten nicht nur die Existenz freiberuflicher Hebammen, die körperliche und seelische Gesundheit von Müttern und ihren Kindern hänge in zunehmendem Maße von den familiären finanziellen Ressourcen ab. Bedenkt man die ohnehin schon niedrige Geburtenrate in Deutschland, so ist es grotesk, dass werdende Eltern in der Phase des Familienstarts wenig oder gar nicht bio-psycho-sozial versorgt werden.

Insbesondere die stetig steigende Zahl von Kaiserschnitten, eine sehr hohe Frühgeburtlichkeitsrate sowie eine ebenso hohe medizinische Interventionsrate bei fast allen Geburten lassen auf Fehlentwicklungen in der Geburtskultur schließen, die dringend Reformen benötigt. Auf dem Kasseler Netzwerktreffen sei deutlich geworden, dass die verschiedenen Elterninitiativen nicht nur ein Mitspracherecht fordern, wenn es um die Rahmenbedingungen von Schwangerschaft, Geburtshilfe, Wochenbett und Stillzeit geht, sondern diese den Staat nicht aus seiner Mitverantwortung entlassen wollen. Die Gewährleistung einer individuellen, wohnortnahen geburtshilflichen Versorgung sowie die stärkende Begleitung durch Hebammen bei der Familiengründung kann nur im Interesse aller sein.

Die gesellschaftliche Bedeutung von Zeugung, Geburt und Erziehung wird in hochindustrialisierten Kulturen traditionell unterschätzt; sie muss in den Vorstellungen der Menschen und ganz konkret im Alltag vernünftige Bedingungen vorfinden, damit Gesellschaft funktionieren kann. Nicht nur werdende Eltern werden sich über diese Zusammenhänge immer öfter bewusst. Von wissenschaftlicher Seite wird der Einsatz von Familien-Hebammen mittlerweile als sehr sinnvoll erachtet; noch dazu werden die Erkenntnisse der Pränatalpsychologie weiteren Kreisen zugänglich. Gebären ist einerseits ein archaischer Akt, der auf den Ursprung der Menschheit verweist. Andererseits hat sich über Jahrzehnte eine Kultur der Schwangerenbetreuung und Geburtshilfe entwickelt, die eine enorme Bandbreite an technischen Möglichkeiten und medizinischer Intervention aufweist. Dies führt dazu, dass eine angemessene menschliche Begleitung von Schwangeren und Gebärenden durch eine technische in den Hintergrund gedrängt wurde. Wie wichtig jedoch gerade in dieser sensiblen Umbruchsphase eine vertrauensvolle Betreuung ist, wissen Mütter, Väter und werdende Eltern nur zu gut. Nun gilt es, diese Fehlentwicklungen wieder in vernünftige, sinnvolle Bahnen zu lenken. Eine gelungene Geburtskultur zu etablieren ist notwendig und auch möglich, wenn die Rahmenbedingungen dafür stimmen. Ein Umdenken ist dazu gewiss erforderlich. Zahlreiche Initiativen und Gesellschaften im Bereich der Geburtskultur haben dies bereits erkannt, so wie ebenso Wandlungen der Wahrnehmung von Zeugung, Geburt und Erziehung in weiten Teilen der Öffentlichkeit stattgefunden haben. Dazu gehört auch die Wandlung der Wahrnehmung von Schwangerschaft und Geburt vom rein Angstbesetzten hin zum auch Lustbesetzten, die immer mehr werdende Mütter realisieren können, dies auch gewiss mit den entsprechenden Auswirkungen auf das werdende Kind. Um allen Aspekten rund um diese komplexe Thematik gerecht werden zu können, müssen jedoch Notwendigkeiten personeller und materieller Ressourcen berücksichtigt werden. Die Schaffung einer gelungenen Geburtskultur muss oberstes Anliegen einer Gesellschaft sein – im Interesse der Gesellschaft, der Mütter, der Väter und der Kinder. Man kann die Bedeutung dessen gar nicht überschätzen: Es ist der Grundpfeiler, auf dem sich unser Sein errichtet.

Weitere Informationen auch über HappyBirthday e.V., Karlsruhe
www.happybirthday-deutschland.de

Götz Egloff / für HappyBirthday e.V.: Cerstin Jütte, Simone Vogel

Sachsens stolze Industriekultur – eine Spurensuche

Dieser Artikel erschien im März 2014 im Jahrgang 112 im „Deutschen Ärzteblatt“ und am 2. Mai in Nummer 3 des Magazins „Sehnsucht Deutschland.“
Von Uta Buhr

Feuerrotes Ungetüm: Die Döbelner Pferdebahn
Feuerrotes Ungetüm: Die Döbelner Pferdebahn

„Ewige, ewige Sachsen!“ Schwingt in diesem Ausruf Kurt Tucholskys etwa ein leiser Neid mit? Er, der Urberliner mit der berühmt-berüchtigten Kodderschnauze, amüsierte sich zwar über die Mundart der Sachsen, zog aber gleichzeitig den Hut vor ihrem Fleiß und Erfindergeist. Ja, die Sachsen waren helle und sind es auch heute noch. Qualitätsarbeit sowie eine Vielzahl von Manufakturen und Industriebetrieben machten den Freistaat im 19. Jahrhundert zu einer der reichsten Regionen Europas. Wer Sachsens stolze Industriekultur aus der Nähe betrachten möchte, begebe sich auf eine Reise kreuz und quer durch das Land an Elbe, Mulde und Lausitzer Neiße. Wetten, dass Sie mit einer Fülle neuer unauslöschlicher Eindrücke von dieser Exkursion zurückkehren!

Von Pferdenarren und Spinnern
Heute scheint ganz Döbeln auf den Beinen zu sein. Kein Wunder, denn die von Hengst Elko gezogene Pferdebahn kurvt quietschend durch das schmucke Städtchen an der Freiberger Mulde. Continue reading „Sachsens stolze Industriekultur – eine Spurensuche“

Karin Beiers besondere Botschaften

Von Hans-Peter Kurr
Hamburg: Schauspielhaus-Intendantin stellt Spielplan 2015 / 16 vor
Sie ist „bekennende“ Non-konformistin. Deshalb hält sie nicht viel von ‚political correctnes‘ in der Kultur- und Kunstwelt. Das macht nicht nur ihre unschätzbare Qualität als Theaterleiterin und Spielplangestalterin aus, sondern mehr noch das selten erreichte Niveau ihrer Eigen-Inszenierungen, mit denen sie in einer – von vielen anderen unerreichten – sehr inviduellen Originalität in den grössten europäischen Städten von Düsseldorf, Köln ( ihrer Heimtstadt ), München, Wien etc. verdiente Triumphe feiern konnte… obwohl sie keineswegs der Typ ist, der sich darin „badet“. Continue reading „Karin Beiers besondere Botschaften“

Man nannte ihn »Mr. Jaguar«

erschienen in der PAZ

Von Dr. Manuel Ruoff

Ein kultivierter V12 klingt wie Musik.

Und wie ein Autohersteller sollte auch ein Dirigent Sinn für Ästhetik und Freude am Schönen haben. Vielleicht ist das das verbindende Element zwischen Vater und Sohn Lyons. Der am 4. September 1901 in Black­pool geborene Dirigenten- und Musikersohn William Lyons brachte eher durchschnittliche Noten nach Hause und seine beruflichen Anfänge zeugen nicht gerade von Zielstrebigkeit. Im Motorradsport war er jedoch mit seiner Harley Davidson erfolgreich und nach Erreichen der Volljährigkeit gründete er mit dem acht Jahre älteren William Walmsley und der Unterstützung der beiden Väter die Swallow Sidecar Company, um Motorradbeiwagen her­zu­stellen. Später kamen Autokarosserien hinzu. Continue reading „Man nannte ihn »Mr. Jaguar«“

Fischersfrau fängt frische Fische

Dieser Artikel erschien am 21. März 2014 in der PAZ

Von Uta Buhr

Heike Winder
Heike Winder

Am Bodensee werfen auch Frauen ihre Netze aus – In Hagnau erinnert man sich dabei an einen alten Schlager.
Statt einfache Beute von Männern zu sein, macht die holde Maid selbst Jagd – auf Fische, angelt sich dann später aber selbst einen Mann. So jedenfalls in einem beliebten Heimatfilm aus den 1950er Jahren. Heute ist die Realität am Bodensee eine andere.

„Die Fischerin vom Bodensee ist eine schöne Maid juchhee.“ So begann ein Schlager, der in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts Furore machte. Zum Lied gesellte sich bald ein Film gleichen Titels, der Scharen von Zuschauern in die Kinos lockte. Wenn er heute hin und wieder im Nachmittagsprogramm eines TV-Senders zu sehen ist, begeistert die einfache, in der arkadischen Landschaft des Bodensees verortete Handlung nicht nur ältere Semester. Hauptdarstellerin Marianne Hold, die weiland in ihrem weißen Kahn auf den See hinaus ruderte und ihre Netze auslegte, in die sich auch ein alter Hecht verirrt, Continue reading „Fischersfrau fängt frische Fische“

Der Mann hinter Carl Zeiss

erschienen in der PAZ

Von Dr. Manuel Ruoff
Vor 175 Jahren wurde der Physiker, Unternehmer und Sozialreformer Ernst Abbe als Arbeitersohn in Eisenach geboren
Ernst Abbe ist als Begründer der modernen Mikroskopie bezeichnet worden wie auch der Weltstellung der deutschen optischen Industrie. Das ist viel und richtig, aber nicht genug. Denn Abbe war außer einem Wissenschaftler und einem Unternehmer auch ein Sozialreformer von großer Bedeutung. Mit Sinn und Verstand hat man einmal „Carl Zeiss“ sein Pseudonym genannt.

Carl Zeiss steht für Hochtechnologie, für deutsche Wirtschaftskraft sowie für arbeitnehmerfreundliche Arbeitsbedingungen und sozialreformerisches Engagement. Dass wir all dieses heute gemeinhin mit dem Namen von Carl Zeiss und nicht mit dem Ernst Abbes verbinden, ist auf die Bescheidenheit von Letzterem zurückzuführen, ein Grund mehr, diesen Mann zu ehren. Continue reading „Der Mann hinter Carl Zeiss“

Chance für Agrarwirtschaft: Mehr Bio-Ökonomie – weniger Bürokratie !

Von Dr. Immo H. Wernicke

BM Schmidt übergibt im Auswärtigen Amt in Berlin das Abschlusskommuniqué  an FAO-Generaldirektor da Silva und Agrarminister Eker für die Türkische Ratspräsidentschaft der G 20 am 17.01.2015
BM Schmidt übergibt im Auswärtigen Amt in Berlin das Abschlusskommuniqué an FAO-Generaldirektor da Silva und Agrarminister Eker für die Türkische Ratspräsidentschaft der G 20 am 17.01.2015

Chance für Agrarwirtschaft: Mehr Bio-Ökonomie – weniger Bürokratie !
Das forderte Bauernpräsident Joachim Rukwied von der EU-Kommission und vom neuen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt zur Eröffnung der Internationale Grüne Woche im Januar 2015 in Berlin. Der Bundeslandwirtschaftsminister begrüßte zur weltweit größten Agrarmesse nicht nur Landwirte und Vertreter der Landwirtschaft und der Ernährungsindustrie sondern auch wieder zahlreiche Agrarminister, sowie die EU-Kommissare für Agrar und Umwelt und die Direktoren von FAO* und Weltbank. Er erklärte das neue Konzept der Bio-Ökonomie und die Verbesserung der Rahmenbedingungen durch Abbau von Überregulierungen und Förderung von Innovationen und Technologien in der Landwirtschaft zur Chefsache. Continue reading „Chance für Agrarwirtschaft: Mehr Bio-Ökonomie – weniger Bürokratie !“

Kunst gestaltet Leben: Der Weihnachtsmann wird in diesem Jahr 167 Jahre alt!

Von Johanna Renate Wöhlke

Der beliebteste Greis der Welt ist 167 Jahre alt.

Der Weihnachtsmann kann lachen!
Der Weihnachtsmann kann lachen!

Er gehört in die Zeit der Wunder, Geheimnisse und Fantasien. Die Weihnachtszeit ist seine Zeit – die Zeit des Weihnachtsmannes. Zeit- und geschichtslos scheint er seine Geschenke auszuteilen, ohne dass einer jemals nach seiner persönlichen Geschichte gefragt hätte.
Aber er hat eine und außerdem noch ein Geburtsjahr und einen Vater, dessen Vaterschaft kaum jemand kennt: Der hieß nämlich Moritz von Schwind, war Maler und hat seinen Sohn als Prototyp mit Farbe und Pinsel geboren. Das war 1847 für eine Bilderfolge der Zeitschrift „Münchner Bilderbogen“, die in Deutschland und Europa ihre Leser hatte. Continue reading „Kunst gestaltet Leben: Der Weihnachtsmann wird in diesem Jahr 167 Jahre alt!“

Anton`s Bauernbrot

 Von Birgit Oesterle

Eine Geschichte, die vor 100 Jahren begann…

Anton im Ruhestand
Anton im Ruhestand

Eine kleine Geschichte über ein Brot zu schreiben. Gibt es denn so etwas? Ja, es gibt sie, die Geschichte über „Anton`s Bauernbrot“.

Alles begann am 4. Oktober 1914: Anton Schmidkunz erblickte das Licht der Welt. Aufgewachsen ist der kleine Anton im Egerland, heute Tschechien. Die Eltern führten auf dem Grünberg, Hausberg und Wahrzeichen der Stadt Eger eine Ausflugsgaststätte.

Anton lernte in Eger das Bäckerhandwerk und somit auch die Herstellung des berühmten Bauernbrots. Bald schon diente er als „Brotkurier“: Jeden Samstag lieferte Anton einen Leiterwagen voller Bauernbrote von Eger auf den Grünberg. Seine Mutter bereitete daraus die Brotzeiten, viele Gäste aber kauften gleich einen Laib, da er ihnen gar so gut mundete.

Anton´s weiterer Berufsweg wurde, wie bei so vielen seiner Generation durch die Wirren des 2. Weltkrieges und einer jahrelangen russischen Gefangenschaft jäh unterbrochen. Continue reading „Anton`s Bauernbrot“

Gründer und Märzminister

erschienen in der PAZ

David Hansemann schuf Vorgänger von Aachen-Münchner und Deutscher Bank

David Hansemann wäre gleich in zweifacher Hinsicht einen Lexikonartikel wert. Zum einen als Gründer diverser Unternehmen, zum anderen als Finanzminister und einer der führenden Köpfe der preußischen Märzregierung.
Das am 12. Juli 1790 in Finkenwerder bei Hamburg geborene jüngste der elf Kinder des Eberhard Ludwig Hansemann war zwar ein Pastorensohn, aber für ein Theologiestudium reichte wohl angesichts der Kinderschar das Geld nicht und so begann er 1805 eine kaufmännische Lehre im Handelsgeschäft von Ferdinand und Johann Daniel Schwenger in Rheda. In der Franzosenzeit Continue reading „Gründer und Märzminister“

Hunderten Lokomotiven gab er seinen Namen

erschienen in der PAZ

Von Dr. Manuel Ruoff

Vor 160 Jahren starb mit August Borsig eine typische Gründerpersönlichkeit der deutschen Industrialisierung im 19. Jahrhundert
Der „Lokomotivenkönig“, wie August Borsig bezeichnenderweise von Alexander von Humboldt genannt wurde, gründete den größten Lokomotivenproduzenten Europas und den neben Baldwin Locomotive Works in den USA größten der Welt.

Zunächst schien es so, als würde Johann Friedrich August Borsig in die Fußstapfen seines Vaters treten. Der am 23. Juni 1804 in Breslau als zweites von fünf Kindern geborene Schlesier erlernte das Zimmererhandwerk. Daneben besuchte er die Kunst-, Bau und Handwerkschule seiner Geburtsstadt. Ein Stipendium ermöglichte ihm ab 1823 den Besuch des Königlichen Gewerbe-Instituts in Berlin. Continue reading „Hunderten Lokomotiven gab er seinen Namen“

Janz Berlin is eene Wolke – Ein Streifzug durch Berlin-Mitte

Von Uta Buhr

 "Salon" - der Gendarmenplatz
„Salon“ – der Gendarmenplatz

Spieglein, Spieglein an der Wand… Man mag darüber streiten, ob Berlin die schönste Stadt Deutschlands ist. Eines aber ist unbestritten: Sie ist mit Abstand die aufregendste Stadt der Republik und gewiss eine der interessantesten und quirligsten Metropolen weltwelt. Ein Spaziergang durch Berlin-Mitte – das pulsierende Herz der Stadt – macht Lust auf mehr.

Ein strahlend blauer Himmel wölbt sich über Berlin. Die Sonne lässt die gläserne Kuppel des Reichstages silbern aufblitzen. Kaiserwetter. Die „Hauptstadt mit Herz“ scheint aus allen Nähten zu platzen. Babylonisches Stimmengewirr auf Straßen, Plätzen, in Cafés und Biergärten. Gerade schwebt eine grazile Japanerin mit einem riesigen Continue reading „Janz Berlin is eene Wolke – Ein Streifzug durch Berlin-Mitte“

10 Jahre Queen Mary 2 in Hamburg im Juli 2014

Von Johanna Renate Wöhlke

Die viertägige Jubiläumsreise nach Stavanger
oder
Eine lange Liebeserklärung an eine kurze Reise

Abschiedswinken
Abschiedswinken

Die Queen Mary 2 legt ab. In den Himmel ragt nicht nur sie. Hinter ihr ragt alles in den Himmel, was Hamburg zu bieten hat, und bildet eine einzigartige Abschiedssilhouette – vom Riesenrad am Grasbrook Terminal, der noch immer kranumkränzten Elbphilharmonie, den Kirchtürmen und Riesenkränen in den Wirtschaftshäfen. So sieht eine Paradeausfahrt aus. So fühlt sie sich an, begleitet von Tausenden von Menschen.

Ganz langsam verliert sich Hamburg im Abendhimmel. Am Übergang zwischen Himmel und Wasser bleibt eine immer schmaler werdende gezackte dunkle Linie zurück, gemalt von einer Stimmung, die Abschied heißt. Continue reading „10 Jahre Queen Mary 2 in Hamburg im Juli 2014“

„Sekretär Europas“ und rechte Hand Metternichs

erschienen in der PAZ

Von Dr. Manuel Ruoff
Friedrich Gentz führte auf dem Wiener Kongress Protokoll und gilt als einer der Väter der Karlsbader Beschlüsse
An der Seite und als Feder des österreichischen Regierungschefs Clemens von Metternich wurde Friedrich Gentz zur Zielscheibe der nationalliberalen Bewegung. Dabei war der Publizist im Staatzsdienst ursprünglich nicht nur Preuße, sondern sogar preußischer Beamter und darüber hinaus ein Verteidiger von Aufklärung und Französischer Revolution

Der am 2. Mai 1764 in Breslau geborene Friedrich Gentz entsprach so gar nicht dem gängigen Bild des korrekten preußischen Beamten. Er war Genießer, liebte neben Speis und Trank auch die Frauen und nicht nur eine, neigte dazu, über seine Verhältnisse zu leben, arbeitete lieber zuhause Continue reading „„Sekretär Europas“ und rechte Hand Metternichs“

Erster Spatenstich zum dritten Kreuzfahrt-Terminal im Hamburger Hafen

Von Johanna Renate Wöhlke

Wüstenschiff AIDAluna?
Wüstenschiff AIDAluna?

Gibt es im Hamburger Hafen Wüstenschiffe? Diese Frage könnte seit dem 4. Juli 2014 bejaht werden. Allerdings darf der geneigte Leser hier mehr erwarten als ein Wortspiel, denn er wird sich so einfach nicht hinters Licht führen lassen, gerade wenn das „Wüstenschiff“ den Namen „AIDAluna“ trägt. Der spielt bekanntlich auf die dunklere Tageszeit an. Aber Nacht war es nicht, sondern strahlender Sonnenschein, als die „ AIDAluna““ zu ihrer kürzesten Kreuzfahrt auslief, etwa eineinhalb Seemeilen lang vom Cruise Center in Hamburg – Altona bis an den Kronprinzkai in den Kaiser-Wilhelm-Hafen in Hamburg – Steinwerder. Das tat sie zum feierlichen ersten Spatenstich zum Bauauftakt für das dritte Kreuzfahrtterminal am Kronprinzkai , das „Cruise Center 3“, kurz CC3 genannt. Continue reading „Erster Spatenstich zum dritten Kreuzfahrt-Terminal im Hamburger Hafen“

Matthias Ristau: Neuer Seemannspastor der evangelischen Nordkirche

Von Johanna Renate Wöhlke

Matthias Ristau
Matthias Ristau

Matthias Ristau (45) ist der neue Seemannspastor der evangelischen Nordkirche. Man findet ihn in der Deutschen Seemannsmission Hamburg-Altona in der Großen Elbstraße 132 –  Blick auf Elbwellen, Schiffe und Hafen.

Allerdings nicht nur dort, denn er ist für insgesamt 7 Seemannsmissionen zuständig: Hamburg-Altona, Hamburg ( Krayenkamp), Hamburg-Harburg – bekannt unter „Duckdalben“, Brunsbüttel, Kiel, Lübeck und Rostock.

Da ist Reisen angesagt und das nicht nur mit dem Fahrrad, der S-Bahn oder dem HVV-Schiff, wie es innerhalb des Hamburger Hafens für Matthias Ristau seit seinem Amtsantritt im Oktober 2013 normal ist, ebenso übrigens wie der Weg von seinem jetzigen Wohnort Wedel in die Große Elbstraße, wenn er im Büro in Hamburg Altona arbeitet. Continue reading „Matthias Ristau: Neuer Seemannspastor der evangelischen Nordkirche“

Was der Staat an seinen Christen hat

Ein Gastartikel des Politikwissenschaftlers Dr. Andreas Püttmann

Dr. Andreas Püttmann
Dr. Andreas Püttmann

Einführende Worte von Johanna R.Wöhlke

Im Spannungsfeld Religion und Politik bewegen sich die Veröffentlichungen des  Bonner Politikwissenschaftlers und freien Publizisten Dr. Andreas Püttmann.  Seine Themen in zahlreichen Zeitschriftenaufsätzen und Büchern betreffen  Grundsatzfragen von Glaube und Gesellschaft, Kirche und Sozialethik, sowie Wertewandel und öffentliche Meinung. Im Jahre 1991 wurde er als Redakteur des „Rheinischer Merkur“ mit dem Katholischen Journalistenpreis ausgezeichnet. Er promovierte 1994 mit dem Thema „Ziviler Ungehorsam und christliche Bürgerloyalität“. Von 1993 bis 2002 wirkte er als Referent für die Begabtenförderung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Buchbeiträge schrieb Püttmann u.a. über Wertewandel-Rechtswandel (1997), Menschenbild und Medienwirkung (2002), Abschied vom Prinzipiellen (2005), Christliche Volkspartei  ohne christliches Volk? (2007) und Heimat in einer globalisierten Welt (2008). Seine viel beachtete Monographie „Gesellschaft ohne Gott. Risiken und Nebenwirkungen der Entchristlichung Deutschlands“ (2010) erscheint in vierter Auflage. Continue reading „Was der Staat an seinen Christen hat“