Spielwiese Tempelhof – wo einst die Rosinenbomber landeten

Dieser Artikel erschien am 14. September in SaS (Schleswig-Holstein am Sonntag)

Von Uta Buhr

Die Hungerharke
Die Hungerharke

„Weißt du noch?“ Meine Kollegin zupft mich am Ärmel, als wir uns dem monumentalen Empfangsgebäude des ehemaligen Berliner Flughafens Tempelhof nähern. Wie oft sind wir während der Zeit des Kalten Krieges hier gelandet, weil wir den Weg durch die schikanösen DDR-Kontrollen nach West-Berlin scheuten. „Die Besichtigung beginnt in zehn Minuten“, verkündet eine junge Frau und bittet die Besucher noch um ein wenig Geduld. „Sehen Sie sich doch inzwischen das Luftbrückendenkmal an. „Hungerharke“ nennt der Berliner Volksmund die aus drei Streben konstruierte Skulptur, die an die Blockade Berlins durch die Sowjets von Juni 1948 bis Mai 1949 erinnert. Seinerzeit wurde die Frontstadt von den westlichen Alliierten durch die Luft versorgt. Continue reading „Spielwiese Tempelhof – wo einst die Rosinenbomber landeten“

Max Beckmann in der Hamburger Kunsthalle

Von Dr. László Kova
Eine rare und empfehlenswerte Ausstellung wurde am 05. September 2014 eröffnet.

Quappi in Blau und Grau, 1944 Öl auf Leinwand, 98,5x76,5 cm Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf
Quappi in Blau und Grau, 1944
Öl auf Leinwand, 98,5×76,5 cm
Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf

Max Beckmann (geb. 12.02.1884 in Leipzig, gest. 27.12.1950 in New York) ist in der Kunsthalle Hamburg mit seinen ausdruckstarken Gemälden ständig vertreten. Seine Bilder werden neben Werken von Oskar Kokoschka, Willi Baumeister, Oskar Schlemmer, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Franz Marc in der Abteilung der klassischen Moderne exklusiv präsentiert.

Die meisten Museumsbesucher kennen hauptsächlich seine Figurenbilder, mythologischen Werke, Landschaftsgemälde und Selbstporträts. Die Kuratorin Dr. Karin Schick zeigt Max Beckmann diesmal mit seinen seltener präsentierten Stillleben, die mit einem besonderen Reichtum an Farben, Formen und Stofflichkeit herausragen.

Diese Ausstellung in Hamburg, die durch zahlreiche Leihgaben von privaten und öffentlichen Sammlungen im In- und Ausland möglich gemacht wurde, ist eine besonders gelungene und hoch qualitative Präsentation von Max Beckmanns Schaffen. In dieser Größe und Vielfalt waren die Stillleben von Beckmann noch nirgendwo vertreten. Die gekonnte Hängung der Bilder und die informativen Texte an den Wänden fallen während des Besuches positiv auf. Continue reading „Max Beckmann in der Hamburger Kunsthalle“

Das Brandenburger Tor – Erstmals mit dem Eisernen Kreuz

erschienen in der PAZ

Von Dr. Manuel Ruoff

Vor 200 Jahren wurde das Brandenburger Tor in seiner heutigen Form der Öffentlichkeit vorgestellt

Mit oder ohne Eisernes Kreuz? Diese Frage spaltete zeitweise die Deutschen. Das SED-Regime ließ das Kreuz wie auch den Preußenadler von der Quadriga entfernen, nach der kleinen Wiedervereinigung kehrten sie zurück. Vor zwei Jahrhunderten wurden die beiden Symbole erstmals mit der Quadriga des Brandenburger Tores verbunden.

In einem Tiefpunkt preußischer Geschichte, der Phase napoleonischer Fremdherrschaft, erwachsen erst Preußen und später auch Deutschland zwei identitätsstiftende Symbole, die mehr oder weniger bis in unsere Gegenwart Bestand haben. Da ist zum einen das Brandenburger Tor. Dieses Tor gibt es schon seit 1791, aber erst durch den Raub der Quadriga durch Napoleon nach dem Vierten Koalitionskrieg von 1806/07, der die Figurengruppe als Kriegsbeute in seine Hauptstadt verbrachte, Continue reading „Das Brandenburger Tor – Erstmals mit dem Eisernen Kreuz“

Sevilla: Viel mehr als Flamenco

Erschienen in den Salzburger Nachrichten

Von Lilo Hoffmann

Manuel kutschiert Touristen zu den Attraktionen von Sevilla. Dazu gehört auch die Plaza de Espana mit ihrem halbrunden Prachtbau.
Manuel kutschiert Touristen zu den Attraktionen von Sevilla. Dazu
gehört auch die Plaza de Espana mit ihrem halbrunden Prachtbau.

„Wie lange brauchen wir, um Sevilla kennen zu lernen“, fragt ein junges Pärchen seinen Reiseführer während der Besichtung der gotischen Kathedrale, dem mächtigsten Kirchenbau Spaniens. Als Antwort erhalten die beiden nur ein Achselzucken.

Im Sommer, bei Temperaturen zwischen 40 bis 50 Grad, braucht man sicher etwas länger, um sich annähernd ein Bild von Sevilla zu machen. Wer aber mehr sucht als Flamenco, Sonne und südliches Flair, sollte Andalusien in der Vor- oder Nachsaison besuchen. Continue reading „Sevilla: Viel mehr als Flamenco“

„Zorn“ in den Hamburger Kammerspielen

Von Hans-Peter Kurr

Ein ebenso politisch wichtiger wie künstlerisch hervorragender Saisonauftakt 2014 / 15 an der Hartungstrasse:

Die Kammerspiele eröffneten am vergangenen Sonntag mit der Deutschen Erstaufführung „ZORN“ der Australierin Joanna Murray-Smith.

...

Als der Chronist diese Autorin anlässlich der Broadway-Inszenierung ihres Stückes „Honour“ 1998 in New York interviewte, äusserte sie sich zu ihrem Beruf und Oeuvre : „In meinen Geschichten gibt es keine Tränen, keine Klagen, keine Todeskämpfe zu sehen; noch gibt es die geringste geheimnisvolle Aufregung, da die Zuschauer von Anbeginn erfahren, daß es zur Katastrophe kommen wird.Irreparabel! Meine Waffe ist ein heiterer, fatalistischer Galgenhumor. Meine Menschen sind sogar zuweilen auf haarsträubende Weise lustig (Glänzend im Kammerspiel-Ensemble realisiert Continue reading „„Zorn“ in den Hamburger Kammerspielen“

„Der Tod und das Mädchen“ – ein Stück von aktueller Brisanz

Fotos von Sonja Zander

Eindrucksvolle Aufführung des Dorfman-Dramas im Hamburger Sprechwerk.

v.o. Moritz Schilk, Alexandra Golfiger und Mete Güner.
v.o. Moritz Schilk, Alexandra Golfiger und Mete Güner.

Es gehört zu den meistgespielten Stücken der jüngeren Weltliteratur, und das wird es auch
bleiben, so lange Diktaturen ihre Opfer fordern und diese versuchen, in einer neu gewonnenen
Demokratie die an ihnen vollbrachten Grausamkeiten zu verarbeiten. Das kann Versöhnung
aber auch Rache bedeuten, die geradezu arc haische Ausmaße erreichen kann wie in eben
diesem Theaterstück „Der Tod und das Mädchen“ des Chilenen Ariel Dorfman. Der in die
USA emigrierte Autor schrieb sich seinen Frust über die in seiner Heimat erlittene Willkür
von der Seele, in dem er seine eigenen Empfindungen mit dem schon aus dem Mittelalter Continue reading „„Der Tod und das Mädchen“ – ein Stück von aktueller Brisanz“

Budapest – diesmal wieder ganz anders!

Von Dr. Ferenc Horvath

Das Stadion
Das Stadion

Budapest erfreut sich wegen der hohen Besucherzahlen schon seit Jahren. Das ist ziemlich ungewöhnlich, da Ungarn nicht einmal eine eigene Fluggesellschaft besitzt, seit die Malev vor einiger Zeit Pleite gegangen ist.

Die Metropole zeichnet sich durch eine stabile, infrastrukturelle Entwicklung aus. Diese Entwicklung beruht ebenfalls offensichtlich auf dem Gemüt der eigenen Bürger – die mit der zum zweiten Mal wiedergewählten und zum zweiten Mal durch absolute Mehrheit ausgestatteten Regierung scheinbar immer noch zufrieden sind- eine starke positive Wirkung aus. Continue reading „Budapest – diesmal wieder ganz anders!“

Anton`s Bauernbrot

 Von Birgit Oesterle

Eine Geschichte, die vor 100 Jahren begann…

Anton im Ruhestand
Anton im Ruhestand

Eine kleine Geschichte über ein Brot zu schreiben. Gibt es denn so etwas? Ja, es gibt sie, die Geschichte über „Anton`s Bauernbrot“.

Alles begann am 4. Oktober 1914: Anton Schmidkunz erblickte das Licht der Welt. Aufgewachsen ist der kleine Anton im Egerland, heute Tschechien. Die Eltern führten auf dem Grünberg, Hausberg und Wahrzeichen der Stadt Eger eine Ausflugsgaststätte.

Anton lernte in Eger das Bäckerhandwerk und somit auch die Herstellung des berühmten Bauernbrots. Bald schon diente er als „Brotkurier“: Jeden Samstag lieferte Anton einen Leiterwagen voller Bauernbrote von Eger auf den Grünberg. Seine Mutter bereitete daraus die Brotzeiten, viele Gäste aber kauften gleich einen Laib, da er ihnen gar so gut mundete.

Anton´s weiterer Berufsweg wurde, wie bei so vielen seiner Generation durch die Wirren des 2. Weltkrieges und einer jahrelangen russischen Gefangenschaft jäh unterbrochen. Continue reading „Anton`s Bauernbrot“

1984 – Ein Alptraum

Von Michael Buschow

Pavel Kohouts reale Fiktion nach George Orwell im Hamburger Sprechwerk

Vor ausverkauftem Haus wurde im Theater Sprechwerk ein bedrückendes Stück gegeben. 1984 – Ein Alptraum, in der Fassung Kohouts nach Orwell und mehr muß man über den Inhalt auch nicht mehr sagen, denn wahrscheinlich jeder der letzten zwei Generationen hat dieses Ur-Buch der diktatorisch-technischen Überwachungsfiktion mindestens einmal in der Schule gelesen und interpretiert.

Bei solch einem Magengruben-mulmigen Inhalt erwartete wohl kaum ein Theaterbesucher lockere Unterhaltung (obwohl hin und wieder aus den Zuschauerreihen, zumindest anfangs, ein unerklärlicher Lacher zu hören war = 2 Ungut Punkte). Continue reading „1984 – Ein Alptraum“

Tierliebe verbindet

Erschienen im Hamburger Abendblatt

Von Lilo Hoffmann

Für Singles, die unbedingt einen passenden Partner kennen lernen möchten, habe ich einen ganz heißen Tipp. Vergessen Sie Diskotheken, Kneipen, Fitness-Center oder die Hotelbar. Schnappen Sie sich Ihr Haustier (notfalls könnten Sie eins ausleihen) und verbringen Sie einfach mal einen Nachmittag im Wartezimmer eines Tierarztes.
Hier kommt man wunderbar unkompliziert ins Gespräch. Die gemeinsame Tierliebe verbindet auf den ersten Blick. Fragen wie „was haben Sie denn da unter Ihrer Decke?“ oder „wie heißt Ihre Kobra?“ kommen einem ganz leicht über die Lippen und sind durchaus erwünscht. So unterhielt ich Continue reading „Tierliebe verbindet“

Gründer und Märzminister

erschienen in der PAZ

David Hansemann schuf Vorgänger von Aachen-Münchner und Deutscher Bank

David Hansemann wäre gleich in zweifacher Hinsicht einen Lexikonartikel wert. Zum einen als Gründer diverser Unternehmen, zum anderen als Finanzminister und einer der führenden Köpfe der preußischen Märzregierung.
Das am 12. Juli 1790 in Finkenwerder bei Hamburg geborene jüngste der elf Kinder des Eberhard Ludwig Hansemann war zwar ein Pastorensohn, aber für ein Theologiestudium reichte wohl angesichts der Kinderschar das Geld nicht und so begann er 1805 eine kaufmännische Lehre im Handelsgeschäft von Ferdinand und Johann Daniel Schwenger in Rheda. In der Franzosenzeit Continue reading „Gründer und Märzminister“

Hunderten Lokomotiven gab er seinen Namen

erschienen in der PAZ

Von Dr. Manuel Ruoff

Vor 160 Jahren starb mit August Borsig eine typische Gründerpersönlichkeit der deutschen Industrialisierung im 19. Jahrhundert
Der „Lokomotivenkönig“, wie August Borsig bezeichnenderweise von Alexander von Humboldt genannt wurde, gründete den größten Lokomotivenproduzenten Europas und den neben Baldwin Locomotive Works in den USA größten der Welt.

Zunächst schien es so, als würde Johann Friedrich August Borsig in die Fußstapfen seines Vaters treten. Der am 23. Juni 1804 in Breslau als zweites von fünf Kindern geborene Schlesier erlernte das Zimmererhandwerk. Daneben besuchte er die Kunst-, Bau und Handwerkschule seiner Geburtsstadt. Ein Stipendium ermöglichte ihm ab 1823 den Besuch des Königlichen Gewerbe-Instituts in Berlin. Continue reading „Hunderten Lokomotiven gab er seinen Namen“

Hamburg Neugraben-Fischbek und Heidschnucken. Ein Stadtteil kreiert sein Wahrzeichen

Von Johanna Renate Wöhlke

Begeisterte Schüler gestalten die Heidschnucken gemeinsam mit der Lehrerin Tanja Jaffal  ( zweite von links hinten)
Begeisterte Schüler gestalten die Heidschnucken gemeinsam mit der Lehrerin Tanja Jaffal ( zweite von links hinten)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kein Hafen, keine Schiffe und trotzdem Hamburg. Farbe, Farbe und nochmals Farbe – aber worauf? Die Antwort ist nicht des Pudels Kern, sie ist der Heidschnucken Wolle in Form gemalter Bilder auf nackten Heidschnuckenskulpturen! Continue reading „Hamburg Neugraben-Fischbek und Heidschnucken. Ein Stadtteil kreiert sein Wahrzeichen“

Schade, dass ihr nicht hier seid!

Erschienen im Hamburger Abendblatt

Von Lilo Hoffmann

Früher verreiste ich oft mit Freunden. Den gemeinsamen Bekannten, die zu Hause blieben, schickten wir Ansichtskarten. Die meisten erhielten ganz normale Urlaubsgrüße. Bei einigen jedoch – es waren die, die uns damals ein wenig auf die Nerven gingen – schrieben wir in jugendlichem Übermut noch hinzu, dass sie uns sehr fehlen würden. Manchmal wurde diese Bemerkung auch in „Wirklich schade, dass du nicht hier sein kannst“ abgewandelt. Beim Schreiben dieser Karten amüsierten wir uns köstlich – waren wir in Wirklichkeit doch froh, dass diese Menschen uns nicht begleitet hatten. Continue reading „Schade, dass ihr nicht hier seid!“

Janz Berlin is eene Wolke – Ein Streifzug durch Berlin-Mitte

Von Uta Buhr

 "Salon" - der Gendarmenplatz
„Salon“ – der Gendarmenplatz

Spieglein, Spieglein an der Wand… Man mag darüber streiten, ob Berlin die schönste Stadt Deutschlands ist. Eines aber ist unbestritten: Sie ist mit Abstand die aufregendste Stadt der Republik und gewiss eine der interessantesten und quirligsten Metropolen weltwelt. Ein Spaziergang durch Berlin-Mitte – das pulsierende Herz der Stadt – macht Lust auf mehr.

Ein strahlend blauer Himmel wölbt sich über Berlin. Die Sonne lässt die gläserne Kuppel des Reichstages silbern aufblitzen. Kaiserwetter. Die „Hauptstadt mit Herz“ scheint aus allen Nähten zu platzen. Babylonisches Stimmengewirr auf Straßen, Plätzen, in Cafés und Biergärten. Gerade schwebt eine grazile Japanerin mit einem riesigen Continue reading „Janz Berlin is eene Wolke – Ein Streifzug durch Berlin-Mitte“

10 Jahre Queen Mary 2 in Hamburg im Juli 2014

Von Johanna Renate Wöhlke

Die viertägige Jubiläumsreise nach Stavanger
oder
Eine lange Liebeserklärung an eine kurze Reise

Abschiedswinken
Abschiedswinken

Die Queen Mary 2 legt ab. In den Himmel ragt nicht nur sie. Hinter ihr ragt alles in den Himmel, was Hamburg zu bieten hat, und bildet eine einzigartige Abschiedssilhouette – vom Riesenrad am Grasbrook Terminal, der noch immer kranumkränzten Elbphilharmonie, den Kirchtürmen und Riesenkränen in den Wirtschaftshäfen. So sieht eine Paradeausfahrt aus. So fühlt sie sich an, begleitet von Tausenden von Menschen.

Ganz langsam verliert sich Hamburg im Abendhimmel. Am Übergang zwischen Himmel und Wasser bleibt eine immer schmaler werdende gezackte dunkle Linie zurück, gemalt von einer Stimmung, die Abschied heißt. Continue reading „10 Jahre Queen Mary 2 in Hamburg im Juli 2014“

Kulinarischer Trost im Stau

Erschienen im Hamburger Abendblatt

Von Lilo Hoffmann

Wenn ich von Harburg aus auf die andere Seite der Elbe fahre, benutze ich wie so viele die Auffahrt Moorburg, um auf die A7 zu gelangen.

Wer Pech hat – das wissen alle Autofahrer – steht dann vor dem Elbtunnel eine Weile im Stau. Bisher waren diese Staus zumindest für mich einigermaßen erträglich, denn die begehrten Röhren sind von Moorweg nicht allzu weit entfernt.

Doch vor kurzem erwischte es mich voll, denn diesmal kam ich aus Richtung Lüneburg. Zum ersten Mal musste ich erleben, was es bedeutet zwanzig Kilometer vor dem Elbtunnel in stockenden Verkehr zu geraten. In einer halben Stunde konnte ich etwa zwei Kilometer zurücklegen. Ein Continue reading „Kulinarischer Trost im Stau“