von Dirk-Uwe Becker, Mitarbeit Heike Suzanne Hartmann-Heesch
Foto: Günther von der Kammer
Preisträgerin und Moderatorin
Anlässlich der „altonale“, dem Stadtteilfest in Altona, gibt es einmal im Jahr im Bistro Roth in Ottensen die literatur altonale Lesebühne, veranstaltet vom Literaturnetzwerk Textfabrique51. Anders als auf den Offenen Lesebühnen, die die Textfabrique51 dort sonst monatlich moderiert und zu der AutorInnen spontan kommen und Texte bis zu 10 Minuten Länge vortragen können, müssen sich die AutorInnen für die altonale Lesebühne vorab bewerben, und im Anschluss an das Wettlesen wird seit vergangenem Jahr der „Bahman“-Preis vergeben, benannt nach Bahman Nader-Nezhad, dem Betreiber des Bistro: Das Publikum ermittelt per geheimer Wahl den/die SiegerIn. Die Vorlesezeit für jede/n einzelne/n AutorIn ist auf maximal 8 Minuten begrenzt – wenig Zeit für die AutorInnen also, um die Jury von ihrem/seinem Text und Vortrag zu überzeugen! Continue reading „Vorjahressiegerin Heike Suzanne Hartmann-Heesch gewinnt erneut den „Bahman“-Preis der literatur altonale Lesebühne“
Von Michael Buschow und Gilla Schmitz Foto: Jürgen Heck
Hans-Peter Kurr
Nein, dies soll kein Nachruf sein oder gar eine Wiederholung von all dem Beruflich-Künstlerischen, was in WIKIPEDIA oder wo auch immer geschrieben steht, denn das Theaterschaffen von Hans-Peter Kurr ist nun wirklich hinlänglich bekannt.
Wir erinnern uns einfach an einen guten Freund und kollegialen Mitmenschen, der unermüdlich für seine jungen Nachwuchsschauspieler (die er „meine Kinder“ nannte) Türen öffnete und Kontakte herstellte. Der Talente entdeckte und mit seinen Mitteln förderte, aber auch als gestrenger Lehrer Leistung von ihnen forderte. Continue reading „Hommage an den Freund und Kollegen Hans-Peter Kurr“
[Dieser Artikel erschien am 7. Mai 2016 im Deutschen Ärzteblatt.]
von Uta Buhr
Fotos: Michael Pasdzior
Hafengeburtstag
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Im Wonnemonat Mai, wenn alles grünt und blüht, feiert Hamburg seinen Hafengeburtstag. Da befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand. „Na, na, wir wollen ja nicht gleich übertreiben“, meint der alte Fahrensmann mit der blauen Schiffermütze, der gerade seine Barkasse für die nächste Hafenrundfahrt flott macht. „Aber wir sonst so besonnenen Hanseaten kommen da mal so richtig aus uns heraus. Aber mit Stil.“ Continue reading „Leinen los und ahoi! So feiert Hamburg seinen Hafengeburtstag“
Endlich ist der große Tag gekommen: Künstlercafé & Wortwerke in Husum nimmt den Betrieb auf! Mitten in der Altstadt, in der kleinen, pittoresken Straße Neustadt, erwartet uns ein klein scheinendes, altes Haus mit liebevoll dekoriertem Schaufenster. Zwei Steinstufen hoch durch die Eingangstür, Wärme und der Duft gebackenen Kuchens und Kaffees hüllt uns ein und lässt den kalten Nordwind, der uns beim Aussteigen aus dem Auto in Empfang genommen hatte, schnell vergessen sein. Mein erster Blick fällt auf das Kuchenbuffet, auf dem Napoleon und Zar Nicolei in Form von Gebäck vertreten sind. Gleich rechts am ersten Tisch sitzt eine Damenrunde, hinter ihr steht das erste Bücherregal mit Kinder- und Jugend-literatur und – selten genug in einer Buchhandlung – einer Auswahl Kurzgeschichten. Weiter im hinteren Teil des Continue reading „Mit Katharinas Traumkuchen in der guten Bücherstube“
in Zentral-Asien, seiner Form wegen auch das „Hasen-Land“ genannt, das Land der Arier.
93% seines Territoriums sind von Bergen besetzt, welche ehemals die höchsten der Sowjetunion gewesen sind; darunter auch die Kommunismus-Spitze sowie die Lenin-Spitze. Es ist das Land von mehr als 2000 Seen, von 8000 Gletschern mit im Durchschnitt 300 Sonnentagen im Jahr. Diese Angaben regen einem das Herz sofort an; vieles Atemberaubendes folgt aber erst noch…
Warning: Be careful. Somebody in the theatre is wearing a gun and will use it as the play goes on. But relax. It takes a certain time before John Barret, a shy and polite young man in a brown suit (admirably played by Adam Lilley) will direct his weapon against his hosts. You, the audience, are safe on your seats and will not be threatened. You may, however, be shocked by the noise.
Ab sofort wird im English Theatre scharf geschossen! Selbst Zuschauer, die das Erfolgsstück des britischen Autors N.J. Crisp schon einmal gesehen haben – es lief bereits 2004 vor einem begeisterten Publikum im TET – zucken auch heute noch zusammen, wenn der offenbar von allen guten Geistern verlassene John Barrett seinen Revolver auf das Ehepaar Driscoll richtet und den beiden erschreckende Dinge vorwirft, die diese offenbar gar nicht verstehen oder nicht hinterfragen wollen. Hat der Mann, der in seinem schlecht sitzenden braunen Anzug aussieht wie der Buchhalter irgendeiner kleinen Klitsche, sich etwa in der Adresse geirrt? Continue reading „“Dangerous Obsession”– das neue Stück am English Theatre of Hamburg“
Zwei Mädchen kommen in der Silvesternacht 1954/1955 zur Welt, und nur der Name Cornelia eint sie. Ansonsten gehören sie in verschiedene Welten, was zu der Zeit noch enorm schwerwiegt. Die eine Cornelia wird in eine „anständige“ Familie geboren, ein hässliches Kind. Die andere, still und niedlich, ist als uneheliches Kind des Fräulein Hertz, wie die ledige Mutter im Krankenhaus angesprochen wird, eine „Schande“. Schon in den ersten Lebenstagen der Cornelias bekommen Leser*innen einen Eindruck der damaligen Verhältnisse, und bis Seite 20 hofft man mit einem lachenden und einem weinenden Auge, dass dieses Aschenputtel doch noch irgendwie das große Los ziehen wird – auch wenn sie dafür die denkbar schlechtesten Voraussetzungen hat. Ein kleiner Hinweis auf eine mögliche Wende ist nur der leibliche Vater, den Fräulein Hertz beim Fasching traf und der „das Gesicht eines Prinzen aus tausendundeiner Nacht“ (S. 21) hatte, was Continue reading „Aschenputtel reloaded: Das Mittwochszimmer“
Ubi beni, ibi patria! Wo es dem Römer gut ging, war er zu Hause. Besonders gefiel es ihm in der vom Imperium romanum eroberten Provinz Pannonia. Die fruchtbare ungarische Tiefebene bot den verwöhnten Bürgern Roms unter vielem anderen eine ganz besondere Kostbarkeit – sprudelnde Quellen heilenden Wassers. Erstaunlicherweise taucht in keiner der ausschweifenden Erzählungen römischer Literaten und Berichterstatter der Heilsee von Héviz auf.
Her initial name is Susan. However, Susan worships writer Rita Mae Brown and therefore calls herself Rita. Frank, a middle-aged lecturer at a university in the North of England (superbly played by Tim Shoesmith) is deeply shocked by Rita’s appearance and her terrible Liverpudlian accent (Grace Alexander Scott plays brash Rita in the most charming way) when she steps into his study. Does this awfully dressed, rather vulgar young woman – skirt too short, heels too high – really think that he is willing to teach her the poems and dramas of Shakespeare, Chaucer, Fielding and other great figures of English literature? Just imagine her literary taste! Her favourite book is “Rubyfruit Jungle” by Continue reading „„Educating Rita“ – The New Play at The English Theatre of Hamburg“
Eigentlich heißt Rita Susan. Weil sie aber für die Schriftstellerin Rita Mae Brown schwärmt, hat sie kurzerhand den Namen ihres Schriftsteller-Idols angenommen. Besonders „Rubinroter Dschungel“ hat es ihr angetan. In diesem Roman schildert die Autorin die Vita einer gewissen Molly Bolt, die sich für ein selbstbestimmtes Leben – ein Skandal in den prüden fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts – entschieden hat und hoch hinaus will. Sie liest viel, bildet sich und strebt gar das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten an. Diese Absicht äußert Rita/Susan allerdings nicht, als sie das Studierzimmer von Frank betritt. Dieser desillusionierte, reichlich Gin und Scotch konsumierende Professor für Literatur an einer nordenglischen Universität ist gleichermaßen amüsiert und Continue reading „„Educating Rita“ – Das neue Stück am English Theatre of Hamburg“
B. Bolduan, B. Cleve, B. Halenta, V. Maaßen, M. Bühler, Stella’s Morgenstern (v.l.n.r.)
Wer bei Bad Segeberg an Karl May denkt, hat die Buchhandlung „Wortwerke“ noch nicht kennengelernt. Es ist viel mehr als eine Buchhandlung, denn das Gesamtkonzept aus der Gastronomie „Blattwerk“, die mit selbstgemachten Kuchen und kleinen Speisen sowie einem breiten Teesortiment aufwartet, dem Bücherzimmer mit „Schmökerexemplaren“ und Sesseln vor den Regalen, den Ausstellungsflächen für Bilder und Kunsthandwerk ist eigentlich schon für sich ein Kaleidoskop. Entsprechend früh erscheinen die Gäste vor der für den Abend angesetzten Veranstaltung, um sich auf den prächtigen Sofas und Holzstühlen vor dem Ofen niederzulassen und Tee mit Continue reading „Kaleidoskop mit Morgenstern“
Neue Stipendien für Künstlerinnen und Künstler aus Literatur und bildender Kunst
Die Kulturbehörde schreibt vierwöchige Arbeitsaufenthalte in Südfrankreich für zwei Schriftsteller und zwei bildende Künstler aus
Mit einem neuen Stipendium ermöglicht die Kulturbehörde zwei Schriftstellern und zwei bildenden Künstlern im Juni oder September 2016 vierwöchige Arbeitsaufenthalte im französischen Château de Justiniac südlich von Toulouse. Schriftsteller und Künstler können sich ab sofort für das Stipendium bewerben. Continue reading „Neue Stipendien für Literatur und Kunst für Hamburger“
Wer bis vor wenigen Jahren glaubte, die Zeit der Glaubenskriege hätte mit dem berühmt-berüchtigten „Dreißigjährigen“, der im 17. Jahrhundert das halbe Europa entvölkerte, ihr Ende gefunden, muss sich in „unserer“ , also der Jetztzeit , eines Anderen belehren lassen : Längst sind sie wieder an die Stelle der großen Machtkriege es 20. Jahrhunderts getreten und versuchen, einander auf dem Schulungsplaneten Erde wechselseitig auszurotten. Und gewiss wird dies bis zu den Tagen der in der „Offenbarung Johanni“ apostrophierten letzten Schlacht von Meggido andauern! Continue reading „Religionskriege und Evolution. „Geächtet“ im Deutschen Schauspielhaus Hamburg“
Ich bin vor der Insel Korcula in der Adria angekommen und ausgestiegen aus dem riesigen Bauch eines Kreuzfahrtschiffes. Ein kleines Boot bringt mich gemeinsam mit anderen Passagieren an Land. Exotisch und schön zeigt sich Korcula in der Mittagshitze. Wer denkt da schon an Käse. An runde, kleine Käselaiber, die auf der Hafenmauer in der Sonne liegen und darauf warten, verkauft zu werden. Continue reading „Der Käse von Korcula“
Peaches Does Herself. Electro Rock Opera, Berlin, 2010 Merrill „Peaches“ Nisker, kanadische Ikone des Electroclash mit Wohnsitz in Berlin, liefert mit der 2014 erschienenen DVD „Peaches Does Herself“ den um einige Ergänzungen erweiterten Mitschnitt ihrer Electro Rock Opera, die unter dem gleichnamigen Titel 2010 im Berliner Hebbel am Ufer zu sehen war. Was mehr als Performance denn als Konzert beginnt, entwickelt sich im Lauf des Abends zu einem veritablen Punk/Pop/Rock-Konzert des Minimalen, das nicht nur stimmlich manchmal an die frühe Pat Benatar erinnert, sondern vor allem roh und unpoliert daherkommt und den ausgehenden Punk-Crossover um 1980 wieder aufleben lässt. Auch Prince in seiner Controversy-Ära lässt grüßen. Programmierte Industrial-Sounds wechseln sich ab mit den ultra-minimalen Rock-Fetzen von Sweet Machine, die als Peaches´ Haus-Band fungieren dürfen. Modale Grooves, vor denen Peaches singt, rappt oder sonstige Statements abgibt, führen das Publikum spielerisch durch die Geschichte ihrer postmodernen Selbstwerdung, also Peaches according to Peaches.
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Dass Peaches mit einer bisweilen erstaunlich guten Stimme aufwartet, ist erfreulich; ihre minimalistischen Arrangements, die nicht wenig hängen bleiben und, eingebettet in abgefahrene Bühnen- und Kostümbilder, eindrucksvolle Installationen bilden, sind und bleiben großartig. Mit manchen ihrer Transgender-Inszenierungen hat Peaches nicht nur Miley Cyrus und einige andere inspiriert, sondern dem Pop-Mainstream grundsätzlich viel vorweggenommen. Sie bleibt dabei sympathisch – was ihr künstlerisches Ansinnen und Output nicht zu schmälern scheint. Vor allem aber kommt die sehr spezielle Musikalität nicht zu kurz, und Klassiker wie „Diddle My Skittle“ oder „Mommy Complex“ treiben das Publikum durch das postfeministische Spektakel.
Zusätzlich zur 2010er-Show gibt es einen 2004er-Konzert-Mitschnitt obendrauf, der viel mehr Konzert als Performance ist und die besonders rohe Peaches-Version zeigt – sehr direkt, sehr eindrucksvoll.
Die bei Capelight erschienene DVD „Peaches Does Herself“ zeigt ein Gesamtkunstwerk, das sich zu sehen und zu hören lohnt.
(Dieser Artikel ist 1997 im Hamburger Abendblatt erschienen, passt nun als Erinnerung in das Jubiläumsjahr und erinnert an Ida Ehre)
Von Johanna Renate Wöhlke Auf den Spuren eines zerlumpten Püppchens – und einer seltsamen Münze…
Carlheinz Hollmann mit dem Talilsman von Ida Ehre
Geschichten ergeben Geschichten. In einer alten Geschichte steckt eine neue verborgen wie in den russischen Matrjoschka-Puppen immer noch eine Puppe mehr steckt, bis man zum Kern vorgedrungen ist und in einer kontinuierlichen Reihe alle von der größten bis zur kleinsten vor sich aufgereiht hat.
Daran muss ich denken, als ich Carlheinz Hollmann und seine Frau Gerti in Luhmühlen besuche. Außerdem geht es an diesem Nachmittag tatsächlich um eine Puppe: den Talisman von Ida Ehre, der ehemaligen Prinzipalin der Hamburger Kammerspiele. Nach ihrem Tod 1989 gelangte die Puppe als Geschenk der Tochter von Ida Ehre, Ruth Müller—Eisler, zusammen mit einer Meißener Vase und einem Half-Dollar Stück in den Besitz der Hollmanns. Einmal neugierig geworden, fragte ich mich, welche Geschichte wohl hinter diesem kleinen, zerlumpten Püppchen stecken möge. Continue reading „70 Jahre Hamburger Kammerspiele: Der geheimnisvolle Talisman der Prinzipalin“