HOPE FOR CHANGES – die 7. Triennale der Photographie in Hamburg hat begonnen

Text und Fotos: Ele Runge 

Wie lange können wir noch so weitermachen wie bisher? Für Krzysztof Candrowicz, Kurator der 7. Triennale der Photographie 2018 in Hamburg, ist dies eine der zentralen Fragen, vor der die Welt heute steht. Eine Frage, die auch für das Thema der Triennale  BREAKING POINT – SEARCHING FOR CHANGE einen Antrieb bildet. Und so haben sich in dem kollaborativen Projekt, das drei Jahre lang vorbereitet wurde, 90 verschiedene Kunstorte zusammengefunden, um 25 000 fotografische Arbeiten von 320 Künstlern zu zeigen, die sich alle mit der Frage beschäftigt haben, wo Veränderungen angesetzt und in Bewegung gesetzt werden können. Die Photographie sei dabei auch eine Möglichkeit Themen zu übermitteln, die sich verbal nur schwer ausdrücken lassen, sagt Krzysztof Candrowicz.

PHOBOS EX MACHINA

In diese Kategorie gehören sicherlich die beiden polnischen Künstler Ewa Ciechanowska und Artur Urbanski, die ihre Installation PHOBOS EX MACHINA in einem der Schiffscontainer ausstellen, die rund um die Hamburger Deichtorhallen zu finden sind. Sie zeigen Videos von Bäumen, die bei Stürmen entwurzelt werden. Auf dramatische Weise heben sich in langsamem Tempo Asphalt und Erdreich, die großen Bäume fallen … auf Häuser, Autos, Menschen, die vielleicht gerade so der Gewalt entkommen können. Daneben können die Besucher anhand von Statistiken nachlesen, wie viele Menschen pro Jahr von umfallenden Bäumen verletzt oder sogar erschlagen werden. Am Stellvertreterbeispiel der ‚Bedrohung durch fallende Bäume‘ werfen die Künstler die Frage auf, wie stark wir durch die Medien manipuliert werden, indem diese bestimmte Ängste schüren und die Menschen dadurch in eine gewünschte Richtung lenken. Wie würde sich unsere Wahrnehmung ändern, so fragen die beiden Künstler, wenn Bäume, denen die Bevölkerung bislang kaum ängstlich gegenüber steht, uns künftig zunehmend als massive Gefahrenquelle präsentiert würden?

Über ganz Hamburg verteilt finden lauffreudige Besucher der Triennale eine Vielzahl interessanter Standpunkte zu ökologischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Blickwinkeln, wobei alle Aussteller ihre Themenwahl an verschiedenste klassische Computerbefehle wie [ENTER] oder [CONTROL] geknüpft haben. Zwei dieser Computerbefehle thematisiert auch das Altonaer Museum in den Projekten: [HOME] und [RETURN].

„Land ohne Eltern“, Andrea Diefenbach

Die Gruppenausstellung [HOME] ist weitgehend im öffentlichen Raum situiert, um den Themenkomplex des ‚Zuhauseseins‘ einem breiten Publikum zugänglich zu machen. In drei kleinen Holzhäusern (Parkplatz Deichtorhallen, vor Ikea Altona, Magellan Terrassen) werden Arbeiten von professionellen Fotografen und Amateuren gezeigt, die sich mit Vision und Phantasie von Wohnen und Zuhause beschäftigen und mit Innen- und Außenansichten spielen. Beeindruckend die Fotos von Andrea Diefenbach an der Außenwand des Pavillons vor IKEA Altona mit dem Titel ‚Land ohne Eltern‘ zur Problematik der Arbeitsmigration in Moldavien.

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt die zweite Ausstellung im Altonaer Museum [RETURN] Fotografie in der Weimarer Republik. Hier wird schnell deutlich, dass in dieser Zeit eine Vielzahl von ‚Breaking Points‘ Bereiche wie Politik und Gesellschaft, Technik und Industrie, Mode und Tanz veränderten. Nicht zuletzt durch die Entwicklung von Kleinbildkamera, Rollfilm, Objektiven und neuen Drucktechniken entstanden völlig neue Möglichkeiten der Dokumentation. Plötzlich konnte man die Massen erreichen und somit Informationen breiter platzieren. Die Ausstellung bildet damit den historischen Spiegel der Triennale. Jedes Foto erzählt einen Teil dieser Geschichte. Möglich wurde dies durch Kooperation mit dem LVR-LandesMuseum Bonn, der Stiftung F.C. Gundlach Hamburg sowie der Deutschen Fotothek Dresden. Eine noch weitaus umfangreichere Ausstellung zum Thema wird es im Frühjahr 2019 im LVR-LandesMuseum Bonn geben.

 

Die 7. Triennale der Photographie 2018 in Hamburg läuft vom 7. Juni bis September 2018. Das Festival selbst, mit mehr als 250 Veranstaltungen, dauert bis zum 17. Juni 2018. Nähere Informationen über Programm und Ablauf erhält aus man dem Programmheft TRI MAG oder online unter https://www.phototriennale.de