„Outside Mullingar“ von John Patrick Shanley – die neue Premiere am English Theatre of Hamburg

Möchte einer noch Tee?

Nach den temporeichen „39 Stufen“, die bis in den Januar liefen und das Publikum wochenlang in atemloser Spannung hielten, hat das Theater an der Mundsburg mit seinem neuen Stück eine gemächlichere Gangart eingeschlagen. „Outside Mullingar“ ist Clifford Deans neueste Regiearbeit an der Mundsburg. In dieser mit viel Sprachwitz und schwarzem Humor gewürzten bitter-süßen Komödie geht es um den Streit zweier in den irischen Midlands verwurzelter Familien um ein Stück Land. Eine an sich alltägliche Geschichte, die ihren Charme den dickköpfigen Protagonisten dieser Saga verdankt.

Das alte Lied: Keine der beiden Parteien ist willens, auch nur einen Millimeter auf die andere zuzugehen. Während die Alten miteinander im Clinch liegen, gleicht der Nachwuchs den beiden Königskindern, die nicht zu einander finden können, um sich ihre gegenseitige Liebe zu gestehen. Zum besseren Verständnis der Handlung stellen wir zunächst die vier Personen vor, die das geneigte Publikum zwei Stunden unterhalten.

Familienaufstellung
Tony, sei doch zur Abwechslung mal freundlich.

Da ist zunächst Tony Reilly, ein ebenso listiger wie temperamentvoller Mann von 75 Jahren, der seine Farm nach seinem Ableben unbedingt auch weiter im Familienbesitz wissen will. Tony irritiert seine Mitmenschen zuweilen mit seinem etwas abartigen Sinn für Humor.

Anthony Reilly, Tonys Sohn, ist aus ganz anderem Holz geschnitzt als sein Vater. Im Alter von 42 lebt der scheue Sonderling immer noch auf dem väterlichen Hof. Die Leidenschaft seines Vaters für die Vieh- und Schafzucht teilt er zum Leidwesen Tonys nicht. Anthony trauert immer noch seiner alten Liebe Fiona nach, die ihn einst verließ und die er nicht vergessen kann. Diese lange zurückliegende Kränkung hat seinen Blick dermaßen getrübt, dass er Rosemarys Avancen gar nicht bemerkt.

Der Gegenpart wird angeführt von Aoife Muldoon. Diese praktisch veranlagte 70jährige Matrone möchte ihrer Tochter eine gute Zukunft sichern. Aoife ist die Witwe Chris Muldoons, des gerade verblichenen langjährigen Nachbarn der Reillys.

Dies ist meine letzte Zigarette. Ehrenwort.

Bleibt noch die 36jährige Rosemary Muldoon, Aoifes eigensinnige Tochter. Sie ist seit ihrem sechsten Lebensjahr heimlich in Anthony verliebt und wartet hartnäckig darauf, dass der endlich ihre Gefühle erwidert.

Trennende Zäune und Streitigkeiten

Anthony Reilly und Rosemary Muldoony kennen sich seit frühester Kindheit. Beide trennen nicht nur Zäune, sondern immer wieder aufkeimende Streitigkeiten zwischen ihren Familien. Sie haben in ihrem Leben niemals die grüne Insel verlassen. Beide scheinen auf der heimatlichen Scholle festgewachsen zu sein. Hier auf dem Land reiht sich ein ereignisloser Tag an den anderen wie Perlen auf einer Schnur. Auf den ersten Blick scheint es, als wäre Rosemary gar nicht an dem Nachbarssohn interessiert. Doch im Stillen wartet sie seit einer gefühlten Ewigkeit darauf, dass Anthony sie endlich wahrnimmt und sich zu ihr bekennt. Rosemarys Mutter Aoife, die sonst das Gras wachsen hört, ist der Meinung, ihre Tochter mache sich nicht nur nichts aus Anthony, sondern lehne ihn schlichtweg ab, weil er sie in Kindertagen einmal sehr heftig „geschubst“ hatte.

Bewegung kommt in das tägliche Allerlei der beiden Familien, als Anthonys Vater andeutet, seinen Besitz einem entfernten Verwandten in Amerika zu überschreiben, da sein weltfremder Sprössling wenig Interesse an der Farm bekunde. Daraufhin bringt Rosemary sich in Stellung. Sie will dies um jeden Preis verhindern. Kann ihr mutiges Eintreten für Anthony sich am Ende als der Schlüssel zu beider Glück erweisen? Warten wir es ab.

Ein Ire kommt selten allein

Es ist ein Vergnügen, die vier Darsteller auf der Bühne agieren zu sehen. Alle sind waschechte Iren und sprechen in dem ihnen eigenen Idiom. Der Zuschauer muss schon die Ohren spitzen, um alle Feinheiten der zum Teil skurrilen Dialoge mitzubekommen.

Papa, ich wollte immer ein guter Sohn sein.

Während Aoife Muldoony (sensationell Nora Connolly), deren Habitus lebhaft an die alte Queen Victoria erinnert, zwar Tacheles redet, sich aber strikt an die Regeln des Anstands hält, lässt Tony Reilly (knorrig Seamus Newham) seinem Zynismus oft freien Lauf, ohne Rücksicht auf die Gefühle der anderen. Rosemary spielt die zupackende Tochter aus bäuerlicher Familie, die keine Scheu hat, Schaufel und Mistgabel anzufassen. Sie wird von Catherine Deevy verkörpert. Die lebhafte Aktrice mit der flammend roten Mähne erinnert an ihre Landsmännin Maureen O’Hara, die in den vierziger und fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Hollywood Furore machte. Sympathisch kommt Brian Tyman rüber, der den etwas verklemmten Anthony Reilly überzeugend darstellt.

Kritiker sind selten einer Meinung

Eine Reihe von Kritikern hat „Outside Mullingar“ euphorisch als eine Art Synthese aus „Doubt“ (Zweifel) und „Moonstruck“ (Mondsüchtig) beschrieben. Hier gehen die Meinungen allerdings weit auseinander. Während die New York Times schwärmt, dies sei John Patrick Shanleys bestes Theaterstück, verreißt der Rezensent der Irish Times dieses Werk mit den Worten „absolut grauenvoll. Eher noch darunter.“

Fest steht, dass sämtliche Werke des 1950 in der Bronx geborenen amerikanischen Autors mit unverkennbar irischen Wurzeln im Handumdrehen zu internationalen Erfolgen wurden. Auch Hollywood riss sich um die Rechte und verfilmte sowohl „Doubt“ und „Moonstruck“ als auch „Outside Mullingar“ mit Starbesetzung. Man denke nur an Meryl Streeps grandiose schauspielerische Leistung in „Doubt.“

Das Schlusswort überlassen wir dem großen George Bernhard Shaw, der einmal sinngemäß meinte, ohne die genialen irischen Autoren tauge die englische Literatur bestenfalls die Hälfte. Wenn diese Aussage auch stark übertrieben ist, müssen wir einräumen, dass JBS nicht ganz unrecht hat. Denn waren nicht auch Jonathan Swift, Oscar Wilde, James Joyce, William Butler und Brendan Behan Iren, die die englischsprachige Literatur bis auf den heutigen Tag bereichern?

„Outside Mullingar“ läuft bis einschließlich 9. April 2022. Tickets unter der Telefonnummer 040 – 227 70 89 oder online unter www.englishtheatre.de

Nächste Premiere: „Don’t missunderstand me“, Komödie von Patrick Cargill, am 21. April 2022

(Fotos: Stefan Kock)

THE ENGLISH THEATRE SUMMER FESTIVAL

Poster (c) ETH

The English Theatre of Hamburg is finally opening again and invites its guests to its most inspiring SUMMER FESTIVAL.
Please read the message:

Dear guests,
we are finally opening again! And not only that – we are more than happy to announce the first ever THE ENGLISH THEATRE SUMMER FESTIVAL, It will be held between the 2nd of June to the 14th of August. After that our scheduled new season in September will commence.

50 Shades of Fairytales poster c) ETH

The programme for our Summer Festival is packed with exciting performances covering everything from plays to galas and special professional impro shows! Ticket sales already started on June 14. Subscribers can redeem their existing subscription vouchers for the Summer Festival. Please do so via phone, by mail, in person at the box office or online. Our box office already opened on June 14 and will be open daily from Mondays to Fridays from 10:00 to 14:00. It also opens Tuesdays and Sundays from 15:30 to 19:30. We are looking forward to seeing you again very soon.

Tickets under phone number 040 – 227 70 89, online www.englishtheatre. de

The Summer Festival programme is very rich and diversified. Just have a look and make your choice.

The Summer Festival programme
FLOY (photo by Svea Ingwersen)

While “The Barbra Streisand Songbook” starring Suzanne Dowaliby will be performed on July 17 and 18, “Me, Myself and Janis Joplin” starring Floy is scheduled for July 20 to July 25. Two one-woman-shows starring two well-known actresses will convince you of their exceptional talent in the parts of Streisand and Joplin. Also don’t miss

English Lovers” and enjoy finest high quality impro theatre at its best on August 3 to August 8. And come to see “HAP”, world premiere of BAFTA awarded playwright John Foster, from 27 July to 1 August. Here’s a brief summery of the plot: Meet Hap. Despite all attempts to be a miserablist she can’t ever be unhappy. Unhappy, at being happy, she visits Doctor Marples seeking a cure. Doctor Marples, herself desperate for joy doesn’t know how to be happy. This hilarious and quirky comedy about our modern obsession with the pursuit of happiness, shows two very different , city-slicker women on either end of the slippery therapist’s couch. Despite the ongoing monotony of Brexit, Corona and takeaways-for-one. Hap and her doctor find, to their surprise giggles and romance in the most unlikely places – the therapist’s couch.

We are sure that you will greatly enjoy this comedy, directed by Paul Glaser, and leave the theatre in high spirits.

Sorry, but we have to pester you with the compulsory safety rules.

  • As before the closure, we are only allowed to receive a limited number of people.
  • We are allowed to sell tickets in the “chessboard system”, which means that we always leave one seat free between an occupied seat.
  • Masks are still compulsory. This time also at the square.
  • Our bar is now open again. Our guests are allowed to consume their drinks on their seats.
  • An official negative coronatest is also compulsory (not older than 48 hours). You can also have it done directly next to the box office, at the official testing point. The colleagues at the pharmacy are happy to offer us this service. The test should be carried out by 19:00 at the latest. You can book an appointment under the link below or scan the QR code on the left.
    Time Travel (c) ETH

    Anyway, have a good time, enjoy the performances at the ETH and the fine weather.

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Summer-Festival im English Theatre of Hamburg

Poster (c) ETH

Endlich! Es ist soweit: Das English Theatre of Hamburg öffnet wieder seine Pforten.
In diesem Sommer wartet das ETH zum ersten Mal seit seiner Gründung mit einem Summer-Festival auf. Das ist ein absolutes Novum. In der Vergangenheit ging das English Theatre wie alle anderen Spielstätten bundesweit für drei Monate in die Theater-Ferien und eröffnete erst im September mit einem neuen Spielplan die Herbst- und Wintersaison.

 

Vorhang auf für einen ganz speziellen Mix aus Schauspiel, Shows und Performances, der am 2. Juli beginnt und am 14. August dieses Jahres endet.

Wie üblich, wird wieder eine Reihe großartiger, handverlesener Darsteller aus dem anglophonen Sprachraum das geneigte Publikum unterhalten.

Das Programm:

Gayle Tuffts mit der Comedy-Show „American Woman“: 2. – 4.7.

50 Shades of Fairytales poster c) ETH

Titilayo Adedokun in “Fifty Shades of Fairy Tales”: 6. – 11.7.

Jefferson Bond mit einem Stand-up Double Feature: 13. – 16. 7.

Suzanne Dowaliby mit einer Barbra-Streisand- Gala: 17/18. Juli

Floy mit „Janis Joplin“ (ebenfalls eine Gala): 20. – 25.7.

FLOY (photo by Svea Ingwersen)

 

Das Theaterstück „Hap“ unter der Leitung von Paul Glaser: 27. 7. – 1.8.

„English Lovers“ (professionelles Improtheater aus Wien: 3. – 8.8.

Joanne Bell mit einer exklusiven Show: 10. – 14.8.

 

 

Time Travel (c) ETH

Wir sind froh, unseren Zuschauern während dieses Summer-Festivals eine Auswahl außergewöhnlicher Vorstellungen bieten zu können. Aufgrund der aktuellen Lage sind (kurzfristige) Änderungen leider nicht auszuschließen. Natürlich werden wir alles versuchen, uns strikt an den Spielplan zu halten. Langer Rede kurzer Sinn: Wir freuen uns auf Sie. Also – demnächst in diesem Theater!

Tickets unter der Telefonnummer 040 – 227 70 89 oder online www.englishtheatre.de

„Death Knell“ by James Cawood – the New Play at the English Theatre of Hamburg

Photos: Stefan Kock

Don’t move, or I’ll shoot you!

Dear reader, have you ever spent a few days and nights in the Scottish highlands? If so, you will certainly remember the fascinating view of high mountains and numerous lochs that form the landscape of that country in the northern part of Britain. Just buy a ticket for the latest play at the English Theatre of Hamburg for a thrilling “déjà vu” that will send chills down your spine. Are you ready for the story told by James Cawood who loves the austere charm of the highlands that inspires him to write ingenious plays of murder and intrigue. Just remember “Stone Cold Murder”, also written by James Cawood and premiered at the TET in September 2013. Here we go.

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