„The Invisible Hand“ von Ayad Akhtar, die neue Premiere am ETH

Nun mach’s schon, sag‘ mir die Wahrheit!

Dieses Geiseldrama des Pulitzerpreis-Gewinners Ayad Akhtar hält das Publikum des English Theatre of Hamburg zwei Stunden lang in Hochspannung. Ganz großes Theater!

Der schottische Moralphilosoph und Aufklärer Adam Smith (1723 bis 1790) war ein Verfechter des freien Marktes. Nachfolgend seine Definition: „Wenn Einzelpersonen ihren eigenen Interessen nachgehen, fördern sie oft das Gemeinwohl, auch wenn sie dies nicht beabsichtigen. Ein klassisches Beispiel für die unsichtbare Hand ist der freie Markt.“

Auf Gedeih und Verderb

Die Handlung spielt irgendwo in Pakistan. Der junge amerikanische Banker Nick Bright (Lee White) wird von islamischen Dschihadisten in einem finsteren Kellerloch gefangen gehalten, in das sich nur selten ein Sonnenstrahl  stiehlt. Nick hatte das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Zudem wurde er mit seinem Boss von der Citibank verwechselt. Aber was ist wertvoller als eine Geisel, für deren Freilassung man zehn Millionen Dollar erpressen kann. Da die Bank das eherne Prinzip vertritt, auf keinen Fall mit Terroristen zu verhandeln, befindet sich Nick in einer ausweglosen Lage. Was also tun?

Dar bewacht Nick in seiner Zelle

Während Explosionen die Mauern des Verlieses erzittern lassen, gibt Nick Dar (Aliyaan Asif), seinem etwas schlichten, aber schwer bewaffneten Wächter, Tipps, wie er den Seinen zu einer gewinnbringenden Kartoffelernte verhelfen kann. Dies hat zu einer kumpelhaften Beziehung zwischen beiden Männern geführt. Die Situation verändert sich jedoch schlagartig, als Bashir (Ismail Khan), ein führendes Mitglied der militanten Gruppe, den Raum betritt. Als er von Dars Geschäften erfährt, rastet er aus und schlägt ihn zu Boden. Wie kann er es wagen, dem westlichen Kapitalismus zu frönen und sich gegen Allahs strenge Gesetze zu vergehen?

Bashir beschuldigt Nick, er und seine Bank arbeiteten eng mit einem korrupten pakistanischen Lokalpolitiker zusammen, der die Wasserversorgung privatisieren und somit dem Volk das kostbare Nass entziehen wolle. Nicks Dementi ist nicht hilfreich. Ganz im Gegenteil. Bashir erinnert ihn daran, dass seine Leute nicht davor zurückschrecken würden, ihn „einen Kopf kürzer“ zu machen, wie es vor Jahren seinem unglücklichen Landsmann Daniel Pearl widerfuhr. Als Nick einen Nagelknipser am Boden entdeckt, den Dar versehentlich fallen ließ, hebt er ihn auf. Man weiß ja nie, wofür sein solches Werkzeug nützlich sein kann.

Auch ein Video von Nicks Frau, die die Entführer unter Tränen anfleht, ihren Mann frei zu lassen, fruchtet nicht. Bashir informiert Nick, dass alle Verhandlungsversuche fehlgeschlagen seien, weil die amerikanische Regierung Imam Saleem (Rohit Gokani), den hochverehrten religiösen Führer der Gruppe, auf die Liste der Terroristen gesetzt habe.

Eine clevere Überlebensstrategie

Nick verfügt nicht nur über einen scharfen Verstand, sondern kennt sich zudem bestens in den Mechanismen der globalen Finanzmärkte sowie der pakistanischen Terminbörse aus. In seinem unbändigen Überlebenswillen bietet er seinen Entführern an, sein Lösegeld höchstselbst zu verdienen, indem er den Markt manipuliert. Immerhin hat er auf diese Weise unlängst einer hochkarätigen pakistanischen Finanzgruppe einen Gewinn von zwanzig Millionen Dollar beschert. Beeindruckt von dieser Leistung, stimmt Bashir Nicks Vorschlag zu, ihn die Summe für seine Freilassung an der Börse verdienen zu lassen.

Imam Saleem behauptet, die pakistanische Gesellschaft sei die Gefangene eines durch und durch korrupten Systems. Man habe Nick aus dem einzigen Grunde entführt, um das Lösegeld zum Wohlergehen der lokalen Bevölkerung einzusetzen. Er bekäme einen PC zur Verfügung gestellt, den jedoch nur Bashir berühren dürfe. Daraus ergebe sich eine echte Win-Win-Situation, denn Bashir würde lernen, einen Computer zu bedienen und gleichzeitig Geld zum Wohl des Volkes generieren.

Na sowas, keiner auf der Straße

Allein in seiner Zelle, wagt Nick einen Blick durch sein hoch gelegenes vergittertes Fenster. Draußen ist es stockfinster, und nur das gelegentliche Bellen eines streunenden Hundes zerreißt die Stille. Mit dem aufgelesenen Nagelknipser beginnt er ein sich ständig vergrößerndes Loch in die Wand zu kratzen.

Inzwischen laufen die Börsengeschäfte dank Nicks Expertise mehr als zufriedenstellend. Das Verhältnis zwischen Nick und Bashir entspannt sich. Als Nick feststellt, dass 400.000 Dollar vom Lösegeldkonto verschwunden sind, wird er von Bashir aufgeklärt, Imam Saleem habe die Summe abgehoben, um Impfstoff für die Kinder seiner Gemeinde zu kaufen. Dadurch ist Nicks Lösegeld erheblich geschrumpft. Er ist empört, beherrscht sich aber, um seine Entführer nicht zu provozieren.

Nick ist es endlich gelungen, das Loch in der Mauer erheblich zu vergrößern, sodass er mühelos ins Freie gelangen kann.  Fünf Wochen später wird er jedoch von seinen Entführern aufgespürt und in seine Zelle zurückgeführt. Diesmal zu brutal verschärften Haftbedingungen. Bashir hat in der Zwischenzeit sehr viel über die Aktivitäten an den internationalen Börsen gelernt und entsprechende Artikel im Wirtschaftsteil der „Financial Times“ gelesen. Auch Nicks Doktorarbeit über das Bretton-Woods-Abkommen hat er mit Gewinn studiert. Kein Zweifel, die Geisel besitzt einen hohen Stellenwert.

Ist Imam Saleem zu trauen?

Bashir und Dar hegen den Verdacht, dass ihr hochverehrter Imam einen Immobilienkauf ins Auge gefasst hat. Wozu sonst war er bei einem Makler, der teure Häuser anbietet? Und in der Tat, das gesamte Lösegeld ist wie von Zauberhand vom Konto verschwunden. Bashir hatte die ehrliche Absicht, das Geld den armen Leuten seiner Gemeinde zugute kommen zu lassen. Und nun dieser Verrat! Mit einem Faustschlag  streckt Bashir den Imam zu Boden. Wenig später treffen ihn zwei Kugeln aus Dars Waffe, bevor der fromme Mann sein finales „Allahu Akbar“ murmeln kann.

Bashir im neuen Gewand

Drei Wochen lassen die Entführer Nick allein in seiner Zelle. In seiner totalen Verwahrlosung bietet er ein Bild des Jammers. Er reißt sämtliche Papiere mit den Börsenkursen von der Wand und lauscht den Gewehrsalven und Explosionen, die immer näherkommen. Ist ein Bürgerkrieg ausgebrochen?

Du schuldest uns viel Geld.

Bashir hat inzwischen Imam Saleems Position als Führer der Gruppe übernommen und seinen Kampfanzug gegen ein feines goldbesticktes Gewand getauscht. Er fühlt sich offensichtlich in seiner neuen Rolle wohl. Andächtig verliest er einen Artikel aus der Times, der sich mit dem jährlichen Treffen der pakistanischen Zentralbanker befasst. Am Donnerstag detonierte eine Bombe in der Bank und riss sämtliche Vorstandmitglieder in den Tod. Das Resultat: Die pakistanische Rupie befindet sich im freien Fall. Hallelujah!

Nick, der Börsenguru, hatte recht. Mit dem Wertverfall einer Währung lässt sich ein Vermögen machen. Der gläubige, angeblich nur am Wohl seiner Landsleute interessierte
Bashir freut sich über seinen neuen Kontostand von 35 Millionen Dollar!  Das Beste aber: Die Zeit ist endlich reif für eine Revolution! Er bedankt sich herzlich bei Nick, der ihm mit seinem Wissen so tatkräftig bei der Umsetzung seiner umstürzlerischen Ideen behilflich war. Mit Dar im Schlepptau verlässt er die Zelle, ohne die Tür hinter sich zu schließen…

Fragen über Fragen

Was wurde aus Nick, unserem Helden in schimmernder Rüstung, der sich trotz aller widrigen Umstände dank seines wachen Verstandes so tapfer schlug? Wurde er auf der Stelle aus seinem Verlies in die Freiheit entlassen und mit Ehrenbekundungen, Preisen und klingender Münze überschüttet? Das, liebe Zuschauer, müssen Sie selbst herausfinden. Freuen Sie sich auf einen spannenden Schlussakkord.

Fazit: „Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles. Ach, wir Armen!“ Gretchens Klage aus Goethes „Faust“.

Warnung! Dieses Geiseldrama ist nichts für schwache Nerven. Es lässt keinen kalt. Allein das finstere Kellerloch, in dem Nick, die unglückliche Geisel, gefangen gehalten wird, geht an die Nieren. Das Damoklesschwert hängt tief über Nicks Kopf. Mit dem schwer bewaffneten Gefängniswärter Dar ist trotz seines etwas kindlich naiv wirkenden Auftritts nicht zu spaßen. Während er mit dem Gefangenen freundlich spricht, hält er seine schussbereite Waffe stets im Anschlag.

Dem Zuschauer bleibt in diesem Stück keine Brutalität erspart. Da wird geprügelt, auf hinterhältigste Weise intrigiert und sogar gemordet. Hinzu kommen Scheinhinrichtungen, die unter die Haut gehen.

Gibt es etwas Feigeres und Unmenschlicheres als Geiselnahmen? Das Opfer ist seinen Entführern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Ein falsches Wort oder eine unbedachte Geste entscheiden innerhalb von Sekunden über Leben und Tod. Nick Bright ist sich seiner prekären Lage in jeder Sekunde bewusst. Da er von seinen Vorgesetzten  offenkundig keine Hilfe erwarten darf, kämpft er auf einsamem Posten mit den Mitteln des Verstandes um sein nacktes Leben. Erinnert dieses Szenario nicht an das Schicksal der Scheherazade aus der Märchensammlung „1001 Nacht“, in der die schöne Frau eines rachsüchtigen Sultans ihr Leben rettet, indem sie ihren Herrn und Gebieter jede Nacht mit einer neuen Erzählung erfreut?

Der Fortgang des Dramas enthüllt schonungslos die Gier und Verlogenheit der Entführer. Ging es ihnen nach eigenen Angaben doch ausschließlich um die hehren Gesetze des Islam, die den Gläubigen verbieten, Gewinn in Form von Zinsen aus ihrem Kapital zu erzielen! Da sei Allah vor! Doch pecunia non olet – Geld stinkt nicht.  Auch hier gilt wieder das weise Wort George Orwells, dass alle Menschen gleich sind, aber manche eben gleicher. Was spricht also dagegen, dass der über jeden Zweifel erhabene Imam Saleem ein paar Dollar – realiter zunächst 400.000 – aus Nicks 10 Millionen „Ablöse“ aus dem Konto abzieht, um diese Summe in ein schönes Haus für sich und seine Frau zu investieren?

Bashir, der andere gestrenge Hüter der islamischen Gesetze, ist zwar zunächst scheinheilig empört ob des Ungehorsams des Imams, ergreift jedoch die sich bietende Gelegenheit,  den lästigen Rivalen loszuwerden, indem er ihn von seinem Lakaien Dar qua Schusswaffe ins Jenseits befördern lässt. Denn auch Bashir hatte die ganze Zeit über Dollarnoten in den Augen. Letztlich hat es sich für ihn gelohnt. Aus den ursprünglich zehn Millionen Lösegeld ergeben sich summa summarum jetzt 35 Millionen Dollar. Und obendrauf – sozusagen als Zuckerl – kommt noch der heiß ersehnte Sturz der verhassten Regierung. Allahu Akbar – Allah sei Dank! Der einzige, der leer  ausgeht, ist Dar,  der in unterwürfiger Treue bis zum Schluss seine Pflicht gegenüber seinem Herrn und Meister erfüllt.  Der Volksmund meint dazu lapidar: „Ja, das ist der Gang der Welt. Der Gutgläubige wird stets geprellt.“

Und Nick, das unschuldige in die Mühlen der Trickser und Manipulatoren geratene Opfer, hat zumindest sein Leben für den Augenblick gerettet. Auch er war am Ende wie Dar nur der nützliche Idiot in diesem perfiden Spiel.

Auch diesmal lohnt es sich, Brechts berühmtes Diktum an den Schluss zu setzen: „Und so sehen wir betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Vielen Dank für einen ebenso spannenden wie nachhaltigen Theaterabend, über dem die sichtbare Hand Clifford Deans schwebte.

Eine unter die Haut gehende Inszenierung, die von einem Schauspieler-Quartett getragen wird, das seinesgleichen sucht! Während Lee Bright in der Opferrolle glänzte, gab Ismail Khan den angeblich tief gläubigen Moslem, der dem Glanz des Goldes nicht widerstehen kann. Rohit Gokani überzeugte als schlitzohriger Imam und Aliyaan Asif in der Rolle des gutgläubigen Dar.

 

Der amerikanisch-pakistanische Autor Ayad Akhtar soll nicht unerwähnt bleiben. Neben „The Invisible Hand“ brachte er andere bemerkenswerte Stücke wie „Disgraced“ „American Dervish“ und „The War Within“ auf die internationalen Bühnen.

„The Invisible Hand“ läuft bis einschließlich 1. November 2025 Tickets unter der Telefonnummer 040 – 227 70 89 oder online unter www.englishtheatre.de

Nächste Premiere „Gaslight“ von Patrick Hamilton am 17. November 2025

Das Verschwinden von Buchhandlungen, Teil 2

Besteht wirklich eine Gefahr für die Kulturwelt, nur weil es weniger Kaufgelegenheiten gibt und das Angebot der verbleibenden Buchhandlungen immer ähnlicher wird? Nach einem Streifzug durch die Geschichte und Entwicklung der Buchhandlungslandschaft kommt der Autor im zweiten Teil seines Artikels zu einem persönlichen Ausblick.

Mein Ansatz beruht auf mehr als 40 Jahren Erfahrung in der Verlagsbranche, genauem Beobachten, vielen Gesprächen innerhalb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sowie regelmäßiger Analyse dessen, was in der Presse, im Hörfunk und gelegentlich im Fernsehen zu diesen Themen publiziert wurde. Meine Hintergrundinformationen sind durchaus subjektiv gefärbt. Ich habe keine bahnbrechenden Lösungsansätze für die Buchbranche, sondern beschreibe, was geschehen ist, und gebe einen Ausblick darauf, wie sich die Branche wieder erholen könnte.

Die Mediennutzung der meisten Deutschen hat sich in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten sehr stark verändert. Wir können nur aktiv daran arbeiten, eine lebendige Lesekultur zu pflegen und aufrechtzuerhalten – auch mit weniger Buchhandlungen vor Ort. Die Analyse hat ergeben, dass wir über mehrere Jahrzehnte ein sehr positives Überangebot an Buchhandlungen hatten, das sich jetzt auf ein Normalmaß reduziert. Dass sich die Buchhandelslandschaft nicht nur zum Positiven verändert, lässt sich vielleicht noch korrigieren.

Nachfolgersuche

Mit diesem großen Thema kämpfen Jahr für Jahr hundert und mehr Buchhandlungen. Ideal ist es, wenn ein Team aus mehreren Mitarbeitern unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Interessen in einer Buchhandlung sich den Zeitläuften anpasst. Inhaber sollten immer darauf achten, mögliche Nachfolger aus den eigenen Reihen zu fördern. Am Ende des Arbeitslebens sollte es nicht vorkommen, dass eine Übernahme durch sehr fähige Angestellte daran scheitert, dass der Buchhändler eine Abstandszahlung von 50.000 oder 300.000 Euro für einen Lagerbestand haben möchte, der überwiegend aus unverkäuflichem, wertlosem Altpapier besteht. Ein erfahrener Buchhändler sollte so viel Weitblick haben und in den Jahren seines aktiven Berufslebens genügend für die Altersvorsorge zurückgelegt haben, um nicht auf eine unrealistisch hohe Abstandszahlung zu bestehen. Die Wirklichkeit sieht häufig anders aus: Inhaber planen diese mögliche Abstandszahlung oder eine monatliche Umsatzbeteiligung leider fest für ihre Verrentung ein.

Versucht man, mit Anzeigen in der Fachpresse oder mit Beratern, jüngere Nachfolger zu finden, ist dieser Prozess langwierig. Der vom Besitzer geforderte finanzielle Ausgleich für die Übergabe lässt manche Verkaufsabsicht nach ein bis zwei Jahren scheitern. Jährlich werden einige hundert Buchhändler neu ausgebildet. Sie bewähren sich und haben aufgrund ihrer Persönlichkeit (und eines möglichen finanziellen Backgrounds aus der Familie) durchaus die Möglichkeit, eine gut geführte Buchhandlung zu einem geringen Kaufpreis zu übernehmen.

Und wieder ist die Wirklichkeit anders als gewünscht: Die meisten Inhaber sehen sich aus finanziellen Gründen dazu genötigt, das Angebot einer Großbuchhandlung (Thalia, Mayersche, Hugendubel etc.) anzunehmen, anstatt das Ladenlokal samt Inhalt und Personal einem/einer engagierten, jüngeren Buchhändler/in zu übergeben. Dies verarmt die Vielfalt und wird mit dem positiv klingenden Namen „Filialisierung“ umschrieben. Es gibt mittlerweile rund 500 Filialen, also mehr als 20 Prozent aller Buchhandlungen, die schätzungsweise die Hälfte des Umsatzes der Branche erwirtschaften.

Die Großen werden noch größer und die Kleinen verschwinden. In vielen Städten gibt es drei bis fünf Buchhandlungen, die zu den Konzernen Thalia oder Hugendubel gehören. Einfalt statt Vielfalt. Bedenkt man, dass diese Großbuchhändler bis zu 40 Prozent ihrer Verkaufsfläche für Nonbook-Artikel reservieren, womit sich eine wesentlich höhere Gewinnspanne erzielen lässt, hat das mit kultureller Vielfalt und engagiertem Buchhändlertum nur wenig zu tun. Dieser Prozess wird seit rund 30 Jahren als „Strukturwandel“ bezeichnet.

Er findet nicht nur im Vertrieb des Buchhandels (des Sortiments) statt, sondern auch bei den Verlagen. Deren Konzentration führt beispielsweise dazu, dass zu Random House in München (hervorgegangen aus der Bertelsmann-Gruppe in Gütersloh) allein in Deutschland weit mehr als 50 Imprint-Verlage gehören. Etliche der großen Verlage sind europaweit oder international agierende Konzerne bzw. wurden von diesen gekauft. Auf Verlagsseite gibt es eine ähnliche Konzentrationsbewegung: Die Großen werden noch größer und die Kleinen verschwinden.

Lesungen in Buchhandlungen bringen Autoren und Leser zusammen

Verlage passen sich den Kundenwünschen an. Im Schnitt machen sie rund 23 Prozent ihres Umsatzes direkt mit Endkunden, sei es auf Veranstaltungen, bei Kongressen, auf Messen oder über bestehende Großkundenkontakte mit Beziehungen zu Verbänden und Institutionen. Ähnlich wie Buchhandlungen haben sie Webshops und differenzieren diese mit verschiedenen Labels für verschiedene Kundengruppen.

Die Vielfalt geht sowohl bei Buchhandlungen als auch bei Verlagen zurück. Ausführlich wurde bereits analysiert, dass die Großhändler-Dominanz zunimmt. Diese unterstützt zwar aktiv Buchhandlungen, jedoch geht dies auf Kosten der sinkenden Einkaufskonditionen, sodass die ohnehin schmale Rendite eines Buchhändlers nahezu aufgezehrt wird. Je nachdem, in welcher wirtschaftlichen Situation sich eine Stadt, eine Region oder ein Stadtteil befindet, geben Buchhändler mehr aus, als sie einnehmen.

Die Hoffnung ruht natürlich auf jungen Buchhändlern: Sie haben eine sehr gute wirtschaftliche Vorbildung und bei der Frage, welche Buchhandlung sie kaufen oder übernehmen wollen, picken sie sich eindeutig die Rosinen heraus – zumindest, wenn sie örtlich einigermaßen flexibel sind. Diese jungen Sortimenter wissen, wie man Veranstaltungen managt, wie man Kunden bindet und dass die Einnahmequellen zumindest teilweise nicht aus dem Buchverkauf bestehen.

Preisbindung im Buchhandel

Die seit Jahrzehnten in Deutschland gesetzlich festgeschriebene Preisbindung rettet die Buchvielfalt. Abgesehen von älteren Titeln, die nicht mehr der Preisbindung unterliegen, und Titeln, die verramscht werden, haben nahezu alle Bücher in Deutschland den gleichen Preis. Das verhindert eine Rabattschlacht. In den letzten Jahren hat Amazon wiederholt versucht, Rabattaktionen auf Bücher auszudehnen, und wurde dabei regelmäßig durch deutsche Gerichte ausgebremst. Ein gutes Fachbuch kostet beispielsweise 48 Euro, egal, ob man es in der Innenstadt, in einer Kleinstadt oder am Stadtrand in einer sehr kleinen Buchhandlung bestellt und bezahlt. Das garantiert eine gewisse Stabilität und Vielfalt für alle Seiten.

Werden Bücher verbilligt in Stapeln angeboten, handelt es sich entweder um Titel, bei denen der Verlag die Preisbindung aufgehoben hat, oder um Restauflagen, die dringend verkauft werden müssen. Eine Besonderheit sind englischsprachige Titel, die nicht preisgebunden sind. Hier gibt es regelmäßig Rabattschlachten von 30 bis 50 Prozent.

Was kann man tun, wenn eine Buchhandlung nicht genügend Rendite abwirft? Gespräche mit dem Immobilieninhaber sind oft hilfreich. Nicht nur während der Corona-Pandemie gab es immer wieder Beispiele von subventionierten oder gesenkten Mieten. Buchhändler sollten bezüglich des Standorts flexibel sein, möglicherweise setzen zwei Straßen weiter oder in einem benachbarten Stadtteil Immobilienbesitzer nicht nur auf hohen Mieterlös, sondern wollen kulturelle Vielfalt an diesem Standort umsetzen. Es gibt Beispiele, bei denen der Besitzer lediglich fünf Euro je Quadratmeter verlangt. Ist der Immobilienbesitzer die kommunale oder öffentliche Hand, kann die Miete je Quadratmeter durchaus bei einem Euro liegen. Solche sehr großen Unterstützungsangebote retten jedoch nicht in jedem Fall jeden Standort. Manch ein Buchhändler muss dennoch die Segel streichen, weil die Kundenfrequenz zu niedrig ist oder die Kaufbereitschaft nicht ausreicht, um die Ladenmitarbeiter und die sonstigen Overhead-Kosten zu decken. Ich kenne einen ähnlichen Fall, bei dem die kommunale Hand zwar die Mieten sehr stark subventioniert hat, um kulturelle Vielfalt zu fördern, jedoch die Auflage gemacht hat, dass mindestens sechs Veranstaltungen jeden Monat durchgeführt werden. Dass solche Veranstaltungen hohe Nebenkosten und Honorare für angereiste Autoren und Fachleute beinhalten, die niemals durch den Buchverkauf gedeckt werden können, konnte der Immobilienbesitzer nicht voraussehen.

Weitere Maßnahmen sind der Umzug in eine kleinere Lokalität wenige Straßen weiter, Personalabbau, deutliche Veränderung des Sortiments, frühzeitige Übergabe an jüngere Hände unter Verzicht auf angestammte Machtstrukturen oder inhaltliche Schwerpunkte, Offenheit für neue Trends und permanentes Anpassen an die Bedürfnisse der Zielgruppe. Auch ein Umzug in eine andere Stadt kann hilfreich sein, wenn die Ladenmieten oder das Lohnniveau deutlich geringer sind. All das ist möglich und keine Wunschvorstellung.

Und die Zukunft?

Glücklicherweise gibt es weitere Best-Practice-Beispiele, wie etwa Kooperationen von Buchhändlern mit Bibliotheken, Kulturvereinen und Institutionen, die Zusammenarbeit mit örtlichen Größen, Theatern sowie vieles mehr. Letztlich ist das „Kommen und Gehen“ ein normaler Prozess.

Bestellt gern Bücher für Kunden: der lokale Buchhändler

Was können Sie als Leser tun? Das Stichwort „buy local“ ist sicher die erste Wahl. Gibt es an Ihrem Ort keine akzeptable Buchhandlung, planen Sie bei der nächsten Fahrt zum Nachbarort einen Besuch im dortigen Buchhandel ein. Suchen Sie bestimmte Titel, sollten Sie diese telefonisch oder online vorbestellen. Meine Empfehlung: Kaufen Sie nicht oder möglichst wenig bei Filialisten, sondern beim inhabergeführten, unabhängigen Buchhandel – auch wenn dieser  weiter entfernt liegt. Es ist lediglich eine Frage der Organisation Ihrer Zeit und der Lese-, Einkaufs- und Verschenk-Routinen.

Beim Online-Kauf, der mittlerweile rund 23 Prozent aller Buchkäufe ausmacht, können Sie grundsätzlich den Buchhändler auswählen, den Sie unter dem Aspekt „buy local“ unterstützen wollen. Das gilt unabhängig davon, ob Sie die Bücher vor Ort abholen oder sich diese zuschicken lassen. Das machen selbstverständlich alle Buchhändler portofrei.

Das ist eine der wichtigsten Lektionen, die alle deutschen Verlage und Buchhändler in den letzten 20 Jahren von Amazon gelernt haben: Der Kunde wünscht eine portofreie, schnelle Lieferung. Das schmälert zwar die Rendite, ist jedoch nur eine Frage des günstigen Einkaufs und der Logistik. Ich bin kein Buchhandelsberater, sondern war früher Verlagsberater. Das Thema Kundenbindung und Kundenzufriedenheit hat jedoch die gesamte Branche durchdrungen. Wenn sich ein Buchhändler diesen Gewohnheiten nicht anpassen will oder kann, muss er seinen Laden wegen mangelnder Kundenzufriedenheit und veränderter Käuferströme ohne Nachfolger schließen. Das wäre die bitterste Lektion nach Jahren des Jammerns und des Nicht-Ändern-Wollens.

Ein persönliches Fazit

Mit diesen Hintergrundinformationen und Analysen will ich zeigen, dass es zwar ein Verschwinden der Buchhandlungen gibt, Buchhändler jedoch auf vielfältige Unterstützung setzen können, wenn sie offen für Neues sind. Idealerweise besitzt eine Buchhändlerfamilie eine oder mehrere Immobilien, in denen sie eine aufstrebende Buchhandlung nahezu mietfrei betreiben kann und nicht unter enormem Kostendruck steht. Dies ist ein weites Feld für Immobilienbesitzer, die sich kulturell betätigen wollen: Reden Sie mit künftigen Buchhändlern und engagieren Sie sich für kulturelle Vielfalt. Knüpfen Sie wirtschaftliche und politische Kontakte, die ein Kulturzentrum ermöglichen. Denn neben Bibliotheken (auch „dritter Ort“ genannt) sind unsere Buchhandlungen in Deutschland ein wichtiger kultureller Ort.

 

Einige dieser sowie weiterführende Gedanken finden Sie in dem Buch „Bücher retten die Welt“, Edition Konturen, 2019, von Ralf Plenz und Gerhard Hauptfeld

Auch als Podcast

Sie können beide Teile dieses Artikels als Podcast hören:

Folge_1, Folge_2, Folge 3, Folge 4

Das Verschwinden von Buchhandlungen, Teil 1

Dass die Buchhandlungsvielfalt seit vielen Jahren weniger wird, fällt Lesern und Autoren gleichermaßen auf. Immer wieder wird der Untergang der Lesekultur in den Medien verhandelt. Besteht wirklich eine Gefahr für die Kulturwelt, nur weil es weniger Kaufgelegenheiten gibt und das Angebot der verbleibenden Buchhandlungen immer ähnlicher wird?

Wie in jedem Wirtschaftsbereich geht es um Angebot und Nachfrage. Egal, ob Restaurant, Bäckerei oder Dienstleistungsbetrieb: Es gibt immer ein Kommen und Gehen. Es blieb in der Bevölkerung nicht unbemerkt, dass in den letzten 20 Jahren Buchhandlungen verschwanden und kaum neue dazukamen. Eigentlich ein ganz normaler Prozess, den die Marktwirtschaft regelt – so tragisch jede Einstellung eines Wirtschaftsbetriebs ist, vor allem, wenn dieser sich um geistige Inhalte kümmert, wie das Buchhändler tun.

Der Inhaber einer Buchhandlung investiert Geld für Einrichtung, Büro und ersten Warenbestand, zahlt Löhne und Mieten. Und er hofft, seine Investitionen durch Umsatzsteigerungen zurückzubekommen und ab dem fünften Jahr Gewinn zu erwirtschaften.

Je nach Größe des Betriebs kann der Inhaber monatlich einen geringeren oder höheren Betrag aus der Kasse nehmen. Das zu versteuernde Einkommen ist in der Regel relativ niedrig und auch die Löhne der Angestellten sind nicht sehr hoch. Übernimmt der Buchhändler einen bestehenden Betrieb, ist eine Abstandszahlung für Einrichtung und Warenbestand zu leisten. Das geschieht meist über einen Kredit, der im Laufe von mehreren Jahren getilgt werden muss.

Immer weniger Leser?

Früher gab es in einer mittleren oder kleinen Stadt pro 15.000 Einwohner eine Buchhandlung, heute gilt das für etwa 30.000 Einwohner. In größeren Städten ist das Verhältnis etwas anders. Diese Zahlen sind nur ein Orientierungswert und beziehen sich auf den Zeitraum der vergangenen 60 Jahre in Deutschland. Dass es in einigen Städten und insbesondere in der Region der ehemaligen DDR andere Zahlen gab, ist bekannt, wird in dieser Analyse jedoch zunächst vernachlässigt.

Tatsache ist: Die Zahl der Leser sinkt. Während vor wenigen Jahrzehnten noch rund 40 Millionen Deutsche regelmäßig ein Buch in die Hand nahmen, sind es jetzt weniger als 30 Millionen. Gibt es weniger Leser, können weniger Buchhandlungen überleben. Doch Buchhandlungen verschwinden nicht, sondern ändern teilweise nur ihr Erscheinungsbild. Manche Fachbuchhandlung mit vielen Firmenkunden und einem sogenannten Rechnungsgeschäft hat kein Schaufenster und kein Verkaufspersonal mehr, sondern einen Webshop und ein Lager bzw. einen Bürobetrieb. Ähnlich verhält es sich bei Antiquaren: Etliche haben ein gutes Online-Geschäft und treue Kunden, aber kein Ladenlokal. Das liegt an den relativ hohen Mieten in den Innenstädten.

Warum wird überhaupt gelesen? Die Motive sind einfach zusammengefasst: Bildungshunger und Wunsch nach Unterhaltung. Früher wurde viel nachgeschlagen. Man hatte Adressverzeichnisse und Lexika, die im digitalen Wandel nahezu verschwunden sind. Es gibt kaum noch Gründe, diese Inhalte in Buchform zu kaufen.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass es in der Zeit des Wirtschaftswunders ebenso wie heute um eine Geldfrage ging. Gemessen am jährlich steigenden Einkommen, waren Mieten und Lebenshaltungskosten von den 1960er bis in die 1980er Jahre jedoch vergleichsweise niedrig.  Das verfügbare Medienbudget und die Mediennutzungszeit verteilten sich großzügig auf Zeitungen, Zeitschriften und Bücher.

Betrachtet man den gleichen Zeitraum auf der Seite des Buchhandels, so mussten für Mieten je Quadratmeter  vielleicht umgerechnet fünf Euro bezahlt werden, heute oft mehr als 35 Euro. Weitere Faktoren sind die besonders gestiegenen Versandkosten, die früher von der  Bundespost als Kulturauftrag subventioniert wurden, sowie die deutlich höheren Energiekosten, Lohn- und Lohnnebenkosten und vieles mehr. All dies schmälert das Einkommen, das sich mit Büchern generieren lässt. Somit entsteht ein wirtschaftlicher Nachteil für jeden Buchhändler – egal in welchem Jahrzehnt und in welcher Stadt. Die Differenz zwischen Umsatz und Wareneinkauf beträgt in der Regel etwa 30 bis 40 Prozent. Je mehr Kosten davon abgezogen werden, desto geringer ist der verbleibende Nettolohn des vom Inhaber geführten Geschäfts. Kommen noch hohe Kreditzinsen von drei bis acht Prozent oder Überziehungszinsen beim Girokonto hinzu, wird die sogenannte Marge für den Buchhändler immer geringer.

Anders als vom Laien vermutet, sind Buchhändler nicht in erster Linie Leser, sondern arbeiten in einem Wirtschaftsbetrieb und sind Händler. Zwar lesen sie in ihrer Freizeit vergleichsweise viel, über die Bücher, die sie anbieten, haben sie jedoch nur wenige Hintergrundinformationen. Dafür können sie Autor und Verlag viel besser einschätzen als die meisten Leser. Obwohl ein Buchhändler pro Jahr wohl kaum mehr als 30 bis 50 Bücher liest, kann er zu vielleicht 300 Büchern profunde Aussagen treffen. Denn während der Ladenöffnungszeiten kommt er in der Regel nicht zum Lesen.

Betrachtet man die Kosten und die Frage, wie Buchhandlungen trotz des schwierigen Umfelds gewinnorientiert geführt werden können, hängt das möglicherweise damit zusammen, dass Kulturvermittlung eine kommunale Aufgabe ist. Ein Teil dieser Kosten sollte nicht bei den Buchhandlungen verbleiben, sondern von öffentlicher Seite gefördert werden. Beispiele sind subventionierte Mieten und die Verpflichtung öffentlicher Institutionen wie Schulen, Bibliotheken und Behörden, ausschließlich beim lokalen Buchhandel einzukaufen.

Einige Themen verdienen eine tiefergehende Betrachtung, denn sie beinhalten kommunikativen, kulturpolitischen und wirtschaftspolitischen Sprengstoff. Soll literarische Vielfalt erhalten werden, kann dies nur zum Teil mit finanzieller Unterstützung von dritter Seite funktionieren.

So viel ist klar: Wird die Schere zwischen Kosten und Einnahmen immer enger, muss ein Buchhändler spätestens dann seinen Betrieb einstellen, wenn die Kosten die geplanten Gewinne auffressen oder er seine Kredite nicht mehr bedienen kann. Da helfen auch bestes Buchangebot, ansprechendes Ladenlokal und vielfältiges Sortiment nicht. Gefährden wirtschaftliche Zwänge eine sehr lobenswerte Buchhandlung, sollte die Weiterführung nicht davon abhängen, dass der Inhaber sein Privatvermögen verbraucht. Denkbar wäre, dass Erlöse aus Immobilien (Untervermietung oder Ferienhäuser) in Form einer Quersubventionierung eine Sortimentsbuchhandlung finanziell unterstützen.

Der Boom der 1960er bis 1980er Jahre

Die Jahre des deutschen Wirtschaftswunders: Aufgrund niedriger externer Kosten und fehlender Konkurrenz durch Online-Medien blieben sowohl viel Zeit als auch viel Geld, um Bildungshunger und Unterhaltungsbedürfnis durch Lesen zu stillen. Eine sehr breite Bevölkerungsschicht entschied sich für längere Ausbildungen, Zusatzqualifikationen oder ein Studium, was damals nur mit vielen Büchern möglich war. In einem durchschnittlichen, bildungsnahen Haushalt befanden sich eher tausend als hundert Bücher.

Event in der Buchhandlung

Nachdem viele Haushalte zunehmend gut ausgestattet waren, wurden – was sich sehr positiv anhört – überflüssige Bücher geschenkt und die Lesesucht begann. Wohlgemerkt, bevor sich der Fernsehkonsum breitmachte und es digitale Medien gab.

Einige Jahrzehnte später werden diese gut ausgestatteten Haushalte aufgelöst. Viele Bücher werden an jüngere Verwandte und Bekannte  verschenkt, andere vererbt. Kirchenbasare und Flohmärkte profitieren von aufgelösten Haushalten des Wirtschaftswunders. In der Marktwirtschaft nennt man das Überflutung oder Überangebot. Es gibt viel mehr Angebot als Nachfrage, sodass die Ware Buch an Wert verliert – es sei denn, es handelt sich um Neuerscheinungen oder besondere Ausgaben. Egal, ob es sich um Klassiker, Bildbände oder wertvolle Sammlungen handelt, die man erbt oder für wenig Geld erwirbt – schnell hat man einige Regalmeter Bücher, die man noch nicht gelesen hat. Ein seltenerer Besuch in der Buchhandlung ist nahezu vorprogrammiert. Es gibt wenig oder gar keinen Platz für neue Bücher und vor allem auch keine zusätzliche Lesezeit für Neuerscheinungen.

Mediennutzungszeit und Medienarten

Seit 1980 wird zunehmend visuelles Bewegtbild konsumiert und seit 2000 nahezu alles digital statt analog konsumiert:  von Musik über Nachrichten bis zu Unterhaltungsmedien.

Wurde in Deutschland früher durchschnittlich zwei Stunden pro Tag ferngesehen, waren es im Jahr 2024 weit über vier Stunden. Je nach Altersgruppe und Interesse betrug die durchschnittliche Online-Zeit (Smartphone, Tablet, PC) zwischen einer und acht Stunden pro Person täglich. Wo bleibt da noch Zeit zum Bücherlesen?

Heutiges Leseverhalten

Als Büchermacher erfreut es mich, dass digitales Lesen nach nahezu 20 Jahren E-Books seit zehn Jahren sehr konstant bei etwa 6 Prozent des jährlichen Verlagsumsatzes verharrt. Erfreulich ist auch, dass der Online-Buchumsatz des Versandhändlers Amazon, der seit 1994 existiert, nur 11 Prozent des gesamten deutschen Buchumsatzes ausmacht, weil nahezu alle Buchhandlungen (mithilfe der Grossisten) relativ schnell eigene Webshops eröffnet haben und es sich herumgesprochen hat, dass es Alternativen zum Amazon-Buchversand gibt. Dem Wachstum dieses Anbieters sind nach den Erfolgsjahren des Anfangs von den Verbrauchern und Buchhändlern Grenzen gesetzt worden.

Zwar werden viel mehr Bücher in Onlineshops gekauft als vor zehn oder zwanzig Jahren, aber viele Buchhändler haben inzwischen selbst einen Webshop und die drei größten Buchhandelsketten machen online mehr Umsatz mit Büchern als Amazon. Das sind zwei beruhigende Tendenzen: Digital wächst nicht mehr und der größte Konkurrent im Buchhandel ist keine wirkliche Bedrohung. Beide Trends gelten seit nahezu zehn Jahren und werden sich auch nicht mehr verschieben. Die Buchhändler haben sich darauf eingestellt. Selbstverständlich bieten sie auch Hörbücher und digitale Produkte an. Sie haben einen Webshop eingerichtet, sodass die Kunden zwar online bestellen, die Bücher aber im Geschäft abholen oder zusenden lassen.

Werfen wir noch einen Blick auf die Motive zum Lesen: Warum kaufen oder verschenken wir Bücher? Neben Bildungshunger, Wunsch nach Verständnis, Einordnung und vertiefendem Wissen gibt es die Unterhaltung. Es geht auch darum, dem nichtdigitalen Produkt eine Haptik zu geben, also Greifbarkeit und Verleihbarkeit. Das ist nur mit physischen Büchern möglich.

Durch Internet und unzählige Apps hat sich sehr viel verändert. Die Verfügbarkeit von Informationen innerhalb weniger Sekunden oder Minuten ist massiv gestiegen. Die Frage der Seriosität bleibt offen: Hier geht es um Meinung, Werbedurchdringung und Fake-News. Dennoch schaden all diese Möglichkeiten des Suchens und Findens dem Sachbuch und Fachbuch. Die Vermutung, dass das ohne Bücher genauso gut geht, ist ein Irrglaube. Am meisten haben Zeitschriften und Tageszeitungen unter den veränderten Gewohnheiten und Tendenzen der Mediennutzung gelitten. Sie haben 50 bis 80 Prozent ihrer bisherigen Auflage sowie der finanzierenden Anzeigen und Kunden verloren.

Aufgrund des geringeren Umfangs, weniger Titel und sinkender Leserzahl sind in diesen Printmedien kaum Rezensionen zu finden. Das schadet der Sichtbarkeit und dem Verkauf von Büchern. Heute dreht sich viel mehr um Videos, Beiträge in soziale Medien, Klatsch und Tratsch, weniger um das profunde Wissen aus Büchern.

Ein Fest für Leser: gefüllte Bücherregale

All diese Aspekte wirken sich massiv auf lokale Buchhandlungen aus. Wenn Käufer ausbleiben, preiswertere Produkte kaufen, sich an anderer Stelle informieren, zu wenig Lesezeit haben und keine Lesungen oder andere Veranstaltungen in der Buchhandlung besuchen,  steht das mit dem sehr stark geänderten Mediennutzungsverhalten aller Lesenden in Verbindung.

Die Formulierung „Buchhandlungsverschwinden“ trifft den Kern der Sache, auch wenn das Wort sehr lang und ungewöhnlich ist. Hätte ich stattdessen „Buchhandelsverschwinden“ gesagt, dann wäre der komplette Handel mit Büchern verschwunden, was natürlich nicht stimmt. Genauer gesagt, gehen noch rund 42 Prozent des Umsatzes über das stationäre Sortiment (die Buchhandlungen) und 24 Prozent über Webshops. Davon entfällt weniger als die Hälfte auf Amazon; der Rest geht über Webshops des stationären Buchhandels. Weitere 23 Prozent werden von Verlagen direkt an Endkunden ausgeliefert – eine beachtliche Änderung gegenüber der Jahrtausendwende. Zwar beteuert jeder Verlag, dass der Buchhändler – der Sortimenter – sein wichtigster Partner ist, doch das hat Jahr für Jahr weniger Bedeutung.

Der Buchgroßhandel

Fast alle Webshops von Buchhandlungen werden von den großen Barsortimenten (Libri, Zeitfracht, Umbreit) gehostet und physisch bedient. Buchhandlungen bestellen zwar nach wie vor direkt bei Verlagen, doch der Bezug über das Barsortiment wird immer wichtiger. Ein Grund dafür ist, dass der Buchhändler dadurch weniger Verwaltungsaufwand durch Kleinstrechnungen hat und die Ware schon am nächsten Tag zur Verfügung steht.

Jedes lieferbare Buch innerhalb von 24 Stunden in der Buchhandlung abholen zu können, wird Besorgungsgeschäft genannt und ist – abgesehen von Apotheken – einmalig in Deutschland. Der lokale Buchhändler, der über das Barsortiment einkauft, hat verglichen mit hunderten anderen Geschäften eine absolute Sonderstellung. Er erhält meist einen geringeren Rabatt als beim direkten Einkauf beim Verlag.

Vom Gründungsboom zum Verschwinden

Von 1970 bis 1990 gab es einen regelrechten Gründungsboom. Es waren sehr bewegte Zeiten und die Gründer hatten häufig einen politischen oder besonderen literarischen Anspruch. Es ging um Frauenemanzipation, Esoterik und viele Ratgeber, die dem wachsenden Publikum angeboten wurden. Diese Buchhändler zeichneten sich durch besonderen Enthusiasmus und hohe inhaltliche Ansprüche aus. Sie trafen auf ein Publikum, das über genügend Geld verfügte, sich persönlich weiterentwickeln wollte und noch nicht von Fernsehen und Online-Medien in Beschlag genommen war. Auch Jugendthemen wie Rock- und Popmusik wurden beispielsweise durch die neu gegründete Buchhandelskette „Monatus aktuell“ mit rund 50 Filialen hervorragend abgedeckt. Diese Buchhandlung der Douglas-Holding mit Zentrale in Hagen/Westfalen gibt es nicht mehr, da sie mit den damals aufstrebenden Thalia-Buchhandlungen in einer neuen Holding fusionierten.

All diese Gründer konnten kaum Nachfolger finden, denn die Themen und die Nachfrage haben sich sehr verändert. Seit etwa 2010 sind diese Buchhändler zunehmend im Rentenalter und müssen ihren Laden schließen, wenn es keinen Nachfolger gibt. Hinzu kommt – betriebswirtschaftlich betrachtet – die fehlende Rentabilität seit zehn oder 15 Jahren. Die Kostenschere klafft immer weiter auseinander: Buchhändler geben mehr aus, als sie einnehmen. Außerdem haben viele lokale Buchhändler Regale voller Bücher (15.000 bis 40.000 sind keine Seltenheit), die vor längerer Zeit eingekauft wurden und sich nur sehr langsam oder gar nicht mehr verkaufen lassen: bedrucktes Altpapier.

In der Bilanz steht nominell der Einkaufspreis von vielleicht 200.000 oder 300.000 €. Das hilft dem Buchhändler jedoch nicht, wenn er kaum etwas verkaufen kann. Es dient auch nicht als Absicherung von Krediten, denn die Titel sind überwiegend unverkäuflich. Böse Zungen bezeichnen die gefüllten Regale als „Tapete“. Eigentlich müsste der Buchhändler fast alles remittieren – was nicht möglich ist, wenn die Titel seit mehr als zwei Jahren dort stehen. Überwiegend lebt er von den Novitäten und den Titeln, die auf Tischen oder in Augenhöhe als „Stapelware“ angeboten werden.

Buchhändler, die sehr kaufmännisch denken, sollten mindestens zweimal im Jahr überprüfen, ob die Bücher im Regal älter als ein oder zwei Jahre sind, und sie eventuell an den Verlag oder das Barsortiment zurückschicken. Ausnahmen sind Titel wie die Bibel oder der Duden, die permanent nachbestellt werden, weil es Nachfrage gibt, und die im Regal leicht auffindbar sind. Es gibt durchaus Titel, die bis zu zehn Jahre und mehr „Longseller“ sind und nicht bei der Stapelware liegen.

Das Verschwinden der Vielfalt

Statt der einstigen Vielfalt an Buchhandlungen und inhaltlichen Angeboten herrschen jetzt Einfalt und Massenware. Das Ergebnis: Buchhandlungen – vor allem, wenn sie von Filialisten wie Thalia und Hugendubel betrieben werden – unterscheiden sich in Angebot und Präsentation wenig. Ob die Beratung darunter leidet, möchte der Autor dieser Zeilen nicht beurteilen.

Tatsache ist: Die Dominanz der Bestseller ist groß. Die bekannten Namen ziehen bei Lesungen wie auch bei Stapelverkäufen viel Publikum an. Alles andere ist zunehmend Nische oder findet nur in kleinem Rahmen statt. Das ist stark vereinfacht formuliert, aber ein Trend, der nicht aufhaltbar scheint. Die veränderte Mediennutzung begünstigt das Sterben der „Boomer-Buchhandlung“. Die Großen werden immer größer, die Kleinen immer kleiner oder verschwinden.

Was ist mit jüngeren Lesern? Zu behaupten, sie würden von lokalen Buchhandlungen vernachlässigt,  stimmt nicht. Alle Sortimenter bemühen sich, Schulkinder zu reiferen Lesern zu machen, und sie haben stets ein sehr gutes Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene. Allerdings bevorzugen jüngere Leute andere Beschaffungswege (Messen, Events, digitale Kanäle, Gebrauchtbuchhandel usw.).

Cosplayer auf der Buchmesse Himmelpforten 2024, Foto: Maren Schönfeld

Seit rund zehn Jahren zeigt sich, dass Manga- und Cosplay-Szenen massenhaft Leser haben, die sich in Communities organisieren und bei Events und Messen treffen. Der neuere Trend der „Young Romance“, „Dark Fantasy“ und „Farbschnitt-Liebhaber“ zeigt, dass es eine Generation „TikTok“ gibt, die massenhaft spezielle Bücher liest, sofern sie eine besondere Ausstattung haben und sich als Sammelobjekte eignen. Ob sie diese Bücher bei Events, einem Zwischenhändler wie der „Bücherbüchse“ oder in einer spezialisierten Buchhandlung in größeren Städten kaufen, ist noch offen. Pfiffige Buchhändler lassen ihre zwei bis drei Regale mit „Young-Adult-Titeln“ von jungem Personal bestücken oder sich von jungen Kundinnen beraten. Sie sind so organisiert, dass  die Auswahl mindestens monatlich erneuert wird – eine Voraussetzung, um mit diesem jungen Publikum erhebliche Umsatzsprünge zu machen. Das lässt hoffen.

(Fortsetzung in Teil 2 am 15.09.2025; Fotos: Ralf Plenz)

Einige dieser sowie weiterführende Gedanken finden Sie in dem Buch „Bücher retten die Welt“, Edition Konturen, 2019, von Ralf Plenz und Gerhard Hauptfeld

Hamburg macht Zukunft – Ein Fest der Nachhaltigkeit

Die erste Hamburg Sustainability Week begeisterte mit über 100 Veranstaltungen und zeigt: Nachhaltigkeit kann vielfältig, kreativ und mitreißend sein.

Sechs Tage im Juni, die Hamburg verändert haben könnten. Was vom 1. bis 6. Juni 2025 in der Hansestadt geschah, war weit mehr als eine Veranstaltungsreihe – es war ein Aufbruch, ein Fest der Möglichkeiten und ein lebendiger Beweis dafür, dass Nachhaltigkeit nicht grau und theoretisch sein muss, sondern bunt, inspirierend und zutiefst menschlich.

Wenn eine ganze Stadt zum Ideenlabor wird

Unter dem Motto „6 Tage, 100 Veranstaltungen, eine Idee: Wir machen Zukunft. Und zwar gemeinsam“ verwandelte sich Hamburg in ein großes Ideenlabor. Von der Hauptkirche St. Katharinen mit der beeindruckenden schwebenden Weltkugel-Installation „GAIA“ bis zu den Gründächern der Stadt, von Science & Sundowner Exkursionen auf der Alster bis zu Bootstouren im Hafen – überall pulsierte das Leben, überall entstanden Gespräche, überall keimten neue Ideen.

Hierbei begeisterte insbesondere die große Vielfalt der Ansätze. Da diskutierten Klimaforscher Mojib Latif und Polarforscher Dirk Notz mit der ehemaligen Bundesumweltministerin Steffi Lemke in einem Planetary Talk mit dem Atelier für Zeitgenossen, während ein paar Straßen weiter junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beim Science Slam in zehn Minuten ihre Forschungsprojekte vorstellten – locker, interaktiv und mitreißend.

Mehr als nur reden: Machen und erleben

Besonders hervorzuheben ist auch die Nachhaltigkeitswerkstatt am 4. Juni in der Handelskammer, wo Verwaltung und Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik in zwölf Workshops gemeinsam an konkreten lokalen Lösungen arbeiteten. Hier wurde nicht nur geredet – hier wurde gemacht. Hier entstanden Ideen, die Hamburg wirklich voranbringen können.
Aber auch das „Speed-Dating der Nachhaltigkeit“ der Umweltbehörde BUKEA zeichnete sich durch einen neuen Ansatz aus. Zehn Menschen aus völlig unterschiedlichen Bereichen stellten ihre nachhaltige Arbeit vor – von Behördenmitarbeitern bis zu kleinen Graswurzelprojekten. So wird Nachhaltigkeit greifbar, so bekommt sie Gesichter und Geschichten.

Von Gründächern bis Klavierkonzerten

Die thematische Bandbreite war beeindruckend: Führungen über Hamburgs Gründächer, Filmveranstaltungen im Abaton, interaktive Quizrunden sowie kulturelle Highlights mit Klavierkonzerten und Diskussionen. Wer hätte gedacht, dass Nachhaltigkeit so viele Gesichter haben kann? Von der „Werkstatt des Wandels“ für Energiewende in energieintensiven Industrien bis zu künstlerischen Performances – jeder Geschmack, jede Neigung wurde bedacht.
Der NABU Hamburg beispielsweise bot drei verschiedene Veranstaltungen an: eine Diskussionsrunde über die ökonomischen Folgen von Biodiversitätsverlust, eine Fachtagung zu Stoffeinträgen in Gewässer und Einblicke in das Projekt „Lebendige Alster“. Auch die Universität Hamburg war mit ihrer eigenen Sustainability Week 2.0 dabei und zeigte eindrucksvoll, wie Forschung und Lehre zur nachhaltigen Transformation beitragen können.

Ein Netzwerk entsteht

Auch hierauf ist hinzuweisen: Der Großteil der Veranstaltungen war kostenfrei zugänglich. Nachhaltigkeit soll nicht elitär sein, sie soll alle erreichen – und das ist hier gelungen. Mit einer stärkeren Nutzung von hybriden Formaten und Streaming-Optionen könnte dies noch weiter ausgebaut werden. Trotzdem bleibt: Zahlreiche Akteurinnen und Akteure aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft, Schule, Kultur und Kreativwirtschaft zeigten, wie gemeinsam Lösungen zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele erarbeitet werden können.
Es wäre schade, die Energie aus den einzelnen Veranstaltungen nun nicht auch unterjährig weiter zu nutzen. Hier wäre es wünschenswert, die Sustainability Week noch stärker mit anderen Hamburger Nachhaltigkeitsinitiativen zu vernetzen.

Hoffnung auf Fortsetzung

„Die Hamburg Sustainability Week setzt sich zum Ziel, Menschen zu vernetzen, zu den wichtigsten Themen rund um Nachhaltigkeit zu informieren und zum Mitmachen zu motivieren“, erklärte Henry Alt-Haaker, Co-Geschäftsführer der Hamburg Sustainability Conference. Dieses Ziel wurde eindrucksvoll erreicht.
Doch eine Woche im Jahr reicht nicht. Hamburg hat gezeigt, dass es geht – dass eine ganze Stadt zum Ideenlabor für Nachhaltigkeit werden kann. Dass Wissenschaft und Praxis, Verwaltung und Zivilgesellschaft, Kunst und Technik zusammenfinden können. Dass Nachhaltigkeit nicht Verzicht bedeutet, sondern Aufbruch.
Wichtig für die nächste Hamburg Sustainability Week wird sein, diese frühzeitiger als dieses Jahr in Hamburg bekannt zumachen und auch die Darstellung auf der Homepage kundenfreundlicher auszugestalten.

Die erste Hamburg Sustainability Week war ein Anfang – hoffentlich der Beginn einer neuen Tradition. Denn wenn wir die großen Herausforderungen unserer Zeit bewältigen wollen, brauchen wir genau das: Vielfalt, Kreativität, Mut und die Bereitschaft, gemeinsam anzupacken. Hamburg hat vorgemacht, wie es geht. Andere Städte sollten folgen.

Die Zukunft beginnt mit der ersten Hamburg Sustainability Week – mögen viele weitere folgen.

Foto: Hamburg Sustainability Conference

Wo Onkel Tom’s Hütte steht – Thomas Mann wurde vor 150 Jahren geboren

Foto: Thomas Mann, Berlin. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-H28795 / CC-BY-SA 3.0

Vor 150 Jahren, am 6. Juni 1875 wurde der Schriftsteller Thomas Mann geboren. In Lübeck wird er besonders gefeiert. Viele seiner Werke werden wieder aufgelegt und neue über ihn veröffentlicht. Lassen Sie mich mit einer Reise nach Nidden an ihn erinnern:

Eine geheimnisvolle Nehrung

Nidden, oder Nida? Das Örtchen im fernen Osten? Klar, es gehört zur Allgemeinbildung, dass die Location etwas mit Thomas Mann zu tun hat. Doch viel mehr war mir von dem weit weg gelegenen Städtchen, dort in der Ostsee-Lagune in Litauen nicht bekannt.
Keinesfalls unvorbereitet wollte ich unterwegs sein. Dass hieß Informationen sammeln und, allmählich ergab sich ein Bild von einer Landschaft, eines Ortes, anfangs noch fremd, doch schließlich wurde beides auf wundersame Weise vertraut. Natürlich trug erst die Reise dazu bei, sich den Teil des früheren Ostpreußen zu erschließen.

Nun möchte ich einladen, diesen besonderen Zipfel Land zu erkunden. Land, das geeignet ist Sehnsucht und Fernweh zu wecken! Kurische Nehrung heißt jene Lagune zwischen nordostpreußischem Samland und der Ostsee. Der Name stammt von den Kuren, der Urbevölkerung der Nehrung, deren Sprache ausgestorben ist.
Die meergeborene Nehrung ist eine fast einhundert Kilometer lange, schmale Halbinsel. Sie wird auch als Sandsichel oder Sandhaken bezeichnet. Ihre breiteste Stelle misst vier Kilometer, die schmalste gerade mal 380 Meter. 1980 brach dort die Ostsee zum Kurischen Haff durch, damit wurde die Nehrung für kurze Zeit eine Insel.
Die Nehrung bietet dem Besucher keine kulturelle Attraktion. Eine 1330 in Rossitten gebaute Burg ist längst im Sand verschwunden.

Es ist die Natur, die den Reiz ausmacht. 1890 schrieb Wilhelm von Humboldt: „Die Kurische Nehrung, ein schmaler Strich toten Sandes, an dem das Meer unaufhörlich auf einer Seite anwütet, und den in der andern eine ruhige große Wasserfläche, das Haff, bespült.“
Und Thomas Mann verkündete 1931 auf einem Vortrag: „Der eigenartige Charakter dieses Landstrichs hat nichts Einschmeichelndes, aber er kann einem ans Herz wachsen!“
Durch die Dünen gestapft, muss ich bestätigen: Zwischen den Wellen liegt eine Spur von Unwirklichkeit, von Märchenhaftigkeit, von Geheimnis. Sogar etwas Archaisches, paradiesischen Ursprungs. Land wie von Urbeginn aus jener Ewigkeit, da Gott Erde aus dem Wasser schuf.
Oh ja, die Dünen! Die großen liegen im Süden und sind die höchsten Europas. Ein Naturphänomen! Und verschlingender Sand wurde Stoff für Sagen, Mythen und Sandhexen. Wie es zu den Sandmassen kam? Nun, es ist das Ergebnis einer ökologischen Untat. Rigoroses Roden des Waldbestandes legte Sand frei, der durch sandschwangere Winde immer höhere Sandberge auftürmte.
Am eindrucksvollsten ist die Hohe Düne bei Nidden mit ihrer großen Kuhle, dem Tal des Schweigens. Wer sie mal mit hängender Zunge bestiegen hat, betritt eine fremde Wirklichkeit, eine maßlose Verlassenheit.

Raues Leben am Haff

Und nun zum Haff. Eingebettet zwischen Nehrung und Festland, ist es eine fischreiche Süßwasserlagune, in die der Bodensee dreimal hineinpasst. Einst warfen dort Fischer auf klobig-hölzernen Keitelkähnen ihre Netze aus. Heute tuckern blechgraue Motorboote, nach ihrem Fang, von schreienden Möwen umschwärmt, den Anlegestegen zu. Das Haff ist das eigentliche Arbeitsfeld der Fischer.

Gefangen werden Hecht und Zander.

Dazu Thomas Mann: „Ihr Leben ist rau und oft sehr schwer. Das Haff erscheint harmlos, kann aber außerordentlich bösartig sein, besonders im Herbst. Im Sommer sind Blitzschläge gefährlich. Ich habe erlebt, wie man einen Fischer, der vom Blitzschlag gelähmt wurde, aus einem Boot hob.“
Was in den Souvenirläden Niddens als „baltisches Gold“ angeboten wird, schwemmt die Brandung an: Bernstein, das ist fünfzig Millionen Jahre altes versteinertes Baumharz.
Abends geht über der See die Sonne unter. Nicht selten ein spektakuläres Ereignis. Familie Mann verfolgte das Schauspiel häufig von einer Düne aus in stummer Ergriffenheit.

Die Künstlerkolonie

Zurück im Ort: Das Fischer- und Ferien-, das Wald- und Dünenstädtchen, die Künstlerkolonie Nida oder Nidden, verkörpert lauschige Gemütlichkeit. Erstmals 1437 in Chroniken erwähnt, hatte es um 1930 neunhundert Einwohner, heute sind es um eintausendfünfhundert. Nach dem Krieg galt Nidden als „das schönste Dorf der Sowjetunion“.
Alte Fischerhäuser, blaue, gelbe, rote, weiße Gebäude aus Holz, Back- oder Naturstein mit verzierten Giebeln und den typischen kurisch-blauen Windbrettern, schmücken das Bild des Ortes. Versteckt hinter Obstbäumen, Cosmeenbüschen, Dahlien und Malven gelegen, umsäumt von Dünen und Wald.
Um 1890 bis nach 1900 zogen zahlreiche Maler aus Königsberg, Berlin und Dresden nach Nidden und bildeten eine Künstlerkolonie – das Worpswede des Ostens. Unter ihnen waren Max Pechstein, Karl Schmidt-Rodluff, Oskar Moll, Ernst Mollenhauer, um nur einige Namen zu nennen.
Kunsthistorisch wird die Niddener Künstlerkolonie als Einfallstor des Expressionismus in Ostpreußen gewertet.
Thomas Mann kannte Ostpreußen bis 1929 so gut wie gar nicht. Nach Visiten von Königsberg und Rauschen, schlug ihm Bernhard Koch, der österreichische Konsul in Königsberg und Leiter des Verlags Gräfe und Unzer, einen Ausflug nach Nidden vor.

Liebe auf der ersten Blick

An einem Freitag des 24. August 1929 trafen Manns im Ort ein und stiegen im Hotel-Gasthof Herrmann Blode ab. Bereits vier Tage später war in der Königsberger Allgemeinen zu lesen, dass Thomas Mann beabsichtige sich in Nidden ein Sommerdomizil einzurichten.
Der Schriftsteller, so hieß es, sei von der Eigenart und Schönheit dieser Natur, der Welt der Wanderdünen, dem von Elchen bewohnten Wald zwischen Haff und Ostsee so ergriffen, dass er beschloss, an diese so entlegene Stelle einen festen Wohnsitz zu schaffen, an dem fortan die Sommerferien mit den schulpflichtigen Kindern zu genießen seien.
Liebe auf den ersten Blick? – So konnte die rasche Entscheidung genannt werden!
Alles ging jetzt ganz schnell. Das Haus entstand auf einem Hügel mit herrlichem Blick auf Haff und Dorf. Gebaut wurde es vom Architekten Herbert Reissmann, der von Ernst Mollenhauer, dem einheimischen Freund der Manns, beraten wurde.
Es sollte ein schönes, aber nicht protziges Heim werden. Eines, das dem Stil der Fischerhäuser nahe kommt. Katia Mann gab Instruktionen, was für Räume sie brauchten und wie viele. Natürlich fließend kaltes und warmes Wasser, elektrisches Licht, Zentralheizung … ein bisschen komfortabel sollte es schon sein.

Als das zweigeschossige, reetgedeckte Heim mit Kaminzimmer, mehreren Schlafgemächern, Veranda und Terrasse fertig und bezogen wurde, fanden die Einheimischen schnell einen Namen für das Anwesen: „Onkel Tom’s Hütte“.
Onkel Thomas lächelte darüber und zog sich in sein Arbeitszimmer im ersten Stock zurück, um große Literatur zu schreiben, die die Welt interessiert verschlang.
Aber warum ausgerechnet Nidden? mag man sich fragen. Ein Ort wie am Ende der Welt gelegen, unpraktisch zu erreichen, Tagesreisen von westlicher Zivilisation entfernt. Doch es gab Argumente, die für Thomas Manns Entscheidung sprachen: Die Kurische Nehrung war ein alter Teil des Deutschen Reiches. Damit war sie ein Stück der deutsch-romantischen Seele und für den Schriftsteller auch Seelenlandschaft. Zumal es ja ein künstlerisch nicht unbedeutender Platz war.
Die Standortwahl sollte zudem einen politischen Akzent setzen: Schaut her, der äußerste Winkel des Landes ist wichtig. Im Sinne von: Ich bin hier und ich schreibe hier!

Nobelpreis

Thomas Mann erhielt im November 1929 den Nobelpreis für Literatur. Die Würdigung rückten Nidden und natürlich auch das Domizil ins Blickfeld.
Von jeher hatte der Dichter Mann „Zwischenlagen“ gesucht, wie jene zwischen Haff und Meer, oder, das Sowohl-als-auch. Orte an doppelten Ufern. Und hier überkam ihn obendrein tiefe Freude an Landschaft und Natur, bei gottvoller Ruhe, die Dichter und Denker so nötig brauchen.
„Der Sommerfrieden sei ihm unentbehrlich“, war im Das Neue Wiener Journal, am 9. August 1930 zu lesen.
Gerhart Hauptmann residierte auf Hiddensee. Und Nidden, mit dem Kurischen Haff sollte Thomas Manns Revier werden. Zu guter Letzt gab es noch einen finanziellen Aspekt: Im fernen Ostpreußen war Bauland und das Bauen erschwinglich. Die Investition konnte aus Teilen des Nobelpreises und dem Vorschuss seines Verlegers Samuel Fischer für eine neue Volksausgabe der „Buddenbrooks“ bezahlt werden.

Mein Trip nach Nidden war alles andere als eine Lustreise. Ich hatte ein strammes Programm zu absolvieren: Besichtigung der Kulturstätten. Das Bernstein- und Fischermuseum, ein Denkmal, das den deutschen Weltrekord-Segelflieger Ferdinand Schulz würdigt.
Der ehemalige Gasthof Blode, einst Malertreffpunkt der Künstlerkolonie, ist das Herrmann Blode-Museum geworden. Auch das musste besucht werden. Und natürlich das Thomas Mann Sommerhaus, auf dem „Schwiegermutterberg“, wo der Hausherr von 1930 bis 1932 mit Familie die Ferien verbrachte, Aufsätze, Briefe und am „Joseph“-Roman schrieb.
Die Hausbesichtigung war mit allerlei Vorträgen des Repräsentanten des Thomas-Mann-Kulturzentrums angereichert.

Kamingespräche

Nach reichlich geistiger Nahrung, traf man sich im Kaminzimmer des Thomas Mann-Hauses und diskutierte in gemütlicher Runde bis in den frühen Morgen.
Ich konnte mir gut vorstellen, wie der Dichterfürst so am Kamin stand, lässig die Faust in die Hüfte gestemmt, den linken Ellenbogen auf den Kaminsims gestützt, zwischen den Fingern die obligate Zigarette.
Er zeigte sich gern mit hellen Schuhen, weißer Hose im dunkelblauen Zweireiher-Sacco dazu Einstecktuch. Immer äußerst korrekt: weißes Hemd mit Krawatte. Haare wohl frisiert, den Oberlippenbart fein gestutzt. Sein Blick durch die runde Brille stets etwas von oben herab.
Ein deutscher Gentleman alter Schule eben, der gerade seiner Familie oder Gästen die Welt erklärt. Eine Welt, deren Verlauf ihm große Sorgen bereitete. Doch so weit bin ich noch nicht.

In der Kaminrunde wurde auch sein Alltag in Nidden geschildert: Eigentliche Ferien waren Manns Aufenthalte hier nicht. Sein diszipliniert, ganz auf die Arbeit ausgerichteter Tagesablauf ging weiter. Die Familie hatte darauf Rücksicht zu nehmen. Der Hausherr durfte beim Schreiben nicht gestört werden. Ebenso wenig beim Nachmittagsschlaf.
Vor dem Frühstück pflegte er einen Waldspaziergang zu unternehmen. Hernach schrieb er einige Stunden oben in seiner Mansarde, hauptsächlich an den „Josephs“-Geschichten. Um die Mittagszeit folgte er der Familie an den Ostseestrand, wo er in einem Strandkorb weiterarbeitete. Nachmittags widmete er sich der Lektüre oder der Korrespondenz, in dem er gern Postkarten mit seinem Sommerhaus an Freunde verschickte.
Zu dieser Tageszeit erschienen auch Journalisten und Fotografen aus nah und fern, die für die Presse Neuigkeiten über Manns erfahren wollten. Der Abend gehörte der Musik. Ein Grammophon und Wagner-Schallplatten befanden sich griffbereit auf einer Kommode.

Unheil naht

Manns hielten sich im Sommer 1932 in ihrem Domizil auf. Thomas bekam ein Paket geschickt. Als er es öffnete, stieß er auf schwarze Asche und verkohltes Papier. Der Inhalt bestand aus einem verbrannten, gerade noch erkennbaren Exemplar seines Romans „Buddenbrooks“.
Ein Vorspiel zur Bücherverbrennung des Nazi-Regimes vom 10. Mai 1933. Bücher freiheitlich gesinnter Schriftsteller landeten auf Scheiterhaufen. Welch ein Kulturfrevel!
Dieser und andere Vorfälle führten bei Familie Mann zur Entfremdung von Nidden. Am 4. September 1932 bestieg er zum letzten Mal das Dampfschiff nach Cranz. Danach sah ihn das Kurische Haff nie wieder.
Ein erster Schritt der Manns in die Immigration!
Das Anwesen verwaiste. 1939 wurde es beschlagnahmt und gelangte als „Jagdhaus Elchwald“ in den Besitz des Reichsjägermeisters Hermann Göring. Bewohnt hatte er es jedoch nie. Dagegen hielt sich Hitlers Architekt Alfred Speer wiederholt dort auf.

Die Kultur- und Begegnungsstätte

1955 keimte der Plan, im Mannschen Haus eine Gedenkstätte zu errichten. Im Juli 1967 wurde das inzwischen restaurierte Gebäude für Besucher geöffnet und zwar als Filiale der Stadtbibliothek von Klaipeda.
Seit 1987 fanden sich vereinzelt auch westliche Besucher ein. Und es wurde ein erstes Thomas-Mann-Seminar abgehalten. Dem weitere folgten, als 1990 die Litauische Thomas-Mann-Gesellschaft gegründet wurde.
Die Kurische Nehrung war nun West-Touristen geöffnet und sorgte für breites Interesse an Nidden mit seinem berühmten Haus. Und seit Mai 1996 beherbergt das Anwesen zwei Institutionen: das Thomas-Mann-Museum und das Thomas-Mann-Kulturzentrum. Support leisten die Thomas-Mann-Gesellschaft mit diversen Stiftungen. Eine davon ist die Robert-Bosch-Stiftung.

Besinnung

Am letzten Tag meines Aufenthaltes verweilte ich noch einmal in den lichtdurchfluteten Räumen mit künstlerischen Exponaten, klassischer Musik und den vielen Bildern, Fotografien und Erinnerungsstücken der ehemaligen Eigentümer.
Noch ein letzter Blick auf „Onkel Tom’s Hütte“, das farbenfrohe, reetgedeckte Walmdach-Holzhaus mit den blauen Fensterrahmen, den verzierten Fensterläden, im First die gekreuzten Pferdeköpfe als Dachreiter.
Symbolisiert das nicht Weltoffenheit eines unabhängigen Litauen? Die Stätte soll nicht nur Kulturmuseum und Gedenkort sein. Nein, vielmehr ein Brückenkopf nach Westen. Ein Begegnungsort für das Verständnis europäischen Denkens, Sehens und Fühlens. Ich verlasse die Stätte großer Literatur mit den Worten Golo Manns:
„In unseren Zeiten kann man nicht zurück. Man wird, was man ehedem geliebt hat, nicht wiederfinden – weswegen man immer Neues suchen muss.“ – Sprach damit der Sohn dem Vater nicht aus Seele?

„Zauber des Aquarells“ von Witka Kova – Finissage am 4. Juli

Cap San Diego von Witka Kova

In der Kunstkreisgalerie Schenefeld wurde eine sorgfältig aufgebaute Bildpräsentation mit Aquarellen der Hamburger Künstlerin Witka Kova am 6. Juli um 18 Uhr vor den eingeladenen Gästen bei musikalischer Untermalung mit E-Cello von Uwe Schade eröffnet.

Der Laudator stellte dabei u.a. die Frage, wie diese bemerkenswerte Ausstellung zustande kam. Frau Wientapper, die noch vor Kurzem die amtierende Vorsitzende des Kunstkreises Schenefeld war, hatte sie veranlasst. Dann würdigte er die Dienste der neuen Vorsitzenden Frau Gerda Freytag-Permien in Bezug auf die künstlerisch äußerst wertvolle Gemäldepräsentation.

Die Laudatio beschäftigte sich auch mit der Frage, was für eine Veranstaltung eigentlich eine Ausstellung, eine Bildpräsentation ist. Eine Ausstellung, eine Bildpräsentation sei ein gesellschaftliches Ereignis, ein hoch intellektuelles und kulturelles Erlebnis. Eben diese Ausstellung brachte uns zueinander, uns Kunstinteressierte mit der Künstlerin Frau Witka Kova, um etwas gemeinsam wahrzunehmen, etwas bewusst zu beobachten, zu erfahren, zu erleben, in die nonverbale Kunst, also in die Malerei, einzutauchen.

Witka Kova, Foto privat

Witka Kova wurde in Sensburg in Masuren/Polen geboren. Sie war schon als kleines Mädchen von der form- und farbenprächtigen Welt der masurischen Landschaft fasziniert. Ihre ersten Bilder, Stillleben und Landschaften, fertigte sie mit Stiften an. Während ihres Studiums für Bauwesen in Mragowo/Sensburg in Polen zeichnete sie intensiv. Mit wachsender Sicherheit widmete sie sich später auch anderen Materialien, wie z.B. Kohle, Pastell- und Ölkreide, Aquarell und Acryl. In ihrem Schaffensprozess ist ihr Material immer mehr das zarte Aquarell mit seinen vielfältigen künstlerischen Gegebenheiten geworden.

Nachdem sie dann mit dem weltberühmten österreichischen Aquarellisten Bernhard Vogel zusammen Landschaftsbilder direkt in der Natur „bei Wind und Wetter“ gemalt hatte, war sie vom Aquarell nicht mehr zu trennen.

Ihre theoretischen und praktischen Kenntnisse reicherte sie sich fortlaufend an, u.a. durch Lehrgänge und Zusatzstudien an diversen Kunstschulen, auch bei dem bekannten Künstler Armin Sandig in der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (2009-2012).

Affen im Urwald von Witka Kova

Der Ausgangspunkt ihrer Malerei liegt in der Natur: Darum geht sie in Wäldern, Gärten und Parkanlagen spazieren, hält sich gern an den masurischen Seen, an der Ost- und Nordsee auf, aber ebenso an der Donau, an der Alster oder am Elbufer und im Hafen. Sie ist „hungrig“ aufs Sehen, auf visuelles Wahrnehmen. Wenn der Frühling kommt, spürt sie eine ungeheure Unruhe, sie muss in die Ferne, etwa wie die Zugvögel. Sie sammelt überall ihre Eindrücke, die sie in zarten Farbabstufungen äußerst kreativ und emotionsgeladen in Aquarell umsetzt.

Ihre Aquarell-Gemälde bauen sich Schicht auf Schicht im gekonnten, sorgfältigen und behutsamen Malprozess auf, und zwar im konzentrierten und zeitaufwendigen Prozess! Das Aquarell muss unter ihrer Hand mutig fließen. Wie der griechische Philosoph Heraklit gesagt hatte, was später Platon zum Aphorismus formte: Panta rhei, Auf Deutsch: alles fließt. Und dieses Fließen steuert sie, damit das Aquarell in den gewollten Form- und Farbnuancen einen eindeutigen Ausdruck gewinnt.

So lange wird gemalt, bis die transparente Aquarellfarbe den bildnerischen Inhalt in eine ausdrucksstarke Farbspiegelung bringt. Eben dieses verlangt besondere malerische Kenntnisse. Die diesbezügliche in langen Jahren erarbeitete Geschicklichkeit, Routine und Technik beherrscht sie meisterhaft.

Witka Kova liebt die Natur, die wunderbare Natur. So wie der französische Romancier Honoré de Balzac kundtat: „Liebe zur Natur ist die einzige Liebe, die menschliche Hoffnung nicht enttäuscht.“ Und diese Liebe und noch mehr vermitteln die Aquarelle von Witka Kova. Ihre Aquarellgemälde stellen die empirische Wirklichkeit visualisiert dar. Ihre Bilder leben und atmen, widerspiegeln die Grundelemente der Weltschöpfung der antiken Griechen: Sie bestehen sichtlich aus Luft, Erde, Wasser und Feuer.

Witka Kova ist aktives Mitglied der renommierten Hamburger Aquarellwerkstatt, die unter der Leitung des Künstlers Uli von Bock steht. Dort werden Konzepte für Ausstellungen entwickelt, Projekte ausgedacht, Auslandsreisen für gemeinsames Malen durchgeführt und Ausstellungen organisiert.

Himmel und Erde von Witka Kova

Anschließend schlug die Laudatio eine neue Richtung ein und beleuchtete die lange Geschichte der Aquarellmalerei. Die ältesten Bilder der Weltgeschichte, wie die Höhlen- und/oder Felsmalereien, wurden mit wasserlöslichen Farben angefertigt, und zwar mit pinselartigen Hilfsmitteln oder Fingerabdrücke mittels „Spucktechnik“: Farbe aus dem Mund gespuckt, an die Steinwände gebracht. Die alten Ägypter bemalten ihren Papyrus mit Pinseln und Wasserfarben. Die Japaner und Chinesen malten ihre Werke stil-gemäß auf Reispapier. In Europa war zunächst üblich, Aquarell als Untermalung eines werdenden Gemäldes oder als Entwurf zu verwenden. Hier könnte man u.a. Albrecht Dürer (1471-1527) und Rembrandt van Rijn (1606-1669) erwähnen.

Der erste Maler, der Aquarell als selbstständiges Medium verwendet hat, war der Engländer William Turner (1775-1851). Seine Aquarelle haben wir vor einigen Jahren in Hamburg – ganz genau 2011 im Bucerius Kunst Forum – betrachten können. Die Junggebliebenen unter uns werden sich an dieses Spektakel sicherlich noch intensiv erinnern können.

Witka Kova behält ihre Kenntnisse und Erfahrungen nicht für sich. Sie erteilt Kurse für Fortgeschrittene und auch Künstlerinnen, die sich um ihre Fortbildung kümmern. Unten diesen Aspekten leitet sie seit weit mehr als zehn Jahren den Aquarellkurs z.B. im „Berenberg-Gossler-Haus“ in Hamburg-Niendorf.

Nach diesen Schilderungen kehrte die Laudatio zu der gegenwärtigen Ausstellung „Zauber des Aquarells“ von Witka Kova zurück, es werden inhaltliche, formelle und maltechnische Gegebenheiten analysiert.

Die lange Liste der Ausstellungen/Ausstellungsorte der Künstlerin wurde aus zeitlichen Gründen nicht aufgezählt, dennoch wurden ihre wichtigsten Bildpräsentationen in der näheren Vergangenheit im Ausland erwähnt: im ArtClub Sydney/Australien, in der Art-Kunst-Galerie in Budapest/Ungarn. Die letzte große Präsentation erlebten ihre Aquarelle im Goethe Institut Nicosia/Zypern, und zwar mit der großzügigen Unterstützung des Polnischen Konsulats.

Die Malerei von Witka Kova fand auch in den Medien ein großes Echo. Hier ist unbedingt die internationale Zeitschrift ´Kunsthandel Frankfurt´ zu erwähnen oder die Veröffentlichungen ihrer Bilder im ´Lady Tagebuch-Kalender´. Als Art Print (sprich Kunstdrucke) wurden ihre ausdrucksstarken Motive in großen Katalogen weltweit an das breite Publikum gebracht, wie z.B. durch die international bekannten Kunstkataloge Art-Aschaffenburg.

Aus der aktuellen Ausstellungsliste wurden einige Bildtitel vorgelesen, und zwar: Elbe, Speicherstadt, Hamburger Hafen, HafenCity, Schiffe, Cap San Diego usw. Worauf deuten diese Bildtitel hin? Unsere Heimat, die Hansestadt Hamburg mit ihren geografischen und historischen Gegebenheiten ganz bis Ost- und Nordsee inspirieren die Kreativität der Künstlerin Witka Kova und spiegeln ihre Heimatliebe wider.

(Alle Bilder und Fotos von Witka Kova)

Die weiteren Bildtitel und Ausstellungsorte, wie Venedig, Zypern, Sydney, deuten auf den großen geografischen Raum hin, in dem sich die Künstlerin bewegt.

Ihre Bildtitel Abstraktion, abstrahere, beschreibt die Kunstrichtung der nicht gegenständlichen Malweisen, in denen das Komponieren des Gemäldes universaler, systemunabhängiger und freier im Bezug zu real existierenden Objekten erscheint. So geraten die Bilder in andere Dimensionen und fordern die Bildbetrachter emotional, visuell und intellektuell heraus.

Zu den Aquarellen von der Künstlerin Witka Kova muss man und darf man nicht viel sagen, stellte die Laudatio fest: Sie sprechen für sich selber! Die Botschaft ihrer Bilder hat eine eigene, klare und deutliche Sprache.

Nachdem die Ausstellung eröffnet worden war, machte die Künstlerin eine Galerieführung für das äußerst interessierte Publikum.

Als feierliche Finissage der Ausstellung findet am 4. Juli 2025 um 18:00 Uhr in der Kunstkreisgalerie Schenefeld eine Autorenlesung mit musikalischer Begleitung am Keyboard statt, zu der alle Kunst- und Literaturfreunde herzlich eingeladen sind.

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Die Ausstellung befindet sich im Stadtzentrum Schenefeld, Kiebitzweg 2, 22869 Schenefeld in der ersten Etage. Öffnungszeiten: Do.-Sa. von 16:00 bis 18:00 Uhr und/oder nach Vereinbarung. Eintritt ist frei.

Die Bildpräsentation schließt am Sa., den 05.07. 2025.

 

„Anthropology“ – How Artificial Intelligence (AI) influences our life – by Lauren Gunderson.

A video design brings Angie to life.

No doubt, Lauren Gunderson’s play is a modern techno-thriller that combines elements of murder mystery with a disturbing family saga. What a challenge for every theatre director to cope with Artificial Intelligence, short AI, on the stage! “Anthropology”, first premiered at London’s Hampstead Theatre in 2023, shows very clearly the pros and cons of this entirely new technology that becomes more and more an integral part in our lives, influencing our routine and daily activities. Cui bono – to whom is it a benefit? Wait and see what AI can achieve.

Girl gone – where is Angie?

We find Merril (Carolyn Maitland), a successful software engineer, in her ultra-modern office somewhere in Silicon Valley. She is in deep sorrow about the whereabouts of her younger sister Angie (Emma Langmaid) who disappeared over a year ago without leaving a trace. Has her sibling been kidnapped by a criminal or did she run away on her own initiative? As Merril is struggling with grief and guilt she creates a chatbot of Angie, assembled of every digital footprint, every social media post, voice mail and anything else similar. Angie’s digital simulation is now on her computer, to be turned on whenever Angie wishes to chat with Merril.

Is Angie still alive?

The police are unable to help Merril since there isn’t the slightest hint of Angie’s whereabouts. Anyway, the search is going on. However, without any result. When Merril in her distress has nearly giving up hope she hears Angie’s voice on her computer and she and Merril start gossiping as though nothing has happened. All of a sudden Angie’s picture plops up on the screen. But it is not she in the flesh but an algorithm, Angie’s AI “personality.” Gosh, we are lost in a sci-fi thriller. Angie’s picture disappears from one second to the other from Merril’s screen. Plop…

A friend calls

All of a sudden Angie appears on Merril’s computer.

Raquel (Rachel Morris), Merril’s girlfriend, calls and advises Merril to cool down a bit. In her opinion, Merril’s overreaction is not helpful. No doubt, the strength is to be found in serenity. But Merril does not agree, and Raquel leaves for good. All of a sudden strange messages sent by a man named Bill Maplethorpe, turn up on Brins, Merril’s and Angie’s mother’s mobile. Bill is Brin’s divorced husband who died only recently. What are these messages all about? With the help of AI Angie Merril is now able to trace Angie’s whereabouts that are only a few blocks away from her office.

A Miracle happens

Out of the blue Angie is back. She is standing in Merril’s office swearing and blaming Brin (Catherine McDonough) her “fucking” mother for everything she had to go through during her long captivity in a kind of prison. It was Bill who kidnapped her, the psychopath husband of her mother. Shame on her, the irresponsible drug-addicted “fucking” mum, wo forgot to care properly for her young daughter. Brin is in tears and full of regret. She did not mean this to happen and asks for forgiveness.

„Listen, my girl, how dare you call me your fucking mother!“

Last Scene…
Merril and Angie decide to forget the criminal act as soon as possible, the more so as the abductor who caused Angie so much pain is dead Both are planning a better common future.

Conclusion

Wow – what a gripping play that mesmerizes the audience until the very last moment. According to one British critic it is the sign of a good writer to touch the “zeitgeist” just as the “geist” gets seriously gusty. And do not forget that “Anthropology” was conceived by Lauren Gunderson before Chat GPT escalated the fears about the threat of Artificial Intelligence usurping mankind’s own sentient endeavour. True enough. However, the fear that Artificial Intelligence will influence our lives negatively is absolutely justified. It embodies a high potential of manipulation which we can hardly escape. Just so.
Listen to critic Julia Rank’s judgment: “Gunderson ultimately seems cautiously optimistic that AI can be used as a tool for good if used wisely within this ethical minefield.” Let us hope for the best. Since if AI gets into to the wrong hands the results will probably be disastrous.
Thanks to director Paul Glaser and his four brilliant female protagonists – the only man involved in the play only posted messages, but remained invisible – the evening proved a great success.

Last performance of “Anthropology” on July 5, 2025.
Tickets under phone number: 040 – 227 70 89 or online under: www.englishtheatre.de
The next premiere after the theatre holidays will be announced later in our online magazine.

All photos by Stefan Kock.

Two intimate girlfriends meet for a chat.

„Anthropology“ – Wie Künstliche Intelligenz die Welt verändert. Die neue Premiere im English Theatre of Hamburg.

Ein Video-Design erweckt Angie zum Leben.

Respekt! Regisseur Paul Glaser hat den Mut, völlig unbekanntes Terrain zu betreten und einen ungewöhnlichen, zumal unblutigen Thriller mit vier brillanten Darstellerinnen und Darstellern auf die Bühne zu bringen.
In der Tat, „Anthropology“, geschrieben von der amerikanischen Erfolgsautorin Lauren Gunderson, ist eine veritable Herausforderung. Im Stück geht es um die jüngst so häufig beschworene künstliche Intelligenz, kurz KI. Wie sich diese auf unsere Gesellschaft auswirkt, welche Chancen und Gefahren sie birgt, wird in diesem, 2023 im Londoner Hampstead Theatre uraufgeführten Science Fiction-Thriller, eindrucksvoll dargestellt.
Dies vorab zum besseren Verständnis: Anthropologie, abgeleitet vom griechischen „Anthropos“, der Mensch, bedeutet soviel wie das Wissen über den Menschen in all seinen Facetten. Alles klar?
Der Plot…

Trauer, die nicht enden will

Merril, eine junge erfolgreiche PC-Spezialistin (Carolyn Maitland), befindet sich in einem Dilemma. Vergeblich sucht sie nach ihrer jüngeren Schwester Angie (Emma Langmaid) , die vor über einem Jahr spurlos verschwand. Wurde das junge Mädchen von Unbekannten entführt? Wir begegnen Merril in ihrem riesigen, mit Rechnern und blinkenden Bildschirmen ausgestatteten Büro irgendwo in Silicon Valley. In tiefster Verzweiflung.

Suche mit modernsten Hilfsmitteln

Wie aus dem Nichts erscheint Angie auf Merrils PC.

Da die Polizei die Suche nach der Vermissten bereits aufgegeben hat, hat Merril einen „Chatbot“, eine digitale Simulation, eingerichtet, um herauszufinden, ob Angie noch am Leben ist. So ist es ihr möglich, jederzeit mit der Schwester zu sprechen. Allerdings gibt die plötzlich auf dem Bildschirm sichtbare Angie keinen Aufschluss über ihren Aufenthaltsort. Die KI-Simulation sieht zwar aus und spricht wie das Original, ist jedoch nur ein Algorithmus, der häufig beim Sprechen den Faden verliert, alle Phrasen mehrfach wiederholt und schließlich ganz vom Bildschirm verschwindet.

Eine alte Liebe meldet sich und Nachrichten eines gewissen Bill tauchen auf

Raquel (Rachel Morris), Merrils langjährige intime Freundin, steht völlig unerwartet auf der Türschwelle und beschwört Merril, ihre Suche nach Angie weniger aufgeregt anzugehen. Als Merril widerspricht, verlässt Raquel das Apartment.
Plötzlich tauchen Nachrichten eines Bill Maplethorpe, des Ex-Mannes der Mutter der Schwestern Merril und Angie, Brin (Catherine McDonough), auf deren Handy auf. Dies ermöglicht KI Angie, Bills Adresse herauszufinden. KI Angie vermutet, dass Bill etwas mit dem Verschwinden der leibhaftigen Angie zu tun haben könnte. Merril wird aufgefordert, sofort nach ihrer kleinen Schwester zu fahnden.

KI hilft, einen Entführungsfall aufzudecken.

„Hör mal, mein Kind, so etwas sagt man nicht zu seiner Mutter!“

Nachdem alle Beteiligten die Hoffnung bereits aufgegeben hatten, Angie je wiederzufinden, ist die Vermisste – oh Wunder – auf einmal wieder da. Leibhaftig. Etwas mitgenommen zwar nach über einem Jahr Gefangenschaft. Aber im Übrigen unversehrt. Nun sitzt sie auf einem Polizeirevier und überschüttet ihre sofort herbeigeeilte Mutter Brin mit Vorwürfen. Denn ist sie, die drogenabhängige verantwortungslose Mum, nicht schuld an dem Verbrechen? Immerhin war sie mit Bill verheiratet, diesem inzwischen toten Psychopathen, der Angie eingesperrt und ihr Schreckliches angetan hat. Sie wird nie in ihrem Leben dieses furchtbare Verlies vergessen, in dem sie gefangen gehalten wurde.

Zurück im normalen Leben

Merril beschließt, die PC-Simulation ihrer Schwester auf der Stelle zu löschen. „Stop, stop,“ befiehlt sie dem Computer, der sich sofort abschaltet.
Fazit: Merril und Angie werden die Schrecknisse der Vergangenheit begraben und sich mutig allen künftigen Herausforderungen stellen.
Aufatmen!

Zwei alte Freundinnen treffen sich auf einen Ratsch.

Kein Zweifel, „Anthropology“ ist starker Tobak, der dem Zuschauer einiges abverlangt. In erster Linie Aufmerksamkeit, damit kein Dialog, kein Wort verloren geht. Denn nur wer genau aufpasst, wird bis zum Schluss dieses Thriller-Dramas auf dem Laufenden bleiben. Auch für jene, die bislang von KI wenig bis nichts gehört, geschweige denn verstanden haben, ist „Anthropology“ ein einzigartiges Lehrstück dafür, wie künstliche Intelligenz unser aller Leben verändern kann, im Guten wie im Bösen.

Da ist zunächst die allumfassende Manipulation, deren Eigendynamik sich kaum einer entziehen kann. Wie war es doch noch mit Goethes „Zauberlehrling,“ der trotz des Verbotes seines Meisters aus Neugier die Zauberformel „einfach mal so“ anwendet und damit ein Chaos ohnegleichen auslöst. Wer erinnert sich aus fernen Schulzeiten nicht an die Zeilen: „Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben und nun sollen seine Geister auch nach meinem Willen leben. Seine Wort und Werke merkt ich und den Brauch. Und mit Geistesstärke tu ich Wunder auch. Walle, walle mache Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe und mit reichem vollem Schwalle zu dem Bade sich ergieße.“ Als das ganze Haus abzusaufen droht, ruft der Zauberlehrling seinen Meister zu Hilfe, der dem Spuk schnell ein Ende bereitet. Heute muss man nur den richtigen Knopf des Computers drücken, damit wieder Ruhe im Karton herrscht. Es sei denn, die Technik spielt verrückt und erst der moderne Hexenmeister, vulgo IT-Fachmann, bringt Ordnung ins System.

Merril gibt nicht auf. Sie muss Angie finden.

„Anthropology“ ist zweifellos ein beeindruckendes zeitgeistiges Bühnenwerk, erdacht von einer Frau, die zu den erfolgreichsten Autoren Amerikas zählt. Allerdings hat Lauren Gunderson aus meiner Sicht den Plot etwas überfrachtet. Es fehlt kaum ein Klischee, das der Zeitgeist für sich beansprucht, darunter Drogensucht, Alkoholismus und Kindesmissbrauch. Dennoch, das Stück regt zum Nachdenken an, zumal die vier Darstellerinnen den Abend zu einem nachhaltigen Erlebnis gestalten. Etwas störend ist die durchgängige Fäkalsprache. Fast jeder Satz beginnt mit fuck, fucking oder shit. Aber auch dieses Vokabular ist eindeutig dem Zeitgeist geschuldet.

Die britische Kritik ist indes voll des Lobes: „Gunderson hegt einen verhaltenen Optimismus, dass KI viel Gutes bewirken kann, sofern sie weise angewandt wird,“ findet eine Kritikerin namens Julia Rank. Recht hat sie. Es kommt immer auf die Hände an, in die ein derartiges Werkzeug (tool) gelegt wird.

„Anthropology“ läuft bis einschließlich 5. Juli 2025.
Tickets unter der Telefonnummer: 040-227 70 89
oder online unter: www.englishtheatre.de

Die nächste Premiere nach den Theaterferien werden wir zu gegebener Zeit an dieser Stelle bekanntgeben.

Alle Fotos von Stefan Kock.

Künstlerische Bücher und Kurioses

Tita do Rêgo Silva

Als Sammler bibliophiler Bücher und ehemaliger Druckerei-Inhaber war es wieder einmal ein Genuss ohne Ende, durch die beiden Etagen einer alten Fabrik in Hamburg-Barmbek, die seit vielen Jahren als Museum fungiert, zu schlendern.

 

Denn vom 4. bis 6. 2025 April fand im Museum der Arbeit in Hamburg die 20. Messe „BuchDruckKunst“ unter dem Motto „Herzblut und Werkschwarz“ mit rund 60 Ausstellern statt.

Es ist eine wahre Freude, zu sehen, wie Buchbindermeister hervorragende Ideen mit technisch perfektem Material so umsetzen, dass nicht nur höchste Handwerkskunst, sondern auch Buchkunst dabei herauskommt. Mit den Kollegen zu fachsimpeln und gelegentlich nicht aus dem Staunen herauszukommen, ist für den Fachbesucher jedes Jahr erneut faszinierend.

Sammler und andere Verrückte: die Pirckheimer-Gesellschaft

Ein Verband, der sich bereits seit vielen Jahrzehnten dem Sammeln, Bewerten und Vernetzen im Bereich der Buchkunst und der bibliophilen Bücher widmet, war gleich an einem der ersten Messestände zu sehen: Die Pirckheimer Gesellschaft gibt unter anderem die sehr empfehlenswerte vierteljährlich erscheinende Fachzeitschrift „Marginalien“ heraus, wie hier auf den beiden Rollups im Fotohintergrund zu sehen ist.

Rudolf Angeli

Der Verleger Rudolf Angeli vom Verlag Angeli & Engel zeigte mir sein Vorabexemplar der Juni-Neuerscheinung des Malers Klaus Waschk: „Övelgönne – Zeichnungen gegen den Strich“. Fünfzig Vorzugsausgaben, denen eine Originalzeichnung beiliegt, sind bereits jetzt, noch vor Erscheinen, vergriffen – ein großer Erfolg, der auch auf diese Messe BuchDruckKunst zurückzuführen ist.

Bilder von allen Messeständen, wie dem Svato Verlag, der Corvinius Presse, Officina Ludi, Susanne Theumer, Roland Meuter und der Edition Ehrt zu zeigen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Daher habe ich mich entschlossen, zwei besondere Buchkünstler in Bild und Text kurz vorzustellen.

Buchkunst vom Feinsten

Kürzlich verstarb in Hamburg Peggy Parnass, eine vielgelobte journalistische und politisch-literarische Größe. Sie lebte in Hamburg St. Georg, wo seit weit über 30 Jahren auch die Buchkünstlerin Tita do Rêgo Silva ihr Atelier hat. Gemeinsam gestalteten sie 2012 in einer kleinen Auflage, gedruckt auf historischen Maschinen im Museum der Arbeit, das Buch „Kindheit – Wie unsere Mutter uns vor den Nazis rettete“ von Parnass. Das Buch war so erfolgreich, dass es 2014 als Reprint im vierfarbigen Offsetdruck im hoch angesehenen S. Fischer Verlag in Frankfurt erschien. Auf dem Foto vom Messestand sehen wir nicht nur die bildende Künstlerin, sondern im Hintergrund auch ihre teilweise sehr großen farbigen Holzschnitte, die ihresgleichen suchen (s. Bild oben).

Dem aufmerksamen Besucher fiel ebenfalls in der Verlag „The Other Collection“ auf, der sehr individuell gestaltete, wunderschöne Hardcoverbände von bekannten Autoren zeigte. Sie verfügen zwar nicht über Illustrationen, beeindruckten aber durch sehr gute Typographie und die Haptik. Mit der Verlegerin Birgit Schmitz, vormals in großen Verlagen in verantwortlicher Position tätig, unterhielt ich mich über das Konzept. Dass die Bände im Bleisatz und Buchdruck hergestellt sind, hervorragendes Papier und Einbandmaterialien haben, ist bei dieser besonderen Messe kaum erwähnenswert. Die aufgerufenen Preise je Buch liegen jedoch bei 138 Euro, was nicht allein wegen des Buchdrucks auf einer alten Maschine nachvollziehbar ist. Der Clou: Alle Bücher sind nummeriert und vom Autor signiert. Mir fiel sofort William Boyd auf, von dem ich bereits vier Bücher gelesen hatte, und war fasziniert, wie die Verlegerin es schaffte, diese besondere Edition jeweils von den Autoren signieren zu lassen – ein enormer logistischer Aufwand. Die kreative Namensgebung von einzelnen Kunstwerken sei hier nur an einem Bild erläutert, welches für sich spricht.

An den drei Messetagen waren mehrere tausend Besucher in Sachen Buchkunst unterwegs, kauften Postkarten, Handpressendrucke, ließen sich in Newsletter-Listen eintragen und pflegten Kontakte aus den Vorjahren. Das auch viele jüngere Besucher kamen, liegt sicherlich daran, dass in Hamburg und Norddeutschland mehrere Studiengänge für Illustration angesiedelt sind und gerade in digitalen Zeiten der Wunsch nach analogen Texten und Bildern und dem Treffen im „real life“ zunehmend wichtiger werden.

Eines weiß ich schon jetzt: nächstes Jahr bin ich im April wieder auf dieser Messe, lasse mich von Neuem inspirieren und pflege die bislang geknüpfte Kontakte. Dem Messeteam um Klaus Raasch sei gedankt, ich wünsche ihnen für die nächsten Jahre weiterhin sehr viele Besucher.

Fotos: Ralf Plenz

Vom Galadinner zum Anwalt des freien Wortes

Mother of PEN Clubs. A. Hoffmeister

Die Gründung des PEN International

Ein gewöhnlicher Dienstag, der 5. Oktober 1921 in London? Halt nein, da schien sich etwas anzubahnen. Etwas Besonderes. Gegen 20 Uhr strebten mehrere Herren, vereinzelt auch Damen dem Restaurant The Florence in der Rupert Street, im kultigen Viertel Soho zu. Um 1890 herum war The Florence das Lieblingslokal von Oscar Wilde und später trugen dort „zornige“ Schriftsteller und Dichter wie Filippo Marinetti aufrührerische Texte vor. Ja, das Florence war seit Jahrzehnten ein beliebter Ort der schreibenden Zunft. War für heute etwa wieder Revolutionäres vorgesehen? Warten wir‘s ab.
Grüppchen schritten an den großen Bogenfenstern des Lokals vorbei und ab und an hielt eine Droschke davor, der Personen entstiegen, die gleichfalls im Restaurant entschwanden. Es fiel auf, dass die Gäste allesamt festlich in Anzug und Abendkleid daherkamen und nach kurzem Smalltalk im von Kronleuchtern illuminierten Speisesaal, Platz nahmen …

Bis auf eine Gruppe mit Dame, und die war umringt von diskutierenden Herrn. Ein gewisser George Bernhard Shaw war auch darunter. Die Dame schien an diesem Abend eine wichtige Rolle zu spielen. Schwarz gekleidet war sie erschienen, ihr rundliches Gesicht zeigte den Ansatz eines Doppelkinns. Ihre Lippen waren zart geschminkt. Die Augen, blaugrau, hatten ihr Gegenüber fest im Blick. Dunkles, mittellanges Haar, gewellt, zeigte einen Mittelscheitel. Eigentlich eine gemütliche Person, Mitte 50.
Spätere Erkundigungen ergaben: Die Dame hieß Catherine Amy Dawson Scott, wurde im August 1865 in London geboren, war Schriftstellerin, doch vor allen Dingen eine ebenso umtriebige wie talentierte Organisatorin.
Einst war sie mit dem Arzt Dr. Scott verheiratet gewesen, hatte drei Kinder und lebte mehrere Jahre auf der Isle of Wight. In der Abgeschiedenheit wurde es ihr zu langweilig. Also zog es sie zurück nach London, ins literarische Leben, dichtete und schrieb Romane.
Nach 20 Ehejahren ließ sie sich scheiden. Auch noch zu erfahren war, dass Catherine Scott gern behauptete über übersinnliche Kräfte zu verfügen. Im Jahr 1929 gründete sie die Survival Leage, eine spirituelle Organisation. Gestorben ist sie 1934 in London.

To-Morrow Club, Dinner Club, PEN

Zurück in den Speisesaal des Florence, in dem sich unterdessen 44 Schriftstellerinnen und Schriftsteller niedergelassen hatten: Es wurde ausgiebig gespeist. Das sechsgängige Galadinner mundete vorzüglich. Eigentlich war die Zusammenkunft bei gutem Essen immer noch nichts Außergewöhnliches.
Catherine Amy Dawson Scott, Freunde nannten sie Sappho, hatte bereits geraume Zeit vorher einen Verein zur Förderung junger Autorinnen und Autoren gegründet, den To-Morrow-Club. Eine Art literarische Freundschaftsgesellschaft, die auch mit etablierten Schriftstellern bekannt machen sollte. Zu diesen Club-Abenden mit gediegener Verköstigung wurden auch Redakteure und Literaturagenten eingeladen. Zu den frühen Club-Mitgliedern zählten unter anderen Joseph Conrad, George Bernard Shaw, oder H.G. Wells. Also alles beim Alten?
Wäre da nicht Sapphos Abend-Einladung folgenden Inhalts vorangegangen: „London hat kein Zentrum, an dem wohlbekannte Schriftsteller beiderlei Geschlechts verkehren können, keinen Ort, an dem illustre Gäste aus dem Ausland sie zu treffen hoffe, dürfen. Da ein Dinner Club diesen Bedarf erfüllen würde, schlage ich vor, ihn zu gründen.“
Nachdem sich die Gäste an dem Galadinner gestärkt hatten, wurde Sapphos Vorschlag mit Begeisterung angenommen. Das Organisationstalent hatte den Weg bereitet und den Vorläufer des PEN an diesem Abend ins Leben gerufen. Zunächst als „Dinner Club“, der jedoch rasch zu einer internationalen Schriftstellervereinigung von Rang wuchs. Und, was wenig bekannt ist: Mit der Vereinigung entstand gleichzeitig die älteste internationale Menschenrechtsorganisation der Welt! Dawson Scott überließ an diesem Abend dem eloquenten, weltgewandten Schriftsteller John Galsworthy die „Laudatio“.

Der erste PEN-Präsident

Seine Worte: „Wir Schriftsteller sind gewissermaßen die Treuhänder der menschlichen Natur, und wenn wir engherzig und voller Vorurteile sind, schaden wir der gesamten Menschheit. Aber je besser wir einander kennen, desto größer sind die Aussichten der Menschheit auf Glück in einer noch nicht allzu glücklichen Welt.“
John Galsworthy wurde Präsident des Internationalen PEN und blieb dies bis 1933. Der gelernte Jurist wohlhabender Eltern fand am Beruf des Rechtsanwalts kein Interesse. Er ging zur See wo er Joseph Conrad kennenlernte, der in ihm die Begeisterung an der Literatur entfachte.
Wenngleich er sich bisweilen wie ein Aristokrat mit Frack und Zylinder zeigte, übte er Kritik am britischen Klassensystem, und schilderte auf ironisch-sarkastische Weise Großbürgertum und Adel. Beißend glossierte er den Materialismus der Oberklasse und klagte über die Situation unglücklich verheirateter Frauen.
Als bekanntes Werk sei seine „Forsyte Saga“ erwähnt. Sie trug dazu bei, ihm 1932 den Literaturnobelpreis zu verleihen. Sechs Wochen nach der Ehrung verstarb Galsworthy in London an einem Gehirntumor.

Die Organisation

Die neu gegründete Schriftstellervereinigung begab sich an die Formalien: Der Mitgliedsbeitrag belief sich auf fünf Shilling für Sekretariatsausgaben. Galsworthys Sekretärin wurde übrigens Dawson Scotts Tochter Marjorie. Zur Mitgliedschaft konnte man gebeten werden. Bewerbungen waren verpönt. Exklusivität zeigte sich in den Voraussetzungen: Die Publikation eines Gedichtbands oder eines Romans, veröffentlicht von einem bekannten europäischen oder amerikanischen Verlag; eines Theaterstücks, das auf einer bekannten Bühne aufgeführt worden ist; oder die derzeitige oder frühere Herausgeberschaft einer bekannten Zeitung oder Zeitschrift. Und das Kürzel PEN? Ein Apronym des Wortes „pen“, Schreibfeder für Poets, Essayists, Novelists.
In den ersten Jahren war für Dawson Scott und Galsworthy wichtig, im Sinne der Völkerverständigung zu wirken, um Frieden zwischen den Völkern zu sichern. In seinem Bestreben sollte sich der PEN jedoch unpolitisch verhalten. „No politic, under no circumstances!“ wurde postuliert. PEN sollte nicht zwischen die Mahlsteine unterschiedlicher Weltanschauungen geraten. Die Politikabstinenz ließ sich jedoch nicht lange durchhalten.

Stürmische Zeiten

Der erste PEN-Kongress fand 1923 in London statt. Inzwischen hatten sich bereits elf nationale PEN-Zentren gegründet und sich dem Dachverband in London angeschlossen. Unter der Leitung des Bühnenautors Ludwig Fulda gründeten Autoren am 15. Dezember 1924 das PEN-Zentrum in Deutschland, das durch die NSDAP und die spätere Teilung Deutschlands Jahre stürmischer Zeiten erleben musste.
Das PEN-Mitglied Ernst Toller, ein deutscher Dramatiker, setzte sich als wohl erster für eine Politisierung des PEN International ein. Als es um die Frage der Aufnahme exilrussischer- und sowjetrussischer Schriftsteller ging, scheiterte er jedoch an der Zustimmung des PEN Dachverbands.
Die Literaturgrößen Bertolt Brecht, Alfred Döblin und Kurt Tucholsky traten 1926 ein. Sie kritisierten sogleich die konservative Ausrichtung des PEN. Adolf Hoffmeister, Schriftsteller, Maler, Karikaturist, Journalist und Anwalt, war in den 1930iger Jahren Präsident des tschechischen PEN-Clubs. Er zeichnete Catharine Amy Dawson Scott als „Die Mutter der PEN-Clubs“ und „stellte“ einige Clubzentren um sie herum.
Oh ja, Sappho war nicht nur Mutter, auch eine frühe Feministin und achtete darauf, dass Frauen im PEN nicht zu kurz kamen, sondern würdig vertreten waren. Auf dem PEN-Kongress in Oslo 1928 erfuhr sie, dass ein PEN-Zentrum keine Frauen zuließ. Das brachte sie in Rage. Sie wetterte: „Es widerspricht dem Geist des PEN. Ich bestehe darauf, das Gleichheitsprinzip in den Prinzipien des PEN zu verankern!“
Nach ihrem Tod gab es starke Frauen in der Organisation. Margaret Storm Jameson vertrat um 1930 den englischen PEN-Vorstand. Und weltberühmte Schriftstellerinnen zählten zu PEN-Mitgliedern: Nadine Gordimer, Toni Morrison, Margaret Atwood … , um stellvertretend lediglich drei Namen zu nennen.

Gründung des deutschen PEN

1947 wurde der deutsche PEN neu gegründet, spaltete sich dann vier Jahre später in die Sektion Ost und West. Erst 1998 gelang es endlich, nach mühevollen Verhandlungen ein gemeinsames deutsches PEN- Zentrum in Darmstadt, mit Christoph Hein als Präsidenten, zu gründen.
Unter Deniz Yücel bahnte sich 2022 eine Zerreißprobe an, die unschön öffentlich ausgetragen wurde. Es hieß, politische Differenzen und der Führungsstil Yücels führten zu den Auseinandersetzungen, die schließlich zum Rück- und Austritt des Präsidenten führten.
José F. A. Oliver ist der jetzige Präsident. Noch im selben Jahr gründeten Deniz Yücel und Eva Menasse den PEN Berlin. Wobei es in der Beurteilung des Israel-Gaza-Konflikts abermals medienwirksame Differenzen innerhalb des PEN Berlin gab.
In der Tat, PEN Deutschland hat eine aufreibende Geschichte. Es sei die Frage erlaubt: Schlossen die PEN-Gründer politische Aktivitäten in einer Welt der Krisen wohlweislich aus?

Eisernen Bestand hat die PEN-Charta, sie ist für alle PEN Zentren weltweit verpflichtend und von den Mitgliedern zu unterschreiben. Im Kern geht es darin um die Freiheit des Wortes.
PEN International als Dachverband vereint zur Zeit 144 Zentren in 102 Ländern und ist seit 1948 auch beratendes Mitglied der UNESCO für die Bereiche: Erziehung, Wissenschaft, Kultur. Der Verwaltungssitz befindet sich wie gehabt am Gründungsort in London. Derzeitige Präsidentin ist Jennifer Clement als die erste Frau des PEN International.

Überzeugende Verfechter

Als einen der überzeugendsten Verfechter des Leitmotivs sei Salman Rushdie erwähnt: „Die Freiheit des Wortes – ein Fundament unserer Kultur. Ohne diese Freiheit muss jede andere Freiheit scheitern. Sie ist ein universelles Menschenrecht.“ Und weiter: „Der autoritäre Geist hat Angst vor dem freien Geist,“ so Rushdie.
Dieser freie Geist ist zu wahren durch den Mut des Einzelnen und die Kraft der Gleichgesinnten. Bisweilen riskiert der Freigeist das Leben für seine Überzeugung. Es sei an Alexej Nawalny gedacht.
Mit den Worten Juli Zehs möchte ich meine Ausführung abschließen: „Die Freiheit des Wortes ist nichts, wofür man einmal kämpft, um es für immer zu gewinnen. Sie ist das Ringen um die Grundlagen des menschlichen Zusammenseins. Welche Aufgabe könnte ehrenvoller für uns Schriftsteller sein!“
Darauf frei nach Leo Tolstoi: „Das Gute und das wahre Wort sind unzertrennlich.“

Dieser Artikel erscheint auch in der Anthologie „Freiheit des Wortes“, Kulturmaschinen Verlag, 97199 Ochsenfurt.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Mit Cradle to Cradle in die Zukunft

Einblicke in die C2C-Baupraxis. Foto: Jan Kulke

Der 9. Cradle to Cradle Congress am 13. und 14. März 2025 mit 80 Speakern und insgesamt 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat gezeigt, wie vielfältig die Ansätze für eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft in Deutschland inzwischen sind. „Echter Wandel braucht mehr als Schadensbegrenzung. Er erfordert eine konsequente Transformation hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft. Ein Ansatz, den nur Cradle to Cradle in seiner Ganzheitlichkeit bieten kann“, sagten Nora Sophie Griefahn und Tim Janßen, geschäftsführende Vorstände von Cradle to Cradle NGO in ihrem Eingangsstatement.

In seiner Keynote betonte Dr. Eckart von Hirschhausen, dass reaktive Lösungen nicht zielführend seien und nicht an den Ursache der vielfältigen Probleme unserer Zeit ansetzten. Ein anschauliches Beispiel dafür sei die Luftverschmutzung in Großstädten, zu einem Großteil verursacht von Reifenabrieb, dessen Partikel sich in unseren Lungen absetzen. „In vielen Städten hat jeder dritte Mensch ein Asthmaspray, was jedoch nicht die Lösung des Problems darstellt, sondern nur die körperliche Reaktion unterdrückt“, sagte Hirschhausen. Um das Bewusstsein für zusammenhänge Probleme zu schärfen sei es notwendig, eine „Kommunikation zu finden, die uns unter die Haut geht, die nicht nur die Netzhaut und unser visuell überlastetes System erreicht, sondern uns wirklich über das Ohr auch innerlich berührt.“ „Lasst uns also Cradle to Cradle denken, denn die nächste Generation ist schon unterwegs.“ sagte Dr. Eckart von Hirschhausen abschließend. „Wir dürfen nicht nur den negativen Impact sehen. Wir müssen vom Footprint zum Handprint kommen und dann schließlich zum Heartprint.“

Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall und Beirätin von C2C NGO, sagte: „Ich bin schon lange bekennender Cradle-to-Cradle-Fan. Wir sagen als IG Metall: Cradle to Cradle ist eine große Chance für den fairen Wandel und den ökologischen Umbau, den wir in diesem Land und in Europa brauchen. Der Weg ist noch lang und steinig, aber wir stehen nicht mehr am Anfang. Ein modernes Auto besteht aus 10.000 einzelnen Teilen – Stahl, Aluminium, Gusseisen, Elektronikkomponenten und vielen unterschiedlichen Kunststoffen. Wir sind der Meinung, dass vieles, was im Auto steckt, wiederverwendet werden kann und sachgerecht von der Wiege zur Wiege zu etwas Neuem werden kann.“

Netzwerkcafe. Foto: Jan Kulke

In den Foren wurden die Themen des Kongresses weiter vertieft, so auch zum Thema „Transformation begleiten: Die Rolle von Kultur & Medien“. Unter Moderation von Dr. Monika Griefahn diskutierten Domitila Barros (Greenfluencerin, Social Activist und Referentin der Gesellschaft der Europäischen Akademien e.V.) mit Jacob Sylvester Bilabel (Projektleitung, Green Culture Anlaufstelle), Johanna Jaurich (Dokumentarfilmregisseurin, fechnerMEDIA), Tabea Kaplan (Geschäftsführerin, Loft Concerts) und Jo Schück (Journalist & Moderator, ZDF). Einig waren sich alle, dass es nicht reicht, über den Wandel bloß zu berichten, sondern dass Kulturschaffende eine aktive Rolle einnehmen müssen. Ein Beispiel hierfür war unter anderem die von Tabea Kaplan vorgestellte Zusammenarbeit mit den Rockgruppen Die Ärzte und Die Toten Hosen in vier Konzerten im Projekt Labor Tempelhof. Es zeigt, dass sich klima- und ressourcenpositive Veranstaltungen heute schon umsetzen lassen und ganz erheblich Ressourcen sparen können. Domitila Barros betonte die Notwendigkeit, Brücken zu bauen und nur gemeinsam in eine gute Zukunft gehen zu können. Die Foren gaben viel Anlass für den anschließenden Austausch im Netzwerkcafé.

 

“Doubt”, a parable by John Patrick Shanley, directed by Clifford Dean, just premiered at the English Theatre of Hamburg.

Father Flynn giving a sermon at St. Nicholas.

“Doubt” is set in the mid-sixties of the last century, a year after President John F. Kennedy was shot in Dallas while campaigning for a second term in office. His death coincided with the Second Ecumenical Council of the Vatican aka Vatican II, which was meant to establish a closer relationship between the Church and contemporary society.

The Assassination of President John F. Kennedy Shocks the World

The setting of the play is St. Nicholas, a Catholic church and school in the Bronx. We write the year 1964. We meet Father Flynn (Brian Tynan) in his church giving a sermon on the distinction between doubt and certainty. The question is “What do you do when you’re not certain?” He refers to the death of President Kennedy who was killed on November 22, 1963, leaving the world in shock and dispair. In Father Flynn’s opinion this was not necessarily negative since it brought people together spiritually. A daring statement that was not shared by everyone.

„Fairness in sport is of utmost importance.“

Anyway, the young progressive priest follows his own instincts and neither cares for other people’s opinions nor for outdated rituals. Besides being the “good shepherd” in questions of faith he wants to be a friend to his pupils. It is one of the priest’s foremost pleasures to coach the school’s basketball team, teaching his boys fairness while strengthening their fighting spirit at the same time.

The Priest and the Nun

The principal of St. Nicholas, Sister Aloysius of the Sisters of Charity (Jan Hirst), is the sheer opposite of Father Flynn. Clad in black from head to toe, the widow of a hero who died during the Second World War, is a rigid self-righteous woman lacking the slightest hint of humour, let alone tolerance towards people who do not share her opinions. She represents one of these rules-bound disciplinarians that do not forgive any shortcomings. You may call her “Big Sister” who is permanently surveilling and watching other people. George Orwell would have taken pleasure in meeting one of his own horror figures in the flesh.

Opponents

„Oh, Sister James, I have such doubts.“

It Is no secret that Sister Aloysius utterly dislikes Father Flynn. She criticizes his fingernails which are far too long for her taste and should be cut short. Another unforgivable sin is Father Flynn’s taking three lumps of sugar in his tea. The man is guilty of a sweet tooth. How shocking! While pupils love the friendly progressive priest, they fear the relentless principal of their school. It comes to a show-down between the two opponents when Sister Aloysius becomes aware of a “special” relationship between Father Flynn and twelve-year old Donald Muller, the only black boy in St. Nicholas. Since the boy is mobbed by the other pupils due to his colour, Father Flynn feels obliged to protect him. However, the nun being destitute of any empathy, suspects that the boy has been molested by the priest.
It is just a feeling without any evidence whatsoever. But the sister is absolutely certain that something scandalous is going on between teacher and pupil. When Sister James (Naomi O’Taylor), a young naïve novice, is telling her that she recently smelled alcohol on Donald’s breath, Aloysius is absolutely sure that the priest is guilty of abusing the black boy.

No Way Out – the Die is Cast

Sister Aloysius insists that Father Flynn be removed from her school. She even lies to her superiors to get rid of the priest. Finally, he has to leave St. Nicholas. However, thanks to the male-dominated church hierarchy he is promoted into a higher position in another parish where, as Aloysius suggests, he will continue his pedophile crimes and further poison the boys’ minds.
Donald Muller is heartbroken when hearing that his favourite teacher had to leave St. Nicholas. His mother seeks the dialogue with Sister Aloysius accusing her of doing harm to her son. Does this rigid woman really think that she is doing good? “The world is a hard place. I don’t know that you and me are standing on the same side”, Mrs. Muller says before leaving the rectory. When Father Flynn later faces Sister Aloysius he is furious and near to tears. He accuses her of trying to influence Donald’s mother. “Do you have any evidence to support your accusations against me?” he asks her. No reply. But the nun sticks to her bias. She is sure that Father Flynn will use his new position to molest boys. She knows for sure that this is Father Flynn’s intention. When Sister James joins her later, she sobs: “Oh, Sister James, I have doubts! I have such doubts!”

Doubts about Father Flynn’s Innocence remain…

„Listen, Sister Aloysius, my Donald is a good boy.“

A great play with many question marks. Can you rely on Father Flynn’s words that he is innocent of any abuse at St. Nicholas? Of course, he can’t prove his innocence. And that is the crucial point. When gossip spreads it is difficult to prove that you are not guilty. We all know the saying: “Where there is smoke, there is fire.”
Can you trust Father Flynn whose intention it is to be his pupils’ guy-like progressive parish priest? The helping hand when any calamities arise that the boys are unable to solve by themselves? Or is he a most talented actor and hiding his bad intentions behind the mask of good guy? Hard to say. While the unbending bigot Sister Aloysia is as sure as a rock that the priest is a pedophile, most of her colleagues do not agree with her. Particularly Donald and his fellow students feel that the priest is the “good shepherd” teaching them values for their adult life in a hard world.

Bert Brecht, the great German poet and theatre aficionado would probably close this review with these words: We are standing here sort of spell-bound and have no answer to any of the questions posed in the play. Curtain.
A wonderful drama featuring four outstanding actors. Also a big hand for director Dean!
Last performance of “Doubt” on April 12, 2025. Tickets under phone number 040 – 227 70 89 or online under www.englishtheatre.de
Next premiere: “Anthropology” be Lauren Guderson, on May 5, 2025

All photos by Stefan Kock.

„Father Flynn, cut your nails!“

„Doubt“ – der Zweifel der Selbstgerechten – eine Parabel von John Patrick Shanley

Pater Flynn liest seiner Gemeinde einfühlsam die Leviten.

Die neue Premiere am English Theatre of Hamburg.
Clifford Deans brillante Inszenierung eines brisanten Theaterstoffs, das mit dem renommierten Pulitzer-Preis geadelt wurde, auf den Brettern des English Theatre. Dieses Drama hält die Zuschauer bis zur letzten Sekunde in Hochspannung. Nur vier Schauspieler stehen auf der Bühne. „Doubt“ ist ein Stück, das von den außerordentlich intensiven Dialogen zwischen den Protagonisten lebt.

Sind katholische Geistliche pädophil?

Jene Geschichte, die hier in knapp zwei Stunden erzählt wird, ist aus heutiger Sicht ziemlich banal. Denn längst haben wir uns an
Schlagzeilen gewöhnt, die den (angeblichen) Missbrauch junger Männer durch Geistliche der allein selig machenden katholischen Kirche thematisieren. Es gibt immer wieder Aufmacher, die nicht nur auf den Titelseiten der Boulevardblätter, sondern auch in seriösen Presseorganen für Furore sorgen. Allerdings hat der amerikanische Erfolgsautor John Patrick Shanley die Handlung in das Jahr 1964 verlegt. Noch dazu in die katholische Schule St. Nicholas im New Yorker Stadtteil Bronx. Wenn man auch seinerzeit den Begriff „No Go Area“ noch nicht benutzte, war dieser Distrikt bereits in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine Gegend, in der „man“ eigentlich nicht wohnte. Dennoch, Pater Flynn (Brian Tynan), ein aufgeschlossener Priester irischer Herkunft, hat es sich nun einmal in den Dickschädel gesetzt, seinen Schülern ein guter Lehrer und sogar ein Freund zu sein. Davon profitiert in erster Linie Donald Muller, der einzige schwarze Schüler in St. Nicholas, der jedoch die ganze Zeit über unsichtbar bleibt.

Nervenkrieg der Antipoden

„St. Nicholas ist ein Ort sportlicher Fairness.“

Wir sehen Pater Flynn, in kostbare Talare gehüllt, auf der Kanzel, wie er seiner Gemeinde erfrischend menschlich ins Gewissen redet. Und dies immer mit einem spitzbübischen Zwinkern in den Augenwinkeln. Ebenso locker sieht er die sportliche Erziehung seiner Zöglinge, die er zu Kampfgeist und Fairness beim Basketball ermuntert.

Die Gegenspielerin dieses mit seiner Zeit gehenden Kirchenmannes ist Schwester Aloysius (Jan Hirst), die Schulleiterin von St. Nicholas, eine vom Leben enttäuschte Nonne alter Schule, die dem reformatorischen Geist Pater Flynns nicht nur skeptisch, sondern offen feindselig gegenübersteht. Sie, die einst mit einem den Heldentod im Zweiten Weltkrieg gestorbenen Soldaten verheiratet war, steht treu im Dienst der ultrakonservativen katholischen Kirche. Bereits ihr strenges Äußeres – schwarze Nonnentracht und eine Haube, unter der sich nicht ein einziges Haar hervorstiehlt – verrät ihre unbeugsame Haltung. Ein gefundenes Fressen also, als die Novizin Schwester James (Naomi O’Taylor) ihr in einfältiger Loyalität verrät, Pater Flynn habe ein privates Gespräch mit Donald Muller geführt, und dieser Schüler habe nach Alkohol gerochen. Sofort verdichtet sich der Verdacht bei Schwester Aloysius, der Priester unterhalte eine unkeusche Beziehung zu seinem Schüler.

Dieser Zweifel – oder besser – dieses Misstrauen beruht auf einem durch nichts fundierten Verdacht. Reicht es etwa nicht, dass Pater Flynn längere Fingernägel hat, als es sich für einen Geistlichen ziemt? Spricht es nicht Bände, dass er drei Stück Zucker in seinen Tee nimmt und gar weltliche Weihnachtslieder mit seinen Zöglingen singt? Ist Pater Flynn etwa pädophil? Zwischen Schwester Aloysius und Pater Flynn entbrennt ein Nervenkrieg. Auf der einen Seite die durch nichts in ihrem tief verwurzelten Misstrauen gefangene Nonne, auf der anderen ein junger Kirchenmann, der seinen Schülern in jeder Lebenslage helfen möchte. Dies gilt besonders für den schwarzen Zögling Donald Muller, dessen Hautfarbe per se schon problematisch ist.

Eine Mutter kämpft für ihren Sohn

„Mein Sohn Donald ist ein guter Junge.“

Eine der Schlüsselszenen in „Doubt“ ist der Dialog zwischen Schwester Aloysius und Mrs. Muller (Angelena O’selle), der Mutter Donalds. Die stolze schwarze Frau sieht sich den herablassenden Anschuldigungen einer selbstgerechten weißen Patriarchin ausgesetzt, die sich durch nichts von ihrer vorgefassten Meinung abbringen lässt. Sie droht, Donald von der Schule zu werfen. Zum Showdown kommt es später zwischen Schwester Aloysius und Pater Flynn, der in tiefer Verzweiflung, seine Unschuld zu beweisen, in Tränen ausbricht. Für die strenge Nonne jedoch kein Grund, irgendeine Form von Empathie zu zeigen, sondern nur grimmige Genugtuung und das Gefühl, sie habe doch gleich gewusst, dass mit diesem Mann etwas nicht stimmen könne.

Kein Happy End, aber viele Zweifel

Es kommt, wie es kommen musste. Pater Flynn muss gehen. Er wird zwar an eine andere Schule versetzt, und – oh Wunder – sogar in eine höhere Position befördert. Haben die anderen Glaubensbrüder und -schwestern trotz aller Widersprüche am Ende doch gemerkt, dass Flynns Reformgeist der Sache viel dienlicher ist als sture Prinzipienreiterei? Schwester Aloysius bleibt allein mit ihren Zweifeln zurück. Und der Zuschauer fragt sich, ob vielleicht doch etwas dran war an ihrem Verdacht gegen den Pater. Wäre es nicht möglich, dass dieser so schuldig ist wie Kain und uns alle mit einem Glanzstück seiner Schauspielkunst hinters Licht führte? Da zitieren wir einen Grundpfeiler unserer Rechtsprechung: In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten!
Das Schlusswort überlassen wir heute Bert Brecht: „Und somit sehen wir betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

„Schwester James, ich hege solche Zweifel.“

Résumé: Ein großer Theaterabend, an dem die vier Akteure sämtliche Register ihres Könnens zogen. Allen voran Pater Flynn, der trotz seines klerikalen Habits so elegant und leichtfüßig daherkommt, auf Augenhöhe mit seiner Widersacherin, einer verbitterten Schwester Aloysius, die nicht gewillt ist, auch nur einen Zoll von ihrer vorgefassten Meinung abzuweichen. Großes Lob für „Pater“ Brian Tynan und Jan Hirst, die die Schwester Aloysius bereits zum zweiten Mal auf der Mundsburger Bühne mit Bravour meisterte. Naomi O’Taylor verlieh der Rolle der noch nicht im Glauben gefestigten naiv-wankelmütigen Novizin Schwester James ebenso Statur wie Angelena O’selle, die die Rolle der um die Ehre ihres Sohnes kämpfenden Mrs. Muller eindrucksvoll verkörperte.

„Pater Flynn, schneiden Sie Ihre Fingernägel.“

Jedem, der „Doubt“ nicht mehr als zeitgemäß empfindet, sei empfohlen, sich an den zum Teil haarsträubenden Verhältnissen in unserer gegenwärtigem „postmodernen“ Gesellschaft zu orientieren. Da wird verdächtig und bei oft sehr zweifelhafter Beweislage nach Lust und Laune vorverurteilt, dass sich die Balken biegen. Es hat sich außer der Mode auch in den letzten Jahrzehnten leider nichts geändert.
Liebe Zuschauer, genießen Sie einen inspirierenden Theaterabend in vollen Zügen.

„Doubt“ läuft bis einschließlich 12. April 2025.
Tickets unter der Telefonnummer 040-227 70 89 oder online unter www.englishtheatre.de

Nächste Premiere: “Anthropology“ von Lauren Guderson am 5. Mai 2025

Unterwegs auf heißen Pfaden: Ukraine

Ein zerstörter Teil Odessas. Foto: Cropp

Das neue Jahr ist jung, so mag es noch angebracht sein, ein glückliches und erfolgreiches 2025 bei bester Gesundheit zu wünschen – besonders in einer Welt von Unruhen und Kriegen. Um uns herum politische, wirtschaftliche, finanzielle und gesellschaftliche Unsicherheiten. Doch wir lassen uns durch diese Unsicherheiten nicht lähmen! Wir werden das Jahr mit Zuversicht begegnen. Kümmern wir uns um die Lösungen, nicht um die Probleme. Bleiben wir optimistisch! Und stimmen Fernando Sabino zu: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“ Das werden, das müssen wir uns zurufen!

Ja, es waren Optimismus und Wissensdrang, was mich bewegte, ausgerechnet in die Ukraine zu reisen. Geplant war eine Lesung aus meinem Buch „Zwischen Hamburg und der Ferne“ im Goethe-Institut, in Kiew … doch dann kam alles ganz anders:

Ein Flix-Bus brachte mich nach 32 Stunden in die quirlige Hauptstadt Kiew mit seinen drei Millionen Einwohnern. (Allein um die zehn Stunden wurden wir an der polnisch – ukrainischen Grenze aufgehalten.)  Später im Hotel hieß es: „Können wir Ihnen ein Zimmer im sechsten Stockwerk anbieten, oder lieber eines parterre?“ Der besseren Aussicht wegen, wählte ich das in luftiger Höhe. Als Sirenen heulten, hieß es Bombenalarm. Luftschutzeinrichtungen seien aufzusuchen. Da war ich mit der Zimmerwahl nicht mehr so glücklich.

Kiew: Auf dem Maidan Platz, wo den Gefallenen gedacht wird. Foto: privat

In der Lawrske Straße 16 befindet sich das Goethe-Institut, ein repräsentatives, gelb angestrichenes Gebäude. Herr Tsiur, der Lehrgangsleiter, empfing mich mit seiner Sekretärin im Foyer. Beides Einheimische, die ein gutes Deutsch sprachen. Sie zeigten mir die geräumige, fabelhaft ausgestattete Bibliothek, in der gewöhnlich Lesungen stattfinden. „Zur Zeit werden Sprachkurse nur online, oder per Fernunterricht angeboten und durchgeführt, Aus Gründen der Sicherheit müssen wir Menschenansammlungen vermeiden,“ erklärte Tsiur. Und etwas verlegen und kleinlaut gestand er, dass Lesungen derzeit nicht zu verantworten seien. „Der Krieg, das verstehen Sie doch!“, fügte er hinzu. Natürlich verstand ich das. Die Information kam nur etwas überraschend.

Ein Erlebnis von über zwei Wochen

Schon mal im Land, disponierte ich um. Nie hätte ich erwartet, das aus der Ukrainefahrt ein Erlebnis von über zwei Wochen werden könnte! Erst einmal besuchte ich die wichtigen Sehenswürdigkeiten Kiews: Das Höhlenkloster, die Mutter-Heimat-Statue, das Goldene Tor. In der St. Volodymyr’s Kathedrale geriet ich in eine Messe und erlebte die tiefe Gläubigkeit vieler Ukrainer. Auf dem berühmten Maidan Platz, dem der einstigen Massenproteste, standen Panzersperren und auf einem fahnengeschmückten Areal wurde der gefallenen Soldatinnen und Soldaten gedacht. Ein Ort der Besinnung und Trauer, bisweilen vom Sirenengeheul, gestört … Doch Kiews Geschäftigkeit ließ sich dadurch nicht beeindrucken.

Soldat: „Die Proteste von damals, eine Revolution der Würde.“ Foto: Cropp

„Die Proteste von damals,“ gemeint waren die schweren Auseinandersetzungen auf dem Maidan Platz von vor zehn Jahren, „ waren eine Revolution der Würde und das Bekenntnis zu Westeuropa“, sagte mir ein Soldat im Kampfanzug, der gerade von der Front kam.

Zwei Tage später befand ich mich, nach einer Siebenstunden-Busfahrt, in Odessa. Einst war der Ort am Schwarzen Meer eine der mondänsten Hafenstädte Europas. Ursprünglich eine griechische Kolonie. 1830 wurde der aus Frankreich geflüchtete Emmanuel Richelieu erster Gouverneur der Stadt. Und hier wirkte auch der vom Zar Nikolaus I. verbannte Alexander Puschkin. Der berühmte Schriftsteller war rasch von dem Ort begeistert und verkündete: „In Odessa atmet man ganz Europa!“ –  Ich atmete nur Staub und Ruß zerbombter Gebäude des letzten Beschusses! Beim russischen Raketenangriff waren viele Bewohner getötet, wichtige Anlagen zerstört worden.

Wieder nächtlicher Bombenalarm: du drehst dich im Bett um und schläfst weiter.

Mit dem Hilfstransport gen Osten

William Sharp, pensionierter Richter aus Oregon, und den Arzt Justin Forster aus Boston, sie traf ich an der Bar des Holiday Inn Odessa. William vertrat eine Hilfsorganisation aus seinem Wohnort Eugene. Er hatte ein stattliches Sümmchen an Dollar mitgebracht und war im Begriff Hilfsgüter für Soldatinnen, Soldaten und Zivilisten im Kampfgebiet einzukaufen. Beide erschienen mir nach eine Weile des Aus- und Abfragens vertrauenswürdig. Also beteiligte ich mich tags darauf an den Einkäufen und der Verpackung von Medikamenten, Verbandszeug, medizinischen Geräten und Winterkleidung. Mit einem geliehenen Pickup wurden die Güter transportiert.

In der St. Volodymyr’s Kathedrale ist die tiefe Gläubigkeit der Ukrainer zu spüren. Foto: Cropp

Unser Weg führte erst einmal gen Osten durch ein Gebiet weiter Steppen und brach liegender Weizenfelder, durch die einstige Kornkammer der früheren Sowjetunion, nach Cherson. Der Hafenstadt am Dnepr, wo Fürst Gregor Potemkin seine letzte Ruhestätte hat. Jener Potemkin, der seiner Zarin Katharina II. „Potemkinsche Dörfer“ vorgeführt haben soll. Cherson ist übrigens die Patenstadt von Kiel.

Der Ort war zuvor erobert worden. Neun Monate stand Cherson unter russischer Okkupation mit schlimmer Auswirkung! Bereits Homer (8. Jh. v. Chr.) beschrieb, die um Cherson lebenden Kimmerier als wildes Reitervolk, am Eingang zum Hades, der Unterwelt, der ewigen Finsternis. Auch der Geschichtsschreiber aus der Antike Herodot (um 490 bis um 420 v. Chr.) war in diesem Gebiet unterwegs gewesen. Auf seinen Spuren gings für uns auf heißen Pfaden tiefer und tiefer in den Osten, in die „Finsternis“ hinein, in Richtung Donetsk.

Luftalarme wurden intensiver. Die Zerstörungen ringsum verheerender. Granateinschläge kamen näher. Ausgebrannte Panzer, liegengebliebene Militärfahrzeuge, zerstörte Häuser und Bombentrichter markierten unsere Strecke. Eine Strecke, die aus trichterübersäten Straßenabschnitten und unbefestigten Pfaden bestand. Ein Kontrollposten stoppte uns. Mit gemischten Gefühlen harrten wir der Ereignisse … Ein Wachhabender warnte vor der Weiterfahrt. Erkannte schließlich unsere Absicht und ließ passieren.

Das Ende der Reise

Zwei Tage später mussten wir in dem Örtchen Chernihivka erneut halten. Dieser Posten war unerbittlich. Eine Weiterfahrt wäre unverantwortlich. Was einzusehen war. Irgendwo klinkte eine Drohne eine Granate aus, die in unmittelbarer Nähe explodierte. Hauptmann Yaroslav Kyrylo war ein umsichtiger Mann, der englisch, sogar einige Brocken deutsch sprach. Über unsere Lieferung war er hocherfreut und dankbar. Er versprach eine gerechte Verteilung an seine Leute und bedürftige Zivilisten. Beim Ausladen hatten wir ein gutes Gefühl.

Kyrylo trat zu mir und fragte, was denn der alte Mann so weit im Osten suche. „It’s not the right place for you.“ – „Ich bin ein neugieriger Journalist mit Helfersyndrom“, war meine Antwort. Er lächelt verschmitzt unter seinem Stahlhelm und meinte: „If you have sons, send them over.“ Als Vater von zwei Söhnen ging mir diese Hilfe dann doch zu weit!

Bevor wir die Rückfahrt antraten, saßen wir mit ihm, Hauptmann Kyrylo, und anderen Offizieren und Mannschaften der Kompanie in einem verfallenen Gebäude beisammen, diskutierten und spekulierten bis tief in die Nacht über den Ausgang des Krieges. Zwischendurch rumste es von nah und fern. Eine Kapitulation konnte und mochte sich niemand vorstellen, aber an einen Kampf bis zum Sieg über Putins Überfall glaubte auch keiner so recht. Wurden doch die Kräfte der Verteidigung an den Fronten von Tag zu Tag schwächer. Man schaute nun gebannt auf Trump und die Resultate aus kommenden Verhandlungen … Optimisten mögen Worte wie diese trösten: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“

 

Anmerkung der Redaktion: Der Verfasser dieses Berichts wird am 27.01.2025 um 19 Uhr in der Hauptkirche St. Michaelis seinen Text „Aus der Hölle, ein letzter Brief“ vorlesen. Die Lesung erfolgt im Rahmen der alljährlichen Gedenkveranstaltung für die Opfer des Holocausts. Lesen Sie hierzu bitte unsere Pressemitteilung: https://die-auswaertige-presse.de/aus-der-hoelle-ein-letzter-brief/

„Jeeves & Wooster in Perfect Nonsense” by Robert and David Goodale

Hey, Master, what’s the matter / Hallo, Boss, worum geht es? Photo: Stefan Kock

The New Premiere at The English Theatre of Hamburg

Attention!

Dear spectator, do you know what a silver cow creamer is? If not, you will soon learn a lot about this precious object which plays a most important role in the play.

Master and Servant

We meet Bertie Wooster, a typical British dandy, in his drawing-room. As many of his rich peers he is bored with his life and thus seeks diversion in various artistic activities. What about staging a one-man-show telling Bertie’s latest chaotic misadventures? It goes without saying that Bertie hasn`t the brains to shoulder this task without the help of his loyal and resourceful butler Reginald Jeeves.

An extremely precious object or much ado about (nearly) nothing

Before embarking on his career as a stage director and comedian, Bertie`s relative Aunt Dahlia sends him on a most precarious mission. “Go and steal a silver cow creamer for me”, she orders “and bring it back safely.” This much coveted object is a small antique, originating in Holland, used for pouring cream. Shaped as a cow it has a lid on its back for filling. Since there are just a few of them left, they are in high demand, particularly in upper-class circles. Aunt Dahlia knows for sure that one copy of this once commonplace item has recently been sold to Sir Watkyn Bassett, a gentleman who owns an impressive estate in the countryside.

Guests with “long fingers” on the road

Come on, let’s dance! / Lass‘ uns tanzen – Photos: Stefan Kock

The search for the silver creamer starts in Totleigh Towers. Sir Watkyn’s residence hosts a number of strange characters, among them Bertie’s friend Gussie Fink-Nottle, Stiffy Byng, Harold “Stinker” Pinker and Madeline Basset, Sir Watkyn’s somewhat “otherworldly” niece. Gussie being deeply in love with Madeline asks Bertie for help in order to convince Sir Watkyn that he is the perfect match for Madeline. Poor Bertie is desperate. He knows that he is absolutely unable to cope with two tasks – to steal the silver cow creamer for Aunt Dahlia and at the same time play the matchmaker for Gussie and Madeline. Is there anyone around who can solve these problems?

A Perfect Servant

We have known it from the very beginning. Jeeves is the only person in the play who is apt to clear any and every situation. Throughout the chaotic second act he keeps a cool head, using his brains and resourcefulness to devise a brilliant idea that benefits all parties involved.

Believe it or not. In the end Aunt Dahlia gets her silver cow creamer and Sir Watkyn eventually approves of the relationship between dreamy Madeline and an extremely happy Gussie. And all this thanks to Reginald Jeeves, who proves that a servant is often endowed with more intelligence and resourcefulness than his snobbish master.

Conclusion: All’s well that ends well.

Hilarious!!

Look at me. I feel pretty / Schau mich an. Bin ich nicht hübsch? Foto: Stefan Kock

This highly amusing production stars only three actors who slip in no time from one part into the other, feminine and masculine. Katherine Rodden, a pretty blonde, is “in charge” of at least five different characters, including youngish ladies, old “dragons” and a policeman whose helmet is stolen by a person lacking respect for authority. William McGeough is not only Reginald Jeeves, the butler with the stiff upper lip. He also plays several other roles in male or female outfit and corresponding pitch of voice. Michael Parker is the only actor charged with only one role, that of Bertie Wooster, an affable young gentleman “from family” who faces quite a lot of misadventures from failed romances to extremely comical escapades.

Conclusion: An outstanding performance. The spectators are having a jolly good time. Congratulations.

 

A basket of oddballs

The three actors on the stage are given a hard time coping with their multiple roles. They bring Sir Watkyn’s estate Totleigh Towers and its more than strange residents to life: Reverend Pinker “Stinker”, Major Plank, Madeline, her fiancé Gussie and last but not least Sir Watkyn himself. Spoiled Bertie seems to be sort of a victim of the circumstances within his peers of wealthy good-for-nothings. Let us put it this way. He is just an arrogant, if likeable member of the ruling class.

Summery

Sir Pelham Grenville Wodehouse – nicknamed Plum – (1881 until 1975) a member of the British aristocracy, worked as a banker before he started his career as a writer of successful novels and short stories. No doubt, he was one of the most read humorists of the 20th century. With Reginald Jeeves he created a unique British character, an intelligent, cunning and resourceful butler who serves his employers with absolute loyalty. In spite of his birth into aristocracy Wodehouse greatly enjoyed making fun about his peers in denouncing their often high-handed attitude towards members of the “lower” classes.

The fascination of J.P. Wodehouse’s literary work

The twins Robert and David Goodale staged “Jeeves & Wooster in Perfect nonsense” which is based on the works of J.P. Wodehouse. Listen to Robert Goodale who created the hilarious show with his brother: “It was when looking for material for a one-man-show that I picked up a Jeeves and Wooster book in the cold light of day and realized what a comic genius J.P. Wodehouse was. Here was a storyteller, raconteur and vaudevillian performer who was capable of charming any group of people into submission.”

Right so, Robert, you and David really charmed the audience of the English Theatre of Hamburg throughout a most enjoyable evening on a misty November day. And carry on to stage further one-or even two-men shows to warm our hearts and make us laugh.

Last performance of “Jeeves & Wooster in Perfect Nonsense ” on January 25, 2025. Tickets under telephone number 040-227 70 89 or online under www.englishtheatre.de

Next premiere: “Doubt”, a parable by John Patrick Shanley, on February 10, 2025

“Jeeves & Wooster In Perfect Nonsense” von Robert Goodale und David Goodale

Hey, Master, what’s the matter. / Hallo, Boss, worum geht es? Foto: Stefan Kock

Die neue Premiere am English Theatre of Hamburg.

Was für ein Spaß, was für ein Klamauk, der die Zuschauer dieses Stückes zwei Stunden lang in Atem hält, soweit ihnen das Luftholen vor lauter Lachen noch gelingt. Allen künftigen Besuchern sei empfohlen, sich vorab mit der Handlung dieser „Sitcom“ zu beschäftigen. Denn der von nur drei Schauspielern auf der Bühne dargestellte komplette Nonsense erweist sich als derartig chaotisch, dass Vorkenntnisse absolut erforderlich sind. Allzu viel Handlung enthält das Stück zwar nicht. Aber die vorhandene hat es in sich.

Hintergrund dieses Comedy-Brüllers sind Auszüge aus dem Werk des britischen Schriftstellers P.D. Wodehouse – eigentlich Sir Pelham Grenville Wodehouse („Plum“) – der bis heute als einer der größten Humoristen des Inselreiches gilt. Die ebenfalls mit einer überbordenden Dosis Humor gesegneten Zwillinge Robert und David Goodale fühlten sich zu einem an Irrwitz nicht zu überbietenden Stück inspiriert, das „Plum“ alle Ehre gemacht hätte.

Langfinger in höchsten Kreisen

Man mag es kaum glauben. Aber Bertie Wooster, der weltfremde Dandy aus dem Hochadel, wird von seiner nicht minder blaublütigen Tante Dahlia aufgefordert, ein silbernes Sahnekännchen in der Form einer Kuh zu stehlen. Dieses antike Teil, das sich im Besitz von Sir Watkyn Basset befindet, ist in Adelskreisen heiß begehrt.

Herr und Diener

Come on, let’s dance! / Lass‘ uns tanzen/ Foto: Stefan Kock

Es versteht sich, dass der etwas tumbe Bertie allein nicht in der Lage ist, Dahlias Wunsch zu erfüllen. Aber wozu hat er einen ebenso klugen wie schlitzohrigen Diener wie Reginald Jeeves, der ihn schon unzählige Male aus prekären Lagen gerettet hat. Mit von der Partie ist ein weiterer dienstbarer Geist namens Seppings. Also auf nach Totleigh Towers, wo sich das kostbare Stück befindet. Auf diesem prächtigen Landsitz begegnen wir neben Sir Watkyn einer Reihe anderer mehr oder minder nobler Gestalten, darunter Stiffy Bying und Harold „Stinker“ Pinker, Roderick Spode, Madeline und Gussie…  Wozu das ganze Verwirrspiel um einen so banalen Gegenstand wie das kuhförmige Sahnekännchen! Was das Fassungsvermögen einfacher Leute übersteigt, ist in jenen Zirkeln offenbar völlig normal. Eine reichlich verzwickte Liebesgeschichte darf in diesem Stück natürlich nicht fehlen. Da können zwei junge Leute (vorerst) nicht zueinander finden wie die berühmten Königskinder, deren Glück an einem zu tiefen Wasser scheiterte.

Chaos, Chaos über alles

Es hilft alles nichts. Berties Versuche, das Sahnekännchen an sich zu bringen, erweisen sich sämtlich als Flops. Denn nicht nur Sir Watkyn, sondern verschiedene andere Personen haben ein waches Auge auf diesen Schatz und verhindern eine „feindliche Übernahme.“ Einzig Butler Jeeves bewahrt einen kühlen Kopf. Er wartet geduldig ab, während sein Chef Bertie sich kopflos in abenteuerliche Verstrickungen stürzt, aus denen es kein Entkommen gibt.

Viel Lärm um (fast) nichts

Look at me. I feel pretty / Schau mich an. Bin ich nicht hübsch? Foto: Stefan Kock

Wir überspringen einige der die Lachmuskeln strapazierenden Szenen und kommen zu jenem guten Ende, das jede echte Komödie krönt. Madeline und Gussie, die zwei Liebenden im Plot, überzeugen den dünkelhaften Sir Watkyn, dass sie füreinander bestimmt sind, und Tante Dahlia kann das umkämpfte Sahnekännchen endlich in Besitz nehmen. Bertie aber freut sich, das ganze Schlamassel ohne Blessuren überstanden zu haben. Was ihm ohne die Hilfe seines cleveren Butlers nie gelungen wäre. Die Moral von der Geschicht‘: Da war mal ein Sir, ein gar vornehmer Herr. Nur schade, sein Butler war klüger als er!

Wow! Dieses Stück stellt sehr hohe Ansprüche an das Publikum. Denn nur mit äußerster Konzentration kann man den turbulenten Handlungssträngen und witzigen Dialogen folgen. Während die drei Mimen mühelos von einer Rolle in die nächste schlüpfen – da wird aus der zickigen Lady im Handumdrehen ein Polizist, aus dem Butler werden gar zwei Figuren in einer Person – muss der Zuschauer sich anstrengen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Preisfrage: Who is who? Wer das Knäuel entwirrt, ist im Vorteil und kommt bis zum Ende gut mit.

Während der erste Akt ein wenig langatmig daherkommt, gerät der zweite zu einem Feuerwerk unverwechselbar britischen Humors. Da folgt Gag auf Gag, Slapstick auf Slapstick, Brüller auf Brüller. Für diese grandiose, bis ins letzte Detail getaktete Inszenierung zeichnet Direktor Paul Glaser verantwortlich. Der Mann hat ein Händchen für dieses Genre und ein Talent, aus den Schauspielern alles herauszuholen. Die Spielfreude dieser drei Ausnahme-Mimen schlug Funken und riss das Publikum am Schluss zu Beifallsstürmen hin: Katherine Rodden in einer Anzahl verschiedener Rollen, männlich und weiblich, William McGeough ebenfalls in Doppel-Sex-Parts und Michael Parker als Dandy Wooster. Herzlichen Dank an alle Mitwirkenden für einen unvergesslichen Theaterabend an einem trüben Novembertag.

„Jeeves & Wooster In Perfect Nonsense” läuft bis einschließlich 25. Januar 2025. Tickets unter der Telefonnummer 040-227 70 89 oder online unter www.englishtheatre.de

Nächste Premiere: „Doubt“ -eine Parabel von John Patrick Shanley, am 10. Februar 2025

Karl Kraus – Magier der Sprache

Kalligraphie: Ralf Plenz

Eine Annäherung an einen linguistischen Genius.

Dies vorab: Mein Dank geht an Ralf Plenz, den Herausgeber der Reihe „Perlen der Literatur,“ in welcher jüngst „Die Sprache, der Eros der Logik“, erschienen ist. Die hierin enthaltenen Aufsätze aus der im Jahre 1899 von Karl Kraus gegründeten satirischen Zeitschrift „Die Fackel“ sind ein intellektueller Hochgenuss, der seinesgleichen sucht.

Altes Werk in neuem Glanz

Wer dieses elegant gestaltete Buch aufschlägt, legt es so schnell nicht wieder aus der Hand. Allerdings muss der Leser starke Nerven besitzen und sich seiner sprachlichen Defizite bewusst sein. Denn der Scharfrichter Karl Kraus kennt keine Gnade mit grammatikalischen Fehlern oder – noch schlimmer – sprachlichen Schlampereien. Einer der erbittertsten Feinde heutiger deutscher Literaten – von den Zeitungsschreibern ganz zu schweigen – ist offenbar der Genitiv. Nur wenige scheinen ihn noch zu beherrschen. Und auch die korrekte Anwendung von Pronomen ist ins Hintertreffen geraten. Weilte Karl Kraus noch unter uns, würde er so manchem selbsternannten Linguisten eine gnadenlose Lehrstunde erteilen.

Mein ganz persönlicher Karl Kraus

Karl Kraus saß, um es salopp auszudrücken, in meiner Familie mit am Tisch. Mein Bruder und ich liebten seine geistreichen Essays und geschliffenen Wortspiele, die unseren Wortschatz bereicherten. „Was zutrifft, trifft“ und „Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben. Man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken“ waren unsere Lieblings-Aphorismen aus der Feder des Karl Kraus. Leuten, die ihn nicht mochten, schrieb er folgendes ins Stammbuch: „Manche wollen nur mit mir reden. Andere mir den Kopf einschlagen. Vor jenen schützt mich das Gesetz.“ Wer „seinen“ Karl Kraus kennt, kommt mit einer Sammlung geistreicher Zitate gut durch das Jahr.

Fast hätte ich mich – horribile dictu – als Kraus Fan „geoutet.“ Auf der Stelle nehme ich diese Wortwahl zurück. Denn Kraus hätte ein derartiges Kauderwelsch mit Sicherheit gegeißelt. Oder mit Verachtung gestraft.

König der Satire

Karl Kraus‘ Weg auf den Olymp der großen Geister der Weimarer Republik war nicht vorgezeichnet. Als Sohn eines jüdischen Fabrikanten im Böhmen der k&k-Monarchie kam er in seiner Jugend eher mit Bilanzen und Produktpaletten in Kontakt. Dies erschien dem Genius des geschliffenen Dialogs offenbar zu banal. Und so entschloss er sich stattdessen zum Studium der Germanistik und Philosophie. Allerdings ohne einen universitären Abschluss. Sein literarisches Oeuvre und zahlreiche Auftritte im Theater verhalfen ihm zu frühem Ruhm in den einschlägigen intellektuellen Zirkeln Wiens. Das Diktum „Viel Feind, viel Ehr‘“ war ihm auf den Leib geschrieben. Denn nicht jeder goutierte Kraus‘ beißenden Spott. Berühmte Zeitgenossen wie Sigmund Freud und Arthur Schnitzler, um nur zwei zu benennen, sollen Kraus gar nicht geschätzt haben. Sein Kollege Stefan Zweig bezeichnete ihn gar als den „Schriftsteller des giftigen Spotts.“ Ein unabhängiger Geist wie Kraus hat vermutlich nur mit der Schulter gezuckt und gesagt: „Ach geh. Warum seids ihr nur so empfindlich. Satire darf halt alles.“

„Die Fackel“ Über den Gebrauch der Sprache

Foto: Input-Verlag

Es versteht sich, dass ein Sprachpurist wie Karl Kraus mit den meisten seinerzeit populären Presseprodukten nichts anfangen konnte. Wohl deshalb gründete er im Jahr 1899 „Die Fackel“, seine eigene satirische Zeitschrift, die sich vehement gegen die Verwahrlosung der deutschen Sprache positionierte. Die hierin enthaltenen Beiträge wurden in den intellektuellen Kreisen jener Epoche mit großem Interesse gelesen und kontrovers diskutiert. Um eine Vielfalt der Beiträge zu garantieren, lud Kraus zahlreiche namhafte Autoren ein, Gastbeiträge in der „Fackel“ zu veröffentlichen. Dazu gehörten unter anderen Detlev von Liliencron, Peter Altenberg, Egon Friedell und Else Lasker-Schüler.

Springen wir mitten hinein in das Opus Magnum des Karl Kraus, das seine sprachliche Meisterschaft in all ihren Facetten ausleuchtet.

Lieber Leser, lassen Sie jedes Kapitel des Buches auf sich wirken und stellen Sie fest, wie auch Sie als aus Ihrer eigenen Sicht der deutschen Sprache Mächtiger in Ihren Formulierungen nur allzu oft daneben liegen. Greifen wir nur das winzige Wörtchen „bis“ heraus, das laut Kraus kaum ein Österreicher jemals richtig einsetzt. Wer die Abhandlung gelesen hat, wird feststellen, dass auch wir Deutschen hier nicht besser abschneiden als unsere Nachbarn. Denn der Winzling „bis“ bezeichnet nicht den Weg, sondern das Ziel. Kraus erklärt dies ebenso wortreich wie logisch. Mit „nur noch“ und „nur mehr“ sieht es ähnlich aus. Wer beide Kapitel sorgsam gelesen und verinnerlicht hat, wird hoffentlich in Zukunft ein ebenso druckreifes Deutsch sprechen und schreiben wie der Verfasser. Zugegeben, das Studium der einzelnen Kapitel erfordert höchste Konzentration, denn hier zählt jedes Wort, ja sogar jeder Beistrich – vulgo Komma – dem Kraus viele Worte widmete.

Finde den oder die Fehler!

Wer sich durch den ambitionierten Sprachkurs des Karl Kraus durcharbeitet, erkennt schnell, dass er nichts von Haupt- aber noch weniger von Relativsätzen versteht. Asche auf unser Haupt. Hier eine Kostprobe: „Der schlechteste Sprachlehrer, den ich gekannt habe.“ Falscher geht’s nimmer. Denn Kraus korrigiert diesen einfachen Satz stante pede: „Das ist nicht der schlechteste Sprachlehrer überhaupt, sondern der schlechteste von denen, die ich gekannt habe.“ Noch Fragen?

Kein Zweifel, Kraus kann jeden, der meint, die deutsche Sprache zu beherrschen, zur Verzweiflung bringen. Denn, egal wie sorgsam er seine Worte wählt, irgendein Haar findet der Mann immer in der Suppe. Sei es nun die Syntax, ein falsch gesetztes Zeichen oder ein Casus. Nahezu brutal verfährt er mit der Journaille im Kapitel „Die Neue Freie Presse erteilt Sprachlehre“ aus dem Jahr 1929. Da werden die Schreiberlinge geradezu standrechtlich hingerichtet, denn so argumentiert Kraus unerbittlich: „Es ist nicht notwendig, dass der deutschen Sprache zu dem Schaden, den sie durch die Journalistik erleidet, noch deren Spott zugefügt wird.“ Selbst vor Ikonen deutscher Formulierkunst wie Friedrich Nietzsche und Dichterfürst Goethe macht Kraus nicht halt. Während er bei ersterem einen falsch gesetzten „Beistrich“ moniert, wird Johann-Wolfgang wegen eines Adjektivs gerügt.

Und so wird in diesem Werk jeder sprachliche Lapsus unter die Lupe genommen und vom Autor genüsslich seziert. Häme ist derweil nicht angebracht, sondern die Einsicht, dass auch der Gebildete nie auslernt.

Ein streitbarer Geist

Kraus hat es seinen Zeitgenossen nicht leicht gemacht. Viele haben ihn dennoch wegen seiner sprachlichen Virtuosität und politischen Hellsichtigkeit verehrt, andere ihn heißen Herzens gehasst. Dass er Stefan Zweig, einen der populärsten Schriftsteller seiner Zeit, abfällig einen „Schmuser“ nannte, wird dieser ihm kaum verziehen haben. Da aber nur wenige Weggenossen des großen Karl ohne verbale Blessuren davongekommen sind, ist dies nur eine Randnotiz. Keine Randnotiz hingegen ist Kraus‘ lapidare Bemerkung über den „Führer“, der in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts das politische Parkett Europas betrat: „Zu Hitler fällt mir nichts ein.“ Unverständlich, dass ein kritischer Geist wie er zu diesem Schluss kommen konnte. Vielleicht war ihm „Mein Kampf“ in die Hände gefallen, und nicht nur Hitlers abstruse Ideen, sondern auch der grottenschlechte Stil des Machwerks hatten dem Sprachästheten Kraus schlicht die Sprache verschlagen. Das wäre die einzige plausible Erklärung.

Fazit: Dieses Werk ist jedem empfohlen, dem der korrekte Umgang mit der deutschen Sprache am Herzen liegt. Der Sprachwitz sowie die
Wortklaubereien eines Karl Kraus sind dazu angetan, dieses amüsante „Libretto“ (Büchlein) zu einem ständigen Begleiter zu machen. Viel Spaß bei der Lektüre.

Epilog: Viele unserer heutigen selbsternannten Satiriker müssten angesichts ihrer flachen Witzchen und primitiven Diktion vor Scham im Boden versinken. Sie wissen nicht, dass Satire mit der feinen Klinge des Floretts ausgefochten wird und nicht mit der Brechstange. Es ist sicherlich müßig, diesen vulgären Sprachpantschern Karl Kraus‘ Meisterwerk zu empfehlen. Sie würden es wohl kaum verstehen. Im Volksmund nennt man dies „Perlen vor die Säue werfen.“ Diese Perle aus dem Input-Verlag hat in der Tat etwas Besseres verdient.

 

Karl Kraus: „Die Sprache – Der Eros der Logik“, 192 Seiten, erschienen im Input-Verlag, ISBN 978-3-941905-62-7 zum Preis von 20 Euro

Chicago – viel mehr als Al Capone

Navy Pier. Foto: Choose Chicago.

Auch nach den Präsidentschaftswahlen bleibt Amerika als Reiseziel spannend. Mehr als andere Metropolen ist die US-Stadt am Michigansee aus dem Stand-by-Modus zu inspirierendem Leben erwacht. Frank Sinatra hat New York, Los Angeles und San Francisco besungen. „New York, New York”, „L.A. is my kind of Town “ und “I left my heart in San Francisco” verkauften sich millionenfach und haben nebenbei tüchtig für die Großstädte geworben. Miami, Dallas, Denver haben die Fernsehserien weltweit bekannt gemacht. New Orleans lockt mit Jazz und französischem Erbe, Las Vegas mit Spielcasinos und Showstars. Und was ist mit Chicago? Ja, Chicago ist auch bekannt für ihre Blues-, Jazz- und House Music, die man in vielen Clubs und Bars live erleben kann. Aber wer hat die Stadt am südwestlichen Ufer des Michigansees besungen?

Musik, Kultur und Architektur

One Illinois Tower. Foto: Choose Chicago.

Viel mehr als der Reggae-Hit über den berühmten Chicago Gangster „Al Capone“ aus der Ära der 60er Jahre, der vor den Präsidentschaftswahlen, in Anspielung auf Donald Trump als Satire in angesagten Comedy Clubs ein Revival erlebt, fallen einem da nicht ein? Dabei ist Chicago im Nordosten von Illinois die drittgrößte Stadt der USA. Mit seinen 2,7 Millionen Einwohnern braucht sich die City am Michigan See keineswegs hinter den bekannten Metropolen der Vereinigten Staaten zu verstecken. Seine Zentren für Finanz-, Handel, Industrie, Bildung und Technologie sind bedeutend und können durchaus mit New York mithalten. Chicago hat auch eine reiche kulturelle Szene, mit renommierten Institutionen wie dem Art Institute of Chicago, dem Museum of Science and Industry und dem Field Museum.
Was erwartet den Touristen, der zum ersten Mal nach Chicago reist? Vor allem gilt Chicago als Hauptstadt der Architektur. Es ist die Stadt der Wolkenkratzer. Sie sind weltberühmt und spiegeln die Geschichte und den Geist der Stadt wider. Das 1885 fertiggestellte Home Insurance Building wird oft als die Geburtsstätte der Wolkenkratzer bezeichnet, es gilt als der erste Skyscraper der Welt. Obwohl es nicht mehr steht, hat es einen bleibenden Einfluss auf die Entwicklung der Hochhausarchitektur gehabt. Zu den heutigen Highlights der imponierenden Skyline zählt der ikonische Willis Tower und das John Hancock Center sowie der Vista Tower mit seiner wellenförmigen Struktur und einer Höhe von 363 Metern. Klassiker wie das Chicago-Tribune-Building mit seiner „Woolworth Gotik“ oder das IBM-Building sind ein Muss für jeden Besucher. Viele Größen, von Frank Lloyd Wright über deutsche Flüchtlinge, wie dem ehemaligen Bauhaus-Architekten Mies van der Rohe bis zum ausgewanderten Nürnberger Helmut Jahn, haben in Chicago ihre dauerhaften Spuren hinterlassen. Heute ist die Architektur Chicagos eine Mischung aus historischen und modernen Gebäuden, die die Skyline prägen. Architekturführungen, insbesondere die Flusskreuzfahrten, bieten Einblicke in die Entwicklung der Stadt und die Geschichten hinter den berühmten Gebäuden.

Natur und Freizeit am Lake Michigan

Die Metropole Chicago präsentiert sich nicht nur in von Menschen geschaffener Schönheit. Die Lage am Lake Michigan bietet alles, was zu einer idyllischen Küstenstadt mit Wassersport aller Art dazugehört: Strände zum Relaxen und Schwimmen im glasklaren See, dazu jede Menge Motor-und Segelboote. Ein Besuch des berühmten Navy Pier oder eine Bootstour auf dem Chicago River zählen zu den Highlights. Der Millennium Park mit der berühmten „Cloud Gate“ Skulptur lädt zum Relaxen, die drumherum liegende lebendige Restaurant-Szene macht Appetit auf kulinarische Leckerbissen von der berühmten Chicago-Style Pizza bis hin zu köstlichen Rooftop-Gourmetmenüs. Das Nachtleben in Chicago spiegelt die Diversität und Energie der Stadt wider und bietet für jeden etwas: Theater, Comedy-Clubs, Shows, ruhige Bars zum Entspannen oder wilde Nightclubs zum Abhängen bis in die frühen Morgenstunden.

Ein neues Hotel-Highlight: RIU Plaza Chicago

Die Aussichtsplattform von unten – Riu Plaza Chicago.

Wer jetzt einen Amerika-Urlaub plant, sollte in dem schönsten architektonischen Neuzugang der Internationalen RIU Hotels & Resorts in Chicago logieren: Für amerikanische Verhältnisse ist das RIU Plaza Chicago preiswert (DZ ab 133 Euro über booking.com). Der spanische Ferienanbieter aus Mallorca ist vor allem bei deutschen Urlaubern beliebt durch seinen exzellenten Service und die erstklassige Gourmetküche. Gegenwärtig steht das familiengeführte Unternehmen auf dem 32. Rang der „best Hotels oft the World“ – 96 Ferienhotels & Resorts in 20 Ländern gehören dazu. Allein auf eine „cup of coffee“ in der Lobby lohnt der Besuch im RIU Plaza Chicago – die imposante Wandgestaltung aus Marmor, Holz und Fries im art déco Stil ist sehenswert. Das Highlight des Hauses befindet sich im 27. Stock. In der „The Rooftop“-Bar genießt man neben Cocktails und exquisiten Speisen einen atemberaubenden Panoramablick auf die Skyline von Chicago. Das stylische Vier-Sterne-Hotel mit 390 Zimmern liegt verkehrsgünstig inmitten der „Magnificent Mile“, dem Shopping-Stadtzentrum von Chicago. Der Standort in der Ontario Street Nr. 150 ist für Urlauber eine Toplage – die Anbindung an die öffentlichen Verkehrssysteme zur Besichtigung aller Sehenswürdigkeiten ist erstklassig.
Weitere Informationen: www.riu.com/official-site