„Wenn du Schmerzen hast, gehe langsam“ – Maren Schönfeld las aus ihrem neuesten Buch

Maren Schönfeld, Sabine Witt
Foto: Wolfgang Schönfeld

Nicht umsonst beginnt das neueste Buch von Maren Schönfeld, der preisgekrönten Lyrikerin, mit einem Gedicht: „Du hast mir den Rücken gebeugt, mir im Nacken gesessen, meine Träume aufgezehrt, mir die Zeit gestohlen…“ Schon die ersten Zeilen von „Strategie des Schmerzes“ treffen den Leser mitten ins Herz. Da schreibt eine Autorin, die es von frühester Kindheit an lernen musste, mit teilweise unerträglichen Schmerzen zu leben. Da, wie Maren Schönfeld bereits im Vorwort anmerkt, Krankheit in unserer Gesellschaft als Störfaktor wahrgenommen wird, stellt der Umgang mit einem chronischen Leiden, gegen das bis heute kein wirksames Medikament entwickelt wurde, eine fast übermenschliche Herausforderung für die Betroffenen dar. Aber das Buch der Autorin mit dem etwas sperrigen Titel „Wenn du Schmerzen hast, gehe langsam“, soll all jenen Mut machen, die sich bereits in ihr Schicksal ergeben haben und resigniert meinen, man müsse das Leiden halt so hinnehmen. Dass dies nicht so ist, beweist dieses schmale Werk auf jeder seiner 148 Seiten.

Odyssee durch Arztpraxen

Die in Kapitel 1 geschilderte gesundheitliche Geschichte der Autorin beschreibt ihre schier unendliche Odyssee durch die Praxen von Orthopäden, Physiotherapeuten, Allgemeinmedizinern und Schmerztherapeuten. Verblüfft sind alle über die enorme Beweglichkeit ihrer Patientin, die zudem noch regelmäßig Yoga treibt. Doch gerade diese „Hypermobilität“, die einer der Ärzte schließlich diagnostiziert, ist Maren Schönfelds Problem. Hier liegt der Schlüssel, der der Patientin ihr Krankheitsbild in einem anderen Licht zeigt und sie nach Rücksprache mit Fachleuten darin bestätigt, dass ihre Strategien, mit den Schmerzen zu leben, die einzig richtigen sind.

Akribisch blättert Maren Schönfeld ihr Leben vor uns auf, beginnend mit ihrer Geburt im Jahre 1970. Nachdem die Großmutter feststellt, dass ihr neun Monate altes Enkelkind zwei verschieden lange Beine hat und verschiedene Ärzte sich dieses Problems annehmen, beginnt eine unendliche Leidenszeit für das kleine Mädchen. Nur ein paar Stichworte: Die diagnostizierte Hüftdysplasie und linksseitige Hüftluxation erfordern nicht nur ständiges Röntgen, sondern auch Spreizhosen und Eingipsung bis zur Taille. Schlimmer geht’s nimmer. Oder etwa doch? Der aufmerksame Leser wird auf den folgenden Seiten eines Besseren belehrt und wundert sich darüber, was ein Mensch – zumal ein so junger – alles aushalten kann.

Foto: Wolfgang Schönfeld

Maren Schönfeld protokolliert in den folgenden Kapiteln, wie sie trotz aller Widerstände und Schmerzen ihr Leben gemeistert hat. Es muss nicht betont werden, dass sie es in der Schule, wo Sport immer eine übergeordnete Rolle spielte, nicht leicht hatte. Da Maren langsam ist, wird sie nolens volens von den Mitschülern als Letzte in eine Mannschaft aufgenommen und mit Hand- und Medizinbällen attackiert, wenn sie im Tor steht. Aber Schwamm drüber, denn die Autorin hat einen wachen Verstand und kompensiert all diese Widrigkeiten mit ihrem Interesse an Literatur. Während andere laufen, springen und turnen, verschlingt sie Bücher von Erich Kästner, Christine Nöstlinger, Astrid Lindgren, Otfried Preußler und anderen Autoren. Ein gutes Beispiel dürfte Astrid Lindgren, die geistige Mutter von Pipi Langstrumpf, gewesen sein, die bekanntlich mit dem Schreiben ihrer weltweit berühmten Werke begann, als eine längere Krankheit sie ans Bett fesselte.

Zwischengedichte

Und da sind wir bereits bei einem weiteren Aspekt von „Wenn du Schmerzen hast, gehe langsam“ – Maren Schönfelds wunderbaren Gedichten, die sie zwischen die Kapitel über ihre Krankheitsgeschichte eingestreut hat. Nicht immer leichte Kost, wie das folgende Gedicht „An der Angsthand“ beweist:
Gehen
kleine Schritte
die Angsthand hält
das klopfende Herz
keine Angst sagt die Angst
ich bin ja da lasse dich nicht
(S. 100)

Vom Alltag mit chronischen Schmerzen

In Kapitel 7 schildert Maren Schönfeld ihren Alltag mit „benennbarem“ und „unbenennbarem“ Schmerz. Sie weist darauf hin, dass alles Benennbare von anderen akzeptiert und mit Ratschlägen bedacht wird, während der Leidende mit dem nicht benennbaren Schmerz ganz allein ist und keine Hilfe von außen erwarten kann: „Du gehst durch tiefste Täler und stehst irgendwann wieder oben, und nebenbei lebst du dein Leben, spielst deine Rollen, und vielleicht ist das für andere Menschen das Hauptleben“, schreibt sie. Noch tiefere Einblicke in das zum Teil grausame Erleben der Betroffenen gewährt Maren Schönfelds Gedicht „Schmerz pur“ auf Seite 105.

Das vorletzte Kapitel dieses aufrüttelnden Buches beinhaltet alphabetisch geordnete „Praktische Stärkungen von A bis Z“, beginnend bei Arbeit, über Bewegung, Disziplin und Experimentieren bis W wie Wärme. Zu Z ist ihr nichts eingefallen, dafür aber zu gerade für die Damenwelt wichtigen Themen wie Kleidung, Kosmetik, Kultur und Schuhe. Letzteres dürfte jedoch ein Problem darstellen für jene Frauen, die gern auf sogenannten high heels herumstöckeln, auch wenn die Füße schmerzen. Maren Schönfelds Credo lautet: “Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass wir nur Schuhe tragen, in denen wir so gut wie möglich gehen können.“ Gut gebrüllt, Löwin. Aber sei’s drum.

Zu guter Letzt noch ein paar wertvolle Tipps von A bis Z im Hinblick auf mentale Stärkungen: Von Annehmen und Achtsam sein bis Zutrauen. Dem letzten Punkt, der sich eingehend mit dem Fortschritt der Medizin und besseren Behandlungs- und Heilungsmethoden als im Jahr des Heils 1970 befasst, sollte besondere Beachtung geschenkt werden. Denn hier keimt Hoffnung für alle Betroffenen auf.

Wer sich durch Maren Schönfelds Buch „durchgeackert“ hat, ist um viele Erkenntnisse reicher. Es dient auch als Anleitung für uns “Gesunde“, die nur hin und wieder eine Schmerztablette nehmen, sich in die Welt jener hinein zu versetzen, die tagtäglich mit zum Teil unerträglichen Schmerzen leben müssen. Es ist daher jedem zu empfehlen – ob Schmerzpatient oder nicht. Ein wenig Demut hat noch keinem geschadet. Dieses Buch ist nicht nur wegen seines klaren verständlichen Stils lesenswert, sondern beeindruckt besonders dadurch, dass die Autorin trotz ihres Leidensdrucks an keiner Stelle in Larmoyanz verfällt.

Die Lesung fand am 12. Juli in den Bethanien-Höfen der Evangelisch-Methodistischen Gemeinde in Hamburg-Eppendorf auf Einladung der Hamburger Autorenvereinigung statt. Sabine Witt, die Vorsitzende der HAV, leitete die Veranstaltung gewohnt souverän.

Buchcover
(c) Verlag Expeditionen

„Wenn du Schmerzen hast, gehe langsam“ ist im Verlag Expeditionen erschienen, hat 148 Seiten und kostet € 6,90 als Taschenbuch und als E-Book € 3,99.
ISBN: 978-3-947911-07-3

In vino veritas – eine genussreiche Wein- und Kulturreise durch das Taubertal

Der Kaffelstein auf der Gemarkung Kreuzwertheim schräg gegenüber der Wertheimer Burg und ist eine der letzten klassischen Steillagen der Region. Heute bewirtschaftet das Weingut Alte Grafschaft den Weinberg in Handarbeit.

Lieblich ist das Tal der Tauber – ein Garten Eden in deutschen Landen. Wie Perlen auf einer Schnur reiht sich entlang der Tauber ein schöner Ort, ein romantisches Städtchen an das nächste. Da ist die Fechterhochburg Tauberbischofsheim, eine fränkische Stadt wie aus dem Bilderbuch, die Deutschordensstadt Bad Mergentheim sowie das Dörfchen Stuppach mit der berühmten Madonna von Matthias Grünewald. Um nur einige der kulturellen Höhepunkte zu benennen. In zierlichen Schleifen windet sich die Tauber durch Wiesen, Äcker und Weindörfer. Blühende Weinberge, soweit das Auge reicht.

Marketingleiter Michael Spies von der Winzergenossenschaft Beckstein freut sich auf ein Gläschen Silvaner.

In Beckstein, dem ersten Halt auf unserer Reise, werden wir mit einem fröhlichen „Grüß Gott“ zur ersten Weinprobe eingeladen. Was darf’s denn sein – ein trockener Silvaner, ein erdiger Kerner oder lieber ein im Glas rubinrot funkelnder Tauberschwarz? Im Mikroklima dieses gesegneten Landstrichs gedeihen die unterschiedlichsten Rebsorten. Das Weingut Benz bietet mit seinem „Vinasticum“ innerhalb der Becksteiner Weinwelt ein Erlebnis der besonderen Art. Während einer etwa einstündigen Kellerführung inklusive Degustation werden mittels verschiedener Lichteffekte und Farbspiele alle fünf Sinne des Genießers angesprochen. Ganz nebenbei erfährt er viel Wissenswertes über Bodenbeschaffenheit, Klima und naturgegebene Einflüsse, die den Weinanbau begünstigen. Die französische Sprache deckt all diese Faktoren kurz und elegant mit dem Wort „terroir“ ab. Und weiter geht es nach Kembach, Dertingen und Kreuzwertheim. Hier werden wir mit weiteren Kostproben edler Tropfen verwöhnt und erfahren in einem Kurzlehrgang allerlei Wissenswertes über Beschaffenheit der lokalen Böden und den Rebschnitt.

„Ein Gang durchs Taubertal ist ein Gang durch die deutsche Geschichte, ein Gang durch das alte Reich mit ziemlich leichter Barschaft des Geldbeutels“, schrieb 1865 der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich von Riehl. An der Faszination, der er seinerzeit erlag, hat sich kaum etwas geändert. Auch heutige Urlauber schätzen im Taubertal die Verbindung aus Naturerlebnis, Burgenromantik und rustikaler Gastlichkeit.

Und weiter geht’s nach Creglingen. Die gotische Herrgottskirche birgt einen Marienaltar von Tilman Riemenschneider, der erst – völlig verstaubt – Mitte des 19. Jahrhunderts bei Aufräumarbeiten entdeckt wurde. Eine Sensation, ebenso wie das benachbarte Fingerhutmuseum, in welchem Exponate zu besichtigen sind, die – man höre und staune – ein Alter von bis zu 30.000 Jahren aufweisen. Auch Tauberrettersheim, ein verschlafenes 900-Seelendorf, wartet mit zwei Kostbarkeiten auf – der eleganten, vom berühmten Barockbaumeister Balthasar Neumann konstruierten Brücke und einem spritzigen Frankenwein, der seinesgleichen sucht.

Die Külsheimer Weinkönigin Laura Behringer.

Szenenwechsel. Die Tauber ergießt sich im Weikersheimer Grafenwinkel in ein weitläufiges Tal. Wir sind inzwischen von Bayern ins Bundesland Baden-Württemberg übergewechselt. Vor uns liegt das Renaissanceschloss der Grafen und Fürsten von Hohenlohe. Hinter der schlicht-eleganten Fassade verbirgt sich ein verspielter Barockgarten mit plätschernden Springbrunnen, Putten und üppigen Blumenrabatten. Innen lockt das Schloss mit zwei Raritäten – einem Rittersaal und dem Spiegelkabinett. Nach einer ausgiebigen Besichtigung des „hohenlohischen Versailles“ steigt die Gruppe vom nostalgischen Oldtimerbus auf E-Bikes um und radelt bei strahlendem Sonnenschein und angenehmem Fahrtwind auf gut ausgebauten Radwegen gemächlich in Richtung Bad Mergentheim. Nicht nur die Sole, die hier verschwenderisch aus dem Boden sprudelt, macht den Kurort so anziehend, sondern auch die Vielfalt der historischen Bauwerke. Während die um den Marktplatz gruppierten Bürgerhäuser in der Zeit um 1500 errichtet wurden, stammt die im Stil der Gotik erbaute Marienkirche bereits aus dem 14. Jahrhundert. Glanzlicht Mergentheims ist das Deutschordensschloss mit dem historischen Kapitelsaal und der Hochmeistergalerie, das von 1525 bis 1809 Hauptsitz des Ordens war. Nach einem Stadtrundgang lautet das Motto: Von der Kultur zur Kur. Die salzhaltige Sole Mergentheims reinigt Leber und Galle. eine Wohltat nach dem reichlichen Genuss von Riesling und Tauberschwarz. An Leib und Seele gestärkt folgt ein Abstecher nach Külsheim, wo die hübsche diesjährige Weinkönigin Laura ihre Gäste mitten im Weinberg mit einem Glas kühlen Müller-Thurgau empfängt und zur zünftigen Winzervesper einlädt. „Unsere wunderbaren Weine verdanken wir dem heimischen Muschelkalkboden und unserem milden Klima“ erklärt sie und prostet uns zu.

Die letzte Etappe führt uns nach Wertheim. Die rötlichen Sandsteinmauern der Burgruine auf felsigem Grund spiegeln sich in den dunklen Fluten der Tauber. Den sanften Fluss besang der Dichter Clemens von Brentano einst in weinseliger Stimmung mit den Worten: „Tauber heiß ich, Reben schwing ich, trunken in dem Taubergrund, und den Kindern Trauben bring ich um die Hälse golden bunt.“ Verse, die gut zu dieser fröhlichen Stadt passen mit ihrer Vielzahl gemütlicher Wirtshäuser und uriger Weinstuben. Am Abend trifft sich Alt und Jung am Engelsbrunnen. Die Namensgeber – zwei lichte Engel – halten das Wertheimer Wappen schützend über die Stadt.

Zu guter Letzt noch dies: Die Kelten, die einst in dieser Region siedelten, nannten den Fluss „Dubra“, zu Deutsch „die Schwarze.“ Daraus wurde später die Tauber. Der linke Nebenfluss des Mains entspringt in Franken und durchfließt den Taubergrund zwischen Rothenburg und Tauberbischofsheim. Er ist tief in die unterfränkische Muschenkalkplatte eingeschnitten und mündet im Wertheim. Die Mönche des Klosters Bronnbach unterwiesen die Bauern der Gegend einst in der Landwirtschaft und fanden heraus, dass der Muschelkalkboden sich vorzüglich für den Weinanbau eignete. Nicht zuletzt der Rebensaft ist es auch, der den Landstrich heute zum „Lieblichen Taubertal“ macht. Früher einmal war das gesamte Gebiet mit Weinbergen überzogen, während heute die Gesamtanbaufläche noch gut 1100 Hektar ausmacht. Für die Dezimierung der Anbaufläche war ursächlich die aus Amerika eingeschleppte Reblaus schuld. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

www.liebliches-taubertal.de

Fotos: Dieter Warnick

Schloss Fasanerie in Fulda – Gartenfest mit barockem Gepränge

Die-Südfassade-von-Schloss-Fasanerie_Fotograf-Andreas-von-Einsiedel

Unter den zahlreichen Barockschlössern Deutschlands nimmt Schloss Fasanerie in Fulda- Eichenzell einen besonderen Platz ein. „Ich bin vielleicht etwas voreingenommen“, gesteht eine Ortsansässige. „Aber mit der Fasanerie können nur wenige Herrensitze konkurrieren.“ Neben dem Schloss mit seinen vielen Kostbarkeiten erwähnt sie den fast 100 Hektar großen Park, der mit seinen Rabatten, Skulpturen und dem alten Baumbestand jeden Besucher in seinen Bann schlägt. Das „Fürstliche Gartenfest“ des Schlosses Fasanerie ist ein Ereignis, das jedes Jahr im Frühling Besucher von nah und fern anlockt.

Am 16. Mai ist es wieder soweit. Da öffnet das schönste Barockschloss Hessens seine Pforten und lädt zu einem Festival der Sinne inmitten duftender Blütenpracht ein. Im Rahmen einer Ausstellung zum Thema „English Gardening“ wird den Besuchern bis zum 19. Mai von zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellern die traditionsreiche britische Gartenkunst näher gebracht.

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Das elegante, im hellen Ockerton gehaltene Schloss mit dem leuchtend roten Dach diente den Fürstbischöfen von Fulda einst als Sommerresidenz. Ein Rundgang durch die prunkvoll ausgestatteten Säle und Räume demonstriert eindrucksvoll den erlesenen Geschmack und Kunstverstand der ehemaligen Besitzer. Die Porzellansammlung im Nordflügel des Schlosses entführt die Besucher in eine Zeit, als in aristokratischen Kreisen die Kunst des Tischdekors einen hohen Rang einnahm. Beim Anblick der mit erlesenem Geschirr und blank geputzten silbernen Kerzenleuchtern gedeckten Tafel entfährt einem Besucher die Bemerkung: „Das war noch Stil – ganz ohne Plastik und McDonalds!“

Die Antikensammlung umfasst ein wohl geordnetes Sammelsurium griechischer und etruskischer Vasen, Terrakotten und Bronzen sowie römische Porträtbüsten. Das kostbarste Stück – eine an die 2400 Jahre alte griechische Vase – kennen manche von uns noch aus Schulbüchern, in denen sie als Musterbeispiel antiker Kunst abgebildet war.

Ein-Blick-in-den-Gästeflügel-von-Hessens-schönstem-Barockschloss_Fotograf-Andreas-von-Einsiedel

Endlos lange, mit kostbarer flämischer Tapisserie, Porträts, zierlichem alten Mobiliar und filigranen Figurinen ausgestattete Flure führen in die repräsentativen Räume und Antichambres der ehemaligen Herren von Schloss Fasanerie. Beeindruckend ist der mit barockem Gestühl, wuchtigen Kommoden und einem tonnenschweren Kristalllüster ausgestattete rote Salon.

Nach diesem von einem eloquenten Museumsführer begleiteten Rundgang lockt der bezaubernde Chinesische Pavillon – auch Hochzeitspavillon – im Zentrum des weitläufigen Parks. Dieses Kleinod wurde inzwischen zu einer Außenstelle des Standesamtes Eichenzell umfunktioniert. In dem eleganten, mit vielen dekorativen Gegenständen bestückten Innenraum finden neben Hochzeiten regelmäßig Jubiläen und Familienfeiern statt. Auch das ehemalige Badehaus erfreut sich großer Beliebtheit und wartet jährlich mit viel besuchten Sonderausstellungen auf.

Die-Südfassade-von-Schloss-Fasanerie-mit-Sonnenterrasse-und-Café

„Keine Angst, du wirst dich bei uns nicht langweilen“, erklärt eine Schlossführerin einem kleinen Mädchen von etwa sieben Jahren. In der Tat, die Kinderführungen von Schloss Fasanerie sind berühmt. Da wird der Nachwuchs nicht mit drögen Erklärungen gequält, sondern erlebt das echte Schlossleben von Anno dazumal mit Prinzessinnen, Hofdamen und anderen Mitgliedern des Hofstaates, Selbst ein Schlossgespenst geistert durch die hohen Räume und sorgt für Stimmung unter den Kleinen. Dieser ereignisreiche Tag klingt im gemütlichen Café des Schlosses aus. Ein geeignetes Plätzchen zum Ausruhen ist die Südterrasse, wo der Schlossbesucher das Erlebte noch einmal Revue passieren lassen kann.

www.schloss-fasanerie.de

www.die-fasanerie.de

Dieser Artikel erschien in der Juni-Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts

„Moonlight and Magnolias“ – The New Play at the English Theatre of Hamburg

„Listen Ben, before we get started you have to read the book.“

Headline: The Making of “Gone with the Wind”. Subline: Big Boss in Trouble. We write the year 1939. The political situation in Europe is unstable. A new war is in the offing. But legendary Hollywood producer David O. Selznick could not care less. He is plagued with other problems. He is honestly in real trouble. After having fired a dozen of well-known film directors, he is feverishly looking for another one to direct his latest movie in progress “Gone with the Wind.” By the way, the script too does not come up to his expectations. Also literary icons such as F. Scott Fitzgerald and John van Druden have been given the sack. Thus, Selznick desperately needs a new director as well as a new writer as soon as possible. So why not take Ben Hecht under contract, one of Hollywood’s greatest scriptwriters!

„Yes, Mr. Selznick.“ A devoted secretary like Miss Poggenguhl always knows how to behave.

But that fellow has hardly heard of Margaret Mitchell’s bestselling epic, let alone read a single line of her famous book. Can you believe it? In order not to lose time, Selznick gives Hecht a short synopsis of the story and offers him the gigantic sum of 15,000 bucks in case he delivers a revised screenplay within five days. A new director has also to be found. There is no better choice than charismatic Victor Fleming who is about to finish “The Wizard of Oz.” Three Hollywood celebrities and a film which – according to Selznick – will become one of the greatest movies ever made! Let us start work immediately, he orders and asks his devoted secretary Miss Poppenguhl (what a name!) to lock the door to his office for five days. And no phone calls please, whoever may call. The food is reduced to bananas and peanuts. Who on earth can survive on such frugal diet and be creative at the same time?

But let us have a look at what is happening on the stage of the English Theatre. We find ourselves in Selznick’s vast office, the large windows granting a view on the producer’s stately home across the lawn. The walls of his office are covered with colourful posters of some of his legendary films, including “A star is born”, “Tale of Two Cities” and many others, showing actors who were great stars in the thirties of the last century whom most of us even do not know by name. Sic transit gloria mundi – Hollywood’s fame is ephemeral, once most popular stars are completely forgotten long before they die. Selznick (Rory Murphy in the role of his life – fantastic) and Fleming (Edwin Flay extremely funny) are doing their best to work out all the characters in the novel, the audience is roaring with laughter.

„That’s okay, David. You finally got it.“

Just imagine a grown-up man lying on the floor and feigning Melanie Wilkes in labour before giving birth to her first child. While this comedy is going on, Hecht (cool and professional) is typing wildly on an old typewriter while making sarcastic remarks about the two amateurish actors. As a matter of fact, Fleming and Hecht constantly clash. They cannot agree on a good many aspects concerning the realisation of the picture. While Selznick and Fleming are further attempting to work out other characters of the book, Hecht criticises Selznick’s indifference concerning the more than problematic situation of the Jews in Germany and asks the producer to join the Jewish Relief Fund. But Selznick, himself a Jew like Hecht, shows little interest in the matter. He wants to realise his movie. First things first. Period. By day three, Selznick’s once well organised office looks a complete mess. Banana skins, peanut shells and torn manuscripts are scattered all over the floor. Next day, the three “prisoners” are hungry, tired and aggressive. Tempers flare. They are craving for real food and a shower. Fleming and Hecht even attempt to escape. No chance. The door stays locked and Selznick insists on finishing the screenplay before he allows anybody to leave. By the end of day five film mogul Selznick asks: “Is there anything wrong with getting the job done – no matter what it takes?” Obviously he has the power to convince both Fleming and Hecht. And after a veritable end spurt a screenplay is completed that finds favour in Selznick’s eyes. Miss Poggenguhl (Clara Aileen Bowen in the role of the “ideal” secretary) staggering on her feet – she too had to stay awake during five days and nights – is finally allowed to unlock the door of Selznick’s office and free Fleming and Hecht from “prison.”

„Go ahead, Alex. And don’t forget you a r e Melanie Wilkes in labour.“

Selznick himself is beaming with satisfaction. No matter what the cost – I made my dream become true, he thinks and calls his father-in-law, Louis B. Mayer of MGM, another Hollywood legend: “Poppa, I have some very good news for you – we are making a movie.”
Curtain.
Epilogue: After all, this ordeal was worth its while. Millions of people around the world saw and enjoyed “Gone with the Wind”, one of the most successful film productions ever.

What a hilarious play! An American critic brought it to the point when writing “This play is an affectionate portrait of the legendary movie producer David O. Selznick and his collaborators.”
The audience thanked four gifted actors and director Paul Glaser for the outstanding performance of this rip-roaring play with witty dialogue and hilarious situations.

A few words about the playwright

Ron Hutchinson was born in County Antrim, Northern Ireland, in 1947. He wrote while working in several jobs, including carpet fitter, fish gutter and Social Security fraud investigator, and got his first break with a TV play for the BBC. This turned out to be the beginning of a great career as a playwright. His first stage play “Says I Says He” was followed by many others such as “Rat in the Skull”, “Beau Brummel” and “Dead on her Feet”.

Last but not least I have to confess that “Gone with the Wind” was the number one of my favourite books when I was fifteen years old. I read that novel in English from the very first to the last sentence, assisted by my father’s big dictionaries. I was so fascinated by the story, my heroes being Scarlett O’Hara and Rhett Butler, that I forgot the world around me. The book still sits on one of my book-shelves, in a very privileged position. The play was a nostalgic déjà vu for me. Thank you all on the set who made this evening at the TET an unforgettable one.

(Photos: Stefan Kock)

Final performance of “Moonlight and Magnolias” on June 22. 2019

Tickets under phone number 040 – 227 80 89, online booking under www.englishtheatre.de

Until September the TET will be on holiday. We will be back here as soon as we are informed about the next premiere.

„Moonlight and Magnolias“ – das neue Stück im English Theatre of Hamburg

„Also echt, Ben, bevor wir anfangen, musst du das Buch lesen.“

Heute entführt uns das TET ins Studio des mächtigen Hollywood-Produzenten David O. Selznick. Wir schreiben das Jahr 1939. Während sich über Europa neues Unheil zusammenbraut und ein Krieg immer wahrscheinlicher wird, plagen den Boss von Selznick International Pictures ganz andere Probleme. Er hat die Rechte an Margret Mitchells weltweit millionenfach verkauftem Südstaaten-Epos „Vom Winde verweht“ für 50.000 Dollar erworben, um daraus den größten Film aller Zeiten zu machen. Doch die ihm bislang von Drehbuchschreibern und Regisseuren vorgelegten Konzepte entsprechen in keiner Weise seinen Vorstellungen, obgleich Schriftsteller-Ikonen wie F. Scott Fitzgerald und John van Druden sich bereits an dem Stoff versucht haben. Selznick hat sie und zwölf ihrer Kollegen bereits nach drei Wochen Dreharbeit vor die Tür gesetzt. Auch verschiedene hoch dekorierte Regisseure mussten dran glauben. Selznick ist in Panik. Gottlob zeigt sich ein Silberstreifen am Horizont. Gerade hat Ben Hecht, einer der renommiertesten Schreiber Hollywoods, seine Mitarbeit zugesagt. Zusammen mit dem nicht minder berühmten Regisseur Victor Fleming in Selznicks Augen eine Idealbesetzung für sein ambitioniertes Projekt.

Vom Winde verweht
„Ja, Mr. Selznick.“ Eine gute Sekretärin wie Miss Poggenguhl weiß sich immer zu benehmen.

Die Atmosphäre im Büro Mr. Selznicks ist angespannt. Perfekt gestylt im Nadelstreifen-Dreiteiler hockt er hinter seinem riesigen Schreibtisch und kann seine Wut über Ben Hecht, den genialen Script Doctor, kaum zurückhalten. Wie bitte, dieser Kerl hat von dem berühmtesten Roman der Zeit „Vom Winde verweht“ noch nichts gehört und reduziert ihn in seiner Nichtkenntnis auf das Südstaaten-Klischee Mondschein und Magnolien! Victor Fleming scheint einigermaßen im Thema zu sein. Immerhin. Begeisterung sieht jedoch anders aus. Nun lässt Selznick die Katze aus dem Sack. Er erwartet ein brandneues Drehbuch innerhalb von fünf Tagen und ist bereit, fast jede Summe zu zahlen. Jetzt heißt es, in Klausur gehen und das Selznicksche Mammutprojekt gnadenlos durchziehen. Miss Poggenguhl, die devote Sekretärin des großen Selznick (glänzend verhuscht dargestellt von Clara Aileen Bowen) muss die Tür des Büros von außen abschließen, damit weder Hecht noch Fleming Reißaus nehmen können. Vorher hat die gute Seele des Studios die drei Herren noch mit genügend Nervennahrung versorgt – mit Bananen und Erdnüssen. Nun beginnt die Arbeit an dem großartigen Epos der talentierten Ms. Mitchell, die diese über tausend Seiten füllende Seelenlandschaft des amerikanischen Südens innerhalb von zehn Jahren schrieb, als eine langwierige Krankheit sie ans Bett fesselte. Welche herkulische Leistung, wenn man bedenkt, dass dieses 1936 erschienene und ein Jahr später mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Opus Magnum auf einer gebrauchten Remington-Schreibmaschine getippt wurde. Wer diese Methode noch kennt, erinnert sich: ein Anschlag, ein Handstand, zumal die Fingerspitzen allzu oft zwischen den Tasten hängen blieben.

„Gut, gut, Alex. Du hast endlich kapiert, worum es hier geht.“

Doch zurück zum Stück. Jetzt wird Seite um Seite des Buches von den drei Protagonisten genau studiert und nachgespielt. Da bleibt kein Auge trocken, wenn Fleming (grandios Edwin Flay) sich auf dem Boden ausstreckt, um die Geburtsszene der Melanie Wilkes, die mit ihrem ersten Kind niederkommt, im wahrsten Sinne des Wortes in Ton und Gestik hinzulegen.

Ashley, Rhett Butler und Scarlett O’Hara

Auch die anderen Charaktere des Buches wie Ashley, Rhett Butler und Scarlett O’Hara kommen nicht zu kurz in diesem zum Teil slapstickartigen Szenario. Besonders skurril Rory Murphy (in der Rolle des David O. Selznick), wenn er Scarlett ganze Passagen des Buches mit erhobener Stimme zitieren lässt. Immer wieder entflammt Streit unter den drei Männern. Nein, so kann man diese Figur nicht in Szene setzen, sagt der eine, während der andere darauf besteht, dass gerade diese Version die richtige ist. Eine Szene lässt das ganze Projekt fast platzen, als Scarlett der jungen schwarzen Sklavin Prissy, die zum Haushalt der O’Haras gehört, eine Ohrfeige verpasst, weil diese sich allzu ungeschickt bei der Geburtshilfe anstellt. Veto von Ben Hecht, der sehr empfindlich auf diese körperliche Züchtigung reagiert und fordert, diese aus dem Script zu streichen. Selznick hingegen besteht auf dieser im Buch authentisch geschilderten Szene. Schnitt.

Die zum Arbeitstag gemachte Nacht hat nicht nur bei den drei Männern, sondern auch im Büro des Produzenten tiefe Spuren hinterlassen. Übernächtigt mit schief sitzender Krawatte und zerknitterten Hemden machen sie sich am nächsten Morgen wieder an die Arbeit in einem Chaos aus Bananen- und Erdnussschalen sowie einer Unzahl zerrissener Manuskriptseiten, die den ganzen Boden bedecken. Alle sehnen sich nach etwas wirklich Essbarem und einer guten Tasse Kaffee. Doch Selznick bleibt hart. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Noch steht der Brand von Atlanta aus, der viele Seiten des Romans einnimmt. Auch hier ergeben sich wieder Meinungsverschiedenheiten, die jedoch etwas milder ausfallen als alle vorangegangenen, was sicherlich der Übermüdung des Trios geschuldet ist. Ruhe vor dem Sturm, denn beim großen Finale ergeben sich erneut Differenzen. Fleming und Hecht sind mit dem Ende des Romans nicht einverstanden. Ein Happy End ist doch das Mindeste, das man dem Publikum nach all den Irrungen und Wirrungen des Stückes bieten sollte. Es kann einfach nicht sein, dass Rhett Butler Scarlett einfach so im Regen stehen lässt statt sich mit ihr zu versöhnen. Ein Ritt der beiden auf einem edlen Pferd der Sonne entgegen wäre doch das einzig Denkbare. Doch Selznick bleibt stur und besteht auf Werktreue. Etwas angewidert intoniert Fleming Rhett Butler in der letzten Szene des Films, als Scarlett Rhett bittet, sie nicht zu verlassen, weil sie ohne ihn nicht leben kann. “Also wirklich, meine Liebe“, sagt er, “das interessiert mich einen Scheiß.“ Aber diese vulgäre Formulierung lässt Selznick nicht im Raum stehen. Da hört sich „Also, wirklich meine Liebe, das ist mir völlig egal“, schon viel besser an. Schnitt aus. Die Fron ist vorbei, und alle Protagonisten, inklusive der wackeren Miss Poppenguhl, der vor Müdigkeit die Augen fast zufallen, atmen hörbar erleichtert auf. Bis auf ein paar Kleinigkeiten ist der Film so gut wie im Kasten. Und während die Sekretärin die Spuren des Kampfes um richtige Dialoge und Einstellungen beseitigt, greift ein strahlender David O. Selznick zum Telefon und ruft seinen Schwiegervater, den berühmten Louis B. Mayer von MGM (Metro Goldwyn Mayer) an, um ihm in schlichten Worten mitzuteilen, dass er einen Film drehen wird.

„Weiter so, Alex, und vergiss nicht, du spielst nicht nur, sondern du bist Melanie Wilkes in den Wehen.“

So endet eine witzige spritzige Komödie, ein Feuerwerk der guten Laune, für das sich das Publikum in einem lang anhaltenden Applaus bedankte. Das war in der Tat ganz großes Kino. Wer nun denkt, dieses vom irisch-amerikanischen Erfolgsautor Ron Hutchinson geschriebene Stück sei reine Fiktion, der irrt gewaltig. Denn so oder sehr ähnlich hat sich laut der Aufzeichnungen von David O. Selznick The Making of „Vom Winde verweht“ offenbar abgespielt. Es versteht sich, dass der Autor die Vorlage für seine ergötzliche Komödie genutzt und mit seinen eigenen Dialogen angereichert hat. Hutchinson ist einer der erfolgreichsten angelsächsischen Theaterautoren, auf dessen Konto Stücke wie „The Irish Play“, „Beau Brumel“, „Dead on her Feet“ und etliche andere gehen. Er wurde 1947 in Irland geboren und lebt heute in Los Angeles.

Ein paar Worte in eigener Sache seien zum Schluss erlaubt. Ich las „Gone with the Wind” als fünfzehnjähriges Schulmädchen auf Englisch, stets die dicken Wörterbücher meines Vaters neben mir oder auf dem Schoß. Meine Mutter hatte es schwer, mich zu den Mahlzeiten von der Lektüre wegzulocken. Ich habe dieses Buch geliebt und tue es noch heute. Insofern war die Premiere dieses brillanten Theaterstücks ein nostalgisches déjà vu für mich, das ich sehr genossen habe. Allen, die an dem Stück im TET mitgewirkt haben, noch einmal meinen herzlichen Dank.

(Fotos: Stefan Kock)

„Moonlight and Magnolias“ läuft bis einschließlich 22. Juni 2019

Tickets unter der Telefonnummer 040-227 70 89 oder online unter www.english-theatre.de

Das TET geht nach dem 22. Juni in die Theaterpause. Wir melden uns an dieser Stelle wieder, sobald uns das neue Stück der Saison 2019/20 bekannt ist.

Abenteuer eines Weltenverstehers

Wolf-Ulrich Cropp las aus seinen neuesten Werken

An diesem Abend des 11. April schwieg die Orgel. Wo sonst Präludien von Bach und Buxtehude erklingen, erfüllten afrikanische Dschembé-Rhythmen die Kirche der Evangelisch-methodistischen Gemeinde in Hamburg-Eppendorf. Die Hamburger Autorenvereinigung hatte zu einer Lesung aus den neuesten Werken Ihres Mitglieds Wolf-Ulrich Cropp geladen.

In seinem Buch „Im Schatten des Löwen“ entführt uns der Autor in den Süden Afrikas – nach Simbabwe, Botswana und Namibia. Als der Mann mit der kecken weißen Mütze auf dem Kopf zu lesen beginnt, kann man eine Stecknadel zu Boden fallen hören. Die Reise ins Reich des Robert Mugabe, sozusagen in die „Höhle des Löwen“, erfordert schon eine gehörige Portion Mut. Die völlig irrationalen Vorschriften in diesem Land versteht kein Europäer. Man kann völlig grundlos von der Polizei festgenommen und eingekerkert werden, ohne etwas dagegen unternehmen zu können. Wie das folgende Beispiel zeigt:
„In den Morgenstunden meiner Verhaftung, Arrestierung …. bin ich einfach zu spät aufgewacht“, schreibt Cropp. Dass nun ausgerechnet ein Marabu, ein Unheil verkündender Vogel, der sich von Aas ernährt, vor der Zelle hockt und ihn beäugt, verheißt nichts Gutes. Wie soll der „Delinquent“ nur dieser Hölle entkommen? Aber der Autor kennt seine Tricks. Gerade wenn es spannend wird, blockt er ab. Honi soit qui mal y pense. Wer Näheres wissen will, soll halt das Buch erwerben und lesen, wie er sich schließlich aus dieser misslichen Lage befreite.

Abenteuer auf dem Schwarzen Kontinent

Eine kleine Indiskretion sei an dieser Stelle erlaubt. Auch im sozialistischen Paradies des Herrn Mugabe wirkt Bakschisch wie ein Sesam öffne dich. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis war Cropps Weg frei für veritable Abenteuer auf dem Schwarzen Kontinent. Manche unter ihnen ließen dem Zuhörer das Blut in den Adern erstarren. Selbst jenes aus zweiter Hand wie das Schicksal der Reptilienforschers Dr. Jonas Hamilton, der nach Einbruch der Nacht im Sambesi von einem etwa fünf Meter langen Krokodil angegriffen wurde und in dessen mit Knochen, Fell und Kot übersäten Höhle landete. Nur mit Mühe konnte er sich trotz einer schweren Verletzung ans Ufer schleppen, wo ihn helfende Hände fanden und ins nächste Hospital schafften. Während eines Aufenthaltes in der Psychiatrie erhängte sich der schwer traumatisierte Mann später. Hat Wolf Cropp sich etwa durch diese Horrorgeschichte von seinen gefährlichen Abenteuern zu Lande und auf dem Wasser abhalten lassen? Mitnichten. Ganz im Gegenteil, denn bereits am nächsten Tag ruderte er mit seinen Begleitern „ins Inselgewirr vor den (Victoria) Fällen; vorbei an Princess Christian Island, Princess Victoria Island schließlich Livingstone Island“. Und dies trotz aller Gefahren, die in der Tiefe des Flussbettes lauerten. Denn noch gefährlicher als Krokodile sind die Flusspferde – Hippopotamus, im Plural kurz Hippos – die gern einmal mit ihren massigen Körpern unter die Boote tauchen und sie zum Kentern bringen. Wer einmal das aufgerissene Maul eines solchen Ungeheuers gesehen hat (im Buch zu besichtigen auf Seite 78), erkennt, welch tödliche Verwundungen dessen riesige Hauer anrichten können. Dennoch, die Flussfahrt geriet zu einem wunderbaren Ausflug, der im Victoria Falls Hotel mit einem festlichen Dinner gekrönt wurde. Als Hauptgericht wurden Steaks vom Krokodil gereicht. Nach Auskunft des Autors eine Delikatesse, zart wie Geflügel, nur ungleich würziger. Den Nachtisch an diesem Abend servierten die beiden leidenschaftlichen Musikerinnen der Gruppe Toubaba in Form einer getrommelten Eigenkomposition. Hinreißend!

Jenseits der Westwelt – Wasser – Wüste – Eis

Der zweite Teil der ebenso kurzweiligen wie spannenden Lesung war Ausschnitten aus „Jenseits der Westwelt– Wasser – Wüste – Eis“ gewidmet. Wiederum ein erstaunliches Buch, das den Leser auf die Reisen – oder besser – Expeditionen des Autors in die unterschiedlichsten Klimazonen dieser Welt mitnimmt. Hier hatte Cropp das Kapitel über Sitten und Gebräuche der Mursi im Süden Äthiopiens ausgewählt. In diesem riesigen Gebiet mit seinen Savannen und hohen Bergen gelten Frauen als besonders begehrenswert, wenn sie Tellerlippen haben, deren „Besitz“ eine langwierige und schmerzhafte Prozedur voraussetzt. Wer also schön sein will. muss leiden. Wolf Cropp schildert diese barbarische (Un)sitte in seinem Buch sehr detailliert. Jungen Mädchen am Ende der Pubertät wird die Haut unter der Unterlippe ausgeschnitten, zwei untere Schneidezähne werden gezogen, und die erste kleine Scheibe wird eingesetzt. Diese Scheiben – wahlweise aus Ton oder Holz – werden über einen längeren Zeitraum immer größer, wobei auch die Unterlippe ausgedehnt wird, bis sie die Größe eines Tellers erreicht hat. Gott sei Dank schwindet dieser Brauch, der, wie die Mursi sagen, nur das Erwachsen- und Älterwerden symbolisiert, immer mehr aus dem Alltag der Menschen. Junge Mädchen verweigern sich heute dieser grausamen Prozedur, die ihre Mütter und Großmütter noch klaglos ertragen mussten.

Fazit: Ein sehr gelungener Abend mit einem Autor, der die seltene Gabe besitzt, seine eigenen Werke flüssig ohne übertriebenes Pathos zu lesen und der das Publikum vom ersten Augenblick in seinen Bann schlägt. Wolf-Ulrich Cropp ist Schriftsteller und Forscher in Personalunion und steht ganz in der Tradition eines Alexander von Humboldt, der gleich ihm die Welt bereiste, um sie zu erkunden und die verschiedenen Ethnien zu verstehen, ohne die Menschen anderer Kulturkreise zu bevormunden oder ihnen unsere westliche Zivilisation überstülpen zu wollen. Wolf Cropp beeindruckt durch seine Art, jedem, den er auf seinen ausgedehnten Reisen trifft, freundlich und einfühlsam zu begegnen.

Es liegt ihm fern, Sitten und Gebräuche zu kritisieren – selbst wenn sie ihm noch so befremdlich erscheinen. Sicherlich ist das auch einer der Gründe, warum er von seinen waghalsigen Abenteuern kreuz und quer durch alle sechs Kontinente stets unversehrt zurückgekehrt ist. Wolf Cropps Fangemeinde wünscht sich noch viele weitere spannende Bücher, die allerdings einen Nachteil haben. Nämlich den, dass es sie (noch) nicht als Hörbücher gibt. Über dieses Thema sollten seine Verlage einmal gründlich nachdenken.

„Im Schatten des Löwen“, erschienen bei DuMont, kostet Euro 14.99
„Jenseits der Westwelt“, erschienen bei Kadera, kostet Euro 26,–

„The Beauty of the Father“ by Nilo Cruz just premiered at The English Theatre of Hamburg

Let’s fly away on our magic carpet!

Spanish guitar music welcomes the spectators of this family drama set in a lush Mediterranean landscape with flowers and palm trees, the deep blue sea on a far horizon. In mid-February we find ourselves in the little town of Salobrena near Granada. Although the studio of Spanish painter Emiliano (Joseph Rye) is bathed in sunshine, he seems to be in a gloomy mood. No wonder. He is about to paint a picture of the murder of Federico Garcia Lorca, his favourite poet who was shot by a Nationalist firing squad in early 1936 during the Spanish Civil War. Lorca, the famous author of plays such as “Yerma” and “The House of Bernada Alba”, died at the young age of 38. Sketches of Lorca’s execution cover the walls of the studio and make the audience shiver. Lorca has become Emiliano’s alter ego to whom he talks and asks for advice while working on his painting. It goes without saying that Lorca is only visible and audible to Emiliano. Lorca becomes more and more part of the family and serves as counsellor to the painter, a discreet witness whom he can trust not to reveal his former life in the United States.

Dancing and singing on a sunny afternoon. Olé!

The suicide of his American wife is Emiliano’s well kept secret. When his spouse found out about his bisexuality, she took her life, leaving him alone with his young daughter Marina. Emiliano was so shocked by his wife’s death that he fled to Spain where he started a completely new life in a ménage à trois with Paquita, a beautiful Spanish woman, and Karim, a young Moroccan who shares the bed with Emiliano. Paquita, the good-natured woman, married Karim in order to enable him to stay legally in the country. She plans to divorce him when he has been given his citizen papers by the Spanish authorities. After that step she hopes to marry Emiliano whom she loves. For the time being the three of them live happily together until Marina announces her arrival in Spain. Everything is fine until the very moment when Marina, who has fallen in love with Karim, finds out that the young Maghrebinan is her father’s lover. She is out of her mind and accuses Emiliano of having killed her mother. The whole family is on the edge of their nerves. The only two people who keep their calm are – of course – the invisible Lorca and cheerful Paquita who tries to handle the heated situation in a most charming manner. However, she does not succeed. Emiliano who does not accept the relationship between Karim and his daughter wants the young man out of his house and view immediately. Karim is enraged. He tears Emiliano’s sketches and paintings from the walls and hurls them all over the place. Then he disappears with a rifle in his hand. Two gunshots ring out. Fortunately he misses the painter who reappears unhurt in the house. Lorca is shocked. The shots remind him of his execution by Franco’s soldiers over sixty years ago. “Am I dead?” asks the painter. “No, the boy missed,” Lorca replies. The end of the plot will not be revealed here. Please find out yourselves, dear spectators, whether or not the family, including Karim, is reconciled after all this trouble.

The American press is full of praise for Pulitzer Prize Winner Nilo Cruz and his oeuvre. One critic wrote: “Cruz is a writer of ideas, who fills the stage with a kind of lush dramatic literature, unifying character with thought and action in time and space.” After having seen a performance of “The Beauty of the Father”, another New York critic wrote: “Richly poetic language adds to Cruz’ family drama.”

The audience thanked the actors and director Clifford Dean for this performance with a standing ovation. Dean is always in search of outstanding plays that are completely unknown to German theatre goers. So is Nilo Cruz, the young playwright whose plays deserve to become part of the repertoire of German stages. The passionate performance of five actors made the evening a great success. Holly Smith, whom the “aficionaos” of the English Theatre have already seen in a couple of dramas and comedies, played the role of her life as Paquita, the joyful singing and dancing embodiment of a Mediterranean female. Just captivating!

Photos: Stefan Kock

Final performance of “The Beauty of the Father” on April 13, 2019

Tickets under phone number 040 – 227 80 89, online booking under www.englishtheatre.de

Next premiere: “Moonlight and Magnolias”, a comedy by Ron Hutchinson, on April 25, 2019

„The Beauty of the Father“ – das neue Stück am English Theatre of Hamburg

Lass‘ uns entfliehen auf unserem magischen Teppich!

Spanische Gitarrenmusik erfüllt den Saal, bevor sich der Vorhang hebt. Das Atelier des Malers Emiliano (Joseph Rye) rückt ins Blickfeld. Im Hintergrund leuchtet ein tiefblaues, von den gleißenden Strahlen der Sonne angestrahltes Meer. Mediterrane Lebensfreude im winterlichen Hamburg! Doch halt. Die mit Skizzen eines erschossenen Menschen bedeckten Wände des Hauses spiegeln keinerlei Fröhlichkeit wider. Der Künstler ist besessen vom Tod des großen spanischen Dichters und Theaterautoren Federico Garcia Lorca, der 1936 während des spanischen Bürgerkrieges von Francos Schergen hingerichtet wurde. Emiliano schickt sich gerade an, den Tod des von ihm verehrten Poeten in einem Gemälde festzuhalten. Lorca ist das nur dem Maler sichtbare Alter Ego Emilianos, der – stets mit einem makellos weißen Anzug bekleidet – mehr und mehr in die schwierigen familiären Verhältnisse des Malers hineingezogen wird.

Tanzen und singen an einem sonnigen Nachmittag. Olé!

Das Familiendrama nahm bereits vor Jahren seinen Lauf, als Emilianos Ehefrau sich das Leben nahm, nachdem sie von der Bisexualität ihres Mannes erfuhr. Er verließ daraufhin fluchtartig die Vereinigten Staaten und siedelte sich im andalusischen Städtchen Salobrena in der Nähe von Granada an. Die minderjährige Tochter Marina ließ er allein in Amerika zurück. Inzwischen hat Emiliano sich in seiner neuen Heimat ganz nach seinem Gusto eingerichtet. Er lebt in einer Ménage-à-trois mit der temperamentvollen Paquita (hinreißend gespielt von Holly Smith, die mit ihrem drolligen „Spanglish“ das Publikum verzaubert) und einem jungen gutaussehenden Marokkaner namens Karim (Theo Bougouneau) zusammen. Soweit so gut ? Mitnichten. Denn mit der überraschenden Ankunft Marinas (Jess Pritchard) wird Emiliano sich seiner Lebenslüge nolens volens bewusst. Seine Tochter beginnt, unangenehme Fragen zu stellen, und entlarvt ihn als Eskapisten, der sich allen Problemen durch seine Flucht feige entzogen hat. Zunächst läuft alles dank des heiteren Wesens der Spanierin Paquita gut, die alle Unstimmigkeiten mit leichter Hand vom Tisch wischt. Als die junge Frau sich allerdings in Karim verliebt, ist die südliche Idylle nachhaltig gestört, zumal Marina erfährt, dass der junge Marokkaner das Bett ihres Vaters teilt. Die Folge sind lautstarke Auftritte Emilios, der in den Versuchen, seine Handlungsweise zu rechtfertigen, von Mal zu Mal hilfloser wirkt. In diesem Aufruhr der Gefühle bewahrt nur einer die Ruhe. Federico Garcia Lorca (Alex Warner) erweist sich mit seinen weisen Ratschlägen aus dem Jenseits als Fels in der Brandung. Als Emiliano Karim auffordert, sein Haus zu verlassen und dieser Marina bittet, mit ihm fortzugehen, kommt es zu einem Showdown zwischen den beiden Männern. In seiner Wut reißt Karim Emilianos Skizzen von den Wänden, wirft sie auf den Boden und verlässt mit Emilianos Gewehr das Haus. Man hört Schüsse. Doch Karim trifft den Maler nicht. Lorca begleitet diesen Vorgang mit einem lakonischen „Der Junge hat nicht getroffen.“ Karim kehrt auf die Terrasse zurück. Verzeihen Emiliano und der Rest der Familie Karim seinen mörderischen Angriff auf den Hausherrn? Das Ende wird wie üblich nicht verraten. Das muss der geneigte Zuschauer selbst herausfinden. Bleibt zum Schluss der Vorstellung nur noch ein Bert Brecht zugeschriebenes Zitat: Und so sehen wir betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen. Langanhaltender Beifall des Publikums für das Stück und ein großartiges Ensemble unter der Regie von Clifford Dean. Für die Musik und hinreißenden Tanzeinlagen zeichnet Paul Glaser verantwortlich.

Es gehört zu den Eigenheiten des English Theatre, neben bekannten und beliebten Sujets immer wieder Stücke von Autoren ins Programm zu nehmen, die einem breiten Publikum in Deutschland völlig unbekannt sind. Ein großes Dankeschön dafür geht an Direktor Clifford Dean. Denn er entdeckte Nilo Cruz, den 1960 auf Kuba geborenen Theaterautor, der mit seiner Familie im Alter von zehn Jahren in die USA emigrierte und in „Miami’s Little Havanna“ eine neue Heimat fand. In Amerika bereits durch Stücke wie „Anna and the Tropics“, „Exquisite Agony“ usw., berühmter Autor, der an verschiedenen amerikanischen Universitäten als Lehrer im Fach Drama bekannt ist, wartet noch auf seine „Erweckung“ in deutschen Landen. „The Beauty of the Father“ ist der erste Schritt in diese Richtung. Mit dem Titel wissen wenige etwas anzufangen. Um welche Schönheit geht es hier? Diese Frage mag sich jeder selbst beantworten, der dieses zeitgenössische Familiendrama gesehen hat. Die in diesem Stück behandelten Probleme sind uns Europäern ebenfalls nicht fremd. Nachdem im Deutschen Bundestag unlängst die Ehe für alle verabschiedet wurde, ist praktisch alles im familiären Umfeld zulässig. Auch die „Ménage-à-trois“ ist uns seit Langem geläufig. Auch dass noch ein Familienmitglied mit Migrationshintergrund wie der Marokkaner Karim hinzukommt, stellt kein Novum dar. Aus derartigen Familienkonstellationen entstehen zwangsläufig Konflikte, wie sie auch in „The Beauty of the Father“ zur Sprache kommen. Als Integrationsfigur fungiert hier Federico Garcia Lorca, der aus dem Nichts auf der Bühne erscheint und, obgleich schon ein Menschenalter tot, dem Familienoberhaupt Emiliano in dessen Fantasie bei der Bewältigung der Probleme hilfreich zur Seite steht. Garcia Lorca galt als eine der größten Hoffnungen der spanischen Literatur gleichermaßen als Poet und Stückeschreiber. In jungen Jahren, gerade einmal im Alter von 38 Jahren, wurde er durch seinen gewaltsamen Tod aus seinem vielseitigen Schaffen gerissen. Die Trauer über seinen viel zu frühen Tod veranlasste Nilo Cruz, ihm als Alter Ego seines Protagonisten Emiliano neues Leben einzuhauchen. Was dem Autor grandios gelungen ist.

„The Beauty of the Father“ läuft bis einschließlich 13. April 2019

Tickets unter der Telefonnummer 040-227 70 89 oder online unter www.english-theatre.de

Nächste Premiere von „Moonlight and Magnolias“, Komödie von Ron Hutchinson, am 25. April 2019

„Here lies Jeremy Troy“ by Jack Sharkey – the New Play at the English Theatre of Hamburg

What to do on a grey November evening in Hamburg? You can either have an early night in bed, prepare yourself a nice hot cup of tea or

By Uta Buhr
Photos: Stefan Kock

Darling, I’ll be back in a couple of hours to prepare our dinner

What to do on a grey November evening in Hamburg? You can either have an early night in bed, prepare yourself a nice hot cup of tea or – much better – buy a ticket for the English Theatre of Hamburg und rejoice in the farce “Here lies Jeremy Troy”, written by Jack Sharkey as early as 1965. Although this hilarious comedy is an “old hat”, so to speak, it has not lost any of its charm since it premiered on Broadway some fifty years ago. What do you think when you hear or read the title “Here lies Jeremy Troy?” In fact, English is a tricky language, since to lie has to meanings. You may either lie on your sofa or lie to your wife or boss. The latter meaning is to be dishonest to somebody. The spectator will soon find out which meaning applies to Jeremy Troy, the “hero” of this play.

Hi daddy, I’m in real good company

We meet Jeremy and Kathryn Troy – a well-heeled couple (James Walmsley and Debbie Radcliffe in top form) – in their cosy apartment in West Rutherford, New Jersey, just a few miles away from New York City. Jeremy, a lawyer who is up for a partnership, has invited his big boss for dinner tonight. Kathryn leaves the house to do her shoppings and Jeremy is left alone with his ideas how to convince his boss to make him a partner in his law firm. The setting seems so be perfect until an old school chum of Jeremy’s turns up out of the blue. Charles “Charly” Bickle (funny as usual Stephen Chance), a notorious sponger, turns up at the Troy’s doorstep and blackmails Jeremy into putting him up this night. Charly discovers that Jeremy’s law degree is a fraud. Charly is getting his way – and what a cheek – even hires a “model” by phoning an agency in the city. Tina Winslow (sweet and naïve Isobel Wood) is a real eye-catcher in her canary-yellow outfit revealing pretty long legs. When Kathryn unexpectedly comes home, she is shocked to see this young woman in her home whom she suspects to be Jeremy’s lover. She leaves the apartment “for good” as she shouts and disappears. Poor Jeremy is in real trouble. Who on earth is going to cook the dinner and entertain his boss Sven Ivorsen? Jeremy has a brilliant idea. Why not make attractive Tina with her charming Southern drawl his wife for this night’s reception? Tina consents, and the party can start. Sven Ivorsen (Alan Booty at any time good for waves of laughter), a powerful man with a loud voice, turns up dressed formally in a tuxedo and is deeply impressed by Jeremy’s charming replacement spouse. Even Tina’s inedible food does not spoil the dinner party. The four of them – Jeremy, Tina, Charly and boss Ivorsen – are in high spirits drinking wine and making jokes just to the moment when Kathryn appears on the scene. Jeremy as an experienced liar presents his real wife to Ivorsen as Ingeborg, Princess of Rumania, although Ivorsen has his doubts that this is a genuine Romanian name. The chaos created by the host and his classmate Charly culminates in Jeremy’s confession that he never passed his exam as a lawyer at any university. He admits that he wanted to impress his beloved Kathryn by presenting a title that he never deserved. Kathryn forgives her husband on the spot. But what about the reaction of boss Sven Ivorsen when learning the truth about his partner-to-be Jeremy Troy? Dear spectator, come and enjoy this wonderful screwball comedy that will give you an answer to this             question. After all, Sven Ivorsen, a cunning lawyer himself, has the last word: “Honesty is the best policy”, he preaches to the audience who thanks the performers with a long lasting applause.

Good Lord, what a terrible mess!

Although “Here lies Jeremy Troy” was already written in 1965 and premiered the same year on Broadway, it has not lost its relevance to the presence. In our daily life we meet people – not least in politics – who are masters of glossing over their true situation, including their curriculum vitae. Mostly without any consequences. “Orbis terrarum vult decipi”, the wise Romans already knew human nature all too well. Nothing has changed yet. We repeat this dictum in good English: Halas, the world will be deceived.

The American author Jack Sharkey who was born in Chicago in 1931 and died 1992, began his career as a writer at the early age of ten years. He wrote altogether 83 plays – mostly comedies, but also thrillers such as “Murder House” – and became one of America’s foremost playwrights. “Here lies Jeremy Troy” was his hit number one which proved an applauding success on Broadway. One of his critics wrote enthusiastically “A hilarious farce, sexy but nice, a comedy with witty dialogue. One just can’t help laughing throughout the play.” And another one added: “Jack Sharkey has a hit on his hand.”

Final performance of “Here lies Jeremy Troy” on February 2, 2019

Tickets under phone number 040 – 227 80 89, online booking under www.englishtheatre.de 

Next premiere: “Beauty of the Father” bv Nino Cruz, on February 14, 2019

Premiere am English Theatre: „Here lies Jeremy Troy“ von Jack Sharkey

Von Uta Buhr
Fotos: Stefan Kock

Liebling, ich bin rechtzeitig zurück zu unserem Dinner

Wenn der Winter naht, die Tage kürzer werden und graue Nebel über der Alster wabern, ist es Zeit für eine Komödie auf der Bühne des Theaters an der Mundsburg. In diesem Jahr hat Direktor Bob Rumpf aus einem reichen Angebot ein besonders witziges, temporeiches Konservationsstück ausgewählt, das man durchaus mit den früher am Broadway und in Hollywood so beliebten Screwball Comedies vergleichen kann. Dabei spielt es keine Rolle, dass der amerikanische Erfolgsautor Jack Sharkey dieses Lustspiel bereits im Jahre 1965 schrieb. Denn jene im Stück aufgespießten menschlichen Schwächen wie Eifersucht, Betrug und Verrat sowie alle daraus resultierenden Irrungen und Wirrungen sind heute so aktuell wie eh und je.

Jack Sharkey, geboren 1931 in Chicago und gestorben 1992, begann seine schriftstellerische Karriere bereits im zarten Alter von zehn Jahren und brachte es im Laufe seines Lebens auf 83 Theaterstücke, darunter auch Mystery Plays und Thriller. Früh übt sich, wer ein Meister der Sprache werden will. Mit dem etwas verwirrenden Titel des hier besprochenen Stückes „Here lies Jeremy Troy“ legt Sharkey den ersten Fallstrick. Denn ins Deutsche übersetzt kann dies sowohl „Hier liegt Jeremy Troy“ als auch „Hier lügt Jeremy Troy“ heißen. Wer gut aufpasst, findet schnell heraus, um welche semantische Variante es sich hier handelt.

Hallo Paps, ich bin in echt cooler Gesellschaft

Das Stück beginnt etwas behäbig in einer schicken, im Stil der sechziger Jahre eingerichteten Wohnung in New Jersey im Weichbild New Yorks. Das Ehepaar Jeremy und Kathryn Troy erwartet Jeremys Boss Sven Ivorsen zum Abendessen. Dieser will Jeremy, das beste Pferd im Stall seiner New Yorker Anwaltskanzlei, bei dieser Gelegenheit anbieten, sein Teilhaber zu werden. Soweit so gut. Oder? Alles wäre perfekt, wenn die Sache nicht einen klitzekleinen Schönheitsfehler hätte. Jeremy hat nie ein juristisches Staatsexamen abgelegt, was ihn zum Anwalt qualifiziert. In dürren Worten: Er hat seine Umgebung jahrelang belogen. Also „hier lügt Jeremy Troy.“ Damit ist die Bedeutung des Titels klar. Auch Ehefrau Kathryn, die Jeremy mit seinem Titel beeindrucken wollte, ahnt nichts von seinem Betrug. Aber die Nemesis, die griechische Göttin der Rache und der ausgleichenden Gerechtigkeit, naht in der Person des alten Freundes Charles „Charly“ Bickle (skurril Stephen Chance). Dieser Schnorrer aus alten Studententagen. der sich mit allen denkbaren Tricks über Wasser hält, versucht sich wenig erfolgreich als Kunstmaler und ist darauf aus, sich bei den Troys einzunisten. Als Druckmittel dient ihm sein Wissen um Jeremys Lüge bezüglich seines juristischen Universitätsabschlusses. Damit sind alle Voraussetzungen für eine turbulente Komödie mit einer endlosen Reihe von Missverständnissen und Verwechslungen geschaffen, zumal Charly auch noch die Chuzpe besitzt, sich durch eine Modelagentur eine junge attraktive Dame ins Haus der Troys zu bestellen. Tina Winslow, das „Model“ mit den endlos langen Beinen, betritt in einem kanariengelben figurbetonten Kleid die Szene. Dass sie in dem singenden Tonfall der Südstaatler parliert, macht sie für die anwesenden Herren umso reizvoller. Wenig begeistert zeigt sich allerdings Ehefrau Kathryn, die empört das Haus verlässt, weil sie Tina (Isobel Wood zum Anbeißen hübsch und zauberhaft naiv) für die Geliebte ihres Mannes hält. Was tun, wenn die Hausfrau den Boss des Ehemanns nicht empfangen kann? Dem gewieften Jeremy fällt gleich die Lösung ein. Tina muss einspringen und die Aufgaben Kathryns für diesen Abend übernehmen. Über ihre eher begrenzten Kochkünste sehen alle Beteiligten, einschließlich Boss Sven Ivorsen, gern hinweg. Zwischenruf: Alan Booty als schwergewichtiger Anwalt im Smoking, der mit seinem homerischen Lachen die Gesellschaft aufmischt, ist einfach herrlich! Aber weiter im Text. Als Kathryn Troy (Debbie Radcliffe sehr professionell als Sturm und Wetter erprobte Ehefrau) mitten in die gemütliche Dinnerrunde platzt, die hier auch noch gegenüber Ivorsen als Ingeborg, Prinzessin von Rumänien gehandelt wird und dabei gute Miene zum bösen Spiel macht, wird es eng für Jeremy. Da hat er sich mit seinem „bestman“ Charly doch in der Tat ein trojanisches Pferd ins Haus geholt, aus dessen Bauch die schöne Tina entstiegen ist. Aha, der Autor wollte wohl mit dem Nachnamen Troy – zu deutsch Troja – sein Publikum noch zusätzlich auf’s Glatteis führen. Nun helfen alle Lügen nicht mehr. Jeremy muss beichten. Verzeiht ihm Kathryn, sieht Boss Ivorsen ihm den Betrug nach und macht ihn trotzdem zum Partner? Hier muss die Rezensentin wieder das Publikum bitten, dies selbst herauszufinden. Denn der Schluss eines Stückes – ob Komödie oder Thriller – darf nicht verraten werden. Nur soviel: Es wird noch richtig turbulent, als Jeremy Troy (James Walmsley in Hochform) sich unter dem Druck der Verhältnisse als Hochstapler outet. Das Schlusswort von Sven Ivorsen wollen wir dem geneigten Publikum nicht vorenthalten. „Ehrlich währt am längsten“, spricht der selbst mit allen Wassern gewaschene Staranwalt. Und damit ist alles gesagt.

Gütiger Gott, welch ein Chaos!

Noch ein paar Takte zum Autor Jack Sharkey: Obwohl dieser außerordentlich talentierte Schreiber eine schier endlose Reihe von erfolgreichen Stücken – u.a. „Take a Number, Darling“, „The Murder Room“ und „Rich is Better” verfasst hat, steht wenig über ihn im Internet. Wahrscheinlich ist es der gleichlautende Name, den er mit dem US-Boxweltmeister 1932/33 im Schwergewicht teilt. Jener Sportler litauischer Herkunft nimmt noch heute viel Raum im world-wide-web ein. Boxer schlägt Literaten. Allerdings hier nur im übertragenen Sinne.

„Here lies Jeremy Troy“ läuft bis einschließlich 2. Februar 2019

Tickets unter der Telefonnummer 040 – 227 70 89 oder online unter www.english-theatre.de

Nächste Premiere: „Beauty of the Father“ , Schauspiel von Nino Cruz, am 14. Februar 2019