Golf & Genuss an der Lübecker Bucht

von Marita Weber-Hagel

(c) Maritim Golfpark Ostsee /Warnsdorf

Darf’s Golfurlaub an der Lübecker Bucht sein? Wer jeden Tag eine neue golferische Herausforderung sucht, die See liebt und nach der Runde feines Essen schätzt, ein paar Regentropfen als herrliche Erfrischung begrüßt und die Schicki-Mickis am liebsten in sicherer Entfernung weiß, der sollte sich gen Norden aufmachen.
Sie haben die Wahl, denn an der Lübecker Bucht gibt es sieben Golfclubs: von Fehmarn über Grömitz, Timmendorf, Warnsdorf, Brodauer Mühle, Travemünde bis hin zu Hohen Wieschendorf. Von elitär bis rustikal, von platt bis alpin, von preiswert bis teuer, von beschaulich bis belebt – alles da. Und die meisten Anlagen liegen so nah beieinander, dass man von Platz zu Platz bequem in zehn bis 30 Minuten Autofahrt gelangt.

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HOPE FOR CHANGES – die 7. Triennale der Photographie in Hamburg hat begonnen

Text und Fotos: Ele Runge 

Wie lange können wir noch so weitermachen wie bisher? Für Krzysztof Candrowicz, Kurator der 7. Triennale der Photographie 2018 in Hamburg, ist dies eine der zentralen Fragen, vor der die Welt heute steht. Eine Frage, die auch für das Thema der Triennale  BREAKING POINT – SEARCHING FOR CHANGE einen Antrieb bildet. Und so haben sich in dem kollaborativen Projekt, das drei Jahre lang vorbereitet wurde, 90 verschiedene Kunstorte zusammengefunden, um 25 000 fotografische Arbeiten von 320 Künstlern zu zeigen, die sich alle mit der Frage beschäftigt haben, wo Veränderungen angesetzt und in Bewegung gesetzt werden können. Die Photographie sei dabei auch eine Möglichkeit Themen zu übermitteln, die sich verbal nur schwer ausdrücken lassen, sagt Krzysztof Candrowicz.

PHOBOS EX MACHINA

In diese Kategorie gehören sicherlich die beiden polnischen Künstler Ewa Ciechanowska und Artur Urbanski, die ihre Installation PHOBOS EX MACHINA in einem der Schiffscontainer ausstellen, die rund um die Hamburger Deichtorhallen zu finden sind. Sie zeigen Videos von Bäumen, die bei Stürmen entwurzelt werden. Auf dramatische Weise heben sich in langsamem Tempo Asphalt und Erdreich, die großen Bäume fallen … auf Häuser, Autos, Menschen, die vielleicht gerade so der Gewalt entkommen können. Daneben können die Besucher anhand von Statistiken nachlesen, wie viele Menschen pro Jahr von umfallenden Bäumen verletzt oder sogar erschlagen werden. Am Stellvertreterbeispiel der ‚Bedrohung durch fallende Bäume‘ werfen die Künstler die Frage auf, wie stark wir durch die Medien manipuliert werden, indem diese bestimmte Ängste schüren und die Menschen dadurch in eine gewünschte Richtung lenken. Wie würde sich unsere Wahrnehmung ändern, so fragen die beiden Künstler, wenn Bäume, denen die Bevölkerung bislang kaum ängstlich gegenüber steht, uns künftig zunehmend als massive Gefahrenquelle präsentiert würden?

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Ungarn? Europa?

von Ferenc Horvath

Foto: Ferenc Horvath

Ungarn befindet sich geografisch gewiss in Europa.  Wenn man aber die heutige Presse hört, bekommt man irgendwie das Gefühl, als ob sich Ungarn irgendwo auf dem Mond befände und als ob die Ungarn ein wirklich seltsames, eigentlich fast außerirdisches  Volk wären. Genauso fühlen sich die Ungarn, wenn es um die Politik der EU geht. Die beiden Parteien scheinen einander nicht mehr verstehen zu können und verstanden zu werden. 

Diese Tatsache  macht das Leben für ungarisch Stämmige in Deutschland heutzutage seit einiger Zeit ganz schwer.  Sie fühlen sich ein wenig gebrandmarkt und wollen sich über das Thema lieber nicht austauschen.In diesem Fall nutzen aber nur ein ständiger Dialog, eine ständige Feinabstimmung und eine gegenseitige, aufeinander zugehende Aufklärung.

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Das Schweigen der Mütter

von Maren Schönfeld

Buchcover

zu dem Roman „Die Kuschellüge“ von Brigitte Cleve

Als die Protagonistin Laura nach fast zwanzig Jahren wieder in das Ferienhaus der Familie zurückkehrt, um dort die Haushaltsauflösung voranzutreiben, ergreifen sie traumatische Erinnerungen. Ihren Freund, der sie begleitet, weist sie aggressiv zurück. Ihr Aufenthalt in dem Haus beschert ihr ein Déjà-vu nach dem anderen, ausgelöst von Dingen wie dem Kacheldekor in der Dusche. Was war geschehen in dem einen Sommer mit Onkel Edi, der auf die damals Elfjährige aufpassen sollte? Und wer wusste davon?

Brigitte Cleves klar und taktvoll geschriebener Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. Diese Geschichte könnte sich überall abgespielt haben, denn in den meisten Fällen findet Missbrauch in der eigenen Familie oder im engeren sozialen Umfeld statt. Wie die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von Kindesmissbrauch in einer Studie 2016 ermittelte, waren in 70 Prozent der 200 untersuchten Fälle die Täter aus Familie und sozialem Umfeld. Dass die Familien den Opfern nicht glauben, dass die Mütter meistens Bescheid wissen und wegsehen, ist für die Opfer sehr verstörend.[1]

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Revolutionäres Potenzial

von Götz Egloff

Buchcover

Rezension zu Zana Ramadani: Die verschleierte Gefahr. Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen. Europa-Verlag, Berlin, 2017

Politische Korrektheit ist zu einem Menetekel geworden. Einst als sprachbewusste Kategorie gestartet, hat sich der Begriff von Gegenständen und Sachverhalten abgelöst und rückverwandelt nun die Realität in bloße Sprachspiele. Wenn alles eingeebnet ist und gut Begründetes gleichrangig neben schlecht oder gar nicht Begründetem steht, ist alles gleichwertig. Kultur heißt aber auch, Unterscheidungen treffen zu können. Politische Korrektheit ist eben nicht wissenschaftliche, auch nicht epistemologische Korrektheit, sondern ein politischer Imperativ, den man teilen kann oder eben nicht. In der jetzigen Handhabung ist er brandgefährlich, nicht nur weil er gesellschaftliche Machtstrukturen verschleiert mitsamt Denunziation und Exkommunikation ihrer Gegner, sondern weil Bedeutungsfelder ausgeblendet werden, die latent bleiben, aber erspürt werden.

Zum Glück hat die ehemalige Femen-Aktivistin Zana Ramadani das begriffen und letztes Jahr ein Buch vorgelegt, das ihr – wie könnte es anders sein – einiges an Scherereien gebracht hat. Doch mutig genug, heiße deutsche Eisen anzufassen, konnte sie schon bei Femen ihr Engagement unter Beweis stellen, als sie im Jahr 2013 mit ihren Kolleginnen Heidi Klums Verkennungs-Wettbewerb, genannt ´GNTM´, bloßstellte. Im Nachgang zu der Aktion kam bei Femen-Aktivistin Hellen Langhorst ein seltsamer Rechtfertigungsdruck auf, den jene jedoch angemessen agierte: Femen kämpfe gegen Sexindustrie, Religion und Diktatur. ´Diktatur, wo?´ mochten manche fragen, ´in Nord-Korea?´ Oder vielleicht in unseren Köpfen? Nichts weniger als die allumfassende Diktatur des marktradikalen Neoliberalismus war kurzerhand Thema. So machten Femen einen gesellschaftlichen blinden Fleck mittels situativer Objektivierung sichtbar, und deren Bild-(Ver)störung bewirkte allerhand Unruhe, die im kurzatmigen medialen Raum gleichermaßen Wellen schlagen wie verhallen musste.

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Hommage: Über die Kurzprosa von Johanna Renate Wöhlke

von Dr. László Kova

Johanna Renate Wöhlke bei der Internationalen Gartenschau 2013 in Wilhelmsburg

Eines Tages besuchte ich gerade eine renommierte Galerie in der Stadtmitte Hamburg, um dort anlässlich einer Vernissage nach spannenden Bildern für meine neue Wohnung zu suchen. Ich tat das natürlich nur als witziges Spiel, da ich als Maler ausreichend Bilder habe. Die Ausstellung, die mir übrigens gar nicht gefiel, sah ich mir lustlos an. Plötzlich drückte mir eine hübsche Hostess ein Glas Sekt in die Hand und begleitete mich in einen Raum, in dem schon viele Menschen auf einer breiten Edelholztreppe saßen  und auf den Beginn des Erzählabends einer Studentin warteten, die sichtlich aus der fernen arabischen Welt stammte.

Märchen für mich?  Nein!, sagte ich mir, aber der Rückweg war hinter mir schon versperrt. Und sie fing eben mit ihrer Vorführung an. Sie erzählte keine Märchen. Aber auch keine Wahrheiten. Sie erzählte Geschichten, die sie in ihrer Kindheit von ihrer Großmutter und von alten, ehrwürdigen Dorffrauen gehört hatte, die sie an warmen Abenden vor den Hütten im Sand sitzend den Familienmitgliedern und gelegentlichen Zuhörern vortrugen. Diese Geschichten sind nicht aufgeschrieben, sie werden in Tausenden von Variationen immer wieder erzählt, sie haben keinen Anfang und kein Ende, sie gehen ineinander über, sie schweben und fließen, sie reißen die Hörerschaft mit. Der Zuhörer fühlt die eigene Person ins Geschehen hineingezogen, man ist mitten drin, man verliert das Raum- und Zeitgefühl, man hört nicht nur zu, man handelt im Geschehen mit, man glaubt, dass alles in diesem Moment passiert.

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Wir trauern um Ruth Geede, die Große Dame der Auswärtigen Presse

Ein Nachruf

von Uta Buhr

Ruth Geede

Ich begegnete Ruth Geede, die mit bürgerlichem Namen Ruth Vollmer-Rupprecht hieß, zum ersten Mal während einer ihrer Lesungen. Obwohl seinerzeit bereits über achtzig, beeindruckte sie mich mit ihrer Frische und jugendlich heiteren Ausstrahlung. Mit klarer Stimme las sie aus einer ihrer ostpreußischen Erzählungen und beantwortete später geduldig alle an sie gerichteten Fragen. Sie war eine gute Erscheinung, stets elegant gekleidet und sorgfältig frisiert. Ihr pechschwarzes Haar mit dem exakt gezogenen Mittelscheitel war ihr Markenzeichen bis ans Ende ihres langen Lebens.

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“I Love You, You’re Perfect, Now Change – The New Play at the English Theatre of Hamburg

by Uta Buhr
Photos by Stefan Kock

Hey folks, listen to the wise words of Dr. William Masters

Ladies and Gentlemen, welcome to a hilarious Off-Broadway show, featuring four highly gifted actors! The best thing: in order to enjoy this outstanding comedy, you do not even have to fly to New York. Just buy ticket and make yourselves comfortable in one of the seats at the English Theatre of Hamburg. After the much talked about classic “The Picture of Dorian Gray” now a musical! Why not? The “regulars” – meaning those who have been loyal to the Mundsburg stage for many, many years – like diversity in the theatre’s choice: start with a drama, go on with a musical or a comedy and end up with a thriller.

By doing so, you attract people who like to go to plays.

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“I Love You, You’re Perfect, Now Change“ – die neue Premiere am English Theatre of Hamburg

von Uta Buhr
Fotos: Stefan Kock

Leute, hört auf die Ratschläge von Dr. William Masters

Um Kontrastprogramme war das Theater an der Mundsburg noch nie verlegen. Und das ist auch gut so. Auf Oscar Wildes Klassiker „Das Bildnis des Dorian Gray“ folgt nun nahtlos eine ausgeflippte Off-Broadway-Comedy, die es in jeder Hinsicht in sich hat. Nur vier singende und tanzende Schauspieler, zwei Frauen und zwei Männer, bestreiten dieses temporeiche Musical und übernehmen nacheinander eine Anzahl unterschiedlichster Rollen und Charaktere.

Genau genommen hat dieses revueartige Stück keine richtige Handlung. Hier reiht sich eine Sequenz an die nächste und erzählt in teilweise witziger oder melodramatischer Weise vom Leben und Wirken ganz normaler Menschen, von den Höhenflügen romantischer Liebe bis in die Niederungen von Alter und Einsamkeit. Continue reading „“I Love You, You’re Perfect, Now Change“ – die neue Premiere am English Theatre of Hamburg“

Abschied von Ruth Geede

In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser Ehrenmitglied Ruth Geede am 17. April 2018 verstorben ist. Sie war am 13. Februar 1916 geboren und die älteste noch tätige Journalistin der Welt. Ein Nachruf wird in Kürze hier erscheinen.

Die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung findet statt am Donnerstag, den 3. Mai 2018, um 13:30 Uhr in der Barockkirche Hamburg-Niendorf, Niendorfer Marktplatz.

 

Traueranzeige Ruth Geede

Aller guten Dinge sind drei

Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern ist ein Schweizer Unternehmen mit deutschem Namensgeber und US-amerikanischen Gründern

von Dr. Manuel Ruoff

Nestlés vor gut zwei Jahrhunderten am 10. August 1814 geborener Namensgeber, Heinrich Nestle, war gelernter Apotheker. Der liberale Geist wich 1839 vor staatlicher Repression in die französischsprachige Schweiz aus. Er ließ sich in Vevey, dem heutigen Hauptsitz von Nestlé, nieder und änderte seinen Namen in Henri Nestlé. Mit der finanziellen Hilfe seiner in der Heimat gebliebenen Verwandtschaft machte er sich mit einer Mühle mit Brennerei selbstständig. Mit Hilfe seiner chemisch-pharmazeutischen Kenntnisse stellte er unter anderem Flüssiggas aus Pflanzenöl her und verkaufte es von 1858 bis 1862 an Vevey für dessen Straßenbeleuchtung. Dann stellte jedoch die Stadt von Nestlés Flüssiggas auf selbst erzeugtes Steinkohlengas um. Nestlé brauchte ein neues Massenprodukt.

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Wenn Honoratioren Geburtstag feiern….

von Uta Buhr

Eingangsbereich von „The Fontenay“

An einem strahlend schönen, wenn auch kalten 24. Februar öffnete „The Fontenay“, das neue Luxushotel an der Außenalster, extra für die Geburtstagsfeier von Günther Falbe seine Pforten. Über 40 Gäste, alles Freunde des Jubilars, waren eingeladen, um mit dem inzwischen Neunzigjährigen dieses besondere Fest ebenso würdig wie fröhlich zu begehen. Denn – man verzeihe mir diese Binsenweisheit – 90 wird man nur einmal im Leben!

Die Eröffnung des „The Fontenay“ findet erst am 19. März 2018 statt. Doch Günther hatte mit dem ihm eigenen Charme durchgesetzt, dass für ihn eine Ausnahme gemacht wurde. Eigentlich war der 20. Oktober – Günthers offizieller Geburtstag – für die Feier geplant, die Einladungen an die Gäste schon lange verschickt. Aber wie das Schicksal so spielt, ergaben sich im Zuge der Bauphase mehrere Pannen und andere Missgeschickte, so dass der Termin der Eröffnung immer weiter hinausgeschoben werden musste. Continue reading „Wenn Honoratioren Geburtstag feiern….“

Einigkeit oder Recht?

von Manuel Ruoff

Bismarck
Quelle: Pixabay .com

Bismarck stellte mit der Indemnitätsvorlage die nationalliberale Bewegung vor die Gretchenfrage
Wilhelm I. hatte 1862 Otto von Bismarck zu seinem Regierungschef ernannt, weil dieser bereit war, notfalls auch gegen die Abgeordnetenhausmehrheit die von seinem König gewünschte Heeresreform durchzusetzen. Und in der Tat hatte Bismarck die Reform durchgesetzt, ohne dass die dafür nötigen Finanzmittel vom dafür zuständigen Parlament mit seiner liberalen Mehrheit genehmigt worden wären. Entsprechend unbeliebt war Bismarck bei seinen liberalen Landsleuten.

Einigungskriege
Die beiden ersten Einigungskriege führten jedoch zu einem Stimmungswandel. Das lag in diesem Falle nicht nur daran, dass Regierungen durch die Bank von gewonnenen Kriegen profitieren. Vielmehr stellten sich viele die Frage, ob die Siege auch ohne die Heeresreform möglich gewesen wären und ob durch sie Bismarcks Verfassungsbruch nicht nachträglich gerechtfertigt werde. Und viele sahen die Siege gegen Dänemark und Österreich als erste Schritte auf dem Weg zur deutschen Einheit. Die Vereinigung zumindest Norddeutschlands bis zum Main war Bismarck ja in der Tat mit den beiden ersten Einigungskriegen gelungen. Die Gründung des Norddeutschen Bundes zeichnete sich ab. Diese Entwicklung brachte insbesondere die nationalliberale Bewegung in die Bredouille. „Einigkeit und Recht und Freiheit“, waren ihr Ziel. Das Recht hatte Bismarck gebrochen, der zumindest kleindeutschen Einigung schien er Deutschland näher gebracht zu haben. Nun stellte Bismarck mit der sogenannten Indemnitätsvorlage die Gretchenfrage.

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“The Picture of Dorian Gray” – The New Play at the English Theatre of Hamburg

by Uta Buhr
Photos: Stefan Kock

You don’t look well on this portrait, Dorian

Standing ovation for this exceptional performance of Oscar Wilde’s Dorian Gray that just premiered at the TET. Paul Glaser and his “crew” consisting of four young actors won the hearts of the audience from the very beginning. If you expect a lavish Victorian interior with fancy objects and crystal chandeliers, you will be surprised to find a setting reduced to a staircase leading to an attic and a few pieces of furniture such as an ottoman and some chairs. You virtually feel and smell late Victorian London in all its different facets, including the fog, once called pea soup, that still in the early sixties of the last century was so compact that you only heard your neighbour’s step when he or she nearly touched you. Darkness and sombre music create an eerie atmosphere and remind you of Jack the Ripper who made Whitehall virtually a “no go area” at the time. Sure enough, dear spectator, the gloomy atmosphere makes the blood run cold in your veins.

The plot: Handsome and innocent Dorian Gray, an offspring of a wealthy English family, has his portrait made by a famous artist named Basil Hallward. During his sittings he meets the immoral aristocrat Lord Henry Wotton who is impressed by Dorian’s beauty. Continue reading „“The Picture of Dorian Gray” – The New Play at the English Theatre of Hamburg“

“The Picture of Dorian Gray” – die neue Premiere am English Theatre of Hamburg

von Uta Buhr
Fotos: Stefan Kock

Du siehst aber gar nicht gut aus auf dem Bild, Dorian

Ein „Gothic“ an der Mundsburg! Kein Zweifel, noch stimmiger kann man dieses Glanzstück aus der Feder Oscar Wildes nicht auf die Bühne bringen. Das eigentlich für seine sehr hübschen, eher braven Bühnenbilder bekannte Theater hat sich diesmal an die Maxime gehalten, dass weniger oft mehr ist. Wer ein opulentes viktorianisches Dekor erwartet, wird von einem mit äußerst reduzierten Mitteln gestaltetes Szenario überrascht. Alles in allem eine sehr gelungene Inszenierung unter der Regie von Paul Glaser, dessen unverwechselbare dramaturgische Handschrift den Besuchern des TET bereits aus dem Ende April 2015 uraufgeführten Schocker „Thrill Me“ noch in Erinnerung sein dürfte.

„Das Bildnis des Dorian Gray“ ist wohl jedem Bildungsbürger und Theaterfan bekannt. Dennoch soll hier nicht auf eine längere Inhaltsangabe verzichtet werden: Lord Henry Wotton, ein ebenso eleganter wie zynischer Aristokrat, entdeckt während eines Besuchs bei dem berühmten Porträtmaler Basil Hallward das noch nicht vollendete Gemälde eines äußerst attraktiven jungen Mannes namens Dorian Gray. Continue reading „“The Picture of Dorian Gray” – die neue Premiere am English Theatre of Hamburg“

Unbunt eindringlich

Zur Ausstellung „18/I ihr habt es alle gewusst“ von Ele Runge im Berenberg-Gossler-Haus, Hamburg-Niendorf

von Maren Schönfeld
Fotos: Ele Runge

CARPETS, medusa, Fotofragmenteriung, 80 x 80 cm (Ele Runge)

Mit dem ersten Blick sieht das Auge grafische Formen, die wie Teppichmuster aussehen, allerdings fast nur in Schwarz, Grautönen und Weiß. Ich stehe zunächst weit entfernt. Deutlich und harmonisch erscheint mir das grafische Muster, oben und unten, rechts und links gespiegelt. Es strahlt eine Ordnung, Struktur und Symmetrie aus, die eine beruhigende Wirkung auf mich haben. Ich schaue diese Carpets, wie Ele Runge sie nennt, gern an. Dann trete ich näher und mit jedem Schritt vereinzelt der Blick die Elemente dieses Musters. Es sind keine grafischen Formen, sondern winzige organische: Menschen, gehend oder eng zusammen hockend, in Tücher gehüllt. Menschen, deren Gesichter resigniert sind. Menschen, die klagende Posen einnehmen, Menschen hinter Zäunen, Menschen auf der Flucht. Je tiefer ich in den Carpet eintauche, je dichter ich davorstehe, desto verstörender wirkt er. Trete ich zurück, verliert sich die Vereinzelung wieder, das Gebilde verwandelt sich erneut in eine grafisch strukturierte Fläche. Diese Symbolhaftigkeit empfinde ich sofort als stimmig: Die Masse des Leids berührt uns nicht, aber das einzelne Schicksal schon. Die vielen einzelnen Schicksale sind so eine große Masse, das sie uns überfordern. Wir nehmen sie als eine Art Abstraktion wahr. Bewegungen, Wanderungen finden statt, ohne dass wir sie beeinflussen können und egal, wie wir dazu stehen. Dort sind die Grenzen unserer auf Selbstoptimierung getrimmten Welt und dort ist auch der Rand unseres Suppentellers, über den hinauszuschauen Ele Runge uns auffordert. Continue reading „Unbunt eindringlich“

Der Zahn war nicht immer hohl

Vor 127 Jahren wurde der Grundstein zum Altbau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gelegt

von Manuel Ruoff

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gehört zu den Sehenswürdigkeiten West-Berlins. Außer der „Puderdose“ (Hauptbau) und dem „Lippenstift“ (Turm) gehört zu dem Ensemble auch der „hohle Zahn“. Im Gegensatz zu den Nachkriegsbauten des Architekten Egon Eiermann reicht die Geschichte von Franz Heinrich Schwechtens Altbau bis in die wilhelminische Zeit zurück.

Wilhelm II. hatte ein gestörtes Verhältnis zu seinen Eltern, der Mutter Victoria und dem von ihr stark beeinflussten Vater Friedrich III. Der liberale Fried­rich III. verhielt sich zwar loyal zu seinem Vater, aber er verfolgte eine andere politische Linie als der konservative Wilhelm I., was ihr Verhältnis belastete. Da verwundert es nicht, dass Wilhelm II. seinen Großvater mochte. Anfänglich mochte er auch dessen Kanzler Otto von Bismarck, aber das hatte sich über die Zeit so sehr geändert, dass er diesen 1890 zum Rücktritt drängte. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass Wilhelm II. für seinen Großvater die Bezeichnung „Wilhelm der Große“ durchsetzen und ihn als Heros der neusten preußischen und deutschen Geschichte hervorheben wollte.

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Na, wie heißen sie denn nun?

Erschienen im Hamburger Abendblatt

Eine Glosse von Lilo Hoffmann

Als ich neulich in einem Café frühstückte, setzte sich ein junger Vater mit Zwillingsjungs im riesigen Buggy an den Nebentisch. Ich sah zu, wie er die beiden mit Kakao und Milchbrötchen versorgte und erfreute mich an ihren strahlenden Gesichtern. Da es mich immer interessiert. wie Kinder heutzutage genannt werden, fragte ich den Vater, wie die beiden heißen. „Raten Sie doch mal!“, forderte er mich auf und gab mir gleich noch einen Tipp: „Ihre Namen haben jeweils nur drei Buchstaben.“ Nun war mein Ehrgeiz geweckt. Sofort startete ich den ersten Versuch: „Bestimmt heißen sie Max und Jan.“

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