Raumspuren Beyond Architecture – letzte Tage einer Ausstellung

Text und Fotos: Ele Runge

Piet Niemann, ‚Off Season I & II‘

Die Triennale der Photographie 2018 in Hamburg geht ihrem Ende entgegen. Nicht nur in den großen Häusern, sondern auch in den kleineren Off-Triennale-Galerien sind die letzten Ausstellungstage angebrochen. So auch in der BDA Hamburg Galerie (Bund Deutscher Architekten) in der Shanghaiallee 6, wo noch bis zum 7. September 2018 die Ausstellung ‚Raumspuren Beyond Architecture‘ besucht werden kann. Unter dem Themenfokus der Transformation zeigen vier Fotografen und Fotografinnen ihre persönlichen Blicke auf gebaute Realität. Sehr individuell behandelt jeder von ihnen die gemeinsame Frage danach, wie sich die Wandlungen der gebauten Strukturen auf die sozialen Aspekte des urbanen Lebens auswirken. Welche Spuren lassen sich verfolgen, wer nutzte die Orte früher und wie hat sich diese Nutzung verändert? Wie gehen die Menschen mit Gebäuden, öffentlichem Raum aber auch mit dessen Leerstellen um? Die vier Künstler*innen bieten hier ganz unterschiedliche Ansätze an, was die räumlich eher kleine Ausstellung recht dicht werden lässt.

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Kunst im Norden: NordArt 2018

Text: Witka Kova
Fotos: Dr. László Kova

„Wo befindet sich Büdelsdorf? Was wird dort jährlich veranstaltet?“, fragen viele, die mit Kunst, bzw. internationaler Kunst wenig zu tun haben.

Plakat NordArt 2018

Büdelsdorf befindet sich im Raum Rendsburg in Schleswig-Holstein, wo seit 1999 in den Sommermonaten eine internationale Ausstellung für zeitgenössische Kunst immer wieder unter anderer Konzeption veranstaltet wird. Die Bildpräsentation gewährt jedes Jahr ein besonderes Ambiente. Gemalte Bilder, Fotografien, Videos, Skulpturen und Installationen werden von mehr als 200 Künstlern aus aller Welt gezeigt. Diese Kunstwerke werden z.T. in der alten, historischen Eisengießerei Carlshütte (22.000 qm) zur Schau gestellt, z.T. im Freien im 80.000 qm großen Skulpturenpark. Ein Rundgang in den gegebenen Kulissen kann mehrere Stunden füllen: Es ist eine unterhaltsame und lehrreiche Weltreise durch die Kunst von heute.

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Vergessene Schätze heben: Meisterkurs in Husum

von Maren Schönfeld (Text und Fotos)

Ulf Bästlein und Hedayet Djeddikar

Am 23. Juli begann der 18. Meisterkurs für Liedgestaltung mit einem Eröffnungskonzert im Schloss vor Husum. Feride Büyükdenktas (Mezzosopran) und Ulf Bästlein (Bassbariton) sangen Lieder von Johannes Brahms, Gustav Jenner, Anton Bruckner und Martin Plüddemann, begleitet von den Pianisten Charles Spencer und Hedayet Djeddikar. Susanne Bienwald erzählte vom Netzwerken im 19. Jahrhundert.

Wie hieß er gleich? Plüddemann? Kennen Sie nicht? Keine Angst – die rund 80 Gäste des Konzerts hatten diesen Namen auch noch nicht gehört. Ganz im Gegensatz zu Ulf Bästlein, dem gebürtigen Husumer, in Graz lebend. Er hat sich den unbekannten, vergessenen Komponisten der Liedkunst verschrieben, und sein derzeitiges Projekt heißt Gustav Jenner. Bästlein möchte Jenners Kompositionen mit Konzerten und einer CD zu neuer Aufmerksamkeit verhelfen und teilte bereits in seiner Eröffnungsrede mit, dass er sein Preisgeld aus dem Hans-Momsen-Preis, den er dieses Jahr erhält, komplett in dieses Projekt investieren wird.

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Lyrischer Spaziergang an den Gestaden der Elbe

von Uta Buhr

(c) Wiesenburg Verlag

Dieses kleine Buch – es umfasst knapp 80 Seiten – hebt sich wohltuend von so manchem Werk ab, das sich wortreich mit den Befindlichkeiten Hamburgs beschäftigt und allzu oft dieselben Sujets in den Mittelpunkt stellt. Mit „Töne, metallen, trägt der Fluss“ hat Maren Schönfeld einen Band vorgelegt, der Lyrik und Prosa rund um Geschichten und Geschicke der Hansestadt elegant mit einander verbindet.

Postkartenromantik ist nicht die Sache der Autorin. Sie richtet ihr Augenmerk nicht auf die allseits bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt, sondern leuchtet völlig andere Aspekte aus. Und dies in der ihr eigenen klaren Sprache. Das Gedicht „Heute Nacht“ ist ein besonders schönes Beispiel ihres schnörkellosen Stils: „Durch die Zahnlücken / der Stadt pfeift / Sturm heute Nacht // das Lied der verlorenen / Gedanken, die wir suchen“ Dem Stadtteil Ottensen – im Volksmund „Mottenburg“, in welchem Maren Schönfeld seit Langem wohnt, widmet sie vier Strophen, in welchen sie den Wandel eines ehemaligen Industriestandortes  mit rauchenden  Schornsteinen und rußigen  Häuserfassaden in einen sogenannten „In“-Stadtteil beschreibt. Hier im ehemaligen Quartier der armen Glasbläser, deren Lungen durch ihr aufreibendes Metier irreparable Schäden erlitten, die der Volksmund sarkastisch „Motten“ nannte, leben heute vornehmlich Künstler und arrivierte junge Leute, die gern ihren Latte Macchiato in einem der vielen Cafés und Bistros genießen. Sie wissen nichts von dem Elend, in welchem die Altvorderen dieses Quartiers einst ihr Leben fristeten. „Lyrischer Spaziergang an den Gestaden der Elbe“ weiterlesen

Mutter der »Wurzelkinder«

Die Kinderbuchautorin und -illustratorin Sibylle von Olfers

von Dr. Manuel Ruoff

Buchcover
(c) Esslinger Verlag

Wenn einer Kinderbücher macht, kann es nicht schaden, wenn er pädagogisch begabt, zu bildhafter Darstellung fähig sowie phantasievoll ist, um nicht zu sagen verträumt. Für die Macherin des Jugendstil-Klassikers „Etwas von den Wurzelkindern“ traf alles drei zu. Die am 8. Mai 1881 auf Schloss Metgethen bei Königsberg geborene Sibylle von Olfers entstammte einer Schriftstellerfamilie. Zu ihren Tanten gehörte die Schriftstellerin, Illustratorin und Salonnière Marie von Olfers, die unter dem Pseudonym Maria Werner neben Gedichten und Novellen auch Kinderbücher herausgab, die sie selbst illustrierte. In den Sommermonaten besuchte Maria von Olfers die Familie ihres Bruders und hatte auf ihre Nichte dabei großen Einfluss.

Dass die Natur in Sibylle von Olfers Werk eine derart große Rolle spielt, kommt nicht von ungefähr. Ihr Vater war Naturforscher und Naturfreund und ließ mit seiner Frau die reiche Kinderschar für damalige Verhältnisse ziemlich ungezwungen von gesellschaftlichen Konventionen und Zwängen aufwachsen. Der Vater konnte das Gut nicht halten und mit 17 Jahren kam Sibylle zu ihrer Tante nach Berlin. Sibylle von Olfers, die ihre Naturverbundenheit auch in der Großstadt bewahrte, wurde durch ihre Tante nun noch systematischer in Zeichnen und Malen ausgebildet, als es vorher schon während der Sommerbesuche der Fall gewesen war.

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Kurzgeschichtenpreis der Hamburger Autorenvereinigung vergeben

von Maren Schönfeld

Heike S. Hartmann-Heesch, Birgit Rabisch, Karsten Meyer (Foto: Detlef Heesch)

Birgit Rabisch (1. Platz), Karsten Meyer (2. Platz) und Heike Suzanne Hartmann-Heesch (3. Platz) sind die Gewinner des zum zweiten Mal ausgeschriebenen Kurzgeschichtenpreises.

„Heimat“ lautete das Motto des Preises, an dem nur Mitglieder der Hamburger Autorenvereinigung teilnehmen konnten. Sechs Texte schafften es in die Endrunde, das Publikum kürte am 28. Juni die drei Gewinner. Vor mehr als 80 Gästen fand die öffentliche Lesung in den Bethanien-Höfen in Eppendorf statt. Nachdem die Vorsitzende Sabine Witt die Anwesenden begrüßt hatte, führte Wolf-Ulrich Cropp (Stellvertretender Vorsitzender) durch den Abend.

Die sechs Finalisten hatten das Thema ganz unterschiedlich umgesetzt

Naheliegend ist es, Lebens- oder Kindheitserinnerungen mit dem Motto zu verknüpfen, wie es in einigen Erzählungen auch geschah. Erinnerungen an Kriegszeit und Flucht, an eine Kindheit in einer deutschen Kolonie in Oranienbaum, einmal von Cordula Scheel in nahezu lyrischen, detailreichen Bildern geschildert, einmal von Heidrun Schaller wie ein Blitzlicht ins Gestern gesetzt. Mit einer bildkräftigen und leidenschaftlich vorgetragenen Hommage an den Hamburger Dom präsentierte Hans Krech seine Variante des Wettbewerbsthemas.

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BuchEntdecker 2018

Foto: Sinje Hasheider

Hamburgs längster Tag der Kinder- und Jugendliteratur mit umfangreichen Programm vorm und im Altonaer Museum am Freitag, dem 22. Juni 2018 von 10 bis 22 Uhr

Ohne Anmeldung & Eintritt frei!

Deutschlands Kinderbuchhauptstadt Hamburg feiert Premiere: Zum ersten Mal laden die Hamburger Literaturinitiativen gemeinsam alle Kitas, Schulklassen, Familien und Jugendlichen zu einem bunten, für die Besucher kostenlosen Festtag rund um die Literatur ein! Am Freitag, den 22. Juni 2018 stellen sich von morgens um 10 Uhr bis zum Sonnenuntergang um 22 Uhr in und um das Altonaer Museum zahlreiche Hamburger AutorInnen, Illustratoren, Bücherkünstler und Lese-Initiativen in Lesungen und Workshops ihrem Publikum vor. Dabei richtet sich das Programm vormittags vor allem an Schulklassen und Kitagruppen, nachmittags an Kinder und Familien und abends an Jugendliche und junge Erwachsene.

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HOPE FOR CHANGES – die 7. Triennale der Photographie in Hamburg hat begonnen

Text: Ele Runge und Maren Schönfeld
Fotos: Ele Runge

Wie lange können wir noch so weitermachen wie bisher? Für Krzysztof Candrowicz, Kurator der 7. Triennale der Photographie 2018 in Hamburg, ist dies eine der zentralen Fragen, vor der die Welt heute steht. Eine Frage, die auch für das Thema der Triennale  BREAKING POINT – SEARCHING FOR CHANGE einen Antrieb bildet. Und so haben sich in dem kollaborativen Projekt, das drei Jahre lang vorbereitet wurde, 90 verschiedene Kunstorte zusammengefunden, um 25 000 fotografische Arbeiten von 320 Künstlern zu zeigen, die sich alle mit der Frage beschäftigt haben, wo Veränderungen angesetzt und in Bewegung gesetzt werden können. Die Photographie sei dabei auch eine Möglichkeit Themen zu übermitteln, die sich verbal nur schwer ausdrücken lassen, sagt Krzysztof Candrowicz.

PHOBOS EX MACHINA

In diese Kategorie gehören sicherlich die beiden polnischen Künstler Ewa Ciechanowska und Artur Urbanski, die ihre Installation PHOBOS EX MACHINA in einem der Schiffscontainer ausstellen, die rund um die Hamburger Deichtorhallen zu finden sind. Sie zeigen Videos von Bäumen, die bei Stürmen entwurzelt werden. Auf dramatische Weise heben sich in langsamem Tempo Asphalt und Erdreich, die großen Bäume fallen … auf Häuser, Autos, Menschen, die vielleicht gerade so der Gewalt entkommen können. Daneben können die Besucher anhand von Statistiken nachlesen, wie viele Menschen pro Jahr von umfallenden Bäumen verletzt oder sogar erschlagen werden. Am Stellvertreterbeispiel der ‚Bedrohung durch fallende Bäume‘ werfen die Künstler die Frage auf, wie stark wir durch die Medien manipuliert werden, indem diese bestimmte Ängste schüren und die Menschen dadurch in eine gewünschte Richtung lenken. Wie würde sich unsere Wahrnehmung ändern, so fragen die beiden Künstler, wenn Bäume, denen die Bevölkerung bislang kaum ängstlich gegenüber steht, uns künftig zunehmend als massive Gefahrenquelle präsentiert würden?

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Art&Cake heute eröffnet

Text und Fotos: Maren Schönfeld

„Hüllen“ von Katharina Holstein-Sturm (Installation)

Die Pop-up-Galerie Art&Cake öffnete heute mit der Vernissage zur Ausstellung „Hüllen“ von Katharina Holstein-Sturm. Sie zeigt fragile MenschenSkulpturen aus Papier. Umringt werden sie von zarten Tuschezeichnungen aus Schellack. Körper, Stärke und Verletzlichkeit sind das Thema ihrer ungewöhnlichen und sehr berührenden Installation. Der kleine Ausstellungsraum wird für vier Monate von verschiedenen Künstlerinnen, Autoren und Autorinnen, Musikerinnen und Musikern bespielt.

Die Ausstellungen wechseln alle drei Wochen und werden von unterschiedlichen Rahmenprogrammen begleitet. So sind Lesungen, Performances und musikalische Darbietungen zu hören. Kunst zu erleben und über sie zu sprechen, Kunstschaffende und -interessierte zusammenzuführen und nicht zuletzt den Menschen aus der Nachbarschaft zu begegnen sind die Ziele der Künstlerinnen.

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[HOME] Das Zuhause ist nicht selbstverständlich

Jorge Taboada Escobedo aus der Serie alta densidad

Eine Gruppenausstellung im öffentlichen Raum im Rahmen der 7. Triennale der Photographie unter dem Titel „Breaking Point. Searching for Change“ in Zusammenarbeit mit dem Altonaer Museum 8. Juni bis 26. August 2018

Gruppenausstellung [HOME] setzt sich auf kritische Weise mit dem Ort und dem Gefühl des „Zuhauseseins“ auseinander. Die gezeigten Arbeiten widmen sich neben alternativen Entwürfen zu unserer Normalvorstellung des Wohnens auch der zunehmenden Verdrängung, Verdichtung, Verteidigung und Zerstörung vieler Formen des Zuhauseseins.

Um den Themenkomplex einem breiten Publikum zugänglich zu machen, werden große Teile der Ausstellung im öffentlichen Raum – in eigens dafür angefertigten Pavillons – gezeigt. Weitere Arbeiten aus einem Fotoprojekt von Studierenden der HAW werden im Altonaer Museum präsentiert.

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