Alles Käse oder was?

erschienen im Hamburger Abendblatt am 19. September 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Was wäre der Mensch ohne Käse? Er wäre ein Nichts –  nun ja, nicht ganz. Zumindest aber wäre er total käselos, man könnte auch sagen käsefrei und – wer von uns möchte schon käselos und käsefrei sein!

Der wichtigste Griff an einem gemütlichen Abend – noch vor dem Knie einer schönen Frau – ist der Griff zum Käse, wenn der Rotwein dabei nicht fehlt. Das hörte ich neulich aus männlichem Mund. Ist ohne Käse alles nur halb so schön? Dieser Vertreter des männlichen Geschlechtes scheint das zu glauben. Gut für den Käse, traurig für die Frauen… Continue reading „Alles Käse oder was?“

Ländliche Umgebung

erschienen im Hamburger Abendblatt am 14. September 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Wir sind alle lernfähig, hoffentlich! Lernen macht nämlich Spaß! Diese beiden Ausrufungszeichen zeigen schon ganz deutlich – nun  muss etwas kommen, das mich in Sachen lernfähig tief beeindruckt hat. Ja, das hat es auch – und das ganz plötzlich und unerwartet und ganz ohne mein eigenes Zutun.

Das ging so: In gemütlicher Runde saßen wir zusammen. Vor uns die weite grüne und bäuerliche Wiese, hinter uns das wunderschöne Fachwerkhaus mit einem großen, liebevoll angelegten Bauerngarten. Eine Ansicht und eine Aussicht wie im Bilderbuch. Aber da waren auch noch das Bier, der Wein und das Wasser auf dem Tisch. Sommerlich war es – ja, die Sonne schien – und fröhlich und heiter war deshalb auch die Stimmung. Continue reading „Ländliche Umgebung“

Ablenkung unter der Decke

Diese Glosse erschien am 10. September 2011 unter der Rubrik „Moment mal“ im Hamburger Abendblatt

Von Uta Buhr

Diese Zahnarztpraxis ist eine Mischung aus Reisebüro und Zauberladen. An den Wänden prangen stimmungsvolle Fotos von nahen und fernen Urlaubszielen. Wer träumt sich an diesen trüben und regnerischen Sommertagen nicht gern an einen Strand im sonnigen Süden!

Selbst Kinder, die kurz zuvor noch angsterfüllt vor der Tür zur Praxis standen, bekommen leuchtende Augen. So hoch gestimmt öffnet jeder dem netten Zahnarzt bereitwillig den Mund. Continue reading „Ablenkung unter der Decke“

Männliche Sehnsucht

erschienen im Hamburger Abendblatt am 2. September 2011

Jetzt bin ich mir nicht mehr so ganz sicher, ob ich in das Klagelied über den verregneten Sommer weiterhin mit einstimmen sollte. Es gab da nämlich ein Gespräch. Das war ein Gespräch mit einem lieben und männlichen Kollegen, dem ich bislang so ohne weiteres nicht zugetraut hätte, ein gefühlsschwangeres Wort in den Mund zu nehmen – dieses Wort lautet Sehnsucht!

Ja, er bekannte sich, Sehnsucht zu verspüren. Es geschah wie gesagt im Zusammenhang mit einem Gespräch über den verregneten Sommer. Das hätte mich stutzig machen sollen, ich weiß. Denn er sprach nicht von Sehnsucht nach der Sonne, nach der Liebe, nach all so schönen Dingen – er sprach von der Sehnsucht, nun doch endlich einmal den Rasen mähen zu können! Sie haben richtig gelesen: Continue reading „Männliche Sehnsucht“

Eine Frage der Soße

erschienen im Hamburger Abendblatt am 23. August 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Ich erinnere mich an Fernsehsendungen aus meinen Jugendtagen, in denen Paare beweisen mussten, wie gut sie sich kennen. Das waren nicht nur Liebespaare oder Ehepaare. Das waren auch Freunde und Eltern und Kinder. Die Idee fand ich gleichermaßen gut wie entlarvend: In Spielen und Fragen miteinander festzustellen, wie genau man dem anderen zuhört, ihn wahrnimmt, kennengelernt hat und vor allem – überhaupt kennenzulernen in der Lage ist! Continue reading „Eine Frage der Soße“

Radrennen in Hamburg?

…unser Mitglied Uschi Tisson hat dazu etwas zu sagen -am Tag der Vattenfall Cyclassics: Da geht in Hamburg nichts mehr, pardon, da fährt in Hamburg nichts mehr -außer natürlich die Fahrräder  –  und die Gedanken, die so ein Radrennen auslösen kann 😀

Hier der Link auf ihren gesprochenen Text auf Youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=Uu4bbHJ3-u8

Die modernen Großväter

erschienen im Hamburger Abendblatt am 20./21. August 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Irgendwann ist es soweit: Der Mann wird älter. Das scheint ein sehr glücklicher Umstand zu sein, denn das Älterwerden bedeutet ja immer auch ganz einfach und simpel: Wir sind noch da und leben! Wer wollte sich darüber nicht freuen. Der Mann also wird älter und damit automatisch irgendwie zum –  Opa!

Großvater, das ist ja eigentlich ein Begriff, der sich mit einem ganz festen und sicheren Inhalt füllen lässt, denn der glücklich älter gewordene Mann bekommt dann eine „Verjüngungsspritze“ besonderer Art. Die könnte man so beschreiben: Zuerst liegt sie in der Wiege herum, dann krabbelt sie auf allen Vieren, beginnt zu gehen und zu laufen – und ist ein fester Bestandteil des neuen Großvaterlebens. Mit anderen Worten: Großväter haben Enkelkinder! Continue reading „Die modernen Großväter“

Alte Tugend neu entdeckt

erschienen im Hamburger Abendblatt am 17. August 2011

Eine Glosse von Uta Buhr

„Höflichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“, texteten wir noch in Schulzeiten, wenn einer der Klassenkameraden mal wieder die Regeln des Anstands verletzte. Das hieß in der „guten alten Zeit“ der fünfziger und sechziger Jahre zum Beispiel noch, dass er sich einen Bleistift ausgeliehen oder sich auf den angestammten Platz eines anderen gesetzt hatte, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen.

Doch was sind diese „Sünden“ im Vergleich zu den rüden Sitten unserer Tage! Da wird gerempelt und geschubst, da wird in öffentlichen Verkehrsmitteln hemmungslos gegähnt und geniest, ohne dass das Gegenüber auch nur im Traum daran dächte, die Hand vor den Mund zu halten. Doch all dies soll ja nun bald der Vergangenheit angehören. Man benimmt sich wieder, lautet die Parole. Rücksichtslosigkeit und Unhöflichkeit haben ihren Zenit überschritten, erzählte mir gerade eine befreundete Lehrerin, die ihre Schüler auf die alten Tugenden einstimmt. Und das mit Erfolg, wie sie stolz berichtet. „Das Pendel schlägt jetzt wieder in die andere Richtung“, erklärt sie. „ Gutes Benehmen ist in.“ Continue reading „Alte Tugend neu entdeckt“

Kostbare Zeit

erschienen im Hamburger Abendblatt m 13. August 2011

Von Johanna R. Wöhlke

 

Es gibt viel zu loben in dieser Welt. Es gibt viel zu kritisieren in dieser Welt, immer wieder. Das ist keine Frage. Wo fangen wir an, wo hören wir auf! Versuchen wir mal die Quadratur des Kreises und verbinden Lob mit Kritik! Das geht nicht, meinen Sie? Aber natürlich geht das, das geht sogar perfekt!

Da ist zum Beispiel die Frau, die gerade auf ihren Bus wartet. Er ist verspätet und – das kann sie an einem digitalen Schild an der Bushaltestelle ablesen. Es sind genau 11 Minuten, so steht da. Nun weiß sie also, dass sie noch elf Minuten auf den Bus wird warten müssen. Ich lobe. Gleichzeitig denke ich: Welch ein Service auf hohem Niveau! Wir in diesem Teil der Welt können uns diesen Service leisten. Continue reading „Kostbare Zeit“

Von schönen Bäuchen – maßnehmen – was ist das?

erschienen im Hamburger Abendblatt am 22. Juli 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Mit den Maßen ist das so eine Sache im Leben. Beginnen wir dort, wo es immer beginnt: am Anfang. Denken wir uns also vorwärts und voran. Wir Frauen wissen, was das bedeutet. Am Anfang unserer Schwangerschaften ist der Bauch noch kein Bauch, allerhöchstens ein Bäuchlein. Dann genießen wir es, wenn wir von Woche zu Woche sehen und fühlen: Der Bauch wächst. Continue reading „Von schönen Bäuchen – maßnehmen – was ist das?“

Autokauf skurril

erschienen im Hamburger Abendblatt am 20. Juli 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Wir lieben unsere Autos. Allerdings lieben wir sie dann am meisten, wenn sie auch funktionieren. Ein Auto dauerhaft in der Garage ist entweder ein Sammlerstück aus Leidenschaft oder ein ständiger Bestandteil von Stress und Frust im Alltag. Was nützt mir ein Auto, wenn es nicht in der Lage ist, mich an mein Ziel zu bringen! Continue reading „Autokauf skurril“

Wie ist das Leben?

erschienen im Hamburger Abendblatt am 18. Juli 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Die Sache ist an diesem Nachmittag völlig klar und unklar zugleich. Warum? Hier sitzen Frauen zusammen, trinken Kaffee und lesen nicht aus dem Kaffeesatz, nein, sie philosophieren über eine Wasserflasche! Sie können sich das nicht vorstellen? Abwarten, nach den folgenden Sätzen werden Sie es können! Continue reading „Wie ist das Leben?“

Bewegtes Leben. Eheleben vor dem Fernsehapparat in Energiesparzeiten!

erschienen im Hamburger Abendblatt am 9. Juli 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Da sitzen sie wieder, Mann und Frau vor dem Fernseher. Sie schaut gebannt die monegassische Hochzeit an. Er hat derweil seinen Laptop vor sich auf dem Tischlein und arbeitet, surft oder was auch immer. Die monegassische Hochzeit interessiert ihn weniger, nur immer mal wieder ein Blick auf den Bildschirm. Man will ja mitreden können, irgendwann. Warum erzähle ich das?

Hier handelt es sich um die Beschreibung des Bildes von Fernsehharmonie eines in vielen Jahren aneinander gewöhnten, glücklichen Paares. In Ruhe und Besinnlichkeit verbringen sie wie hunderttausende andere Paare ihren verdienten Feierabend gemeinsam. Sie gehen natürlich selbstverständlich davon aus, dass der Fernsehapparat dieses Spiel mitmacht, das Spiel von Ruhe und Besinnlichkeit, ganz auf ihn konzentriert. Continue reading „Bewegtes Leben. Eheleben vor dem Fernsehapparat in Energiesparzeiten!“

Der Pfennig vom Absatz

Diese Glosse erschien am 7. Juli 2011 im Hamburger Abendblatt

Eine Glosse von Uta Buhr

Ausgerechnet am Sonnabend  – und dazu noch mitten in der Stadt – muss ich den „Pfennig“ vom Absatz meines rechten Schuhs verlieren. Ich bin wütend und schimpfe auf das Kopfsteinpflaster. Die witzig gemeinte Bemerkung meines Begleiters, was eher da war, das Straßenpflaster oder der Stöckelschuh, bringt mich noch mehr in Rage. In einer kleinen Straße unweit des Bahnhofs muss es passiert sein. Ich habe die Ritze, in der ich hängen blieb, deutlich gespürt. Also eilig zurück zum Ort des Geschehens. Continue reading „Der Pfennig vom Absatz“

Sicheres Versteck

erschienen im Hamburger Abendblatt am 28. Juni 2011

Eine Glosse von Uta Buhr

Hunderte von Einbrüchen ereignen sich täglich in Hamburg und Umgebung. Und das am hellichten Tag. Meine Nachbarin nimmt die Warnungen der Polizei vor Einbrechern und Klingelgangstern sehr ernst. „Während ich weg bin“, schärfte sie ihrem achtjährigen Sohn daher ein, „gehst du nicht an die Tür.“

Der befolgte Mutters Mahnung aufs Wort und ignorierte gestern selbst das hartnäckige Klingeln, Klopfen und Rufen des Hausmeisters. Stattdessen errichtete er eine wehrhafte Barrikade aus Stühlen  hinter der Haustür. Als die Eltern sich am Abend mühsam einen Weg in die Festung erkämpft hatten, trauten sie ihren Augen nicht. Continue reading „Sicheres Versteck“

Auslaufmodell Rasierpinsel?

erschienen im Hamburger Abendblatt am 2. Juli 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Mein Vater hatte einen Rasierpinsel. Irgendwann wurden dann Rasierpinsel zu Auslaufmodellen und der modernen Technik des Trockenrasierens geopfert. Das war schade. Sie sahen ziemlich dekorativ aus, diese Rasierpinsel. Ein echter Mann hielt sich auch mehrere – wie heute die männlichen Restexemplare von Pfeifenrauchern sich gerne mehrere Pfeifen zulegen. Manche geben sogar gerne und selbstbewusst damit an, über einhundert davon zu haben. Ja, auch der Mann ist ein urzeitlich geprägter Sammler mit Resten von Hamsterverhalten auf den Genen. Continue reading „Auslaufmodell Rasierpinsel?“

Der Traum von der eigenen Insel

erschienen im Hamburger Abendblatt am 1. Juli 2011

Von Johanna R. Wöhlke

Mir ist da eine exklusive Möglichkeit ins Haus geflattert, eine richtig exklusive. Man bietet mir an, eine Insel zu kaufen, eine richtige kleine tropische Insel und das alles steuerfrei. Meine Gedanken beginnen zu kreisen.

Welch ein wunderbarer Gedanke, eine eigene Insel zu haben. Robinson zu spielen, wann immer man möchte und das alles steuerfrei. Unter einer Palme am Strand zu liegen – ohne Kokosnüsse natürlich, die auf den Kopf fallen könnten – ein erfrischendes Getränk in der Nähe und das alles steuerfrei. Allerdings liegt diese Insel so weit weg, dass die Reise dorthin alles andere als paradiesisch zu nennen wäre und damit wohl auch die steuerlich günstige Variante ihren Reiz verlöre. Continue reading „Der Traum von der eigenen Insel“

Durch die Blume gesprochen

Diese Glosse wurde am 25. Juni 2011 im Hamburger Abendblatt veröffentlicht

Eine Glosse von Uta Buhr

Ich liebe meinen Blumenhändler an der Ecke. Der Mann besitzt einen umwerfenden Charme und hat immer ein freundliches Wort oder fröhliches Lied auf den Lippen. Beim ersten Sonnenstrahl in diesem Jahr erfreute er seine Kunden mit einem aus voller Brust geschmetterten „Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.“ Eine bühnenreife Vorstellung! Selbst wenn der kleine Laden gesteckt voll ist, verliert er nie seine gute Laune. „Immer mit der Ruhe und n’em Veilchen im Knopfloch“ sagt er, während er meinen Strauß aus roten und weißen Rosen bindet. Dann überreicht er ihn mir mit großer Geste und fast mediterran anmutender Grandezza mit den Worten: „Und noch einen dynamischen Tag, schöne Frau.“ Soviel Zuwendung beflügelt. Da ist die Welt auch morgens um neun schon in Ordnung. Continue reading „Durch die Blume gesprochen“