Der Berliner Funkturm wurde vor 100 Jahren eingeweiht
Wie die Große Polizei-Ausstellung stand auch der Berliner Funkturm für Zuversicht, Fortschritt und den Aufbruch in eine neue Zeit. Die Stahlfachwerkkonstruktion im Stil der frühen Moderne steht in der Tradition des Pariser Eiffelturms. Allerdings ist der „Berliner Eiffelturm“ einige Nummern kleiner. Die Gesamthöhe vom sogenannten Langen Lulatsch beträgt statt 330 nur 146,78 Meter und die Gesamtmasse statt 10.100 nur 600 Tonnen.
Auf 51,65 Metern Höhe befindet sich ein quadratisches 15 mal 15 Meter großes Restaurantgeschoss direkt über einem kleineren Küchengeschoss für Wirtschaftszwecke. Auf den 200 Quadratmetern Grundfläche des Turmrestaurants finden heute bis zu 116 Gäste Platz.

Auf 121,5 Metern Höhe bietet der Turm seinen Besuchern auch noch eine geschlossene, 4,4 Meter breite Aussichtskanzel in Form einer Laterne mit einer 7,9 Meter breiten Aussichtsplattform darüber. Bis dort hinauf führt eine Aufzugsanlage. Mit dieser Förderhöhe war der Aufzug bei seiner Inbetriebnahme der höchste elektrische Lift im Deutschen Reich.
Im Gegensatz zu dem von 1887 bis 1889 erbauten Eiffelturm war dessen knapp vierzig Jahre jüngeres Berliner Pendant von vornherein als Funkturm konzipiert. Ein Jahr nachdem am 29. Oktober 1923 die Geschichte des Hörfunks in Deutschland mit der ersten Unterhaltungssendung aus dem Berliner Vox-Haus begonnen hatte, am 8. November 1924, gab die Gemeinnützige Berliner Messe-Aufbau G.m.b.H. den Bau des Berliner Funkturms in Auftrag. Die erste Große Deutsche Funkausstellung vom 4. bis 14. Dezember des Jahres wurde noch abgewartet, dann gingen die Bauarbeiten los.
180.000 Mark waren geplant. 203.660 wurden es schließlich. Das ist eine Überschreitung von gut 13 Prozent. Zum Vergleich: Ein typisches, bescheidenes Eigenheim kostete damals zwischen zehn- und zwanzigtausend Mark

Am 3. September 1926 war es so weit. In Anwesenheit von rund tausend geladenen Gästen, darunter der Reichsinnenminister, Wilhelm Külz, der Berliner Oberbürgermeister, Gustav Böß, sowie der allein schon durch das nach ihm benannte Institut hinlänglich bekannte erste Verwaltungsratsvorsitzende der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft und Reichs-Rundfunk-Kommissar Hans Bredow, wurde der mit 138 Metern erste und höchste Sende- und Aussichtsturm der Weimarer Republik feierlich seiner Bestimmung übergeben.
