Congratulations!

In 2026 the English Theatre of Hamburg celebrates its 50th anniversary. Congratiulations and many happy returns! No doubt during the last fifty years the ETH has become an integral part of Hamburg’s cultural scene. This year’s season opens with the adaption of Oscar Wilde’s „The Picture of Dorian Gray.“ Dear spectator you will greatly enjoy this wonderful performance directed by Paul Glaser.

Portrait of a dandy

We meet young and beautiful Dorian Gray, offspring of a wealthy English family, in the elegant house of Lord Henry Wotton. He has his portrait made by a famous artist named Basil Hallward. During his sittings he is introduced to Lord Henry Wotton, an immoral aristocrat who is fascinated by Dorian’s good looks. Soon Lord Henry becomes Dorian’s mentor who convinces his new friend that beauty is the most important thing in life overshadowing old-fashioned bourgeois morals. Without thinking twice Dorian follows his cynic friend’s advice to abandon young and innocent Sybil Vane, a pretty but poor actress to whom he had promised marriage. Her suicide does not impress Dorian at all. Instead of mourning her death he travels abroad and seeks pleasure on the Continent.

On Dorian’s return to London Basil Hallward presents his portrait to his model. The painter is very proud of his work that shows Dorian in the prime of his youth. Dorian no doubt is a flawless beauty. Lord Henry Wotton’s influence on Dorian has meanwhile become toxic. Dorian is beguiled by his own attractiveness and his greatest wish is to stay forever young and beautiful. Old age shall never ruin his good looks. Instead the picture shall age for him.

 

A wish is granted

As time goes by Dorian’s friends age and lose their attractiveness, whereas he himself stays as young and beautiful as ever. Only his portrait which he hides in the attic of his house discloses his amoral life that is filled with nights in London’s opium dens and relationships with criminals and prostitutes. He even commits murder in cold blood. When Basil Hallward, the creator of Dorian’s portrait, dares a glimpse at his masterpiece, he is deeply shocked by the sight of it. Dorian does not hesitate a moment to stab him to death.

The final move

One day Dorian takes all his courage to look at his portrait. He is horrified by what he sees. In a frantic mood he tries to cut the picture to pieces. But the picture – his alter ego – hits back and kills him instead. When the servants hear his screams and hurry up the stairs they find an old extremely ugly man with wrinkles in his face. They only identify him as their master by the rings on his hands. But the portrait stands undamaged and shows Dorian Gray in his flawless beauty, such as a great artist of his time had once painted him.

Thanks to Paul Glaser and four outstanding actors this complex story could be packed into a two-hour performance. It is a pity that Oscar Wilde himself could not attend. He would have greatly enjoyed Joshua Campbell-Hart as Dorian Gray since his appearance and acting technique fit the part to perfection. The other three actors change in no time from one part to the next. Jess Saunders is to be seen in eight roles, be it pretty innocent Sybil Vane, snobbish Lady Agatha or simple Mrs. Leaf. She further jumps from high-brow aristocrat English to thick Cockney slang and even masters a broad Yorkshire accent. No less perfect in their parts: William Osbeldiston-Hawkes as sensitive Basil Hallward and Ben Kenzie in the role of Lord Henry Wotton, the cynic immoral dandy. Thank you all very much for this wonderful evening.

A few words about the author

Oscar Fingal O’Flaherty Wills Wilde was born on October 16. 1854, in Dublin. The very gifted writer and playwright started a great carreer in England. His wit and talent made him quickly the darling of London
Society. He once mocked his British colleagues by claiming that Englsh literature owned its fame to Irish poets like him and a couple of compatriots. He certainly referred to Jonathan Swift, among others. By the way, George Bernhard Shaw expressed the same opinion years later. However, this was not the reason why British Society sent him to prison for two years. Homosexuality and his intimacy with the offspring of a noble family finally broke his neck. Oscar Wilde, the „fallen angel“, died in his exile in Paris in 1900 at the age of 46 – alone and penniless.

Last performane of „The Picture of Dorian Gray“ on October 31, 2026. Tickets under phone number 040-227 70 89 or online unter www.englishtheatre.de

Next premiere: „Deathtrap“ by Ira Levin on November 20, 2026

Herzlichen Glückwunsch zum fünfzigjährigen Bestehen!

In diesem Jahr feiert das English Theatre of Hamburg (kurz ETH) ein halbes Jahrhundert Erfolgsgeschichte. Gegründet 1976, wurde das Theater an der Mundsburg sehr schnell zu einem kulturellen Anziehungspunkt in der Hansestadt. Hamburg ist, wie jeder weiß, die britischste Stadt auf dem Kontinent. Es wird behauptet, dass die Hanseaten den Regenschirm aufspannen, wenn sich an Londons Himmel die ersten grauen Wolken abzeichnen. Dichtung oder Wahrheit? Auf jeden Fall ein Narrativ mit realem Hintergrund. Langer Rede kurzer Sinn: Vor nunmehr fünfzig Jahren wurde endlich eine Lücke geschlossen, die den Hanseaten die Chance eröffnete, ihr Englisch auf hohem Niveau zu halten oder gar zu verbessern.

Als Auftakt zur neuen Theatersaison offeriert das ETH seinem Publikum ein viktorianisches „Gothic“, das auf Oscar Wildes‘ einzigem Roman basiert. Vorhang auf für „The Picture of Dorian Gray!“

Noch stimmiger kann man dieses Opus Magnum aus der Feder des gebürtigen Iren Oscar Fingal O’Flaherty Wills Wilde nicht auf die Bühne bringen. Die Inszenierung trägt den unverwechselbaren Duktus Paul Glasers. Chapeau.

Die bürgerlichen Moralgesetze gelten nicht für jeden

Lord Henry Wotton, ein ebenso eleganter wie zynischer Aristokrat, wird während eines Besuchs bei dem Porträtmaler Basil Hallward mit dem beeindruckenden Gemälde eines schönen jungen Mannes namens Dorian Gray konfrontiert. Dorians Charme und Grazie faszinieren den Künstler, der alsbald Gefühle für ihn empfindet, die in der seinerzeitigen sittenstrengen Gesellschaft als anstößig galten. Währenddessen beginnt Lord Henry den jungen Dorian mit seinen hedonistischen Ansichten zu beeinflussen. Schönheit, so argumentiert er, sei viel wichtiger als Moral und Tugend. Nach kurzer Zeit erliegt Dorian dem süßen Gift seines „Mentors“ und lässt sich von ihm zu immer größeren Lastern verführen. Dorians erstes Opfer ist die junge unschuldige Schauspielerin Sybild Vane, die er zwar anfänglich bewundert und auf Händen trägt, um sie später umso brutaler fallen zu lassen. Als Sybil ob seiner Grausamkeit Selbstmord begeht und Dorian erste Anzeichen eines schlechten Gewissens zeigt, redet Lord Henry ihm ein, er habe Sybil völlig zu Recht den Laufpass gegeben.

Sybils Bruder James, ein Seemann, der in Australien sein Glück versuchen will, schwört blutige Rache, erntet jedoch nur Hohn und Spott vonDorian und Lord Henry, dem Dorian auf seinem Weg in den Untergang immer höriger wird.

Das Bildnis wird vollendet

In der Zwischenzeit hat Basil Hallward sein Meisterwerk vollendet. Die Veränderung im Wesen seines Modells bleibt seiner sensiblen Künstlerseele nicht verborgen. Deshalb empfiehlt er Dorian, zu Lord Henry Wotton auf Distanz zu gehen. Doch der junge Mann hat sich die Philosophie seines älteren Freundes längst zu eigen gemacht. Er hat nur noch ein Ziel – den Erhalt seiner äußeren Anziehungskraft. Ähnlich wie Faust schließt er einen Pakt mit Mephisto. Statt seiner soll das Bildnis altern und die Spuren der Zeit und seines lasterhaften Lebens tragen, während er immer jung und begehrenswert bleibt. Sein Wunsch wird ihm erfüllt, denn selbst der Umgang mit Prostituierten und Verbrechern sowie regelmäßige Besuche in den Opiumhöhlen Londons können seiner Schönheit nichts anhaben.

Das Porträt als Zeuge des moralischen Verfalls

Als Dorian nach geraumer Zeit einen Blick auf das in einen Abstellraum des Hauses verbannte Gemälde wirft, ist er zutiefst schockiert. Ihm starrt ein von Laster und Ausschweifungen entstelltes Gesicht – eine Grimasse seiner selbst – aus goldenem Rahmen entgegen. Basil Hallward verschafft sich Zutritt zu Dorians Haus, wirft einen Blick auf sein Werk, erstarrt vor Schreck und versucht zu fliehen. Doch Dorian ersticht den Mitwisser seiner Verbrechen. Diesem Mord folgt ein weiterer. Denn auch James Vane, der Bruder der verschmähten Sybil, wird erdolcht. Nun erkennt auch Dorian seinen Irrweg. In seiner Verzweiflung zerfetzt er sein Porträt mit dem Messer.

Das Gemälde hat inzwischen eine zynische Eigendynamik entwickelt und tötet Dorian. Als die Dienstboten auf einen gellenden Schrei herbeieilen, finden sie einen alten von Runzeln und Schrunden entstellten Mann, den sie nur mühsam als ihren Herrn erkennen. Das Bildnis aber ist unversehrt und zeigt einen jungen schönen Dorian Gray, so wie ihn der Maler Basil Hallward einst schuf.

…und die Moral von der Geschicht‘: „Böse Taten lohnen sich nicht.“

Der Sündenfall

Der große Schriftsteller Oscar Wilde schuf eine Reihe brillanter Komödien Märchen und Geschichten. Aber nur einen Roman.

In „Das Bildnis des Dorian Gray“ persifliert Wilde die dekadente britische High Society des ausgehenden 19. Jahrhunderts, deren erkorener Liebling er war. Wilde äußert sich sarkastisch über deren Jahrmarkt der Eitelkeiten und jene Spiegelfechtereien endloser inhaltsloser Diskussionen. Doch auch ihn traf das Schicksal vieler, die hoch aufsteigen und wenig später als verglühte Kometen enden. Der von der Hocharistokratie Britanniens gefeierte Autor fiel tief. Als seine homosexuelle Beziehung zu einem jungen Adligen publik wurde, verurteilte eine selbstgerechte Gesellschaft ihn wegen „Unzucht“ zu zwei Jahren Zwangsarbeit, die letztlich zu seinem frühen Tod führten. Mit nur sechsundvierzig Jahren starb Oscar Wilde völlig mittellos und vereinsamt im Pariser Exil.

Diese neue Inszenierung macht dem English Theatre alle Ehre. Sie ist ein großer Wurf. Ein opulentes Dekor in Salons und Bibliotheken, gestützt von Video-Projektionen, führt mitten hinein in das London des ausgehenden viktorianischen Zeitalters. Vor dem geistigen Auge des Zuschauers entsteht das Bild der Hauptstadt mit seinem an manchen Tagen undurchdringlichen Nebel – seinerzeit auch pea soup genannt. Rauchschwaden wabern über der Bühne und verstärken die unheimliche Atmosphäre. Das Trappeln von Pferdehufen auf dem holperigen Straßenpflaster verhallt in der Ferne. Es ist das London Jack the Rippers, der seinerzeit sein blutiges Handwerk im vornehmlich von Prostituierten, Zuhältern und weiteren düsteren Gestalten bewohnten Stadtteil Whitehall trieb. Im Stück erleben wir zwei Szenarien der pulsierenden britischen Metropole – auf der einen Seite das elegante London der oberen Zehntausend und auf der anderen die verkommenen Viertel der Metropole mit ihren Elendsquartieren und Opiumhöhlen. In diesem Universum tummelt sich ein Ensemble handverlesener Schauspieler. Vier Mimen stellen das gesamte Spektrum dieses facettenreichen Stückes dar. Jess Saunders glänzt gleich in acht Rollen. Sie verkörpert u. a, die verletzliche Sybil Vane ebenso souverän wie die hochnäsige Lady Agatha oder die schlichte Mrs. Leaf. Dabei wechselt sie nahtlos vom hochgestochenen Oxford-English in die Niederungen des Cockney Slangs. Lob gebührt auch Ben Kenzie, der nicht nur den hedonistischen Lord Henry Wotton, sondern mehrere weitere Rollen übernimmt. Gleiches gilt für William Osbeldiston-Hawkes, der den sympathischen Basil Hallward spielt und mühelos in weitere Rollen schlüpft. Bleibt noch der Hauptdarsteller des Stückes, der den anspruchsvollen Part des Dorian Gray übernommen hat. Joshua Campbell-Hart kann ohne Schmeichelei als dessen Idealbesetzung bezeichnet werden. Dieser attraktive junge Mime verkörpert den innerlich zutiefst zerrissenen Dorian Gray mit einer unter die Haut gehenden Intensität.

Ganz großes Theater, so spannend inszeniert, dass man während der Vorstellung eine Stecknadel zu Boden hätte fallen hören können. Und dies bei einem voll besetzten Theatersaal. Der Dank geht an alle Darsteller, die Technik und natürlich an Regisseur Paul Glaser.

„The Picture of Dorian Gray“ läuft bis einschließlich 31. Oktober 2026. Tickets unter der Telefonnummer 040- 227 70 89 oder online unter www.englishtheatre.de

Nächste Premiere: „Deathtrap“ von Ira Levin am 20. November 2026

Fotos: Stefan Kock, ETH