So lautet der Titel der IV. Biennale Angewandter Kunst der ADK (Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg)
Stimmt! Dem kann man nur zustimmen. Die facettenreiche Ausstellung, die Tradition und Moderne gekonnt verbindet, ist in der Alten Fabrik des Museums der Arbeit zu sehen. Der Untertitel „Das Beste aus 70 Jahren AdK“ weist auf eine Jubiläumsausstellung hin – und Isabelle Hofmann, die 1. Vorsitzende der AdK und Kuratorin der Präsentation bringt es auf den Punkt: „Seit 70 Jahren steht die AdK Hamburg für ‚Klasse statt Masse‘! Zwischen Nachhaltigkeit, Tradition und neuer Technologie behauptet sich die Angewandte Kunst als sichtbarer Gegenentwurf zum Wegwerfprodukt – damals wie heute gilt: GUT GEMACHT!“
Der große Raum gliedert sich optisch in zwei Bereiche: Im zentralen Säulengang ist die historische Handwerkskunst platziert, an den umlaufenden Wände positioniert sich die angewandte Kunst der Gegenwart.
Der Kunsthistoriker Professor Dr. Rüdiger Joppien hat ca. 40 Kunstwerke aus der Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe ehemaliger AdK-Mitglieder kuratiert, darunter Arbeiten von Gustav Schleede, dem Gründungsvorsitzenden der AdK 1956 und seinem Sohn Thomas Schleede, Wolfgang Tümpel, Dorothee Eymess, Monika Maetzel und Tatiana Ahlers-Hestermann, eine Textilkünstlerin der 50er Jahre und Tochter des Hamburger Künstlers Friedrich Ahlers-Hestermann.
Alle Museumsstücke sind von hervorragender Handwerkskunst und modernem Design mit starker Ausdruckskraft, besonders die Schmuckstücke sind von schlichter, zeitloser Eleganz und wecken Begehrlichkeiten.

Auch bei der Präsentation der zeitgenössischen Exponate sind alle Gewerke vertreten, Keramik, Goldschmiedekunst und Metallbearbeitung, Holz, Textil, Glas, Papier und Druckkunst. Viele Handwerkskünste stehen auf der Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO.
Ob Möbelbau, textile Wandarbeiten, Lederwaren, Schmuck oder Glasobjekte, alle Ausstellungsstücke sind Unikate und zeigen die Verbindung von meisterhaftem Können, tiefem Materialgefühl und kreativem Geist. Viele Arbeiten sind in der bildenden Kunst zu verorten, denn der Gedanke, dass die angewandte Kunst Gebrauchsgegenstände produziert, ist längst nicht mehr zeitgemäß. Die Werke sind Solitäre und werden schnell zu erlesenen Sammlerstücken.
Grundlage eines jeden kreativen Schaffensprozess ist das Handwerk – der gelernte und erfahrene Umgang mit Materialien und Werkzeugen – hochwertig, langlebig, klassisch, ressourcenschonend arbeitend, originell und nachhaltig. Leider können im Rahmen dieses Artikels nur wenige Arbeiten vorgestellt werden, es empfiehlt und lohnt sich, den umfassenden Katalog eingehend zu betrachten. Dabei fällt auf, wie viele Objekte von der Bauhaus-Tradtion geprägt sind – in Bezug auf Ästhetik und Funktionalität, aber auch in Bezug auf die meisterhaften Fertigungstechniken. Auch poetisch anmutende, aus Upcycling entstandene, experimentelle und innovative Werke sind in großer Vielfalt dabei.
Bernd Görtz stellt Beistelltische aus regenerativen Pilzmyzel, Linoleum und massiver Eiche her, Birgit Engelmann arbeitet mit Gipsmodellen aus dem 3D-Drucker und fertigt beeindruckende, massiv wirkende Ringe in klarer Formsprache an. Die handgewebten Handtücher von Andreas Möller erinnern an traditionelle Grubenhandtücher. Caroline Rügge präsentiert originelle Silberkelche. Ebenso sind die Schachteln „Häuser“ von Susanne Schwarz aus Papier und Draht einfach bezaubernd.
Ulla Dahm zeigt eine einzigartige Stachelkette aus Crêpe-Seidensatin und bereichert die Ausstellung durch eine Power-Point-Präsentation. Kathrin Heinicke übersetzt die Prinzipien des Brückenbaus in die Ringschienen architektonisch anmutender Schmuckstücke. Silvia Bunke graviert, bzw. schneidet in ihren Silberschmuck poetische Gedichte in einer eigens entwickelten Schrift, die das Leben beschreiben.

Der Carolina D’Amico-Preis für zeitgenössisches Kunsthandwerk geht in diesem Jahr an die Goldschmiedin Heike Ahrens, die Keramikkünstlerin Viktoriia Kurganskaia und die Textildesignerin Ulrike Isensee.
An den Montagabenden während der Laufzeit haben Besucher und Besucherinnen die Möglichkeit, zum Museumseintritt, jeweils um 19 Uhr an einer öffentlichen Führung teilzunehmen.
Am Sonntag, den 23.August 2026 findet eine Vorführung zum Stahlstichprägedruck mit dem Graveurmeister Daniel Janssen um 15 Uhr statt: Museumseintritt, Treffpunkt an der Kasse des Museums
Am Montag, den 24. August 2026, gibt es eine Führung um 18 Uhr sowie danach einen Themenabend über die „Arbeitswelt Kunsthandwerk“ um 19 Uhr statt.
Mit herzlichem Dank an die Kuratoren Prof.Dr. Rüdiger Joppien und Isabelle Hofmann! Die Ausstellung läuft bis zum 6. September im Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 22305 Hamburg-Nord.
Text und Fotos: Hanna Malzahn



