Monsun-Theater Ein Winter unter´m Tisch Komödie von Roland Topor als Hamburger Erstaufführung

Rebecca Büttner als Florence Michalon
Lars Lorenzen als Dragomir

Fotos Jennifer Rettenberger

Julian Spenke rechts als Gritzka

Als Hans-Peter Kurr in einem kleinen Pariser Privattheater die Aufführung in der französichen Originalfassung „L´hiver sous la table“ erlebte, wusste er sofort: Das Stück hole ich nach Hamburg! Der Autor, das polnische Allround-Genie Roland Topor, hatte es als komödiantische Studie geschrieben. Der Karikaturist, Illustrator, Schriftsteller und Schauspieler, als Sohn einer polnisch-jüdischen Emigrantenfamilie in Paris geboren, war allerdings schon im Jahre 1997 verstorben. Der international agierende Künstler hatte mit großen Regisseuren wie Federico Fellini oder Roman Polanski, der Topors Roman „Der Mieter“ verfilmte, und auch mit deutschen Filmemachern wie Werner Herzog und Volker Schlöndorff zusammen gearbeitet. Unmöglich Topors gesamtes künstlerisches Schaffen auch nur annähernd zu umreißen. Fokussieren wir uns auf seine Theaterstücke, zu denen „L´hiver sous la table“ gehört. Der originelle Titel wurde wörtlich für die deutsche Übersetzung „Monsun-Theater Ein Winter unter´m Tisch Komödie von Roland Topor als Hamburger Erstaufführung“ weiterlesen

Korczak und die Kinder Jugendtheater in Hamburg

 Von Günther Falbe                        Fotos von Tobias Gloger

Es gehört zu den meistgespielten deutschen Nachkriegsstücken, das Schauspiel „Korczak und die Kinder“ von Erwin Sylvanus, das eines der schlimmsten Verbrechen des Naziregimes, den Tod von 200 jüdischen Waisenkindern aus dem Warschauer Ghetto in den Gaskammern des Vernichtungslagers Treblinka behandelt. Mit ihnen starb der Mann, der sie bis zum letzten Atemzug beschützt hatte, der polnische Arzt, Schriftsteller und Pädagoge mit Leib und Seele, Janusz Korczak.

Die Auseinandersetzung

Unter diesem Autorennamen schrieb sich der als Henryk Goldszmit in Warschau geborene Sohn einer jüdischen Anwaltsfamilie in die polnische Literatur des frühen 20.Jahrhunderts ein, weniger ein Pseudonym als ein Synonym für eine tiefe Liebe zu den hilfslosesten in der menschlichen Gemeinschaft, den Waisenkindern. Mit seinem Namen wird immer der singende Zug der Kinder aus dem Waisenhaus Dom Sierot in Warschau, das der Kinderarzt jahrzehntelang geleitet hatte, in das Lager Treblinka verbunden bleiben. Dieses Kapitel des Holokaust erschüttert die Menschen, wo und wie sie sich mit ihm auseinandersetzen.

 

So wie zur Zeit in Hamburg, wo das „TheaterSehnSucht“ das Schauspiel von Erwin Sylvanus in sein Programm aufgenommen hat,

Die Nachricht

das vor allem junge Zuschauer bewegen soll, Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Geschichte in die Gegenwart zu transferieren und sie mit den gravierenden Problemen unserer Zeit zu verbinden. Ein Jugendtheater, das das junge Publikum nicht nur als Zuschauer sieht sondern es mit einbindet in das Thema des Stückes und seine Interpretation mit anschließender Diskussion oder Workshop.

 

Dass diesem Schauspiel Erwin Sylvanus, das den Autor berühmt gemacht hat, in Hamburg eine besondere Bedeutung zukommt, liegt an der bedrückenden Duplizität der authentischen Vorlage: Auch in Hamburg kamen jüdische Kinder ums Leben, die Schule am Bullenhausener Damm trägt deshalb heute den Namen von Janusz Korczak. So bekommt das Stück eine bewegende Nähe, die bei der Erstaufführung in der Jugendkirche, Bei der Flottbeker Mühle, schon zu spüren war. Nicht nur bei den älteren Zuschauern – der „Erlebnisgeneration“ – sondern auch oder gerade bei den Jugendlichen, der eigentlichen Zielgruppe dieses Jugendtheaters. Was dieses Stück ihnen verdeutlichen will und soll, ist Eigenverantwortung, die in die Gesellschaft einzubringen ist, um überhaupt als solche bestehen zu können.

Ist Das zu verantworten

Keine leichte Aufgabe für die Protagonisten, denn es wurde die Form des Sprechtheaters gewählt, weil man mit diesem Stück auch kleine Räume bespielen will wie Klassenzimmer, um so nahe wie möglich an das junge Publikum heran zu kommen und es mit einbeziehen zu können. So muss vor allem die Sprache die Handlung tragen, die im Warschauer Ghetto spielt, in dem Waisenhaus, das Janusz Korczak leitet, und das nun geräumt werden soll, weil die Kinder nach Treblinka gebracht werden sollen. Zwischen dem SS-Führer mit dem Räumungsbefehl und dem Arzt beginnt ein in emotional geführten Dialogen ausgetragener Kampf um die Vollziehung dieses – wie Korczak weiß – tödlichen Vorhabens. Der Arzt will die vier Schwestern retten, sie von der Begleitung befreien. Er selber will die Kinder in das Lager führen, alle Versuche zu seiner Rettung, die an ihn herangetragen werden, lehnt er ab.

 

Das Jugendtheater hat bei der Besetzung des fünf Personen-Stückes eine glückliche Hand gehabt. Ohne aufwendige Ausstattung, vor nur mit wenigen Symbolen versehener Bühne erfüllen die Schauspieler allein mit ihrer Präsenz die Aufgabe, die der Autor mit seiner großartigen Sprache vorgegeben hat – kein Wunder, dass Erwin Sylvanus mit diesem Stück Weltruhm erlangte. Bewusst hat man verzichtet, Kinder auf die Bühne zu bringen. Sie sind gegenwärtig in den beiden Frauengestalten, denen Kerstin Otto und Katharina Herzberg von Rauch Leben gibt.

Zwiesprache

Gösta Liptow bringt als Sprecher die verbindenden Elemente in die Handlung ein, die in ihren entscheidenden Elementen von Thomas Fischer als Offizier und Hans-Peter Kurr als Korczak getragen wird und die ihren Höhepunkt in einem bewegenden Monolog findet, in dem Hans-Peter Kurr alle Register seines Könnens zieht. Der Arzt ringt dem Befehlenden das Leben der vier Schwestern des Waisenhauses ab und tritt dann der Weg in das Dunkel an, aus dem es keine Wiederkehr gibt. Kurr i s t Korczak in Mimik und Sprache, mit der er fast den Raum zu sprengen droht und die Zuschauer, gleich welchen Alters, in seinen Bann zwingt. Großes Sprechtheater unter der Regie von Fred Buchalski, musikalisch begleitet mit eigenen Kompositionen von Kinga Heymann.

Das Ensemble

Es ist zu wünschen, dass „Korczak und die Kinder“ als erstes Stück des dreiteiligen Theaterprogramms, das dieses von der Hamburger Kulturbehörde geförderte Jugendtheater vorlegt, in vielen Schulen und Institutionen zur Aufführung kommt. ( TheaterSehnSucht, Seewartenstraße 10 in 20459 Hamburg, Tel: 040 / 52015701, Mail: jugend@theatersehnsucht.de )

 

Fotos: Tobias Gloger

Suche nach dem Gold der Templer

Erschienen am 23. Juli in der   Preussischen  Allgemeinen  Zeitung

von Günther Falbe

Handlung der Störtebeker-Festspiele nach Schottland verlegt − Schauspiel vor faszinierender Kulisse

Irgendwo soll er liegen, der legendäre Schatz der Templer. Wo hat man ihn nicht schon vermutet, sogar in Schottland, und dass dies durchaus möglich ist, wollen die diesjährigen Störtebeker-Festspiele auf der Insel Rügen beweisen Der berühmt-berüchtigte Freibeuter der nordischen Meere, Klaus Störtebeker, ist ihm auf der Spur, samt seinen Vitalienbrüdern, und dass es dabei zum Hauen und Stechen kommt, gehört nun einmal zu dem rauen Spiel auf der Ralswieker Naturbühne am Großen Jasmunder Bodden. Und wie immer sind Sage und Historie auf solch wirksame Weise verwoben, dass man schon glauben könnte, dass Störtebecker tatsächlich das Gold der Templer gefunden hätte. Na ja, jedenfalls einen Teil davon. Und der genügt den Zuschauern auf den über 8800 blauen Sitzschalen, die allabendlich – außer sonntags – begeistert dem Spektakel folgen, das sich auf der einmalig schönen Freilichtbühne entfaltet, die sich diesmal in eine schottische Felsenküste verwandelt hat. „Suche nach dem Gold der Templer“ weiterlesen

Ehrenpräsident Günther Falbe geehrt

Günther Falbe

Unser Ehrenpräsident Günther Falbe ist für sein Engagement im LIONS-CLUB mit dem höchsten Orden geehrt worden, den LIONS zu vergeben hat, dem Melvin-Jones-Orden. Die Auszeichnung wurde ihm im Rahmen einer Feierstunde zum 25jährigen Jubiläum des LIONS CLUB Hamburg-Altona verliehen, dessen Gründungsmitglied er ist.
Vize-District Governorin Hanne Krantz ehrte Günther Falbe mit den Worten: „Er setzt sich dort ein, wo Hilfe erforderlich ist…hat stets zwei offene Ohren, wenn es vor allem um finanzielle Unterstützung geht. Er versucht einfach, das Unmögliche möglich zu machen, denn die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen liegt ihm sehr am Herzen. Nur mit Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein können die richtigen Entscheidungen getroffen und dem Gruppendruck standgehalten werden.“  Grußworte hochrangiger LIONS-Vertreter und Partnerclubs begleiteten die Veranstaltung und Ehrung.
Günther Falbe ist nicht nur Gründungsmitglied der Altonaer LIONS, er war auch zweimal ihr Präsident und ist der langjährige Quest-Beauftragte der LIONS, eines Hilfsprogrammes in Zusammenarbeit mit Jugendlichen und Schulen.
http://lionsaltona.wordpress.com/aktuell/

Wir gratulieren unserem Ehrenpräsidenten herzlich, mit Respekt und Zuneigung, mit Verehrung und Achtung!

Im Namen des Vorstandes
Johanna Renate Wöhlke
Präsidentin

Fotos. Dr.Wolf Tekook

Das Vermächtnis

Diesmal geht es um den Templer-Schatz
Störtebeker Festspiele auf Rügen
Von Günther Falbe, Fotos: Renato Diekmann
Abellin der BaladensängerSie gelten als Deutschlands erfolgreichste Freilichtinszenierung, die Störtebeker Festspiele auf der Insel Rügen, und sie können das auch mit der gerade über die Ralswieker Naturbühne gegangenen 1000ste Vorstellung belegen. Und mit mehr als über 4,4 Millionen Besuchern, die in 17 Jahren an den Großen Jasmunder Bodden kamen, um ein grandioses Spektakulum über den legendären Freibeuter der nordischen Meere zu erleben. Klaus Störtebeker und seine Vitalienbrüder sind immer für eine Reise auf die schöne Insel gut, das großartige Naturpanorama tut ein übriges, und so ist es kein Wunder, daß in diesem Jahr bereits die Vorreservierung mit einem Rekordergebnis aufwarten konnte: sie erbrachte gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von fast 25 % Sie liegen also trotz der Weltwirtschaftskrise gut im Wind, die Vitalienbrüder, die diesmal weit gen Westen segeln bis an die normannische Küste, wo sie dem Gold der Templer nachjagen. „Das Vermächtnis“, wie die diesjährige Inszenierung betitelt ist, ist der erste Teil der Triologie „Störtebekers Gold“, die auch in den nächsten beiden Festspielsommern mit einer spektakulären Schatzsuche Akteure und Zuschauer auf dieser einzigartigen Naturbühne in Atem halten wird. „Das Vermächtnis“ weiterlesen

Entern, rauben und brandschatzen!

Schwesternkrieg und ein Seewolf – Die Störtebeker Festspiele in Ralswiek auf Rügen

Von Günther Falbe, Fotos: Renato Diekmann

Sie entern wieder, rauben und brandschatzen. Nicht am Horn von Afrika oder wo im Augenblick die Piraten unserer Zeit die Weltmeere unsicher machen – nein, direkt vor unserer Haustür an der deutschen Ostseeküste. Und das höchst legal "Ein Hauen und Stechen: Die Festspiele haben viele spannende  Kampfszenen in der Aufführungund dazu noch honoriert, nicht nur was die Gage betrifft, sondern auch mit dem nicht enden wollenden Beifall der allabendlich bis zu 8000 Zuschauer in dem Freilichttheater am Großen Jasmunder Bodden, das zu den reizvollsten Naturbühnen Deutschlands gehört. Hier in Ralswiek auf der Insel Rügen stehen bis zum 6. September die diesjährigen Störtebeker Festspiele unter dem Titel „Der Seewolf“ auf dem Programm, und schon die ersten Vorstellungen versprechen, daß Deutschlands erfolgreichstes Freiluft-Theater wieder einen Rekord einfahren wird. Wenn das Wetter mitspielt, aber das war ja schon den Veranstaltern beim Vorverkauf gewogen, der mit über 150000 verkauften und reservierten Karten eine Steigerung von fast 18 Prozent erbrachte. Daß durch die neue Rügen-Brücke über den Strelasund der gefürchtete Engpaß für die motorisierten Besucher behoben wurde, dürfte auch eine Rolle spielen. Rügen kann auf einen erfolgreichen Festpielsommer hoffen, der die Insel wieder in ein „Entern, rauben und brandschatzen!“ weiterlesen

Im „Heider Marktfrieden“ lebt die alte Bauernrepublik Dithmarschen weiter

Von Günther Falbe

BauernhochzeitHistorienfeste sind beliebt. Das geschichtsträchtige Deutschland bietet für solche Veranstaltungen eine reiche Pfründe, und sie werden auch genutzt, nicht zuletzt, weil sie den Fremdenverkehr beleben. Manche beruhen auf jahrhundertealter Tradition, andere sind erst in den letzten Jahrzehnten – im Besinnen auf die durch Kriege und Notjahre bewahrten Werte, – entstanden und in kürzester Zeit zum festen Bestandteil des deutschen Festspielkalenders geworden. Dazu gehört der „Heider Marktfrieden“ , der nicht, wie Unwissende glauben könnten, in einer Heideregion stattfindet, sondern in der Stadt Heide in Schleswig-Holstein.  Die einst freie und unabhängige Bauernrepublik Dithmarschen bietet mit ihrer bis in das 13.Jahrhundert zurück reichenden Geschichte ein so weites Feld an spektakulären Vorgängen, daß es auf der Hand lag, diese in ein „Historial“ umzusetzen. Man tat es vor zehn Jahren, und weil dies wohldurchdacht und historisch fundiert geschah, mit ständig wachsenden Erfolg, der in diesen Julitagen im 10.“Heider Marktfrieden“ gipfelte.

Auf dem Heider Marktplatz herrscht nach dem Frieden wieder Friede, das heißt, auf diesem größten deutschen Marktplatz – früher war dies der riesige Marktplatz im ostpreußischen Treuburg – ist wieder der reale Alltag eingekehrt. Denn so friedlich ging es bei dem  Volksfest, das traditionell in der zweiten Juliwoche stattfand, nun auch wieder nicht zu, weil der Marktplatz sich in eine Freilichtbühne verwandelt hatte, und das Theaterstück „Sag dem König Gute Nacht“ viel spektakulärer verlief wie der Titel vermuten läßt. „Im „Heider Marktfrieden“ lebt die alte Bauernrepublik Dithmarschen weiter“ weiterlesen

Schöne Zähne nur für Stars und Sternchen?

Von Günther Falbe und Renato Diekmann

Ohne makelloses Lächeln kein Erfolg – lautet das Credo von Heidi Klum. Gilt dies auch für andere? Schöne gesunde Zähne symbolisieren heutzutage Vitalität, Jugend, Gesundheit und Durchsetzungsvermögen – das jedenfalls ist die landläufige Meinung, wie auf der Pressekonferenz „Kuratorium perfekter Zahnersatz“ zu hören war, auf der Journalisten und Experten über Sinn und Unsinn in der Zahnästhetik diskutierten.

Bei der Zahnästhetik wird in den Medien nicht selten das Bild der makellosen Zähne propagiert und diese Modeerscheinung durch Verweis auf Ideale der Film- und Modeindustrie begründet. Analysiert man die vermeintlichen Vorbilder näher, muss man jedoch lange suchen, bis entsprechende Stars und Sterchen gefunden sind. Tatsächlich entpuppen sich die Zähne der vermeintlichen Ideale als keineswegs so strahlend weiß und makellos schön, wie dies gern in der Öffentlichkeit dargestellt wird. „Schöne Zähne nur für Stars und Sternchen?“ weiterlesen

Wenn die Ostsee zur Nordsee wird

Auf Rügen treiben auch in diesem Jahr die Vitalienbrüder ihr Unwesen

Von Günther Falbe, Fotos: Renato Diekmann
Es störtebekert wieder auf Rügen. Mit einem Staraufgebot an Darstellern haben die 13. Störtebeker Festspiele auf der Ralswieker Naturbühne am Jasmunder Bodden begonnen. Der sich aber geographisch diesmal weit nach Westen verschoben hat, denn aus der Ostsee wurde die Nordsee, und sogar den Tower hat man nach Rügen verlagert. Das diesjährige Stück trägt nämlich den Titel „Piraten vor Britannien“ – etwas zu nüchtern für das Open-Air-Spektakel, das der altbewährte Regisseur Holger Mahlich da in Szene gesetzt hat. „Wenn die Ostsee zur Nordsee wird“ weiterlesen