279 Werke in 11 Ausstellungen: Triennale der Photographie Hamburg

© Hanna Malzahn

Im Rahmen der 9. Triennale der Photographie Hamburg werden in elf Museen und Ausstellungshäusern 279 fotografisch künstlerische Arbeiten präsentiert. Der Titel des internationalen Fotofestivals lautet:

„Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other“ und trägt die Botschaft in sich, „The greatest thing you’ll ever learn is just to love and be loved in return.“ Die wichtigste Sache, die du je lernen wirst, ist einfach zu lieben und wieder geliebt zu werden. Das ist eine Zeile aus dem Song Nature Boy von Eden Ahbez, interpretiert von Nat King Cole 1948, einer der Lieblingssongs des britischen Kurators und Autors, Mark Sealy, dem künstlerischen Leiter dieser 9. Phototriennale. Es geht um die Anerkennung des Anderen und um die Überbrückung sozialer und kultureller Unterschiede, „um Raum der gegenseitigen Umarmung, der Fürsorge und des Respekts“ (Mark Sealy).

Die fotografisch dokumentarische Kraft der Bilder von Franki Raffles, gezeigt im Museum der Arbeit, rückt das Nachdenken über Gerechtigkeit, Verantwortung und Menschlichkeit gegenüber Frauen in diesem Sinne in den Fokus.

Franki Raffles: Photography, Activism, Campaign Work

Die englische Fotografin Franki Raffles (1955-1994) widmete sich nach ihrem Studium der Philosophie an der University of St. Andrews der sozialdokumentarischen Fotografie. Dort engagierte sie sich in der Frauenbewegung und bestritt in den 1980er Jahren ihren Lebensunterhalt als freiberufliche Fotografin. Ihre Arbeiten bestehen aus 40.000 Bildern, sie dokumentieren Szenen aus den Lebens- und Arbeitsrealitäten von Frauen in Schottland, Osteuropa und Asien. Zehn Bildserien weisen auf soziale und geschlechtsspezifische Ungleichheiten hin, unterstützen den Kampf gegen männliche Gewalt gegenüber Frauen und Kindern, beschäftigen sich mit Themen wie Flucht und Migration und richten die Aufmerksamkeit auf Menschen mit Behinderungen. Die frühen Arbeiten geben tiefe Einblicke in den Arbeitsalltag von Frauen in der Landwirtschaft, der Fischverarbeitung, in der Schuhfabrikation, in der Textilverarbeitung und Wäscherei, im Handwerk und in der industriellen Produktion. Aber auch Bilder von der Ausübung frauenuntypischer Berufe finden ihren Platz, so die Fotografien einer Zugführerin und einer Schweißerin.

9. Triennale der Photographie Hamburg 2026: Franki Raffles, Activism and Protest, Pensioners protesting, Edinburgh. 1987-88 © Franki Raffles Estate

In zahlreichen Projekten und Arbeitsaufträgen von gemeinnützigen und kommunalen Organisationen geht es der Künstlerin um Rollenzuweisungen und hierarchische Strukturen in Betrieben und Institutionen. Viele Arbeiten beschäftigen sich mit den Lebensumständen der meisten Frauen über die Erwerbsarbeit hinaus. Franki Raffles fotografierte nicht nur, sie interviewte die arbeitenden Frauen an ihren Arbeitsplätzen in Hotels, Fabriken, Büros, Krankenhäusern und Läden. Sie porträtierte Frauen in Frauenhäusern und sprach mit Rentnerinnen. Franki Raffles besuchte verschiedene Nachbarschaften und Wohnsiedlungen in Schottland. Die Bezahlbarkeit der Mieten, der Zustand der Wohnungen, Feuchtigkeit, Überbelegung, Sicherheit, eher nicht vorhandene Kinderbetreuung sowie die schwierige Vereinbarkeit von Erwerbs- und Care-Arbeit waren die Anliegen der Mieterinnen und Mieter. Die Gespräche bestätigten ihre feministischen und marxistischen Überzeugungen. Ihre Arbeit, die Dokumentation der Arbeitsbedingungen von Frauen, wurde zu einem Aufruf, Rollenzuweisungen zu reflektieren, gesellschaftliche Polarisierungen zu hinterfragen und zu einem Appell zur globalen Solidarität. Franki Raffles war eine Aktivistin mit der Kamera, so sah und verstand sie sich auch selbst.

Sie reiste 1989 in die damalige Sowjetunion, um auszuloten, wie sich die politische Ideologie des Kommunismus auf die soziale und gesellschaftliche Lebensqualität von Frauen auswirkte. Gleichermaßen arbeitete sie in China, Simbabwe, in der Karibik, Israel und Palästina. In einem unvollendeten Buchprojekt, dem frühen Tod der Künstlerin geschuldet, kommen sowjetisch-jüdische Migrantinnen, die nach der Auflösung der USSR nach Israel ausgewandert sind, zu Wort. Die direkten Zitate auf Texttafeln über ihre persönlichen Erfahrungen sind sehr berührend. Sie zeugen von zerstörten Hoffnungen und großen Enttäuschungen. Sie erzählen von Machtlosigkeit, Altersdiskriminierung, Heimweh, Fremdheit, Einsamkeit und Schmerz sowie Identitätskrisen als Jüdinnen, als Russinnen und als Frauen.

9. Triennale der Photographie Hamburg 2026: Franki Raffles, Soviet Women, State farm workers, USSR. 1989 © Franki Raffles Estate

Überall auf der Welt, über alle Grenzen hinweg, unabhängig von politischen Systemen und geografischen Entfernungen geht es im Werk der Fotokünstlerin Franki Raffles um die ökonomische Abhängigkeit und soziale Benachteiligung von Frauen. Neben den zehn Bildserien zeigt das Museum der Arbeit in dieser erstmals in Deutschland gezeigten Einzelausstellung umfangreiches Archivmaterial, ein Film mit Interviews sowie Pressereaktionen zur Kampagne „Zero Tolerance“ von 1992.

Die Arbeiten von Franki Raffles sind hochaktuell. Ihre Fragestellungen und Forderungen, ihr Appell an feministische Solidarität, an Verantwortung und Menschlichkeit haben nach wie vor eine große Relevanz.

Die 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 läuft noch bis zum 22. September 2026.

Die Ausstellung „Franki Raffles: Photography, Activism, Campaign Work“ läuft noch bis zum 6. September im Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 22305 Hamburg.

GUT GEMACHT!

So lautet der Titel der IV. Biennale Angewandter Kunst der ADK (Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks Hamburg)

Stimmt! Dem kann man nur zustimmen. Die facettenreiche Ausstellung, die Tradition und Moderne gekonnt verbindet, ist in der Alten Fabrik des Museums der Arbeit  zu sehen. Der Untertitel „Das Beste aus 70 Jahren AdK“ weist auf eine Jubiläumsausstellung hin – und Isabelle Hofmann, die 1. Vorsitzende der AdK und Kuratorin der Präsentation bringt es auf den Punkt: „Seit 70 Jahren steht die AdK Hamburg für ‚Klasse statt Masse‘! Zwischen Nachhaltigkeit, Tradition und neuer Technologie behauptet sich die Angewandte Kunst als sichtbarer Gegenentwurf zum Wegwerfprodukt – damals wie heute gilt: GUT GEMACHT!“

Der große Raum gliedert sich optisch in zwei Bereiche: Im zentralen Säulengang ist die historische Handwerkskunst platziert, an den umlaufenden Wände positioniert sich die angewandte Kunst der Gegenwart.

Der Kunsthistoriker Professor Dr. Rüdiger Joppien hat ca. 40 Kunstwerke aus der Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe ehemaliger AdK-Mitglieder kuratiert, darunter Arbeiten von Gustav Schleede, dem Gründungsvorsitzenden der AdK 1956 und seinem Sohn Thomas Schleede, Wolfgang Tümpel, Dorothee Eymess, Monika Maetzel und Tatiana Ahlers-Hestermann, eine Textilkünstlerin der 50er Jahre und Tochter des Hamburger Künstlers Friedrich Ahlers-Hestermann.

Alle Museumsstücke sind von hervorragender Handwerkskunst und modernem Design mit starker Ausdruckskraft, besonders die Schmuckstücke sind von schlichter, zeitloser Eleganz und wecken Begehrlichkeiten.

© Stefan Urban, grüne Ledertasche

Auch bei der Präsentation der zeitgenössischen Exponate sind alle Gewerke vertreten, Keramik, Goldschmiedekunst und Metallbearbeitung, Holz, Textil, Glas, Papier und Druckkunst. Viele Handwerkskünste stehen auf der Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Ob Möbelbau, textile Wandarbeiten, Lederwaren, Schmuck oder Glasobjekte, alle Ausstellungsstücke sind Unikate und zeigen die Verbindung von meisterhaftem Können, tiefem Materialgefühl und kreativem Geist. Viele Arbeiten sind in der bildenden Kunst zu verorten, denn der Gedanke, dass die angewandte Kunst Gebrauchsgegenstände produziert, ist längst nicht mehr zeitgemäß.  Die Werke sind Solitäre und werden schnell zu erlesenen Sammlerstücken.

Grundlage eines jeden kreativen Schaffensprozess ist das Handwerk – der gelernte und erfahrene Umgang mit Materialien und Werkzeugen – hochwertig, langlebig, klassisch, ressourcenschonend arbeitend, originell und nachhaltig. Leider können im Rahmen dieses Artikels nur wenige Arbeiten vorgestellt werden, es empfiehlt und lohnt sich, den umfassenden Katalog eingehend zu betrachten. Dabei fällt auf, wie viele Objekte von der Bauhaus-Tradtion geprägt sind – in Bezug auf Ästhetik und Funktionalität, aber auch in Bezug auf die meisterhaften Fertigungstechniken. Auch poetisch anmutende, aus Upcycling entstandene, experimentelle und innovative Werke sind in großer Vielfalt dabei.

Bernd Görtz stellt Beistelltische aus regenerativen Pilzmyzel, Linoleum und massiver Eiche her, Birgit Engelmann arbeitet mit Gipsmodellen aus dem 3D-Drucker und fertigt beeindruckende, massiv wirkende Ringe in klarer Formsprache an. Die handgewebten Handtücher von Andreas Möller erinnern an traditionelle Grubenhandtücher. Caroline Rügge präsentiert originelle Silberkelche. Ebenso sind die Schachteln „Häuser“ von Susanne Schwarz aus Papier und Draht einfach bezaubernd.

Ulla Dahm zeigt eine einzigartige Stachelkette aus Crêpe-Seidensatin und bereichert die Ausstellung durch eine Power-Point-Präsentation. Kathrin Heinicke übersetzt die Prinzipien des Brückenbaus in die Ringschienen architektonisch anmutender  Schmuckstücke. Silvia Bunke graviert, bzw. schneidet in ihren Silberschmuck poetische Gedichte in einer eigens entwickelten Schrift, die das Leben beschreiben.

© Caroline Rügge, Kelche aus Silber

Der Carolina D’Amico-Preis für zeitgenössisches Kunsthandwerk geht in diesem Jahr an die Goldschmiedin Heike Ahrens, die Keramikkünstlerin Viktoriia Kurganskaia und die Textildesignerin Ulrike Isensee.

An den Montagabenden während der Laufzeit haben Besucher und Besucherinnen die Möglichkeit, zum Museumseintritt, jeweils um 19 Uhr an einer öffentlichen Führung teilzunehmen.

 

 

Am Sonntag, den 23.August 2026 findet eine Vorführung zum Stahlstichprägedruck mit dem Graveurmeister Daniel Janssen um 15 Uhr statt: Museumseintritt, Treffpunkt an der Kasse des Museums

Am Montag, den 24. August 2026, gibt es eine Führung um 18 Uhr sowie danach einen Themenabend über die „Arbeitswelt Kunsthandwerk“ um 19 Uhr statt.

Mit herzlichem Dank an die Kuratoren Prof.Dr. Rüdiger Joppien und Isabelle Hofmann! Die Ausstellung läuft bis zum 6. September im Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 22305 Hamburg-Nord.

 

 

Text und Fotos: Hanna Malzahn

X-Mas oder Weihnachtsmänner sind auch nur Menschen

Bild: Hanna Malzahn

Der Countdown läuft, am  24.12. ist Deadline.
Der Weihnachtsmann ist soo müde, ginge er in Urlaub, gäbe es einen Shitstorm, denn er hat Millionen Follower.
Unser Weihnachtsmann und seine Crew, The Angel Company, sponsered by himmlischer Power, gehen zum Meeting-Point, einer Location im Norden zu einem Get-together.
Es ist kein junges Start-up, dieses Business is old-school.

Die Engel sind ein Dream-Team.

Sie geben viel Support und arbeiten rund um die Uhr im Job-Sharing, eine Challenge mit der Zeit.
Es gibt lange To-Do-Listen, und es ist ein Full-Time-Job. Viel Action, High Speed und Multitasking sind angesagt.
Briefings, Stop and Go. Es geht zu wie beim Black Friday Sale.
Das Arbeiten im Standby-Modus, – das wäre ein absolutes No-Go.
Ebenso sind Flops – obwohl –  shit happens – ein absolutes Don’t,
–  never, ever  –
jetzt braucht man viel Manpower und ein gutes Timing, dann ist alles easy going.

Viele Wunschzettel treffen als Last-Minute-Order ein.

Nachdem der Weihnachtsmann die Mails gecheckt hat, hört er die Voice-Mails in der Mailbox seiner Hotline ab.
Beim Check-up der Wunschzettel wird der Code gescannt und an das Marketing-Management weitergeleitet. Es kommen auch Spams und Fakes an, die der Weihnachtsmann als Junkmails gleich cancelt.
Im Callcenter, das wie ein Show-Room mit einem High Tech Equipment aussieht, arbeiten viele Engel auf höchstem Level an Terminals, Screenings und einem Counter für Sonderwünsche.
Es ist ein seasonal Trade, viele Freelancer und Newcomer angeworben durch Headhunter gehören zum Team.
Hashtag: job placement.
Der Weihnachtsmann macht ein Pokerface, denn er ist soo müde, er denkt, für eine Midlife-crisis  ist er eigentlich zu alt.
So holt er sich erst einmal im Drive-in  einen Coffee to Go, einen iced flavored Latte mit Caramel Cream.
Er träumt von einer ruhigen After-work-party, oder an das Chillen mit einem guten Sience- Fiction-Thriller, einem Bestseller und Pageturner in seinem Kingsize-Bett oder im Whirl-Pool.
Trotz Kaffee fühlt er sich ausgepowert, er isst ein Sandwich und trinkt einen Energy Drink, schöner wäre ein Cocktail bei einem Sundowner zur Happy Hour.
Vor dem großen Weihnachtshappening ist der Weihnachtsmann ein richtiger Workaholic, und um einem Burn-Out vorzubeugen, geht er erst mal in die Lounge zum Relaxen und Come down.
Dort trifft er ohne die geringste Lust auf einen Small Talk seinen Coach.
Dieser gibt Crash-Kurse in Beauty Treatment, er verteilt Papers und Handouts für Workshops.

Von Zeit zu Zeit gibt es auch eine Supervision für die Work-Life-Balance.

Der Weihnachtsmann ist als Frontman everybody’s Darling.
Coca-Cola machte ihn zum Shooting-Star und Teaser für das Weihnachtsbusiness.
Sein old fashioned Vintage-Look, etwas oversized, und sein mega Bart sind absolute Eyecatcher. Auf sein groovy Styling hat er ein Copyright, auch in Schokolade gegossen.
Jetzt sitzt er erschöpft wie ein Couch Potatoe auf dem Sofa.
Sein Personal- Trainer macht ein paar Warm-ups mit ihm. Er empfiehlt ihm Nordic Walken, Stretching und Aerobic sowie die Zeitschrift Mens‘ Health. Dort gibt es Workouts, Bodycare und Food Specials für die Sixpack-Figur. Der Weihnachtsmann liebt aber all you can eat!
Vielleicht  Finger-Food als Appetizer und dann etwas Ordentliches, einen homemade Brunch, jedenfalls kein Fast Food.
Und beim Big-Body-Mass-Index gibt ja auch noch die Weight Watchers.

Nach einem Softdrink mit Bitter Lemon und einem Hot Dog mit French Dressing im Self-Service-Restaurant muss der Weihnachtsmann mit einem Milchshake in sein Home-Office.
Er war schließlich die ganze Zeit offline.
Sein Büro ist durchdesigned, es hat einen Touch von Lifestyle,
ein sehr kluges Investment, gelernt in der Trading Masterclass,
alles gegen Cash, keine Peanuts, kein Leasing.
Es hat Airconditioning, Spotlights und einen Lift zum Basement.
Dort sind in vielen Containern die Geschenke, zum Teil in Limited Edition. Die Security ist im Ground floor.
Der Weihnachtsmann fährt seinen Laptop hoch. Er loggt sich ein und macht Backups und Upgrades der vielen Wunschzettel.
Dabei muss er zwischen vielen Anfragen hin und her switchen und einiges googlen. Er macht Online Banking und muss sich als Kontroll-Freak sehr viele Pin-Codes merken.
Sein Arbeitsplatz ist ein Activity-Center mit Hot Spots und App-Stores.

Aber Weihnachten boomt, da ist nichts mit just for fun.

Er ist auch der Ghostwriter des himmlischen Newsletters „X-mas goes public“ mit weihnachtlichem Cover, vielen Statements und Headlines.
Und er steckt sein Know-How in die x-mas-Homepage:
die Website www.x-mas.com .
Weihnachtsshows  und die Charity-Events organisiert er als Public Viewing für die Publicity.
Ein Weihnachtsumzug ist genauso ein Highlight wie die Love Parade oder der Schlager-Move.
Das grooved.
Die himmlische Public-Relation-Abteilung hat gute Connections zur Fashion Week,  – exklusiv – kein Mainstream.
Auch  der Weihnachtsmann hat sich schon bei einem Stylisten coachen lassen. Abgesehen von seiner Dienstkleidung mag er schon Labels.
Er geht gern in Factory-Outlet-Stores zum Late-Night-Shoppen.
Second Hand Shops promoten keine Fashion, die seinem Dresscode entsprechen. Und manche Outfits eignen sich eher für eine Bad-Taste-Party, das ist ihm zu strange und entspricht nicht seinem Mindset.

Das ist nicht der Burner, sondern Bullshit.

Ein gewisses Understatement findet er abgefuckt, obwohl, für die Fahrt mit dem Rentierschlitten – Open Air in der Kälte – bevorzugt er Sport- und Streetwear, Jeans im Five-Pocket-Style, blue used, stone-washed mit dezente destroyed Effekten und die Musthave XL-Bodybag mit einem Lunchpaket.
Er hat viele Relationships und macht gute Deals. Besonders zur Community der Sales-Manager hat sich im Laufe der Jahre eine Win-Win-Beziehung entwickelt.
Gutscheine stehen im Ranking der Geschenke ganz oben. Ein Gutschein für ein Candlelight- Dinner, für eine Pool-Party mit Top-Catering, für Piercings, eine Reise all inclusive mit Sightseeing ins Survival Camp.
Es gibt auch Wünsche nach einem Speed- oder Blind-Date, nach einem One-Night-Stand, nach einem coolen Lover mit Sex-Appeal, nach einem toughen Womanizer, nach einem Model Scout, nach einem Bodygard, nach Sex and Drugs und Rock´ n Roll und nach etwas Glamour, Love and Peace und nach Happiness.

Wenn der Weihnachtsmann alle Wunschzettel abgearbeitet hat, schickt er sie mit einem Shuttle-Bus ans Controlling.
Die Geschenke werden dann vom Facility Manager auf den Schlitten geladen.
Der Pick-up-und-Return-Service und das Recycling gehen in die Holidays, die holy Days bedeuten eine echte Verschnaufpause.

Der Weihnachtsmann ist ein Allround-Entertainer, immer just in Time, immer cool und voll im Trend.
Er bekommt gute Feedbacks und viele Likes.
Er ist ein Global Player mit jährlichem Comeback.
Und er ist nicht zu toppen,
alle Jahre wieder!

 

(Hanna Malzahn las diesen Text bei unserer Weihnachtsfeier 2022, s. dazu den Artikel von Uta Buhr vom 10.12.2022)

Kunstaktion im Kottwitzkeller

Glück to go © Oliver Kunst / Foto: Hanna Malzahn

Eine schöne Straße im Generalsviertel in Hamburg-Eimsbüttel: Mehrfamilienhäuser aus der Gründerzeit, aufwändig renovierte Jugendstil-Fassaden, Kopfsteinpflaster, Balkone und kleine Vorgärten eingefasst in schmiedeeiserne Zäune – die Kottwitzstraße, erbaut 1901, beschaulich und idyllisch.

Einmal im Jahr Ende August findet seit 1996  der KOTTWITZkeller statt, ein Kunstprojekt im Hamburger Untergrund und in privaten Räumen. Eine Non-Profit-Veranstaltung, basierend auf Nachbarschaft, Engagement und Solidarität. Die Freude am Ausprobieren und an der Kunst ist oberste Maxime.

Wohnungen und Treppenhäuser verwandeln sich in Galerien

Die Nachbarn räumen die Keller leer, Fährräder und Hausrat werden weggestellt. Sehr viele Besucher gehen Jahr für Jahr die Treppe in den Kottwitzkeller hinunter, dessen Treppenaufgang ein Gemälde von Horst Wäßle ziert, einem Künstler der Schlumper-Künstlergruppe.

Es gibt viele Kunstgattungen zu sehen: Malerei, Zeichnungen, Drucke, Objekte, Installationen, Theater, Musikimprovisationen, Performance, Video, Film, Modenschau, Gedichte… ein vielfältiges Programm.

Auch die Innenhöfe, Gärten und die Straße werden  bespielt, ein buntes Fest mit Kunst, Musik und fröhlichem Treiben.

Puppen des Glücks © Luise Czerwonatis / Foto: Hanna Malzahn

Die Begründer und Organisatoren Wolfgang Scholz und Dieter Tretow geben ein weitgefasstes Thema vor. Es gibt keine Jury und keine Altersbeschränkung. Die Wahl der Motive zum jeweiligen Thema, die Technik und die Formate sind den Künstlern freigestellt. Das garantiert schon von vornherein eine große Bandbreite und Vielfalt an Kunstwerken. Alle Künstler sind eingeladen, die jeweilige Themenstellung in ihrem eigenen Credo zu bearbeiten. Sie können ausprobieren und experimentieren, bis die Umsetzung der Idee jeweils optimal erscheint. Dabei beschreiten viele Künstler ganz neue Wege.

Es geht um das Glück

Beim diesjährigen 26. Kottwizkeller am 27. und 28. August ging es thematisch um das Glück. Das Logo zeigt einen Wolf.

In Italien wünscht man jemanden mit „in bocca al lupo“ nicht wortwörtlich in das Maul eines Wolfes, sondern viel Glück. Im Deutschen finden wir die Entsprechung im Wunsch des „Hals- und Beinbruchs“. Um das Glück nicht herauszufordern, wünscht man aus Aberglaube genau das Gegenteil.

Lt. Wikipedia ist „Glück ist ein mehrdeutiger Begriff, der momentane oder auch anhaltende positive Empfindungen (Glücksgefühle) einschließt, die von stiller bis zu überschießender Art sein können. Glücklich kann man zudem eine Person nennen, der es anhaltend gut geht, weil ihr Leben viel von dem enthält, was sie als wichtig erachtet.“

Kitsch macht Dich glücklich © und Foto Hanna Malzahn

Ist Glück demnach Zufriedenheit oder ein flüchtiger Augenblick? Oder die positive Bilanz eines Lebensabschnittes?

Das subjektiv beeinflussbare und wahrgenommene Glück in einer Definition als objektive Tatsache festzuhalten, ist äußerst schwierig.

Eine faszinierende Werkschau

So  ist es spannend und inspirierend wie die sechsunddreißig teilnehmenden Künstler das Glück in ihren Arbeiten darstellen, beschreiben und interpretieren, das Glück in mannigfaltiger Gestaltung, unter verschiedenen Aspekten und Fragestellungen, eine faszinierende Werkschau.

Es gibt großartige Exponate: Malerei, Zeichnungen, Collagen, Druckgraphik, Objekte, Scherenschnitte, Installationen, Theater, Film und Musik, Zauberei, Märchen und Seifenblasen  – glückliche Momente  inklusive.

Glückskeks © Wolfgang Scholz Dieter Tretow / Foto: Hanna Malzahn

Im Garten gibt  es einen interaktiven überdimensionierten Glückskeks von der Größe eines Drei-Mann-Zeltes, im Treppenhaus eine Installation mit Spielkarten, der Schriftzug „GLÜCK“ gestaltet mit Centstücken, Scherenschnitte mit faszinierenden Schattenwürfen, Puppen des Glücks chillend zum Feierabend im Waschbecken, Fotoserien, klassische Malerei, zimmergroße Installationen, einen gewebten Wandteppich und vieles, vieles mehr.

Ein Film zum 26. Kottwitzkeller fängt die gute Stimmung ein, zeigt die unterschiedlichsten Positionen und das ungewöhnliche Ambiente.

Weitere Informationen unter www.kottwitzkeller.de

Die Ausstellung kann man virtuell durchwandern: https://www.kottwitzkeller.de/gluecksuebersicht.html

Cocooning © Tanja Soler Zang / Foto: Hanna Malzahn