Bestürzend bewegende Biografien

Deutsche Erstaufführung im Monsun-Theater: „Pflugversuch“

Von Hans-Peter Kurr

Die österreichische Regisseurin Marianne Hauttmann ist an der Friedensallee in Altona keine Unbekannte mehr: Im renommierten „Monsun“-Theater inszenierte sie jetzt zum zweiten Mal ein ungewöhnliches Stück ihres Landsmannes Volker Schmidt mit dem vieldeutigen Titel „Pflugversuch“.Im Zentrum des Werkes sehen wir einen landflüchtigen Bauernsohn, der sich vor vielen Jahren entschlossen hat, sein Leben als Maler in der benachbarten Stadt zu verbringen, dort eine attraktive Frau kennenlernt und mit ihr an den Ort seiner Kindheit zurückkehrt, um am Begräbnis seines inzwischen verstorbenen Vaters teilzunehmen, der den heimatlichen Hof in seinen letzten Lebensjahren verkommen liess. Nur eine Magd, vielleicht die ehemalige Geliebte des Vertorbenen (?), trifft der Sohn hier noch.Und nun beginnt die Verflechtung der  bestürzend bewegenden Biografien der vier handelnden Personen, denn: Ein anderer  Bauernsohn, der der heimatlichen Scholle treu blieb, tritt in die Szene, und der Zuschauer ahnt, analog dem Leser eines guten Filmtreatments, wie die dramatischen Kreuz-  und Querverbindungen zwischen den  Agierenden nun zu wirken beginnen. „Bestürzend bewegende Biografien“ weiterlesen

Utopia

Eine Zukunftsreihe des Jungen Schauspielhauses zu Hamburg
Von Hans-Peter Kurr

Bereits seit der Spielzeit 2009 / 2010 befasst sich das von Klaus Schumacher geleitete „Junge Schauspielhaus“ zu Hamburg, vornehmlich im Malersaal, zuweilen aber auch auf der grossen Bühne mit Zukunfts-  und Generationsfragen. Sobald für die Spielzeit 2013/14 die Regentschaft der neuen Intendantin, der aus Köln „importierten“ Karin Beier, beginnt, muss Schumacher zwar mit seiner hochmotivierten Mannschaft den Malersaal verlassen, hat aber inzwischen ein zweckmässiges und gut geeignetes Ausweichquartier in der Nachbarschaft der Thalia-Dependance an der Gaußstrasse gefunden. „Utopia“ weiterlesen

Heute fährt Sie ein Astrologe

Hamburgs originellster Taxi-Kutscher berät seine Gäste während der Fahrt

Text: Hans-Peter Kurr, Foto: Bettina Katalin-Kurr

Sie wollen auf ganz und gar unalltägliche Weise erfahren, was die Sterne am Firmament über uns speziell Ihnen zu sagen haben? Dann callen Sie  0160 / 97642905, ordern auf diese Weise Hamburgs derzeit wohl originellsten Taxifahrer von seinen „Lieblings-Stehplätzen Rotherbaum oder Elyséehotel“ vor Ihre Tür und lassen sich an Ihr Tagesziel fahren……
Nein, nein, denken Sie nicht an das „Quiz-Taxi“, dessen origineller Fahrer und Frager eine Zeitlang über unsere Bildschirme flimmerte. Das war ja schon recht originell, aber: Seit kurzem gibt es in Hamburg einen Taxi-„Kutscher“ mit dem selber gewählten Namen „Horus“, der seinen Gästen während der Fahrt zum Ziel keine Rätsel aufgibt, sondern Ihnen die Wichtigkeit der Astrologie, also der ausdeutenden Sternenkunde, vor Augen führt und sie individuell berät. „Heute fährt Sie ein Astrologe“ weiterlesen

Der Mensch ist ein soziales Wesen

Oder: Es ist dem Menschen nicht förderlich, dass er allein sei

Von Hans-Peter Kurr

41 Prozent der gesamtdeutschen Bevölkerung sind mit ihrem Leben zufrieden.Sie würden selbst dann nichts daran ändern wollen, wenn sie dadurch keine Nachteile befürchten müssten. Das ist  e  i  n   Ergebnis einer Befragung von über eintausend Gesprächspartnern, die das Bielefelder Emnid-Institut durchgeführt hat. Darin heisst es weiter, dass nur vier Prozent der Befragten den Partner tauschen würden. Eine sensationelle Zahl….wenn sie denn stimmt.

Nicht stimmen kann sie, wenn etwas die Trennung bewirkt, was die meisten Menschen ‚Schicksal’ nennen: Krankheit und Tod. „Der Mensch ist ein soziales Wesen“ weiterlesen

Maiausgabe „Godot“ im Internet zu lesen

Von Hans-Peter Kurr

 

 

 

 

 

 

 

Die Mai-Ausgabe des Hamburger Theatermagazins „Godot“ ist jetzt im Internet anzuschauen. KLicken Sie das Bild an, um auf die Seite zu gelangen. „Maiausgabe „Godot“ im Internet zu lesen“ weiterlesen

Elb-viel-harm-o-nie

Glosse von Till  K u l i

Foto: T o b i a s G l o g e r

Jede Stadt, so scheint es derzeit , hat ihre Großbaustelle in der sie jeweils genüsslich Steuermillionen vergräbt. Berlin das Stadtschloss – noch in der Debatte, aber imgrunde schon beschlossen – Stuttgart den Bahnhof und Hamburg selbsverständlich die Elbphilharmonie. 531 Millionen Euro teuer inzwischen. Geld, welches viele Hamburger Theater, Museen und Künstler aller Sparten am Leben erhalten hätte. 531 Millionen zuviel für einen Bau, den die meisten Hamburger nicht wollen und viele inzwischen  hässlich und klotzig finden. Deshalb hier nun unser rettender Vorschlag (  Inspiriert vom Stuttgarter Bahnhofsprojekt ):  „Elb-viel-harm-o-nie“ weiterlesen

Die Geschichte vom faulen Zahn

Klaus Schumacher inszeniert Schimmelpfennigs „Goldenen Drachen“ am Schauspielhaus

Von Hans-Peter Kurr

Das Stück kommt zwar auf den Riesenbühnen des Deutschen Schauspielhauses oder (vor Jahresfrist als Wiener Gastspiel der Uraufführung) des Thalia-Theaters ein wenig verloren daher; deshalb fand seine Uraufführrung  2009 ja auch im Wiener Akademie-Theater, dem „kleinen Haus“, der “ Burg “ statt. Verloren deshalb, weil es sich in den zwei genannten Inszenierungen (Die Uraufführung hatte, wie erinnerlich, der Autor selber besorgt) eher als Kammerspiel erweist. Schon allein aus der Tatsache herzuleiten, dass die fünf Darsteller, wenn sie – wie hier in beiden Arbeiten – ein so vorzügliches Team bilden, zu „weit weg“ sind vom Zuschauer. „Die Geschichte vom faulen Zahn“ weiterlesen

Rätsel des Lebens

„Rätsel des Lebens“ ist der Titel einer grandiosen Filmschau, die das Hamburger Planetarium jetzt , zum ersten MaL vollständig im 3-D-Verfahren als Europapremiere anbietet. Die 40-minütige Reise in die Welt der Wissenschaft anhand der faszinierenden Rekonstruktion der Lebensreise des Charles Darwin auf dem berühmten Segler „Beagle“, als Projektion auf die gewaltige Kuppel des Planetariums von den Tiefen des Meeres bis in Himmelhöhen berauscht die Zuschauer. „Rätsel des Lebens“ weiterlesen

Von Aranjuez an die Elbe gereist

„Don Carlos“ kehrte -im Thalia- nach Hamburg zurück

Text: Hans-Peter Kurr    Foto: Pressestelle des Thalia-Theaters

Jette Steckel ist eine “ Ver-rückte“, will sagen: Eine Regisseurin jenseits der Norm, immer non-konformistisch, zuweilen ab-norm (, um im Wortspiel zu bleiben:), Tochter eines gleichermassen ver-rückten Vaters eben, der bereits Ende der sechsziger Jahre an den Unruhen im Deutschen Schauspielhaus, sagen wir, nicht ganz unbeteiligt war und seitdem zu den „enfants terribles“ des Sprechtheaters zählt.

Jette Steckel ist aber auch eine Abenteurerin, die Theatertraditionen nicht besonders ernst nimmt, sondern lieber ungewöhnliche ( manchmal durchaus neue) Darstellungsformen erfindet. Ihr „Woyzzek“-Ensemble etwa klettert während des gesamten Aufführungsabends, getragen von Gerd Besslers wundervollen Kompositionen,  in die Wanten, das heisst: Es verlässt den tradionellen (Bühnen-)Boden unter den Füssen und spielt die gesamte Büchner-Tragödie in einem riesigen Netz. Eine phantastische Idee, die restlos aufgeht. Oder: Don Carlos‘ Freund, der Marquis Posa, der sich ja , eingestandermassen ,vom höfischen Establishment König Philipps II. abgesondert hat, lässt sie , schnoddrig, mit einer Plastiktüte als Handgepäck auftreten. „Von Aranjuez an die Elbe gereist“ weiterlesen

Reif sein ist alles

Von Hans-Peter Kurr; Fotos: Pressestelle Deutsches Schauspielhaus

Heureka, möchte der Chronist rufen, es ist gelungen! Das Deutsche Schauspielhaus zu Hamburg hat nach Monaten der – weitgehend unverschuldeten –  Krise die ihm zustehende Spitzenposition wieder eingenommen. Es sollte noch katastrophaler um die derzeitige Regierungsmannschaft im Hamburger Rathaus bestellt sein, als bisher angenommen, käme jetzt noch irgendjemand auf die Idee, Deutschlands wichtigstes Schauspielhaus weiterhin wirtschaftlich ( und damit künstlerisch!) zu malträtieren.

Soweit zur Situation. Und nun zur Kunst:

Zwar will es sich auf den ersten Blick nicht recht erschliessen, warum sich dieser, offensichtlich sportlich gestählte und gesunde König Lear in der Personifierung Markus Johns, der anfangs den Hof mit Aktivitäten verblüfft, die man früher „Leibesübungen“ nannte, auf sein Alteneil zurückziehen möchte, und minutenlang blitzt während der später umjubelten Premiere die Frage auf, warum nicht der ältere Michael Prelle seine unglaubliche schauspielerische Präsenz, die er an diesem Abend in die Figur des Gloucester investiert, dem Lear leihen darf . „Reif sein ist alles“ weiterlesen