Ein Haus, fünf Welten und 600 Jahre Geschichte: Hinter alten Mauern in Kufstein beginnt eine Reise für Genießer

Mit der Festung im Rücken, dem Grünen Inn zu Füßen und den Bergen vor Augen liegt das Auracher Löchl an einem der markantesten Orte Kufsteins. In der kleinsten Altstadt Österreichs treffen hier seit Jahrhunderten Geschichte, Gastfreundschaft und Genuss aufeinander. Was einst als Einkehr für Reisende begann, präsentiert sich heute als außergewöhnliches Ensemble aus Boutique Hotel, Restaurant & Weinhaus, Stollen 1930 – Gin Gallery, Panorama 1830 – Sky Bar, Eventlocation sowie einem Café. Ein lebendiger Platz zum Genießen, vielfältig und tief in der Stadt verwurzelt.

Ein Ort mit gewachsener Atmosphäre

Seit über sechs Jahrhunderten ist das Auracher Löchl Teil der Kufsteiner Stadtgeschichte. Die historische Römerhofgasse, die unmittelbare Nähe zur Festung Kufstein und die Lage am Inn prägen den Charakter des Hauses. Tradition und Gegenwart greifen hier ineinander. Besonders sichtbar wird das in den behutsam restaurierten Räumen. In der Südtirolerstube, einst Kaminstube, wurden historische Wandmalereien freigelegt und in das heutige Ambiente eingebunden. Entstanden ist ein Raum, der Wärme ausstrahlt und zum Zusammensitzen einlädt. Mit der Erweiterung im Jahr 2021 wurde das Auracher Löchl weitergedacht. Neue Zimmer und Suiten, ein Relaxbereich sowie eine fein abgestimmte gastronomische Weiterentwicklung verbinden historische Substanz mit zeitgemäßem Komfort. Heute gilt das Auracher Löchl als Must See in Kufstein.

Zeitlos gute Küche, ehrlich und pur

Hier wird mit großer Hingabe, hoher Qualität und großem Respekt vor der Tradition gekocht. Die Küche steht für klassische Tiroler und österreichische Wirtshauskultur, die von den Köchen gekonnt mit hochwertigen internationalen Einflüssen veredelt wird. Regionale und saisonale Produkte bilden das Fundament, kreativ interpretierte Klassiker sorgen für Vielfalt und zeitlosen Genuss. Das Angebot wird durch Steaks vom KSF Argentina Grill ergänzt. Begleitet werden die Gerichte von einer erlesenen Auswahl an Weinen aus dem hauseigenen Weinkeller, der wahre Raritäten bereithält und das kulinarische Angebot stimmig ergänzt.

Ein Tisch für zwei hoch über der Altstadt

Hoch über der historischen Römerhofgasse verbirgt sich ein weltweit einzigartiges Erlebnis: das kleinste Brückenrestaurant der Welt. Zwei Plätze, Kerzenschein und ein exklusives Fünf-Gänge-Gourmetmenü laden in dem Séparée zu romantischer Zweisamkeit und besonderen Momenten ein. Das beliebte Brückendinner wird ebenso in den historischen Stuben serviert und eignet sich perfekt für Freunde, Familien oder Geschäftspartner.

Schlafen mit Geschichten im Gepäck

Das Boutique Hotel Auracher Löchl lädt zu entspannten Reisen durch die Welt und durch die Zeit ein. 43 individuell gestaltete Zimmer und Suiten verbinden Tiroler Altholz, edle Textilien und modernen Komfort mit der Atmosphäre historischer Mauern. Balkone und Fenster aus Kaisers Zeiten verleihen ein besonderes Flair. Jedes Zimmer erzählt seine eigene Geschichte, inspiriert von Weltmetropolen, faszinierenden Ländern oder der Kufsteiner Stadtmauer. Abgerundet wird der Aufenthalt durch den neuen Relaxbereich mit traumhafter Aussicht auf den Inn und die Berge.

Frühstücken am Grünen Inn

Der Tag beginnt im Café Franz Josef am Grünen Inn. Das vielseitige Frühstücksbuffet steht Hotelgästen ebenso wie externen Gästen offen und begeistert mit regionalen Produkten, großer Auswahl und liebevoller Präsentation. Täglich von 7 bis 11 Uhr wird Frühstück hier zu einem genussvollen Start in den Tag.

Die größte Gin Gallery Europas

Die Stollen 1930 – Gin Gallery liegt 90 Meter tief im Festungsberg und gilt mit über 1.300 Gin Sorten als größte Gin Gallery Europas. Die elegante Speakeasy Bar begeistert mit Kristalllustern, Samt, Leder und erstklassigem Service sowie mit Fancy Drinks und Signature Cocktails. Bei Tastings und den monatlichen Gin Dinners führen erfahrene Kenner durch die Welt des Gins. Verkostet werden vier sorgfältig ausgewählte Gin Tonic Kreationen, begleitet von Hintergrundwissen und kulinarisch fein abgestimmt durch die Küche.

Genießen in der Panorama 1830 – Sky Bar

Die vollklimatisierte Panorama 1830 – Sky Bar ist ein stilvoller Treffpunkt über den Dächern von Kufstein. Bei spektakulären Ausblicken über den Inn bis zum Pendling trifft entspanntes Barleben auf zeitgemäße Barkultur. Mit ihren Signature Cocktails, klassischen Drinks und ausgewählten Weinen ist die Sky Bar der ideale Ort für Sundowner, Afterwork-Treffen oder einen besonderen Abend in ungezwungener Atmosphäre.

Ein Haus, viele Möglichkeiten zum Feiern

Privater Anlass oder Firmenfeier, im Auracher Löchl wird in Räumen mit Charakter und besonderem Flair gefeiert. Von der Panorama 1830 – Sky Bar mit Blick über die Stadt bis zur Stollen 1930 – Gin Gallery tief im Festungsberg, von der Weinstube bis zur Südtiroler Stube und weiteren Bereichen steht eine breite Auswahl an Räumlichkeiten zur Verfügung. Jede Feier findet hier ihren passenden Rahmen und lässt sich individuell gestalten. Begleitet von Küche, Weinkeller und persönlichem Service entstehen Anlässe, die Eindruck hinterlassen.

Mittendrin im Stadt- und Naturerlebnis

Die zentrale Lage macht das Auracher Löchl zum idealen Ausgangspunkt für die Erkundung der Stadt und ihrer Umgebung. Der Bahnhof Kufstein ist in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar und ermöglicht eine komfortable Anreise mit dem Zug. Radfahrer profitieren von der direkten Lage am Innradweg. Sie finden hier einen perfekten Zwischenstopp oder Ausgangspunkt für genussvolle Tage in Kufstein.

Genießen mit gutem Gefühl

Nachhaltigkeit ist im Auracher Löchl ein bewusst gelebter Prozess. Das Boutique Hotel sowie alle Bereiche des Hauses befinden sich aktuell in der Umweltzertifizierungsphase, mit dem Ziel, ökologische Standards weiter zu erhöhen und nachhaltige Betriebskonzepte konsequent umzusetzen. Das Auracher Löchl ist ein lebendiger Ort voller Geschichte, Genuss und Emotionen, für Einheimische ebenso wie für Gäste aus aller Welt. Ganz gleich, wie man seinen Tag gestaltet, es bietet Raum für besondere Genussmomente.

Auracher Löchl
A-6330 Kufstein, Römerhofgasse 4
Tel.: +43 (0) 5372 62138
E-Mail: hallo@auracher-loechl.at
www.auracher-loechl.at

Festlicher Champagner-Empfang

Mit ihren offiziellen Ehrenketten waren Madame le Bailli Bettina Schliephake-Burchardt (2. von links) und die Mitglieder des Regionalen Rates beim Jahresempfang: Volker Schwarz, Beate Rabanus, Hagen Hoppenstedt und Marc Schumann (von links). (c) Chaîne des Rôtisseurs

Chaîne des Rôtisseurs lud ins Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten

Küche, Kochkunst und Tafelkultur – diesen harmonischen Dreiklang hat sich die „Chaîne des Rôtisseurs“ weltweit auf ihre Fahnen geschrieben. Gegründet im Jahre 1248 in Frankreich als Berufsgilde der „Bratenmeister“, französisch „Rôtisseurs“, ist die Vereinigung heute eine internationale Bruderschaft, in der sowohl Gastronomie-Profis, als auch Amateure, sprich Gäste, gemeinsam dazu beitragen, gehobene Kochkunst und gepflegte Gastlichkeit zu zelebrieren.

Die 1950 gegründete deutsche Abteilung innerhalb der internationalen Gemeinschaft ist die „Bailliage National d‘Allemagne“, die örtliche Sektion heißt „Bailliage de Hambourg“. Auch in diesem noch jungen Jahr 2026 hatte die Bailliage de Hambourg durch ihre Vorsitzende, „Madame le Bailli“ Bettina Schliephake-Burchardt wieder zum traditionellen Jahersempfang in die Räume des Fairmont Hotels Vier Jahreszeiten eingeladen. Sie ist außerdem bekannt als Präsidentin der Deutschen Konditorenbundes sowie als Jurorin in der TV-Sendung „Das große Backen“. Bei ihrer Arbeit für die Bailliage de Hambourg wird sie unterstützt durch die Mitglieder des „Regionalen Rates“. Beim Jahresempfang im Vier Jahreszeiten genossen rund 80 Gäste  Champagner mit exquisiten kalten und warmen Snacks, die in Form eines „Flying Buffets“ gereicht wurden. Die kulinarischen Köstlichkeiten wurden kreiert und zubereitet von Drei-Sterne-Koch Christoph Rüffer mit der weißen Brigade des hauseigenen Gourmet-Restaurants „Haerlin“. „Ein vollendeter Reigen exquisiter kulinarischer Genüsse auf höchstem Sterne-Niveau“, so das einhellige Urteil aller Gäste.

Übrigens: Vor ein paar Jahren wurde speziell für jüngere Interessenten an der Chaîne-Idee  die Abteilung „Jeune Chaîne“ gegründet, in der Chaîne-Mitglieder im Alter bis zu 35 Jahren mit reduziertem Beitrag Zugang zu den Veranstaltungen und Kontakt zu Altersgenossen in der Chaîne finden. Mehr Infos über die Bailliage des Hambourg gibt es im Internet auf Facebook und unter www.chaine-hh.de, eine Kontaktaufnahme ist möglich unter info(at)chaine-hh.de.

 

Foto: Mit ihren offiziellen Ehrenketten waren Madame le Bailli Bettina Schliephake-Burchardt (2. von links) und die Mitglieder des Regionalen Rates beim Jahresempfang: Volker Schwarz, Beate Rabanus, Hagen Hoppenstedt und Marc Schumann (von links)

Copyright: Chaîne des Rôtisseurs

 

Kriege verstehen – und was man gegen sie tun kann

Steht der „Albtraum der Geschichte“ mit der ungeheuerlichen Gewalt in den gesellschaftlichen Strukturen und der Aufeinanderfolge von Kriegen in einer Wechselwirkung mit den ebenso ungeheuerlichen Gewaltaspekten in den Eltern-Kind-Beziehungen im Verlaufe der Geschichte, also dem „Albtraum der Geschichte der Kindheit“, wie er im Rahmen der Psychohistorie in den letzten Jahrzehnten erforscht worden ist? Die Antwort der Psychohistorie, der Erforschung der psychologischen Aspekte im geschichtlichen Geschehen, ist ein eindeutiges „Ja“, wie es im Buch „Das emotionale Leben der Nationen“ vom Begründer der modernen Psychohistorie Lloyd deMause und ebenso in den Tagungsbänden der „Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie“ in Deutschland zusammenfassend dargestellt wurde.

Durch die Zusammenführung verschiedener Forschungsfelder, wie insbesondere der Erforschung der lebensgeschichtlichen Entwicklung des menschlichen Gehirns und der damit in Wechselwirkung stehenden seelischen Entwicklung können wir heute diese dunklen Schattenseiten des in seiner Art so erfolgreichen kulturschaffenden Primaten Homo sapiens besser verstehen.

Galt in der Geschichte der Krieg sogar als kulturelle Institution, dann später als schicksalhaft hinzunehmende Heimsuchung und in den letzten Jahren immer offener als gesellschaftliches Verbrechen, so verbindet sich damit ein zunehmendes Verständnis, dass Kriege von einzelnen Personen und gesellschaftlichen Gruppen in einer heute verstehbaren Konfliktdynamik initiiert werden. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei, dass durch die Geburt in einem Zustand der neurologischen Unreife und die damit verbundene Abhängigkeit von den Sozialisationsbedingungen früheste beeinträchtigende Traumatisierungen eine große Rolle spielen und die emotionale Persönlichkeitsreife von Einzelnen und auch von ganzen gesellschaftlichen Gruppen zutiefst beeinträchtigen können. Diese Traumatisierungen führen dazu, dass Konflikte sehr rasch nur durch Gewalt lösbar erscheinen, was auf der gesellschaftlichen Ebene dann Krieg bedeutet. Dieses neue und erweiterte Verständnis der Psycho- und Soziodynamik von Kriegen wird auf der Tagung in einzelnen Schritten dargestellt und erläutert.

GESELLSCHAFT FÜR PSYCHOHISTORIE UND POLITISCHE PSYCHOLOGIE (GPPP)
 40. Jahrestagung 27. – 28. Juni 2026 ONLINE

Kriege verstehen – und was man gegen sie tun kann

Das Tagungsprogramm finden Sie auf der Website der Gesellschaft unter www.psychohistorie.de/tagungen/

Information und Organisation:
Dr. Axel Bischoff
 / GPPP
Friedhofweg 8
69118 Heidelberg
Tel.: 06221 892729
tagung@psychohistorie.de

Teilnahmegebühren

Gesamte Tagung
Nichtmitglieder  240 €  (bis 20.05.26),  280 € (ab 21.05.26)
Mitglieder (GPPP) 190 €  (bis 20.05.26), 230 € (ab 21.05.26)
Ermäßigte / Studierende 90 € (bis 20.05.26), 120 € (ab 21.05.26)

 

Frühbucherrabatt bis zum 30.4.2026:

Nichtmitglieder 160 €
Mitglieder (GPPP) 130 €
Ermäßigte / Studierende 50,– €

Anmeldung

per E-Mail an tagung@psychohistorie.de und durch Überweisung der Tagungsgebühr bis spätestens 23.6.2026 auf das Konto „Deutsche Gesellschaft für Psychohistorische Forschung” – Sparkasse Heidelberg, IBAN: DE22 6725 0020 0004 2525 78, BIC:SOLADES1HDB, Kennwort: Psychohistorietagung 2026. Die Tagung findet online als ZOOM-Meeting statt.

für die GPPP: Ludwig Janus / Heinrich Reiss / Götz Egloff

„Proof“ by David Auburn, the New Premiere at the English Theatre of Hamburg

My god, what shall I do without dad? / Mein Gott, wie soll es nur weitergehen ohne Dad?

Have you ever heard of David Auburn, one of the most productive American playwrights of our days? If not, it is high time you learn about his oeuvre. The audience of The English Theatre will greatly enjoy his drama “Proof” that won him not only the coveted Pulitzer Prize but also the Tony Award. This gripping play about a mathematical genius – or even two geniuses (one of them female) –  has proved an overwhelming success on the international theatre stages. A much acclaimed movie stars Gwyneth Paltrow and Anthony Hopkins in the leading parts.

Although Robert (Richard Ings) is dead he is haunting his daughter in her day dreams. While Catherine (Georgina Casbarra) is sitting on the porch of her home in Chicago on a sunny afternoon, Robert appears as a ghost in front of her. Why is she, a brilliant mathematician like himself, neglecting her scientific work? Has she become lazy bones? By no means. Since Catherine has been caring for her demented father for years, she has completely dropped out or her own mathematical studies. Now she worries about inheriting her father’s mental illness along with some of his talent.

Sisterly concern

When Catherine’s sister Claire (Katherine Bristow) learns about her father’s death, she leaves New York immediately to assist Catherine in organizing the funeral. Claire being completely matter of fact, thus the exact contrast of Catherine, does not lose time with grieving over the deceased. Why does Catherine not fly with her to New York and enjoy Big Apple with all its diverse pleasures? A complete change of scenery would do the younger sister a world of good. To Claire’s surprise Catherine denies her offer and insists on staying in Chicago.

A friend turns up

During Robert’s funeral service Hal (Peter Dewhurst)  turns up. He was one of Robert’s most gifted students who now feels entitled to go through his late master’s papers. Catherine falls in love with the young man and even spends the night with him. Next morning Catherine and Hal are enjoying a good breakfast while Claire is fighting a terrible hangover nausea. Wow – who on earth could ever have imagined such a faux pas committed by so fine and stylish a lady like Claire.

Heureka – a sensational find!

Meanwhile Hal is poring over Robert’s notes searching for some final note of brilliance left by his late professor. Finally he comes across a notebook that reveals a sensational result. Did Robert really crack an important mathematical proof! But, surprise, surprise, Catherine claims that this notebook contains her and not Robert’s work. Is she really the the one who finally “cracked the nut?”

Have a look, Catherine, this is the proof! / Sieh mal, Catherine, hier ist der Beweis. Eine Sensation!

Claire and Hal can’t believe that Catherine is the genius and not Robert as everybody else would have suggested. Claire even reveals her doubt about Catherine’s mental sanity. Catherine falls into  depression and cannot believe what her own sister is doing to her. However, Hal hands the notebook over to experts in his math department who will determine its authenticity. The result of their research shakes the academic world. It becomes clear that Catherine and not Robert has achieved the “unthinkable.”

Catherine is happy and thankful for Hal’s assistance and loyalty in her “case.” She plucks up courage again und decides to continue her studies. She will prove to the world that she can live her own independent life without being patronized by others.

Conclusion:  Persistence pays off.

According to David Auburn his play is not really about mathematics.  Critics claim that “Proof” is ostensibly about math, but it is merely a background of the exploration of the calculus of familial trust, love, grief and loyalty.” Others claim an underlying sexism. A female mathematical genius? Unthinkable in a world full of machos who think that only their sex is up to academic peak performances. The author, however, proves that genius is by no means a question of gender. Feminists will build him a monument for his courage to refute centuries-old prejudices.

A great evening at the ETH brimming with highly emotional and  funny moments, performed by four outstanding “thespians” under the direction of Clifford Dean.

Last but not least a homage for David Auburn by The New York Magazine: “When we think of great playwrights we think of Arthur Miller, Eugene O’Neill and Lillian Hellman. Welcome David Auburn to the club!”

Last performance of “Proof” on April 11, 2026, Tickets under phone number 040-227 70 89 or online under www.englishtheatre.de

Next premiere: “All New People” by Zach Braff on April 27, 2026

Photos: Stefan Kock

„Proof“ (Der Beweis) von David Auburn, die neue Premiere am ETH

My god, what shall I do without dad? / Mein Gott, wie soll es nur weitergehen ohne Dad?

Sind Mathematiker per se verpeilt oder gar verrückt? Diese Frage beschäftigt David Auburn in seinem Drama „Proof“, das dem amerikanischen Autor sowohl den begehrten Pulitzer Preis als auch einen Tony Award einbrachte. Das von vier Schauspielern getragene Stück spielt in Chicago um das Jahr 2000.

Die gerade 25 Jahre alt gewordene Catherine trauert um ihren Vater Robert, ein allseits bewundertes Genie auf dem Gebiet der Mathematik. Während sie die Vorbereitungen für seine Beerdigung trifft, erscheint ihr Roberts Geist auf der Veranda ihres Hauses mit einer Flasche Champagner, um mit ihr auf ihr neues Lebensjahr anzustoßen.

Robert wirft Catherine vor, ihre Forschungsarbeit vernachlässigt zu haben. Ist sie doch selbst eine brillante Mathematikerin, die ihr Talent nicht verschwenden sollte. Catherine zeigt sich zutiefst verstört. Die jahrelange aufopfernde Pflege, die sie ihrem dementen Vater angedeihen ließ, hat sie viel Kraft gekostet und ihr kaum Zeit für ihre wissenschaftliche Arbeit gelassen. Auch Freundschaften hat sie seinetwegen nicht pflegen können. Selbst ihre Schwester Claire ist ihr fremd geworden. Catherines größte Sorge aber gilt ihrer eigenen mentalen Gesundheit. Womöglich hat sie Roberts Geisteskrankheit geerbt. Wer weiß das schon…

Hal, ein ehemaliger Student und Bewunderer Roberts, macht sich währenddessen daran, den wissenschaftlichen Nachlass des Verblichenen zu ordnen.

Schwesterliche Fürsorge

Pünktlich zur Beisetzung des Familienpatriarchen reist Catherines  Schwester Claire aus New York an. Besorgt über den depressiven Zustand ihrer jüngeren Schwester, möchte sie Catherine mit sich nach Big Apple nehmen, wo sie schnell von ihrer Trauer um den Vater abgelenkt würde. Catherine lehnt ab und verweist auf Hal, der ihr zur Seite steht. Wer zum Teufel ist der? Die pragmatische Claire vermutet, dass dieser Hal nur in Catherines Fantasie existiert. Ist die kleine Schwester etwa gerade dabei, ihren Verstand zu verlieren wie ihr Vater? Immerhin hat sie vor kurzem sogar die Polizei alarmiert, als sie sich einbildete, dass jemand Roberts Notizen stehlen wollte. Wo soll das noch hinführen!

Eine Trauerfeier und ihre Folgen

Auf der Feier im Kreise der Freunde und Kollegen des Verblichenen kommen sich Catherine und der sympathische Hal näher, während die sonst so kontrollierte Claire sich sinnlos betrinkt und am nächsten Morgen völlig verkatert zum Frühstück erscheint. Dennoch konfrontiert sie Catherine mit der Forderung, das Elternhaus in Chicago zu verkaufen. Gehört ihr nach Roberts Tod doch die Hälfte der Immobilie, für deren Erhalt sie jahrelang aufgekommen ist und auch die Hypothek bezahlt hat. Catherine ist empört und argumentiert, sie habe ihre eigene akademische Laufbahn aufgegeben, um jahrelang ihren dementen Vater zu pflegen. Claire kontert, dies sei Catherine nicht gut bekommen. Wenn Catherine sarkastisch anmerkt, ihre Schwester wolle sie wohl in eine Klapsmühle verfrachten, bestreitet diese dies vehement: Aber, aber, davon kann doch keine Rede sein.

Have a look, Catherine, this is the proof! / Sieh mal, Catherine, hier ist der Beweis. Eine Sensation!

Catherine ist entschlossen, ihr abgebrochenes Studium an der Northwestern University wieder aufzunehmen. Hal zeigt sich beeindruckt von ihrer Entscheidung und fährt fort, Roberts umfangreiche Notizen zu sichten. Ganz unten im Fach des Schreibtisches macht er eine schier unglaubliche Entdeckung.  Eureka – ich hab’s gefunden!   Wusste Catherine etwas von dem Eintrag in Roberts Notizen, der aussieht wie ein mathematisches Theorem über Primzahlen, das Mathematiker von jeher zu beweisen versuchten, ohne jedoch einer Lösung näher gekommen zu sein?  Ein wahrer Geniestreich, der alle bereits vorhandenen Erkenntnisse auf den Kopf stellt. Als Catherine erklärt, sie und nicht Robert habe diesen Beweis erbracht und niedergeschrieben, will weder Hal noch Claire ihr Glauben schenken.

Catherine, das verkannte Genie

Nachdem sich die Wellen geglättet haben und Hal die angeblich von Robert verfassten Notizen noch einmal gründlich durchgegangen ist, kommt er zu der Erkenntnis, dass Catherine und nicht Robert die Urheberin dieses bahnbrechenden Lehrsatzes ist. Denn zu Roberts Lebzeiten existierten die neueren mathematischen Techniken noch gar nicht, mit denen er hätte bewiesen werden können. Trotz dieser Versicherung befürchtet Catherine, dass „etwas mit ihr nicht stimmt“. Aber Hal versichert ihr, dass die abgedroschene Formel „Genie gleich  Wahnsinn“ jeglicher Grundlage entbehrt.

Catherine wird ihr Studium wieder aufnehmen, in Zukunft eng mit Hal wissenschaftlich zusammenarbeiten und beweisen, dass sie in der Lage ist, ein unabhängiges produktives Leben zu führen.

Fazit: Jene, die konsequent ihr Ziele im Auge behalten, werden am Ende mit Erfolg belohnt.

„Proof“ beginnt behäbig ohne Spannungsbögen und plätschert  dahin, ohne dass der Zuschauer zunächst einen Einblick in das eigentliche Sujet gewinnt. Bald aber wird ersichtlich, welchen Sprengstoff das fast ödipale Vater-Tochter-Verhältnis zwischen Robert, einem international anerkannten Mathematiker, und der gerade 25-jährigen Catherine in sich birgt. Hing Catherine – selbst eine äußerst begabte Mathematikerin – während Roberts aktiver Zeit nicht wie eine Marionette an dem von ihrem Vater geführten Spielkreuz? Seit Robert in geistige Umnachtung verfiel, gab die Tochter ihr vielversprechendes Universitätsstudium auf, um sich ganz der Pflege ihres Vaters zu widmen. Regelmäßig erscheint dieser ihr jetzt als Geist, der sie rügt, ihre Studien vernachlässigt zu haben.

Catherines Schwester Claire, eine erfolgreiche New Yorker Währungsanalystin, ist aus ganz anderem Holz geschnitzt. Sie verfolgt ihre Karriere und beobachtet den geistigen Verfall ihres Erzeugers aus der Distanz. Wäre der Vater nicht besser an einem Ort aufgehoben, wo man sich professionell um ihn kümmert?

Zu den beiden ungleichen Schwestern gesellt sich Hal, ein ehemaliger  Student Roberts, dessen Aufgabe es ist, den geistigen Nachlass seines Lehrmeisters unter die Lupe zu nehmen. Und damit beginnt der wahre Plot dieses von Clifford Dean ebenso spannend wie intelligent inszenierten Stückes. Denn was Hal in Roberts zahlreichen Notizheften schließlich entdeckt, hat das Zeug, die wissenschaftliche Welt buchstäblich aus den Angeln zu heben.

Gehen wir gleich in medias res: Eureka! Der smarte Hal hat mit der untrüglichen Nase eines Trüffelschweins das mathematische Theorem über Primzahlen aus dem unübersichtlichen Haufen von Notizen herausgefischt, nach dem Mathematiker forschten, so lange es diese Spezies gibt. Allerdings stellt sich bald heraus, dass Catherine und nicht ihr Vater Robert für diesen Geniestreich verantwortlich zeichnet.

Doch nun passiert das, was manche als eine Art schlecht unter dem Deckel gehaltenen Sexismus empfinden. Wie kann es sein, dass eine Frau in dieser (immer noch) von Männern dominierten Welt der Wissenschaft zu einem derart bahnbrechenden Forschungsergebnis gelangen konnte! Während Claire vermutet, dass ihre Schwester ihrem verstorbenen Vater diesen späten Erfolg abspenstig machen will, glaubt Hal nach genauen Recherchen mit Fachleuten an Catherines Urheberschaft.

David Auburn, der Autor von „Proof“, betonte in einem Interview, es gehe in seinem Stück eigentlich gar nicht um Mathematik. Da müssen wir allerdings lebhaft widersprechen. Es geht sehr wohl um Mathematik, um Beweise und mathematische Aktivität. Viele Mathematiker sprechen gar von der „feinsten unwiderlegbaren“ Wissenschaft auf dem Planeten. Mathematik ist auch weder eine Geistes- noch eine Naturwissenschaft, sondern eine Strukturwissenschaft, die abstrakte Zusammenhänge, Muster und logische Strukturen untersucht, statt nur Zahlen zu berechnen. Noch Fragen?

Wieder einmal hat das English Theatre vier bemerkenswerte Schauspieler auf die Bretter des Hauses gebracht. Beeindruckend ist die Leistung Richard Ings als Robert. Er stellt den dementen Wissenschaftler mit einer Intensität dar, die an die Nieren geht. Catherine, gespielt von Georgina Casbarra, berührt mit ihrer Verletzlichkeit, während Katherine Bristow Claire die toughe Karrierefrau aus New York überzeugend gibt. Bleibt noch Peter Dewhurst als liebenswerter Hal, der am Ende alle Fäden in der Hand hält.

„Proof“ läuft bis zum 11. April 2026. Tickets unter der Telefonnummer 040-227 70 89 oder online unter www.englishtheatre.de

Nächste Premiere: „All New People” von Zach Braff am 27. April 2026

Fotos: Stefan Kock

Ein neues Kapitel der Familienhotellerie Cavallino Bianco kommt ans Meer

Mit dem Cavallino Bianco Caorle – Venezia entsteht ein Projekt, das unternehmerische Vision mit zukunftsorientierter Tourismusentwicklung verbindet – mit 101 luxuriösen Suiten und rund 180 neuen Arbeitsplätzen.

Zwischen Pinienhain und Meer beginnt in Caorle ein neues Kapitel italienischer Gastfreundschaft. Nach dem internationalen Erfolg in St. Ulrich erhält das renommierte Cavallino Bianco Family Spa Grand Hotel – vielfach ausgezeichnet als eines der besten Luxus-Familienhotels weltweit – stilvollen Zuwachs an der venezianischen Küste. In bislang einzigartiger Form vereint das neue Haus exklusive Familienferien mit regional verwurzeltem Qualitätsanspruch und schafft dabei nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern auch starke Impulse für die touristische Entwicklung der Region – mit Weitblick, Wertschätzung und unverwechselbarem Stil.

Die Bauarbeiten für das Cavallino Bianco Caorle – Venezia schreiten zügig voran. Die Eröffnung ist für Mai 2026 geplant. Ziel des Luxury Family Beach Resort ist es, das preisgekrönte Konzept aus Gröden auch ans Meer zu bringen: herausragende Gastlichkeit für Familien, ein Design, das bis ins Detail durchdacht ist, maßgeschneiderte Services und eine Philosophie, die das ganzheitliche Wohlbefinden aller Familienmitglieder in den Mittelpunkt stellt – vom ersten Moment an.

In privilegierter Lage – direkt am feinsandigen Strand von Caorle – entsteht ein Resort, das neue Maßstäbe im Familienurlaub setzt.

Das künftige Cavallino Bianco wird 101 großzügige Suiten zwischen 48 und 118 m² bieten – lichtdurchflutet, stilvoll designt und perfekt auf die Bedürfnisse moderner Familien abgestimmt. Jede Suite wurde mit dem Ziel entworfen, Familien maximalen Komfort, Privatsphäre und Bewegungsfreiheit zu schenken – ohne Kompromisse. Getrennte Schlafbereiche, zwei Bäder (eines davon kindgerecht), eine Pantryküche und eine private Terrasse mit Blick auf die Adria sind Standard. Komfort trifft Rückzugsort – mit Design und Atmosphäre.

Der Spa- und Wellnessbereich bietet nicht nur hochwertige Ausstattung, sondern auch angenehme Atmosphäre: beheizte Pools, verschiedene Themen-Saunen, eine Beauty-Farm mit individuell abgestimmten Behandlungen sowie ein Infinity Sky Pool auf der Dachterrasse mit weitem Blick über das Meer laden dazu ein, sich selbst wieder näherzukommen – in Momenten der Achtsamkeit und Regeneration.

Ergänzt wird das Angebot durch eine erlesene Restaurantwelt sowie eine fantasievoll gestaltete Kinderspiellandschaft mit viel Raum zum Entdecken, Spielen und Toben.

Im Mittelpunkt steht dabei stets ein Ziel: Familien höchsten Komfort, unbeschwerte Lebensfreude und bleibende Urlaubserinnerungen zu schenken – in einer Umgebung, die ebenso entspannt wie außergewöhnlich ist. Getragen wird das gesamte Projekt von der Vision und Leidenschaft von Ralph A. Riffeser, CEO des Cavallino Bianco in St. Ulrich. Sein Anspruch: Auch am Meer einen Ort zu schaffen, an dem Familienzeit als echter Luxus erlebbar wird. „Das Cavallino Bianco Caorle – Venezia ist weit mehr als ein Hotel – es ist ein Ort echter Verbindung zwischen Eltern und Kindern. Gemeinsame Zeit – ob als Elternpaar, als Familie oder unter Kindern – ist der wahre Luxus unserer Zeit. Mit diesem Projekt möchten wir Familien einen Rückzugsort schenken, an dem sie Harmonie und echte Emotionen wiederentdecken“, so Ralph A. Riffeser.

Die Architektur des Luxury Family Beach Resorts ist inspiriert von der zeitlosen Eleganz venezianischer Paläste und fügt sich harmonisch in die natürliche Umgebung ein. Besonders eindrucksvoll ist die private Strandlandschaft: Eine 50.000 m² große Fläche mit Cabanas, King-Size-Liegen, Kühlschränken und Spielzonen – exklusiv für Hotelgäste. Ein Stück Freiheit unter der Sonne Italiens, in dem Familien ihren eigenen Rhythmus leben dürfen.

Schon jetzt gilt das Projekt als Meilenstein für die touristische Entwicklung der Region – mit dem Anspruch, neue Maßstäbe für Qualität und Familienfreundlichkeit entlang der gesamten Adriaküste zu setzen. Service auf höchstem Niveau, architektonische Sensibilität und ein tief verankerter Bezug zur Küste verschmelzen zu einem Resort-Erlebnis, das inspiriert – und bleibt. Das Cavallino Bianco Caorle – Venezia empfängt seine Gäste bis zu zehn Monate im Jahr – eine außergewöhnliche Gelegenheit für Familien, ihren Urlaub am Meer auch außerhalb der klassischen Sommermonate zu genießen.

Cavallino Bianco Caorle – Venezia
https://caorle.cavallino-bianco.com/

Vier auf einen Streich

Quelle: Deutsche Post

Gleich vier Würdigungen hat die Deutsche Post zum Ende des vergangenen Jahres in Form der Widmung einer neuen Briefmarke vorgenommen. Gewürdigt wurden beziehungsweise werden Bernhard Lichtenberg aus Anlass seines 150. Geburtstags am 3. Dezember 2025, Margot Friedländer aus Anlass ihres Todes am 9. Mai 2025, Hildegard Knef aus Anlass ihres 100. Geburtstags am 28. Dezember 2025 sowie das Projekt „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig, das vor über 30 Jahren, am 16. Dezember 1992, mit der Verlegung des ersten Stolpersteins vor dem Kölner Rathaus mit dem Auschwitz-Erlass des Reichsführers SS Heinrich Himmler vom 16. Dezember 1942 begann.

Die Marke „150. Geburtstag Bernhard Lichtenberg“ fällt schon insofern aus dem Rahmen, als sie im Unterschied zu den drei anderen nicht 95 Cent wert ist, sondern 15 Cent mehr. Zudem war Hildegard Knef eine im west- beziehungsweise süddeutschen Ulm geborene Wahlberlinerin und Margot Friedländer eine gebürtige Berlinerin, während Bernhard Lichtenberg als einziger aus Ostdeutschland stammte. Schließlich dürfte Lichtenberg von den drei Personen die mit Abstand unbekannteste sein. Dabei wird er in der römisch-katholischen Kirche als Märtyrer und Seliger verehrt sowie in Israel zu den Gerechten unter den Völkern gezählt. Das ist auf seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus zurückzuführen.

Bernhard Lichtenberg

In der Kreisstadt Ohlau im Regierungsbezirk Breslau geboren, verschlug es den katholischen Kaufmannssohn nach dem Theologiestudium in Innsbruck und Breslau nach der Priesterweihe 1899 in Schlesiens Hauptstadt bald in die Reichshauptstadt. Damals gehörte Berlin noch als Teil des Delegaturbezirks Brandenburg und Pommern zum Bistum Breslau, und der Fürstbischof von Breslau, Georg Kardinal von Kopp, war dafür bekannt, viele der besten seiner jungen Priester in diese Diaspora zu schicken, wo es viel zu tun gab. Insofern kann Lichtenbergs Entsendung als Auszeichnung interpretiert werden. Der Schlesier machte denn dort auch Karriere. Nach der Errichtung des Bistums Berlin 1930 wurde er im darauffolgenden Jahr residierender Domkapitular, 1932 Dompfarrer an St. Hedwig und 1938 schließlich Dompropst – und damit im Grunde die Nummer 2 nach dem Bischof.

Erinnerungsblatt 150. Geburtstag Bernhard Lichtenberg, Quelle: Deutsche Post

Lichtenberg war ein Vertreter des den Nationalsozialisten besonders verhassten politischen Katholizismus. Von 1919 bis 1933 saß er für die Zentrumspartei in Charlottenburgs Parlament. Als 1930 „Im Westen nichts Neues“ in die Kinos kam, rief er dazu auf, sich die Verfilmung von Erich Maria Remarques gleichnamigem Antikriegsroman anzuschauen. Kaum, dass die Nationalsozialisten in Deutschland an der Macht waren, durchsuchte die Gestapo erstmals seine Wohnung. 1935 protestierte er in einer Beschwerdeschrift gegen die Zustände im KZ Esterwegen. Daraufhin verhört und misshandelt die Gestapo ihn wegen „Verbreitung von Greuelpropaganda“. Nach der sogenannten Reichskristallnacht betete Lichtenberg jeden Sonntag öffentlich für die Verfolgten, gleich welchen Glaubens. Nachdem der Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen die sogenannte Euthanasie publik gemacht hatte, schrieb Lichtenberg Reichsgesundheitsführer Leonardo Conti einen Protestbrief.

Noch im selben Jahr, am 23. Oktober 1941, nahm ihn die Gestapo fest. Dabei wurde eine von ihm vorbereitete Kanzelvermeldung entdeckt, in der er ein antisemitisches Flugblatt als „Hetzblatt“ bezeichnete. Wegen Kanzelmissbrauchs und Vergehens gegen das Heimtückegesetz wurde der Geistliche zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe wurde Lichtenberg nicht etwa freigelassen. Vielmehr verfügte das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) die Einweisung in ein Konzentrationslager. Auf dem Transport in das KZ Dachau ist der schwer herz- und nierenkranke Häftling am 5. November fern der Heimat im fränkischen Hof gestorben.

Lyrisch-politisch oder politisch-lyrisch?

Cover: Geest-Verlag

„In meiner Lyrik spielte die Politik bisher keine tragende Rolle.“ (Sybille Fritsch: Anderes, Politische Lyrik, Geest-Verlag 2025, S. 5)
Die neueste Sammlung von Sybille Fritsch ist tatsächlich für sie selbst und für ihre Leserschaft thematisch und stilistisch Neuland. Fritschs Gefühl: „Je weiter ich schrieb, desto mehr haben sich mir die Gedichte aufgedrängt, die in diesem Band zusammengefasst … werden“ (ebenda S. 5) und auch Rilkes Empfindung „Es schreibt mich“ (19.05.1924) können alle Lyriker/innen nachvollziehen.

Politische Lyrik ist seit Jahrhunderten in der deutschsprachigen Literatur fest verankert. Fritschs neueste Texte sind allgemein von derselben politisch liberal-demokratischen Einstellung wie zum Beispiel Heines gesellschaftskritische Gedichte. So könnte man behaupten, Fritschs Texte seien in deren Neigung innovativ „zu Hause“.

Ist dieser Aufbruch zum Politischen nötig gewesen? Anhand der Weltsituation muss die Antwort auf diese Frage ein klares „Ja“ sein. Der Schritt zur unverblümten Bloßstellung und Anprangerung der Fortschritte des Bösen war fällig. Um spezifisch zu sein: Schweigen, Wegducken; Gebrüll, Müll vom deutschen Wesen (S. 19), Kinder auf dem Gewissen (S. 21), Friede (der) Krieg bedeutet (S. 22), Gier (S. 23-25), Unrechtsschluchten (S. 26) (keine ) Friedensallee, Floskeln, Probleme … als Waffe, Der braune Ausweg (S. 28) , Europa will keine Flüchtlinge … Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt (S. 30) wechselhaftbefehl (S. 31).

In Teil 2 der Sammlung, „Klima Mit Weltrevolution“ (Texte S. 37-52) geht es um Reife; das System der menschlich-gesellschaftlichen Werte, die einen Zyklus bilden sollten, ist demontiert (S. 40-41). Eine „negative Revolution“ entwickelt einen Gegenzyklus, der „die eigenen Kinder frisst“ und den Status quo der Ungerechtigkeiten der „Vorzeit“ wieder aufleben lässt. In diesem Teil verwendet Fritsch Ausdrücke aus dem Alltag und „mischt“ sie neu.

Die Sprache und Stilmerkmale von Frieden, Krieg, Verzeihn, Shalom in Teil 3 (S. 57 ff) beschwören eine Wiederkehr Richtung reflektierter und verinnerlichter Bedeutung und Wirkung des neu zu gewinnenden „Sachverstands“. Auf den Seiten 61 64 z.B. handelt es sich um Verzicht auf Materielles zu Gunsten des inneren Weges: Lukas 9:3, 10:4 Matthias 10:9 Johannes 12:24. Trotz aller sich hieraus ergebender Hoffnung auf eine Änderung auch im Äußeren, „Hinterm Horizont gehts … weiter“ (S. 65). Wir ziehen unsere Komfortzone dem Erwachen vor: „alles über sich hinaus/Wollende nicht erwünscht (S. 69). Man kann in seinem eigenen Land doch ein „Außenseiter“ sein (S. 80). Auch ein Echo aus dem Markus Evangelium 6:4.

Fritsch findet zusammengefasst in diesem Band ein Idiom klarer Adressenorientierung, die noch emotional anspricht und gleichzeitig zu einem sich aktiv entwickelnden soziopolitischen Bewusstsein aufruft. Die besondere Stimme des Bandes verdankt sich gleichzeitig der Politik und der Literatur, denn Fritsch schreibt mit Fantasie und benutzt Sprache als Medium zur Erforschung menschlicher Erfahrung, um sowohl kulturelle und soziale Reflexion als auch universelle Themen zu vergegenwärtigen. Kurz gesagt, fällt weder das Lyrische dem Politischen zum Opfer noch schwächt das Lyrische die gesamte politische Aussage.

Sybille Fritsch
lebt in Hannover und Windheim an der Weser und war längere Zeit im Oberharz zu Hause.
Lyrikerin, Religionswissenschaftlerin, Philosophin. Seit einiger Zeit verfasst sie auch  lyrische Prosa.
Mitglied verschiedener literarischer Vereinigungen.
Gedichte veröffentlichte sie in deutschsprachigen Anthologien seit den Achtzigerjahren. Bisher vier eigenständige Lyrikbände. Zuletzt im Geest-Verlag ‚DA!‘. Gedichte (2024)

Link zum Buch: https://geest-verlag.de/news/sybille-fritsch-anderes-politische-lyrik-druck