Die Auswärtige Presse e.V.

Internationale Journalistenvereinigung Hamburg
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Unbunt eindringlich

Februar 01, 2018 Von: Maren Schönfeld Kategorie: Gesellschaft, Kunst und Kultur, Redaktionelle Beiträge

Zur Ausstellung „18/I ihr habt es alle gewusst“ von Ele Runge im Berenberg-Gossler-Haus, Hamburg-Niendorf

von Maren Schönfeld
Fotos: Ele Runge

CARPETS, medusa, Fotofragmenteriung, 80 x 80 cm (Ele Runge)

Mit dem ersten Blick sieht das Auge grafische Formen, die wie Teppichmuster aussehen, allerdings fast nur in Schwarz, Grautönen und Weiß. Ich stehe zunächst weit entfernt. Deutlich und harmonisch erscheint mir das grafische Muster, oben und unten, rechts und links gespiegelt. Es strahlt eine Ordnung, Struktur und Symmetrie aus, die eine beruhigende Wirkung auf mich haben. Ich schaue diese Carpets, wie Ele Runge sie nennt, gern an. Dann trete ich näher und mit jedem Schritt vereinzelt der Blick die Elemente dieses Musters. Es sind keine grafischen Formen, sondern winzige organische: Menschen, gehend oder eng zusammen hockend, in Tücher gehüllt. Menschen, deren Gesichter resigniert sind. Menschen, die klagende Posen einnehmen, Menschen hinter Zäunen, Menschen auf der Flucht. Je tiefer ich in den Carpet eintauche, je dichter ich davorstehe, desto verstörender wirkt er. Trete ich zurück, verliert sich die Vereinzelung wieder, das Gebilde verwandelt sich erneut in eine grafisch strukturierte Fläche. Diese Symbolhaftigkeit empfinde ich sofort als stimmig: Die Masse des Leids berührt uns nicht, aber das einzelne Schicksal schon. Die vielen einzelnen Schicksale sind so eine große Masse, das sie uns überfordern. Wir nehmen sie als eine Art Abstraktion wahr. Bewegungen, Wanderungen finden statt, ohne dass wir sie beeinflussen können und egal, wie wir dazu stehen. Dort sind die Grenzen unserer auf Selbstoptimierung getrimmten Welt und dort ist auch der Rand unseres Suppentellers, über den hinauszuschauen Ele Runge uns auffordert. Lesen Sie den kompletten Beitrag →

Der Zahn war nicht immer hohl

Januar 24, 2018 Von: Maren Schönfeld Kategorie: Deutschland, Geschichte, Gesellschaft, Kunst und Kultur, Redaktionelle Beiträge

Vor 127 Jahren wurde der Grundstein zum Altbau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gelegt

von Manuel Ruoff

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gehört zu den Sehenswürdigkeiten West-Berlins. Außer der „Puderdose“ (Hauptbau) und dem „Lippenstift“ (Turm) gehört zu dem Ensemble auch der „hohle Zahn“. Im Gegensatz zu den Nachkriegsbauten des Architekten Egon Eiermann reicht die Geschichte von Franz Heinrich Schwechtens Altbau bis in die wilhelminische Zeit zurück.

Wilhelm II. hatte ein gestörtes Verhältnis zu seinen Eltern, der Mutter Victoria und dem von ihr stark beeinflussten Vater Friedrich III. Der liberale Fried­rich III. verhielt sich zwar loyal zu seinem Vater, aber er verfolgte eine andere politische Linie als der konservative Wilhelm I., was ihr Verhältnis belastete. Da verwundert es nicht, dass Wilhelm II. seinen Großvater mochte. Anfänglich mochte er auch dessen Kanzler Otto von Bismarck, aber das hatte sich über die Zeit so sehr geändert, dass er diesen 1890 zum Rücktritt drängte. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass Wilhelm II. für seinen Großvater die Bezeichnung „Wilhelm der Große“ durchsetzen und ihn als Heros der neusten preußischen und deutschen Geschichte hervorheben wollte.

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Na, wie heißen sie denn nun?

Januar 16, 2018 Von: hoffmann Kategorie: Glosse, Humor, Redaktionelle Beiträge

Erschienen im Hamburger Abendblatt

Eine Glosse von Lilo Hoffmann

Als ich neulich in einem Café frühstückte, setzte sich ein junger Vater mit Zwillingsjungs im riesigen Buggy an den Nebentisch. Ich sah zu, wie er die beiden mit Kakao und Milchbrötchen versorgte und erfreute mich an ihren strahlenden Gesichtern. Da es mich immer interessiert. wie Kinder heutzutage genannt werden, fragte ich den Vater, wie die beiden heißen. „Raten Sie doch mal!“, forderte er mich auf und gab mir gleich noch einen Tipp: „Ihre Namen haben jeweils nur drei Buchstaben.“ Nun war mein Ehrgeiz geweckt. Sofort startete ich den ersten Versuch: „Bestimmt heißen sie Max und Jan.“

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“Norma” – the new book by Sofi Oksanen

Januar 07, 2018 Von: Maren Schönfeld Kategorie: Buchrezension, DAP aktuell, Gesellschaft, Kunst und Kultur, Literarisches

by Maren Schönfeld (German version), English summery by Uta Buhr

Sofi Oksanen, Photo: Toni Härkönen

The German fairy tale “Rapunzel” – one of many tales collected by the Brothers Grimm – forms the basis of Sofi Oksanen’s new novel. Do you remember? Rapunzel, the young woman who is endowed with the most beautiful long hair imaginable which serves her secret lover as a ladder to see her in her tower on top of a castle. Generations of children and young adults all over the world were and still are enchanted by this charming and thrilling tale.

In 2017, “Norma” was published in German language under the title “Die Sache mit Norma.” The author is the daughter of a Finnish father and an Estonian mother, born and raised in Central Finland. Russian animal tales and other stories inspired her to create the post-modern figure of Norma. It goes without saying that a writer of Sofi’s stature does not merely tell us a story, but spices her novel with fine doses of feminism and social problems. Just imagine, in 2010 19 million people went on a pilgrimage to the Indian Tirupati Temple to offer their hair to the gods. As a matter of fact, the temple sells the hair very expensively to celebrities such as Jennifer Lopez and Paris Hilton as hair extensions!  To make a long story short: There is not enough hair to satisfy the “need” for it worldwide. Some gangs meanwhile even go so far as to steel women’s hair by cutting it while their victims are trying to cross the street. Afterwards these gangsters chop off on their mopeds. Lesen Sie den kompletten Beitrag →

Rapunzel und die Mafia

Januar 07, 2018 Von: Maren Schönfeld Kategorie: Buchrezension, Gesellschaft, Kunst und Kultur, Literarisches, Redaktionelle Beiträge

von Maren Schönfeld

Sofi Oksanen, Foto: Toni Härkönen

Das Märchen Rapunzel war der Ausgangspunkt für Sofi Oksanens 2015 in Finnland, 2017 in Deutschland erschienenen Roman „Norma“ (deutscher Titel: „Die Sache mit Norma“). Für die estnisch-finnische Autorin, in der Kindheit geprägt von russischen lehrreichen oder Tiermärchen, war die revolutionäre Geschichte von Rapunzel das Lieblingsmärchen. So kreierte sie eine, wie sie sagt, postmoderne Version dieser Märchenfigur. Aber es wäre nicht Sofi Oksanen, bekämen wir es nicht auch mit Feminismus und gesellschaftlichen Fakten zu tun. 19 Millionen Menschen kamen 2010 zum indischen Tirupati-Tempel, um ihre Haare den Göttern zu opfern[1]. Die Tempel verkaufen das Haar, längst reicht es nicht mehr, um den Bedarf in der Welt zu decken. Extensions, wie sie Jennifer Lopez und Paris Hilton tragen, sind beliebt und werden teuer bezahlt. Längst ist das Geschäft mit den Haaren ein weltweites geworden. Im chinesischen Taihe wurden 2012 mit Haarexporten 88 Millionen Dollar erwirtschaftet.[2] Es gibt Orte auf der Welt, in denen sich zwei Bandenmitglieder auf einem Mofa einer an der Ampel stehenden Frau nähern und ihr – ratsch! – die Haare abschneiden, um damit zu türmen und sie zu verkaufen. Doch die Frauen im Tempel geben ihre Haare freiwillig her, andere gegen einen geringen Preis. Am wenigsten bekommen weltweit die Frauen, die ihre Haare abgeben. Am meisten kassieren Männer, die diese Geschäfte machen. Lesen Sie den kompletten Beitrag →

2017 feiert Finnland hundert Jahre Unabhängigkeit

Januar 03, 2018 Von: Maren Schönfeld Kategorie: Ausland, Geschichte, Redaktionelle Beiträge, Reisen

Dieser Artikel erschien unter der Überschrift „Ein Großfürstentum wird unabhängig und Republik“ am 1.  Dezember 2017 im Geschichtsteil der PAZ.  Der Schluss wurde von der Autorin etwas verändert.

von Uta Buhr

Der Dom

Finnland, das „Land der tausend Seen“ im nördlichsten Teil Europas, erstreckt sich über eine Fläche von knapp 340.000 Quadratkilometern. Es ist somit etwas kleiner als die Bundesrepublik. Während Deutschland eine Bevölkerung von 80 Millionen aufweist, ist Finnland mit lediglich 5,5 Millionen Menschen äußerst  dünn besiedelt. Das offizielle Idiom  ist finnisch, gefolgt vom Schwedischen als anerkannte zweite Amtssprache.

Der 6. Dezember war von jeher ein  besonderer Tag im Leben eines jeden Finnen. 2017 aber wird dieses Datum mit großem Pomp gefeiert, denn vor genau einhundert Jahren erlangte Finnland seine Unabhängigkeit. In den Wirren der Oktoberrevolution ergriff das Land die Gelegenheit beim Schopfe, sich vom zaristischen Russland loszusagen. Unter der Führung von Senatspräsident Evind Svinhufvud unterzeichnete das Parlament mit knapper Mehrheit von 100 zu 88 Stimmen die Unabhängigkeitserklärung, welche  am 31. Dezember 1917 von der neuen sowjetrussischen Regierung anerkannt wurde. Lesen Sie den kompletten Beitrag →

Die Geschichte einer Nordmann-Tanne

Dezember 22, 2017 Von: Maren Schönfeld Kategorie: DAP aktuell, Humor, Literarisches, Redaktionelle Beiträge

von Birgit Romann-Pontow

Die Autorin mit Weihnachtsbaum, (c) Angelika Fischer

Es war einmal, so fangen viele Märchen an. Das Märchen, das ich heute zu erzählen habe, ist eine wahre Geschichte.

Ich bin ein Hamburger Stadtkind, mein Mann kommt aus Schleswig-Holstein. Nach unserer Hochzeit im Jahre 1996, wohnten wir zunächst in meiner kleinen Wohnung in Eilbek, nahe der Wandsbeker Chaussee. Meinem Mann fehlte die Landluft und so zogen wir ein Jahr später nach Barmstedt, seinem Heimatort. Die Hauptstraße ersetzte mir zwar die Stadtluft, aber irgendwie war das doch nicht so ganz nach unserem gemeinsamen Geschmack. Wir schauten uns weiter um und fanden Anfang 2004 unser neues Zuhause. Eine Doppelhaushälfte, mitten auf dem Land in einem Dorf namens Hemdingen mit 1500 Einwohnern und viel frischer Luft. Ich, ein Stadtkind, bis auf die gemeinsame Wohnung Barmstedt, mein Leben lang ohne Balkon, hatte nun ein Haus mit Garten, Wiese drum herum und zwei wunderschöne Nordmann-Tannen im Vorgarten. Garten? Toll! Blumen, Pflanzen. Versuch macht klug. Alles wuchs unter unseren Händen.

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Der Maler und sein Werk: Lászlò Kova in der Galerie Courtyard im Hotel Marriott Hamburg Airport

Dezember 19, 2017 Von: Maren Schönfeld Kategorie: DAP aktuell, Ehrungen, Kunst und Kultur, Mitgliederausstellungen

von Uta Buhr

Motto der Werkschau: Kunst kommt von Können.

László Kova

Unlängst wurde die Ausstellung „Lászlò Kova ist 77 – Retrospektive“ in den eleganten Räumen des Hotels am Flughafen eröffnet. Das Haus hat das Glück,  in Herrn Ravinda K. Ahuja einen kunstsinnigen Direktor gefunden zu haben, der regelmäßig hochkarätige Ausstellungen  organisiert.

Das Multitalent Lászlò Kova – der gebürtige Ungar malt nicht nur, sondern schafft auch Skulpturen, schreibt Geschichten, Romane und Gedichte und musiziert – bot eine beeindruckende Werkschau seiner Bilder. Beim Betreten des Saals fiel den Geladenen sofort das  gelungene Ölgemälde Helmuth Schmidts ins Auge, das den hochverehrten  Elder Statesman in seinen letzten Jahren zeigt. Der „gelernte“ Hanseat hat außer einer Reihe von Porträts und Landschaftsmalereien sehr stimmungsvolle Bilder mit maritimen Motiven geschaffen. Lesen Sie den kompletten Beitrag →

Wohnzimmerlesung zu verschenken

Dezember 14, 2017 Von: Maren Schönfeld Kategorie: Deutschland, Gesellschaft, Kunst und Kultur, Literarisches, Pressemitteilungen, Redaktionelle Beiträge

Lesungen für einen guten Zweck – Mitmachen noch bis zum 21.12.17 möglich

von Maren Schönfeld

Miniatur/Foto: Joy Schalunke,  Grafikdesign: Andrea Rick

Wer noch auf der Suche nach einem originellen Weihnachtsgeschenk ist, wird vielleicht hier fündig: Das Bündnis „Autoren helfen“, eine Initiative von deutschsprachigen Autorinnen und Autorinnen, die sich für humanitäre und soziale Anliegen einsetzt, unterstützt dieses Jahr die Hilfsorganisation „DocMobile – Medical Help e.V.“, die medizinische Hilfe in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln organisiert.

Dafür bieten deutschlandweit Schriftstellerinnen und Schriftsteller an, gegen eine Mindestspende von 100 Euro im Wohnzimmer des Beschenkten oder des Schenkenden aus ihren Büchern zu lesen. Die Spender erhalten von „Autoren helfen“ einen schön gestalteten Gutschein, den sie auf den Gabentisch legen können – die Lesung selbst findet dann nach Absprache mit dem Autor im nächsten Jahr statt. Die Spenden kommen zu hundert Prozent der Hilfsorganisation „DocMobile – Medical Help e.V.“ zugute. Diese Aktion findet bundesweit statt, auf der Internetseite (Link s. u.) sind nach Regionen sortiert die Autorennamen zu finden. Lesen Sie den kompletten Beitrag →

Die Autobiographie von Alice B. Toklas

Dezember 11, 2017 Von: Maren Schönfeld Kategorie: Buchrezension, Gesellschaft, Kunst und Kultur, Literarisches, Redaktionelle Beiträge

von Götz Egloff

Gertrude Stein aus der Sicht von Alice B. Toklas aus der Sicht von Gertrude Stein  

Arche Verlag Zürich

Rund 90 Jahre ist es her, dass Gertrude Stein unzählige Künstler und Denker in Paris versammelte. Picasso und Dalí gehörten dazu, Juan Gris, Georges Braque und Tristan Tzara, Mitbegründer des Dadaismus. Die Surrealisten – Surrealismus sei die letzte Momentaufnahme der europäischen Intelligenz, so Walter Benjamin im Jahr 1929 (1) – hatten sich der Kommunistischen Partei zugewandt; das heute noch existierende Verlagshaus Gallimard veröffentlichte die Zeitschrift „La Révolution Surréaliste“ von 1924 bis 1929. Nachdem André Breton dem Motiv der Begegnung eine ganz neue Dimension eingehaucht hatte, sollte Jacques Lacan, der Salvador Dalí in den 1930ern traf, das Trauma als verpasste Begegnung konzipieren – ein unerhörter Ansatz. Lesen Sie den kompletten Beitrag →