Große Jubiläumsausstellung mit 72 Werken

(c) Barbara Nelle

Das Berenberg-Gossler-Haus feiert sein 25-jähriges Bestehen mit einer großen Gemeinschaftsausstellung. Künstler und Künstlerinnen aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Berlin und Dänemark zeigen ihre Arbeiten.

 

Freiherr John von Berenberg-Gossler war als Stifter des Gebäudes auch Namensgeber des Bürgerhauses Niendorf. Von Anfang an war das schöne, denkmalgeschützte Haus mit dem gemütlichen Ambiente ein Ort der Kunst und Kultur, und in dieser Tradition wird es seit 1997 geführt. So startete im Jahr 2002 die Reihe „TonArt“ zur Förderung der Stadtteilkultur auch auf dem Gebiet der klassischen Musik in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater, gepaart mit der Förderung junger aufstrebender Künstler. Am 14.10.22 wird das 70. Konzert der Reihe – ein Liederabend mit Seungwoo Simon Yang – erklingen.

(c) Hanna Malzahn

Ebenfalls traditionell sind die Kunstausstellungen im Berenberg-Gossler-Haus, die seit 2018 von der Künstlerin Hanna Malzahn kuratiert werden. Für die aktuelle Jubiläumsausstellung hat sie 72 Arbeiten von Künstlern ausgewählt, die in den vergangenen 25 Jahren bereits Ausstellungen im Haus gezeigt haben. So ist eine vielfältige und breite Auswahl entstanden, wie die Kuratorin sagt: „Zweiundsiebzig Handschriften, Botschaften, Stile und Positionen finden sich zu einer großen Retrospektive von 1997 bis 2022 zusammen.“

(c) Peter Bangert

Im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit sehen die Besucher Arbeiten in Öl, Ei-Tempera, Gouache, Aquarell und Tusche. Die verschiedenen Interpretationen zeigen eine enorme Vielfalt und Virtuosität in Form von Stillleben, Landschaften, Porträts, experimentellen und digitalen Arbeiten sowie eine beeindruckende Bandbreite der Zeichnungen, Radierungen und Werke der Fotokünstler. Zu dieser Ausstellung „25 Jahre Kunst im Berenberg-Gossler-Haus“ ist ein Katalog erschienen.

Zu sehen ist jedoch nicht, wie groß das Engagement des ehrenamtlichen Teams hinter den Kulissen ist. So helfen Hanna Malzahn und ihre Kollegen beim Hängen, Rahmen oder bei der Anbringung stabiler Halterungen an Leinwände. Hinter den Kulissen führen der Vorsitzende Reno Malzahn und das Team des Bürgerhauses immerhin einen aus annähernd 600 Mitgliedern bestehenden Verein, und das mit Bravour. Neben Ausstellungen und Konzerten erwartet die Gäste auch ein vielseitiges Kursprogramm. Als Gast bei der Vernissage kommt man sich vor wie ein Teil einer großen Familie, in die man fröhlich aufgenommen wird. Wenn Fachkompetenz, Engagement und Zugewandtheit so zusammenkommen wie im Berenberg-Gossler-Haus, braucht man sich um das Gelingen künftiger Projekte nicht zu sorgen.

Ein großer Kolorist

Rudi Kargus im Atelier, Foto: Carsten Dammann, Hamburg

Am 15. August 2022 wurde der Kunstmaler Rudi Kargus 70 Jahre alt. Er hatte zuvor einige Jahre als Torwart u. a. beim HSV in der Bundesliga gespielt.  Zu der Zeit hat Gino Leineweber ihn kennengelernt und ist seither eng mit ihm befreundet. Hier erinnert er sich an die Anfänge des heute bedeutenden Malers.

Erst war ich ein Fan vom HSV, dann von Rudi Kargus. Vom HSV bin ich das nicht mehr, weil ich mich insgesamt vom Fußball abgewendet habe, von Rudi allerdings auch nicht mehr.

Schriftsteller Gino Leineweber (li.) und Maler Rudi Kargus im August 1997 /Foto: privat

Aber von ihm habe ich mich nicht abgewendet. Im Gegenteil. Mit ihm verbindet mich jetzt eine mehr als 40 Jahre währende Freundschaft. Was uns auch verbindet, und das ist sicherlich Teil davon, ist, dass wir beide unsere Berufe gewechselt haben oder besser ausgedrückt, unseren Berufungen nachgegangen sind. In diesem Bereich haben wir intensiv unsere jeweiligen ersten Schritten als Maler bzw. Schriftsteller begleitet. Ich kenne jedes seiner ersten Bilder, er jedes von mir am Anfang geschriebene Wort. Seine Bilder waren in den Anfängen ziemlich gegenständlich und wirkten großartig. Im Laufe der Zeit änderte sich aber sein Malstil, um es einmal umfassend auszudrücken, doch die Bilder blieben und sind bis auf den heutigen Tag immer noch großartig. Selbstverständlich gefällt mir nicht jedes seiner Bilder gleich gut. Aber das erwartet ein Künstler auch nicht. Er weiß, dass das, was er kreiert, sein Ausdruck für die Inspiration  zu seinem künstlerischen Werk ist. Ob diese Vorstellung und Darbietung den Betrachter genauso erreicht oder teils eigene Eindrücke hervorruft, kann man nicht wissen. ‚Lyrics‘ entstehen im Ohr des Betrachters, soll Freddie Mercury gesagt haben, wobei er die Texte seiner Songs meinte. Bei Bildern ist es offensichtlich das Auge.

Rudi Kargus: Roots 6 / Foto: Carsten Dammann, Hamburg

Rudi Kargus‘ Bilder waren aber schon am Anfang für mich beeindruckend, was auch und besonders für sein erstes gilt. Wir waren mit einem weiteren Freund auf Fuerteventura. Eines Tages kam Rudi mit der Ankündigung, er habe sich zu einem Malkurs angemeldet. Ich war verblüfft und fragte: „Warum hast du das denn gemacht?“
Seine Antwort hatte ich nicht erwartet: „Das wollte ich immer schon mal machen – malen!“

Der andere Freund begleitete ihn in die Malschule. Ich nicht. Ich wollte Schriftsteller werden. Als er mir sein erstes Bild zeigte, war ich, wie ich bereits erwähnte, beeindruckt. Es war, wenn ich richtig erinnere, das Aquarell einer Agave in einem Garten. Was aber war es, das mich so beeindruckt hat?

Dem Bild wird man wohl handwerklichen Dilettantismus angemerkt haben, was ich als Ungeschulter allerdings nicht sah. Für mich war es etwas, das mir, salopp gesagt, das Gefühl vermittelte: das hat was. Aber was das war, wurde mir erst sehr viel später klar. Es waren die Farben. Welche Farben man nimmt, wie man sie mischt und mit anderen zusammenführt ist sicherlich nur bedingt handwerklich. Das ist etwas, was darüber hinausgeht, etwas, was man als Künstler braucht und nicht erlernen kann. Das ist Talent.

Rudi Kargus: Sphinx / Foto: Carsten Dammann, Hamburg

Vor einigen Jahren ging ich allein zu einer Gemeinschaftsausstellung, in der auch Rudi ausgestellt hatte. Als ich einen der Räume betrat, wusste ich von weitem: Da sind seine Bilder. Er hat sich, nach seinen Anfängen auf Fuerteventura, umfangreich ausbilden lassen. Und er hat seinen Stil gefunden. Er malt heute teilweise auf „riesigen“ Leinwänden und alles in Öl. Wenn man ihn beim Malen beobachtet, ist das eher ein Hantieren und Herumfuhrwerken auf der Leinwand als das, was man sich gemeinhin als Malen vorstellt. Im Ergebnis immer noch beeindruckend sind die Farbzusammenstellungen seiner Bilder.

Vincent van Gogh wusste nicht, dass er es sein würde, den er in einem Brief mit den Worten ankündigte, die Welt warte auf einen großen Koloristen.
Rudi Kargus ist auch ein großer Kolorist. Die Welt hat womöglich nicht auf ihn gewartet, aber ich schon.

(Dieser Artikel wurde mit freundlicher Unterstützung des Kunsthauses Stade aus der dortigen Ausstellung von Rudi Kargus bebildert.)

 

Vernissage zum 25-jährigen Jubiläum

c) Berenberg-Gossler-Haus

Das Stadtteilzentrum im 1913 erbauten Berenberg-Gossler-Haus in Hamburg-Niendorf feiert sein 25 jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass findet eine große Ausstellung „25 Jahre Kunst im Berenberg-Gossler-Haus“ statt.

Die Arbeiten von 72 Künstlerinnen und Künstlern  – 72 Handschriften, Botschaften und Positionen – finden sich zu einer großen Retrospektive von 1998 bis 2022 zusammen.

Die Vernissage findet am 19. August um 19.00 Uhr statt.

Mit Arbeiten von  Peter Bangert   Susann Behnken   Andrea Berndt   Michaela Berning-Tournier   Hans-Joachim Bialke   Helga Brockmann  John Cretien   Andrea Cziesso   Ursula Daneke-Overbeck   Uschi Dechow   Ankica Dolenec   Bärbel Fleischer   Kathrin Flöge   Peter Gartz   Anna Goldmund   Günther Grotherr   Uta Gumm  Petra  Kathrin Hagedorn   Wolfgang Hertwig   Rotraut Hesse   Ariane Hessenius   Hans van Hezik  Jorgen Hinke   Thomas Hytrek   Ingrid Jacobi   Christa Jürs   Hans-Joachim Jürs   Uwe Knuth   Witka Kova   Andrea Kretschmer   Ingrid LaPlante   Sabine Larek   Reinhardt Lau   Ane Ludwig   Hanna Malzahn   Uwe Michaels   Susanne Mieling   Carlos Montúfar   Anne-Marie Moritz   Günther Moritz   Barbara Nelle   Edelgard Nowak   Renate Prien   Thomas Radbruch   Bastian Raiss  Gerda-Maria Raschke   Meinhard Raschke   Norbert Rath   Helena Rauova   Ele Runge   Christa Schaumann   Roman Schernego  Lulu Schmidt   Silke Schröder   Manfred Schulze-Alex   Regina Schween   Britta Seipt   Hella Seith  Rolf Sellmann   Elke Siegel  David Sorgenfrei   Joachim Spaarschuh   Heide Staack   Heidemaria Thiele   Alexandre von Treuenfels   Waltraud Trute   Wiltraut Uckert   Brigitte Uhlendorf   Annelie Wohlers   Mona Wolfs

Begrüßung   Hanna Malzahn    Kuratorin

Musik           Jean Panajotoff   Pianist und Musikproduzent

 

Berenberg-Gossler-Haus
Bürgerhaus für Niendorf e.V.
Niendorfer Kirchenweg 17
22459 Hamburg

Homepage

 

 

Liebesgrüße à la carte 

Seit es die Fotografie gibt, haben viele Künstler die Lust verloren, sich mit Motiven des Sports zu befassen.

Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt eine Postkarte von Ihrem letzten Fußball-; Handball-; Tennis- oder Golftrip an ihre Lieben daheim verschickt? Im Zeitalter der digitalen Medien und  Smartphones haben nicht nur wir, sondern auch viele Künstler die Lust verloren, sich mit Postkarten zu befassen. Maler und Zeichner um die Jahrhundertwende waren da inspirierter und kreativer. Sie machten Postkarten zu Kunstwerken. So erzielten beispielsweise Ansichtskarten mit Szenen aus der feinen Tennis- oder Golfwelt in elitären Kreisen riesige Auflagen. In der großen Zeit ihrer Herstellung (zwischen 1900 und 1914) wurde zum Teil soviel Aufwand an Drucktechnik und Handarbeit in jede einzelne Postkarte gelegt, das alles, was danach kam, „billig“ erscheint.

Postkarten im Sean Arnolds Sporting Antiques Museum

Die kostbarsten Postkarten-Raritäten als Spiegel der damaligen Zeit kann man, wenn nicht gerade in England wieder mal Lockdown ist, in Sean Arnolds Sporting Antiques Museum in London Notting Hill besichtigen und kaufen. Das Privileg, von dem deutschsprechenden Iren Arnold durch sein Golfmuseum geführt zu werden, genießt der Kunstliebhaber ehrfurchtsvoll. In einem alten viktorianischen Haus in der Artesian Road no.1 (London W25DL) wacht der 78-jährige Arnold über wahre Schätze antiker Sportkunst. Für Liebhaber sportlicher Antiquitäten aus den Gründerjahren bis hin zur Jahrhundertwende ist sein Name fast so klangvoll wie „Sotheby’s“ in der Bond Street oder „Christie’s“ in der Kings Street.

Der Deutsch-Ire sammelt seit 40 Jahren Sportantiquitäten, kauft und verkauft alles, was mit Fußball, Golf, Polo, Kricket und Tennis zu tun hat. Im Haus seines Onkels fand der ehemalige Highfidelity-Experte seine erste rund 100 Jahre alte Golfsammlung: „Nichts Hochkarätiges, aber toll.“ Der Onkel schenkte dem Neffen die kostbaren Stücke – der Beginn einer Obsession.

Ölgemälde, Stiche, Lithographien, Radierungen, Zeichnungen, Keramiken, Silber, Lederköcher, Münzen, Bälle, Spiele, Schmuck und Fotos geben einen Überblick über die Anfänge von Polo, Tennis, Golf und Fußball. Das Privileg, von Sean Arnold (nur nach telefonischer Vereinbarung (Tel.:+ 44 207 221 2267; Mob.07712 005017 ) durch dieses Golf-Museum geführt zu werden, genießt jeder Antiquitätenliebhaber ehrfurchtsvoll. Man bewundert andächtig eine mit Golfbällen aus Diamantsplittern besetzte Brosche und kniet prüfend vor einem alten Golfköcher – das gute Stück von 1925 soll 300 Pfund kosten. Es ist schon faszinierend, wie viel „Sport aus der Zeit“ man bei Sean Arnold – auch zu Schnäppchenpreisen  in seinem Shop in 23 High St. Aldershot GU11 in – findet.

Die Postkarte galt als schnellstes Kontaktmittel

In einem alten Bildband von der Hobby-Engländerin Helen Exley „Faszination Golf“ findet man die schönsten Postkarten der Jahrhundertwende zusammengefasst (ISBN ‎ 3897135809); Schläger und Arm flott in die Höhe geschwungen, das Kleid schicklich bodenlang, und unbequem figurbetont, die Beinstellung graziös dargeboten – so  (und anders) posierten die Nostalgie-Proetten mit oder ohne ihren Galan im Golfdress für die Maler. Kaum mehr vorstellbar, aber es war so: Als das Telefon noch nicht im Schwange war, galt die Postkarte als schnellstes Kontaktmittel. Zustellung häufig am Tage der Absendung. Der Postbote der Jahrhundertwende bekam oft Einblick in die Intimsphäre.

Dabei war es bis Mitte des 19.Jahrhunderts noch undenkbar, versiegelte Mitteilungen, die man Kurieren, Boten oder der Post für viel Geld anvertraute, den Blicken Unbefugter offenzulegen. Eine Änderung wurde erst möglich, als immer mehr Menschen Lesen und Schreiben gelernt hatten, der Postversand billiger und somit auch mehr Briefe geschrieben und verschickt werden konnten.

Am 1. März 1872 führte die Postverwaltung des Norddeutschen Bundes erstmals eine „Korrespondenzkarte“ für Mitteilungen ein. Format 10,8 x 16,3 cm. Bildpostkarten kamen um 1875 auf. Beliebte Motive waren „sinnbildliche“ Darstellungen, die mit der schriftlichen Nachricht  meistens übereinstimmen sollten: Verliebtes, Niedliches, Satirisches, Sportliches. Aber auch Glück, Glaube, Hoffnung und Trauer wurden von Postkartensammlern „versandfähig“ dargestellt.

Um die Jahrhundertwende kam es in Mode, auf den bunten Sportmotiv-Karten nicht nur Grüße in gestochener Schreibschrift zu versenden. In feinen Kreisen traf man seine Golf-Verabredungen postalisch kurz in Stenographie. Damit wurde Unbefugten das Lesen erschwert, der Platz optimal für noch intimere Nachrichten genutzt – zum Beispiel die Aufforderung zu einen „Flight a deux“. Oder: Die Botschaft skurril verpackt – Postkartenmotive mit schwarzem Humor waren unter Gentlemen-Golfern durchaus in Mode. Die Auflagenhöhe der „Liebesgrüße à la carte“ überschritt Anfang des 20.Jahrhunderts die Millionenhöhe. Der Absatz der gemalten Köstlichkeiten war um so besser gesichert, als diese keineswegs nur verschickt sondern auch leidenschaftlich gesammelt wurden – eine gute Wertanlage. Bereits 1897 beschäftigten sich mehr als ein Dutzend hervorragender lithografischer Anstalten ausschließlich mit der Herstellung von Bildpostkarten.

e-mail:seanarnoldantiques@hotmail.co.uk
Shop: 23 High St. Aldershot GU11; 1BH, Vereinigtes Königreich

 

 

 

„Eidelstedter Farbpinsel“ – ein Raum für Kreativität

Christa Kromeier: Frühlingswache

„Die graue, herzlose Welt müsste behübscht werden. Ein menschlicher, freundlicher, heiterer Geist soll einziehen in die Wohnungen, die Häuser und in die Spitäler“, sagte einer, der in der bildenden Kunst im 20. Jahrhundert etwas Besonderes geschaffen hat. Viele haben seine Größe zu Beginn nur zögernd erkannt. War er trotz seiner Genialität dennoch ein Querulant? Nein! Er zeigte, wie es in der Welt interessanter und ästhetischer zugehen kann. Er war der Künstler, der am stärksten auf das Lebensumfeld der Menschen gewirkt hat, und zwar nicht nur in den Galerien, sondern auch im tagtäglichen Leben. Er hat alle ermutigt, sich aus den Fenstern hinauszulehnen und die Außenwände um die Fenster herum mit kräftigen Farben zu bemalten, zu „behübschen“. Dieser österreichische Künstler heißt Friedensreich Hundertwasser (1928-2000).

Er lebte, wirkte und handelte eigentlich im Sinne des deutschen Aktionskünstlers Joseph Heinrich Beuys (19211986), der alle Zeitgenossen ermutigte: „Jeder ist ein Künstler“. Beide großartigen Künstler sprachen das Individuum an, sein kreatives Potenzial zu entwickeln, Hemmungen abzuschütteln und sich schöpferisch zu betätigen.

Kreatives Potenzial entwickeln und Hemmungen abschütteln

Diese Ideen versuchten und versuchen die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer im Eidelstedter Bürgerhaus seit etwa 15 Jahren zu verwirklichen bzw. sich diesen Ideen zu nähern. Mit ihren selbst angefertigten Zeichnungen und gemalten Gemälden „behübschen“ sie ihre Wohnungen, aber auch ihre Arbeitsbereiche, also Räume überall dort, wo sie leben, lieben oder arbeiten. Sie treffen sich wöchentlich einmal im „Kreativraum“ des Bürgerhauses.

Britta Nürnberger: Frauen

Den Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmern sind die Sitzungen kreative Anlässe, in denen sie im Team Bildideen entwickeln, sich austauschen und sich im Bereich Kunst weiterentwickeln. Hier können sie sich ihrer Leidenschaft hingeben. Sie sind Hausfreuen, Mütter, Väter, Büroangestellte etc.: Es sind Bürger wie du und ich.

Vom Bleistift bis zum Spektrum der Farben

Während der ersten Stunden lernt man den Umgang mit dem Bleistift kennen, dabei ist das ständige Greifen nach dem Radiergummi verpönt. Danach geht die Einführung in der Bildgestaltung mit Pinsel und Farben weiter. Ein wichtiger Bestandteil der Schulung ist auch die Perspektiv-, Kompositions- und Farbenlehre. Die Entwicklung der Fertigkeiten kommt nicht selten überraschend schnell voran. Einige ergriffen Bleistift und Pinsel erst vor Kurzem und gestalten bereits von Woche zu Woche ihre Bilder in Acryl, Aquarell oder Öl auf Bütten-Papier oder Leinen. Es macht ihnen Riesenspaß, ihre Gedanken und Emotionen in diversen Gemälden in zwei Dimensionen eigenhändig zu visualisieren.

Eva-Maria Lorenz: Tulpengruß

„Ich habe gar nicht gewusst, dass ich das kann“, äußern sich einige überrascht nach der Malstunde und freuen sich über ihr eigenes Gemälde. Durch die maltechnische Schulung und langjährige Praxis kann die Malgruppe ein ansehnliches Niveau bereits aufweisen.

Welche Themenkreise werden auf Malblock oder Leinen gebracht? Ihre beliebten Motive sind Stillleben, abstrakte Gemälde und Landschaftsbilder, wie z. B. die Alster, Elbe, der Hafen, die Speicherstadt, diverse Gebäude der Hansestadt Hamburg und/oder frequentierte Plätze, Straßen, Kirchen der direkten Umgebung in Eidelstedt. Am häufigsten werden dazu Vorlagen verwendet, wie z. B. Fotos sowie Bilder aus Zeitungen und Magazinen. Im Sommer malt man „en plein air“, direkt vor Ort in der Natur, wo die Herausforderung bei ‚Wind und Wetter‘ erheblich größer als in einem Atelier ist.

Die Kenntniserweiterung wird auch durch Projektaufgaben gefördert, in denen die wichtigsten Perioden der Kunstgeschichte besprochen werden. Der Lehrgang beschäftigt sich mit Maltechniken, Form- und Farbenwelten weltbekannter Künstler wie dem niederländischen Maler Vincent van Gogh, dem norwegischen Künstler Edvard Munch oder dem deutschen Expressionisten Emil Nolde usw.

Die Ausstellungen sind das Salz in der Suppe

Diese Bildpräsentationen finden in öffentlichen Gebäuden statt, wie in Kirchen, Altenheimen, Rat- und Bürgerhäusern, Bücherhallen etc. Die Vernissagen sind für die breite Öffentlichkeit gedacht, wo die örtliche Presse unser ständiger Begleiter ist. Diese Feierlichkeiten werden professionell mit Laudatio, literarischen Beiträgen und Musikspektakeln gestaltet. Die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer haben sich in den letzteren Jahren als ‚Eidelstedter Farbpinsel‘ einen gewissen Bekanntheitsgrad erarbeitet.

Beatrice Funck: Schattenraum

Besonders erwähnenswert sind außerdem die sozialen Kontakte innerhalb der Gruppe, die durch Telefon, E-Mail, Facebook, Handy und persönliche Treffen außerhalb der Sitzungen fortlaufend gepflegt werden. Bei alleinstehenden Malerinnen und Malern gewannen diese sozialen Ereignisse eine bedeutende Relevanz. Wir lassen niemanden einsam sein. Eben diesen seit Jahren funktionierenden Verbindungen ist es zu verdanken, dass eine Ausstellung während der Corona-Epidemie (Mai-Juni 2021) im Albertinen-Haus Hamburg vor ein paar Tagen schnell zu organisieren war, obwohl die Sitzungen fürs Malen ca. seit einem Jahr vollständig pausieren. Somit hat die Gruppe dazu beigetragen, den Bewohnern des Alten- und Pflegeheimes die Monotonie des Alltags während der Corona-Pandemie durch die Ausstellung „Form- und Farbenvielfalt“ erträglicher zu gestalten. So leisten die mit viel Enthusiasmus gemalten Bilder einen intellektuellen, emotionalen, psychologischen und kulturellen Dienst nicht nur für die Malerinnen selbst, sondern darüber hinaus für andere Menschen. Die Gemälde sind dort bis 31. Juni 2021 zu sehen. Die Ausstellerinnen sind Ute Bantin, Hanne Bey, Siegrit Herz, Monica Ehrig, Beatrice Funck, Christa Kromeier, Eva-Maria Lorenz, Britta Nürnberger und Elfi Riemenschneider.

Das Zuhause des ‚Eidelstedter Farbpinsels‘ befindet sich im Bürgerhaus in der Alten Elbgaustraße 12 in Eidelstedt. Dieses geschichtsträchtige Gebäude hat eine lange Geschichte und steht vor einer neuen Zukunft. Es wurde 1887 als Schule gebaut, die Alliierten zerstörten es durch Bombenangriffe 1943, dann diente es bis 1951 wieder als Schule und schließlich wurde es 1980 zum Bürgerhaus und Kulturzentrum. Dieser traditionsträchtige Bau erlebt eine umfassende Modernisierung und eine Erweiterung durch einen Anbau in zeitgemäßer Architektur, der voraussichtlich im Juli 2022 mit großen Feierlichkeiten eingeweiht wird. Das alte, aber runderneuerte Schulgebäude zeigt sich dann bald in frischem Design mit einem Café, der Elternschule, der Bücherhalle, einem Gastraum, einer Terrasse und dem neuen Veranstaltungssaal als stolzes Kultur-, Bildungs- und Veranstaltungshaus. Es wird sicherlich ein erhabenes Gefühl sein, in den lichtdurchfluteten Räumen die Pinsel über Malblock und Leinwände schweben zu lassen.

Aus dem Archiv Dezember 2015_AustellerInnen und Kursleiter Dr. László Kova im ForumVitalis Hamburg

Notabene: Dr. László Kova ist der Kursleiter und Gründer des ‚Eidelstedter Malpinsels‘.

 

 

 

 

Siegrit Herz: Rennende Pferde

Der Akt in der Kunst

 Rückenakt gebückt

Eröffnungsrede der Ausstellung „Moonlicht Bodys“ in der Rudolf Steiner Schule Altona  am 22.02.2010
Von Dr. László Kova
Hört man das Wort Akt, erscheinen in unserem Gehirn erotische Bilder, in unserer Psyche angenehme Schwingungen. Hatte der Schöpfer ähnliche Gefühle etwa vor 25.000 v. Chr., als er aus Kalkstein die nur 11 cm große Venus von Willendorf herausarbeitete? Dieses Fruchtbarkeitssymbol hat schwere Brüste, runden Bauch, ein überproportioniertes Gesäß und dicke Schenkel. Sogar ihre Schamlippen sind detailliert dargestellt. War er der erste Künstler in der Geschichte, der eine Aktdarstellung schaffte? Wurde er für seine künstlerische Arbeit von seinen steinzeitlichen Zeitgenossen bewundert oder musste er sich dafür schämen? „Der Akt in der Kunst“ weiterlesen