„Physiker“-Premiere am Deutschen Schauspielhaus

Von Hans-Peter Kurr

Die Dürrenmatt-Apokalypse

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(von links) York Dippe als Einstein, Markus John als Möbius, Paul Herwig als Newton

Man nehme eine über fünfzig Jahre alte schwarze Dürrenmatt-Komödie mit dem Titel „Die Physiker“, mische ein wenig „Brechtisches“ dazu, koche das Ganze mit anachronistischen Gesangsnummern ( von Weill bis Schlager ) etwa 90 Minuten auf…und heraus kommt ein durchaus bekömmlicher Premierenabend am Deutschen Schauspielhaus, allwo jetzt zu Recht Premiere gefeiert wurde.

Chefkoch ist der Regisseur Sebastian Kreyer, sein Weißmützenteam besteht aus hervorragend ausgebildeten und trainierten Ensemblemitgliedern, wie sie das Haus an der Kirchenallee unter der Intendanz von Karin Beier nun einmal lückenlos aufzuweisen hat.

Der 36jährige Kreyer assistierte nach dem Studium von Theaterwissenschaft, Philosophie und Soziologie an mehreren Häusern und wurde eine Beier-Entdeckung aus deren Kölner Tagen, wo er bei der Intendantin und deren begabter Kollegin Karin Henkel lernte, bevor ihm erste eigene Inszenierungen anvertraut wurden wie jetzt in Hamburg eben jene bittere Dürrenmatt-Vision, die thematisch so eng an die biblische Apokalypse des Johannes heranrückt.

Teampartner des „Chefkochs“ ist der Bühnenbildner Thomas Dreissigacker, der das private Irrenhaus der Dr. Mathilde von Zahnd (Glänzend-variationsreich : Anja Lais ) zweistöckig auf die Drehbühne gebaut hat.

Das Bühnenbild
Das Bühnenbild

In dieser klug – allegorischen Fabel zum ( wahrscheinlich?) eschatologischen Verlauf der Menschheitsgeschichte präsentiert sich die intelligent-pralle, pointiert-dichte Sprache Dürrenmatts , vornehmlich in den drei Figuren der irren Wissenschaftler, die gar nicht irre sind, so agressiv-ironisch und zugleich grotesk-poetisch, dass den Zuschauern imgrunde nur zwei Reaktion bleiben, zwischen denen sie zu entscheiden haben: entweder befreiendes Gelächter oder tief besinnliche Stille. Beide waren bei der Premiere deutlich im Auditorium zu beachten. ( Ein glänzendes Dreier-Team: Paul Herwig als Newton, Yorck-Dippe als Einstein und Markus John als Moebius).

Zusammenfassend darf also gesagt werden : Ein weiterer künstlerischer Erfolg ist für das renommierte Haus an Hamburgs Kirchenallee zu verzeichnen, weil dem gesamten Team (, dem nicht zuletzt auch Maik Solbach als Kommissar sowie die drei Damen Ute Hannig, Karoline Bär und Sachiko Hara angehören ! ) die Verschmelzung von Schreckensvision und virtuoser Sprachbehandlung zu einer wirklichen Einheit gelungen ist.

Fotos: Deutsches Schauspielhaus Hamburg