Dem Volk aufs Maul schauen

Dieser Artikel erschien am 19. Juli 2015 in SaS (Schleswig-Holstein am Sonntag)

Von Uta Buhr

Auf den Spuren des Reformators in Sachsen

Junker Jörg und Freund Michael von Straßen
Junker Jörg und Freund Michael von Straßen

Das Lutherjahr 2017 wirft bereits jetzt seine Schatten voraus. Bevor die Spurensuche in Dresden beginnt, räumt ein Historiker schon einmal mit einem lieb gewonnenen Mythos auf. „Luther schlug mitnichten seine 95 Thesen mit dem Hammer ans Tor der Schlosskirche zu Wittenberg.“ Schade. Dieser brachiale Akt hätte nur zu gut zum unbeugsamen Charakter des Reformators gepasst.

„Willkommen in Döbeln!“ Vor dem imposanten Rathaus der Stadt an der Mulde empfängt uns das Ehepaar Luther nebst Beichtvater. Während Luthers bessere Hälfte Katharina im zivilen Leben Standesbeamtin ist, übt Johann von Staupitz einen technischen Beruf aus. Der Bariton Luthers jedoch gehört einem Continue reading „Dem Volk aufs Maul schauen“

„Im Tal des Todes“ siegt und predigt der Indianerhäuptling Winnetou

Von Johanna Renate Wöhlke

in kürzerer Form erschienen in „Evangelische Zeitung“, Nr.29 vom 19. Juli 2015, S. 17 unter der Überschrift “ Winnetous Geheimnis. Bei den Karl-May-Spielen am Kalkberg predigt der Indianerhäuptling vor vollen Rängen“

Die Premiere ist zu Ende
Die Premiere ist zu Ende

Es wird gepredigt, und alle gehen hin, aber keiner merkt, dass gepredigt wird? Das trifft auf ein Ereignis zu, das in diesen Tagen schon im 64. Jahr seine Verehrer in seinen Bann zieht: Karl May, seine Geschichten und die Karl May Spiele in Bad Segeberg. Noch bis zum 6. September heißt das Stück „ Im Tal des Todes“. In der Saison 2014 haben so viele wie nie zuvor die Karl May Spiele besucht: Es waren 329.393 Besucher! Die Hoffnungen in diesem Jahr bleiben nicht dahinter zurück. Continue reading „„Im Tal des Todes“ siegt und predigt der Indianerhäuptling Winnetou“

Deserteurdenkmal in Hamburg wird gebaut

Von Johanna Renate Wöhlke

Volker Lang
Volker Lang

Nur wenige Schritte entfernt vom Eingang in Hamburgs paradiesische Gärten von „Planten und Blomen“ und dem von ihnen ausgehenden Zauber des Schönen und des Genießens in Frieden ist heute in Hamburg eine historische Entwicklung von Tod und Qual, Folter und Martyrium der NS-Militärjustiz mit einem Symbol der Hoffnung und des Nichtvergessens zu einem guten Ende geführt worden: dem Baubeginn für das Denkmal zum „Gedenkort für Deserteure und andere Opfer der NS-Militärjustiz“ des Hamburger Künstlers Volker Lang. Continue reading „Deserteurdenkmal in Hamburg wird gebaut“

Privattheatertage in Hamburg 2015

Von Hans-Peter Kurr ( Co-Autoren : Peter Offergeld, Simone Schmidt)

Schneiders Theaterfest 2015
Zusammenfassung aller Veranstaltungen der bundesweiten PRIVATTHEATERTAGE in Hamburg

Halb-Pantomime vom Feinsten, dargeboten von der Familie Flöz
Halb-Pantomime vom Feinsten, dargeboten von der Familie Flöz

Die vierten bundesweiten Privattheatertage endeten mit der Verleihung der Monica Bleibtreu Preise. Die vier sehenswertesten Privattheater-Produktionen Deutschlands kommen in diesem Jahr aus Stuttgart, Berlin und Bremen. Wobei gleich zwei der beliebten Preise in diesem Jahr in die Hauptstadt Baden Württembergs gehen. ( Von den ingesamt 280 Privattheatern in der Bundesrepublik Deutschland lagen immerhin 88 Bewerbungen vor ! ) Continue reading „Privattheatertage in Hamburg 2015“

Die große Größe oder Wie das Internet lernt

Eine Glosse von Johanna Renate Wöhlke
Das wollte ich schon immer sein: eine große Größe. Bloß nichts Kleines, nichts Unscheinbares – am Ende noch Übersehbares? Nein! Niemals! Also die große Größe!

Nun ist es mit der großen Größe aber so eine Sache. Wann fängt sie an? Wann hört sie auf? Was empfindet wer als große Größe? Gibt es am Ende auch noch eine kleine große Größe oder eine große kleine Größe? Wie ist es dann mit dem Verhältnis beider zueinander? Continue reading „Die große Größe oder Wie das Internet lernt“

Weiße Nächte im Baltikum

Dieser Artikel erschien am 30. Mai in der PAZ und am 21. Juni 2015 in der SaS
Von Uta Buhr
Wenn aus Nord- plötezlich Südländer werden – Mittsommer in Stockholm und Helsinki

Blick vom Pier auf Riddarholmskyrkan, die königliche Begräbniskirche
Blick vom Pier auf Riddarholmskyrkan, die königliche Begräbniskirche

Strahlender Sonnenschein liegt an diesem späten Junitag über der Ostsee. Langsam gleitet die „Mariella“ in den Hafen von Stockholm. Die schwedischen Passagiere an Bord der Fähre der Viking Line sind aufgeregt. Zum „Midsommar“ wollen sie alle zu Hause sein und die weißen Nächte ausgiebig feiern. Doch zuvor geht es noch auf Tour kreuz und quer durch die auf Schären, Inseln und Halbinseln gelegene Stadt. Vor dem königlichen Schloss drängen sich die Besucher. Eine japanische Lehrerin schwingt ihren roten Continue reading „Weiße Nächte im Baltikum“

Designkunst von Sybs Bauer: In jedem Fall mobil

erschienen online bei Petri+Lehr

Von Johanna Renate Wöhlke

Sybs Bauer
Sybs Bauer

Mobilität für Menschen mit körperlicher Behinderung in Verbindung mit Designkunst: die Hamburger Designerin Sybs Bauer und ihre Arbeit für Petri+Lehr: 112 Jahre im Dienst für Mobilität körperlich behinderter Menschen.

Wenn Pioniergeist und Designergeist zusammentreffen und sich darin eine 112 Jahre alte Firmengeschichte mit den modernen Ideen einer Designerin wie Sybs Bauer vereinen – dann liegt Innovation in kompetenten Händen. Im Falle von Petri+Lehr – 112 Jahre lang im Dienst für die Mobilität für Menschen mit körperlicher Behinderung – und Sybs Bauer ist seit März 2014 der Multifunktionsdrehknopf „MFDTOUCH“ für die Lenkung von Automobilen ein Beweis dafür. Sich durch technische Hilfen das Leben erobern können, welch ein Gewinn an Lebensqualität! Welch ein Erfolg für das Produkt – denn noch vor der Markteinführung im Frühjahr 2014 wurde es im Lieferprogramm von Mercedes-Benz aufgenommen. Continue reading „Designkunst von Sybs Bauer: In jedem Fall mobil“

Ariane de Melo: zweiter Roman in Brasilien erschienen

Von Hans-Peter Kurr

Die in Deutschland naturalisierte und verheiratete brasilianische Schriftstellerin, Regisseurin und Schauspielerin Ariane de Melo freut sich darüber, dass vor kurzem unter dem Titel „A História da Hospedaria na Estrada“ (Die Vergessene Geschichte der Herberge am Highway) ihr zweiter Roman in portugiesischer Sprache in Brasilien und Portugal erschienen ist. Damit erweitert die in Hamburg als Schauspielerin bekannt gewordene de Melo ihre literarische Arbeit um ein weiteres Werk in portugiesischer Sprache.

Weitere Informationen hier:

 

Ariane de Melo: zweites Buch in Brasilien und Portugal erschienen

Von Hans-Peter Kurr

Ariane de Melo
Ariane de Melo

Die in Deutschland naturalisierte und verheiratete brasilianische Schriftstellerin, Regisseurin und Schauspielerin Ariane de Melo freut sich darüber, dass vor kurzem unter dem Titel „A História da Hospedaria na Estrada“ (Die Vergessene Geschichte der Herberge am Highway) ihr zweiter Roman in portugiesischer Sprache in Brasilien und Portugal erschienen ist.
Da de Melo seit  zwei Jahren Mitglied der „Die Auswärtige Presse e.V.“ ist, freuen wir uns, an dieser Stelle – zum besseren Kennenlernen der begabten , fabulierfreudigen Kollegin – eine Kurzgeschichte aus ihrer Feder zu publizieren :
Violinschlüssel

Heute drang ihre Musik wieder durch das Fenster des Gefängnisses.
Ich weiß immer noch nicht, was sie spielt, aber es klingt wie Magie. Sie füllt mich und meine einsamen Tage mit Schönheit, und ich bete für sie, als Zeichen meiner Dankbarkeit. Es schmerzt mich, dass ich nicht weiß, wie sie heißt oder gar, wie sie aussieht. In meinen Träumen hat sie rote Haare, eine zarte weiße Haut und große karamellfarbene Augen. In meinen Träumen führe ich sie aus, wir dinieren, tanzen, lachen… Continue reading „Ariane de Melo: zweites Buch in Brasilien und Portugal erschienen“

Spiel-Arten der Lyrik

Quelle: www.tage-der-poesie.de
Quelle: www.tage-der-poesie.de

zu den Tagen der Poesie in Sachsen vom 25.-27. Juni 2015

von Maren Schönfeld

Zum dritten Mal lud die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik zu den Tagen der Poesie, dieses Mal nach Zwickau. Zum Thema „Spiel-Arten der Lyrik“ trafen sich Lyriker, Gedichtfilmer, Musiker und bildende Künstler, die den thematischen Säulen Lyrik und bildende Kunst, Lyrik und Musik sowie Lyrik und ihre darstellerische Umsetzung auf individuelle Weise Leben verliehen. Doch vor Beginn der etwa zwanzig Kurzvorträge umfassenden Tagung bildeten zwei Lesungen am Donnerstag den Auftakt. In der Hochschulbibliothek Zwickau lasen der Vorsitzende der Lyrikgesellschaft und Initiator sowie Projektleiter der „Tage der Poesie in Sachsen“ seit 2009, Ralph Grüneberger, gemeinsam mit Siegmar Faust, Gabriele Frings und Maria Schüritz. Matthias Biskupek moderierte die Lesung. Continue reading „Spiel-Arten der Lyrik“

Ein Blumenmeer symbolisiert Zusammenhalt: Schwaben und Ungarn in Budörs inUngarn

Von Dr. Ferenc Horvath

Schwaben und Ungarn in Budaörs ( Wudersch ) im Herzen von Ungarn: Fronleichnam 2015

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Eine wunderschön gelegene Ortschaft ganz in der Nähe von Budapest: Budaörs wurde unter König Béla IV. im Jahre 1236 zuerst schriftlich erwähnt. Nach der starken deutschen Einwanderung unter anderem unter Königin Maria Theresia siedelten deutsche Völker in großer Anzahl nach Ungarn über. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg lebten dadurch in der Gemeinde Budaörs hauptsächlich Schwaben, die Continue reading „Ein Blumenmeer symbolisiert Zusammenhalt: Schwaben und Ungarn in Budörs inUngarn“

Harley Davidson – Open Road Festival am Plattensee

Von Dr. Ferenc Horvath

 

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Mein Freund aus Atlanta schwört: „Harley Davidson ist das beste Motorrad der Welt!“
Nun da bin ich nicht so ganz sicher, aber das Harley einer der lustigsten Motorräder der Welt ist,
dass können die abertausend von Harley besessenen Besitzer bestimmt allesamt bestätigen.
Die „Harley Events“ ob die Harley Days, die Motorrad Messe in Hamburg, oder andere wie zum Beispiel der Harley Dome in Köln sind immer Orte, wo man sich gerne auch ohne Harley aufhält. Continue reading „Harley Davidson – Open Road Festival am Plattensee“

Der Tod und das Mädchen

Von Ariane de Melo

Über Gewalt, Rechte und Rache
„Der Doktor, der Schubert gespielt hat!“

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Als ich das leere virtuelle Blatt an meinem Bildschirm anstarrte und überlegte, wie ich dieses Review zum – im monsun theater aufgeführten Stück – „Der Tod und das Mädchen“ anfangen sollte, kam mir immer wieder dieser eine Satz in den Sinn. Ich glaube, er hat sich dort eingebrannt. Ausgesprochen hat ihn Paulina Salas (Ines Nieri) in der festen Überzeugung, die Stimme des fremden Mannes im Nebenzimmer wiedererkannt zu haben. So beginnt der Albtraum im Strandhaus der Escobars. Continue reading „Der Tod und das Mädchen“

Schwedens Süden: Eine Landschaft mit Überraschungen

Erschienen in der Hamburger Morgenpost

Von Lilo Hoffmann

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Die Küste bei Simrishamn lädt zu langen Spaziergängen ein

Grüne Wälder, sanft gewellte Landschaften, weite Felder und viele Schlösser und Herrensitze – Urlauber, die nach Skåne in Südschweden kommen, sind überrascht, was das Bauernland mit den gepflegten Dörfern, das auf Deutsch Schonen genannt wird, zu bieten hat.
Ob man nun durchs Landesinnere über Kristianstad bis zur Ostküste mit den langen Stränden fährt oder entlang der Westküste über Malmö, Landskrona, Helsingborg und Höganäs bis zum Kullaberg: Überall gibt es mittelalterliche Kirchen, Schlösser, alte Bockwindmühlen und Steingräber zu entdecken. Continue reading „Schwedens Süden: Eine Landschaft mit Überraschungen“

Das nie alternde Schiff

Von Hans-Peter Kurr

„Moebis“ Lebenswerk ist noch immer seetüchtig

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Wer ( oder was?) wird in dieser Welt schon über einhundert Jahre alt und bleibt dennoch vollständig funktionsfähig ? Ein über einhundert Jahre alter Pott, dessen Heimathafen seit 1975 das Nicolaifleet in der Nachbarschaft von Hamburgs Ost-West- (Willy-Brandt-) Strasse ist ,macht es vor : Von Mitte Juni bis etwa Mitte Juli 2015 geht Hamburgs noch immer seetüchtiges einziges Theaterschiff (Nach Wedels Eingemeindung gibt es noch einen „kleineren Bruder“ dortselbst) wieder auf grosse Fahrt nach Stade, Brunsbüttel, Beidenfleth und Grünendeich, um dort einen Teil seiner vielgelobten Programme zu präsentieren. Continue reading „Das nie alternde Schiff“

Das Theater der klugen Frauen. Interview mit Karin Beier, Intendantin des Deutschen Schauspielhauses

Von Hans-Peter Kurr

Karin Beier
Karin Beier

Hans-Peter Kurr (H.-P. K.): Latinum, Graecum, Hebraicum? Was haben Sie studiert?
Karin Beier (K.B.): Ich erhielt das Kleine Latinum. Mit Müh‘ und Not. Dank der Liebfrauenschule in Köln, das war eine katholische Mädchenschule, von Nonnen geleitet.

H.-P. K.: Ich frage Sie das deshalb, weil ich voller Bewunderung für Ihre Arbeit bin. Ich habe Ihre verspätete Eröffnung mit dem Titel „Die Rasenden“ gesehen und beschrieben, die hat mich zutiefst fasziniert. Ich war seinerzeit krank und hielt es zunächst für unmöglich, eine Sieben-Stunden-Produktion durchzustehen. Und dann vergingen für mich die Stunden wie neunzig Minuten. Unfassbar ! Continue reading „Das Theater der klugen Frauen. Interview mit Karin Beier, Intendantin des Deutschen Schauspielhauses“

Dostojewskij total!

Von Hans-Peter Kurr

Endlich : Premiere des Gesamtwerks „Schuld und Sühne“ im Deutschen Schauspielhaus zu Hamburg

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Wieder einmal ist am Deutschen Schauspielhaus eine Art Theaterwunder geschehen:
Wir denken zurück : Im Februar 2014 sollte eine Dramatiserung des Dostojewskij-Romans „Schuld und Sühne“, inszeniert von Karin Henkel, der kongenialen „Zwillingsschwester“ der Intendantin Karin Beier, Premiere haben. Dann aber brach in dem über einhundert Jahre alten Haus an der Kirchenallee durch technische Mängel und daraus resultierende Unfälle das Chaos aus. Die Continue reading „Dostojewskij total!“

Frühes Trauma verhindern

Der Belgrader Kongress zu Psychischem Trauma: Prä-, Peri- und Postnatale Aspekte (PTPPPA 2015) liefert Einsichten in die Entwicklung des frühesten Lebensalters

Den Bedingungen und den Folgen von psychischem Trauma widmete sich der Erste Internationale Kongress zu Aspekten rund um Schwangerschaft, Geburt und Frühsozialisation, der vom 15.-16.Mai in der serbischen Hauptstadt stattfand. Der Kongress versammelte Experten nicht nur aus dem jugoslawischen, sondern aus dem ganzen europäischen Raum, Russland, den USA und einigen weiteren Ländern. Gefördert vom serbischen Bildungsministerium und unter der traditionell starken Beteiligung deutscher, serbischer, griechischer und amerikanischer Fachgesellschaften rückte die ganze Bandbreite menschlicher Entwicklungsbedingungen in den Blick. Die frühe Entwicklungspädiatrie und -psychologie bildet dabei neben Geburtshilfe und Psychosomatik einen Schwerpunkt, ebenso wie die klinische Sprachforschung, die mit dem ansässigen Institut für experimentelle Phonetik und Sprachpathologie seit langer Zeit ein agiles interdisziplinäres Forschungsinstitut unterhält.

Neben evolutionspsychologischen Aspekten von Schwangerschaft und Geburt bildeten die transgenerationale Weitergabe von Schwangerschafts- und Geburtserleben eine grundlegende Hintergrundfolie psychodynamischen Verstehens; sowohl im Licht der Systemtheorie, der konkreten Mutter-Kind-Dyade oder der bio-psychologischen Auffächerung von Traumata bei Kindern und bei Erwachsenen wurden Studien und Überlegungen vorgestellt. Im Sinne der sogenannten Fötalen Programmierung, also der Einflussnahme intrauteriner Prozesse auf die spätere Entwicklung von Gesundheit und Krankheit des werdenden Menschen, wurde die ganze Tragweite früher Einflüsse deutlich.

Die Fächer Geburtshilfe und Psychosomatik mit Psychotherapeutischer Medizin verdienen hier besondere Aufmerksamkeit. So beeinträchtigen schwangerschaftsassoziierte Erkrankungen wie Präeklampsie und HELLP-Syndrom sowohl Mutter als auch werdendes Kind; Entwicklungsstörungen im Zusammenhang mit Kaiserschnitt-Entbindungen sind nicht selten; Nabelschnur-Umwicklungen scheinen mit dem Grad an mütterlicher Angst vermutlich mehr zu korrelieren als allgemein angenommen. Jegliche Interaktionen mit Auswirkungen auf das Ungeborene, Neugeborene, Frühgeborene müssen als besonders bedeutsam erachtet werden, da sich vieles nicht einfach auswächst. So können vielfältige auf dem Kongress vorgestellte Aspekte Geltung beanspruchen und internationale Präventions- und Interventionsansätze begründen. Klinische Bezüge stets im Blick, wurden bspw. Entwicklungswege zu sensorischer Integration, Autismus-Spektrum-Störungen, Laktose-Intoleranz oder Posttraumatischer Belastungsstörung dargestellt. Auch Trennungsangst, Asthma oder Schizophrenie verweisen auf ein breites Spektrum möglicher früher Entstehungsbedingungen.

Körperpsychotherapeutische Ansätze, die generell eher wenig berücksichtigt werden, aber frühe intrauterine Prägungen noch am ehesten erfahrbar werden lassen, fanden ebenso Eingang. Da Erinnerungsspuren aus dem vorgeburtlichen Leben nicht versprachlicht sind, können sie – wenn überhaupt – nur auf körperlichem Wege verstanden werden. Diese Dimension verdient gewiss besondere Aufmerksamkeit. Ganz konkret heißt dies natürlich, Bedingungen im Rahmen von Schwangerschaft und Geburt – und der folgenden Frühsozialisation – zu schaffen, die frühe Traumata so weit wie möglich verhindern können. Ein Anliegen, dessen Dimension der Kongress deutlich machen konnte.