Kontrolle mit Herz

Diese Glosse erschien am 19. Juli 2012 im Hamburger Abendblatt

Von Uta Buhr

Die weißhaarige Dame war sichtlich überrascht, als der Kontrolleur sie darauf hinwies, dass sie um diese Zeit die S-Bahn noch gar nicht benutzen dürfe. Laut HVV-Bestimmungen gelten die verbilligten Seniorenkarten erst ab neun Uhr. Das habe sie wirklich nicht gewusst, beteuerte die Dame, aber sie verließe ihr Haus immer um die gleiche Zeit, um die Enten  im Harburger Stadtpark  zu füttern. „Die warten nämlich schon auf mich“, erklärte sie und zog demonstrativ einen Plastikbeutel mit Brot aus ihrer Einkaufstasche. Ob sie nun Strafe zahlen müsse, fragte sie dann ängstlich. Der Beamte verneinte dies, bat sie aber, sich künftig an die vorgeschriebenen Zeiten zu halten. „Kontrolle mit Herz“ weiterlesen

„Gamle Vossebanen“ in Bergen

Von Johanna R. Wöhlke

Mit dem Museumzug durch Bergen

Der Bahnhof in Garnes

Bahn fahren in alten Zügen und Museumszügen, das ist an vielen Orten dieser Welt möglich. Da gibt es viele Möglichkeiten einzusteigen und nostalgischen Träumen nachzugeben – für die Dauer einer eindrucksvollen Fahrt mit oder ohne Dampf. Wer zum Beispiel schon einmal in Deutschland mit der Brockenbahn im Harz auf den Brocken gefahren ist – und im Sommer vor lauter Gästen keinen Sitzplatz mehr bekam – der weiß, welch besondere Faszination von diesen alten Zügen ausgeht. „„Gamle Vossebanen“ in Bergen“ weiterlesen

Zum Kuckuck noch mal!

erschienen im Hamburger Abendblatt

Von Johanna R. Wöhlke

Seltsames geschieht seit vielen Tagen in unserem Garten. Es ist ein Naturschauspiel, ein Drama, ja eine Tragödie und doch findet es jeden Tag statt. Wie gesagt, in unserem Garten, auf unserem Rasen, zwischen den Rabatten und Sträuchern, Stauden und Büschen. Zum Kuckuck noch mal, werden Sie sich fragen, was ist denn das nun? „Zum Kuckuck noch mal!“ weiterlesen

Von Budapest bis Mragowo

Von Dr. László Kova

Kurzbesuch in Masuren

Störche in Masuren

Der Fahrer, der aus Ungarn über die Slowakei Masuren, das ehemalige Ostpreußen,  anpeilt, muss viel Geduld beim Autofahren erbringen. Von Budapest aus fährt man fast nur ausschließlich auf Landstraßen, die sehr kurvig und hügelig sind. Diese Straße führt durch Städte, Dörfer und kleine Siedlungen, wo in der Ortsmitte in der Regel  nur 30 km/h erlaubt sind. Ampeln und Zebrastreifen strapazieren die Bremsen immer wieder.  Für das Genießen der schönen Landschaft bleibt auf diesen schmalen Straßen wenig Zeit: Das Autofahren braucht eine erhöhte Konzentration, besonders wenn man stundenlang im Konvoi zwischen riesigen und schwer beladenen Lastzügen fährt. „Von Budapest bis Mragowo“ weiterlesen

Balaton-Schwimmen 2012

Von Witka Kova

Ankunft am Ziel

Am 07.07.  dieses Jahres wurde in Ungarn das 30. Jubiläumsschwimmen im Plattensee zwischen Révfülöp (am Nordufer) und Balatonboglár (am Südufer) auf der Strecke von 5,2 km veranstaltet. Nach 10 Jahren konnten die Organisatoren das Sportereignis wieder beim ersten Ausschreibungstermin durchführen, was mit sich brachte, dass sich über Zehntausend Teilnehmer am Schwimmen beteiligten. Wegen ungünstigen Wetters fiel der Wettkampf z.B. 2005 und 2010 aus.  Im Jahr 2011 starteten die Sportler erst beim dritten Ersatztermin, da kühle Wassertemperatur und starke Winde mit hohen Wellengängen die internationale Veranstaltung zweimal hintereinander unmöglich machte. „Balaton-Schwimmen 2012“ weiterlesen

Poller-Elly und Rattenpack

 Von Hans-Peter Kurr

Notizen zu einem neuen Buch von Michael Buschow

Poller Elly

Von ungewöhnlichen Menschen auf ungewöhnlichen Schiffen handeln die ( zum größeren Teil selber erlebten) Geschichten, die der Nordländer Michael Buschow, Mitglied des großen hamburgischen Presseclubs DAP , in seinem neuesten Buch mit trockenem Humor und augenblinzelnd erzählt.

Wir alle wissen, daß eine menschliche Gesellschaft der Kunst zu ihrer kulturellen Existenz  und Weiterentwicklung bedarf. Dazu gehört die des Schreibens  und( folgerichtig: ) des Lesens. Und wenn Bertolt Brecht,im „Organon“ sagt, daß eine sinnvolle Belehrung der Mitglieder unserer demokratischen Gesellschaft am wirkungsvollsten auf der Ebene des Humors erfolgt, dann darf Buchows Erzählkunst nicht hoch genug geschätzt werden. Dies gilt besondern in dieser, unserer Zeit, in der , durch die ( grundsätzlich ja durchaus sinnvolle) Ausweitung der technischen Kommunikationsmittel jedwede Begegnung mit Kunst sonst im Technischen geistig erstarren und im Materiellen verflachen würde.Deshalb Lob und Dank an den Autor und seine Zeichnerin Gilla Schmitz. „Poller-Elly und Rattenpack“ weiterlesen

Rendezvous mit zwei Queens

 Von Michael Buschow                      

Queen Mary II  und Queen Elizabeth II gemeinsam in Hamburg

Eine Königin

Es ist eine Verabredung mit zwei Damen aus bester Gesellschaft von besonderer Art. Natürlich muß ich wie bei allen Frauen warten bis sie erscheinen und stehe an diesem frühen Sonntagmorgen um 3 Uhr leicht fröstelnd und von einem Fuß auf den anderen tretend auf dem Oberdeck des Hamburger Kreuzfahrtterminals. Die beiden Schönen sind auch etwas wirklich Besonderes und das Außergewöhnliche ist, daß sie gleichzeitig ein Rendezvous in Hamburg haben wollen. Auch ihre Namen klingen gut – nicht Rita, Chantal oder Babs sondern Mary und Elizabeth, denn sie sind von blauem Cunard-Geblüt. „Rendezvous mit zwei Queens“ weiterlesen

Wurstdesigner…was ist das?

erschienen im Hamburger Abendblatt

von Johanna R. Wöhlke

Also – da gibt eine unausgesprochene Abmachung zwischen Menschen, die miteinander reden und das Gesprochene auch in Buchstaben umsetzen, also schreiben: Sie wollen sich verstehen. Wer nicht versteht, ist nämlich arm dran. Es könnte sein, dass er falsch handelt, gar nicht handelt, fragend und unsicher zurück bleibt, all das.

Ich zum Beispiel hatte diese Gedanken in diesem Problemfeld zum ersten Mal, als es Mode wurde, alte Menschen nicht mehr alt zu nennen. Sie wurden und waren plötzlich „Wurstdesigner…was ist das?“ weiterlesen

Ihren Ausweis, bitte!

erschienen im Hamburger Abendblatt

Von Johanna R. Wöhlke

Reisepass und  Personalausweis sind schon eine tolle Erfindung! Erstens hat man immer ein Bild von sich dabei und zweitens auch noch mit allen Daten, man kann also nie vergessen, wie man aussieht und auch nie vergessen, wo man wohnt.

Noch wichtiger ist allerdings: seinen Reisepass oder seinen Personalausweis auf Reisen nicht zu vergessen. Das Vergessen könnte einer stressfreien Urlaubsreise abkömmlich sein. Ich weiß, wovon ich rede, denn mir ist das einmal passiert. Das Glück allerdings „Ihren Ausweis, bitte!“ weiterlesen

Friedrich – ein deutscher König

Von Josef-Wilhelm Knoke

Friedrich – ein deutscher König

90 Minuten sind viel Zeit für eine Doku, aber wohl doch nicht genug für diesen Protagonisten, um alle Facetten seines Lebens   gebührend auszuleuchten. Soviel vorab.

Es ist eine Doku, die in durchaus ansprechender Weise das Leben Friedrichs des Großen darstellt, wobei  dies in einer gelungenen Mischung aus filmischen Elementen, eingestreuten Fachkommentaren von Historikern und gesprochenen Kommentaren erfolgt. Allerdings  focussiert man primär auf die Phase der Adoleszens und die ersten zweieinhalb Dekaden seiner Herrschaft als König bis zum Ende des Siebenjährigen Krieges. Über die danach noch folgenden zwei Dekaden seiner Herrschaft erfährt man relativ wenig. In der Doku werden sie subsummiert unter der Aussage: In seinen späteren Jahren wandelte er sich vom Frauenverächter zum Menschenfeind. Dieses Bild eines alten Misanthropen, der Liebe wohl nur zu seinen Windhunden empfand, ist eine sehr verkürzte Sichtweise. Denn diese Jahre waren durchaus geprägt von vielen richtungweisenden Entscheidungen für Preußen, die eine ausführlichere Würdigung verdient hätten. „Friedrich – ein deutscher König“ weiterlesen