Alles dreht sich um den Almzauber im Bergdorf Prechtlgut

Das neu eröffnete Bergdorf Prechtlgut in Wagrain dreht das Rad der Zeit zurück. Das Motto „Urlaub wie damals – mit dem Luxus von heute“ lässt aber erahnen, dass Gäste hier etwas ganz Besonderes erwartet. Das Pongauer Bergpanorama ringsum spornt die Radler zum Aufsatteln an.

Uphill auf den Grafenberg, downhill im Bikepark Wagrain. Ob sportlich mit Mountainbike oder Rennrad – oder im „Schongang“ mit E-Bike und den Kindern: Die Räder rollen in der ersten Sommersaison der Prechtlgut-Chalets in Wagrain. Die 85 bis 150 m² großen Chalets bringen bis zu acht Personen unter und zählen zu den renommierten Hideaway-Hotels. Die hochwertige, natürliche Ausstattung mit Loden, Naturstein, Altholz und Zirbenholz schaffen einen behaglichen Wohnkomfort – und einen wohltuenden Ausgleich zum „Hamsterrad“ unseres Alltags. Jedes Chalet hat eine Wellnesszone mit Sauna-Dampfkabine und Infrarot, Rainforest-Dusche und Ruheraum sowie Hot Tub auf der Terrasse. Digital TV, W-Lan und ein Tiefgaragenplatz sind ebenso Standard.

In Wagrain läuft’s für Profi- und Genussradler

Mountainbiker finden ihre Herausforderungen gleich vor der Chalettüre, wie etwa eine Überquerung ins Großarltal, den Höllenstein und den Grafenberg, eine E-Bike-Etappe zum Jägersee, ein Radrennen auf den Großglockner. Oder wie wär‘s mit einer Tour über das Weberlandl, gurgelnden Bächen entlang und durch kühle Wälder hinauf zu malerischen Gebirgsseen und romantischen Sommerweiden wie der Edelweißalm? In Summe können 19 MTB-Routen von Wagrain und dem Kleinarltal aus befahren werden. Der Bikepark Wagrain an der Flying Mozart zählt bei den Downhillern zum „Best of Austria“ und ist in fünf Minuten erreicht. Die Gondel hievt Biker und Bike auf den Gipfel und schon geht’s ab durch den Wald. Rasante Kurven und aufregende Sprünge sorgen für den Kick. Rennradler, die eine ehrgeizige Tagesetappe planen, schlagen bei St. Johann den Tauernradweg ein und machen sich auf Richtung Tennengebirgsrunde oder Großglockner Hochalpenstraße. Zum grün-schillernden Jägersee oder ins Moadörfl treten die E-Biker ganz entspannt in die Pedale. Verleih- und Ladestationen gibt es im gesamten Wagrain- und Kleinarltal. Wer ein paar Trainingsstunden braucht, bucht einen Bike-Guide oder ein Bike-Camp dazu. Hochwertige Bikes und Zubehör gibt es bei den Wagrainer Sporthändlern.

Auftanken im eigenen Altholz-Chalet

Nach dem Absatteln im Prechtlgut-Chalet dreht sich alles um die Gemütlichkeit: Gemeinsam kochen in der bestens ausgestatteten Chalet-Küche oder doch dem Restaurant Prechtlstadl einen Besuch abstatten? Dort wird österreichisch aufgekocht. Dazu gibt es natürlich die passende Weinempfehlung, oder auf Vorbestellung das traditionelle Hut-Essen und ein Fondue. Sowie immer Feines aus der Mehlspeisenküche wie Topfen- oder Apfelstrudel und hausgemachtes Schokosoufflée. Auch so entdecken Groß und Klein die vielen Seiten des ursprünglichen Urlaubsgenusses im Bergdorf Prechtlgut. www.prechtlgut.at

Prechtlgut Familientage (16.04.–26.11.19)
Leistungen: 4 / 7 Übernachtungen im Chalet inkl. aller Prechtlgut Wohlfühlleistungen, tägl. Almfrühstückskorb, 1 x Hut-Essen im Prechtlstadl, 1 x Abendessen im Prechtlstadl, 2 x Berg und Talfahrt zu Wagraini’s Kinderwelt, Benützung des eigenen Schwimmteiches, tägl. freier Eintritt in die Wasserwelt Wagrain
Preise p. P. inkl. 1 Kind bis 14 Jahre: 4 Nächte je 1.175 Euro / 7 Nächte je 1.990 Euro

BERGDORF PRECHTLGUT
Vermietungen Aster GmbH
Markt 55
5602 Wagrain
Tel.: Tel.: +43 (0)664 / 456 34 86
info@prechtlgut.at
http://www.prechtlgut.at

Unter Olivenbäumen ist das Leben leichter

Liegen mit Bergpanorama, Foto Marion Lafogler

Urlaub und die mediterrane Leichtigkeit – eine perfekte Kombination. Dort, wo es nach Zitronenbäumen duftet und das gelato schmeckt, wo Oliven leuchten und in der Abendsonne ein aperitivo serviert wird, stellen sich Erholung und Glücksgefühle wie von selbst ein. In den Südtiroler Bergen vermutet man dieses Ambiente wohl weniger. Doch das Hotel Rössl****s in Rabland bei Meran holt das vielgeliebte Flair des Mittelmeers in die Berge. Durch das Vier-Sterne-Superior-Hotel weht ein Hauch wundervoller Gardasee-Grandezza. Im März öffnet das „Dolce Vita“-Hotel nach der Winterpause wieder seine Türen. Dann umgibt eine bezaubernde frühlinghafte Blütenpracht das Anwesen. Erich Pircher, der Hausherr, macht sich mit seinen Gästen auf den Weg in die Berge. Das Rössl liegt am Tor zum Naturpark Texelgruppe – ein Wander- und Bikeparadies mit schier unbegrenzten Möglichkeiten.

Die Aromen des Südens auf der Zunge, die Berge im Auge

Terrasse mit Feuerring, Foto Marion Lafogler

Mit viel Liebe zum Detail zaubert die Gastgeberfamilie Pircher mediterranes Flair in ihr Rössl. Am nostalgischen Eiswagen auf der Terrasse holen sich Genießer ein Eis, den Aperitif auf der Piazza nehmen Rössl-Gäste inmitten von Zitronen- und Olivenbäumen ein, der Küchenchef serviert dazu köstliche Stuzzichini – an jeder Ecke finden sich Botschafter des Mittelmeers und an der Bar schmecken Campari, Martini und Aperol. Einmalig, wenn sich Südtiroler Schätze und das mediterrane Lebensgefühl vereinen. Vom Naturbadeteich im Obstgarten über einen Indoor- und Outdoor-Pool bis hin zur Saunalandschaft findet sich eine wohltuende Vielfalt an Entspannungsmöglichkeiten. Im Rössl-Garten baumelt in privaten Rückzugsnischen zwischen Palmen, Zitronen und Oliven die Seele – der Blick richtet sich hinauf in die Berge. Das hoteleigene Body & Mind Programm belebt Körper und Seele an der frischen Bergluft. Yoga open air oder eine Gehmeditation in der Bergnatur bringen Gelassenheit und innere Ruhe. Yoga und Pilates, Acqua Gym, Qi Gong, Tiefenentspannung u. v. m. sind kostenfrei. Und was wäre das geliebte dolce vita ohne die Aromen des Südens. Wertvolle italienische Öle, Weine zum Dahinschmelzen, frische Pasta und Risotti, Meeresfrüchte und Feigen und noch viel mehr bringt der Küchenchef des Rössls auf die Teller. Der Südtiroler Apfelstrudel am Nachmittag darf selbstverständlich nicht fehlen.

Reine Luft wie in der Arktis

Der Partschinser Wasserfall ist ein Ort mit Heilkraft und mit so reiner Luft wie in der Arktis. Rund um den vielleicht schönsten Wasserfall in den Alpen erwarten Wanderer vielfältige Angebote wie Wassertreten, alpines Waldbaden oder Nachtwandern. Besonders imposant ist das Naturspektakel während der Schneeschmelze von Mai bis Juni. In diesen Spitzenzeiten donnern schon mal bis zu 10.000 Liter Wasser pro Sekunde in die Tiefe. 240 Kilometer markierte Wege mit herrlichen Panoramen laden zu Spaziergängen, Wanderungen und Hochgebirgstouren. Wildbäche, Waale und eine der größten hochalpinen Seenplatten Europas sind wahre Energiequellen in der Umgebung des Vier-Sterne-Superior-Hotels. Gleich vor der Haustür des Hotel Rössl starten viele Mountainbiketouren. Nur ein paar hundert Meter entfernt, bringt die Aschbachbahn Biker und Fahrrad auf 1.349 Meter zu aussichtsreichen Routen. Der Tourbus der Ötzi Bike Academy shuttlet die Radfahrer an den Ausgangspunkt ihrer Wunschtour, wo das Leih-Mountainbike bereitsteht.

Termine für besondere Erlebnisse: 25. Mai 2019 Kunst- und Genussmarkt im Ansitz Gaudenturm, 07. Juni, 05. Juli und 02. August 2019 Sommerkonzerte in der Stachlburg.

Radwoche mit Seniorchef Erich (11.–18.05.19)
Leistungen: 7 Nächte inkl. Frühstücksbuffet und 5-Gänge-Wahlmenü am Abend, Seniorchef Erich geht an 3 Tagen gemeinsam mit den Gästen auf Tour, z. B. ins Unterland, auf dem Vinschgauer Radweg oder ins Valsugana Tal nach Bassano del Grappa-Trentino, alle Rössl-Inklusivleistungen – Preis p. P.: ab 780 Euro

Wander- und Genusswoche (04.–11.05.19, 19.–26.10.-19)
Leistungen: 7 Nächte inkl. Frühstücksbuffet und 5-Gänge-Wahlmenü am Abend, Südtirol von einer neuen kulinarischen Seite kennenlernen, drei Tage gemeinsames Wandern, Weinverkostung – Preis p. P.: ab 835 Euro

Bewegende Erlebnisse im Hotel Rössl
Geführte Wander- und Biketouren mit professioneller Begleitung
Kostenloser Ausrüstungsverleih von Wanderstöcken, Rucksäcken und Fahrrädern im Haus
Perfekte Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel
Texelbahn und Aschbachbahn in unmittelbarer Nähe
Meran Card (freie Fahrt mit allen Bussen und Zügen, bis 30.06.19)
Guestcard (Ermäßigungen für kostenpflichtige Aktivitäten des Tourismusverbandes)
Auf Wunsch Fitnesstraining im Freien

„Mit Hamburg im Herzen die Welt bereisen“ … (frei nach Gorch Fock)

… lautet die Einladung und das Motto des Schriftstellers Wolf-Ulrich Cropp

Buchcover „Jenseits der Westwelt“

 Auf heißen Pfaden folgen wir dem Autor und leidenschaftlichen Reisenden in die spannende Welt der Ferne. Cropp liest, erzählt und stellt seine beiden neuesten Bücher vor: „Im Schatten des Löwen“ (DuMont) und „Jenseits der Westwelt“ (Kadera).

Seine Geschichten von unterwegs berichten von besonderen Orten, interessanten Menschen, erstaunlichen Begegnungen  und grandiosen Landschaften. Sie machen nachdenklich, sind poetisch und lassen mitfühlen.

Buchcover „Im Schatten des Löwen“

„Seit ich lesen kann, faszinieren mich Völker und Ereignisse in fremden unwirtlichen Lebensräumen, dazu die Entdecker und Forscher, die aufbrachen, Menschen und Kulturen in den Urlandschaften zu erkunden. – Durch meine Reisen entstand allmählich ein Kaleidoskop erstaunlicher Erlebnisse und Begebenheiten, von denen ich einige erzählen möchte“, so der Autor. „Der Tod lauert in der Sofaecke. Auch in einer technisierten, von Computern überwachten Welt braucht der Mensch das Gefühl von unentdeckten Horizonten, das Geheimnis unbewohnter Gebiete. Er braucht Orte, die gefährlich und mystisch erscheinen. Orte, die das Abenteuer ahnen lassen!“

Musikalisch untermalt die Lesung Maria Ishola von der Gruppe Tubaba mit afrikanischen Djembé-Rhythmen.

„Auf heißen Pfaden“: Wolf-Ulrich Cropp berichtet, liest und stellt seine beiden neuesten Bücher vor.
Donnerstag, 11. April 2019, 19 Uhr
Bethanien-Höfe Eppendorf, Martinistr. 41-49
Karten: 12 €, Gäste der Hamburger Autorenvereinigung: 9 €, Mitglieder der Hamburger Autorenvereinigung: frei

Schöner Wohnen in Altona? Stadtentwicklung im 20. und 21. Jahrhundert

Blick in den Elfriede-Lang-Weg in der Mitte Altona 2018, Foto Johanna Klier

Eine Ausstellung im Altonaer Museum bis 24. Juni 2019

Altona verändert sich. Ende 2017 wurden die ersten Wohnungen im neuen Quartier „Mitte Altona“ bezogen. Weitere Neubauquartiere wie das „Holstenareal“ sind in Planung. Die Sonderausstellung im Altonaer Museum nimmt lädt die Besucher zu einer Erkundungstour durch die Geschichte des Wohnungsbaus ein, der schon seit über 100 Jahren die Stadtentwicklung in Altona bestimmt. Oftmals mit wegweisenden Ideen. Der historische Rundgang präsentiert die wichtigsten Phasen der Stadtentwicklung der letzten 130 Jahre: Der Kampf gegen die Wohnungsnot um 1890, die Schaffung von gesundem Wohnraum für alle in den 1920er Jahren und die gleichgeschaltete Wohnungspolitik im Nationalsozialismus. Nach 1945 steht die Vision der durchgrünten und autogerechten Stadt im Mittelpunkt, ab 1965 die Schaffung neuer Zentren am Stadtrand. Die selbstbestimmte und von den Bürgern getragene Stadtentwicklung der 1970er Jahre leitet über zu den Entwicklungen der Gegenwart. Farbige Wohnräume im historischen Rundgang erkunden Themen rund ums Wohnen, die immer aktuell scheinen. Fragen zur Bodenpolitik finden sich im Flur, Nachbarschaft wird im Wohnzimmer diskutiert, Mietrecht im Schlafzimmer. Fragen zur Mobilität werden in der Garage angesprochen. Städtische Infrastruktur ist Thema in der Küche und mit urbaner Ästhetik können Sie sich im Esszimmer beschäftigen. Heute gilt es, die Frage zu lösen, wie für eine wachsende Stadt zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden kann. Der letzte Raum lädt zur Auseinandersetzung mit der Zukunft des Wohnens ein: in Altona und darüber hinaus. Welche Ideen zur Zukunft des Wohnens gibt es? Könnte Altona beispielhaft sein für das urbane Leben im 21. Jahrhundert? Was denken Sie?

Gustav-Oelsner-Wohnhäuser in der Helmholtzstr. und Bunsenstr. 1927, Foto: Staats- und Universitätsbibliothek HH

 

 

 

 

 

 

Historische Museen Hamburg
Altonaer Museum
Museumstraße 23, 22765 Hamburg
Tel. 040 428 135 0
info@altonaermuseum.de / www.altonaermuseum.de
Öffnungszeiten Montag 10 – 17 Uhr / Dienstags geschlossen
Mittwoch bis Freitag 10 – 17 Uhr / Samstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr
Eintrittspreise: 8,50 Euro, ermäßigt 5 Euro
Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Führungen und Veranstaltungen
Führungen durch die Ausstellung
jeden Sonntag 14 Uhr, 60 Minuten Kosten: € 1,50 pro Teilnehmer zzgl. Museumseintritt
Kuratorenführungen mit Dr. Kerstin Petermann
jeden 1. Samstag im Monat, 14 Uhr, Dauer 90 Minuten Kosten: € 1,50 pro Teilnehmer zzgl. Museumseintritt
Gruppenführungen/Angebote für Schulen
Führungen für Schulklassen, Studierende, Gruppen aller Art oder in deutscher Gebärdensprache können gebucht werden über: Museumsdienst Hamburg, Tel. 040 428 131 0 oder www.museumsdienst-hamburg.de

Armut, Sonne und Geschichte

Albert Camus´ “Der erste Mensch“ im Altonaer Theater

Joachim Król, Foto: Stefan Nimmesgern

Was verbindet die bundesweite Initiative zur Alphabetisierung und Grundbildung (AlphaDekade) mit dem Text eines Literaturnobelpreisträgers? Warum begleitet AlphaDekade den Schauspieler Joachim Król auf einer Tournee? Nachdem Król im Altonaer Theater aus Albert Camus´ unvollendet gebliebenen Roman „Der erste Mensch“ gelesen hat, sind diese Fragen beantwortet.

„Der erste Mensch“, Camus´ intimster und persönlichster Text, erzählt die Geschichte seiner Kindheit. Einer vaterlosen Kindheit – Lucien Camus fällt 1914, ein Jahr nach der Geburt seines Sohnes, im 1.Weltkrieg – im Armenviertel von Algier. In einer Wohnung, die nur das Allernotwendigste enthält und in der meist brütende Hitze herrscht. Camus´ Familie besteht aus einem gutmütigen, halbdebilen Onkel, einer dominanten Großmutter, deren bevorzugtes Erziehungsmittel der Ochsenziemer ist, von dem sie häufig Gebrauch macht, und seiner fast tauben, sanften Mutter. Einer Analphabetin, deren Wortschatz keine 500 Wörter umfasst und die dem Kind als abgewandte, schweigende Figur am Fenster in Erinnerung bleibt. Eine Kommunikation mit ihr ist beinahe unmöglich. Der kleine Junge liebt diese sanfte, abwesende Mutter und sehnt sich nach ihrem viel zu seltenen Lächeln.

Und doch ist es auch eine Kindheit wie im Paradies. Geradezu hymnisch schreibt Camus immer wieder von der Schönheit des Lichts, vom Schwimmen im Meer, von der Sonne, von Freundschaft und der Abwesenheit falschen Überflusses, von seiner Freude am Dasein unter dem heißen afrikanischen Himmel. „Das Elend hinderte mich daran zu glauben, dass alles unter der Sonne und in der Geschichte gut sei; die Sonne lehrte mich, dass die Geschichte nicht alles ist.“

Das Wunder der Bildung

Diesen Satz hätte Camus so nie formulieren können, nie wäre er zu Papier gebracht worden, hätte es nicht einen Lehrer gegeben, der sich seiner annahm. Louis Germain gelang es, die strenge Großmutter davon abzubringen, den 10-Jährigen als Hilfsarbeiter zu verdingen, damit er etwas zum Familieneinkommen beitrage. Unentgeltlich half Germain seinem Schützling bei der Vorbereitung zur Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium, unterstützte und ermutigte ihn.

Als der Schauspieler Joachim Król diese für Camus´ Entwicklung so wichtige Passage das erste Mal las, hat er an seine eigene Biografie gedacht: „Ich war ein Bergarbeitersohn in den sechziger Jahren im Ruhrgebiet. Und genau wie bei Camus kam eines Tages ein Lehrer zu uns und bat meinen Vater zum Gespräch. Was zum Ergebnis hatte, dass meine Eltern mich aufs Gymnasium gehen ließen. Das müssen Sie sich mal vorstellen: Nach Feierabend ist dieser engagierte Lehrer zum Hausbesuch gekommen und hat wesentliche Weichen für mein Leben gestellt.“

Der junge Camus erlebt den von Louis Germain erkämpften Eintritt in die höhere Schule zunächst als Verlust. Die Welt der Bildung und des Bürgertums ist ihm fremd. Wenn Klassenkameraden von Koffern voller alter Briefe, Kleider und Spielsachen auf den Dachböden der elterlichen Häuser, von Fotoalben und ihrer Familiengeschichte erzählen, bleibt er stumm. Armut, so begreift er, hat keine Zeit. Wer Tag für Tag ums materielle Überleben kämpft, beschäftigt sich nicht mit Vergangenheit oder Zukunft, weiß nichts von Politik und fernem Weltgeschehen. Wer in eine solche Familie hineingeboren wird, ist wie „der erste Mensch“. Ein Mensch ohne Wurzeln, ohne Geschichte, ohne Vergangenheit, nirgendwo zuhause.

Camus´ Lehrer wiederum sind irritiert von seinem familären Hintergrund. Ein Haushalt ohne Bücher oder Zeitschriften, Erziehungsberechtigte, die keine Unterschrift leisten können – was für das Kind selbstverständlich und normal ist, löst bei ihnen Befremden aus. Unübersehbar jedoch ist das Talent und der Lernwille, ja, die Lerngier und Lesewut ihres scheuen neuen Schülers.

Camus Text, er selbst hat ihn als sein Hauptwerk bezeichnet, blieb unvollendet. Nach seinem Autounfall im Januar 1960 fand man neben dem tödlich Verletzten eine schwarze Ledermappe; darin das handgeschriebene Manuskript mit Anmerkungen und Verbesserungen. Und der Widmung an seine Mutter: „Dir, die Du dieses Buch nie wirst lesen können.“

Kopfkino, das unter die Haut geht

Joachim Król erzählt die bewegende Kindheitsgeschichte unterstützt von fünf Solisten des l’orchestre du soleil. Die vom Komponisten Christoph Dengelmann eigens für seinen Vortrag komponierten Melodien greifen Elemente algerisch-französischer Pop- und Volksmusik auf. Sie begleiten, interpretieren und unterstützen die Rezitation.

Den Zuhörern, Król selbst wäre es am liebsten, wenn „die Leute von einem Kopfkino“ sprechen würden, geht die Aufführung unter die Haut.

Und so erfüllt sich hoffentlich der Wunsch von AlphaDekade, die Aufführung möge Theaterbesucher für das Thema Alphabetisierung sensibilisieren. Wie notwendig dies ist, zeigt die Tatsache, dass jeder siebente Erwachsene in Deutschland ein funktionaler Analphabet ist und zwar einzelne Wörter und Sätze lesen, nicht aber zusammenhängende – auch kürzere – Texte verstehen kann.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek erklärte zum Auftakt der Tournee: „Die Familie, der Kollege, die Lehrerin des Kindes oder die Betreuungsperson im Jobcenter – sie alle können, wie Louis Germain, Mutmacher sein, wenn sie eindeutige Anzeichen erkennen, Betroffene ansprechen und an die richtige Stelle weiterleiten.“

Nicht aus jedem Kind kann ein Nobelpreisträger werden, aber von der Teilhabe an zahlreichen Bereichen des öffentlichen Leben sollte niemand auf Grund mangelnder Lese- und Schreibkenntnis ausgeschlossen bleiben. Wir brauchen viele Louis Germains. Könnten wir selbst einer sein?