Der „Vater“ der Weimarer Verfassung

Von Dr. Manuel Ruoff

Hugo Preuß setzte der Parteienmacht Grenzen und machte den Präsidenten zum »Ersatzkaiser«

Während man gemeinhin von den (Müttern und) Vätern des Grundgesetzes spricht, ist nur von einem Vater der Weimarer Verfassung die Rede. Und der heißt Hugo Preuß. Nach der erfolgreich verlaufenen Novemberrevolution erwog der Rat der Volksbeauftragten den wohl bedeutendsten deutschen Soziologen der damaligen Zeit, Max Weber, und eben Hugo Preuß mit der Ausarbeitung eines Entwurfs für eine neue, republikanische und demokratische Verfassung zu beauftragen. Weber disqualifizierte sich jedoch in den Augen der Revolutionäre durch die Ablehnung ihres Produktes, der Revolution. Vergleichbare Reserven sind hinsichtlich Preuß nicht bekannt. Vielmehr rief der Kaufmannssohn im „Berliner Tageblatt“ vom 14. November 1918 seinen Stand, das Bürgertum, auf, sich „auf den Boden der vollzogenen Tatsachen“ zu stellen und am Aufbau der Republik mitzuwirken. Am darauffolgenden Tag wurde er vom Rat der Volksbeauftragten mit der Ausarbeitung eines Verfassungsentwurfes und von Reichskanzler Fried­rich Ebert mit der Leitung des Reichsamts des Innern beauftragt. „Der „Vater“ der Weimarer Verfassung“ weiterlesen

Bezwinger Napoleons

Von Dr. Manuel Ruoff

August Neidhardt von Gneisenau zählt mit Gerhard von Scharnhorst, dessen Nachfolge er nach dessen Tod in der Blücher-Armee antrat, zu den bedeutendsten Militärreformern Preußens. Untrennbar ist sein Wirken mit Napoleon verbunden, dessen Bezwinger er schließlich wurde.

Das Leben des am 27. Oktober 1760 in Schildau Geborenen ist abenteuerlich, aber unspektakulär. Der gebürtige Sachse ergriff den Beruf seines Vaters und erreichte 1786 sein Ziel, in die seinerzeit ruhmreichste Armee aufgenommen zu werden.

Nach dem Ausbruch des Vierten Koalitionskrieges 1806 nahm Gneisenau unter Prinz Louis Ferdinand am Gefecht bei Saalfeld und unter Ernst von Rüchel an der Schlacht von Jena teil. Von Rüchel protegiert, übernahm er 1807 die Verteidigung der Festung Kolberg. Während Preußens Generalität noch in den Kategorien des Kabinettskrieges dachte, bediente sich Gneisenau mit Hilfe des Bürgerrepräsentanten Joachim Nettelbeck bereits in Ansätzen der Methoden des modernen Volkskrieges. Und er war damit erfolgreich. Während andere preußische Festungen kampflos übergeben wurden, konnte Kolberg bis zum preußisch-französischen Waffenstillstand gehalten werden. „Bezwinger Napoleons“ weiterlesen

Friedhof der Göttertiere

Antike Balsamierer helfen modernen Medizinern
Aegyptische Geschichte aus ungewöhnlichen Blickwinkeln

Text: Hans-Peter Kurr /Fotos : M. Bertinetti & H.-P. Kurr

Autor Hans- Peter Kurr vor einer Horus- Skulptur

Aegyptologie ist ein erst etwas mehr als zweihundert Jahre alter Wissenschaftszweig, der sich mit der Erforschung von fünftausend Jahren Menschheitsgeschichte im östlichen Mediterraneum beschäftigt.In unseren Tagen verblüfft ein neuer Aspekt in der Arbeit der Aegyptologen. Sie helfen der modernen Medizin: Das Institut für Aegyptologie an der Münchner Maximilian-Universität, unter  Leitung von Professor Dr. Dieter Kessler, forschte im „Friedhof der Göttertiere“ bei Tuna-el-Gebel.
Seit Entzifferung der Hieroglyphen durch den Franzosen Champollion zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Funde von Tiermumien eher als Kuriosa abgetan.Man beschäftigte sich zuvörderst mit Pharaonengräbern,  Pyramiden, Obelisken, Goldfunden.Diese Gebiete waren, gemeinsam mit wichtigen Papyri, die „Objekte der Begierde“.Erst jetzt rückt immer mehr die gigantische „Industrie“ und der Kult des antiken Aegypters, den er jahrtausendelang an und mit Tieren betrieb, in den Brennpunkt genauerer wissenschaftlicher Forschung, die dabei  Ergebnisse erzielt,die unter heutigen medizinischen Aspekten sehr interessant sind:
Im Zeitalter von Schweinegrippe, Vogelseuche, SARS etc. werden die nachzuweisenden, artenübergreifenden Übertragungswege von Viren immer wichtiger – etwa am Beispiel von TBC, worunter offenbar der Aegypter des Altertums selber als auch dessen Rinder litten. „Friedhof der Göttertiere“ weiterlesen

Angst vor der freien Rede?

Zum letzten Mal in 2010: Rhetorik-Seminar mit Hans-Peter Kurr

Hans-Peter Kurr

Zum letzten Mal in diesem laufenden Jahr 2010 bietet unser Mitglied Hans-Peter Kurr (In Rhetorik und Schauspiel ausgebildeter Regisseur) Menschen ein Wochenend-Seminar in Rhetorik  an, für die es der Horror ist, in der Öffentlichkeit frei zu reden.

„Selbst vor nur 100 Zuhörern zu reden“, sagte kürzlich ein Teilnehmer an Kurrs Frankfurter erstem Lehrgang, der „nur“ eine Laudatio auf ein Firmenmitglied zu halten hatte, das dessen Betrieb vierzig Jahre angehörte, “ ist mir nicht ohne hörbares Zittern in der Stimme gelungen. Ich wäre vor Angst fast ohnmächtig geworden und dachte zeitweise, ich würde gleich umkippen!“

Menschen mit diesem oder einem ähnlichen Problem sind in unserer Gesellschaft nicht selten vertreten. Die moderne Psychologie nennt jenen Zustand eine “ weit verbreitete soziale Phobie“ und rät zu Übungskursen unter fachlicher Anleitung. „Angst vor der freien Rede?“ weiterlesen

Das Kreuz mit dem Kreuz

Von Renato Diekmann

Schmerzen müssen frühzeitig, fachgerecht, konsequent und effektiv behandelt werden. Wenn man zielgerichtet therapieren will, muss man das Ziel kennen, so der Tenor auf einer Pressekonferenz anlässlich des Schmerzkongresses 2010 in Mannheim.

Muskulärer Rückenschmerz

Wir leben in einer hochtechnisierten Welt, in der wenig Raum für Bewegung bleibt: Wir nehmen  lieber das Auto, statt zu Fuß zu gehen oder Fahrrad zu fahren, und den Fahrstuhl, statt Treppen zu steigen. Mangelnde Bewegung hat Folgen und hinterlässt häufig Rückenschmerz, der zu den großen Volkskrankheiten unserer Zivilisationsgesellschaft gehört. Muskulärer Rückenschmerz ist ein schwerwiegendes medizinisches Problem und verursacht hohe Kosten. Die Gesamtausgaben infolge von Schmerzen werden in Deutschland auf 49 Milliarden Euro beziffert, wovon 54 Prozent der Kosten auf Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung entfallen.

„Das Kreuz mit dem Kreuz“ weiterlesen

Der Charme des Barhockers

erschienen im Hamburger Abendblatt am 14. Oktober 2010

von Johanna R. Wöhlke

Was macht den Charme eines Barhockers aus? Die Beantwortung dieser Frage hat einen ganz besonderen Reiz, denn auch Barhocker haben einen besonderen Reiz. Sie pflegen hoch zu sein, so hoch, dass es immer einer kleinen gymnastischen Übung bedarf, einen sicheren Halt auf ihnen zu finden. Außerdem sind sie unterschiedlich gut gestaltet und erschweren das „Besteigen“ manchmal ganz erheblich.

Hilfreich ist es immer, wenn die Bar einen Umlauf hat, an dem der oder die Barhockerbesteigende sich festhalten kann. Das geht dann bei Rechtshändern so: Mit der linken Hand am Bartresen festhalten, gleichzeitig mit der rechten Hand den Barhocker in Position bringen und die rechte Hüfte mitsamt Hinterteil so weit anheben, dass man ungefähr auf der Hälfte des runden, kleinen Barhockersitzes Halt gefunden hat. „Der Charme des Barhockers“ weiterlesen

Das Geheimnis der Freimaurer …

Von Hans- Peter Kurr

……ist der Titel eines Films von Ulrich und Christian Offenberg, der als DVD-Video unter der ISB-Nummer 978 – 3 – 8312 – 9468 – 8  im Handel erhältlich ist. Der 60-Minüter versucht, unter dem ebenso provozierenden wie erhellenden Titel nicht nur, mit weitverbreiteten Vorurteilen über die internationale Freimaurerei aufzuräumen, sondern dokumentiert deren historische Entstehung und Begründung sowie ihre Entwicklung bis in unsere Tage mithilfe wahrhaft aufregenden (Archiv?-)Materials ebenso wie durch sachliche, stets die Quintessenz hervorhebende, Textbeiträge zweier Hamburger Freimaurer, des Vorsitzenden Logenmeisters Jörg Ahlheid („Carl zum Felsen“) und des Verbandvorsitzenden Gerd-Wilhelm Rottgardt, die für diesen Film im eindrucksvollen Grossen Tempel des Logenhauses an der Moorweidenstrasse interviewt wurden.

Die Anfänge der UdSSR

Von Josef Wilhelm Knoke

Der monolithische Gesamteindruck, den wir während des kalten Krieges von der UDSSR hatten, bevor sie in diverse Staaten zerfiel, entsprach nicht ihrer Entstehungsgeschichte. Bei ihrer Gründung gab es Teileinheiten, die sich nach Art, Kompetenzen und politischem Status deutlich voneinander unterschieden.
Grundlage des Unionsvertrages war ursprünglich das Prinzip der Freiwilligkeit und Gleichberechtigung der Unionsrepubliken,  sowie das Recht des freien Austritts. „Die Anfänge der UdSSR“ weiterlesen

Lenin und Stalin: Die Kontroverse vor Gründung der UdSSR

Von Josef Wilhelm Knoke

Im Vorfeld der Gründung der UdSSR gab es zwei kontrovers diskutierte Fragestellungen: a) Sollte die Organisationsstruktur des Staates eher föderalistisch oder eher zentralistisch ausgerichtet sein? b) Welchen Spielraum sollten „Nationalitäten“ bzw. Nationalstaaten in diesem Gebilde haben? Im Zarenreich wurde bis zuletzt am Konzept des „einheitlichen, unteilbaren Russlands“ festgehalten und dementsprechend ein föderalistisches Nationalitätenkonzept abgelehnt. Auch die Bolschewiki standen bis 1917 einem föderativen Aufbau Russlands klar ablehnend gegenüber, basierend auf Marx und Engels, die den proletarischen Einheitsstaat propagierten.

Lenin sagte dazu 1913 in seinem Artikel „Kritische Bemerkungen zur nationalen Frage“: …solange und soweit verschiedene Nationen einen Einheitsstaat bilden, werden die Marxisten unter keinen Umständen das föderative Prinzip oder die Dezentralisation propagieren. Der zentralisierte Staat ist ein gewaltiger historischer Schritt auf dem Wege von der mittelalterlichen Zersplitterung zur zukünftigen sozialistischen Einheit der ganzen Welt… „Lenin und Stalin: Die Kontroverse vor Gründung der UdSSR“ weiterlesen

Die Situation im Vorfeld der Gründung der UdSSR

Die Oktoberrevolution von 1917

Von Josef Wilhelm Knoke

Massendemonstrationen in Petrograd führten im Februar 1917 zu allgemeinen Arbeiter- und Soldatenaufständen; der Zar wurde von konservativen Abgeordneten und dem Stabschef zur Abdankung am 2.3. 1917 (Alten Stils) überredet. Es entstand eine Doppelherrschaft von bürgerlich-liberaler Regierung einerseits und andererseits Arbeiter- und Soldatenräten (Sowjets oder Sovety) in vielen Städten. Das Dilemma war, dass die Regierung die Legitimation, aber keine Macht besaß, die Räte hingegen die Macht ohne Legitimation. „Die Situation im Vorfeld der Gründung der UdSSR“ weiterlesen