Die Auswärtige Presse e.V.

Internationale Journalistenvereinigung Hamburg
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Die Schrecken der Postmoderne

Dezember 20, 2010 Von: Tekook Kategorie: Kunst und Kultur 1 Kommentar →

Bret Easton Ellis seit 25 Jahren Enfant terrible der Gegenwartsliteratur

Von Götz Egloff

Westliche Gesellschaften stolpern von einer Krise in die nächste, während Politiker zwischen Rat- und Hilflosigkeit alle möglichen Regelungs- oder Entregelungsversuche starten, um angeblich das Gemeinwohl zu reanimieren. Doch nichts von alledem scheint zu greifen. Warum nicht? Womöglich, weil wir es in der Politik mit einer „Mischung aus tödlicher Wirklichkeit und simulativer Evozierung und Bewältigung von Pseudorealitäten“ zu tun haben (H. Vester, Soziologie der Postmoderne, 1993)? Dabei stellt sich sogleich die Frage, wie Realität(en) von Pseudorealität(en) letztendlich zu unterscheiden wäre(n), und ob dies überhaupt möglich ist.

Bret Easton Ellis hat die in der Literatur gängige Frage nach dem „Wer bin ich?“ neu (mit-)definiert.

Das Thema Identitätssuche, das z.B. an Jack Kerouac (“On the Road”) erinnert, dort jedoch noch existenzielle Fragen aufwirft, gewinnt im gesellschaftlichen Gefüge von Hybridität und Hyperrealität, in der sich der Protagonist des 1985 erschienenen Romans „Less Than Zero“ („Unter Null“) von Ellis im Los Angeles der achtziger Jahre befindet, die Dimension einer Außer-Kraft-Setzung nicht nur des Orientierungssinnes. (weiterlesen …)

Zur Abschaffung der psychosomatischen Gynäkologie

Dezember 18, 2010 Von: Tekook Kategorie: Medizin, Gesundheit Noch keine Kommentare →

Von Götz Egloff

Seit nun annähernd zwei Jahren gelten für frauenärztliche Praxen die sogenannten „Regelleistungsvolumina“, die es Gynäkologen und Gynäkologinnen nahezu verunmöglicht, psychosomatische Beratungen angemessen abzurechnen. Dies stellt einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Verunglimpfung der sprechenden Medizin dar, in diesem Fall geradezu die Abschaffung der psychosomatisch orientierten Frauenheilkunde, die über rein technische Diagnostik und Behandlung hinausgeht. Die Zersplitterung medizinischer Fächer wird damit weiter vorangetrieben, so wünschenswert auch die Stärkung hausärztlicher Richtlinienkompetenz ist. (weiterlesen …)

Zur Notwendigkeit gelingender Beziehungen

Dezember 06, 2010 Von: Tekook Kategorie: Wissenschaft Noch keine Kommentare →

Vorankündigung zur 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) vom 25.-27.03.2011 in Berlin

von Götz Egloff

Welche gesellschaftlichen Bedingungen und historischen Entwicklungen ermöglichen oder verhindern das In-Beziehung-Treten von Menschen? Die 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) möchte unter dem Titel „Wurzeln und Barrieren von Bezogenheit“ in größtmöglicher interdisziplinärer Weise Beiträge zu dieser Fragestellung zusammenführen, ist doch das Gelingen von Beziehungen die Grundvoraussetzung für ein menschlich-konstruktives Miteinander. (weiterlesen …)

Anorexie, Bulimie, Hysterie?

Dezember 03, 2010 Von: Tekook Kategorie: Medizin, Gesundheit Noch keine Kommentare →

Von Götz Egloff; Foto: Dmitry Ersler

Was im Titel auf den ersten Blick wie eine Verniedlichung klingen mag, soll eine Klarstellung im öffentlichen Diskurs sein. Vorab: alle drei hier genannten psychischen Störungen sind behandlungsbedürftige Syndrome. Sie gehören in die Hand von Psychotherapeuten. Unbehandelt chronifizieren sie fast immer, teilweise mit verheerenden Folgen. Aber selbst mit psychotherapeutischer Behandlung sind die Prognosen teilweise mäßig: bei der Anorexie je nach Schwere unterschiedlich, bei der Bulimie im Mittelfeld, bei der Hysterie recht gut. Hysterie? Die gibt´s noch? Ja, die gibt´s noch, und zwar häufiger als gedacht: eine unbemerkte Störung, die viel leiser daher kommt als ihr Name suggeriert.

Was hat es mit der Hysterie auf sich? (weiterlesen …)

Postmoderne Hausfrauen

Juli 29, 2010 Von: Tekook Kategorie: Buchrezension, Kunst und Kultur Noch keine Kommentare →

Rezension zum Buch                                                      

Verzweifelte Hausfrauen? Erscheinungsformen der Macht in DESPERATE HOUSEWIVES

von Julia Langner. Mit einem Vorwort von Kay Kirchmann

Tectum, Marburg, 2009

Von Götz Egloff

Da gibt es also Hausfrauen. Und die Soziologie. Und die Psychologie. Und Macht. Die Medienwissenschaften. Und Fernsehserien… Eine davon, die Erfolgsserie DESPERATE HOUSEWIVES, nimmt Julia Langner, Universität Erlangen-Nürnberg, in ihrem Buch unter die Lupe und bündelt viele der genannten Schlagwörter in einer Tour-de-Force durch die verschiedenen Disziplinen. Nach einer gelungenen Einführung in die Historie des Machttopos mit Ausflügen zu Hobbes, Nietzsche, Foucault, Plessner, sowie in die psychologische Forschung von McCleland, führt die Autorin die Leser mittels eines, sozusagen Close Viewing in die beziehungsverstrickten Welten der Protagonistinnen Bree, Lynette, Gabrielle und Susan ein und zeigt auf, auf welche Art sich zeitgenössische Frauenbilder in einem aktuellen Fernsehformat darstellen. Und gibt damit Einblick, inwiefern sich diese im Lauf der Zeiten verändert oder eben nicht verändert haben. In jedem Fall ist dies höchst spannend.

Was sich verändert hat, das wird deutlich, sind die medialen Verarbeitungsmuster gesellschaftlicher Themen. Einst – und teilweise zurecht – vielgeschmähte Fernsehserien werden mittlerweile zum Reflektionsort gesellschaftlicher Zusammenhänge, zum Ort gesellschaftlicher Selbstbefragung (s. Kay Kirchmann im Vorwort). (weiterlesen …)

Die Geburt ist nicht der Anfang

März 14, 2010 Von: Tekook Kategorie: Medizin, Gesundheit Noch keine Kommentare →

Rezension von Götz Egloff zum Buch
Die Geburt ist nicht der Anfang. Die ersten Kapitel unseres Lebens – neu erzählt
von Marianne Krüll. Unter Mitarbeit von Flora Frank
Klett-Cotta, Stuttgart, 2009

Das Unbekannte in der Biographie – wie vor- und nachgeburtliche Erfahrungen den Menschen prägen

Die große Dame der Gender-Soziopsychologie Marianne Krüll hat ein herausragendes Werk über das Werden des Menschen vorgelegt. In gefühlvollem und klugem Ton führt sie in Welten ein, die manchem Menschen als weit entfernt liegend erscheinen mögen, deren unmittelbare Relevanz für das Leben jedoch größer nicht sein könnte.
Dass der Mensch ein historisches Wesen ist, ist nachvollziehbar. Dass der Mensch ein sprachliches Wesen ist, wer wollte das bestreiten? Dass schon früheste Erfahrungen – zurückreichend bis in den mütterlichen Uterus – Körpererinnerungsspuren hinterlassen, sind wichtige Erkenntnisse der prä-, peri- und postnatalen Psychologie. (weiterlesen …)

Lulu goes Lacan – der Spiegel als Spiegel des Spiegels

November 02, 2009 Von: Woehlke Kategorie: Kunst und Kultur Noch keine Kommentare →

Kommentar zu   „Der Griff ins Höschen. Lulu – Calixto Bieito entmythisiert die femme fatale.“
von Astrid Biesemeier
zur Inszenierung von „Lulu“ von Frank Wedekind, Regie: Calixto Bieito, am Nationaltheater Mannheim, Okt. 2009,   in: www.nachtkritik.de vom 13.10.2009.

Von Götz Egloff
Wo Es war, soll Ich werden“, sagt Sigmund Freud. „Wo Ich war, soll Es werden“, sagt Jacques Lacan. Was ist dieses Es, dieses dunkle Unbekannte? Es ist das Unheimliche, Verborgene, doch Gutgehütete im Menschen, das lebenslang in ihm wirkt und – Astrid Biesemeier deutet es an – überlebensnotwendig ist. (weiterlesen …)

Klasse statt Masse: Thilo Sarrazin im Gespräch

Oktober 07, 2009 Von: Woehlke Kategorie: Politik Noch keine Kommentare →

Kommentar
(Lettre International, 86, Berlin, 2009)
Von Götz Egloff

Eine Projektion ist eine Projektion ist eine Projektion

Die Einlassungen des Berliner Ex-Finanzsenators und Bundesbank-Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin (SPD) in Lettre International Nr. 86 zum Thema des Einflusses ethnischer und sozialer Minderheiten auf die sozioökonomischen Entwicklung der Hauptstadt lassen tief blicken – nur worein? In die Abgründe Berlins? Oder in die Abgründe der psychischen Konstitution von Herrn Sarrazin? Dieser begibt sich verwegen in die uralte Tradition des Minderheiten-Bashings und ignoriert souverän und ganz zeitgeistgemäß jegliche sozialwissenschaftliche Erkenntnisse über sozioökonomische und soziogeographische Zusammenhänge. Da hat wohl einer seinen Topos gefunden.
Die schwerwiegenden Versäumnisse der Ära Schmidt und der Ära Kohl beim Thema Integration werden von ihm nicht herangezogen, stattdessen macht er sich zum Handlanger des Polit-Chauvinismus und liefert eine Steilvorlage für populistische Edelfedern wie Franz-Josef Wagner (BILD-Zeitung, 5.10.2009). So – jetzt hat einer mal gesagt, was Sache ist! Damit bist du ganz weit vorn, Thilo! (weiterlesen …)

Die Seelenflüsterer – Turbo-Coaching gegen Stress und Angst

Oktober 04, 2009 Von: Woehlke Kategorie: Kunst und Kultur Noch keine Kommentare →

Rezension zur 4-teiligen Doku-Serie
von Liz Wieskerstrauch
SWR Fernsehen, 01.10.09, 08.10.09, 15.10.09, 22.10.09, jeweils 22:30 Uhr
Die suggestive Kraft des Therapeuten – Menschen zwischen Leid und Hoffnung

Von Götz Egloff
Liz Wieskerstrauch ist mit ihrer 4-teiligen Doku-Serie „Die Seelenflüsterer – Turbo-Coaching gegen Stress und Angst“ im Auftrag des SWR ein hautnaher Film gelungen, der in eindringlicher Weise die psychischen Probleme mehrerer Menschen zeigt – und wie eine Möglichkeit aussieht, diesen Problemen zu begegnen. Prüfungsangst vor dem Abitur, Zahnarztphobie, ADHS beim 11-jährigen Felix – eindrückliche Symptome vom „Nachbarn nebenan“, die mit einer neuartigen Coaching-Methode des Psychologenpaars Cora Besser und Harry Siegmund behandelt werden. (weiterlesen …)