Sommer hoch drei im Südtiroler Gartendorf Algund

Blick über das Gartendorf (c) Frieder Blickle (Tourismusverein Algund)

Nach den herausfordernden Zeiten tut Bewegung in frischer Luft besonders gut. Im Gartendorf Algund sind die Voraussetzungen dafür geradezu ideal: Hier liegen unzählige Wander- und Radwege zwischen 300 und 3.000 Metern Höhe. Perfekt für eine paar Tage Sonne und Genuss.

Durch das Südtiroler Etschtal kann submediterrane Luft von der oberen Adria ungehindert in das Meraner Becken einströmen. Das Klima Algunds mit seinen 300 Sonnentagen pro Jahr kann deshalb mit der Côte d’Azur und Mallorca locker mithalten. Palmen, Pinien, Agaven und Ölbäume überwintern unter freiem Himmel, auch dank der bis zu 3.300 Meter hohen Gipfel der Ötztaler Alpen und der Texelgruppe, die Niederschläge und kalte Winde aus dem Norden fernhalten. Algund zählt deshalb auch zu den ältesten Weinbaugemeinden Südtirols, wie sich anhand der vielen Weinhöfe, Kellereien, Buschenschänken und Vinotheken leicht feststellen lässt. Die üppigen Weinberge und großflächigen Obstgärten zeigen sich jetzt in all ihrer Schönheit. Neben Wein und Äpfeln gedeihen in Algund Marillen und Pfirsiche, Mandeln, Feigen und Oliven. Die wohlige Wärme wirkt sich nicht nur auf die Vegetation aus, sondern auch die auf die Psyche und das allgemeine Wohlbefinden. Das bestätigt eine Gesundheits- und Klimastudie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg.

Urlaub auf dem Südbalkon der Alpen

Urlauber sind in Algund mitten im Grünen und umgeben von Burgen, Schlössern und Ansitzen des Burggrafenamts. Dennoch ist man nah dran am quirligen Leben der Kultur-, Kongress- und Kurstadt Meran, den botanischen Gärten von Schloss Trauttmansdorff oder dem berühmten Tappeinerweg. Zu Fuß ist es nur eine halbe Stunde von Algund ins Zentrum Merans. Die charmante Altstadt mit ihren Jugendstilfassaden, alten Laubengassen, mondänen Geschäften und Cafés verlockt zum Shoppen, Flanieren an der Passerpromenade oder einem Besuch am Wochenmarkt. Nach Meran geht es auch über den Algunder Waalweg, der sich über sechs Kilometer hoch über Algund durch Obst- und Weingärten schlängelt. Neben der atemberaubenden Weitsicht spornt das muntere Plätschern des Wassers zum Weitergehen an. Noch eine „Etage“ darüber liegt der Meraner Höhenweg. Er umrundet auf 93 Kilometern in etwa 1.400 Metern Höhe den Naturpark Texelgruppe, das größte Schutzgebiet Südtirols. Der Meraner Höhenweg gilt als einer der schönsten hochalpinen Panoramawege Europas, nicht nur wegen seiner bekannten Ziele wie dem Partschinser Wasserfall oder den zehn Spronser Seen.

In die Pedale auf der Via Claudia Augusta

Vor 2.000 Jahren war die Via Claudia Augusta eine römische Kaiserstraße, welche die Adria über die Alpen mit der Donau verband. Heute ist sie ist einer der schönsten Talradwege Südtirols. Entlang der Route flussauf- und abwärts der Etsch verlocken zwischen Reschensee und Bozen viele Sehenswürdigkeiten zum Zwischenstopp: die malerischen Dörfer des Meraner Landes, die Schlösser Juval und Kastelbell, die Churburg oder Sigmundskron mit dem MMM Messner Mountain Museum. Die Heimreise kann man zwischen Meran und Mals auch mit der Vinschgerbahn antreten. Diese bringt auch die Mountainbiker näher an ihre Ziele heran: die Texelgruppe, den Nörder- oder den Sonnenberg, das Passeier-, Ulten- und Schnalstal. Tipp für Golfer: Im Radius von nur 45 Kilometern liegen drei traumhafte Golfplätze. www.algund.info

Tourismusverein Algund
I-39022 Algund bei Meran (BZ), Hans-Gamper-Platz 3
Tel. +39 0473 448600
E-Mail: info@algund.com
www.algund.info

In vino veritas – eine genussreiche Wein- und Kulturreise durch das Taubertal

Der Kaffelstein auf der Gemarkung Kreuzwertheim schräg gegenüber der Wertheimer Burg und ist eine der letzten klassischen Steillagen der Region. Heute bewirtschaftet das Weingut Alte Grafschaft den Weinberg in Handarbeit.

Lieblich ist das Tal der Tauber – ein Garten Eden in deutschen Landen. Wie Perlen auf einer Schnur reiht sich entlang der Tauber ein schöner Ort, ein romantisches Städtchen an das nächste. Da ist die Fechterhochburg Tauberbischofsheim, eine fränkische Stadt wie aus dem Bilderbuch, die Deutschordensstadt Bad Mergentheim sowie das Dörfchen Stuppach mit der berühmten Madonna von Matthias Grünewald. Um nur einige der kulturellen Höhepunkte zu benennen. In zierlichen Schleifen windet sich die Tauber durch Wiesen, Äcker und Weindörfer. Blühende Weinberge, soweit das Auge reicht.

Marketingleiter Michael Spies von der Winzergenossenschaft Beckstein freut sich auf ein Gläschen Silvaner.

In Beckstein, dem ersten Halt auf unserer Reise, werden wir mit einem fröhlichen „Grüß Gott“ zur ersten Weinprobe eingeladen. Was darf’s denn sein – ein trockener Silvaner, ein erdiger Kerner oder lieber ein im Glas rubinrot funkelnder Tauberschwarz? Im Mikroklima dieses gesegneten Landstrichs gedeihen die unterschiedlichsten Rebsorten. Das Weingut Benz bietet mit seinem „Vinasticum“ innerhalb der Becksteiner Weinwelt ein Erlebnis der besonderen Art. Während einer etwa einstündigen Kellerführung inklusive Degustation werden mittels verschiedener Lichteffekte und Farbspiele alle fünf Sinne des Genießers angesprochen. Ganz nebenbei erfährt er viel Wissenswertes über Bodenbeschaffenheit, Klima und naturgegebene Einflüsse, die den Weinanbau begünstigen. Die französische Sprache deckt all diese Faktoren kurz und elegant mit dem Wort „terroir“ ab. Und weiter geht es nach Kembach, Dertingen und Kreuzwertheim. Hier werden wir mit weiteren Kostproben edler Tropfen verwöhnt und erfahren in einem Kurzlehrgang allerlei Wissenswertes über Beschaffenheit der lokalen Böden und den Rebschnitt.

„Ein Gang durchs Taubertal ist ein Gang durch die deutsche Geschichte, ein Gang durch das alte Reich mit ziemlich leichter Barschaft des Geldbeutels“, schrieb 1865 der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich von Riehl. An der Faszination, der er seinerzeit erlag, hat sich kaum etwas geändert. Auch heutige Urlauber schätzen im Taubertal die Verbindung aus Naturerlebnis, Burgenromantik und rustikaler Gastlichkeit.

Und weiter geht’s nach Creglingen. Die gotische Herrgottskirche birgt einen Marienaltar von Tilman Riemenschneider, der erst – völlig verstaubt – Mitte des 19. Jahrhunderts bei Aufräumarbeiten entdeckt wurde. Eine Sensation, ebenso wie das benachbarte Fingerhutmuseum, in welchem Exponate zu besichtigen sind, die – man höre und staune – ein Alter von bis zu 30.000 Jahren aufweisen. Auch Tauberrettersheim, ein verschlafenes 900-Seelendorf, wartet mit zwei Kostbarkeiten auf – der eleganten, vom berühmten Barockbaumeister Balthasar Neumann konstruierten Brücke und einem spritzigen Frankenwein, der seinesgleichen sucht.

Die Külsheimer Weinkönigin Laura Behringer.

Szenenwechsel. Die Tauber ergießt sich im Weikersheimer Grafenwinkel in ein weitläufiges Tal. Wir sind inzwischen von Bayern ins Bundesland Baden-Württemberg übergewechselt. Vor uns liegt das Renaissanceschloss der Grafen und Fürsten von Hohenlohe. Hinter der schlicht-eleganten Fassade verbirgt sich ein verspielter Barockgarten mit plätschernden Springbrunnen, Putten und üppigen Blumenrabatten. Innen lockt das Schloss mit zwei Raritäten – einem Rittersaal und dem Spiegelkabinett. Nach einer ausgiebigen Besichtigung des „hohenlohischen Versailles“ steigt die Gruppe vom nostalgischen Oldtimerbus auf E-Bikes um und radelt bei strahlendem Sonnenschein und angenehmem Fahrtwind auf gut ausgebauten Radwegen gemächlich in Richtung Bad Mergentheim. Nicht nur die Sole, die hier verschwenderisch aus dem Boden sprudelt, macht den Kurort so anziehend, sondern auch die Vielfalt der historischen Bauwerke. Während die um den Marktplatz gruppierten Bürgerhäuser in der Zeit um 1500 errichtet wurden, stammt die im Stil der Gotik erbaute Marienkirche bereits aus dem 14. Jahrhundert. Glanzlicht Mergentheims ist das Deutschordensschloss mit dem historischen Kapitelsaal und der Hochmeistergalerie, das von 1525 bis 1809 Hauptsitz des Ordens war. Nach einem Stadtrundgang lautet das Motto: Von der Kultur zur Kur. Die salzhaltige Sole Mergentheims reinigt Leber und Galle. eine Wohltat nach dem reichlichen Genuss von Riesling und Tauberschwarz. An Leib und Seele gestärkt folgt ein Abstecher nach Külsheim, wo die hübsche diesjährige Weinkönigin Laura ihre Gäste mitten im Weinberg mit einem Glas kühlen Müller-Thurgau empfängt und zur zünftigen Winzervesper einlädt. „Unsere wunderbaren Weine verdanken wir dem heimischen Muschelkalkboden und unserem milden Klima“ erklärt sie und prostet uns zu.

Die letzte Etappe führt uns nach Wertheim. Die rötlichen Sandsteinmauern der Burgruine auf felsigem Grund spiegeln sich in den dunklen Fluten der Tauber. Den sanften Fluss besang der Dichter Clemens von Brentano einst in weinseliger Stimmung mit den Worten: „Tauber heiß ich, Reben schwing ich, trunken in dem Taubergrund, und den Kindern Trauben bring ich um die Hälse golden bunt.“ Verse, die gut zu dieser fröhlichen Stadt passen mit ihrer Vielzahl gemütlicher Wirtshäuser und uriger Weinstuben. Am Abend trifft sich Alt und Jung am Engelsbrunnen. Die Namensgeber – zwei lichte Engel – halten das Wertheimer Wappen schützend über die Stadt.

Zu guter Letzt noch dies: Die Kelten, die einst in dieser Region siedelten, nannten den Fluss „Dubra“, zu Deutsch „die Schwarze.“ Daraus wurde später die Tauber. Der linke Nebenfluss des Mains entspringt in Franken und durchfließt den Taubergrund zwischen Rothenburg und Tauberbischofsheim. Er ist tief in die unterfränkische Muschenkalkplatte eingeschnitten und mündet im Wertheim. Die Mönche des Klosters Bronnbach unterwiesen die Bauern der Gegend einst in der Landwirtschaft und fanden heraus, dass der Muschelkalkboden sich vorzüglich für den Weinanbau eignete. Nicht zuletzt der Rebensaft ist es auch, der den Landstrich heute zum „Lieblichen Taubertal“ macht. Früher einmal war das gesamte Gebiet mit Weinbergen überzogen, während heute die Gesamtanbaufläche noch gut 1100 Hektar ausmacht. Für die Dezimierung der Anbaufläche war ursächlich die aus Amerika eingeschleppte Reblaus schuld. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

www.liebliches-taubertal.de

Fotos: Dieter Warnick