1:1 CONCERTS im Museum für Hamburgische Geschichte

1-1 Konzert im Museum für Hamburgische Geschichte, Felix Jedeck (Cello), Foto © Annette Schrader

Das besondere Livemusik-Erlebnis in historischem Ambiente

Start der Konzerte am 29. Juni 2021, Termine ab 21. Juni buchbar unter: https://junge-norddeutsche.de/1to1/
jeweils ab 19 Uhr mit 4 Konzertslots im 20 Minuten-Takt.

Bei den Konzerten gelten die tagesaktuellen Corona-Schutzmaßnahmen.

1 Musiker/in, 1 Hörer/in, 2 Meter Abstand – die 1:1 CONCERTS ermöglichen Live-Konzerte im coronakonformen Kleinstformat. Als erstes Jugendorchester hat sich die junge norddeutsche philharmonie (jnp) der deutschlandweiten Initiative im Sommer 2020 angeschlossen. Am 29. Juni 2021 startet ihre Konzertreihe im Museum für Hamburgische Geschichte. Die Gäste der exklusiven Musikerlebnisse werden statt Eintrittskarten um Spenden für den Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung gebeten.

1-1 Konzert im Musuem für Hamburgische Geschichte, Freya Obijon,(Oboe), Foto © Annette Schrader

Bei den 1:1 CONCERTS handelt es sich um ca. zwanzigminütige wortlose Begegnungen zwischen nur einer/einem Musiker/in und nur einer/einem Hörer/in – die besondere Atmosphäre entsteht aus einem eröffnenden intensiven Blickkontakt. Wer beim jeweiligen Konzert musiziert und auf welchem Instrument, bleibt für die Hörerinnen und Hörer bis zum Aufeinandertreffen eine Überraschung. Inspiriert von Marina Abramović‘ Performance „The artist is present“ entwickelten Musikerinnen und Kunstvermittler Stephanie Winker, Franziska Ritter, Christian Siegmund und Sophie von Mansberg das Konzept ursprünglich 2019 für die Sommerkonzerte Volkenroda. Mit Beginn der Pandemie haben sie das Format der neuen Situation angepasst und für Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus der Musikbranche geöffnet.

Mit den 1:1 CONCERTS im Museum für Hamburgische Geschichte möchte die junge norddeutsche philharmonie (jnp) ihren ganz speziellen Beitrag zu einer wiederer-wachenden lebendigen Kultur- und Musiklandschaft in Zeiten der Pandemie leisten und die Beziehung zu ihrem Publikum neu herstellen. Das Konzept der 1:1 CONCERTS ermöglicht auch in Zeiten von Maskenpflicht und Abstandsregelungen ein Live-Konzerterlebnis, das inmitten einer Flut digitaler Aufführungen hervortritt.

Die bei den 1:1 CONCERTS auftretenden Musikerinnen und Musiker verzichten auf ihr Honorar und rufen stattdessen zu Spenden für den Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung auf. Dieser dient der Unterstützung freiberuflicher Künstlerinnen und Künstler, die durch die Corona-Krise in Not geraten sind. Auch die junge norddeutsche philharmonie (jnp) hat als freies Ensemble finanzielle Einbußen durch Gagenausfälle. Ihre Mitglieder sind als Studierende allerdings in der privilegierten Situation, durch Bafög, Stipendien oder Eltern unterstützt zu werden, obwohl auch ihnen Auftrittshonorare fehlen. Unter den jnp- Alumni hingegen sind zahlreiche freischaffende Musikerinnen und Musiker, die noch direkter von der Krise betroffen sind und denen die Unterstützung des Nothilfefonds zugutekommen wird.
Die Organisation der 1:1 CONCERTS im Museum für Hamburgische Geschichte wird ehrenamtlich von der Agentur oestreicher kultur locations übernommen, von der die Stiftung Historische Museen Hamburg seit Jahren bei der Vermietung ihrer Räumlich-keiten unterstützt wird.

Die junge norddeutsche philharmonie (jnp) ist ein junges Orchester, das sich seit seiner Gründung 2010 von einer studentisch-verrückten Utopie zu einem bundesweit angesehen Klangkörper entwickelt hat. Was die jnp besonders macht, ist die Vielfalt ihrer Projekte – gemacht von jungen Leuten für junge Leute – und der Anspruch, damit die Kulturlandschaft von morgen zu gestalten. Das bedeutet in erster Linie, zeitgemäße Veranstaltungsformate zu entwickeln, Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Themen aufzuzeigen und Genregrenzen aufzubrechen. Bei ihren Projekten wurden sie bereits unterstützt von Persönlichkeiten wie Fazil Say, Vilde Frang, Jonathan Stockhammer oder der NDR Bigband. Seit 2018 ist Joachim Gauck, Bundespräsident a. D., ihr Schirmherr.

Weitere Informationen zu den 1:1 CONCERTS unter: https://1to1concerts.de/
Buchung von 1:1 CONCERT im Museum für Hamburgische Geschichte: https://junge-norddeutsche.de/1to1/
Über die junge norddeutsche philharmonie: https://junge-norddeutsche.de/
Kontakt junge norddeutsche philharmonie: Elisabeth von Kalnein Projektleitung 1to1concerts@junge-norddeutsche.de
Pressekontakt Museum für Hamburgische Geschichte: Matthias Seeberg Pressesprecher Tel.: 040 428 131 171 matthias.seeberg@presse.shmh.de

Out of office – out of control?

Banksy continued his month long New York residency with his latest piece of street art, a robot spray painting a bar code on the wall of a disused building on the corner of Neptune Avenue and Stillwell Avenue in Coney Island (c) picture-alliance-Photoshot

Irgendetwas zwischen Code und einem Roboter, der selbst handeln kann. Zwischen dem, was meine Vernunft mir sagt und was Science-Fiction-Filme mir eingetrichtert haben, weil sich dadurch so wunderbare Schauermärchen erzeugen lassen. So habe ich mir künstliche Intelligenz bisher vorgestellt. Humanoide, mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Roboter wie „Sophia“, die in Saudi Arabien sogar die Staatsbürgerschaft angeboten bekam, lassen diese Märchen Gestalt annehmen und der Respekt oder sogar die Angst, die dadurch aufkommt, entstehen aus unserem Unwissen. Oder aus dem, was wir glauben zu wissen, nämlich: KI ist gefährlich, weil sie uns ersetzbar macht. Aber ist dem wirklich so? Dass lästige, kleinschrittliche Arbeit durch künstliche Intelligenz übernommen, uns abgenommen werden kann, ist klar und gut. Wenn sich die Wirtschaft und somit die Gesellschaft wandeln, gibt es einen Bereich, der unangetastet bleibt? Gibt es etwas, das dem Menschen allein vorbehalten ist? „Geh‘ in den kreativen Bereich“, hört man immer wieder, wenn man nach sicheren, nicht von durch künstlicher Intelligenz herbeigeführtem Wandel betroffenen Sparten fragt. Dies zu hinterfragen hat sich das Museum der Arbeit in Barmbek zur Aufgabe gemacht und eine umfassende Ausstellung arrangiert, deren Ziel es ist, den Besucher an verschiedenen Stationen interaktiv entscheiden zu lassen, wie viel „Roboter“ er in sein persönliches Zukunftsbild zu integrieren bereit ist, und zu zeigen, an welchen Ecken und Enden wir – oft unwissentlich – KI bereits nutzen. Die begleitende Podiumsdiskussion am 25. Februar 2019 bot weitere Einblicke in die Arbeit solcher Künstler, die KI auch in ihre kreativen Prozesse einbinden. Vor einem relativ kleinen Publikum, circa fünfzig bis siebzig Leute stark, stellten vier unterschiedliche Künstler und ein Kunsthistoriker ihre Arbeit und ihre Erfahrungen vor. Das Publikum, ebenso ich, wurde in seinem erwartungsvollen, wie der Kunsthistoriker Dr. Klaus Siebenhaar es ausdrückte, „Schwanken zwischen einer naiven Heilserwartung oder einer genauso naiven apokalyptischen Erwartung“ aufgefangen und mit Methoden vertraut gemacht, wie man sie sonst nur bei Galileo Big Pictures sieht. Denn trotz fehlendem Ich- Bewusstsein, was, wie sich die Diskutierenden auf der Bühne einig sind, hingegen das Alleinstellungsmerkmal der menschlichen Spezies ist, arbeitet beispielsweise Liat Grayver mit Robotern, denen sie die Aufgabe gibt, ein Selbstportrait zu malen. Ja, richtig vermutet, von dem Roboter und nicht von Frau Grayver.

Am Anfang steht der Mensch

Doch egal, wie viele Aufgaben die KI schon alleine ausführen kann, am Anfang steht der Mensch, da stimmen alle zu. Der Mensch braucht die Idee und er ist auch derjenige, der evaluieren muss. Das kennt Eric Eitel nur allzu gut. Er ist Musikproduzent und nutzt unter anderem künstliche Intelligenz, um Beats zu generieren. Diese nimmt ihm somit einige Arbeit ab, dennoch benötigt er das Wissen, welche Musik auf welchem Markt erfolgversprechend ist. Doch kommt an diesem Punkt der Diskussion ein neuer Streitpunkt auf: Wer ist der Urheber? Schon beim „Portrait of Edmond de Belamy“ des Pariser Künstlerkollektivs „Obvious“, welches mit einem intelligenten Algorithmus erstellt und vom Auktionshaus „Christie’s“ für über 400.000 Dollar verkauft wurde, traten Streitigkeiten wegen des Urheberrechts auf. Aber wie will man solche Fälle auch lösen, in denen es noch keine geregelten Gesetzmäßigkeiten gibt? Und wie sollte man diese überhaupt erstellen? Nähme man Rücksicht auf die Künstler, deren Werke als Daten in den Algorithmus eingespeist wurden? Wäre der Urheber der Programmierer, der den Code schrieb, mit dem das alles erst möglich wurde? Vielleicht wäre es aber auch die Person, die aus unzähligen Resultaten das eine als Kunst befunden und ausgewählt hat? Oder sogar der Roboter selbst? Bei dieser Frage wurden sich auch die Streitenden auf der Bühne nicht einig.

Was ist überhaupt Kunst?

Auch diese Frage, die man so oft gehört und nie beantwortet hat, tauchte auf. Etwas ironisch, dass auch keiner der Künstler auf der Bühne eine Antwort parat hatte. Dr. Siebenhaar half mit einer historischen Definition aus: „Creatio ex nihilo“ sei ein Ansatz, der die Kunst und zugleich den Unterschied zwischen KI und Mensch erklären könne. Der Roboter brauche Input, könne aus dem Nichts nichts schaffen, der Mensch jedoch sei dazu in der Lage. „Aber ist die Voraussetzung für das Schaffen des Menschen nicht auch der Einfluss seiner Umgebung, seiner Zeit, seiner Emotion?“ fragte ein Gast am Ende, bei der Diskussion mit dem Publikum. ,,Doch“ war die Antwort, aber auch die Experten auf der Bühne waren mittlerweile nicht mehr gewillt, einen Streit vom Zaun zu brechen.

Diese Experten sind eben auch, wie wir, nur Menschen, die sich an neue technologische Bereiche herantasten, als Vorreiter versuchen, sie in ihr Leben und Schaffen zu integrieren und eine neue und einzigartige Form der Kunst zu schaffen. Egal ob aus dem Nichts, mithilfe der Technologie oder der Natur, das Schaffen, das Kreieren kann der Mensch in Zusammenarbeit mit der künstlichen Intelligenz. Er kann sie nutzen und entdecken. Wer darauf nicht mehr warten möchte, kann im Museum der Arbeit schon einmal einen Ausflug in die Zukunft machen.