VULKAN – Weimar zwischen Glanz und Gosse

„Vulkan – Weimar zwischen Glanz und Gosse“, die aktuelle Produktion des Axensprung Theaters erzählt von den enormen Widersprüchen und der Zerbrechlichkeit der Freiheit in den vielzitierten Goldenen Zwanzigern, die allerdings nicht für alle wirklich golden waren. Um die Wirnisse dieser Zeit möglichst unmittelbar nacherlebar zu machen, werden im Stück die Handlungsstränge der fiktiven Protagonistinnen und Protagonisten mit realen historischen Persönlichkeiten und Geschehnissen verwoben. Die Figuren erleben hautnah, wie Deutschlands Weg in den Völkerbund von nationalen Kräften verhindert werden soll und auf welch dünnem Eis die erste deutsche Demokratie schon wenige Jahre nach ihrer Gründung steht. Sie lassen die Besucherinnen und Besucher spüren, wie Menschen in Zeiten rasender Veränderung träumen, hoffen und handeln und erinnern auf diese Weise auch an mahnende Ähnlichkeiten zwischen gestern und heute.

VULKAN – Weimar zwischen Glanz und Gosse
Eine Produktion von AXENSPRUNG THEATER
im Innenhof des Museums für Hamburgische Geschichte
Termine:

Donnerstag, 14. Oktober 2021
Freitag, 15. Oktober 2021
Samstag, 16. Oktober 2021
Sonntag, 17. Oktober 2021
Beginn jeweils 19 Uhr

Tickets: 30 Euro / erm. 20 Euro
Reservierung erforderlich über:
https://shmh.de/de/vulkan

Für den Besuch ist der Nachweis der Genesung, der vollständigen Impfung oder ein aktueller negativer Corona-Test erforderlich.
Darüber hinaus gelten die aktuellen Abstands- und Hygieneregeln.

Darsteller: Oliver Hermann, Angelina Kamp, Mignon Remé, Erik Schäffler, Markus Voigt
Text und Regie: Erik Schäffler
Liedtext und Musik: Markus Voigt
Illustration: Andreas Kramers
Produktionsleitung: Oliver Hermann
Kostüm: Frauke Volkmann
Weitere Informationen zum Stück auf:
www.axensprung-vulkan.de

Vortragsreihe zur Ausstellung „Der Fotograf Max Halberstadt“

Museum für Hamburgische Geschichte

Max Halberstadt (1882-1940) galt in den 1920er Jahren als einer der bekanntesten Porträtfotografen Hamburgs. Bereits 1912 konnte Halberstadt wegen seines Erfolges ein eigenes Atelier in der Hamburger Innenstadt betreiben. Seine wachsende Popularität in den Weimarer Jahren verdankte sich nicht zuletzt den ikonischen Porträtaufnahmen seines Schwiegervaters Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse.

Trotzdem ist der Name Max Halberstadt und sein vielfältiges fotografisches Oeuvre heute leider fast vergessen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und deren antisemitischer Ausgrenzungspolitik konnte Halberstadt in Hamburg bald nicht mehr arbeiten. 1936 floh er nach Südafrika ins Exil, wo er mit nur 58 Jahren in Johannesburg starb.

Die von dem Hamburger Publizisten Wilfried Weinke kuratierte Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte will dem Fotografen die gebührende Würdigung und den verdienten Platz in der Fotogeschichte Hamburgs verschaffen. Das Leben und Werk Max Halberstadts steht dabei beispielhaft für die Zwangslage jüdischer Bürger im Nationalsozialismus, in ihrer Heimat nicht mehr leben zu können und sich nur durch die Emigration Bedrohung Verfolgung und Vernichtung entziehen zu können.

In der Ausstellung sind neben Porträts von Hamburger Künstlern und Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde berührende Kinderfotos, aber auch atmosphärische Einblicke in das Stadtleben Hamburgs der 1920er Jahre zu sehen. Auf der Website des Museums ist unter folgenden Link ein einführender Film mit dem Kurator Wilfried Weinke zu finden:
https://shmh.de/de/max-halberstadt

Von September bis November 2021 findet begleitend zur Ausstellung eine Vortragsreihe statt, in der sich immer donnerstags um 18 Uhr Soziologen, Kunsthistorikerinnen sowie Expertinnen und Experten zur Fotografie in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen mit besonderen Aspekten des Ausstellungsthemas auseinandersetzen.

Eintritt: 10 Euro, erm. 7 Euro – inkl. Besuch der Ausstellung am Veranstaltungstag ab 16 Uhr
Platzreservierung über:
www.shmh.de

Für den Besuch der Vorträge ist der Nachweis der Genesung, der vollständigen Impfung oder ein aktueller negativer Corona-Test erforderlich. Darüber hinaus gelten die aktuellen Abstands- und Hygieneregeln.

Vortragsprogramm zur Ausstellung „Der Fotograf Max Halberstadt“:

Donnerstag, 28.Oktober 2021 um 18 Uhr
Rolf Sachsse: „Handwerk, Gestaltung, Kunst – Dokument oder Propaganda?“ Spannungsfelder der deutschen Fotografie zwischen den Weltkriegen.

Rolf Sachsse, Jg. 1949, Fotografenlehre, Arbeit als Architektur-, Industrie- und Dokumentationsfotograf, Studium der Kunstgeschichte, Kommunikationsforschung und Literaturwissenschaft, Promotion. 2004-2017 Professor für Designgeschichte und Designtheorie in Saarbrücken, diverse Veröffentlichungen, u.a. „Die Erziehung zum Wegsehen. Fotografie im NS-Staat“ (2003)

Donnerstag, 4. November 2021 um 18 Uhr
Kristina Lemke: „Nicht mehr lesen, sehen!“ Fotografie in der Zwischenkriegszeit.

Kristina Lemke, Jg. 1987, Studium der Kunstgeschichte und Germanistik, Dissertation über das fotografische Werk von Paul Wolff, Kuratorin für Fotografie am Städel in Frankfurt am Main. Herausgeberin des Katalogbuches zur Ausstellung „Neu Sehen. Die Fotografie der 20er und 30er Jahren“, die bis Oktober 2021 im Städel Museum in Frankfurt am Main gezeigt wird

Donnerstag, 11. November 2021 um 18 Uhr
Wilfried Weinke: Aus den Augen, aus dem Sinn? Wie der Fotograf Max Halberstadt ins Museum kam.

Wilfried Weinke, Jg. 1955, Literaturwissenschaftler, Publizist und Kurator zeitgeschichtlicher Ausstellungen. Promotion über den Schriftsteller und Journalisten Heinz Liepman. Publikationen zur deutsch-jüdischen Geschichte Hamburgs, zur Exilliteratur und Fotografie im Exil, u.a. „Wo man Bücher verbrennt… Verbrannte Bücher, verbannte und ermordete Autoren Hamburgs“ (2017). Wilfried Weinke ist Kurator der Ausstellung „Der Fotograf Max Halberstadt. … eine künstlerisch begabte Persönlichkeit“ im Museum für Hamburgische Geschichte.

OBLIGAT! Festival für Kammermusik in Hamburg

Ensemble Obligat Hamburg, Foto Christina Körte

Saisonstart 2021: Konzertabende mit dem Ensemble Obligat Hamburg im Museum für Hamburgische Geschichte, im Altonaer Museum und im Jenisch Haus
Samstag, 14. August 2021 um 19 Uhr: open air am Jenisch Haus
Sonntag, 15. August 2021 um 19 Uhr: Galionsfigurensaal des Altonaer Museums

 

MO(D)ZART! 

Werke für Flöte, Horn, Violine, 2 Violen und Violoncello
von Wolfgang Amadeus Mozart, Olivier Messiaen, Jindrich Feld

Unter dem Motto „MO(D)ZART“ widmen sich die beiden Konzertabende voll und ganz dem 265. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit einer Werkauswahl für Flöte, Horn und Streichern präsentiert das Ensemble Obligat Hamburg ein Programm der besonderen Farben und Spiegelungen: Mozarts Horn-Quintett Es-Dur KV 407 paart sich mit dem Apell Interstellaire aus „Des Canyons aux Étoiles“ von Olivier Messiaen, und Mozarts Quartett in G-Dur KV 370 in einer anonymen historischen Bearbeitung für Flöte und Streichtrio aus dem Jahr 1801 trifft auf die „Recollection of Mozart for Magic Flute Solo“ von Jindrich Feld. Das Ganze wird elegant durchwoben vom Mozart’schen Divertimento KV 538 für Streichtrio.

Künstlerische Leitung: Prof. Imme-Jeanne Klett

Eintritt: 30 Euro / ermäßigt 20 Euro

Kartenvorverkauf: Konzertkasse Gerdes, Tel. 040 44 02 98, www.konzertkassegerdes.de und an allen bekannten Hamburger Vorverkaufsstellen

Beim Besuch der Konzerte gelten die jeweils aktuellen Abstands- und Hygieneregeln.

Es spielen Mitglieder des Ensemble Obligat Hamburg:
Imme-Jeanne Klett, Flöte; Emanuel Jean-Petit-Matile, Horn; Anette Behr-König, Violine; Boris Faust, Viola; Charles-Antoine Archambault, Violoncello

Von Oktober 2021 bis in den Januar 2022 wird die Kammerkonzertreihe dann im Innenhof des Museums für Hamburgische Geschichte und im Galionsfigurensaal des Altonaer Museums fortgesetzt.

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Stiftung Historische Museen Hamburg
Matthias Seeberg
Pressesprecher
Tel.: 040 428 131 171
matthias.seeberg@presse.shmh.de

www.shmh.de

Out of office – out of control?

Banksy continued his month long New York residency with his latest piece of street art, a robot spray painting a bar code on the wall of a disused building on the corner of Neptune Avenue and Stillwell Avenue in Coney Island (c) picture-alliance-Photoshot

Irgendetwas zwischen Code und einem Roboter, der selbst handeln kann. Zwischen dem, was meine Vernunft mir sagt und was Science-Fiction-Filme mir eingetrichtert haben, weil sich dadurch so wunderbare Schauermärchen erzeugen lassen. So habe ich mir künstliche Intelligenz bisher vorgestellt. Humanoide, mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Roboter wie „Sophia“, die in Saudi Arabien sogar die Staatsbürgerschaft angeboten bekam, lassen diese Märchen Gestalt annehmen und der Respekt oder sogar die Angst, die dadurch aufkommt, entstehen aus unserem Unwissen. Oder aus dem, was wir glauben zu wissen, nämlich: KI ist gefährlich, weil sie uns ersetzbar macht. Aber ist dem wirklich so? Dass lästige, kleinschrittliche Arbeit durch künstliche Intelligenz übernommen, uns abgenommen werden kann, ist klar und gut. Wenn sich die Wirtschaft und somit die Gesellschaft wandeln, gibt es einen Bereich, der unangetastet bleibt? Gibt es etwas, das dem Menschen allein vorbehalten ist? „Geh‘ in den kreativen Bereich“, hört man immer wieder, wenn man nach sicheren, nicht von durch künstlicher Intelligenz herbeigeführtem Wandel betroffenen Sparten fragt. Dies zu hinterfragen hat sich das Museum der Arbeit in Barmbek zur Aufgabe gemacht und eine umfassende Ausstellung arrangiert, deren Ziel es ist, den Besucher an verschiedenen Stationen interaktiv entscheiden zu lassen, wie viel „Roboter“ er in sein persönliches Zukunftsbild zu integrieren bereit ist, und zu zeigen, an welchen Ecken und Enden wir – oft unwissentlich – KI bereits nutzen. Die begleitende Podiumsdiskussion am 25. Februar 2019 bot weitere Einblicke in die Arbeit solcher Künstler, die KI auch in ihre kreativen Prozesse einbinden. Vor einem relativ kleinen Publikum, circa fünfzig bis siebzig Leute stark, stellten vier unterschiedliche Künstler und ein Kunsthistoriker ihre Arbeit und ihre Erfahrungen vor. Das Publikum, ebenso ich, wurde in seinem erwartungsvollen, wie der Kunsthistoriker Dr. Klaus Siebenhaar es ausdrückte, „Schwanken zwischen einer naiven Heilserwartung oder einer genauso naiven apokalyptischen Erwartung“ aufgefangen und mit Methoden vertraut gemacht, wie man sie sonst nur bei Galileo Big Pictures sieht. Denn trotz fehlendem Ich- Bewusstsein, was, wie sich die Diskutierenden auf der Bühne einig sind, hingegen das Alleinstellungsmerkmal der menschlichen Spezies ist, arbeitet beispielsweise Liat Grayver mit Robotern, denen sie die Aufgabe gibt, ein Selbstportrait zu malen. Ja, richtig vermutet, von dem Roboter und nicht von Frau Grayver.

Am Anfang steht der Mensch

Doch egal, wie viele Aufgaben die KI schon alleine ausführen kann, am Anfang steht der Mensch, da stimmen alle zu. Der Mensch braucht die Idee und er ist auch derjenige, der evaluieren muss. Das kennt Eric Eitel nur allzu gut. Er ist Musikproduzent und nutzt unter anderem künstliche Intelligenz, um Beats zu generieren. Diese nimmt ihm somit einige Arbeit ab, dennoch benötigt er das Wissen, welche Musik auf welchem Markt erfolgversprechend ist. Doch kommt an diesem Punkt der Diskussion ein neuer Streitpunkt auf: Wer ist der Urheber? Schon beim „Portrait of Edmond de Belamy“ des Pariser Künstlerkollektivs „Obvious“, welches mit einem intelligenten Algorithmus erstellt und vom Auktionshaus „Christie’s“ für über 400.000 Dollar verkauft wurde, traten Streitigkeiten wegen des Urheberrechts auf. Aber wie will man solche Fälle auch lösen, in denen es noch keine geregelten Gesetzmäßigkeiten gibt? Und wie sollte man diese überhaupt erstellen? Nähme man Rücksicht auf die Künstler, deren Werke als Daten in den Algorithmus eingespeist wurden? Wäre der Urheber der Programmierer, der den Code schrieb, mit dem das alles erst möglich wurde? Vielleicht wäre es aber auch die Person, die aus unzähligen Resultaten das eine als Kunst befunden und ausgewählt hat? Oder sogar der Roboter selbst? Bei dieser Frage wurden sich auch die Streitenden auf der Bühne nicht einig.

Was ist überhaupt Kunst?

Auch diese Frage, die man so oft gehört und nie beantwortet hat, tauchte auf. Etwas ironisch, dass auch keiner der Künstler auf der Bühne eine Antwort parat hatte. Dr. Siebenhaar half mit einer historischen Definition aus: „Creatio ex nihilo“ sei ein Ansatz, der die Kunst und zugleich den Unterschied zwischen KI und Mensch erklären könne. Der Roboter brauche Input, könne aus dem Nichts nichts schaffen, der Mensch jedoch sei dazu in der Lage. „Aber ist die Voraussetzung für das Schaffen des Menschen nicht auch der Einfluss seiner Umgebung, seiner Zeit, seiner Emotion?“ fragte ein Gast am Ende, bei der Diskussion mit dem Publikum. ,,Doch“ war die Antwort, aber auch die Experten auf der Bühne waren mittlerweile nicht mehr gewillt, einen Streit vom Zaun zu brechen.

Diese Experten sind eben auch, wie wir, nur Menschen, die sich an neue technologische Bereiche herantasten, als Vorreiter versuchen, sie in ihr Leben und Schaffen zu integrieren und eine neue und einzigartige Form der Kunst zu schaffen. Egal ob aus dem Nichts, mithilfe der Technologie oder der Natur, das Schaffen, das Kreieren kann der Mensch in Zusammenarbeit mit der künstlichen Intelligenz. Er kann sie nutzen und entdecken. Wer darauf nicht mehr warten möchte, kann im Museum der Arbeit schon einmal einen Ausflug in die Zukunft machen.