Am vergangenen Sonnabend, den 9. Mai, um 11 Uhr eröffneten in der Altonaer Alfred-Schnittke-Akademie zunächst die Pirckheimer den Tag mit ihrem Treffen norddeutscher Mitglieder. Maler und Grafiker Christian M. Beier zeigte seine Holzschnitte, die auch Bücher illustrieren, und hatte einige Broschüren verschiedener Themen wie beispielsweise humorvolle Tierdarstellungen dabei. Geboren in Insterburg und in Hameln aufgewachsen, wohnt er nun in Hamburg-Wellingsbüttel. Er wird nach eigenen Worten „beim Malen angetrieben von Lust und Zwang: Beides beschreibt und konserviert reale und irreale Situationen.“ Sein Humor kommt in seinen Arbeiten zum Ausdruck, zeigt sich auch in der sympathischen persönlichen Begegnung.
Ein weiterer an Sammlern und Verrückten interessierter Kollege ist Thomas Klockmann, der seine Siebdruckarbeiten aus seiner Ahrensburger Werkstatt sowie seine Bücher vorstellte. Er hat Bilderhefte mit Geschichten, u.a. „pelikan“, womit weniger der Vogel als vielmehr die Füllhalter- und Tintenmarke gemeint ist. Während der Coronazeit befasste er sich eingehend mit seiner Bibliothek und schuf eine kommentierte Liste, die unter dem Titel „SMS“ in gebundener Form in zweiter Ausgabe vorliegt: Ein sehr unterhaltsames Werk über Bücher, das Lust zum Lesen weckt. Mehr über seine Arbeiten und Aktivitäten ist auf seiner Homepage zu finden: https://kukii.de/
Rudolf Angeli vom Angeli & Engel-Verlag, Pirckheimer und Herausgeber des „Hamburger Bothen“, zeigte neue Ausgaben seiner großformatigen bibliophilen Bücher mit beeindruckenden grafischen Elementen. In Zusammenarbeit mit der Hamburger Staatsbibliothek und der Wolfgang Borchert Gesellschaft gibt der „Verlag für paradiesische Bücher“ (Zitat Website) in diesen Tagen einen Band mit farbigen Bildern und Zeichnungen Wolfgang Borcherts heraus. Das Buch trägt den Titel „Er wollte einmal Maler werden“. Die Subskriptionsfrist endet am 15. Mai 26. Mehr dazu findet sich direkt beim Verlag: https://angeliundengel.art/unsere-buecher/
Zu den Sammlern und Verrückten, die die Pirckheimer-Gesellschaft beherbergt, gehören auch Ralf Plenz vom Input-Verlag und die Verfasserin dieser Zeilen. Beide sind ferner Mitglieder der Hamburger Autorenvereinigung und unseres Journalisten-Verbands; beide Verbände waren als Mitveranstalter am Tag des Buches beteiligt.
Ralf Plenz präsentierte seine bibliophile Edition „Perlen der Literatur“, über die wir schon an anderer Stelle berichtet haben. Zwischenzeitlich sind Vorzugsausgaben mit Original-Kalligrafien ebenso erhältlich wie für die Buchreihe passende Schuber, um die in Leinen gebundenen und mit individuellen Banderolen versehenen Schätzchen stilgerecht im Bücherregal unterzubringen. In diesem Jahr sind neben einer Kalligrafie-Postkartenedition auch fünf neue Perlen erschienen, von denen später noch die Rede sein wird.
Mit „Morgentau am Deich“ erschien erstmals eine Solo-Haikupublikation der Poetin Maren Schönfeld, die in der DAP eher als Journalistin und Fachbuchautorin bekannt ist. Poesie ist jedoch seit Anbeginn ihres Schreibens, von Rilke geprägt, ein großer Bereich ihrer Arbeit. Der Rotkiefer-Verlag gibt die Reihe der Haiku-Hefte heraus, dessen Heft Nr. 16 Schönfelds Titel ist. Als Pirckheimerin ist sie natürlich auch dem Sammeln verfallen und zeigte eine Auswahl schöner alter Bücher, die sie zwanghaft aus Buchtauschregalen retten muss und dann auch liest, und eine kleine Anzahl aus ihrer Lesezeichensammlung. Außerdem hatte sie ihre Sachbücher, Lyrikbände und drei Titel aus dem Expeditions International Publishing House dabei, der sich mit internationalen Büchern in mehreren Sprachen etabliert hat. Die Malerin Hanna Malzahn steuerte ihre in Sütterlin geschriebenen Gedichtarbeiten bei.
Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums unseres Journalisten-Verbands durfte auch das DAP-Notizbuch – Geschenk für unsere Mitglieder und für fünf Euro auch für Nicht-Mitglieder zu haben – mit auf den Präsentationstisch, außerdem hatten wir aus unserem Mitgliederkreis Leseproben von „Anninarra“, dem utopischen Roman von Christian Buske, dabei sowie den Titel „Germanischer Berghund“ von Jörg Krämer.
Verlagsbesichtigung und Perlen von Sand bis Swift
Für die DAP öffnete Ralf Plenz um die Mittagszeit die Türen seines unweit gelegenen Input-Verlags und gewährte einen Einblick in seine Arbeit als Verleger. Dort wurden einige wertvolle und besondere Bücher gezeigt und Fragen beantwortet, bevor das Bühnenprogramm mit kurzen Podiumsgesprächen wiederum in der Alfred-Schnittke-Akademie begann. Ein wenig Fachsimpelei rund ums Schreiben, Büchermachen und Vermarkten war quasi das Vorprogramm für die Vorstellung der fünf neuen „Perlen der Literatur“.
Die Hamburger Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Charlotte Ueckert sprach mit Ralf Plenz über ihre Arbeit an den Bänden „Gullivers Reisen“ von Jonathan Swift. Dass er Menschen eher gehasst hat, stattdessen aber Tiere liebte, insbesondere Pferde, erfuhr das Publikum aus dem Gespräch. Ueckert befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Autor, was ihr den Zuruf „Dann bist du ein Swiftie!“ aus dem Publikum eintrug. Ob Taylor wohl etwas von Jonathan gelesen hat?
Der im Moment sehr stark beachtete Titel „Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie“ von Jan Tschichold brauchte in der Vorstellung keinen Gesprächspartner für Ralf Plenz, denn das Thema ist absolut seins, um nicht zu sagen sein Steckenpferd; die Leser mögen der Verfasserin dieses Artikels den Kalauer verzeihen. Diese hat beobachtet, dass immer wieder Menschen an den Verleger herantreten und nach korrekter Typografie fragen – vielleicht ist eine typografische Beratung noch ein zu erschließendes Dienstleistungsfeld für Plenz. Jedenfalls hat ein TikTok-Video über das Thema mehr als vierzigtausend Aufrufe zu verzeichnen.
Als Kontrast zu diesem eher nüchtern erscheinenden Buch konnte Sibylle Hallberg mit mehr Sinnlichkeit aufwarten, als sie von ihrer Arbeit an George Sands „Indiana“ erzählte. Die Neuübersetzung stellte sie u.a. vor die Aufgabe, Bezeichnungen zu finden, die sowohl zurzeit des damaligen Erscheinens des Romans (1832) als auch heute stimmig sind. In der Entwicklungsgeschichte der jungen, gutgläubigen Indiana zur selbstbestimmten Frau spielt ein Mann eine Rolle, für den sie nach einigem Überlegen das Wort „Hallodri“ fand, was damals wie heute ein herrliches ist und wahrscheinlich von dem lateinischen Wort „Allotria“ für „Unfug“ abstammt. Allein das macht schon Lust auf das Buch!
Die Arbeit an dem Roman „Frau Sorge“ (1887) des ostpreußischen Schriftstellers Hermann Sudermann war sowohl im Lektorat als auch in der Recherche spannend. Das Buch zog Maren Schönfeld mit seinen naturalistischen Bildern in den Bann. Da schließt sich der Kreis zu ihrer poetischen Ader und der Liebe zur Natur. Die Geschichte um den heranwachsenden Paul unter dem Schatten der ständigen Sorgen berührt und ist trotz des schweren Themas nicht niederdrückend.
Alle Bände der mittlerweile 40 Titel umfassenden Reihe „Perlen der Literatur“ sind auf der Website des Input-Verlags zu finden.
Durch krankheitsbedingte Absagen und erschwerte Verkehrsbedingungen durch den Hamburger Hafengeburtstag blieben die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurück. Dennoch war es ein inhaltlich sehr gelungener Tag des Buches, der sicherlich nicht der letzte seiner Art gewesen sein wird.















Am 12. und 13. April 2025, jeweils von 10 bis 17 Uhr öffnet die Eulsetehalle in Himmelpforten ihre Türen für alle Bücherliebhaber – und das bei freiem Eintritt! Die von der Initiative „…fair geht vor!“ organisierte Buchmesse verspricht ein abwechslungsreiches Programm, das Menschen aller Altersgruppen begeistert.
Ein besonderes Highlight in diesem Jahr: Die Olympiasiegerin Heike Henkel wird ihr neues Buch vorstellen und am Stand des Sibost-Verlags für Gespräche und Begegnungen mit ihren Lesern zur Verfügung stehen.






Der Großschriftsteller wurde vor 125 Jahren, am 21. Juli 1899, geboren.


Seit fast 50 Jahren ist der gebürtige Ungar Dr. László Kova als Wahlhamburger vom literarischen Geistesgut Wolfgang Borcherts, Günter Grass und Siegfried Lenz inspiriert. Er wuchs mit der Literatur der auch in Deutschland bekannten ungarischen Schriftsteller u.a. Péter Nádas, György Konráds, Péter Eszterházys sowie des Nobelpreisträgers (2002) Imre Kertész auf.
Ein wahres Feuerwerk an Radio- und Live-Veranstaltungen hat die Schauspielerin Kornelia Kirwald für die Saison geplant:



Als ich, frisch gebackene Sekretärin der Hamburger Autorenvereinigung, mit dem Korrekturlesen der Beiträge für die Anthologie „Spuk in Hamburg“ (Verlag Expeditionen, Hamburg 2014) befasst war, beeindruckten mich zwei Gedichte eines Lyrikers besonders, den ich bislang nur vom Sehen kannte. Dieser Lyriker arbeitete sehr traditionell, mit einem packend bildhaften und eloquenten Wortschatz, geschliffenem Metrum und gestochenem Versmaß. Wer war dieser Mensch, der einer offiziellen Version der Gattung Lyrik „linksbündiger Flattersatz“ mit althergebrachter Wortgewaltigkeit trotzte?
Cropps neuem Buch „Zwischen Hamburg + der Ferne“, erschienen im Verlag Expeditionen.
Eine so schöne Übereinstimmung durfte nach einem einzigen Gespräch nicht einfach ausklingen.
Pauls exklusive Vier-Zimmerwohnung lag im ersten Stockwerk in der Isestraße. Als es um 19 Uhr klingelte fühlte er sich ganz leicht, so, wie Glück sich anfühlt.
Nun stand sie in einem scharlachroten Wollkleid vor ihm. Das Kleid war hauteng, brachte Po und Busen herausfordern zur Geltung. Paul glotzte auf ihren Körper. Das scharlachrote Kleid glitt an ihr herab. Jetzt war sie nackt wie Gott sie schuf – und begehrenswert.











Bei den „Perlen der Literatur“ geht es ausschließlich um bereits im 19. oder 20. Jahrhundert erschienene und seinerzeit erfolgreich gewesene Bücher. „Sprachgewaltig, aber vergessen“, so Ralf Plenz. Zur Auswahl der Titel werden Germanisten, Anglisten und Romanisten, Buchhändler, Bibliothekare, Psychologen und Vielleser befragt; dann wird die Auswahl von einem Beirat kuratiert und von Ralf Plenz herausgegeben. Dieser kauft nach Möglichkeit die Erstausgabe eines Titels antiquarisch, um wirklich den Originaltext und nicht eine bereits lektorierte oder übersetzte Version als Basis zu nehmen. Die Autorin und Gesangspädagogin Susanna M. Farkas, der Autor und Übersetzer Gerrit Pohl und die Autorin und Literaturwissenschaftlerin Charlotte Ueckert bilden das Team um Ralf Plenz, das sich mit dem Lektorat und der Übersetzung beschäftigt. Ein interessantes Unterfangen ist es dabei, dass die Texte auch bearbeitet werden. So hat Susanna M. Farkas den Roman „Schatzinsel“ verkürzt und vereinfacht, um Passagen ohne Brüche zu verbinden. Gerrit Pohl hat in der Neuübersetzung von „1984“ sprachliche Anpassungen an die „Jetzt-Sprache“ vorgenommen und den Satzbau angepasst. Was im ersten Moment verwundert und als kühn anmutet, erweist sich im näheren Befassen mit „Bezaubernder April“, eine ebenfalls von Gerrit Pohl neu übersetzte Version des als „Verzauberter April“ bekannten Romans Elisabeth von Arnims, als behutsame, wohl überlegte und angewandte Transferierung in die heutige Zeit. Der anspruchsvolle, leicht ironische Erzählstil von Arnims bleibt erhalten, auch die Sprache ist als aus einer anderen Zeit stammend erkennbar – jedoch liest sich Pohls Übersetzung sehr flüssig und angenehm, sodass die Hoffnung des Verlegers Ralf Plenz, auch jüngere Leute für diese Bücher zu interessieren, zumindest nicht an der Erzählsprache scheitern dürfte. Auch wenn Charlotte Ueckert nach eigenem Bekunden manchmal „Bauchschmerzen dabei hat, Weltliteratur zu verändern“ und sie sich mit Ralf Plenz zuweilen „fetzt“ – was nützt die schönste Literatur, wenn sie heute nicht mehr verstanden und gelesen wird?
Die Zeitspanne, in der die jeweiligen Autoren lebten, und die Hintergründe des literarischen Werks sind in jede Ausgabe der „Perlen der Literatur“ eingebettet. Da gibt es Abbildungen der Originalausgaben und die Banderole enthält Informationen und Autorenbilder. Überhaupt ist die Ausstattung der Reihe bemerkenswert. Jede Ausgabe, Hardcover mit Fadenbindung, bekommt ein individuelles Vorsatzpapier, dessen Design mit dem Inhalt zusammenhängt, und einen Leineneinband. Die Vorsatzpapiere gestaltet der Bruder des Verlegers, der Grafiker Jörn Plenz. Statt eines Lesebändchens bekommt jeder Band eine individuell gestaltete Banderole, die mehrere Funktionen erfüllt: Sie lässt, im Gegensatz zu einem Buchumschlag, die Haptik des Leineneinbands erspüren, wenn man das Buch in Händen hält; sie fungiert als Lesezeichen, enthält Informationen und ist auf der Außenseite von Ralf Plenz kalligrafisch mit Wortkunst gestaltet, die wiederum Bezüge zum Inhalt aufweist. Stellt man die Bücher in der korrekten Reihenfolge ins Regal, ergibt sich eine Gesamtgrafik aller Banderolen auf den Buchrücken – so entsteht die Perlenkette fürs Bücherregal. Jedes Jahr sind acht Titel geplant, jeder Jahrgang bekommt eine andere Farbe, sodass die Reihe für Buchsammler attraktiv ist, die einen schönen Anblick im Regal zu schätzen wissen. Dabei ist der Preis von 15 Euro pro Buch sehr günstig, denn es liegt dem Verleger am Herzen, dass viele Menschen sich die Bücher leisten können.
Alles in allem sind die „Perlen der Literatur“ ein gelungenes Gesamtkonzept, dem ein respektabler Platz im Buchmarkt zu wünschen ist.



