Out of office – out of control?

Banksy continued his month long New York residency with his latest piece of street art, a robot spray painting a bar code on the wall of a disused building on the corner of Neptune Avenue and Stillwell Avenue in Coney Island (c) picture-alliance-Photoshot

Irgendetwas zwischen Code und einem Roboter, der selbst handeln kann. Zwischen dem, was meine Vernunft mir sagt und was Science-Fiction-Filme mir eingetrichtert haben, weil sich dadurch so wunderbare Schauermärchen erzeugen lassen. So habe ich mir künstliche Intelligenz bisher vorgestellt. Humanoide, mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Roboter wie „Sophia“, die in Saudi Arabien sogar die Staatsbürgerschaft angeboten bekam, lassen diese Märchen Gestalt annehmen und der Respekt oder sogar die Angst, die dadurch aufkommt, entstehen aus unserem Unwissen. Oder aus dem, was wir glauben zu wissen, nämlich: KI ist gefährlich, weil sie uns ersetzbar macht. Aber ist dem wirklich so? Dass lästige, kleinschrittliche Arbeit durch künstliche Intelligenz übernommen, uns abgenommen werden kann, ist klar und gut. Wenn sich die Wirtschaft und somit die Gesellschaft wandeln, gibt es einen Bereich, der unangetastet bleibt? Gibt es etwas, das dem Menschen allein vorbehalten ist? „Geh‘ in den kreativen Bereich“, hört man immer wieder, wenn man nach sicheren, nicht von durch künstlicher Intelligenz herbeigeführtem Wandel betroffenen Sparten fragt. Dies zu hinterfragen hat sich das Museum der Arbeit in Barmbek zur Aufgabe gemacht und eine umfassende Ausstellung arrangiert, deren Ziel es ist, den Besucher an verschiedenen Stationen interaktiv entscheiden zu lassen, wie viel „Roboter“ er in sein persönliches Zukunftsbild zu integrieren bereit ist, und zu zeigen, an welchen Ecken und Enden wir – oft unwissentlich – KI bereits nutzen. Die begleitende Podiumsdiskussion am 25. Februar 2019 bot weitere Einblicke in die Arbeit solcher Künstler, die KI auch in ihre kreativen Prozesse einbinden. Vor einem relativ kleinen Publikum, circa fünfzig bis siebzig Leute stark, stellten vier unterschiedliche Künstler und ein Kunsthistoriker ihre Arbeit und ihre Erfahrungen vor. Das Publikum, ebenso ich, wurde in seinem erwartungsvollen, wie der Kunsthistoriker Dr. Klaus Siebenhaar es ausdrückte, „Schwanken zwischen einer naiven Heilserwartung oder einer genauso naiven apokalyptischen Erwartung“ aufgefangen und mit Methoden vertraut gemacht, wie man sie sonst nur bei Galileo Big Pictures sieht. Denn trotz fehlendem Ich- Bewusstsein, was, wie sich die Diskutierenden auf der Bühne einig sind, hingegen das Alleinstellungsmerkmal der menschlichen Spezies ist, arbeitet beispielsweise Liat Grayver mit Robotern, denen sie die Aufgabe gibt, ein Selbstportrait zu malen. Ja, richtig vermutet, von dem Roboter und nicht von Frau Grayver.

Am Anfang steht der Mensch

Doch egal, wie viele Aufgaben die KI schon alleine ausführen kann, am Anfang steht der Mensch, da stimmen alle zu. Der Mensch braucht die Idee und er ist auch derjenige, der evaluieren muss. Das kennt Eric Eitel nur allzu gut. Er ist Musikproduzent und nutzt unter anderem künstliche Intelligenz, um Beats zu generieren. Diese nimmt ihm somit einige Arbeit ab, dennoch benötigt er das Wissen, welche Musik auf welchem Markt erfolgversprechend ist. Doch kommt an diesem Punkt der Diskussion ein neuer Streitpunkt auf: Wer ist der Urheber? Schon beim „Portrait of Edmond de Belamy“ des Pariser Künstlerkollektivs „Obvious“, welches mit einem intelligenten Algorithmus erstellt und vom Auktionshaus „Christie’s“ für über 400.000 Dollar verkauft wurde, traten Streitigkeiten wegen des Urheberrechts auf. Aber wie will man solche Fälle auch lösen, in denen es noch keine geregelten Gesetzmäßigkeiten gibt? Und wie sollte man diese überhaupt erstellen? Nähme man Rücksicht auf die Künstler, deren Werke als Daten in den Algorithmus eingespeist wurden? Wäre der Urheber der Programmierer, der den Code schrieb, mit dem das alles erst möglich wurde? Vielleicht wäre es aber auch die Person, die aus unzähligen Resultaten das eine als Kunst befunden und ausgewählt hat? Oder sogar der Roboter selbst? Bei dieser Frage wurden sich auch die Streitenden auf der Bühne nicht einig.

Was ist überhaupt Kunst?

Auch diese Frage, die man so oft gehört und nie beantwortet hat, tauchte auf. Etwas ironisch, dass auch keiner der Künstler auf der Bühne eine Antwort parat hatte. Dr. Siebenhaar half mit einer historischen Definition aus: „Creatio ex nihilo“ sei ein Ansatz, der die Kunst und zugleich den Unterschied zwischen KI und Mensch erklären könne. Der Roboter brauche Input, könne aus dem Nichts nichts schaffen, der Mensch jedoch sei dazu in der Lage. „Aber ist die Voraussetzung für das Schaffen des Menschen nicht auch der Einfluss seiner Umgebung, seiner Zeit, seiner Emotion?“ fragte ein Gast am Ende, bei der Diskussion mit dem Publikum. ,,Doch“ war die Antwort, aber auch die Experten auf der Bühne waren mittlerweile nicht mehr gewillt, einen Streit vom Zaun zu brechen.

Diese Experten sind eben auch, wie wir, nur Menschen, die sich an neue technologische Bereiche herantasten, als Vorreiter versuchen, sie in ihr Leben und Schaffen zu integrieren und eine neue und einzigartige Form der Kunst zu schaffen. Egal ob aus dem Nichts, mithilfe der Technologie oder der Natur, das Schaffen, das Kreieren kann der Mensch in Zusammenarbeit mit der künstlichen Intelligenz. Er kann sie nutzen und entdecken. Wer darauf nicht mehr warten möchte, kann im Museum der Arbeit schon einmal einen Ausflug in die Zukunft machen.

 

 

Disrupt Yourself – die digitale Zukunft unserer Arbeitswelt

Roboter Nao in der Ausstellung Out of Office, Foto Daniel Nide

Workshops und Diskussionen im Rahmen der Ausstellung „Out of Office. Wenn Roboter und KI für uns arbeiten“ im Museum der Arbeit

Mit der sich rasant fortentwickelnden Digitalisierung halten Algorithmen, Robotersysteme und Künstliche Intelligenzen mehr und mehr Einzug in unsere Arbeitswelt. Die damit verbundenen Prognosen für die Zukunft der Arbeit führen zu Diskussionen über das Pro und Contra dieser Veränderungen. Gemeinsam mit dem Bucerius Lab der ZEIT-Stiftung zeigt das Museum der Arbeit in der Ausstellung „Out of Office“ noch bis zum 19. Mai 2019, welche fundamentalen Umbrüche durch Roboter und Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt bereits stattfinden und welche uns unter Umständen noch bevorstehen. Vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Wandels der Arbeitswelt bzw. der Prognosen und Visionen von zukünftigen Prozessen diskutiert die Ausstellung gemeinsam mit den Besuchern, wie wir als Gesellschaft mit den kommenden Veränderungen umgehen wollen, welche Chancen wir ergreifen können und mit welchen Risiken wir uns befassen müssen.

Das vielfältige Begleitprogramm zur Ausstellung wartet in den kommenden Wochen mit drei besonderen Veranstaltungen auf, bei denen die Besucher mit Experten aus unterschiedliche Bereichen zum Thema „Künstliche Intelligenz“ diskutieren können. Das Disrupt Yourself Camp am 12. April bietet in Form eines ganzen Workshop-Tages die Gelegenheit, sich darüber zu informieren, wie wir uns auf die digitale Zukunft vorbereiten können – mit dabei u.a. der Autor und Digitalisierungsexperte Christoph Keese. Am Samstag danach lädt der Verein TINCON vor allem junge Interessenten zu einem Festival mit Workshops und Diskussionen ein. Unter dem Motto „Arbeit, Auto, Androiden“ stehen dann am 29. April Vertreter aus dem Wissenschaftsbetrieb Rede und Antwort zu bisher absehbaren Nutzungsmöglichkeiten und Risiken von Künstlicher Intelligenz. Die Teilnahme an den Veranstaltungen, die vom Bucerius Lab der ZEIT-Stiftung mit den jeweiligen Partnern organisiert wurden, ist kostenlos, Anmeldungen können über die Website www.outofoffice.hamburg erfolgen.

Freitag, 12. April 2019 von 9 bis 17 Uhr: Disrupt Yourself Camp
Wie wir uns auf die digitale Zukunft vorbereiten können!
Ein Workshop-Tag des Bucerius Lab der ZEIT-Stiftung u.a. mit Christoph Keese
Die Teilnahme ist kostenlos!
Eine Anmeldung ist erforderlich über www.outofoffice.hamburg

Unter dem Motto „Disrupt Yourself“ lädt  des Bucerius Lab der ZEIT-Stiftung die Teilnehmer dazu ein, sich mit der eigenen beruflichen Situation auseinanderzusetzen – ob als Arbeitnehmer oder als Unternehmer. Im Mittelpunkt des Workshop-Tagess steht die Frage, wie wir uns unter den Vorzeichen der Digitalisierung neu erfinden können – oder müssen. Christoph Keese, ehemaliger Chefredakteur von Welt am Sonntag und Financial Times Deutschland, berät Firmen bei ihren Digitalisierungsprozessen. In seinem aktuellen Buch „Disrupt Yourself“ ermutigt er Berufstätige, sich rechtzeitig neu zu erfinden, ehe der eigene Job möglicherweise durch Maschinen ersetzt wird. Mit einem Impulsvortrag wird er den Workshop-Tag einleiten.

—————————————–

Samstag, 13. April 2019 von 10 bis 18 Uhr: TINCON goes „Out of Office“
Das Jugendfestival zur Ausstellung  – eine Veranstaltung des Bucerius Lab der ZEIT-Stiftung und von TINCON e.V.
Ein Blick auf die Arbeit der Zukunft mit Talks, Workshops und Diskussionen für alle zwischen 13 und 21 Jahren
Die Teilnahme ist kostenlos!
Eine Anmeldung ist erforderlich über www.outofoffice.hamburg

Ziel des gemeinnützigen Vereins TINCON e.V. ist es, junge Menschen zu inspirieren, zu motivieren und dazu zu befähigen, die vernetzte Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Der Verein möchte Jugendliche dazu ermutigen, von Zuhörern zu Akteuren und von Konsumenten zu Produzenten zu werden. Mit Workshops, Diskussionen und Aktionen ist TINCON am 13. April in der Ausstellung „Out of Office“ im Museum der Arbeit zu Gast.

—————————————–

Montag, 29. April 2019 um 19 Uhr
Arbeit, Auto, Androiden – Was versprechen wir uns von Künstlicher Intelligenz?
Ein Diskussionsabend des Bucerius Lab der ZEIT-Stiftung und von Wissenschaft im Dialog, Berlin
Eintritt frei!

Das Thema „Künstliche Intelligenz“ steht im Mittelpunkt des Wissenschaftsjahres 2019. Dabei geht es um die Fragen, was KI bereits leisten kann und worin der Nutzen und die Risiken ihrer Anwendung bestehen. Dient oder entmüdigt KI den Menschen, wenn immer mehr Entscheidungen und damit auch Verantwortung an Maschinen abgegeben wird. Unter dem Titel „Arbeit, Auto, Androiden“ kann am 29. April mit Experten aus dem Wissenschaftsbetrieb im Rahmen einer Fishbowl-Diskussion darüber debattiert werden. Mit dabei sind Prof. Dr. Andreas Birk (Jacobs University Bremen), Dr. Manfred Eppe (Universität Hamburg), Prof. Dr. Dagmar Monett Diaz (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin).
Moderation: Dr. Manuela Lenzen, freie Wissenschaftsjournalistin und Philosophin

Matthias Seeberg
Pressesprecher

Stiftung Historische Museen Hamburg
Holstenwall 24
20355 Hamburg
Tel. +49 40 428 131 171
matthias.seeberg@presse.shmh.de

www.shmh.de

 

Out of Office. Wenn Roboter und KI für uns arbeiten

Ein Ausstellungsprojekt des Museums der Arbeit und des Bucerius Lab der ZEIT-Stiftung
läuft noch bis 19. Mai 2019

Foto: Daniel Nide

Die Arbeitswelt der letzten Jahrzehnte war bereits von vielfältigen Prozessen der Automatisierung geprägt. Mit der Digitalisierung halten nun auch Algorithmen, Robotersysteme und künstliche Intelligenzen Einzug in mehr und mehr Bereiche unserer Arbeit. Die damit verbundenen Prognosen für die Zukunft der Arbeit führen zu Diskussionen über das Pro und Contra dieser Veränderungen. Für manche stellt das Modell „Arbeit 4.0“ eine radikale und unabwendbare Bedrohung breiter Berufsfelder dar, für andere liegt in der zunehmenden Automatisierung keineswegs ein blinder Automatismus, sie plädieren vielmehr für eine aktive Gestaltung einer neuen Arbeitswelt, bei der gesellschaftliche, politische und soziale Lösungen mitgedacht werden müssen.

Die neue Sonderausstellung „Out of Office. Wenn Roboter und KI für uns arbeiten“, die im Museum der Arbeit in Zusammenarbeit mit dem Bucerius Lab der ZEIT-Stiftung zu erleben ist, setzt sich mit diesen Zukunftsfragen auf interaktive Weise auseinander. An elf thematisch spezifizierten Stationen wird den Besuchern gezeigt, welche fundamentalen Umbrüche durch Roboter und Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt bereits stattfinden und welche uns unter Umständen noch bevorstehen. Vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Wandels der Arbeitswelt bzw. der Prognosen und Visionen von zukünftigen Prozessen diskutiert die Ausstellung gemeinsam mit den Besuchern, wie wir als Gesellschaft mit den kommenden Veränderungen umgehen wollen, welche Chancen wir ergreifen können und mit welchen Risiken wir uns befassen müssen.

Foto: Daniel Nide

Ziel der Ausstellung ist es, die Dimension der mit der Digitalisierung der Arbeitswelt verbundenen Veränderungen zu erkunden und den Besuchern eine Orientierung in der aktuellen Diskussion zu geben. Dabei möchte die Ausstellung zum einen für die Frage sensibilisieren, was wir eigentlich unter „Arbeit“ verstehen, und zum anderen Wissen darüber vermitteln, wovon wir eigentlich reden, wenn wir Schlagwörter wie  „KI“ oder „Robotik“ benutzen. Anhand von Animationen, Info-Grafiken, Experten-Interviews, Filmsimulationen, Virtual-Reality-Stationen, den kreativen Ergebnissen einer KI und natürlich von Robotern möchte die Ausstellung zur Diskussion  einladen, welche Möglichkeiten der Zukunftsgestaltung von verschiedenen Akteuren ins Spiel gebracht werden. In einem partizipativen Forum werden die Besucher dazu eingeladen, an Touch-Screens ihren individuellen Blick auf die Zukunft der Arbeit zu gestalten und zu bewerten.

OUT OF OFFICE – Das Magazin zur Ausstellung
Rita Müller/Mario Bäumer (Hrsg.), ca. 200 Seiten, ca. 80 Abbildungen, 19,90 €
ISBN: 978-3-947178-05-6, Erhältlich im Museumsladen.
Die Beiträge in diesem „Magazin zur Ausstellung“ bieten vielseitige Annäherungen an den durch Digitalisierung und KI ausgelösten Wandel unserer Arbeits- und Lebenswelt. Mit Beiträgen u. a. von: Carsten Brosda, Christoph Keese, Birger Priddat, Martina Heßler, Ulrich Eberl sowie Fotografien von Henrik Spohler

Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Rahmenprogramm finden Sie unter:
www.outofoffice.hamburg und www.shmh.de
Stiftung Historische Museen Hamburg
Museum der Arbeit
Wiesendamm 3
22305 Hamburg
Direkt am U-/S-Bahnhof Barmbek
Tel. 040 428 133 0
Öffnungszeiten
Montag 10 – 21 Uhr / Mittwoch bis Freitag 10 – 17 Uhr / Samstag und Sonntag 10 – 18 Uhr
Eintrittspreise
Einzelbesucher: 8,50 Euro/ 5 Euro / Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Pressekontakt:
Matthias Seeberg
Stiftung Historische Museen Hamburg
Tel. +49 40 428 131 171
matthias.seeberg@shmh.org
www.shmh.de

 

(Text: Stiftung Historische Museen Hamburg)