Meißen – Wiege Sachsens, Geburtsort des „Weißen Goldes“

Von Uta Buhr

MEISSEN -Albrechtsburg   Foto: Uta Buhr„In diesem Jahr feiern wir eine der größten Erfindungen des 18. Jahrhunderts“, freut sich  Marleen Herr vom Tourismusverband Sächsisches Elbland. Anlässlich der ‚Geburt’ des europäischenPorzellans und der Gründung der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen vor 300 Jahren hat der Verband  ein umfangreiches Programm unter dem Titel „Weißes Gold erleben“ gestaltet, das Menschen aus aller Welt mit der Entstehung des Meissner Porzellans vertraut machen soll.

„Wir haben eine Art Tour d’Horizon durch die Geschichte des Porzellans in der gesamten Region erarbeitet. Dresden gehört ebenso dazu wie eine Reihe von Orten entlang der Sächsischen Weinstraße“, sagt Frau Herr und zeigt  eine Broschüre, die Auskunft über sämtliche Details gibt. Da ist zum Beispiel die Stadtrundfahrt im komfortablen City-Bus Meißen, die die Besucher zu den größten Sehenswürdigkeiten der Stadt führt bis hinauf zur Albrechtsburg. (Foto: Uta Buhr) Auch die Sächsische Dampfschiffahrt hat sich etwas einfallen lassen: „Meißen – Wiege Sachsens, Geburtsort des „Weißen Goldes““ weiterlesen

81 Jahre lang Soldat

Der gebürtige Stettiner »Papa Wrangel« war ein Original

WP_Friedrich_von_WrangelVon Manuel Ruoff
Im Gegensatz etwa zu seinem Landsmann und Zeitgenossen Helmuth von Moltke war Fried­rich von Wrangel weniger ein intellektueller Stratege als ein schneidiger Frontoffizier mit kernigem Berliner Humor. In seinen späten Jahren wurde er sogar als „Papa Wrangel“ zum Original. Man sollte ihn jedoch nicht unterschätzen. So werden ihm Schlauheit, Verschlagenheit und schauspielerisches Talent nachgesagt. Der Verdacht liegt nahe, daß er durchaus bewußt an seinem Image des „Papa Wrangel“ gearbeitet hat, um die Akzeptanz seines militärischen Eingreifens in die 48er Revolution zu erhöhen. Andererseits setzte er sich mit seiner Volkstümlichkeit, zu der auch ein grammatikalisch schiefes Deutsch gehörte, dem Vorwurf aus, sich nicht immer standesgemäß verhalten zu haben. Schließlich war der Generalfeldmarschall zeitweise der ranghöchste Angehörige des preußischen Heeres nach dem König. „81 Jahre lang Soldat“ weiterlesen

Der Beginn der Ära Castro

Vor 50 Jahren schuf die kubanische Revolution die heutigen Machtverhältnisse auf der Zuckerrohrinsel

Von Manuel Ruoff

Fidel_Castro_-_MATS_Terminal_WashingtonAm nachrevolutionären Kuba scheiden sich die Geister. Für die einen machte der Wechsel von Fulgencio Batista zu Fidel Castro aus einem Land der freien Welt einen Ostblockstaat, für die anderen war die Revolution eine Befreiung von US-Imperialismus und Korruption. Die einen verweisen auf bis zu 60000 Opfer der Castro-Herrschaft, die anderen auf ein vergleichweise starkes Bildungs- und Gesundheitssystem. Eine Zäsur war die kubanische Revolution vor 50 Jahren es auf jeden Fall.

Am 10. März 1952 putschte sich der Offizier und Politiker Fulgencio Batista mit Hilfe des Militärs auf Kuba an die Macht, nachdem sich abgezeichnet hatte, daß er die für jenes Jahr angesetzte Wahl verlieren würde. Zwei Tage später wagte es der Rechtsanwalt Fidel Castro, den erfolgreichen Putschisten wegen Verfassungsbruchs zu verklagen. Das Oberste Gericht des Landes wies die Klage jedoch mit der Begründung ab, die „Revolution“, gemeint ist der Militärputsch, habe als Quelle des Gesetzes zu gelten. Da General Fulgencio Batista durch revolutionäre Mittel Präsident geworden sei, könne er nicht als verfassungswidriger Präsident hingestellt werden. „Der Beginn der Ära Castro“ weiterlesen

Bonnie und Clyde

Clyde C. BarrowVon Manuel Ruoff

Vor 100 Jahren, am 24. März 1909, kam der männliche Teil des berühmten Verbrecherpaares Bonnie und Clyde in Telico bei Dallas zur Welt. Clyde Chestnut Barrow entstammte einer kinderreichen armen Landarbeiterfamilie. Schon als Minderjähriger wurde er kriminell, 1926 wurde er wegen Autodiebstahls erstmals verhaftet. Weitere Verbrechen und Verhaftungen folgten. Dabei blieb er seiner texanischen Heimatregion treu.
1930 stieß er in Oak Cliff auf die Liebe seines Lebens, die ein­ein­halb Jahre jüngere Bonnie Eli­za­beth Parker. Die beiden wurden ein Paar. Bereits zwei Monate später wurde Barrow verhaftet. Dank einer von ihr eingeschmuggelten Waffe gelang ihm zwar ein Ausbruch, doch wurde er schon eine Woche später wieder gefaßt.
Im Jahre 1932 entließ ihn das Gefängnis von Crockett in Texas auf Bewährung. Es folgten zwei Jahre voller Raubüberfälle von Bonnie und Clyde. Dabei gingen sie über Leichen. Neun tote Polizisten säumten ihren Weg. Ihr Ende war ein Hinterhalt der Polizei, in den sie mit ihrem Ford gerieten. Am 23. Mai 1934 durchsiebten am Straßenrand wartende Polizeibeamte mit automatischen Waffen ihren vorbeifahrenden Wagen. Das Paar starb im Kugelhagel.

Ein linker Rechtsliberaler

WP_Eduard_LaskerVon Manuel Ruoff

Eduard Lasker kennzeichnete als linker Nationalliberaler ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Otto von Bismarck, der ihn in seinen Memoiren als „ehrlichen Gegner“ bezeichnet hat.
Jizchak Lasker, der schon als Gymnasiast seinen Vornamen in Eduard änderte, kam am 14. Ok­tober 1829 als Sohn eines Nagelfabrikanten und dessen Ehefrau in Jarotschin in der Provinz Posen zur Welt. Nach dem Abitur und einem Jurastudium verdiente er seinen Lebensunterhalt mehr schlecht als recht als Syndikus des Berliner Pfandbriefinstituts.
1867 wurde der Liberale ins preußische Abgeordnetenhaus gewählt. Kurz danach hatte das Parlament über die nachträgliche Legalisierung von Bis­marcks umstrittenem Vorgehen beim preußischen Heereskonflikt zu entscheiden. Lasker entschied sich mit dem rechten Flügel der Fortschrittspartei für Bismarck und dessen Indemnitätsvorlage und gehörte mit anderen Rechtsliberalen zu den Gründern der Nationalliberalen Partei, in der er die Führung des linken Flügels übernahm. Als Bismarck mit seinem Rechtsschwenk von 1878 die Nationalliberale Partei einer schweren Belastungsprobe aussetzte, entschied Lasker sich gegen Bismarck. Mit anderen Linksnationalliberalen gründete er die Liberale Vereinigung, deren Führung er übernahm.
1875 erkrankte Lasker schwer. Da er sich nicht schonte, folgte 1883 ein völliger gesundheitlicher Zusammenbruch. Vor 125 Jahren, am 5. Januar 1884, starb der linke Rechtsliberale, dem die Fortschrittspartei zu bismarckkritisch und die Nationalliberale Partei schließlich zu bismarckunkritisch war.

Elsaß-Lothringens erster Statthalter

Vor 200 Jahren wurde der preußische Generalfeldmarschall Edwin Freiherr von Manteuffel geboren

Von Manuel Ruoff

Andere Generalfeldmarschälle haben als Truppenführer oder in Stäben die Karriereleiter erklommen, Edwin Freiherr von Manteuffel tat es als Adjutant.
Nicht etwa in Preußen, sondern in Sachsens Hauptstadt Dresden wurde der spätere preußische Generalfeldmarschall Edwin von Manteuffel am 24. Februar 1809 geboren. Sein Vater Hans Freiherr von Manteuffel war ursprünglich sächsischer Beamter. Bei der Geburt des Sohnes war der Vater Geheimer Refendarius in der sächsischen Staatsregierung. Später wurde dieser dann Präsident der Regierung der Niederlausitz. Und als die Niederlausitz als Folge des langen Festhaltens des sächsischen Königs am Bündnis mit Napoleon auf dem Wiener Kongreß von 1814/15 zusammen mit der späteren Provinz Sachsen an Preußen fiel, wechselte Manteuffel in den preußischen Staatsdienst. Somit wurde Edwin von Manteuffel zum Preußen. General_von_Manteuffel
Wie der Vater entschied auch er sich für den Staatsdienst, allerdings in Uniform. Manteuffel war wissenschaftlich interessiert. So besuchte er nicht nur die allgemeine Kriegsschule, die spätere Kriegsakademie, sondern später auch die Berliner Universität, wo er sich mit dem Historiker Leopold von Ranke anfreundete. Zudem werden Manteuffel neben diplomatischem Geschick gewinnende Formen nachgesagt. Dafür spricht, daß er während seiner Karriere immer wieder höheren Stellen angenehm auffiel und von diesen gerne als Adjudant eingesetzt wurde. „Elsaß-Lothringens erster Statthalter“ weiterlesen

Er führte das Feldgrau ein

Vor 75 Jahren starb Karl von Einem, der sich als Kriegsminister gegen mehr Soldaten wehrte

Von Manuel Ruoff

Karl von Einem lehnte als preußischer Kriegsminister eine Heeresvermehrung ab, wurde hierfür seitens der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichtsschreibung kritisiert und setzte gegen den Widerstand seines Kaisers und Königs die Grundsatzentscheidung für Feldgrau statt Preußischblau als Uniformfarbe der preußischen Armee durch.
EinemGBWKarl Wilhelm George August Gottfried von Einem entstammte einer hannoverschen Offiziersfamilie. Sein Vater, George August von Einem, war Rittmeister und dessen Vater Oberstleutnant. Und sein anderer Großvater, der Vater seiner Mutter Julie, war Kapitän. Am 1. Januar 1853 kam Karl von Einem im damals noch hannoverschen Herzberg am Harz zur Welt. Nach dem Besuch von Gymnasien in Celle und Hildesheim ergriff er den Beruf seiner Väter, allerdings als Folge des Deutschen Krieges von 1866, der seine Heimat preußisch werden ließ, auf preußischer Seite. Erst in Bensberg und dann in Berlin genoß er eine Kadettenausbildung. 1870 wurde er Angehöriger des Ulanenregiments Nr. 14. Während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/1871 wurde er zum Offizier befördert. Es folgte eine Karriere als Adjutant. Von 1873 bis 1876 war er Regimentsadjutant in Verden an der Aller. Dem schloß sich eine Tätigkeit als Adjutant bei der 8. Kavalleriebrigade in Erfurt an. Über die Adjutantur kam er 1880 ohne Besuch der Kriegsakademie in den Generalstab. „Er führte das Feldgrau ein“ weiterlesen

»Erich, es geht nicht mehr. Du mußt gehen«

Vor zehn Jahren starb mit dem »roten Preußen« Willi Stoph der erste, der im SED-Politbüro Honeckers Rücktritt forderte

Von Manuel Ruoff

Als „roter Preuße“ ist der langjährige Minister- und Staatsratsvorsitzende der DDR bezeichnet worden. Böse Zungen mögen meinen, diese Bezeichnung sage mehr aus über das (negative) Preußenverständnis desjenigen, der sie verwendet, als über den Parteisoldaten, den sie charakterisieren soll. Fakt ist, daß das langjährige Mitglied von KPD und SED ein gebürtiger Preuße ist.
Willi Stoph
Am 9. Juli 1914 kam der Sproß einer Arbeiterfamilie in Berlin zur Welt. Dem Besuch der Volksschule folgten eine Maurerlehre und später ein Fernstudium der Bautechnik. Nachdem er vorher schon dem Kommunistischen Jugendverband Deutschland (KJVD) angehört hatte, trat er 1931 in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ein.
Im Gegensatz zu vielen anderen Größen der DDR emigrierte er jedoch nicht, als 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland an die Regierung kamen. Er kam von 1935 bis 1937 seiner Wehrpflicht bei einem Artillerieregiment in Brandenburg an der Havel nach und nahm nach einer kurzen Tätigkeit als Bautechniker in einem Architekturbüro ab 1940 als Wehrmachtssoldat am Zweiten Weltkrieg teil. Kurz vor Kriegsende geriet er in die Gefangenschaft der Sowjets, konnte jedoch bereits im Juli 1945 aus deren Lager Deutsch Eylau fliehen und sich nach Berlin durchschlagen, in dessen von den Kommunisten kontrollierten Teil er nun Karriere machte. „»Erich, es geht nicht mehr. Du mußt gehen«“ weiterlesen

Er holte und vertrat Bismarck

Vor 150 Jahren wurde Albrecht Graf von Roon Kriegsminister

Von Manuel Ruoff

Stehen wir vor dem Bismarck-Nationaldenkmal am Großen Stern in Berlin, so finden wir unweit – quasi als Einrahmung – Denkmäler für Helmuth Graf von Moltke, aber auch für Albrecht Graf von Roon. Heute ist der Kriegsminister neben dem genialen Außenpolitiker Bismarck und dem nicht weniger genialen Militärstrategen Moltke etwas in Vergessenheit geraten, aber früher wurden sie gerne in einem Zuge genannt, wenn es darum ging, die Siege in den drei Eini­gungskriegen zu personifizieren.Albrecht_Graf_von_Roon
Wenn Roon auch kein so großer Regierungschef wie Bismarck und kein so großer Generalstabschef wie Moltke war, so war er doch ein recht erfolgreicher politischer General. Er konzipierte nicht nur für seinen König eine politisch umstrittene Militärreform. Er vertrat sie auch, durchaus mit Geschick, im Parlament. Und er sorgte dafür, dass sie umgesetzt werden konnte, indem er Bismarck nach Berlin holte.
Voraussetzung für das folgenreiche Wirken des Kriegsministers war seines Königs Vertrauen. Ein Jahrzehnt vor Roons Berufung an die Spitze des Kriegsministeriums lernten die beiden sich kennen. Roon war damals Generalstabs­chef eines der preußischen Armeekorps, mit denen Wilhelm die Badische Revolution niederschlug. „Er holte und vertrat Bismarck“ weiterlesen

Bismarcks »objektivster Gegner«

Vor 200 Jahren kam Friedrich Ferdinand Graf von Beust zur Welt, Regierungschef sowohl Sachsens als auch Österreichs
Von Manuel Ruoff
Otto von Bismarck bezeichnete Friedrich Ferdinand von Beust als seinen „objektivsten und liebenswürdigsten Gegner“, und der Sachse wiederum betrachtete sich als Pendant zum Preußen. Angesichts ihrer gegensätzlichen politischen Ziele konnte es vielleicht auch gar nicht anders sein.Friedrich_Ferdinand_von_Beust_1860
Spätestens das Preußen des Ministerpräsidenten Bismarck strebte eine vergleichsweise unitarische kleindeutsche Lösung an, das heißt einen deutschen Bundesstaat unter Ausschluß des traditionell mächtigeren Österreichs und unter Leitung der dadurch einzigen Großmacht des Landes, Preußen. Das Sachsen des Regierungschefs Beust strebte die sogenannte Trias-Lösung an, das heißt einen vergleichsweise föderalistischen Staatenbund unter Einschluß Österreichs, in dem sich die beiden deutschen Großmächte die Waage halten und dem sogenannten dritten oder reinen Deutschland, sprich den deutschen Mittel- und Kleinstaaten, die Rolle einer dritten Kraft zukommt. Diese Trias-Lösung wurde seitens Sachsens durchaus nicht selbstlos präferiert, glaubte man doch, als neben Bayern mächtigster der Mittelstaaten für die Führung des dritten Deutschlands prädestiniert zu sein. Eine föderalistische Lösung der deutschen Frage strebte die Regierung des Königreichs Sachsens an, da man weder in einem von Österreich noch in einem von Preußen beherrschten deutschen Zentralstaat aufgehen wollte. Österreich schließlich war als Vielvölkerstaat jeder Form von unitarischem Nationalstaat abhold. Der traditionell mächtigste deutsche Staat strebte eine föderalistische, großdeutsche Lösung der nationalen Frage mit ihm als Führungsmacht eines deutschen Staatenbundes an. Zum Leidwesen Dresdens sah also weder die von Berlin noch die von Wien verfolgte Lösung eine Gleichberechtigung der Mittel- und Kleinstaaten als dritte Kraft vor. „Bismarcks »objektivster Gegner«“ weiterlesen