Vortragsreihe zur Ausstellung „Der Fotograf Max Halberstadt“

Museum für Hamburgische Geschichte

Max Halberstadt (1882-1940) galt in den 1920er Jahren als einer der bekanntesten Porträtfotografen Hamburgs. Bereits 1912 konnte Halberstadt wegen seines Erfolges ein eigenes Atelier in der Hamburger Innenstadt betreiben. Seine wachsende Popularität in den Weimarer Jahren verdankte sich nicht zuletzt den ikonischen Porträtaufnahmen seines Schwiegervaters Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse.

Trotzdem ist der Name Max Halberstadt und sein vielfältiges fotografisches Oeuvre heute leider fast vergessen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und deren antisemitischer Ausgrenzungspolitik konnte Halberstadt in Hamburg bald nicht mehr arbeiten. 1936 floh er nach Südafrika ins Exil, wo er mit nur 58 Jahren in Johannesburg starb.

Die von dem Hamburger Publizisten Wilfried Weinke kuratierte Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte will dem Fotografen die gebührende Würdigung und den verdienten Platz in der Fotogeschichte Hamburgs verschaffen. Das Leben und Werk Max Halberstadts steht dabei beispielhaft für die Zwangslage jüdischer Bürger im Nationalsozialismus, in ihrer Heimat nicht mehr leben zu können und sich nur durch die Emigration Bedrohung Verfolgung und Vernichtung entziehen zu können.

In der Ausstellung sind neben Porträts von Hamburger Künstlern und Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde berührende Kinderfotos, aber auch atmosphärische Einblicke in das Stadtleben Hamburgs der 1920er Jahre zu sehen. Auf der Website des Museums ist unter folgenden Link ein einführender Film mit dem Kurator Wilfried Weinke zu finden:
https://shmh.de/de/max-halberstadt

Von September bis November 2021 findet begleitend zur Ausstellung eine Vortragsreihe statt, in der sich immer donnerstags um 18 Uhr Soziologen, Kunsthistorikerinnen sowie Expertinnen und Experten zur Fotografie in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen mit besonderen Aspekten des Ausstellungsthemas auseinandersetzen.

Eintritt: 10 Euro, erm. 7 Euro – inkl. Besuch der Ausstellung am Veranstaltungstag ab 16 Uhr
Platzreservierung über:
www.shmh.de

Für den Besuch der Vorträge ist der Nachweis der Genesung, der vollständigen Impfung oder ein aktueller negativer Corona-Test erforderlich. Darüber hinaus gelten die aktuellen Abstands- und Hygieneregeln.

Vortragsprogramm zur Ausstellung „Der Fotograf Max Halberstadt“:

Donnerstag, 28.Oktober 2021 um 18 Uhr
Rolf Sachsse: „Handwerk, Gestaltung, Kunst – Dokument oder Propaganda?“ Spannungsfelder der deutschen Fotografie zwischen den Weltkriegen.

Rolf Sachsse, Jg. 1949, Fotografenlehre, Arbeit als Architektur-, Industrie- und Dokumentationsfotograf, Studium der Kunstgeschichte, Kommunikationsforschung und Literaturwissenschaft, Promotion. 2004-2017 Professor für Designgeschichte und Designtheorie in Saarbrücken, diverse Veröffentlichungen, u.a. „Die Erziehung zum Wegsehen. Fotografie im NS-Staat“ (2003)

Donnerstag, 4. November 2021 um 18 Uhr
Kristina Lemke: „Nicht mehr lesen, sehen!“ Fotografie in der Zwischenkriegszeit.

Kristina Lemke, Jg. 1987, Studium der Kunstgeschichte und Germanistik, Dissertation über das fotografische Werk von Paul Wolff, Kuratorin für Fotografie am Städel in Frankfurt am Main. Herausgeberin des Katalogbuches zur Ausstellung „Neu Sehen. Die Fotografie der 20er und 30er Jahren“, die bis Oktober 2021 im Städel Museum in Frankfurt am Main gezeigt wird

Donnerstag, 11. November 2021 um 18 Uhr
Wilfried Weinke: Aus den Augen, aus dem Sinn? Wie der Fotograf Max Halberstadt ins Museum kam.

Wilfried Weinke, Jg. 1955, Literaturwissenschaftler, Publizist und Kurator zeitgeschichtlicher Ausstellungen. Promotion über den Schriftsteller und Journalisten Heinz Liepman. Publikationen zur deutsch-jüdischen Geschichte Hamburgs, zur Exilliteratur und Fotografie im Exil, u.a. „Wo man Bücher verbrennt… Verbrannte Bücher, verbannte und ermordete Autoren Hamburgs“ (2017). Wilfried Weinke ist Kurator der Ausstellung „Der Fotograf Max Halberstadt. … eine künstlerisch begabte Persönlichkeit“ im Museum für Hamburgische Geschichte.