Eine Welt für sich

 Von Maren Schönfeld

 Zu Elfi Witts Geschichten aus dem Pflegeheim

Späte Erkenntnis
Späte Erkenntnis

Wenn man in der Tages- oder Wochenpresse etwas über Altenheime und die dortigen Zustände liest, handelt es sich meistens um Horrorgeschichten von verwahrlosten, unterernährten hilflosen Senioren, kaltherzigen Pflegern und nur auf Kostenreduzierung ausgelegte Verwaltungspolitik. Erfreulicherweise ist die Sammlung kurzer Geschichten von Elfi Witt ganz anders ausgefallen. Der Autorin gelingt es, Defizite aufzuzeigen, ohne dass Sensationslust oder auch nur Verurteilung durchklingt. Sie zeigt unaufgeregt und mit Empathie für alle Beteiligten die Schwierigkeiten auf, wenn demente Menschen sich nicht mehr zurechtfinden und ihre Bezugspersonen, die Pflegerinnen, versuchen, ihnen die letzte Lebensphase so schön wie möglich zu machen. Das entbehrt manchmal nicht einer gewissen Komik. Da hört eine Bewohnerin Stimmen, man gibt ihr Beruhigungsmittel – aber ob sie wirklich verrückt ist?  Die junge Protagonistin Hanna und der in Pension befindliche Polizist  Werner Schulze sind zwei zentrale „Eine Welt für sich“ weiterlesen

Macht es Lust, ist es gut

Von  Maren Schönfeld

Zum Lyrikband „Bitterleichte Lyrik“ von Volker Maaßen

Reim ist out, weil wir Herz und Schmerz genug gehört haben, weil Reim niedlich ist und nicht in unsere Zeit passt, in der es den Dichtern obliegt, in radikalen Worten auf Missstände hinzuweisen. Da passt kein Reim.
Reim ist out, aber nicht mehr ganz so out wie vor – sagen wir – zehn Jahren. Das haben wir nicht zuletzt den Slam-Poeten zu verdanken, die keineswegs niedlich und lustig, sondern sehr radikal und rhythmisch penibel gerade die nicht niedlichen Themen zu betexten pflegen. Wenn ich es recht bedenke, fällt mir da noch Rühmkorf ein, mir fällt Gernhardt ein und es lohnt auch ein Gedanke an Jan Wagner oder Alex Dreppec. Nein, Reim ist wohl doch nicht so out. Vielleicht ist er schon fast wieder in, und warum sollte man nicht mal aufhören mit der unsäglichen Diskussion, ob man reimen darf oder nicht und wenn ja, auf welche Weise. „Macht es Lust, ist es gut“ weiterlesen

Trotzig zartes Grün

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Nicht nur Konfekt…

 

Zur Anthologie „Nicht nur Konfekt und Rosenstrauß“ des FDA Hamburg/Schleswig-Holstein (Hg.)

Ein Buch zum Valentinstag? Da befürchtet man kuschelige Liebesgeschichten mit Happy End, rote Rosen, Pralinenschachteln und viele Herzen. Der Buchtitel aber beginnt mit „Nicht nur …“ und das Buch hält dieses Versprechen mehr, als man sich im ersten Moment vielleicht vorstellt. Liebe geht durch den Magen, was eine pointierte Geschichte um eine besonders zubereitete Perlhuhnbrust nicht unbedingt abstreitet. Diese These findet ihren Gegenpart jedoch, wenn es ein paarGeschichten weiter um die verblüffende Zuneigung eines Blässhuhns zu einem Spaziergänger geht, auf dessen Schoß es gern mal Platz nimmt – eine sogar wahre, berührende Geschichte. Die Autorinnen und Autoren des Freien Deutschen Autorenverbands bewegen sich im miniformatigen Briefroman auf E-Mailebene und wechseln mit einer Art rotem Faden zwischen Gedichten und erzählender „Trotzig zartes Grün“ weiterlesen

Poesie trifft Komposition: Wortbilder und Klangfarben am 10.02.14

Im September 2013 haben wir auf der Internationalen Gartenschau (IGS) in Hamburg-Wilhelmsburg unser neues Text & Bass-Programm vorgestellt. Nun werden wir es am 10.02. um 19 Uhr auch im Bistro Roth, als Vorab-Lesung vor der Offenen Lesebühne, präsentieren. Neue Gedichte und neue Kompositionen haben sich gefunden oder wurden füreinander geschaffen.

Wolfgang Schönfeld: Klangfarben auf dem E-Bass

Maren Schönfeld: Wortbilder

 

Der Eintritt ist frei, eine Spende in den Hut wird gern gesehen.

Bistro Roth, Rothestr.34, 22765 Hamburg

Die Lesung wird bis ca. 19.45 Uhr dauern, dann gibt es eine kurze Pause. Anschließend ist die Offene Lesebühne, auf der eigene Werke präsentiert werden können.

Arno Schmidt als Landschaftsfotograf

Ausstellungen im Altonaer Museum

Arno Schmidts 100. Geburtstag am 18.01.2014 ist ein würdiger Anlass, sein Werk in Erinnerung zu rufen. Sein Werk, ja, Zettels Traum, Kaff auch Mare Crisium, Kühe in Halbtrauer … Dem Schmidt-Verehrer leuchten die Augen angesichts dieser Titel und gern holt man wieder den schon zerlesenen Band hervor und vertieft sich in die Schmidt-typische Schriftsprache. Diese im Kopf zu haben in ohrwurmartig kreisenden Zitaten und dabei durch eine Ausstellung zu spazieren, die Schmidts Landschaftsfotografien zeigt – das ist allerdings ein ganz besonderes Vergnügen. Seit den 1930er Jahren fotografierte der Schriftsteller und das Altonaer Museum stellt nun aus: „Arno Schmidt. Der Schriftsteller als Landschaftsfotograf“ Zu sehen sind auch erstmals an die Öffentlichkeit gelangte Bilder. Das Museum zeigt außerdem Manuskripte und die Kamera. „Arno Schmidt als Landschaftsfotograf“ weiterlesen

200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig – Gedichte gegen den Krieg

Von Maren Schönfeld

Zur Tagung der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik (GZL) in Leipzig am 19. Oktober 2013

Panometer, Michael Augustin
Panometer, Michael Augustin

Wer an diesem Wochenende in Leipzig war, traf die Vergangenheit in Form von Männern mit Säbeln und Frauen mit Hauben. Sie hatten sich im Stil des frühen 19. Jahrhunderts gekleidet, um an den Veranstaltungen zum Gedenken der Völkerschlacht vom 16. bis 19. Oktober 1813 teilzunehmen, vielleicht sogar an dem großen Spektakel der historischen Gefechtsdarstellung am Sonntag.

Bereits einen Tag weiter ist der Besucher im Yadegar Asisi PANOMETER. Dort zeigt ein 360°-Panorama im Maßstab 1:1, auf etwa 3.500 Quadratmetern, die Stadt Leipzig nach der Völkerschlacht. Aufruhr, Verwundete, kaputte Gebäude und rauchende „200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig – Gedichte gegen den Krieg“ weiterlesen

Schreibgeräte aus aller Welt im Museum der Arbeit in Barmbek

Von Maren Schönfeld

Wer die Wahl hat...
Wer die Wahl hat…

Sammler von Füllhaltern, Bleistiften und anderen Schreibgeräten aus aller Welt trafen sich am 3. Oktober im Museum der Arbeit zum Pen Port Hamburg. Mehr als zwanzig Aussteller aus Deutschland, Italien, den USA und anderen Ländern präsentierten Seltenes, Kostbares und Kurioses aus längst vergangenen Zeiten und der Gegenwart.

Bei dem Sammlertreffen wechseln wertvollste Füllhalter ebenso ihre Besitzer wie vermeintlich wertlose Füller aus Grabbelkisten. Manchmal hat sich so ein Exemplar, angekauft für zwei Euro, als kleine Sensation entpuppt, die das Fünzigfache wert war. Auch wer defekte Schreibgeräte besitzt, kommt hierher und lässt diese von den Fachleuten reparieren. Manch verstaubtes Erbstück wird den Händlern  zum Kauf angeboten.

Neben den klassischen Händlern, die auf etablierte Marken wie Montblanc, Pelikan oder Waterman spezialisiert sind, gibt es auch interessante Aussteller, die Einblicke in ihre Arbeit gewähren. So drechselt Norbert Zeplien aus Uetersen indivuell gerfertigte „Schreibgeräte aus aller Welt im Museum der Arbeit in Barmbek“ weiterlesen

Wortspielereien in der Rathauspassage

Von Maren Schönfeld

SchirmständeR
SchirmständeR

Einen neuen Blick auf Gedichte, Zeilen oder einzelne Wörter verspricht die Ausstellung „Wortgrafik&Bilderlyrik“ von Detlev H.G. König und Maren Schönfeld in der Rathauspassage Hamburg, die gestern eröffnet worden ist. Rund zwanzig Gäste ließen sich nach der Begrüßung durch Pastor Uwe Heinrich einladen, diesen neuen Blick auf Gedichte, Zeilen oder einzelne Wörter zu werfen. Gemeinsam mit Wolfgang Schönfeld (Bassgitarre) spielte Detlev König (Gitarre und Gesang) einige Lieder im Folk-Stil. In einer „Umblätterlesung“, in der es kein gesprochenes, sondern nur ein visuelles Wort gab, stellten die Künstler einige ihrer Arbeiten mit Wörtern vor. Detlev H. G. König, Autor von Lyrik und Reisebüchern, bringt seine Fotos und Gedichte zusammen und spielt mit scheinbar etablierten Begriffen: „Wortspielereien in der Rathauspassage“ weiterlesen