Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker

Die Lebensgeschichte des Ernesto Che Guevara

Von Dr. Wolf Tekook

Wenn jemand zweimal in seinem Leben die Biographie desselben Mannes schreibt, so kann man sicher sein, dass der Beschriebene noch im aktuellen Kontext der Geschichte präsent ist, sich in der größeren zeitlichen Distanz des zweiten Buches aber manche Dinge anders darstellen. Frederick Hetmann (1934-2006) hat im Jahre 1972, also in großer Nähe zum Leben des südamerikanischen Kämpfers und zur Zeit der 68er, zum ersten Mal den Versuch einer Würdigung des Argentiniers unternommen, den es nach abgeschlossenem Medizinstudium auf ausgedehnten Reisen bis nach Mexiko verschlug, wo er Fidel Castro kennenlernte und mit ihm die Revolution in Kuba erkämpfte. Dafür hat er den Jugendbuchpreis erhalten.

Der Lebensweg von Che Guevara wird von der Kindheit an skizziert: Wie er von klein auf die Sitten und Gebräuche des argentinischen oberen Bürgertums, dem seine Eltern entstammten, wenig gab und lieber mit den Parias der Straße als mit den wohlgekleideten Sprossen des Establishments spielte; wie das Asthma, an dem er seit Kindheit litt, Trotzreaktionen nach dem Muster „Jetzt erst recht!“ provozierte. In der Studienzeit lebte er dann erstmals seine Reiselust aus, als er auf einem Fahrrad mit Hilfsmotor 4000 km durch Argentinien reiste. „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“ weiterlesen

Vatikan AG – Geldwäsche und politische Einflussnahme

Thesen und Dokumente im Buch von Gianluigi Nuzi

Von Dr. Wolf Tekook

Man fühlt sich beim Lesen des Buches an die jüngste Bankenkrise erinnert: Nicht nur um Millionen, sondern um Milliarden geht es in dieser Chronik der Geschäfte des IOR (Istituto per le Opere di Religione – Institut für die Werke der Religion), wie die Vatikanbank offiziell heißt.
Die Schlüsselfigur für dieses Buch, das in deutscher Übersetzung beim Ecowin- Verlag erschienen ist, trägt den Namen Monsignore Renato Dardozzi. Von 1974 bis in die neunziger Jahre bekleidete er eine leitende Position in der Verwaltung der Kirchfinanzen des Vatikans; kraft dieses Amtes nahm er an geheimen Sitzungen der engsten päpstlichen Mitarbeiter teil. Er war zu lebenslanger Schweigepflicht über alles dort Diskutierte verpflichtet. Doch nach seinem Tod im Jahre 2003 machte er die in 20 Jahren seiner Arbeit im Vatikan gesammelten 4000 Dokumente öffentlich. Sein letzte Wille war: „Diese Dokumente sollen veröffentlicht werden, damit alle erfahren, was hier geschehen ist.“ Er hatte seine Sammlung im Keller eines entlegenen Bauernhofs im Tessin, jenseits der italienischen Staatsgrenzen, sicher gelagert. Gianluigi Nuzzi erhielt die kompletten Dokumente von den Nachlassverwaltern des Monsignore. Auf der Webseite http://www.chiarelettere.it sind sie im Faksimile unter dem Stichwort Vaticano S.p.A. auffindbar. „Vatikan AG – Geldwäsche und politische Einflussnahme“ weiterlesen

Die Bilanzen des Terrors

Buchbesprechung: „Hitlers Volksstaat“ von Götz Aly

Von Dr. Wolf Tekook

Die Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung http://www.bpb.de/publikationen/Y8MYA2,0,0,Publikationen.html
bietet dem geschichtlich interessierten Leser eine Fülle wertvoller und gut recherchierter Informationen quasi zum Nulltarif. Für eine Bereitstellungspauschale von 1 bis 6 € pro Band gibt es geballtes Wissen frei Haus. Stellvertretend wird das Buch Hitlers Voksstaat von Götz Aly, erschienen im Jahre 2005 als Band 487, ISBN 3-89331-607-8, vorgestellt.

Götz Aly: Hitlers Volksstaat ISBN: 3-89331-607-8Öffentliche Diskussionen über den Unrechtsstaat der Nationalsozialisten fokussieren gemeinhin auf die moralische Verwerflichkeit der seinerzeit inszenierten Gräueltaten. Götz Aly geht einen anderen Weg: Er untersucht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Zeit und deren Manipulation durch die Nazis und kommt so zu einer anderen Betrachtungsweise. Seine Kernaussagen: „Hitler erkaufte sich die Zustimmung der Deutschen mit opulenten Versorgungsleistungen, verschonte sie von direkten Kriegssteuer, entschädigte Bombenopfer mit dem Hausrat ermordeter Juden, verwandelte Soldaten in „bewaffnete Butterfahrer“ und ließ den Krieg weitgehend von den Völkern Europas bezahlen. Den Deutschen ging es im Zweiten Weltkrieg besser als je zuvor, sie sahen im nationalen Sozialismus die Lebensform der Zukunft – begründet auf Raub, Rassenkrieg und Mord.“

Ausführlich beschreibt der Autor die ausgeklügelten Finanzmarkttechniken, mit deren Hilfe die besetzten Länder kollektiv ausgeplündert wurden, wobei den Landesbewohnern noch der Eindruck vermittelt wurde, die Deutschen seien fair mit ihnen. Das Werkzeug dazu: Die Reichskreditkassenscheine (RKK- Scheine). Schon vor dem Beginn des Angriffskrieges auf Polen wurden diese Scheine auf Vorrat gedruckt. Beim Vorrücken deutscher Truppen in fremde Länder wurden zunächst sie als Zahlungsmittel eingeführt, später dann durch die jeweilige Landeswährung ersetzt. Die RKK- Scheine sahen wie Papiergeld aus, lauteten auf Reichsmark. Nur waren sie in Deutschland als Zahlungsmittel nicht zugelassen. Das landeseigene Geld konnte (zu einem ungünstigen Wechselkurs) in RKK- Scheine umgetauscht werden. Die deutschen Soldaten bezahlten mit ihnen Waren des besetzten Landes, die sie in großen Mengen zur Versorgung ihrer Angehörigen nach Deutschland schickten. Die Banken der eroberten Staaten mussten  die RKK- Scheine in Landeswährung umtauschen und sie dann an die auf Länderebene errichteten Reichskreditkassen weiterleiten – ohne Gegenwert. „Die Bilanzen des Terrors“ weiterlesen

Klasse statt Masse: Thilo Sarrazin im Gespräch

Kommentar
(Lettre International, 86, Berlin, 2009)
Von Götz Egloff

Eine Projektion ist eine Projektion ist eine Projektion

Die Einlassungen des Berliner Ex-Finanzsenators und Bundesbank-Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin (SPD) in Lettre International Nr. 86 zum Thema des Einflusses ethnischer und sozialer Minderheiten auf die sozioökonomischen Entwicklung der Hauptstadt lassen tief blicken – nur worein? In die Abgründe Berlins? Oder in die Abgründe der psychischen Konstitution von Herrn Sarrazin? Dieser begibt sich verwegen in die uralte Tradition des Minderheiten-Bashings und ignoriert souverän und ganz zeitgeistgemäß jegliche sozialwissenschaftliche Erkenntnisse über sozioökonomische und soziogeographische Zusammenhänge. Da hat wohl einer seinen Topos gefunden.
Die schwerwiegenden Versäumnisse der Ära Schmidt und der Ära Kohl beim Thema Integration werden von ihm nicht herangezogen, stattdessen macht er sich zum Handlanger des Polit-Chauvinismus und liefert eine Steilvorlage für populistische Edelfedern wie Franz-Josef Wagner (BILD-Zeitung, 5.10.2009). So – jetzt hat einer mal gesagt, was Sache ist! Damit bist du ganz weit vorn, Thilo! „Klasse statt Masse: Thilo Sarrazin im Gespräch“ weiterlesen

Das bewegte Leben des Ex-Kommunarden Rainer Langhans hat einige Goslar-Bezüge

Von Volker Holzke
LanghansEs ist schon erstaunlich, wie viel den Ex-Kommunarden Rainer Langhans, der sich übermorgen auf Einladung der GZ in Goslar und im Hochharz im Rahmen der 68er-Serie zu seinem bewegten Leben befragen lässt, mit Goslar verbindet. Oder, besser ausgedrückt, was er mit Goslar verbindet. Erstmals im März auf der Leipziger Buchmesse bei der Vorstellung seiner Biographie „Ich bin´s – die ersten 68 Jahre“ befragt, schiebt er seitdem ein Bruchstück nach dem anderen zu seinen Verbindungen in die Kaiserstadt nach.
„Also, erst einmal wohnt meine jüngere Halbschwester Eva noch in Goslar. Wir telefonieren ab und an miteinander“, lautet der aktuelle Bezug, den Langhans herstellt. Er scheint eine beneidenswerte Ausgeglichenheit verinnerlicht zu haben. Da macht es Laune, ihn zu Dingen zu befragen, zu denen er – einer der Hauptakteure der Studentenrevolte und deshalb jetzt im Jubiläumsjahr sehr häufig in Rundfunk und Fernsehen präsent – wohl bisher auch noch nie gefragt worden ist. Jedenfalls lässt er während der Gespräche eine gewisse Freude über diese Einladung nach Goslar spüren. „Das bewegte Leben des Ex-Kommunarden Rainer Langhans hat einige Goslar-Bezüge“ weiterlesen

Nichts ist klar… vor der Wahl in Hamburg 2008

Randbemerkungen  zum Fernsehduell von Ole von Beust und Michael NaumannNichts ist klar – laut Aussage der Demoskopen eine Woche vor der  Wahl in Hamburg am 24.Februar 2008

Von Johanna Renate Wöhlke

An diesem Abend werden viele scharfe Bilder gemacht, aber nichts ist klar. Ole von Beust und Michael Naumann treten an in „Das Duell“ im Fernsehstudio des Norddeutschen Rundfunks in Hamburg Lokstedt. Die durch den NDR in seinem Papier „Presse aktuell“ an die anwesenden Journalisten verteilte Nachricht lautet: Keine klaren Mehrheiten bei der Hamburg-Wahl. Eine NDR-Umfrage durch Infratest hat das ergeben.

In der Mitte klare und scharfe Bilder wird es an diesem Abend geben, denn die Mitte ist personell doppelt solide besetzt, doppelt bürgerlich, doppelt gebildet, doppelt „beherzt“ für Hamburg mit individuell zu vergebenden Sympathiepunkten. Die werden gesammelt an den ausgefransten Rändern, die es wahrzunehmen gilt. „Nichts ist klar… vor der Wahl in Hamburg 2008“ weiterlesen

Vertrauen ist wichtig, der Mensch zählt

Roland FreudensteinRoland Freudenstein im Gespräch

Von Johanna Renate Wöhlke

„Seit dem 15. September 2008 ist Roland Freudenstein nicht mehr Leiter des Hanse-Office in Brüssel. Er ist nun „Head of Research“ des „Center für European Studies“ in Brüssel.“

Das  etwas andere Portrait

Ein Artikel über Roland Freudenstein könnte so beginnen: Hamburgs Mann in Brüssel heißt Roland Freudenstein: 2004 übernahm der heute 47 Jahre alte Politologe die Leitung des „Hanse-Office“ in Brüssel, die gemeinsame Vertretung der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein bei der Europäischen Union als gleichberechtigter Leiter zusammen mit dem Vertreter Schleswig-Holsteins, jetzt Thorsten Augustin. In dieser Funktion gehört es zu Freudensteins Aufgaben, die Interessen Hamburgs wirksam in Brüssel zu vertreten, das heißt, möglichst frühzeitige und umfassende Informationen über die aktuelle EU-Politik an die Landesregierung zu übermitteln, Standortwerbung zu betreiben und auf kultureller Ebene im Sinne Hamburgs aktiv zu werden. Das bedeutet Netzwerkarbeit, Kommunikation und Kontakte knüpfen. Der Leiter des Hanse-Office macht sich für Hamburg stark in Europa und trägt dadurch gleichzeitig dazu bei, Europa stark in Hamburg zu machen, Zukunft zu entwickeln und nachhaltig gestalten zu helfen. „Vertrauen ist wichtig, der Mensch zählt“ weiterlesen

Wieder zusammen

Von Dr. László Kova
EU- Beitritt von Estland und Ungarn


Prof. Dr. Helmut Greve,                                            Dr.Ulf Lange, Honorarkonsul                                    Honorargeneralkonsul der Republik Ungarn                            der Republik Estland

Ihre Sprachen klingen ähnlich, stellt jeder fest, der einen Ungar und einen Esten sprechen hört. Das ist kein Wunder, denn sie lebten in enger Nachbarschaft miteinander ( auch mit den Finnen) am Wolga-Knie, gehören zu der selben Sprachfamilie. Ihre Wege trennten sich jedoch in der Geschichte (ca. um 8. Jahrhundert v.u.Z.): Die Esten wanderten nach Norden, die Ungarn nach Südwesten. „Wieder zusammen“ weiterlesen

Zu Gast bei …

Von Manuel Ruoff

Fünf Mitglieder der Auswärtigen Presse haben die Ihnen von der Hamburger Journalistenvereinigung gebotene Möglichkeit genutzt, am 27. und 28. April als Gast des Hamburger FDP-Abgeordneten Burckhardt Müller-Sönksen an einer Gruppenreise in die Bundeshauptstadt teilzunehmen. Die Reise, an der insgesamt rund 40 Personen teilnahmen, hatte ein strammes Programm und war – wie bei solchen Veranstaltungen üblich – vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung routiniert und professionell durchorganisiert.
Die Betreuung setzte bereits am Hamburger Bahnhof Dammtor ein, denn eine Mitarbeiterin des Abgeordneten begleitete die Gruppe vom Anfang bis zum Schluß. In Berlin kam als zusätzliche Betreuerin vor Ort eine Mitarbeiterin des Bundespresseamtes hinzu.
Hervorzuheben aus der Gruppe sind drei Damen, die mit ihrem Lebensalter den Durchschnitt beträchtlich senkten. Es handelte sich um die kleine Tochter Müller-Sönksens, die mit zwei Schulkameradinnen den sogenannten Girls’ Day nutzte, um dem Vater über die Schulter zu schauen und wenigstens am ersten Teil des Besuchsprogramms teilzunehmen.
 Thomas-Dehler-HausVom Bahnhof Zoo, dem Ankunftsbahnhof in Berlin, ging es direkt mit dem der Gruppe die zwei Tage über zur Verfügung stehenden Doppeldecker zum Thomas-Dehler-Haus, einem unweit des Bundestages in einer Häuserreihe der Reinhardtstraße integrierten Altbau, der neben diversen parteieigenen Unternehmen vor allem die Bundeszentrale der FDP beherbergt. Wer die Parteizentrale der CDU oder SPD kennt, mag überrascht gewesen sein, wie vergleichsweise klein die FDP-Zentrale ist.
Durch verwinkelte, schmale Gänge ging es in einen kleinen Vortragsraum, wo ein Referent die Geschichte des Altbaus, die wichtigsten Funktionen des Namensgebers Thomas Dehler sowie last but not least die Gliederung und den organisatorischen Aufbau der Bundesgeschäftsstelle, der Spitzengremien und der Mitgliedschaft der Partei vorstellte. „Zu Gast bei …“ weiterlesen

Wachstumsmotor Automobilindustrie Ostdeutschland

Von Renato Diekmann

Die Anfänge der ostdeutschen Automobilindustrie gehen auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. In den für damalige Verhältnisse bereits hoch entwickelten Industrieregionen im Raum Berlin, Sachsen und Thüringen finden sich die Ursprünge der ostdeutschen Automobilproduktion und der damit verbundenen Zulieferindustrie. Bereits die Automobilbauer Horch, Audi, DKW und Wanderer schlossen sich 1932 zur „Auto-Union AG“ mit Sitz in Sachen zusammen. Hier wurde der erste frontgetriebene PKW der Welt produziert und kann als ein herausragendes Beispiel für die Innovations- und Leistungsfähigkeit der ostdeutschen Automobilindustrie vor dem Zweiten Weltkrieg angesehen werden. „Wachstumsmotor Automobilindustrie Ostdeutschland“ weiterlesen