“National Anthems” – das neue Stück im English Theatre of Hamburg

Von Uta Buhr

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Hofhalten mit Ben

Ohrenbetäubende Musik erfüllt das  Haus der Reeds in einem angesagten Vorstadtviertel Detroits im Bundesstaat Michigan. Arthur und Leslie, ein typisches Ehepaar der amerikanischen Mittelklasse, hat gerade in seinem schicken Ambiente Hof gehalten. Während Leslie die Gläser abräumt und dabei mit „Knopf im Ohr“ japanische Vokabeln lernt, sitzt Arthur im Sessel und ruft  die aktuellen Börsenkurse von seinem iPhone ab. Die Botschaft ist eindeutig:  Diese beiden haben es geschafft und genießen ihr Leben nach dem Credo sozialer Aufsteiger, die gern mit Haus, Auto, Yacht und Pool bei ihren Mitmenschen Eindruck schinden. „“National Anthems” – das neue Stück im English Theatre of Hamburg“ weiterlesen

Welche Droge passt zu mir?

Von Michael Buschow

Bunte Pillen – weißes Pulver. Eine Endlösung.

Ines Nieri
Ines Nieri

Zugegebenermaßen haben viele Menschen wie ich selbst auch ein Problem mit „Ein-Personen-Stücken“ auf dramaturgisch bedingt ausstattungslosen Bühnen. Endlose Monologe des/der Vortragenden denen man als Zuhörer kaum folgen kann, mühsam höfliche Aufmerksamkeit vorspielt und im schlimmsten Falle hin und wieder auf die Uhr schielt.

Bei Kai Hensels Stück  „Welche Droge passt zu mir“ im Monsun Theater Hamburg erlebte man unter der Regie von Hans-Peter Kurr allerdings eine junge Schauspielerin, die der Aufmerksamkeit des Publikums von der ersten bis zur letzten Minute sicher sein konnte.

Ines Nieri schaffte es tatsächlich, durchgängig und ganz alleine die Reihen zu begeistern – nein – zu bewegen!

Der Stoff des Schauspiels besteht aus der eigentlich simplen Geschichte der jungen Mutter Hanna, die mit fürsorglichem Ehemann und flötenbegabtem Söhnchen in einem hübschen anbezahlten Jugendstilhäuschen ein kleines bürgerliches Leben führt. „Welche Droge passt zu mir?“ weiterlesen

Umjubelte Molière Premiere „Schule der Frauen“

Von Hans-Peter Kurr

Deutsches Schauspielhaus Hamburg:  Schule der Frauen

Jetzt können wir endlich nachvollziehen, was Ludwig XIV.  – nachdem er eine Vorstellung der Molière-Wanderbühne gesehen hatte, die jener gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Madeleine leitete – veranlasst haben mag, den Dichter und Darsteller Jean-Baptise Poquelin, genannt Molière, zum „Unterhaltungschef“ an den sonnenköniglichen Hof von Versailles zu engagieren und in den Folgejahren seiner Regierungszeit hohe Louisd’or-Beträge für Inszenierungen des Meisters seiner eigenen Stücke auszugeben:

Zu verdanken haben wir diese Möglichkeit der Imagination der vermutlich ähnlichen Inszenierung der Komödie „Schule der Frauen“ durch Herbert Fritsch, die jetzt am Deutschen Schauspielhaus eine umjubelte Premiere feierte. Das Spiel des hochqualifizierten Karin-Beier-Ensembles in malerisch stimmungsvoller und hervorragend beleuchteter Kulisse ist ebenso ein federleichtes Theatervergnügen wie ein exemplarisches Beispiel hoher Schauspielkunst. „Umjubelte Molière Premiere „Schule der Frauen““ weiterlesen

„DIE ZOFEN“ von Jean Genet

Von Michael Buschow

Premiere  eines anspruchsvollen Stückes im Hamburger Sprechwerk

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Die Zofen

Nein, ein Krimi ist es keinesfalls und auch kein locker unterhaltsames Drei-Personen-Zimmertheater.

Ganz im Gegenteil!

Zwar stützt sich die Handlung im Kern auf einen sich tatsächlich so ähnlich ereigneten Mordfall im Frankreich der dreissiger Jahre – aber das war es dann auch schon mit den annähernden Gemeinsamkeiten.

Der Autor Jean Genet (1910-1986) selbst, einerseits Krimineller andererseits introvertierter Künstler und befreundet mit Sartre, Picasso und Cocteau hat seinerzeit  mit „DIE ZOFEN“ ein krudes Spiel über Liebe, Hass und Klassengesellschaft entworfen, das Gabriele Weng nun in Hamburg inszeniert hat.

Die an Sadomasochismus grenzenden und immer wiederkehrenden devotistischen Rollenspielchen der Schwestern/ Zofen Claire (Doris Maria Kaiser) „„DIE ZOFEN“ von Jean Genet“ weiterlesen

Sagt Nein!

Von Michael Buschow

Ewig aktuelle Geschichten über menschliche Beziehungen bis hin zu Lüge, Gewalt, Krieg und Emigration

Sag Nein!
Sag Nein!

Ein NEIN zur Gewalt welcher Art auch immer – am Monsun Theater Hamburg, von Hans-Peter Kurr.

Querbeet durch die Äonen inszenierte Kurr eine Folge von Momentaufnahmen des Lebens mit dem Ergebnis, daß sich in den menschlichen Beziehungen nichts, aber auch gar nichts geändert hat. Die zwischenmenschlichen Probleme sind die alten geblieben, ob vor zweitausend Jahren, vor siebzig oder eben heutzutage.

Herausragend in „Der Abschied“ in dem Luise K. Herzberg von Rauch die jüdische Ehefrau des arischen Arztes Fritz (Ulrich Allroggen) in Deutschlands dunkler Zeit spielt, die sich telefonisch in dem Wissen, nie wieder zurück zu kehren, von ihren Freunden verabschiedet. Aber schließlich auch persönlich von ihrem Mann, der sich nur in verbale Plattitüden flüchtet ohne wirklich zu seiner Frau zu stehen. Ihre Darstellung der Judith von Hebron ist beeindruckend und geht ans Rückenmark. „Sagt Nein!“ weiterlesen

Yang Guifei – Umwerfende Premiere in Hamburg

Von Hans-Peter Kurr

Die Konkubine des Kaisers, umwerfende Premiere in der Hochschule für Musik und Theater

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Exorbitanter Erfolg auf der Bühne der ‚Hochschule für Musik und Theater’  mit der Uraufführung  der Yijie-Wang-Oper „Yang Guifei“ (Libretto: Sören Ingwersen)  als Abschieds-Regie-Arbeit des renommierten Opernregisseurs Dominik Neuner, der bisher angehende Musiktheaterregisseure der Theaterakademie Hamburg ausbildete und dem mit dieser Urauffürung ein phantastischer Abschluß seiner pädagogischen Arbeit an der Elbe gelang. „Yang Guifei – Umwerfende Premiere in Hamburg“ weiterlesen

Premiere im English Theatre Hamburg: „Mass Appeal“ ( Der Priestermacher)

Von Uta Buhr

„Mass Appeal“ (deutscher Titel „Der Priestermacher“):  In diesem  Stück am English Theatre of Hamburg überprüft der amerikanische Autor Bill C. Davis den Willen zum Wandel innerhalb der katholischen Kirche

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Zwei, die sich verstehen

 Es ist bestimmt kein Zufall, dass die Bühne an der Mundsburg die Saison mit einem Stück eröffnet, das bereits 1981  am Broadway Furore machte. Denn die Thematik von „Mass Appeal“ ist brandaktuell. Zwar geht es in Bill C. Davis’ liebevoll satirisch angelegtem Spiel nicht um den Missbrauch Jugendlicher durch Mitglieder der römisch-katholischen Kirche, sondern um ihr Verharren auf uralten Ritualen und die damit verbundene Unfähigkeit, neue Wege einzuschlagen. Durch die erst kürzlich erfolgte Papstwahl hat dieses faszinierende Bühnenwerk noch an Aktualität hinzu gewonnen.

Die Handlung ist schnell erzählt. Pfarrer Tim Farley, ein trinkfester und dem guten Leben zugetaner Priester irischer Herkunft, der  als eine Art Manager Christi fungiert und sich in seiner Pfarrei St. Francis bequem eingerichtet hat, sieht sich eines Tages dem  Priesterkandidaten Mark Dolson gegenüber. Dieser bringt ihn mit bohrenden Fragen völlig aus der Fassung.  Wieso, fragt der junge Heißsporn, lehnt die Kurie vehement die Ordination von Frauen ab? „Waren es nicht „Premiere im English Theatre Hamburg: „Mass Appeal“ ( Der Priestermacher)“ weiterlesen

„Mass Appeal“ – The Play by Bill C. Davis premieres at the English Theatre of Hamburg

By Uta Buhr

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Have a try, boy

The plot: Father Tim Farley, an elderly Roman-Catholic priest of Irish descend, is flabbergasted when he meets young head-strong seminary student Mark Dolson who insists on challenging certain rites and traditions of the Church. Accustomed to a good easy-going life, nice parishioners who follow him like sheep and spoil him with gifts such as bottles of good wine and other highly enjoyable things, he does not know what to answer when Mark questions his views on subjects as celibacy and whether women and gay men should be allowed to serve the Roman-Catholic Church as priests. “Weren’t it women who followed Jesus on his bitter way to Golgatha”, says Mark. Not to name Saint Veronica who wiped the face of Christ with her veil. As Mark’s speech goes on, Father Farley becomes extremely helpless and takes resort to a large glass of excellent white wine to calm down. What on earth does this young rebel want, the more so as he apparently is the son of affluent parents? Had he not better choose another job than „„Mass Appeal“ – The Play by Bill C. Davis premieres at the English Theatre of Hamburg“ weiterlesen

Kathrin Angerer: 20 Jahre auf der Volksbühne

von Götz Egloff

Jubiläum für Kathrin Angerer: 20 Jahre auf der Volksbühne

Kathrin Angerer
Kathrin Angerer

 „Endstation Amerika“, „Dämonen“, „Erniedrigte und Beleidigte“, „Der Meister und Margarita“, „Lehrstück“, „Nach Moskau!“, „Der Spieler“: legendäre Castorf-Inszenierungen, denen Kathrin Angerer ihr unverwechselbares Schauspiel verliehen hat. Mit Meese, Gotscheff und Bondy hat sie gearbeitet; vor allem aber hat Kathrin Angerer Stil und Erscheinung der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin maßgeblich mitgeprägt.

Mit der Spielzeit 1993/94 begann ihr Weg durch manche Trümmer des Schauspiel-Kanons und deren Transformation in hochaktuelle Meilensteine gesellschaftskritischer Kunst durch Frank Castorf. Der Zeit voraus, oft in greller Ästhetik, doch ohne leise Töne zu vernachlässigen. Zur Jahrtausendwende, einer Zeit, als Hartz IV-Empfänger noch Arbeitslose genannt wurden, entstanden Abende, die die Zustände gesellschaftlicher Prekarisierung vorwegnahmen und immer zwischen Terror und Wahn, Alltag und Armut oszillierten. Post-9/11 in Höchstform, durften „Kathrin Angerer: 20 Jahre auf der Volksbühne“ weiterlesen

„Relatively Speaking“ – The New Play At English Theatre of Hamburg

By Uta Buhr

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Do you want to marry me?

It is a great pleasure to see Alan Ayckbourn’s comedy “Relatively Speaking” again on the Mundsburg stage after a period of nearly fifteen years! As a matter of fact, the public loves this wonderful comedy best of all plays written by Britain’s most prolific playwright. What is its secret? In this play Ayckbourn reveals our human weakness when it comes to telling the truth in awkward situations. Be frank, dear reader, didn’t you ever tell your husband, wife, relatives or friends little white lies whenever you could avoid arguments? These lies – or shall we call them excuses – don’t hurt anybody. In our opinion it is more than justified to make use of them in the best possible way whenever harmony in relationships is at stake. „„Relatively Speaking“ – The New Play At English Theatre of Hamburg“ weiterlesen