Ein Herz für Kalorien!

Von Johanna Renate Wöhlke

Eigentlich wollte ich nicht darüber schreiben, aber da alle darüber reden, ist es ein unumgängliches Thema in dieser Zeit, an dem man nicht vorbei kommt: Kalorien! Ewig und immer dieses Gerede um Kalorien. Warum ist die Kalorie so wichtig im menschlichen Leben des Jahres 2009? Erwarten Sie auf so schwierige Fragen keine leichte Antwort. Leicht auch schon aus dem Grund nicht, weil ja zu viele Kalorien den Menschen schwer machen sollen, da kann es also keine leichte Antwort geben. Aber halten wir fest: Die Kalorie als solche muss schwer sein, wenn sie den Menschen schwer macht! Soviel scheint sicher. Werden wir mit diesen Überlegungen dem Thema gerecht? Leider können wir die Kalorien nicht befragen. Sie entziehen sich beharrlich einem Interview, indem sie sich in den Nahrungsmitteln verstecken – in dieser Zeit besonders in Marzipan, Haselnussschokolade, Butterplätzchen, Enten – und Gänsebraten mit knusprig braun gebratener Haut und köstlichen Saucen, Sekt, Wein, Champagner und süßem Zimtlikör. Es scheint also eine kalorienfreundliche Zeit zu sein, in der wir gerade leben, und ganz, ganz ehrlich gesagt: Zu Weihnachten sollte der Mensch doch nun wirklich freundlich sein, Toleranz und Herzlichkeit üben. Da soll man doch die armen Kalorien nicht verscheuchen. Draußen ist es kalt. Es stürmt und zieht. Wer bringt das über sein Herz? Sie etwa? Ich bin mir sicher, gerade Sie bringen das nicht über`s Herz. Da wäre doch mit den verscheuchten Kalorien die ganze weihnachtliche Botschaft auf einmal draußen vor der Tür gelandet. Nein, das darf nicht sein! Gerade neulich habe ich jemanden so richtig schön sagen hören. „Gestern hab ich diesen tollen Gänsebraten gegessen und nun sitzen alle Kalorien auf meinen Hüften!“ Sehen Sie, so soll es sein, das ist weihnachtliches Denken. Dieser Mensch hat begriffen worum es geht. Geben wir den Kalorien ein warmes Zuhause…an  Ostern ziehen sie dann sowieso von selbst wieder in das Salatbeet um…

Anständige Geschenke?

Von Johanna Renate Wöhlke

Früher da haben sich die Menschen noch anständige Geschenke gemacht. Gut, es kam auch schon einmal vor, dass beim Julklapp eine Baumwollunterhose im Paket war. Aber das war dann nur ein Ausrutscher einer stillosen Person. Ansonsten konnte man sich über Geschenke nie beklagen. Wie schön war es doch für den Opa immer wieder, wenn er zum Geburtstag Socken, Oberhemd und Strümpfe bekam. Diese jährliche Überraschung, wie kam sie doch immer wieder gut an. Er revanchierte sich dann mit einem neuen Staubsauger, und die Welt war in Ordnung. Keine seelischen Ungleichgewichte durch Geschenke. Aber heute! Da ist man sich doch bei Feierlichkeiten nie sicher, ob man die Geschenke wirklich mit Freude auspacken soll! Es könnte zum Beispiel ein Stripteasetänzer aus der Torte hüpfen und seine Hüften schwingen. Neuerdings werden von jungen Leuten gerne und oft Gipsabdrücke von eigenen Körperteilen verschenkt – welch eine Verrohung der Kultur! Hinterteile und Busen im Geschenkkarton, und was noch so alles einzugipsen wäre. Mit Gips kann man das machen, aber mit uns anständigen Sockenschenkern natürlich nie und nimmer!

Die Wonnen des Alters… im „BSE Zeitalter“

Von Johanna Renate Wöhlke

Es ist an der Zeit, etwas über die Wonnen des Alters im BSE Zeitalter zu schreiben. Denn nicht alles, was den Anstrich des Negativen erhält, ist es bei näherem Hinsehen wirklich. Lassen wir also den Jugendlichkeitswahn bei Seite und widmen wir uns dem Leben, wie es zur Zeit wirklich ist. Wenn in vielen Jahren die Experimente forschender Ärzte so weit gediehen sein werden, dass gesunde menschliche Köpfe von ihren kranken Rümpfen getrennt werden, um sie auf gesunde Rümpfe zu transplantieren, werden wir sowieso in ein Zeitalter eingetreten sein, in dem Leben neu definiert werden muss. Sich alles das vorzustellen überlassen wir den kreativen Science Fiction Schreibern und Ärzten. Bleiben wir also mit beiden Beinen in der überschaubaren Realität und Vergangenheit: Die Wonnen des Alters bestehen doch heute darin, überhaupt erst einmal so alt geworden und nicht durch Pest, Cholera, Syphilis, Wundstarrkrampf, Tuberkulose und Kriege früh gestorben oder durch Unfälle der technischen Zivilisation um das Leben gekommen zu sein. Im BSE Zeitalter aber ist das Alter ein besonders toller Komplize in Sachen Lebensgenuss! Kein älterer Mensch muss sich durch diese läppische Rinderseuche im Genuss von Rindfleisch bedroht fühlen, denn ehe die Krankheit ausgebrochen ist, ist er sowieso schon längst tot! Sogar ich hätte in diesem Fall bis zum Ausbruch der Krankheit nach etwa dreißig Jahren noch eine tadellose Lebenserwartung von 80 Jahren. Das ist mehr als doppelt so viel wie meine Geschlechtsgenossinnen im Mittelalter. Wen dieses Beispiel nicht überzeugt, dem ist nicht zu helfen. Denn die Wonnen des Alters im BSE Zeitalter liegen damit klar auf der Hand. Fürchten wir es also nicht. Wir sind fein raus. Sollen die Jungen doch „enthaltsam“ leben. Wir gehen gelassen in die Zukunft. Was sie uns bringen wird, steht sowieso in den Sternen..

Der Countdown läuft!

Von Johanna Renate Wöhlke
Die Leute von der NASA zählen von der Zehn herunter bis zur Null, dann startet die Rakete. Wir alle starten im Leben immer wieder durch, ohne dass jemand dabei einen Countdown zählt. Ist ja auch eigentlich nicht erforderlich, denn der Lebensweg ist keine Aschenbahn im Sportstadion, wo es nun wirklich auf die allerletzte Hunderstelsekunde ankommt und wohl kaum jemand unter uns wird zu Lebzeiten zu den Sternen geschossen werden. Trotzdem, manchmal da gibt es so etwas wie magische Zahlen, die uns begleiten. So eine begegnete mir neulich. Las ich doch in der Zeitung, dass immer mehr Ehen nach der Silberhochzeit geschieden werden. Da beginnt also mit dem Hochzeitstag der Countdown in umgekehrter Richtung von unten nach oben, und wenn Ehepaare bei 25 angekommen sind, entscheidet es sich: Liebeshimmel für Fortgeschrittene oder versilberter Liebestod für grauhaarige Individualisten und Enttäuschte. Gut, der Mensch kann sich täuschen und irren, viel ertragen und viel verdrängen – aber 25 Jahre lang? Andererseits, was weiß ich, was das Leben so alles mit uns macht und bin am Ende vielleicht selbst in der Situation? Da muss vorgebeugt werden. Mein Countdown ist in knapp vier Jahren abgelaufen. Ich werde schön mein chinesisches Küchenbeil schärfen und dann meinem Mann diesen Text vor die Nase halten. Hoffentlich ist er so aufmerksam und versteht diese kleine, harmlose Andeutung richtig!

Der innere Schweinehund

Von Johanna Renate Wöhlke
So sind wir Menschen: Wir wünschen uns das Unmögliche und wenn wir es nicht bekommen können, schreiben wir ganz einfach eine Geschichte darüber. So ist es zum Beispiel auch mit der Eier legenden Wollmilchsau. Dieses Tier wird es nie geben. Es soll aber doch tolle Tiere geben, deren Existenz zwar auf der Wiese und im Stall nicht nachzuweisen ist, die aber doch da sind. Ich schwöre! Ich schwöre bei meinem weichen, kuscheligen Federbett, dass es ihn gibt: den inneren Schweinehund! Er drängt sich immer dann unaufhaltsam in unser Leben, wenn wir ihn gar nicht gebrauchen können. Zum Beispiel morgens beim Aufstehen im November und Dezember. Das sind sowieso die besten Monate für den inneren Schweinehund. Da macht er uns so richtig zu schaffen. Draußen noch dunkel, auch wenn es schon halb acht Uhr morgens ist – da hat er leichtes Spiel mit uns. “Bleib doch noch ein bisschen liegen“, säuselt er uns ins Ohr. So überzeugend argumentiert sonst keiner auf der Welt. Dann zieht er uns die Bettdecke über den Körper bis an die Ohren und erzählt uns das Märchen vom gemütlichen Noch-einmal-umdrehen. Er denkt auch gar nicht daran, uns zu verlassen, wenn wir aufgestanden sind und schon mit der Zahnbürste im Mund vor dem Spiegel stehen. Im Gegenteil! Da wird er erst recht aktiv, dirigiert uns zum Fenster, um in den trüben und verregneten Tag zu schauen und wartet auf seinen Triumpf, denn er weiß: Wir sind alle sehr tierlieb und gehen gerne mit ihm ins Bett…

Rätsel über Rätsel

Von Johanna Renate Wöhlke
Wie ist es doch immer wieder schön, wenn Menschen an uns denken, besonders auch dann, wenn wir gar nicht damit rechnen, dass sie an uns denken. Diese Freude ist mir gestern wieder einmal zuteil geworden. Sie kam mit der Post in einem weißen Briefumschlag, plötzlich und unerwartet. Da hatte ich doch, ohne es zu wissen, im Sommer an einem Rätsel teilgenommen. Mein liebes Gehirn, warum haben du und dein Gedächtniszentrum mich nur so im Stich gelassen? Ich habe das Lösungswort “Sommer” eingeschickt und nun habe ich doch tatsächlich 3000 Euro gewonnen. Die sollen mir jetzt ausgezahlt werden. Nein, die Euros sollen mir feierlich in einer Gewinnershow mit einem Glas Sekt und einem Blumenstrauß übergeben werden. Ich muss nur den Auszahlungsbeleg mitbringen und darf mir mit meiner Unterschrift auf diesem Beleg noch selbst bestätigen, dass ich den Gewinn wirklich bekommen habe. Auch meine Freunde darf ich mitbringen und auch meinen Mann, dann bekomme ich noch einen Elektrogrill extra. Das sind schlechte Aussichten für meinen armen Mann: eine gedächtnisgestörte Frau und die Gewissheit, selbst nur soviel Wert zu sein wie ein 2000 Watt Elektrogrill – wer wollte wem da welche Freude machen? Rätsel über Rätsel!

Weisheiten

Von Johanna Renate Wöhlke

In alten orientalischen Märchen werden kluge, alte Männer oder sehr mächtige Männer oft  mit “Oh, du weiser aller Weisesten” angesprochen, indem man sich vor ihnen auf die Knie wirft. Das hört sich wirklich sehr gut an. Da möchte man doch gerne einmal auch so angesprochen werden und wünscht sich in so ein Märchen hinein. Denn wenn der Weiseste aller Weisen spricht, haben die anderen zu schweigen und zuzuhören. Es muss das wunderbarste Baden in Bewunderung und Verehrung sein, das einem dann zuteil werden könnte. So weit ist diese orientalische Welt von unserer aber gar nicht entfernt: Die drei Weisen aus dem Morgenland sind gerade wieder abgezogen, das wissen wir. Jetzt sind unsere abendländischen Weisen täglich im Fernsehen. Die haben richtige, handfeste Namen, Gesichter und Titel. Sie stehen mit Rat und Tat allen Menschen zu Seite, die ihren Rat suchen. Besonders bekannt sind die Wirtschaftsweisen. Für sie ist jetzt Hochkonjunktur. Aber warum klappt es dann nicht mit dem durchschlagenden Erfolg? Vermutlich weil sich in unserer Gesellschaft keiner mehr vor einem Weisen auf die Knie wirft – und wenn ich als Weiser nicht gebührend verehrt werde, dann behalte ich doch auch meine besten Ratschläge für mich!

Wo ist das Paradies?

Von Johanna Renate Wöhlke

Die Menschen sind unterschiedlich. Der eine fährt im Urlaub in die Tropen, der andere mit dem Schiff im Winter an den Polarkreis. Aber etwas ist dabei allen gemeinsam: Sie suchen das Paradies-Erlebnis, einen Ort auf der Welt, der Unvergessliches, noch nie Erlebtes verspricht. Ich dagegen bleibe auch gerne Zuhause. Warum? Die Erklärung ist einfach geliefert: In Japan, Kalifornien, im nahen Osten und noch an vielen Stellen mehr bebt die Erde. Irgendwo auf der Welt gehen immer irgendwelche Schlammlawinen oder Schneelawinen runter. In Baden-Baden müssen die Menschen gerade im Überschwemmungswasser “baden“. Anderswo schöpfen sie ihre Keller frei und entsorgen Schlammberge. Ja, liebe Leute, da lobe ich mir doch meine Neugrabener Ruhe und Zufriedenheit und diese wunderbare Abwesenheit echter Katastrophen! Auch wenige Meter über dem Meeresspiegel funkeln die nächtlichen Sterne und zwitschern die Vögel. Rotwein und Käse schmecken auch vor dem Kamin und auf der Terrasse. Meine Bücher in greifbarer Nähe. Ein Glas Wasser, eine Dusche und ein Klo immer verfügbar- welch ein Luxus! Meinen Schatz bei mir, meine Freunde in der Nähe. Sie halten das für langweilig? Aber nein: Das ist das Paradies!