Ssählawih oder C’est la vie? Gelungene Kurt-Tucholsky-Revue

Von Hans – Peter Kurr

Im Geburtsdatum trennen sie 22 Jahre, die „eiserne Schnauze“ Kurt Tucholsky, der nur 45 Jahre auf unserem Planeten verbrachte und das eiserne Hamburger Theaterschiff, das heute noch lebt….

Und das kam so (,……wie es in manchen Geschichten heißt)

Nach dem Zusammenbruch des „Großdeutschen Reiches“, das eintausend Jahre überleben sollte, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, nach dem Verlust aller Kunst in deutschen Landen, nach den schrecklichen, lebenvernichtenden „Ssählawih oder C’est la vie? Gelungene Kurt-Tucholsky-Revue“ weiterlesen

Domenica: Das Fotobuch

Domenica: Das Fotobuch.

Domenica Niehoff (1945 – 2009), Deutschlands bekannteste Hure, war eine Frau, die ihre Energien verschleuderte, sie hatte ein weites Herz für Viele, und das nicht nur für Männer. »Ich hatte alles. Alle Schichten. Sie waren winselnd, bettelnd, fordernd, gemein.

Brav, lieb, reich, arm, jung, alt«, sagte sie 2008. Prominente wie die Thurn und Taxis ließen sich gern mit ihr fotografieren, die Popgruppe Trio präsentierte ihr Dekolleté auf einem Plattencover – unter dem Titel »Bum Bum«, bei entwürdigenden Promi- und Medienevents wurde sie verheizt.

Ende der 80er Jahre begann sie, sich als Streetworkerin für junge drogenabhängige Prostituierte zu engagieren, bis an die Grenzen ihrer Kräfte. Sie selbst stieg aus dem Milieu „Domenica: Das Fotobuch“ weiterlesen

Korczak und die Kinder Jugendtheater in Hamburg

 Von Günther Falbe                        Fotos von Tobias Gloger

Es gehört zu den meistgespielten deutschen Nachkriegsstücken, das Schauspiel „Korczak und die Kinder“ von Erwin Sylvanus, das eines der schlimmsten Verbrechen des Naziregimes, den Tod von 200 jüdischen Waisenkindern aus dem Warschauer Ghetto in den Gaskammern des Vernichtungslagers Treblinka behandelt. Mit ihnen starb der Mann, der sie bis zum letzten Atemzug beschützt hatte, der polnische Arzt, Schriftsteller und Pädagoge mit Leib und Seele, Janusz Korczak.

Die Auseinandersetzung

Unter diesem Autorennamen schrieb sich der als Henryk Goldszmit in Warschau geborene Sohn einer jüdischen Anwaltsfamilie in die polnische Literatur des frühen 20.Jahrhunderts ein, weniger ein Pseudonym als ein Synonym für eine tiefe Liebe zu den hilfslosesten in der menschlichen Gemeinschaft, den Waisenkindern. Mit seinem Namen wird immer der singende Zug der Kinder aus dem Waisenhaus Dom Sierot in Warschau, das der Kinderarzt jahrzehntelang geleitet hatte, in das Lager Treblinka verbunden bleiben. Dieses Kapitel des Holokaust erschüttert die Menschen, wo und wie sie sich mit ihm auseinandersetzen.

 

So wie zur Zeit in Hamburg, wo das „TheaterSehnSucht“ das Schauspiel von Erwin Sylvanus in sein Programm aufgenommen hat,

Die Nachricht

das vor allem junge Zuschauer bewegen soll, Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Geschichte in die Gegenwart zu transferieren und sie mit den gravierenden Problemen unserer Zeit zu verbinden. Ein Jugendtheater, das das junge Publikum nicht nur als Zuschauer sieht sondern es mit einbindet in das Thema des Stückes und seine Interpretation mit anschließender Diskussion oder Workshop.

 

Dass diesem Schauspiel Erwin Sylvanus, das den Autor berühmt gemacht hat, in Hamburg eine besondere Bedeutung zukommt, liegt an der bedrückenden Duplizität der authentischen Vorlage: Auch in Hamburg kamen jüdische Kinder ums Leben, die Schule am Bullenhausener Damm trägt deshalb heute den Namen von Janusz Korczak. So bekommt das Stück eine bewegende Nähe, die bei der Erstaufführung in der Jugendkirche, Bei der Flottbeker Mühle, schon zu spüren war. Nicht nur bei den älteren Zuschauern – der „Erlebnisgeneration“ – sondern auch oder gerade bei den Jugendlichen, der eigentlichen Zielgruppe dieses Jugendtheaters. Was dieses Stück ihnen verdeutlichen will und soll, ist Eigenverantwortung, die in die Gesellschaft einzubringen ist, um überhaupt als solche bestehen zu können.

Ist Das zu verantworten

Keine leichte Aufgabe für die Protagonisten, denn es wurde die Form des Sprechtheaters gewählt, weil man mit diesem Stück auch kleine Räume bespielen will wie Klassenzimmer, um so nahe wie möglich an das junge Publikum heran zu kommen und es mit einbeziehen zu können. So muss vor allem die Sprache die Handlung tragen, die im Warschauer Ghetto spielt, in dem Waisenhaus, das Janusz Korczak leitet, und das nun geräumt werden soll, weil die Kinder nach Treblinka gebracht werden sollen. Zwischen dem SS-Führer mit dem Räumungsbefehl und dem Arzt beginnt ein in emotional geführten Dialogen ausgetragener Kampf um die Vollziehung dieses – wie Korczak weiß – tödlichen Vorhabens. Der Arzt will die vier Schwestern retten, sie von der Begleitung befreien. Er selber will die Kinder in das Lager führen, alle Versuche zu seiner Rettung, die an ihn herangetragen werden, lehnt er ab.

 

Das Jugendtheater hat bei der Besetzung des fünf Personen-Stückes eine glückliche Hand gehabt. Ohne aufwendige Ausstattung, vor nur mit wenigen Symbolen versehener Bühne erfüllen die Schauspieler allein mit ihrer Präsenz die Aufgabe, die der Autor mit seiner großartigen Sprache vorgegeben hat – kein Wunder, dass Erwin Sylvanus mit diesem Stück Weltruhm erlangte. Bewusst hat man verzichtet, Kinder auf die Bühne zu bringen. Sie sind gegenwärtig in den beiden Frauengestalten, denen Kerstin Otto und Katharina Herzberg von Rauch Leben gibt.

Zwiesprache

Gösta Liptow bringt als Sprecher die verbindenden Elemente in die Handlung ein, die in ihren entscheidenden Elementen von Thomas Fischer als Offizier und Hans-Peter Kurr als Korczak getragen wird und die ihren Höhepunkt in einem bewegenden Monolog findet, in dem Hans-Peter Kurr alle Register seines Könnens zieht. Der Arzt ringt dem Befehlenden das Leben der vier Schwestern des Waisenhauses ab und tritt dann der Weg in das Dunkel an, aus dem es keine Wiederkehr gibt. Kurr i s t Korczak in Mimik und Sprache, mit der er fast den Raum zu sprengen droht und die Zuschauer, gleich welchen Alters, in seinen Bann zwingt. Großes Sprechtheater unter der Regie von Fred Buchalski, musikalisch begleitet mit eigenen Kompositionen von Kinga Heymann.

Das Ensemble

Es ist zu wünschen, dass „Korczak und die Kinder“ als erstes Stück des dreiteiligen Theaterprogramms, das dieses von der Hamburger Kulturbehörde geförderte Jugendtheater vorlegt, in vielen Schulen und Institutionen zur Aufführung kommt. ( TheaterSehnSucht, Seewartenstraße 10 in 20459 Hamburg, Tel: 040 / 52015701, Mail: jugend@theatersehnsucht.de )

 

Fotos: Tobias Gloger

Suche nach dem Gold der Templer

Erschienen am 23. Juli in der   Preussischen  Allgemeinen  Zeitung

von Günther Falbe

Handlung der Störtebeker-Festspiele nach Schottland verlegt − Schauspiel vor faszinierender Kulisse

Irgendwo soll er liegen, der legendäre Schatz der Templer. Wo hat man ihn nicht schon vermutet, sogar in Schottland, und dass dies durchaus möglich ist, wollen die diesjährigen Störtebeker-Festspiele auf der Insel Rügen beweisen Der berühmt-berüchtigte Freibeuter der nordischen Meere, Klaus Störtebeker, ist ihm auf der Spur, samt seinen Vitalienbrüdern, und dass es dabei zum Hauen und Stechen kommt, gehört nun einmal zu dem rauen Spiel auf der Ralswieker Naturbühne am Großen Jasmunder Bodden. Und wie immer sind Sage und Historie auf solch wirksame Weise verwoben, dass man schon glauben könnte, dass Störtebecker tatsächlich das Gold der Templer gefunden hätte. Na ja, jedenfalls einen Teil davon. Und der genügt den Zuschauern auf den über 8800 blauen Sitzschalen, die allabendlich – außer sonntags – begeistert dem Spektakel folgen, das sich auf der einmalig schönen Freilichtbühne entfaltet, die sich diesmal in eine schottische Felsenküste verwandelt hat. „Suche nach dem Gold der Templer“ weiterlesen

Lass das erste Glas stehen

Von Günther Falbe

Sie stehen nicht in den Schlagzeilen und sind auch nicht bei den Talk-Shows im Fernsehen zu finden. Sie sind keine öffentlichen Personen und fungieren nicht als Berater in irgendwelchen Institutionen. Sie sind und bleiben anonym in einer freiwilligen Gemeinschaft ohne Zwänge, die ihre Hilfe allein im Gespräch bietet, zwischen Menschen, die das gleiche Schicksal haben: Sie sind Alkoholiker. Zwei Millionen Abhängige soll es allein in Deutschland geben, die Dunkelziffer ist unbekannt. Ihnen den Weg aus der Sucht anhand des eigenen Schicksals aufzuzeigen, ist die selbst gewählte Aufgabe der namenlosen Träger der weltweiten Gesellschaft der Anonymen Alkoholiker, die vor 75 Jahren in Ohio/USA gegründet wurde. „Lass das erste Glas stehen“ weiterlesen