DIE DREI VON DER TANKSTELLE (1930) oder Erfolg, Erfolg – das ist das Beste, was es gibt auf der Welt…

„Die Drei von der Tankstelle“ DE 1930
Oskar Karlweis, Willy Fritsch, Heinz Rühmann (v.l.n.r.)
Foto: DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

Franz Schulz zum 125. Geburtstag (22. März 1897 – 4. Mai 1971)
Nicht nur aus der Sicht des Stars Lilian Harvey soll der Ufa-Film DIE DREI VON DER TANKSTELLE ihr erster großer Erfolg werden. Die parodistische Filmoperette, die mehr Musical-Charakter hat als das, was sich heute oft so nennt, soll zum größten Kassenschlager der Spielzeit l930/3l überhaupt werden.

Wie meistens auch im Leben, so hat auch im Kino der Erfolg mehrere Väter. Allen voran: der Ufa-Produktionschef Erich Pommer, Leiter der größten Filmproduktionsgruppe. Er möchte den klischeehaften Operettenstil nicht mehr fortsetzen; ihm schwebt etwas Zeitnahes vor, etwas aus dem Alltag. Da kommt ihm das Filmexposé des Drehbuchautors Franz Schulz, dem „Meister der leichten Hand“, und dessen Co-Autor Paul Frank auf den Tisch. Pommer liest die paar Seiten und – er ist begeistert! Das ist genau sein Stoff: Drei junge Leute machen sich in der Wirtschaftskrise 1929 selbstständig. Franz Schulz und Paul Frank werden mit dem Drehbuch beauftragt. Dieses Drehbuch, das die beiden schreiben, ruft bei Lilian Harvey helle Begeisterung hervor: „Als Erich Pommer mir das Manuskript von den DREI VON DER TANKSTELLE in die Hand drückte, dachte ich nur neugierig: Was werden uns diese beiden Drehbuchautoren beschert haben? Ich kann Ihnen heute schon verraten (Deutsche Tageszeitung vom l4.9.l930) – es war das lustigste Drehbuch, das ich je gelesen habe…“ Lustig! – und das mitten im Wirtschaftskrisen-Alltag von l930 mit 4,4 Millionen Arbeitslosen. Doch genau das wollte Erich Pommer: die Menschen von ihrer Misere ablenken, ihnen wenigstens ein paar heitere Stunden gönnen. Der erfolgreiche Ufa-Regisseur Wilhelm Thiele erklärt zur Konzeption des Films: „Es galt, ganz neue Momente zu gewinnen… Mit der Einführung des tänzerischen Elements in die Tonfilmoperette haben wir versucht, das gesamte Geschehen des Films musikalisch-rhythmisch aufzulösen… Gesang, Musik, Bewegung stehen im Dienste der Gesamtkomposition.“

Lilian Harvey, Willy Fritsch, Oskar Karlweis und Heinz Rühmann
Foto: DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

Dieser Ufa-Film hat seinen Ruhm nicht zuletzt seinen Darstellern zu verdanken: Dem „Traumpaar“ Lilian Harvey und Willy Fritsch sowie Oskar Karlweis und einem ungemein komödiantischen Heinz Rühmann, der hier als künftiger Star seinen Durchbruch schafft. Und der im übrigen – das wollen wir an dieser Stelle gleichfalls würdigen – an 7. März d.J. seinen 120. Geburtstag hatte. Mit der Unterzeichnung seines Ufa-Vertrages wurde Rühmann damals auch bei Lloyd’s in London versichert. Den Fragebogen muß er wohl als sehr komisch empfunden haben, denn zu der Frage: „Ist Ihnen ein Umstand bekannt, der Sie bei der Ausübung Ihrer Tätigkeit hindert?“ schreibt Rühmann kess: „Saufen.“ Offenbar kannte Lloyd’s diesen Ausdruck nicht und fragt zurück: „Was ist das, bitte, Saufen?“ Die Ufa empfahl Lloyd’s, dieses Wort ersatzlos zu streichen und vor allem möglichst schnell zu vergessen…Unvergessen hingegen blieb Heinz Rühmann als einer der DREI VON DER TANKSTELLE.

Und unvergessen auch Felix Bressart als skurriler Gerichtsvollzieher, aus Ostpreußen stammend, wo er in Eydtkuhnen am 2.3.1892 , also vor 130 Jahren, geboren wurde, um als Exilant in Hollywood mit seiner bedeutendsten Rolle als Politkommissar Buljanoff in Lubitschs NINOTSCHKA (1939) weltberühmt zu werden. Zu einer weiteren Erfolgssäule der „Tankstelle“ wird die unschlagbar mitreißende Musik des Komponisten Werner Richard Heymann zu den Texten von Robert Gilbert, Lieder, die dem Film den unverwechselbaren Ton geben und zu Evergreens werden wie „Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt…“ W.R. Heymann, aus Königsberg /Ostpreußen  stammend (14.2.1896-30.5.1961), zählte zu den bedeutendsten Musikschöpfern der Weimarer Republik,  der Weltgeltung erlangte.

Premiere im luxuriösen Großkino an der Gedächtniskirche

Die Premiere der DREI VON DER TANKSTELLE am 15. September 1930 im Gloria-Palast, dem luxuriösen Großkino an der Gedächtniskirche in Berlin, ließ alle Beteiligten wohl den Siegeszug ihres Films erahnen. Nicht erahnen aber konnten oder wollten sie den Siegeszug eines Adolf Hitlers und seiner „belächelten Sekte“, der genau einen Tag zuvor begonnen hatte, nämlich am 14. September 1930, als Hitlers Partei bei der Wahl zum Reichstag 107 Sitze errang. Na, wenn schon! Aktuell war jetzt der Tonfilm, der den Stummfilm abgelöst hatte. Und Franz Schulz sollte nach seiner bereits erfolgreichen Stummfilmzeit als Komödienautor comme il faut jetzt zum gefragtesten Drehbuchautor der Tonfilmära werden. Bis 1933…

Franz Schulz aka Spencer
Foto: G.G. von Bülow, 1960

Ausgerechnet der unübertroffene Kassenschlager aber DIE DREI VON TANKSTELLE wird am l. Oktober 1937 von der Filmprüfstelle in Deutschland verboten. Vermutlich muss jemand bemerkt haben, wer da inzwischen längst emigriert war- seit 1933. Nicht nur der Produktionschef Erich Pommer, nicht nur der Regisseur Wilhelm Thiele, nicht nur der Komponist Werner Richard Heymann, auch sein Freund, sein guter Freund Franz Schulz war in Hollywood gelandet. Im Exil. Aus dem Franz Schulz Mitte der 1950er nach Europa zurückkehrte – als Franz Spencer (zitiert nach G.G. von Bülow: „Franz Schulz. Ein Autor zwischen Prag und Hollywood“. Eine Biographie, Prag 1997).

Veranstaltungen anlässlich Franz Schulz‘ Geburtstag:

1) CineGraph, 22.März 22: mit DIE DREI VON DER TANKSTELLE
www.cinegraph.dewww.cinefest.de

2) F.W. Murnau-Stiftung, 23. März 22 BOMBEN AUF MONTE CARLO; hierzu siehe Link: https://www.murnau-stiftung.de/index.php/filmtheater/kinoprogramm/bomben-auf-monte-carlo-0

3)   Filmmuseum München, 24. März 22:  DIE PRIVATSEKRETÄRIN, ein weiterer Erfolgsfilm der Zeit 1930/31:
https://www.kulturforum.info/de/termine/veranstaltungen/1023893-die-privatsekretaerin

„Die Drei von der Tankstelle“
DE 1930
Heinz Rühmann, Willy Fritsch, Oskar Karlweis (v.l.n.r.)
DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

Autor: G.G. von Bülow

Ginny G. von Bülow, geboren in Haldensleben/Sachsen-Anhalt; seit 1948 im "Westen" - mit wechselnden Lebensstationen von Kopenhagen bis Ibiza mit Schwerpunkten in Hamburg, Köln, Düsseldorf; lebt in Berlin. Diverse Studienreisen durch Europa, Kanada, Südafrika, USA, UdSSR und Zentralasien. Engagierte sich im Verlags- und Kommunikationsbereich, PR-Beraterin, Herausgeberin, Ghostwriter, freie Autorin seit 1994: Belletristik, Sachliteratur, Biografien. Mitglied der Hamburger Autorenvereinigung (HAV) seit 1986; Die Auswärtige Presse eV, Hamburg (DAP) seit 2012.

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