Online-Lesereihe des VS Hamburg – Bewerbung erwünscht!

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in ver.di – Landesverband Hamburg – veranstaltet seit dem 23. Februar 2021 eine digitale Lesereihe mit auf der Streaming-Plattform Twitch. Finanziert wird die Hamburger VS-Onlesung mit Hilfe von Neustart Literatur, des Deutschen Literaturfonds e.V. Um die Teilnahme können sich Schriftsteller*innen, Übersetzer*innen von literarischen Texten sowie Selfpublisher*innen bewerben, soweit sie ihren ersten Wohnsitz in Hamburg oder dem Einzugsbereich des HVV haben. Eine Mitgliedschaft im VS ist nicht notwendig.

Nach erfolgreichem Start im November ist auch die neue Winter- und Frühlings-Lesereihe des VS Hamburg beim Publikum gut angekommen. Die ersten Lesungen konnten jeweils 70 Zuschauer*innen und eine rege Diskussion im Chat verzeichnen. Da die Lesungen ab sofort auch auf YouTube abrufbar sind, ist eine weitere Verbreitung gewährleistet.

Neu erschienene Bücher von Hamburger Autor*innen

Mit diesen Lesungen trägt der VS Hamburg zur Sichtbarmachung der im Jahr 2019 und 2020 erschienenen Bücher von Hamburger Autor*innen bei. Denn in Zeiten des verlängerten Lockdowns 2021 fallen immer noch die Vor-Ort-Lesungen aus, womit eben jene Sichtbarkeit von Titeln leidet, und die Verfasser*innen auf Lesungshonorare verzichten müssen. Mithilfe der Bundesmittel des Neustarts Kultur, die über den Deutschen Literaturfonds vergeben werden, hat der Hamburger VS in ver.di die neue wöchentliche Online Lesereihe gestartet.

Die Lesungen werden auf dem twitch.tv. Kanal des VS Hamburg gestreamt. Jeweils 2 Hamburger Autor*innen und ein Moderator bestreiten die Onlesungen. Die Veranstaltungen bestehen aus 4 x 10 bis 15 Minuten Lesung mit anschließender Diskussion.

»In dieser großen Krise der Geselligkeit geht es uns um die Sichtbarkeit der aktuellen Bücher und ihrer Autoren«, betont Reimer Boy Eilers, Landesvorsitzender des Hamburger VS. »Die Lesungen werden im Gegensatz zu den meisten digitalen Lesungen natürlich vergütet, um Schriftstellerinnen und Schriftstellern den Einkommensausfall zu kompensieren.«

Die nächsten Termine und Themen sind:

13. April 2021 »Verschwörungstheorien: Reden oder Schweigen«
20. April 2021 »Morden im Norden«
27. April 2021 » Frühling: Drinnen oder draußen«
4. Mai 2021 »Alles Theater«
11. Mai 2021 »Schreiben als Passion und harte Arbeit«

Moderiert werden die Lesungen u.a. von dem Stellvertretenden VS-Bundesvorsitzenden Sven j. Olsson. Die Onlinelesungen des VS Hamburg finden dann an den folgenden Dienstagen auch jeweils um 20:15 Uhr statt. Nach ca. zehnminütigen themenbezogenen Lesungen mit jeweils zwei Autorinnen oder Autoren schließt sich eine Diskussion zu den gelesenen Werken und dem Thema an. Die einzelne Veranstaltung wird ca. 60-80 Minuten dauern.

Bewerbungen auf die Leseplätze sind für alle Hamburger Autor*innen möglich. Eine Mitgliedschaft im VS ist erwünscht, aber nicht Voraussetzung. Wer sich bereits in der ersten Staffel beworben hat, braucht nicht neu einzureichen.

Für die Lesungen können sich sowohl Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Übersetzerinnen und Übersetzer von literarischen Texten und Selfpublisherinnen/ Selfpublisher bewerben. Bei der Auswahl der Lesenden wird auf Diversität von Urheberinnen und Urhebern, Werken und Genres geachtet. Willkommen sind auch diverse Textgattungen wie z.B. Lyrik oder Drama – wichtig ist, dass die Texte nach dem 1.1.2019 erschienen/uraufgeführt sind. Das Erscheinungsdatum der vorgeschlagenen Bücher darf nicht vor dem 1. Januar 2019 liegen. Weitere Veranstaltungsthemen und -termine können über die Internetseite des VS Hamburg www.vshamburg.de eingesehen werden. Auch die Bewerbungskriterien und -bedingungen finden sich dort:

VS Hamburg liest online: Die Bedingungen

Bewerbungen bitte ausschließlich in der auf der Webseite erbetenen Form per Mail an folgende Adresse:

lesung@vshamburg.de

Dr. Reimer Boy Eilers
Landesvorsitzender VS Hamburg

VILA VITA Pannonia: Sehnsuchtsort im burgenländischen Seewinkel

Eigener Seezugung von jeder Residenz (VILA VITA Pannonia Pamhagen)

Nur 80 Kilometer von Wien, im Nordburgenland, erstreckt sich eine der eindrucksvollsten Naturlandschaften Europas – der Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel. Ein unvergleichliches Mosaik aus Wiesen, Salzlacken und dem Neusiedler See mit seinem großen Schilfgürtel liegt den Erholungsuchenden zu Füßen. Hier geht man mit der Natur auf Tuchfühlung und findet die Ruhe. Das VILA VITA Resort ist ein einzigartig weitläufiges Urlaubsareal, in dem Urlaubsgenuss auf hohem Niveau und in einer besonderen Vielfalt geboten wird. Die neuen Seeresidenzen im Resort bieten puren Luxus für alle, die am liebsten entspannen.

Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah: Die neuen Seeresidenzen im Hotel und Feriendorf VILA VITA Pannonia in Pamhagen erfüllen Sommerträume im Burgenland. Im privaten „Haus am See“ fühlen sich Genießer unbeschwert und wie im siebten Himmel. Am eigenen Badesteg werden Sommertage am erfrischenden Naturbadesee des Ferienresorts zum reinsten Vergnügen. Die naturverbundenen, höchsten ökologischen Standards entsprechenden, luxuriösen Residenzen mit 116 m2 liegen in einer verträumten Privat-Badebucht direkt am Wasser. Traumhaftes Wohnambiente und die umliegende Naturlandschaft fließen dank großer Panoramafenster ineinander. Das Private-Living-Highlight für jede Residenz:  Eine finnische Sauna, die mit hochwertigen ätherischen Ölen die Sinne umschmeichelt und die private Sonnenterrasse für ein Chill-Out. Im Obergeschoss der Häuser befinden sich zwei geräumige Schlafzimmer mit dazugehörenden Bädern. Vom kostenlosen HighSpeed WLAN bis zu eigenen Fahrrädern im Haus, vom Weinklimaschrank mit einem „Best of Burgenland“ Sortiment bis zum Privatparkplatz und vielen Extras mehr können sich Gäste der Seeresidenzen rundum verwöhnt fühlen.

Direkt hinter den neuen Residenzen wurde der Ökopark mit den „Pannonia Hills“ geschaffen: 23 geometrisch geformte Hügel und in der Mitte Kraftplätze, die das Gefühl vermitteln, mitten im Garten Eden zu sitzen. Hier bekommt die Langsamkeit Raum. Der Duft des Klimagartens, die
Zauneidechsenwelt und der Schmetterlingshügel begeistern alle, die in die „Hills“ kommen, um sich mit der Natur einzulassen.

Wenige Schritte sind es von den Seeresidenzen in das neue Lifestyle-Restaurant „die Möwe“. Auf der malerischen Seeterrasse der Gourmetoase begleiten ein herrlicher Ausblick und Sunset-Stimmung eine exzellente Küche. Gehobenes Restaurant, Lounge, Bar und Café gehen Hand in Hand. „die Möwe“ steht sowohl bei Genussliebhabern im VILA VITA als auch bei Feinschmeckern der Region hoch im Kurs.

Ein Hideaway der Ruhe und Erholung

Gästen der neuen Seeresidenzen steht das komplette Freizeitangebot des 200 Hektar großen VILA VITA Pannonia zur Verfügung. Eingebettet in die unvergleichliche Landschaft des UNESCO Welterbe-Gebiet Fertö-Neusiedler See, lassen Genießer hier den Alltag hinter sich. Das Wohnangebot ist vielfältig: In den neuen Seeresidenzen, in komfortablen Zimmern und Suiten oder in den ländlich-romantischen Bungalows im Weinlauben- und Schilfdorf. Im Wellness- und Saunaparc mit Pools und Naturschwimmteich sowie am Badesee mit Sandstrand findet jeder seinen Platz und ausreichend Privatsphäre, um tief durchzuatmen und zu entspannen. Wohltuende Massagen und erstklassige Beautytreatments erwarten alle, die sich Gutes tun möchten. Ein riesiges Angebot an Freizeitaktivitäten – vom Fahrradverleih über einen Reitstall und Tennisplätze bis hin zum Motorikpark – belebt die freien Tage mit Sport und Spaß. Laufstrecken zum Joggen und Nordic Walking, Inlineskaten und ein Bogenschießareal runden den bunten Mix an Aktivitäten ebenso ab wie Fußball- und Beachvolleyballplätze und das VILA VITA Fitnesscenter. Feinschmecker schöpfen aus dem Vollen. Von regionalen Schmankerln des Burgenlandes über internationale Buffets bis hin zur Gourmetküche bietet das VILA VITA Pannonia in vier Restaurants und drei Bars ein vielfältiges kulinarisches Konzept. In lauen Sommernächten lassen sich Genießer ein Gläschen edlen burgenländischen Wein unter dem Sternenhimmel servieren.

Natur, soweit das Auge reicht

Pamhagen und die Naturidylle Neusiedler See-Seewinkel erkundet man am besten mit dem Fahrrad. Schön angelegte Wege führen durch das beinahe endlose Mosaik aus Feuchtgebieten, Trockenrasen, Eichenwäldern, Sandsteppen, Weideflächen, Wiesenarealen und Salzlacken. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen: Etwa 300 Vogelarten leben in dem Nationalpark, darunter viele Zugvögel, die hier Rast machen. Eines der beliebtesten Ausflugsziele ist wohl der Steppentierpark. Wassergeflügel, ungarische Steppenrinder, Büffel, Weiße Esel, Wölfe, Luchse, Goldschakale, Braunbären, ungarische Wollschweine, Steppenpferde, Greifvögel und viele Tiere mehr haben hier ihren artengerechten Lebensraum gefunden und können von den Besuchern teilweise „in freier Wildbahn“ und hautnah erlebt werden. Viele Radstrecken führen an den zahlreichen Genussproduzenten der Region vorbei. Kosten und Schmecken ist die Devise, und sicher findet die eine oder andere Köstlichkeit ihren Weg in das Reisegepäck – schmackhafte Erinnerungen an einzigartige Urlaubsstunden.

Pamhagen, VILA VITA und die neuen Seeresidenzen – so werden Sehnsüchte gestillt: Schon beim Aufwachen den See vor Augen und die gute Morgenluft einatmen, ein Schritt hinaus auf den Steg und den Frühstückskaffee bereits auf der Sonnenliege genießen, wissen, dass ein ganzer Tag ohne Termine und To do‘s vor einem liegt.

Neue Residenzen am See
Geräumiger Wohnraum mit gemütlicher Couch, Esstisch, Küchenzeile mit Weinklimaschrank, Kühlschrank, Herd und Geschirrspüler, Kaminofen und angrenzender Terrasse mit hauseigenem Badesteg
Sauna mit eigener Dusche
1 WC mit Handwaschbecken
Überdachter Abstellbereich vor dem Haus
1 Schlafraum mit Doppelbett mit Panoramablick zum See, Flat-TV und Schreibtisch
1 Schlafraum mit Doppelbett, Einzel-Couch, Flat-TV und Relax-Sessel
2 Badezimmer mit Dusche, Waschbecken und WC

Preis: 2 Nächte ab 680 Euro, 4 Nächte ab 560 Euro (für bis zu 4 Erw.) inkl. Frühstück und tägl. Reinigungsservice

VILA VITA Pannonia
Storchengasse 1
A-7152 Pamhagen
Tel.: +43 (0)2175 2180-0
info@vilavitapannonia.at
www.vilavitapannonia.at

Die „Coronik“ zu Corona

Zur Ausstellung „Überall Viren?“ von Susanne Kleiber in der Bedürfnisanstalt

Während manche Kreative durch den Lockdown in eine Schaffensblockade gerutscht sind, hat Susanne Kleiber ihre eigene „Coronik“ erstellt: Auf siebzig Seiten der ZEIT, die mit Artikeln zu Corona bedruckt sind, hat sie während des ersten Lockdowns ihre markanten Figuren gezeichnet. Einen Teil der Bilder stellt sie jetzt in der Bedürfnisanstalt aus. Diese Figuren berühren und bleiben im Gedächtnis, weil sie weder irgendwelchen Moden oder Schönheitsidealen folgen noch besonders vorteilhaft posieren. Sie sind wie sie sind und fordern mich als Betrachterin selbstbewusst dazu auf, sie mit ihren Ecken und Kanten wahrzunehmen. Susanne Kleiber hat, nachdem das Aktzeichnen an der Kunstklinik in Eppendorf wegen der Pandemie-Regeln nicht mehr möglich war, in Zoom-Konferenzen Aktmodelle gemalt. Eine Serie dieser Bilder ist ebenfalls in der Bedürfnisanstalt zu sehen.

In der Ausgabe Nr. 9 der ZEIT wurde die Künstlerin porträtiert und hat die Seite mit einer Illustration bereichert, die in der Ausgabe gedruckt wurde. Das kann man durchaus als Kunstdruck betrachten – aber es gibt schon mehrere Exemplare dieser Seite, die Susanne Kleiber noch weiter gestaltet und sie damit wieder zu einem Unikat gemacht hat. Man kann, sofern man im Besitz einer dieser Seiten ist, die Künstlerin mit so einer Zeichnung beauftragen. Der Artikel ist auch online abrufbar: Artikel ZEIT online

Übermalte und freigelassene Textteile und Überschriften bilden eine Symbiose mit Susanne Kleibers Zeichnungen und bauen gleichzeitig eine Spannung zwischen Typographie und freien Strichen auf. Ein klares Konzept, das sowohl die Zeichenkunst als auch das Printmedium Zeitung in einem neuen Blickwinkel zu betrachten auffordert.

Die Ausstellung ist noch bis zum 26. März 2021 in der Bedürfnisanstalt, Bleichenallee 26 a, 22763 Hamburg, zu sehen. Da es nur ein kleiner Raum ist und man fast eine ganze Fensterfront öffnen kann, können die Kunstwerke fast im Freien betrachtet werden (mit Mund-Nasen-Schutz). Zu jeder Tages- und Nachtzeit sind die Werke darüber hinaus durchs Fenster zu sehen.

Homepage der Künstlerin

Poetische Texte zum Tag der Poesie

Zum Internationalen Tag der Poesie lesen sechs Mitglieder des Schriftstellerverbands aus Hamburg. Lauschen Sie Lyrik und Prosa von Ferry Blume-Werry, Lutz Flörke, Esther Kaufmann, Vera Rosenbusch, Maren Schönfeld und Margret Silvester. Poetische Texte an einem poetischen Ort.

21. März 21 von 14 bis 16 Uhr

Wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen wird die Veranstaltung als Stream im Internet angeboten: twitch.tv/vshamburg und ist 14 Tage lang auf der Plattform nachhörbar.

#vshamburg #tagderpoesie

Nostalgisch – Paternoster in der Hansestadt

In Hamburg gibt es noch zwölf Paternoster, die öffentlich zugänglich sind. Fotomontage: L. Hoffmann

„Zu zweit dürfen Sie den aber nicht benutzen“, sagt der zuständige Wachmann, als ein Paar in den Paternoster einsteigt. „Ich bin mit den Dingern aufgewachsen“, ruft ihm der Mann zu und schwebt mit seiner Begleitung nach oben.
`Benutzung nur für Eingewiesene´ steht auf dem Schild neben dem Paternoster im Hamburger Bezirksamt Eimsbüttel. Und dies ist durchaus ernst gemeint. Eine offizielle Anordnung von ganz oben, die es unter der Rubrik „Der reale Irrsinn“ sogar in die Fernsehsendung Extra3 schaffte.
Der erste Umlaufaufzug der Welt wurde 1876 in England entwickelt und im General Post Office in London zum Transport von Paketen eingesetzt. Später diente er auch der Personenbeförderung.
In Hamburg wurde der erste Paternoster 1886 im neu errichteten Dovenhof eingeweiht. Er blieb nicht der einzige. In den hafennahen Gebieten der Hansestadt entstanden in den Jahren darauf zahlreiche Geschäfts- und Kontorhäuser, die mit Umlaufaufzügen ausgestattet wurden.
Von den rund 30 noch erhaltenen Paternosteraufzügen in Hamburg sind heute nur zwölf öffentlich zugänglich. Zu finden sind diese unter anderem im Paulsenhaus am Neuen Wall, in der Finanzbehörde am Gänsemarkt und – wie bereits erwähnt – im Bezirksamt Eimsbüttel.
Mit dem historischen Umlaufaufzug können Sie endlos rauf und runter fahren. Aber denken Sie daran: Niemals zu zweit in eine Kabine steigen und Ihr Fahrrad bitte vor der Tür stehen lassen. Und wenn dann ein Wachmann auf Sie zukommt, seien Sie freundlich: Er möchte Sie lediglich vor der waghalsigen Fahrt mit dem Paternoster ordnungsgemäß einweisen. Ganz so, wie es der Vorschrift entspricht.

 

Was Körper und Geist im Inneren verbindet

Mit dem gut 200 Seiten starken Gedichtband „Silberfäden“ legt Gino Leineweber in einer Gesamtausgabe seine beiden ersten Sammlungen vor. Der Verleger und Poet Simo Eric aus dem Verlag „Das Bosnische Wort“ würdigt den international vernetzten Lyriker und Verleger in seinem Vorwort.

Dessen Lyrik wechselt zwischen – philosophischen – Blicken auf das große Ganze und situativen Betrachtungen einzelner Themen, Erlebnisse und Empfindungen. Der Autor verhandelt ehrlich und unverstellt, ohne inhaltliche oder formelle Attitüden, in knapp formulierten, prägnanten und überwiegend kurzen Poemen den jeweiligen Gegenstand seines Gedichts. Dabei lässt er angenehmen, aber nicht zu großen Raum für die Interpretation. Er bezieht Position, ohne eine Lesart zu vorzugeben. Ernste Themen, auch bedrückende wie das Leid, das Menschen an anderen begehen, wechseln mit lakonisch-humorvollen Texten ab, wenn der Autor sich selbst, aber auch das vermeintlich typisch Männliche bzw. Weibliche aufs Korn nimmt.

Der Einblick in männliches Empfinden, humorvoll zuweilen, manchmal auch größte Pein durchlassend, ist faszinierend. Das Alter(n), die Rolle in Beziehungen und in der Welt geht in die Lyrik ein und trägt zwischen den Zeilen Ungesagtes weiter, das nach der Lektüre fortwirkt. Die poetische Auseinandersetzung mit weltlichen Dingen wie Besitz und Status bleibt so angenehm zurückhaltend und verknappt, dass das Nachdenken darüber und das Herstellen eines Bezugs zur eigenen Lebenssituation fast unbemerkt beginnen. Von der allumfassenden Perspektive zurück im Detail, zeigt Gino Leineweber auf, was wir alle in den Beziehungen zu unseren Familien und Partnern erleben und versäumen. Berührend spiegelt er u.a. Bande zwischen Vater und Sohn, das als selbstverständlich Hingenommene der elterlichen Zuwendung und Versorgung, die Angst, dass es zu spät sein könnte, etwas zu äußern. Auch Prägungen der Kindheit sind eindrucksvoll Thema:

Schulzeit

Fliehen lernen
Andere Welten
Endlich lesen

Dabei schreibt er mal mit lyrischem Ich, mal in der dritten Person, was eine distanzierte, originelle Perspektive ist. Dass der Lyriker hieraus jedoch kein Dogma macht, sondern offensichtlich für jedes Gedicht entscheidet, ob es ein lyrisches Ich – oder ein Du – bekommt oder nicht, zeigt die aufmerksame Komposition. Überhaupt lassen die Gedichte den Schluss zu, dass Gino Leineweber ein reflektierter und bewusst wahrnehmender Mensch ist. Ein Gedicht aus dem ersten Kapitel empfinde ich als wegweisend:

Ich

Das Ich ist
Was Körper und Geist
Im Innern verbindet

Die Mitte der Platz
An dem
Von Augenblick zu Augenblick
Sich das Bewusstsein findet

Mich haben die Gedichte inspiriert, innezuhalten, hinzusehen, meine Innen- und Außenwelt bewusster wahrzunehmen und die Empathie für meine Mitmenschen nicht zu vergessen.

Immer schön cool bleiben

„O tempora, o mores”, ruft die Lehrerin in gespieltem Entsetzen aus, während ihre Klasse sich trotz ihrer Bitte um Ruhe und Ordnung schreiend und schubsend in den S-Bahn Waggon ergießt. Im Nu liegen Ranzen und Rucksäcke wild verstreut am Boden und ein zäher Kampf entbrennt um die Fensterplätze. Als zwei halbwüchsige Rowdys mit den Fäusten aufeinander losgehen, greift die Lehrkraft entschlossen ein: „Also, Daniel, Jörg, immer schön cool bleiben“, mahnt sie mit beschwörender Stimme und erinnert dabei lebhaft an eine Dompteurin im Raubtierkäfig.

Auf der Rolltreppe begegne ich den beiden Kampfhähnen wieder. Ihre Streitigkeiten haben sie inzwischen beigelegt. Dafür belästigen sie jetzt voller Inbrunst andere Leute, indem sie sich mit verschränkten Armen vor ihnen aufbauen und sie am Verlassen der Treppe hindern. Eine elegante ältere Dame, die offenbar den Anschlusszug noch erreichen will, versucht sich mit aller Macht an ihnen vorbei zu winden.
„Hey, du alte Gruftspinne, mal’n bisschen mehr Benehmen“, sagt der eine der beiden Flegel. Da entfleucht der Frau, die vor Wut putterot angelaufen ist, ein Wort, das zivilisierte Menschen üblicherweise mit „Armleuchter“ zu umschreiben pflegen. Wie von einem Zauberstab berührt, treten die Jungen zur Seite und sehen der eben noch Geschmähten mit unverhohlener Ehrfurcht nach. „Echt geil“, sagt der eine, „was die Mutter für Ausdrücke drauf hat.“

Nachwort: Das oben Geschilderte widerfuhr mir wenige Wochen vor dem ersten Lockdown, als unser Dasein in geregelten Bahnen verlief und wir alle noch unmaskiert die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen durften. Da tobte das pralle Leben, wozu auch gelegentliche verbale Entgleisungen von frechen Buben wie Daniel und Jörg gehörten. Ich gestehe, dass diese mir jetzt viel weniger ausmachen würden als die gegenwärtige depressive Stimmung, die wie Blei auf uns allen lastet.